OPC aus Traubenkernen: Was dahintersteckt und was die Forschung sagt
OPC steht für oligomere Proanthocyanidine – eine Gruppe von Pflanzenstoffen aus der Familie der Polyphenole. Besonders reich daran sind Traubenkerne, Traubenschalen und Kiefernrinde. Im Labor zeigen diese Stoffe eine ausgeprägte Fähigkeit, freie Radikale abzufangen. Was daraus im menschlichen Körper wird, ist deutlich schwieriger zu beantworten – und genau darum geht es auf dieser Seite.
Über kaum einen Pflanzenstoff wird im deutschsprachigen Netz so viel geschrieben wie über OPC. Die Bandbreite reicht von „unterschätztes Antioxidans" bis „Wundermittel gegen alles". Wir verkaufen selbst ein Produkt mit Traubenkernextrakt – umso wichtiger ist uns, dass hier steht, was tatsächlich bekannt ist, was untersucht wird und wo die Forschung noch nichts hergibt. Auch dort, wo eine ehrliche Antwort weniger verkauft.
Inhalt
- Was OPC eigentlich ist
- Wo OPC in der Natur vorkommt
- Wie OPC bekannt wurde
- Antioxidantien und oxidativer Stress
- Die Frage, die selten gestellt wird: Bioverfügbarkeit
- Was die Forschung untersucht
- Warum es keine zugelassene Aussage gibt
- Worauf du beim Kauf achten solltest
- Einnahme und die Sache mit Vitamin C
- Sicherheit, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen
- Häufige Fragen
Was OPC eigentlich ist
Pflanzen stellen tausende Stoffe her, die nicht der Ernährung dienen, sondern der Verteidigung: gegen UV-Licht, gegen Fraßfeinde, gegen Pilze. Man nennt sie sekundäre Pflanzenstoffe. Die Polyphenole sind die größte und am besten untersuchte Gruppe darunter – zu ihnen gehören die Farbstoffe in Blaubeeren, die Bitterstoffe im grünen Tee und eben die Proanthocyanidine im Traubenkern.
Proanthocyanidine sind Ketten. Sie bestehen aus einzelnen Bausteinen, den Catechinen, die aneinandergehängt werden. Und genau hier kommt das kleine „o" ins Spiel:
Monomer, Oligomer, Polymer
- Monomere sind einzelne Bausteine – zum Beispiel Catechin und Epicatechin, die auch im Kakao und im grünen Tee stecken.
- Oligomere sind kurze Ketten aus etwa zwei bis sieben Bausteinen. Das ist das „O" in OPC.
- Polymere sind lange Ketten. Sie schmecken deutlich bitter und adstringierend – sie sind der Grund, warum ein junger Rotwein den Mund zusammenzieht.
Die Unterscheidung ist keine Haarspalterei. Kettenlänge und Aufnahme im Darm hängen eng zusammen, und die kurzen Ketten sind der Grund, warum überhaupt jemand auf die Idee kam, sie zu isolieren. Wer ein Produkt kauft, auf dem nur „Traubenkernextrakt" steht, weiß über diese Verteilung erst einmal nichts – dazu unten mehr.
Wo OPC in der Natur vorkommt
OPC ist kein Laborstoff. Es steckt in einer ganzen Reihe alltäglicher Lebensmittel – meist ausgerechnet in den Teilen, die wir wegwerfen.
| Quelle | Einordnung |
|---|---|
| Traubenkerne | Die bekannteste und mit Abstand konzentrierteste Quelle. Werden beim Essen normalerweise ausgespuckt oder mitgeschluckt, ohne zerkaut zu werden. |
| Traubenschalen | Ebenfalls reich an Polyphenolen, darunter auch Resveratrol. |
| Kiefernrinde | Zweite große Quelle für Extrakte. Der Handelsname Pycnogenol bezeichnet einen markenrechtlich geschützten Extrakt aus der französischen Meereskiefer. |
| Erdnusshäutchen | Die dünne rotbraune Haut um den Kern – historisch die Quelle, an der die Forschung begann. |
| Apfelkerne und Apfelschale | Ein Grund, warum ein ungeschälter Apfel mehr liefert als ein geschälter. |
| Kakao | Vor allem dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil. |
| Beeren | Aronia, Cranberry, Heidelbeere, Holunder. |
| Rotwein | Enthält Proanthocyanidine aus Kernen und Schalen – der Alkohol macht ihn trotzdem nicht zum Gesundheitsgetränk. |
Der Punkt, der daraus folgt, ist unspektakulär und trotzdem der wichtigste dieser Seite: Wer bunt und abwechslungsreich isst – Beeren, Äpfel mit Schale, Trauben, dunkle Schokolade, grünen Tee –, nimmt ständig Polyphenole auf, ohne je an ein Präparat gedacht zu haben.
