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Winterspeck: Gibt es ihn wirklich? Was die Daten zeigen

Ja, Winterspeck gibt es: Das Körpergewicht schwankt übers Jahr, mit dem Gipfel im Winter und dem Tief im Sommer. In Messstudien sind es aber rund ein halbes Kilogramm, nicht die oft genannten ein bis zwei Kilo. Zwischen Herbstbeginn und Mitte November passiert messbar wenig, die Zunahme fällt fast ganz in die Feiertage. Der Körper braucht im Winter nicht mehr Energie. Das eigentliche Problem: Im Mittel wird der Winterzuwachs im Frühjahr und Sommer nicht wieder abgebaut.

Dieser Artikel legt die Jahreskurve des Körpergewichts aus Messstudien offen, erklärt, warum der Ruheumsatz im Winter steigt und der Verbrauch trotzdem gleich bleibt, und prüft die gängigen Erklärungen von Kälte bis Frühlingssonne.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die gemessene Jahresschwankung des Körpergewichts liegt bei rund 0,5 Kilogramm. Die Autoren der Kernstudie nennen die Größenordnung selbst „generally small“.
  • Von Ende September bis Mitte November fand eine prospektive Studie keine signifikante Gewichtsänderung (p = 0,36). Winterspeck ist in erster Linie Feiertagsspeck.
  • Vom Herbst bis Februar oder März blieben netto 0,48 Kilogramm, und die waren im folgenden Herbst immer noch da. Der Frühling baut sie im Mittel nicht ab.
  • Der Schlafumsatz ist im Winter etwas höher, der Gesamtenergieverbrauch trotzdem gleich, weil die Aktivität sinkt (PAL 1,76 im Winter gegen 1,87 im Sommer).
  • Ein Scoping-Review mit 110 Studien und gerätegemessener Bewegung zeigt: im Winter weniger Aktivität, mehr Sitzen. Eine Meta-Analyse mit 26 Studien zeigt: im Winter mehr Energieaufnahme.
  • Wiederholte Winterdepressionen betreffen rund 3,4 Prozent. Für sie ist gesteigerter Appetit ein echtes Symptom, für die Mehrheit ist Dunkelheit nicht die Erklärung.

Gibt es Winterspeck wirklich?

Ja, aber er ist klein. Mehrere große Datensätze aus verschiedenen Ländern finden dasselbe Muster: Das Körpergewicht erreicht im Winter seinen höchsten und im Sommer seinen niedrigsten Stand. Die Ausschläge liegen im Bereich von Hunderten Gramm, nicht von Kilos.

Wie groß die Schwankung übers Jahr ist

Die genaueste Beschreibung der Jahreskurve stammt aus einer Längsschnittstudie aus Massachusetts mit 593 Erwachsenen zwischen 20 und 70 Jahren, überwiegend mit Übergewicht. Jede Person wurde innerhalb eines Jahres fünfmal gewogen. Das Gewicht schwankte um etwa ein halbes Kilogramm, mit dem Gipfel im Winter; der Unterschied zwischen Winter und Sommer war statistisch klar (p < 0,001). Die Autoren bezeichnen die Größenordnung dennoch als „generally small“. Etwas stärker fiel die Schwankung bei Männern und bei Menschen mittleren Alters aus.

Zwei weitere Datensätze bestätigen die Richtung. In der norwegischen Tromsø-Studie mit 38.037 Personen und bis zu acht Messungen zwischen 1979 und 2008 zeigte das Körpergewicht individuell ein signifikantes Saisonmuster mit Gipfel im Winter, das die Forschenden als „clinically modest“ einordnen. Und die Daten von 6.429 Nutzenden vernetzter Waagen aus sieben Ländern, darunter Deutschland, zeigen für die Nordhalbkugel das Tief im Sommer und das Hoch im Winter. Dieser Datensatz ist selbstselektiert und stammt aus einer Konferenzarbeit, Beträge nennt die Zusammenfassung nicht. Als Bestätigung des Musters taugt er trotzdem.

