Beim Kochen verliert nicht „das Essen" seine Nährstoffe, sondern im Wesentlichen vier davon: Vitamin C, Folat, Thiamin und Vitamin B6. Protein, Ballaststoffe, Calcium und die Vitamine D, E und K überstehen praktisch jede Garmethode. Und der größte einzelne Verlustposten ist meist nicht die Hitze, sondern das Wasser, das hinterher weggegossen wird — davor noch die Temperatur, bei der das Gemüse vor dem Kochen gelagert wurde.
Dieser Artikel rechnet mit den amtlichen Retentionsfaktoren der Bundesforschungsanstalt für Ernährung, der einzigen frei zugänglichen Zahlenbasis zu diesem Thema, und sagt bei jeder Zahl dazu, ob sie gemessen oder geschätzt ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Wurzelgemüse, Vitamin C: gekocht und abgegossen bleiben 40 Prozent, gedämpft 80 Prozent — gekocht und mit der Flüssigkeit gegessen 85 Prozent. Die Brühe mitzuessen bringt mehr als der Wechsel der Methode.
- Mineralstoffe können durch Hitze nicht zerfallen. Kalium liegt im abgetropften gekochten Wurzelgemüse bei 0,45, im Gesamtgericht mit Kochflüssigkeit bei 1,00. Es ist ein Ortsproblem, kein Hitzeproblem.
- Protein 0,90 bis 1,00, Ballaststoffe 0,93 bis 1,00, Calcium 0,95, die Vitamine D, E und K 1,00, Carotinoide 0,90 — jeweils über alle Garmethoden hinweg.
- Kartoffeln mit Schale gekocht: Folat-Faktor 0,90. Geschält gekocht: 0,50. Das Schälmesser kostet mehr als der Topf.
- Spinat- und Amaranthblätter verloren bei 5 Grad über 24 bis 48 Stunden 1,1 bis 6,3 Prozent Ascorbinsäure, bei 30 Grad 55,3 bis 65,9 Prozent. Die Lagertemperatur entscheidet über ein Vielfaches dessen, was die Garmethode ausmacht.
- Dämpfen ist nicht immer die beste Wahl: Bei Brokkoli lag die Isothiocyanat-Ausscheidung in einer Studie mit zwölf Männern nach frischem Gemüse bei 32,3 Prozent, nach gedämpftem bei 10,2 Prozent.
Inhalt
- Was beim Garen mit einem Nährstoff passiert — und was nicht
- Welche Nährstoffe dich nicht beschäftigen müssen
- Der größte Hebel ist die Kochflüssigkeit, nicht die Methode
- Das Schälmesser kostet mehr als der Topf
- Reis und Getreide: der übersehene Fall
- Wo Erhitzen es besser macht — und wo schlechter
- Vor dem Kochen entscheidet die Lagerung
- Tiefkühl oder frisch: die ehrliche Antwort
- Was davon im Alltag wirklich zählt
- Warum die Prozentzahlen im Netz auseinandergehen
- Häufige Fragen
Was beim Garen mit einem Nährstoff passiert — und was nicht
Ein Nährstoff kann das Essen auf drei getrennten Wegen verlassen: Hitze zerlegt empfindliche Moleküle, Licht und Sauerstoff oxidieren sie, und Wasser trägt sie fort. Das Bundeszentrum für Ernährung fasst das in einem Satz zusammen: „Hitze, Licht, Wasser und Sauerstoff mögen die meisten Vitamine nicht."
In Ratgebern werden diese drei Wege fast immer zu einem verrührt — und genau dadurch entsteht der falsche Eindruck. Der dritte Weg ist keine Zerstörung. Kalium kann durch Hitze nicht zerfallen, Magnesium auch nicht, Eisen auch nicht. Wenn im gekochten Gemüse weniger Kalium steckt als im rohen, ist das Kalium im Kochwasser.