Wie OPC bekannt wurde
Die Geschichte wird üblicherweise auf den französischen Wissenschaftler Jacques Masquelier zurückgeführt, der ab den späten 1940er Jahren in Bordeaux an Pflanzenstoffen forschte. Erzählt wird, dass er die Substanzen zunächst aus den rotbraunen Häutchen von Erdnüssen gewann und sich erst später den Traubenkernen zuwandte – naheliegend in einer Weinregion, in der Traubenkerne als Abfallprodukt in Mengen anfallen. Auf ihn geht auch die Abkürzung OPC zurück.
Populär wurde das Thema aber durch etwas anderes: das sogenannte französische Paradox. In den 1980er und 90er Jahren fiel auf, dass die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Frankreich niedriger lag, als es der Ernährung mit viel Butter, Käse und Fleisch entsprochen hätte. Eine der diskutierten Erklärungen war der regelmäßige Rotweinkonsum und die darin enthaltenen Polyphenole.
Nur: Das französische Paradox ist bis heute nicht abschließend erklärt, und es gibt konkurrierende Erklärungsansätze – von unterschiedlichen Erfassungsmethoden in den Todesursachenstatistiken bis zu Unterschieden im Lebensstil insgesamt. Als Beleg für eine Wirkung von OPC taugt es nicht. Als Erklärung dafür, warum sich so viele Menschen für Traubenkernextrakt interessieren, sehr wohl.
Antioxidantien und oxidativer Stress
Bei jedem Atemzug entstehen im Körper reaktive Sauerstoffverbindungen, umgangssprachlich freie Radikale. Sie sind kein Unfall, sondern Teil des normalen Stoffwechsels – das Immunsystem setzt sie sogar gezielt ein. Problematisch wird es erst, wenn dauerhaft mehr davon anfällt, als der Körper abfangen kann. Diesen Zustand nennt man oxidativen Stress.
Der Körper hat dafür ein eigenes Abwehrsystem: Enzyme wie die Superoxid-Dismutase, die Katalase und die Glutathionperoxidase. Diese Enzyme brauchen Spurenelemente, um zu funktionieren – Zink, Selen, Kupfer und Mangan. Deshalb tragen genau diese Nährstoffe eine offiziell zugelassene Aussage: Sie tragen dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Dasselbe gilt für Vitamin C, Vitamin E und Riboflavin.
Polyphenole wie OPC greifen an einer anderen Stelle an. Im Reagenzglas lassen sie sich gut messen: Sie geben Elektronen ab und stabilisieren dadurch reaktive Moleküle. Genau diese Fähigkeit wird in Laborverfahren wie dem ORAC-Test bestimmt, und Traubenkernextrakt schneidet dort ausgesprochen gut ab.
Warum ORAC-Werte mit Vorsicht zu genießen sind: Der Test misst, was ein Stoff in einem Reagenzglas kann – nicht, was er im Menschen tut. Zwischen beidem liegen Verdauung, Aufnahme über die Darmwand, Umbau in der Leber und Transport zum Zielort. Die US-Landwirtschaftsbehörde hat ihre eigene ORAC-Datenbank 2012 sogar zurückgezogen, mit der Begründung, dass die Werte in der Werbung regelmäßig fehlinterpretiert wurden. Wer dir eine Zahl vorrechnet, wie viel „stärker" ein Stoff als Vitamin C sei, vergleicht Reagenzgläser, nicht Menschen.