Warum die kursierenden Zahlen größer sind

Angaben wie „ein bis zwei Kilo Winterspeck“ oder Hochrechnungen auf zehn Jahre haben keine auffindbare Messquelle. Sie entstehen meist, weil Winter und Feiertage in einen Topf geworfen, Einzelwerte verallgemeinert oder Wochenwerte einfach aufaddiert werden. Hinzu kommt: Ein Mittelwert von einem halben Kilo schließt nicht aus, dass einzelne Menschen deutlich mehr zunehmen. Die Streuung ist groß, darauf kommen wir im nächsten Abschnitt zurück.

Wie anschaulich der Mechanismus im Einzelfall aussehen kann, zeigt eine ungewöhnliche Fallstudie: Ein Energieumsatzforscher hat sich 20 Jahre lang täglich gewogen. Sein Gewicht schwankte jedes Jahr um rund 3 Kilogramm, mit dem Gipfel in den kalten Wintermonaten bei der niedrigsten Aktivität, und die Schwankung bestand überwiegend aus Fett. Das ist ausdrücklich ein Einzelfall mit n = 1, kein Durchschnittswert. Er zeigt aber, wie eng Gewichtskurve und Bewegungskurve zusammenhängen können.

Der Taillenumfang reagiert empfindlicher als die Waage

In einem niederländischen Survey mit 8.186 Männern und 9.638 Frauen aus drei Städten waren BMI und Taillenumfang im Winter höher als im Sommer. Die saisonale Schwankung fiel beim Bauchumfang größer aus als beim BMI, die Autoren halten den Taillenumfang deshalb für den empfindlicheren Indikator. Einschränkung: Das war ein Querschnitt über die Jahreszeiten, gemessen wurden also nicht dieselben Personen im Sommer und im Winter. Praktisch heißt das trotzdem: Wer wissen will, ob sich über den Winter etwas tut, sollte nicht nur auf die Waage schauen, sondern auch das Maßband nehmen.

Person im Strickpullover sitzt mit Decke und einer Tasse Tee auf dem Sofa, draußen ein verschneiter Wintertag

Wann der Winterspeck entsteht: nicht im Herbst

Der Winterspeck entsteht fast vollständig in den Wochen um Weihnachten, nicht in den dunklen Herbstmonaten. Das ist die wichtigste Information, die bei „Winterspeck“ meist untergeht, denn die Formulierung suggeriert eine schleichende Zunahme von Oktober bis März.

Die genaueste Zeitachse liefert eine prospektive Studie mit 195 Erwachsenen, die im New England Journal of Medicine erschienen ist. Von Ende September oder Anfang Oktober bis Mitte November änderte sich das Gewicht nicht signifikant (p = 0,36). Die Zunahme fiel ins Feiertagsfenster. Von dort bis Februar oder März wurde nichts abgebaut: Netto blieben vom Herbst bis zum Winterende 0,48 Kilogramm (p = 0,003) – bei einer Standardabweichung von 2,22 Kilogramm. Diese Streuung ist größer als der Mittelwert selbst. Im Klartext: Manche Teilnehmenden nahmen deutlich zu, andere gar nicht oder sogar ab.

Eine europäische Studie mit 1.242 Erwachsenen, die sich täglich wogen, kam zum selben Bild: Die Saisonmuster wurden vor allem durch die Weihnachtszunahme geprägt und unterschieden sich zwischen Gruppen kaum. Wie groß die Zunahme zwischen Ende November und dem 2. Januar tatsächlich ist und was davon im März noch übrig ist, steht in unserem Artikel An Weihnachten nicht zunehmen.

Zeitraum Was die Messungen zeigen Quelle
Ende September bis Mitte November keine signifikante Gewichtsänderung (p = 0,36) Yanovski 2000
Mitte November bis Anfang Januar hier fällt die Zunahme an; die Saisonmuster werden vor allem von Weihnachten geprägt Yanovski 2000, Turicchi 2020
Januar bis Februar/März kein Abbau; netto 0,48 ± 2,22 kg über dem Herbstwert Yanovski 2000
Frühjahr und Sommer bis zum nächsten Herbst keine weitere signifikante Änderung (+0,21 kg, p = 0,13); die Winterzunahme bleibt Yanovski 2000
Jahresverlauf insgesamt Gipfel im Winter, Tief im Sommer, Amplitude rund 0,5 kg Ma 2006, Hopstock 2013, Mehrang 2016

Die Autoren der Zeitachsen-Studie folgern, dass diese Netto-Zunahme im Herbst und Winter wahrscheinlich zur Gewichtszunahme im Erwachsenenalter beiträgt. Das ist eine plausible Schlussfolgerung, keine Messung über viele Jahre. Sie erklärt aber, warum ein halbes Kilo relevant sein kann: nicht als einmaliger Ausschlag, sondern als Stufe, die stehen bleibt.