Die amtlichen Retentionstabellen der Bundesforschungsanstalt für Ernährung machen das sichtbar, weil sie für jede Garmethode zwei Werte angeben: einen für das abgetropfte Lebensmittel und einen für das Gesamtgericht einschließlich Kochflüssigkeit, Saft oder Sauce. Bei Kalium in Wurzelgemüse lauten diese beiden Werte 0,45 und 1,00. Im Gesamtgericht ist also alles noch da. Für Magnesium, Eisen und Zink gilt dasselbe Muster.
Die Fachliteratur formuliert deshalb sorgfältiger als die Ratgeberliteratur. In der Ernährungs Umschau heißt es, unter ungünstigen Bedingungen würden empfindliche Vitamine „bis zu 100 % zerstört und/oder entfernt". Zerstört und/oder entfernt — dieses Wortpaar ist der ganze Punkt. Wer nur „zerstört" liest, gießt den Rest guten Gewissens in den Ausguss.
Welche Nährstoffe dich nicht beschäftigen müssen
Der größte Teil dessen, was auf dem Teller liegt, ist gegen die Garfrage unempfindlich. Die folgenden Retentionsfaktoren gelten in den amtlichen Tabellen über alle geprüften Garmethoden hinweg. Ein Faktor von 0,90 bedeutet 90 Prozent Erhalt.
| Bestandteil | Retentionsfaktor | Einordnung |
|---|---|---|
| Protein | 0,90–1,00 | gemessen; im Gesamtgericht durchgehend 1,00 |
| Aminosäuren, Lysin, Methionin | 0,90–1,00 | von der Quelle als Schätzwerte gekennzeichnet |
| Ballaststoffe | 0,93–1,00 | unabhängig von der Methode |
| Calcium | 0,95 | laugt kaum aus, anders als Kalium |
| Vitamin D, E, K | 1,00 | E und K als Schätzwerte gekennzeichnet |
| Carotinoide (Beta-Carotin) | 0,90 | gleich bei allen Methoden und Gemüsegruppen |
Beta-Carotin gilt oft als schutzbedürftig, hält aber nicht nur das Garen aus: In einer Untersuchung an Spinat- und Amaranthblättern verlor es selbst nach 48 Stunden bei 30 Grad nur 1,5 bis 2,1 Prozent.
Empfindlich sind dagegen genau vier Vitamine: Vitamin C, Folat, Thiamin (B1) und Vitamin B6. Dazu kommen Kalium und Magnesium, die aber nicht kaputtgehen, sondern nur umziehen. Das ist die gesamte Liste. Alles, was dieser Artikel an Handgriffen empfiehlt, zielt auf diese sechs.
Eine andere Frage ist damit ausdrücklich nicht beantwortet: ob der Körper die fettlöslichen Vitamine auch aufnimmt, wenn beim Garen kein Fett im Spiel war. Erhalt und Aufnahme sind zwei verschiedene Dinge. Dazu steht alles im Artikel darüber, ob du ohne Fett noch die fettlöslichen Vitamine aufnimmst.

Der größte Hebel ist die Kochflüssigkeit, nicht die Methode
Wer Gemüse kocht und das Wasser weggießt, verliert mehr, als wenn er es kocht und die Flüssigkeit mitisst — und zwar so viel mehr, dass das Mitverwenden sogar den Dampfgarer schlägt. Die Zahlen für Wurzel-, Knollen- und Zwiebelgemüse, also Karotte, Kohlrabi, Sellerie, Petersilienwurzel, Rote Bete, Schwarzwurzel und Zwiebel:
| Wurzelgemüse | Kochen, Wasser weggegossen | Dämpfen | Im Gesamtgericht mit Flüssigkeit |
|---|---|---|---|
| Vitamin C | 0,40 | 0,80 | 0,85 |
| Kalium | 0,45 | 0,85 | 1,00 |
| Magnesium | 0,60 | 0,85 | 1,00 |
| Eisen | 0,75 | 0,85 | 1,00 |
| Mineralstoffe gesamt | 0,65 | 0,90 | 1,00 |
| Thiamin (B1) | 0,70 | 0,80 | 0,90 |
Kochen und abgießen kostet beim Vitamin C 60 Prozent. Kochen und die Flüssigkeit mitessen kostet 15 Prozent. Dämpfen kostet 20 Prozent. Die Brühe mitzuessen ist damit die wirksamere Maßnahme — und sie kostet kein Gerät und keine Umstellung, sondern nur die Entscheidung, aus dem Gemüse ein Gericht mit Flüssigkeit zu machen statt einer abgetropften Beilage.