Die Frage, die selten gestellt wird: Bioverfügbarkeit
Das ist der Punkt, an dem die meisten OPC-Artikel im Netz aufhören – dabei fängt hier das Interessante erst an. Denn ein Stoff wirkt nicht dadurch, dass er geschluckt wird, sondern dadurch, dass er dort ankommt, wo er wirken soll.
Bei Proanthocyanidinen ist das ausgesprochen schwierig. Die Kettenlänge entscheidet: Einzelne Bausteine und sehr kurze Ketten können in gewissem Umfang über die Darmwand aufgenommen werden. Je länger die Kette, desto schlechter funktioniert das. Ein erheblicher Teil der aufgenommenen Proanthocyanidine erreicht deshalb unverändert den Dickdarm.
Dort passiert etwas, das die Forschung erst in den letzten Jahren ernsthaft in den Blick genommen hat: Die Darmbakterien zerlegen die großen Moleküle in wesentlich kleinere Bruchstücke – vor allem phenolische Säuren. Diese Abbauprodukte sind es, die anschließend in nennenswerter Menge im Blut auftauchen.
Das hat zwei Konsequenzen, die man kennen sollte:
- Was im Blut ankommt, ist nicht das, was in der Kapsel war. Wer über die Wirkung von OPC spricht, spricht streng genommen zu einem großen Teil über die Wirkung seiner bakteriellen Abbauprodukte.
- Die Darmflora entscheidet mit. Weil die Zusammensetzung der Darmbakterien individuell sehr verschieden ist, kann derselbe Extrakt bei zwei Menschen zu unterschiedlichen Blutspiegeln führen. Das ist einer der Gründe, warum Studien in diesem Feld so schwer vergleichbar sind.
Diese Zusammenhänge sind keine Randnotiz. Sie erklären, warum ein Stoff im Reagenzglas beeindrucken und im Menschen trotzdem schwer nachweisbar sein kann – und warum bei Polyphenolen generell Vorsicht angebracht ist, wenn jemand von Laborwerten direkt auf den Körper schließt.
Was die Forschung untersucht
Der Schwerpunkt der Forschung zu Traubenkernextrakt liegt seit Jahren auf den Blutgefäßen: Blutdruck, Gefäßfunktion, Venen. Es gibt dazu eine wachsende Zahl von Untersuchungen. Belastbar genug für eine gesicherte Aussage am Menschen sind sie bislang nicht.
Ein Beispiel, das die Größenordnung gut zeigt: Eine Pilotstudie aus dem Jahr 2022 untersuchte mittels MRT den Blutfluss bei Patienten mit chronischer Venenschwäche. Eine Gruppe trug Kompressionsstrümpfe, die andere Kompressionsstrümpfe plus Traubenkernextrakt. In der Kombinationsgruppe stieg die gemessene Flussgeschwindigkeit stärker an.
Klingt gut – bis man auf die Teilnehmerzahl schaut: 23 Personen insgesamt, aufgeteilt auf zehn und dreizehn. Die Autoren schreiben selbst, die geringe Fallzahl könne die Verlässlichkeit der Ergebnisse beeinträchtigt haben, und ein direkter statistischer Vergleich zwischen den beiden Gruppen wurde gar nicht durchgeführt. Eine solche Studie ist ein Hinweis darauf, wo weitergeforscht werden sollte. Sie ist kein Nachweis.
Genau so sieht es in weiten Teilen dieses Forschungsfelds aus: viele kleine Studien, unterschiedliche Extrakte, unterschiedliche Dosierungen, kurze Laufzeiten. Die Verbraucherzentrale fasst den Stand nüchtern zusammen – Wirkungen von OPC seien am Menschen wissenschaftlich nicht belegt, und für eine positive Wirkung auf die Gefäßgesundheit gebe es nicht genug wissenschaftliche Beweise.
Das ist die ehrliche Auskunft, und sie ist unbequem für jeden, der Traubenkernextrakt verkauft – uns eingeschlossen. Sie bedeutet allerdings auch nicht, dass der Stoff nichts täte. Sie bedeutet, dass es niemand mit der nötigen Sicherheit weiß.
Warum es keine zugelassene Aussage gibt
Hier lohnt sich ein kurzer Blick hinter die Kulissen, weil daraus ein verbreitetes Missverständnis entsteht.