Braucht der Körper im Winter mehr Energie?

Nein. Der Energieverbrauch im Ruhezustand steigt im Winter zwar ein wenig, doch der Gesamtverbrauch bleibt gleich, weil sich die Menschen weniger bewegen. Beide verbreiteten Aussagen – „im Winter braucht der Körper mehr, also darf man mehr essen“ und „der Stoffwechsel ist das ganze Jahr völlig konstant“ – sind damit falsch.

Der Ruheumsatz steigt ein wenig

Eine niederländische Forschungsgruppe hat 25 Erwachsene viermal im Jahr über Nacht in einer Respirationskammer gemessen. Der Schlafumsatz war im Winter am höchsten (4,54 Kilojoule pro Minute) und im Sommer am niedrigsten (4,34 Kilojoule pro Minute). Die Jahreszeit erklärte 17 Prozent der Schwankung innerhalb einer Person, und zwar nicht über Körperzusammensetzung, Schilddrüse oder das Hormon Leptin. Rechnet man die Differenz von 0,20 Kilojoule pro Minute hoch, ergeben sich rund 4,6 Prozent oder etwa 290 Kilojoule (rund 70 Kilokalorien) über 24 Stunden. Das ist unsere eigene Rechnung aus den veröffentlichten Werten, kein gemessener Tageswert – und ausdrücklich kein Spielraum, den man „aufessen“ dürfte.

Der Gesamtverbrauch bleibt trotzdem gleich

Dieselbe Gruppe hat den Gesamtenergieverbrauch mit doppelt markiertem Wasser bestimmt, der Goldstandardmethode für den Alltag. Ergebnis: kein Unterschied zwischen Sommer und Winter. Die körperliche Aktivität, ausgedrückt als PAL-Wert, war im Sommer dagegen höher: 1,87 gegen 1,76 (p < 0,001), bei Männern mit größerem Unterschied als bei Frauen. Der etwas höhere Grundbedarf im Winter wird also durch weniger Bewegung aufgewogen. Unterm Strich verbraucht der Körper im Winter nicht mehr als im Sommer. Was den Energieverbrauch tatsächlich nennenswert verändert, erklärt unser Artikel Stoffwechsel ankurbeln, die Begriffe Ruhe- und Gesamtumsatz unser Beitrag zu Grundumsatz und Kalorienbedarf.

Braunes Fett folgt eher der Tageslänge als der Kälte

Braunes Fettgewebe kann Energie in Wärme umwandeln. In einer Auswertung von 3.614 PET/CT-Aufnahmen aus der klinischen Routine war aktives braunes Fett im Winter häufiger zu sehen (7,2 Prozent der Aufnahmen) als im Sommer (2,5 Prozent). Überraschend: Die Aktivität hing enger mit der Tageslänge zusammen (r² = 0,876) als mit der Außentemperatur (r² = 0,696). Die Stichprobe bestand aus Patientinnen und Patienten, nicht aus der Allgemeinbevölkerung. Der Befund widerspricht aber der Vorstellung, der Körper schalte im Winter auf Speichern: Wenn überhaupt, ist ein wärmebildendes Gewebe im Winter aktiver.

Auch eine Kälteanpassung ist messbar. In einer Klimakammer stieg der Stoffwechsel bei drei Stunden leichter Kälte von 15 °C im Winter stärker an als im Sommer (+11,5 gegen +7,0 Prozent). Das gilt allerdings für eine Kälteexposition, die im beheizten Alltag kaum vorkommt. Ob Kälte selbst genug Kalorien verbrennt, um auf der Waage anzukommen, haben wir beim Sport in der Kälte anhand von 47 klinischen Studien geprüft: nicht in einem relevanten Ausmaß.