Eine unabhängige Messung zeigt, wohin die Differenz geht. Ein norwegisches Lebensmittelforschungsinstitut verglich Garverfahren aus der Gemeinschaftsverpflegung an tiefgekühlten grünen Bohnen: Nach konventionellem Kochen in Wasser fanden sich im abgetropften Gemüse 50,4 Prozent der Gesamt-Ascorbinsäure wieder, nach Garen im geschlossenen Beutel 80,5 Prozent. Bei den Gesamtphenolen waren es 76,7 gegenüber 89,2 Prozent. Direkt gemessen wurde auch der Auslaugungspfad: Beim Kochen gingen 13,5 bis 42,8 Prozent der Nährstoffe ins Kochwasser über, beim Garen im Beutel nichts. Dieselbe Arbeit maß auch Laborwerte zur antioxidativen Kapazität; solche Werte sagen allerdings wenig darüber aus, was im Körper passiert — warum Laborwerte zur antioxidativen Kapazität wenig über die Wirkung sagen, steht an anderer Stelle.
Sous-vide lag in derselben Untersuchung auf dem Niveau des Beutelgarens. Wer es einsetzt, sollte allerdings wissen, dass eine Übersichtsarbeit von 2024 die Grenze des Verfahrens klar benennt: Die Wirksamkeit gegen mikrobielle Erreger — Viren, Parasiten sowie vegetative Formen und Sporen von Bakterien — ist bei den niedrigen Temperaturen begrenzt. Nährstoffschonung und Lebensmittelsicherheit ziehen hier in verschiedene Richtungen.
Praktisch heißt das: Eintopf, Suppe, Schmorgericht, Sauce aus dem Fond, pochierter Fisch mit seiner Flüssigkeit, Gemüse in wenig Wasser gegart und dieses Wasser als Saucenbasis. Auch beim Anbraten entsteht genau diese Flüssigkeit — mit Brühe oder Wasser ablöschen statt nachzuölen ist deshalb der richtige Reflex.
Eine Einschränkung gehört dazu, und sie ist wichtig: Blattgemüse verhält sich anders. Bei Rotkohl, Weißkohl, Wirsing und Spinat bleiben beim Kochen selbst im Gesamtgericht nur 0,55 des Vitamin C, beim Dämpfen 0,55 im abgetropften Blatt und 0,60 im Gericht. Hier rettet die Flüssigkeit nicht alles, und der Wechsel zu einer wasserarmen Methode lohnt tatsächlich.
Dass es das Wasser ist und nicht die Hitze, zeigt ein kontraintuitiver Eintrag derselben Tabellen: Paniertes, in Fett ausgebackenes Gemüse behält 0,90 des Vitamin C und 1,00 aller Mineralstoffe — deutlich mehr als gekochtes und abgegossenes Gemüse. Eine Empfehlung ist das ausdrücklich nicht: Dieselbe Tabelle weist eine Fettaufnahme von 5 Gramm je 100 Gramm Ausgangsware aus. Der Eintrag zeigt nur, dass „nährstoffschonend" und „gesund" zwei verschiedene Fragen sind.
Warum das auch rechtlich zählt. Ob ein Lebensmittel als „Quelle von" einem Vitamin oder Mineralstoff ausgelobt werden darf, hängt an einer Schwelle von 15 Prozent der Referenzmenge. Für Vitamin C, dessen Referenzmenge bei 80 Milligramm liegt, sind das 12 Milligramm je 100 Gramm. Ein rohes Gemüse mit 20 Milligramm erfüllt die Schwelle; nach dem Kochen mit Abgießen liegt es bei 8 Milligramm und erfüllt sie nicht mehr. Wird dieselbe Menge samt Kochflüssigkeit als Gericht serviert, sind es rund 17 Milligramm. Nährwertangaben für ein zubereitetes Gericht gehören deshalb auf den Zustand bezogen, in dem es gegessen wird — nicht auf die Rohware.