In der EU dürfen für Lebensmittel nur gesundheitsbezogene Aussagen verwendet werden, die zuvor geprüft und zugelassen wurden. Als diese Regelung ab 2006 umgesetzt wurde, reichten die Mitgliedstaaten rund 44.000 Angaben zur Prüfung ein. Für Vitamine, Mineralstoffe und einige andere Stoffe wurde entschieden – so entstand die Liste, aus der Sätze wie „Vitamin C trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei" stammen.
Für Pflanzenstoffe – im Fachjargon Botanicals – wurde die Bewertung dagegen ausgesetzt. Diese Anträge liegen seither auf Eis, im Amtsdeutsch „on hold". Sie sind weder genehmigt noch abgelehnt. Ein Schwebezustand, der inzwischen weit über ein Jahrzehnt andauert.
Was das praktisch bedeutet
- Zu OPC darf niemand eine gesundheitsbezogene Aussage treffen – kein Hersteller, kein Shop, auch wir nicht.
- Das ist etwas anderes als „geprüft und für wirkungslos befunden". Geprüft wurde nie zu Ende.
- Wer dir trotzdem konkrete Wirkungen verspricht, hält sich schlicht nicht an die Regeln – über die Qualität des Produkts sagt das nichts, über die Seriosität des Anbieters schon.
Deshalb findest du auf dieser Seite keinen Satz, der OPC eine Wirkung zuschreibt. Nicht weil wir vorsichtig sein wollen, sondern weil wir dir nichts erzählen möchten, was niemand belegen kann. Alles Weitere zur Einordnung von Nahrungsergänzung steht auf unserer Übersicht zur Nahrungsergänzung beim Abnehmen.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Weil niemand mit einer Wirkung werben darf, wird in dieser Produktkategorie mit Zahlen geworben. Und genau da wird es unübersichtlich: Die größte Zahl auf der Verpackung ist selten die, auf die es ankommt.
Vier Punkte trennen ein transparentes Produkt von einem, bei dem man raten muss:
1. Extraktmenge ist nicht OPC-Menge
„800 mg Traubenkernextrakt" sagt zunächst nur, wie viel Extraktpulver in der Kapsel steckt. Wie viel davon Proanthocyanidine sind, ist eine völlig andere Zahl – sie kann bei 95 Prozent liegen oder bei 40. Ein seriöses Produkt nennt beide Werte. Zum Vergleich: In unserem Grape+C stehen 800 Milligramm Traubenkernextrakt mit einem OPC-Gehalt von 760 Milligramm auf dem Etikett.
2. Der Unterschied zwischen OPC und Gesamtpolyphenolen
Manche Etiketten nennen den Gehalt an Polyphenolen insgesamt. Der liegt naturgemäß höher als der OPC-Anteil, weil er alles mitzählt – auch die langen Ketten und andere Polyphenole. Wer die beiden Angaben vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Dinge.
3. Herkunft und Lösungsmittel
Extrakte werden mit Lösungsmitteln gewonnen. Wasser und Ethanol gelten als unbedenklich; bei anderen Verfahren lohnt die Nachfrage. Ein Hersteller, der auf Nachfrage nicht sagen kann, wie extrahiert wurde, hat entweder keine Kontrolle über seine Lieferkette oder möchte nicht antworten.
4. Was sonst noch drin ist
Viele Produkte in dieser Kategorie kombinieren Traubenkernextrakt mit weiteren Stoffen. Das kann sinnvoll sein – oder dazu dienen, eine Zutatenliste beeindruckend aussehen zu lassen. Prüfe, ob die Begleitstoffe in einer Menge enthalten sind, die überhaupt etwas bedeutet.
Einnahme und die Sache mit Vitamin C
Verbindliche Mengenempfehlungen für OPC gibt es nicht – die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass für sekundäre Pflanzenstoffe keine Referenzwerte bestehen. Die üblichen Tagesportionen im Handel bewegen sich in einer Größenordnung von wenigen hundert Milligramm.