Kein Winterschlaf-Programm

Nager und Winterschläfer steuern ihre Fettdepots über Tageslänge und das Hormon Melatonin. Für ein vergleichbares Programm beim Menschen gibt es keine direkte Humanstudie. Ein Befund spricht sogar dafür, dass der moderne Alltag ein solches Signal überdeckt: Bei Männern, die unter städtischem Natur- und Kunstlicht lebten, fanden Forschende keine Sommer-Winter-Unterschiede in der nächtlichen Melatonin-Ausschüttung, im morgendlichen Cortisolanstieg, im TSH-Wert der Schilddrüsensteuerung und in der Körperkerntemperatur. Die kleine, reine Männerstudie ist kein Beweis. Zusammen mit der geringen Amplitude und dem Feiertagsgipfel ergibt sich aber ein stimmiges Bild: Winterspeck ist beim Menschen vor allem Verhalten, nicht Biologie.

Warum wir im Winter trotzdem zunehmen können

Weil sich zwei Dinge gleichzeitig ein wenig verschieben: Wir bewegen uns weniger und essen etwas mehr. Jede Verschiebung für sich ist klein, zusammen und über die Feiertage hinweg reichen sie für die messbare Winterstufe.

Weniger Bewegung, vor allem im Alltag

Evidenz A

Die Bewegungsseite ist am besten belegt. Ein Scoping-Review von 2021 hat 110 Studien mit 118.189 Personen aus 30 Ländern ausgewertet, in denen die Bewegung mit Geräten gemessen wurde, nicht per Fragebogen. Die Gesamtaktivität und die moderate bis intensive Aktivität waren im Sommer höher als im Winter, die sitzende Zeit im Winter höher. Aktivität hing positiv mit Tageslänge und Temperatur zusammen, negativ mit Niederschlag. Die Studien stammen fast nur aus Ländern mit hohem Einkommen, für Deutschland passt das.

Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt eine US-Kohorte mit 580 Erwachsenen: Im Sommer lag die Gesamtaktivität bei Männern um 1,4 MET-Stunden pro Tag höher als im Winter, das entspricht in der Studie rund 121 Kilokalorien, bei Frauen um 1,0 MET-Stunden oder rund 70 Kilokalorien. Gerätegemessen bewegten sich Männer im Sommer 51 Minuten pro Tag mehr. Bei Frauen waren es 16 Minuten, dieser Unterschied war nicht signifikant. Das sind beschreibende Studienwerte, keine Zielgrößen.

Der größte Teil dieses Rückgangs betrifft nicht das Training, sondern die Bewegung im Alltag: Wege, Einkäufe, Stehen, Treppen. Wie viel die ausmacht, zeigt unser Artikel zur Alltagsbewegung.

Frau im Wintermantel geht tagsüber durch einen verschneiten Park

Etwas mehr Essen im Herbst und Winter

Evidenz A für die Richtung

Ein systematischer Review mit Meta-Analyse aus 26 Studien, an dem auch das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke beteiligt war, fand: Der Winter beziehungsweise die Zeit nach der Ernte geht mit einer höheren Energieaufnahme einher. Obst, Gemüse, Eier, Fleisch, Getreide und Alkohol folgen einem Saisonmuster. Die Studien arbeiteten mit unterschiedlichen Erhebungsmethoden, die Ergebnisse streuen entsprechend.

In der Massachusetts-Studie mit 593 Teilnehmenden lag die Energieaufnahme laut Ernährungsprotokollen im Herbst 86 Kilokalorien pro Tag höher als im Frühjahr. Eine ältere US-Studie mit 7-Tage-Esstagebüchern von 315 Erwachsenen fand die höchste Aufnahme ebenfalls im Herbst, vor allem bei Kohlenhydraten, mit größeren Mahlzeiten und schnellerem Essen; im Herbst fühlten sich die Teilnehmenden am Ende einer Mahlzeit sogar hungriger. Das ist eine Einzelstudie auf Basis von Selbstauskünften.

Warum die Protokollzahlen nicht zur Waage passen. Würde jemand über Monate täglich 86 Kilokalorien mehr essen, müsste die Waage rechnerisch weit mehr als ein halbes Kilo zeigen. Das tut sie nicht. Selbstauskünfte über das Essen sind unscharf. Die Richtung „im Herbst und Winter etwas mehr“ ist gut belegt, der genaue Betrag nicht.