Das Schälmesser kostet mehr als der Topf
Bei Kartoffeln entscheidet der Handgriff vor dem Kochen über mehr als das Kochen selbst. Mit Schale gekocht liegen die Faktoren bei 0,90 für Folat, 0,80 für Vitamin C, 0,90 für Kalium und 0,85 für die Mineralstoffe insgesamt. Geschält gekocht sinken sie auf 0,50 für Folat, 0,70 für Vitamin C, 0,80 für Kalium und 0,70 für die Mineralstoffe. Der Folatwert ist dabei ein Schätzwert der Tabelle, kein Messwert — die Richtung stützt sich aber auf gemessene Daten.
Diese gemessenen Daten wirken auf den ersten Blick wie ein Widerspruch. Eine britische Arbeitsgruppe kochte ganze Kartoffeln 60 Minuten lang und fand keinen signifikanten Folatverlust: 125,1 gegenüber 102,8 Mikrogramm je 100 Gramm. Ob die Schale während des Kochens dranblieb, machte dabei keinen Unterschied.
Die Auflösung liegt in dem, was beim Schälen sonst noch passiert. Wer schält, zerteilt in aller Regel auch. Entscheidend ist nicht die Schale als Barriere, sondern die Schnittfläche: Je mehr Oberfläche das Wasser erreicht, desto mehr wasserlösliche Vitamine kann es herauslösen. Eine ganze Kartoffel hat wenig davon, eine gewürfelte viel. Das erklärt beide Befunde gleichzeitig — und es verschiebt die praktische Regel von „Schale dranlassen" zu „so groß und so spät wie möglich schneiden".
Das Bundeszentrum für Ernährung formuliert die dazu passenden Empfehlungen wörtlich so: „Obst, Gemüse und frische Kräuter ungeschnitten und so kurz wie möglich waschen – besser nicht einweichen." Und: „Nur sparsam schälen, da viele Vitamine direkt unter der Schale sitzen."
Reis und Getreide: der übersehene Fall
Reis in viel Wasser zu kochen und abzugießen ist der Verlustweg, über den am seltensten gesprochen wird. Für Getreide und Samen — Weizen, Gerste, Reis, Hirse — nennen die amtlichen Tabellen nach dem Abgießen einen Thiamin-Faktor von 0,50, Kalium 0,55 bis 0,80 und Riboflavin 0,50 bis 0,75. Bei quellendem Garen, also im Gesamtgericht, steigen dieselben Werte auf 0,75 für Thiamin, 1,00 für Kalium und 1,00 für Riboflavin. Die Hälfte des Thiamins hängt allein am Abgießen.
Eine Messreihe an angereichertem Reis bestätigt den Mechanismus mit harten Zahlen: Kochen in Überschusswasser mit anschließendem Abgießen kostete 45 Prozent des Eisens und über 70 Prozent der zugesetzten Folsäure und des Vitamin B12. Wasserdichtes Garen — Reiskocher oder Topf mit abgemessenem Wasser, das vollständig aufgenommen wird — verursachte gegenüber gespültem Rohreis keinen zusätzlichen Verlust. Gemessen wurde an angereichertem Extrusionsreis, die Prozentwerte lassen sich also nicht ungeprüft auf Naturreis übertragen. Der Mechanismus ist derselbe, und er deckt sich mit den amtlichen Faktoren.
Die Regel ist entsprechend simpel: Reis, Bulgur, Quinoa und Hirse in abgemessenem Wasser quellen lassen, statt sie in viel Wasser zu kochen und abzuschütten.