Zur Einnahme selbst hört man häufig zwei Empfehlungen: nüchtern einnehmen und mit Vitamin C kombinieren. Beim ersten Punkt ist die Begründung nachvollziehbar – Polyphenole binden Proteine, ein voller Magen kann die Aufnahme beeinflussen. Zwingend belegt ist das nicht.
Die Kombination mit Vitamin C hat dagegen eine historische Wurzel: Die frühe Forschung an Proanthocyanidinen entstand im Umfeld der Vitamin-C-Forschung, damals unter dem inzwischen aufgegebenen Begriff „Vitamin P". Ob Vitamin C die Aufnahme von OPC verbessert, ist offen. Was dagegen feststeht, ist die Wirkung von Vitamin C selbst – und für die gibt es zugelassene Aussagen.
Was Vitamin C offiziell darf
- trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen
- trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut, der Blutgefäße, der Knochen, des Knorpels, des Zahnfleisches und der Zähne bei
- trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei
- trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei
- erhöht die Eisenaufnahme
Das ist der ehrliche Grund, warum in unserem Grape+C neben dem Traubenkernextrakt 100 Milligramm Vitamin C stecken – 125 Prozent der Referenzmenge – sowie 4 Milligramm Vitamin B1, das zu einem normalen Energiestoffwechsel und zur normalen Funktion des Nervensystems beiträgt. Die belegbaren Aussagen dieses Produkts hängen an diesen beiden Nährstoffen, nicht am OPC. Wer es anders darstellt, verkauft dir etwas, das er nicht halten kann.
Sicherheit, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen
Traubenkernextrakt gilt in den üblichen Mengen als gut verträglich. Berichtet werden gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder Übelkeit, meist zu Beginn der Einnahme.
Zwei Einschränkungen sollte man allerdings kennen, und sie werden in Werbetexten fast nie erwähnt:
Isolierte Stoffe sind etwas anderes als Lebensmittel. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die Sicherheit isolierter sekundärer Pflanzenstoffe – gerade in hoher Dosierung über längere Zeit – nicht ausreichend untersucht ist. Ein Apfel mit Schale und eine hochdosierte Kapsel sind nicht dasselbe, auch wenn derselbe Stoff drinsteckt.
Wechselwirkungen mit Medikamenten. Polyphenole können Enzyme beeinflussen, über die Arzneimittel abgebaut werden. Diskutiert wird das vor allem für gerinnungshemmende Medikamente. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme deshalb ärztlich oder in der Apotheke abklären – die Verbraucherzentrale nennt diesen Hinweis ausdrücklich als „unbedingt ernst zu nehmen".
Schwangerschaft und Stillzeit. Hier gilt dasselbe: nicht ohne Rücksprache. Nicht, weil ein Schaden belegt wäre, sondern weil belastbare Daten fehlen.
Grape+C enthält 800 mg Traubenkernextrakt mit 760 mg OPC, dazu 100 mg Vitamin C und 4 mg Vitamin B1 pro Tagesportion. Alle Werte stehen auf dem Etikett.
Häufige Fragen
Was ist OPC genau?
OPC steht für oligomere Proanthocyanidine – kurzkettige Verbindungen aus der Gruppe der Polyphenole, die als sekundäre Pflanzenstoffe in Traubenkernen, Traubenschalen, Kiefernrinde, Apfelkernen, Kakao und Beeren vorkommen. Chemisch bestehen sie aus zwei bis etwa sieben aneinandergereihten Catechin-Bausteinen.
Was bewirkt OPC im Körper?
Dazu gibt es keine in der EU zugelassene gesundheitsbezogene Aussage, und wir treffen deshalb keine. Im Labor lassen sich Proanthocyanidine gut als Radikalfänger messen. Ob und wie sich das im Menschen auswirkt, ist wissenschaftlich nicht ausreichend geklärt – auch weil ein großer Teil der Moleküle erst von Darmbakterien umgebaut wird, bevor überhaupt etwas ins Blut gelangt.
Ist OPC wirklich stärker als Vitamin C oder Vitamin E?
Solche Vergleiche stammen aus Reagenzglasverfahren wie dem ORAC-Test und lassen sich nicht auf den Körper übertragen. Die US-Landwirtschaftsbehörde hat ihre eigene ORAC-Datenbank 2012 zurückgezogen, weil die Werte in der Werbung regelmäßig fehlinterpretiert wurden. Zahlen wie „20-mal stärker als Vitamin E" solltest du entsprechend einordnen.