Dass „deftiges Winteressen“ oder „Comfort Food“ die Ursache sei, steht in vielen Ratgebern, ist aber eine Beschreibung, keine gemessene Erklärung. Wer im Winter vor allem abends Lust auf Süßes hat, findet in unserem Artikel zu Heißhunger auf Süßes die Mechanismen dahinter.

Dunkelheit, Stimmung und Appetit

Evidenz B für die Allgemeinbevölkerung

Für eine Minderheit ist die Dunkelheit ein echter Faktor. In einer Zürcher Kohorte mit 499 Personen, die über 20 Jahre begleitet wurden, hatten 3,44 Prozent wiederholt depressive Episoden im Winter, Frauen fünfmal häufiger als Männer. Diese Episoden verlaufen oft atypisch; zu den atypischen Symptomen gehören vermehrter Schlaf, gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme. Eine einmalige Winterepisode erlebten 9,96 Prozent.

Zwischen „ich merke den Winter“ und einer Diagnose liegt ein breites Spektrum. In einer US-Telefonumfrage bemerkten 92 Prozent saisonale Veränderungen von Stimmung und Verhalten, für 27 Prozent war das ein Problem, 4,3 bis 10 Prozent zeigten eine Beeinträchtigung auf dem Niveau einer saisonal abhängigen Depression. Eine deutsche Zahl in vergleichbarer Qualität haben wir nicht gefunden. Für die meisten Menschen erklärt die Winterstimmung den Winterspeck also nicht. Für Betroffene ist der gesteigerte Appetit dagegen ein Symptom, das ärztlich abgeklärt gehört. Was über Licht, Serotonin und Stimmung im Winter belegt ist, einschließlich der Lichttherapie laut deutscher Leitlinie, haben wir separat aufgeschrieben.

Vier Erklärungen, die nicht stimmen

Rund um den Winterspeck kursieren Erklärungen, die plausibel klingen, aber an der Studienlage scheitern. Die vier häufigsten im Überblick:

Behauptung Was die Daten zeigen
„Frühlingssonne schmilzt den Winterspeck, weil Fettzellen Lichtrezeptoren haben.“ Der Befund stammt aus einer Zellkultur: Isolierte Fettzellen aus der Unterhaut reagierten auf blaues Licht, die Fetttröpfchen in der Schale wurden kleiner. Eine Humanstudie, die eine Abnahme durch Sonnenlicht zeigt, gibt es nicht. Eine Zellkultur ist nicht dein Bauch.
„Vitamin-D-Mangel macht Winterspeck.“ Von Oktober bis März reicht die UV-B-Strahlung in Deutschland nicht für eine nennenswerte Vitamin-D-Bildung, das stimmt. Genetische Auswertungen sprechen aber dafür, dass ein niedriger Spiegel eher Folge eines höheren Körpergewichts ist als seine Ursache. Warum die Richtung umgekehrt ist, erklärt unser Artikel zu Vitamin D und Körpergewicht.
„Im Winter verbrennt der Körper durch die Kälte mehr, also gleicht sich das aus.“ Der Gesamtverbrauch ist im Winter gleich hoch wie im Sommer. Eine Kältewirkung, die auf der Waage ankommt, ist nicht belegt.
„Winterspeck schützt vor Kälte, der Körper braucht ihn.“ Dafür gibt es keine Humanstudie. Die Amplitude von rund einem halben Kilo, der Gipfel an den Feiertagen statt im Herbst und die fehlenden Saisonunterschiede unter Kunstlicht sprechen gegen ein Schutzprogramm. Das ist eine Einordnung aus den Daten, kein eigener Studienbefund.

Für keinen dieser Zusammenhänge gibt es übrigens eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe nach der EU-Verordnung 432/2012. Zu Winter, Kälte, Licht, Appetit, Stimmung oder Fettverbrennung existiert dort kein einziger Eintrag. Ein Produkt, das „gegen Winterspeck“ oder „gegen den Winterblues“ helfen soll, darf damit nicht werben.

Geht Winterspeck im Frühjahr von allein weg?