Wo Erhitzen es besser macht — und wo schlechter
Erhitzen senkt nicht nur, es verschiebt auch. Bei Tomaten steigt der messbare Lycopin-Gehalt, während Vitamin C sinkt — die Laborzahlen dazu stehen im Artikel darüber, welche Garmethode bei welchem Gemüse messbar besser abschneidet. Bei Spinat zeigte ein Laborversuch mit künstlicher Verdauung, dass Garen zwar den Carotinoidgehalt senkte, die Carotinoide aber deutlich besser aus der pflanzlichen Matrix gelöst wurden. Das war ein Modellversuch im Reagenzglas, keine Messung am Menschen; was zwischen Gehalt und Aufnahme liegt, behandeln wir getrennt im Artikel darüber, was zwischen Teller und Blutbahn passiert.
Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, und er ist der interessanteste Befund zu diesem ganzen Thema: Brokkoli. Die Glucosinolate im Kohlgemüse werden erst durch das pflanzeneigene Enzym Myrosinase in Isothiocyanate umgewandelt, und Hitze inaktiviert dieses Enzym. In einer Crossover-Studie erhielten zwölf Männer je 200 Gramm Brokkoli, einmal frisch und einmal gedämpft. Die mittlere Ausscheidung an Isothiocyanat-Äquivalenten im Urin über 24 Stunden lag nach frischem Brokkoli bei 32,3 Prozent, nach gedämpftem bei 10,2 Prozent — etwa Faktor drei. Der Isothiocyanat-Gehalt der Ware selbst war dabei praktisch identisch. Es fehlt also nicht der Stoff, sondern die Umwandlung.
Die Studie ist klein, zwölf Teilnehmer sind wenig, und aus einem Biomarker im Urin folgt keine Gesundheitsaussage. Brauchbar ist trotzdem: Kohlgemüse gelegentlich roh oder bissfest statt weichgegart. Und vor allem der Satz, der den ganzen Abschnitt trägt — es gibt keine Methode, die für jeden Nährstoff und jedes Gemüse die beste ist. Dämpfen erhält Folat praktisch vollständig und kostet bei Brokkoli zwei Drittel der Isothiocyanat-Verfügbarkeit. Wer abwechselt, macht nichts falsch.
Vor dem Kochen entscheidet die Lagerung
Die Lagertemperatur macht in den vorliegenden Messungen ein Vielfaches dessen aus, was die Garmethode ausmacht. Spinat- und Amaranthblätter verloren bei 5 Grad über 24 bis 48 Stunden 1,1 bis 6,3 Prozent Ascorbinsäure. Dieselben Blätter bei 30 Grad in Polyethylenbeuteln verloren 55,3 bis 65,9 Prozent. Beta-Carotin blieb in beiden Fällen nahezu unverändert. Es handelt sich um eine Einzelstudie mit Bezug auf die Trockenmasse; die Größenordnung ist trotzdem aussagekräftig.
Der Vergleich, der daraus folgt, ordnet das ganze Thema neu: Zwei Tage warm gelagerter Spinat verliert mehr Vitamin C, als dieselbe Menge Spinat durch das Kochen verlieren würde. Wer die Garmethode optimiert und den Einkauf anschließend zwei Stunden im warmen Auto liegen lässt, optimiert an der falschen Stelle.
Licht kommt hinzu. Bei Baby-Blattspinat führte starke Lichteinwirkung während der Kühllagerung zu oxidativem Stress, Gewebeschäden und einem verringerten Gesamtgehalt an Ascorbinsäure; schwaches Licht tat das nicht. Und auch der Kühlschrank ist kein Nullverlust: Über 15 Tage bei 4 Grad sanken bei 19 Obst- und Gemüsearten die Gesamtphenole um bis zu 29,67 Prozent, ebenso Anthocyane und Ascorbinsäure. Kühl gelagert ist also deutlich besser als warm, aber kein Ersatz dafür, frische Ware zügig zu verbrauchen.