Wie viel OPC am Tag?
Es gibt keine offiziellen Mengenempfehlungen für OPC oder andere sekundäre Pflanzenstoffe. Übliche Tagesportionen im Handel liegen bei einigen hundert Milligramm. Halte dich an die Angabe auf der Packung und überschreite sie nicht.
Wann sollte man OPC einnehmen?
Häufig wird die nüchterne Einnahme empfohlen, weil Polyphenole an Proteine binden können. Zwingend belegt ist das nicht. Wichtiger ist, dass du einen zeitlichen Abstand zu Medikamenten einhältst.
Warum steht auf OPC-Produkten keine Wirkung?
Weil die Bewertung gesundheitsbezogener Angaben für Pflanzenstoffe in der EU seit Jahren ausgesetzt ist. Diese Anträge sind weder genehmigt noch abgelehnt, sondern liegen „on hold". Solange das so ist, darf niemand mit einer Wirkung von OPC werben.
Kann ich OPC über die Ernährung aufnehmen?
Ja. Trauben mit Kernen, Äpfel mit Schale, Beeren, dunkle Schokolade, grüner Tee und Nüsse liefern regelmäßig Proanthocyanidine und andere Polyphenole. Eine bunte, pflanzenbetonte Ernährung ist der zuverlässigste Weg – und der einzige, bei dem man auch alle Begleitstoffe mitbekommt.
Gibt es Nebenwirkungen?
Berichtet werden gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Kopfschmerzen. Wichtiger sind mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten, insbesondere Gerinnungshemmern. Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme, in Schwangerschaft und Stillzeit gilt: vorher ärztlich abklären.
Was ist der Unterschied zwischen OPC und Pycnogenol?
Pycnogenol ist ein markenrechtlich geschützter Extrakt aus der Rinde der französischen Meereskiefer. Er enthält ebenfalls Proanthocyanidine, stammt aber aus einer anderen Pflanze als Traubenkernextrakt und hat ein anderes Stoffprofil.
Fazit
OPC ist ein gut charakterisierter Pflanzenstoff mit einer interessanten Geschichte, einer beeindruckenden Laborchemie und einer Forschungslage, die deutlich dünner ist, als der Ton vieler Artikel im Netz vermuten lässt. Beides gehört zusammen erzählt.
Was sich sagen lässt: Traubenkerne sind eine der reichsten natürlichen Quellen für Proanthocyanidine. Was sich nicht sagen lässt: was ein Extrakt daraus im Menschen bewirkt. Dazwischen liegen Bioverfügbarkeit, Darmflora und eine europäische Bewertung, die seit über zehn Jahren stillsteht.
Wenn du dich für ein Produkt entscheidest, dann nach den Kriterien weiter oben: nachvollziehbare Mengenangaben, klar benannter OPC-Gehalt, transparente Herkunft. Und mit der Erwartung, dass es eine Ergänzung ist – zu einer Ernährung, die die eigentliche Arbeit macht.
Quellen
- Verbraucherzentrale: OPC Traubenkernextrakt, Projekt Klartext Nahrungsergänzung
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste zulässiger Angaben, Einträge zu Vitamin C und Vitamin B1
- Pilotstudie zum Blutfluss bei chronischer Venenschwäche unter Traubenkern-Proanthocyanidinen mittels 4D-Fluss-MRT, 2022 (23 Teilnehmer)
- US-Landwirtschaftsministerium: Rückzug der ORAC-Datenbank für Lebensmittel, 2012
- Produktangaben der VitalBodyPLUS GmbH zu Grape+C
Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene Tagesdosis darf nicht überschritten werden. Außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern aufbewahren. Maßgeblich sind die Angaben auf der Verpackung. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information, gibt den Stand zum Zeitpunkt der letzten Aktualisierung wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Vorerkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei der Einnahme von Medikamenten – insbesondere Gerinnungshemmern – sollte die Einnahme vorher ärztlich oder in der Apotheke abgeklärt werden.