Im Mittel nicht. Das ist die eigentliche Nachricht hinter dem Wort „Winterspeck“. In der Studie mit der genauesten Zeitachse änderte sich das Gewicht vom Winterende bis zum folgenden September oder Oktober nicht mehr signifikant: +0,21 Kilogramm bei 165 nachgemessenen Teilnehmenden (p = 0,13). Die Netto-Zunahme aus dem Winter wurde also weder durch den Frühling noch durch den Sommer abgebaut.

Die Jahreskurve aus anderen Studien zeigt zwar im Sommer ein Tief. Das verträgt sich mit diesem Befund, denn beide beschreiben Mittelwerte mit großer Streuung. Entscheidend für die Praxis: Längere Tage, mehr Sonne und ein paar Spaziergänge mehr gleichen die Winterstufe nicht zuverlässig aus. Wer darauf wartet, trägt sie im Zweifel in den nächsten Winter mit.

Einen Sonderzustand des Körpers im Frühling gibt es dabei nicht. Dass man im Frühjahr messbar müder wird, zeigen die Langzeitdaten übrigens ebenfalls nicht, mehr dazu in unserem Faktencheck Frühjahrsmüdigkeit.

Wer die Winterzunahme wieder loswerden will, braucht deshalb zwei Dinge: über einige Wochen ein Energiedefizit und danach eine Phase, in der das neue Gewicht bewusst gehalten wird. Ohne die zweite Phase entsteht genau das Muster, das die Studien beschreiben: jedes Jahr eine kleine Stufe, die stehen bleibt.

Abnehmen und danach halten, als ein Plan. Die 30 Tage Stoffwechselkur von VitalBodyPLUS ist ein kalorienreduziertes, eiweißbetontes Programm mit individuell berechnetem Bedarf statt einer Pauschalzahl, mit festem Ablauf und einer echten Stabilisierungsphase, die von Anfang an Teil des Plans ist. Die Ernährungsberatung ist enthalten, und Magdalena Mathiessen und ihr Team begleiten die Kurgruppen täglich persönlich per WhatsApp. Auf den Frühling oder den 1. Januar musst du dafür nicht warten.

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Schüssel Wintergemüsesuppe auf einem Holztisch, daneben Wurzelgemüse

Was gegen den Winterspeck wirklich hilft

Die Daten zeigen drei Ansatzpunkte: die Bewegung im Alltag über den Winter halten, das Feiertagsfenster bewusst begleiten und eine Zunahme früh bemerken, statt auf den Frühling zu hoffen. Keine dieser Maßnahmen ist spektakulär, aber jede setzt dort an, wo der Winterspeck tatsächlich entsteht.

Die Bewegung im Alltag über den Winter halten

Der messbarste Unterschied zwischen Sommer und Winter ist die Bewegung. Wer im Winter die Alltagswege beibehält und längere Sitzphasen unterbricht, fängt genau den Rückgang ab, den die Gerätemessungen zeigen. Das ist keine Kalorien-Gegenrechnung für Plätzchen – an den Feiertagen blieb der Gesamtverbrauch trotz Bewegung gleich, die Zunahme kam von der Essensseite. Es geht darum, den Winter nicht zur Sitzsaison werden zu lassen.

Das Feiertagsfenster bewusst begleiten

Weil der Winterspeck fast vollständig zwischen Ende November und Anfang Januar entsteht, lohnt sich Aufmerksamkeit vor allem dort, nicht schon im Oktober. Welche Maßnahme für diese Wochen am besten belegt ist, steht in unserem Weihnachtsartikel unter die einzige Maßnahme mit Studienbeleg für die Feiertage.

Taille oder Waage im Blick behalten

Eine Stufe von einem halben Kilo fällt im Alltag kaum auf, eine Stufe, die jedes Jahr dazukommt, schon. Wer sich regelmäßig wiegt oder einmal im Monat den Taillenumfang misst, bemerkt eine Zunahme früh. Der Bauchumfang reagierte in den niederländischen Daten empfindlicher als der BMI. Worauf es beim Wiegen ankommt, damit Wasser und Kleidung die Zahl nicht verzerren, erklärt unser Artikel Richtig wiegen.