Tiefkühl oder frisch: die ehrliche Antwort
Bei den wasserlöslichen Vitaminen ist Tiefkühlware mindestens gleichwertig, bei Beta-Carotin nicht. Eine kontrollierte Untersuchung an acht Obst- und Gemüsesorten verglich gekühlte mit gefrorener Lagerung über drei Zeitpunkte je Behandlung. Ergebnis: Bei der Ascorbinsäure zeigte sich in fünf von acht Fällen kein signifikanter Unterschied, in drei Fällen lag sie gefroren höher. Riboflavin war überwiegend gleich, Alpha-Tocopherol in drei Fällen gefroren höher.
Die Einschränkung steht im selben Papier: Beta-Carotin lag bei Erbsen, Karotten und Spinat gefroren niedriger, und die Autoren schreiben, es nehme in einigen Erzeugnissen deutlich ab. Blanchieren vor dem Einfrieren ist technisch notwendig, um Enzyme zu inaktivieren, und es ist ein realer Verlustschritt — eine belastbare Prozentzahl dafür gibt es allerdings nicht, weil die vorliegenden Studien Blanchierverfahren miteinander vergleichen, statt „den Blanchierverlust" zu quantifizieren.
Praktisch heißt das: Tiefkühlgemüse ist eine gute Basis und keine Notlösung, besonders gegenüber Frischware, die lange unterwegs oder lange im Kühlschrank war. Ein frischer, roher oder bissfest gegarter Anteil pro Tag deckt ab, was die Tiefkühlkette bei den Carotinoiden kostet. Wie sich das mit dem Einkaufsbudget verträgt, steht im Artikel darüber, wie sich gesund essen günstig planen lässt.

Was davon im Alltag wirklich zählt
Aus allen Befunden lässt sich eine Rangfolge nach Hebelgröße bilden. Sie ist kürzer, als die Diskussion um Garmethoden vermuten lässt.
- Kühl, dunkel und kurz lagern. Der größte Einzelhebel, und er liegt vor dem Kochen.
- Die Kochflüssigkeit mitessen — oder von vornherein wenig davon verwenden.
- Grob schneiden, spät schneiden, Kartoffeln möglichst ganz garen.
- Getreide quellen lassen statt kochen und abgießen.
- Nicht lange warmhalten. Was beim Vorkochen passiert, steht im Artikel darüber, was beim Vorkochen, Warmhalten und Wiedererwärmen passiert.
- Abwechseln, statt eine Methode zu optimieren.
- Einen rohen oder bissfesten Anteil pro Tag einplanen.
Und dann die Größenordnungsfrage: Lohnt sich das überhaupt? Das hängt daran, welcher Nährstoff knapp ist. Vitamin C — der Nährstoff, um den sich die gesamte Kochliteratur dreht — ist in Deutschland im Mittel ausreichend zugeführt. Die klarste Lücke liegt beim Folat, und Folat ist genau der Nährstoff, bei dem Kochwasser und Schälmesser den größten Unterschied machen. Mehr dazu, wo Deutschland bei den Vitaminen tatsächlich eine Lücke hat und wie viel Vitamin C du überhaupt brauchst.
Wie viel Folat du in diesem Zusammenhang überhaupt brauchst, steht in unserem Ratgeber zu Folsäure.
Eine Ehrlichkeit zum Schluss dieses Abschnitts: Die Retentionsfaktoren sind Mittelwerte für Lebensmittelkategorien und dienen der Nährwertberechnung von Gerichten. Die Quelle weist Streuungen bewusst nicht aus. Sie sagen also, in welche Richtung und in welcher Größenordnung sich etwas bewegt — nicht, was im eigenen Topf auf das Prozent genau passiert.
In einer eiweißbetonten, kalorienreduzierten Phase
Hier ist die Entlastung am deutlichsten. Protein liegt bei Hähnchen zwischen 0,90 beim Kochen mit abgegossener Brühe und 1,00 in Pfanne und Ofen, im Gesamtgericht bei 1,00. Bei magerem Fisch sind es 0,75 im abgetropften Fisch und 1,00, wenn der Fond mitgegessen wird. Die Aminosäuren liegen bei 0,90 bis 1,00. Ballaststoffe ebenfalls bei 0,93 bis 1,00. Die beiden Größen, auf die es in einer eiweißbetonten Phase am meisten ankommt, sind gegen die Garfrage praktisch immun. Wer es ganz genau nimmt, pochiert den Fisch und serviert ihn mit seinem Fond.