Nicht auf den 1. Januar oder den Frühling warten

Wer den Neustart auf den 1. Januar legt, wählt ausgerechnet den Zeitpunkt direkt nach dem Feiertagsgipfel. Was einen Neujahrsvorsatz zum Abnehmen trotzdem tragfähig macht, steht dort. Und wer im Frühling abgenommen hat, sollte das Halten genauso ernst nehmen wie das Abnehmen: Wie das gelingt, zeigt unser Artikel Gewicht halten nach der Diät.

Die Winterstimmung ernst nehmen

Wenn Niedergeschlagenheit, viel Schlaf und gesteigerter Appetit jeden Winter wiederkehren und den Alltag beeinträchtigen, ist das kein Disziplinproblem. Dann gehört die Frage in eine ärztliche Praxis, nicht in einen Ernährungsplan. Wie Schlaf und Appetit zusammenhängen, erklärt der Artikel Schlaf und Abnehmen.

Häufige Fragen

Wie viel nimmt man im Winter im Durchschnitt zu?

In Messstudien schwankt das Körpergewicht übers Jahr um rund ein halbes Kilogramm, mit dem Gipfel im Winter und dem Tief im Sommer. In einer prospektiven Studie lag die Netto-Zunahme vom Herbst bis Februar oder März bei 0,48 Kilogramm, allerdings mit einer Standardabweichung von 2,22 Kilogramm. Einzelne Menschen nehmen deutlich mehr zu, andere gar nicht.

Warum nimmt man im Winter zu?

Weil zwei kleine Verschiebungen zusammenkommen. Gerätemessungen zeigen im Winter weniger Bewegung und mehr sitzende Zeit, eine Meta-Analyse mit 26 Studien zeigt im Winter eine höhere Energieaufnahme. Der Körper selbst verlangt nicht nach mehr Energie: Der Gesamtverbrauch ist im Winter gleich hoch wie im Sommer. Den größten Einzelanteil liefern die Feiertage.

Braucht der Körper im Winter mehr Kalorien?

Nein. Der Schlafumsatz ist im Winter zwar messbar etwas höher als im Sommer, rechnerisch um rund 4,6 Prozent. Gleichzeitig sinkt die körperliche Aktivität. Mit der Goldstandardmethode gemessen, blieb der Gesamtenergieverbrauch zwischen Sommer und Winter deshalb gleich. Einen höheren Bedarf, der mehr Essen rechtfertigen würde, gibt es nicht.

Geht Winterspeck im Frühling von allein weg?

Im Mittel nicht. In der Studie mit der genauesten Zeitachse war die Netto-Zunahme vom Winter bis zum folgenden Herbst nicht wieder abgebaut. Frühlingssonne und längere Tage allein ändern daran nichts. Wer die Winterzunahme wieder loswerden will, braucht über einige Wochen ein Energiedefizit und danach eine Phase, in der das neue Gewicht gehalten wird.

Macht Dunkelheit Heißhunger?

Bei einer Minderheit ja. Wiederholte Winterdepressionen betrafen in einer Zürcher Langzeitkohorte 3,44 Prozent der Teilnehmenden. Zu den typischen Symptomen gehören gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme. Für die Mehrheit ist Dunkelheit aber nicht die Erklärung des Winterspecks. Anhaltende Niedergeschlagenheit im Winter solltest du ärztlich abklären lassen.

Hilft Vitamin D gegen Winterspeck?

Dafür gibt es keinen Beleg. Genetische Auswertungen sprechen dafür, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel eher Folge eines höheren Körpergewichts ist als seine Ursache. Für Vitamin D gibt es auch keine zugelassene Aussage zu Gewicht, Fettabbau oder Stimmung. Wer ergänzt, sollte die tolerierbare Höchstmenge der EFSA von 100 Mikrogramm pro Tag für Erwachsene nicht überschreiten.

Weiterlesen

Quellen

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  • Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission, Anhang (Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben), konsolidierte Fassung.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Wenn Niedergeschlagenheit im Winter anhält oder jedes Jahr wiederkehrt, oder wenn du ohne erkennbaren Grund zunimmst, lass das bitte ärztlich abklären. Alle genannten Studienergebnisse sind Mittelwerte aus Untersuchungsgruppen und nicht auf den Einzelfall übertragbar.