Was sich verändert, ist etwas anderes: Wer insgesamt weniger isst, nimmt bei gleicher Lebensmittelauswahl auch absolut weniger Mikronährstoffe auf. Die Nährstoffdichte der einzelnen Mahlzeit wird dadurch wichtiger. Das ist eine naheliegende Überlegung, kein Studienbefund — und sie verschiebt die Aufmerksamkeit von der Pfanne zurück zur Auswahl. Was in solchen Phasen sonst noch zu beachten ist, steht im Überblick darüber, welches Vitamin wie viel du brauchst und wo die Obergrenzen liegen.
Wenn die Frage lautet: reicht das, was ich koche? Genau an dieser Stelle kommen in unserer Betreuung die meisten Fragen — nicht „welche Pfanne", sondern ob die Zusammenstellung passt. Die Stoffwechselkur von VitalBodyPLUS arbeitet mit individuell berechnetem Bedarf statt Pauschalwerten, mit enthaltener Ernährungsberatung und mit einer festen Stabilisierungsphase, die von Anfang an Teil des Plans ist. Magdalena Mathiessen und ihr Team begleiten die Kurgruppen täglich persönlich per WhatsApp — auch bei kleinen Fragen wie der, ob die Gemüsebrühe mit auf den Teller soll.
Warum die Prozentzahlen im Netz auseinandergehen
Weil die meistzitierten Zahlen keine auffindbare Quelle haben. Die im deutschsprachigen Raum am häufigsten weiterkopierte Verlusttabelle — sie nennt für Kochen, Dämpfen, Dünsten, Mikrowelle, Braten, Grillen und Backen jeweils eine Prozentspanne — wird ohne jede Studien-, Behörden- oder Literaturangabe publiziert. Eine zweite, ähnlich verbreitete Zahlenreihe verweist auf eine Sammelliste von Quellen, ordnet aber keine einzige Zahl einer davon zu. Und zwei viel gelesene Ratgeberaussagen widersprechen sich beim Brokkoli in der Pfanne direkt: Die eine nennt einen hohen Vitamin-C-Erhalt, eine publizierte Messreihe fand beim Pfannenrühren die höchsten Verluste aller geprüften Methoden.
Deshalb steht in diesem Artikel, woher jede Zahl kommt. Die Retentionsfaktoren stammen aus einer Tabellensammlung der Bundesforschungsanstalt für Ernährung, heute Max Rubner-Institut, Stand 2002, frei als PDF verfügbar. Die übrigen Werte stammen aus benannten Studien mit PubMed-Nummer, die unten im Quellenkasten stehen.
Zwei Einschränkungen macht diese Quelle selbst, und sie gehören dazu. Erstens sind die Werte für Folat, Niacin, Biotin, Pantothensäure, Vitamin B12, Vitamin E und Vitamin K sowie für Aminosäuren und Fettsäuren als Schätzwerte gekennzeichnet — die Datenlage dafür ist unvollständig. Zweitens gibt es für Gemüse keine eigene Spalte für die Mikrowelle; sie ist dort nur als Variante des Kochens und Dünstens geführt. Wer Mikrowellenzahlen sucht, findet die Messreihen zur Mikrowelle an anderer Stelle.
Häufige Fragen
Welche Nährstoffe gehen beim Kochen wirklich verloren?
Vor allem vier: Vitamin C, Folat, Thiamin und Vitamin B6. Protein, Ballaststoffe, Calcium und die Vitamine D, E und K liegen in den Retentionstabellen der Bundesforschungsanstalt für Ernährung über alle Garmethoden bei 0,90 bis 1,00 und überstehen das Garen praktisch unverändert. Carotinoide liegen methodenunabhängig bei 0,90.
Soll man das Kochwasser wirklich weiterverwenden?
Ja, das ist der größte einzelne Hebel. Bei Wurzelgemüse bleiben im abgetropften gekochten Gemüse 40 Prozent des Vitamin C, mit der Kochflüssigkeit gerechnet 85 Prozent, beim Dämpfen 80 Prozent. Bei Kalium liegt der Faktor im Gesamtgericht bei 1,00: Mineralstoffe gehen nicht kaputt, sie wandern ins Wasser.
Verlieren Kartoffeln Nährstoffe, wenn man sie schält?
Ja, und mehr als durch das Kochen selbst. Mit Schale gekocht liegt der Folat-Faktor bei 0,90, geschält gekocht bei 0,50, beim Vitamin C 0,80 gegenüber 0,70. Entscheidend ist dabei weniger die Schale als die Schnittfläche: Ganze Kartoffeln verloren in einer Messung selbst nach 60 Minuten Kochen kein Folat in nennenswertem Umfang.
Ist Tiefkühlgemüse nährstoffreicher als frisches?
Bei den wasserlöslichen Vitaminen mindestens gleichwertig. In einer Untersuchung von acht Obst- und Gemüsesorten war Ascorbinsäure bei fünf ohne Unterschied und bei drei gefroren höher. Bei Beta-Carotin gilt das nicht: Bei Erbsen, Karotten und Spinat lag es gefroren niedriger. Eine gute Basis, aber kein pauschaler Sieger.
Wie viel machen Lagerung und Transport aus?
Oft mehr als das Kochen. Spinat- und Amaranthblätter verloren bei 5 Grad über 24 bis 48 Stunden 1,1 bis 6,3 Prozent Ascorbinsäure, dieselben Blätter bei 30 Grad 55,3 bis 65,9 Prozent. Beta-Carotin blieb nahezu unverändert. Wer die Garmethode optimiert, das Gemüse aber warm liegen lässt, optimiert an der falschen Stelle.
Ist Dämpfen immer die beste Methode?
Nein. Für Folat schon: Dämpfen von Spinat oder Brokkoli kostete in einer Messung kein Folat, Kochen ließ nur 49 beziehungsweise 44 Prozent übrig. Bei Brokkoli gibt es einen Gegenbefund, weil Hitze das Enzym Myrosinase inaktiviert: In einer Studie mit zwölf Männern lag die Isothiocyanat-Ausscheidung nach frischem Brokkoli bei 32,3 Prozent, nach gedämpftem bei 10,2 Prozent.
Soll man Reis abgießen oder quellen lassen?
Quellen lassen. Gekocht und abgegossen liegt der Thiamin-Faktor bei Getreide und Samen bei 0,50 und der Kalium-Faktor bei 0,55 bis 0,80, bei quellendem Garen bei 0,75 beziehungsweise 1,00. An angereichertem Reis gemessen kostete Abgießen 45 Prozent des Eisens und über 70 Prozent der Folsäure; wasserdichtes Garen kostete nichts.
Bleibt das Eiweiß beim Garen erhalten?
Weitgehend, ja. Bei Hähnchen liegt der Protein-Faktor zwischen 0,90 beim Kochen mit abgegossener Brühe und 1,00 in Pfanne und Ofen, im Gesamtgericht bei 1,00. Bei magerem Fisch sind es 0,75 abgetropft und 1,00 mit Fond. Die Aminosäuren liegen bei 0,90 bis 1,00. Die Garmethode ist hier kein Thema.
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Quellen
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- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, Anhang; Schwellenwerte nach Anhang XIII der Lebensmittelinformationsverordnung.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information zur Lebensmittelzubereitung und ersetzt keine individuelle ernährungstherapeutische oder ärztliche Beratung. Die genannten Retentionsfaktoren sind Kategorie-Mittelwerte zur Nährwertberechnung und keine Messwerte für einzelne Gerichte. Aus den beschriebenen Messungen lassen sich keine gesundheitlichen Wirkungen einzelner Lebensmittel oder Zubereitungsarten ableiten.





