Das Glückshormon Serotonin: Aufgaben, Wirkung und Mangel - VitalBodyPLUS.de

Serotonin: Wirkung, Mangel und was die Ernährung wirklich beeinflusst

Serotonin ist ein körpereigener Botenstoff, der aus der Aminosäure Tryptophan gebildet wird. Im Gehirn wirkt es als Neurotransmitter, im übrigen Körper als Gewebshormon. Rund 90 bis 95 Prozent entstehen nicht im Gehirn, sondern in Zellen der Darmschleimhaut – und dieses Serotonin kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Beide Vorräte sind voneinander getrennt.

Kaum ein Botenstoff wird so oft erwähnt und so selten korrekt erklärt. Dieser Artikel sortiert, was belegt ist: was Serotonin tatsächlich tut, warum „serotoninreiche Lebensmittel“ die Stimmung nicht heben können, was von der Vorstellung eines messbaren „Serotoninmangels“ übrig bleibt – und was den Serotoninhaushalt nachweislich beeinflusst.

Frau blickt am Morgen aus dem Fenster ins Tageslicht

Was Serotonin ist

Chemisch heißt Serotonin 5-Hydroxytryptamin, kurz 5-HT. Es ist ein biogenes Amin und entsteht aus der essenziellen Aminosäure Tryptophan – über die Zwischenstufe 5-Hydroxytryptophan. Abgebaut wird es zu 5-Hydroxyindolessigsäure, die über die Nieren ausgeschieden wird. Im Körper wirkt es über sieben Rezeptorfamilien.

Serotonin wurde nicht als Stimmungsstoff entdeckt

Der Name setzt sich zusammen aus Serum und Tonus. 1948 isolierten Rapport, Green und Page aus Rinderserum einen gefäßverengenden Faktor und nannten ihn Serotonin. Erst 1953 wurde die Substanz auch im Säugetiergehirn nachgewiesen. Der Botenstoff, den heute alle mit Glück verbinden, wurde als Blutdrucksubstanz gefunden.

Ist Serotonin nun ein Hormon oder ein Neurotransmitter? Beides – je nachdem, wo es wirkt. Das ist keine Ausweichantwort, sondern der Stand der Physiologie. Im Gehirn wird es von Neuronen der Raphe-Kerne im Hirnstamm freigesetzt und wirkt an Synapsen, also als Neurotransmitter. Außerhalb des Gehirns wirkt es als Gewebshormon auf Darmmuskulatur, Blutgefäße, Blutplättchen und Knochen.

„Glückshormon“ ist dagegen ein populärwissenschaftliches Etikett, kein Fachbegriff.

Wo es im Körper sitzt

Hier liegt der Punkt, an dem die meisten Ratgeber falsch abbiegen.

Der weitaus größte Teil des körpereigenen Serotonins – Übersichtsarbeiten nennen 90 bis 95 Prozent – wird in den enterochromaffinen Zellen der Darmschleimhaut gebildet. Nur ein kleiner Teil entsteht im Gehirn. Ein weiterer Teil zirkuliert im Blut und wird dort in den Blutplättchen gespeichert; herstellen können die Blutplättchen es nicht, sie nehmen es nur auf.

Der entscheidende Satz

Serotonin kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Der Vorrat im Gehirn und der Vorrat im übrigen Körper sind zwei getrennte Systeme. Was durchkommt, ist nicht Serotonin, sondern seine Vorstufe Tryptophan – und zwar über einen Transporter, den sie sich mit anderen Aminosäuren teilt.

Daraus folgt unmittelbar: Es gibt keinen Weg, über den Serotonin aus einem Lebensmittel das Serotonin im Gehirn erhöhen könnte. Wer „serotoninreiche Lebensmittel“ gegen schlechte Stimmung empfiehlt, empfiehlt etwas, das physiologisch nicht funktionieren kann. Wie sauber sich das belegen lässt, steht weiter unten.

Was Serotonin bewirkt

Bereich Rolle
Stimmung und Emotion Beteiligt – aber, wie der nächste Abschnitt zeigt, nicht in der einfachen Form „mehr Serotonin gleich bessere Stimmung“
Schlaf-Wach-Rhythmus Serotonin ist die Vorstufe von Melatonin, dem Schlafhormon
Appetit und Sättigung Gehört zu den Signalen, die eine Mahlzeit beenden
Darm Steuert Motilität und Sekretion – dort sitzt auch der größte Teil des Vorrats
Blutgerinnung und Gefäße Aus aktivierten Blutplättchen freigesetzt, verengt Gefäße – der historische Namensgeber
Übelkeit und Erbrechen Über 5-HT3-Rezeptoren; deshalb wirken bestimmte Mittel gegen Übelkeit genau dort

Serotonin und Depression: der Stand der Forschung

Ein „Serotoninmangel“ ist keine gesicherte Ursache von Depression. Antidepressiva, die am Serotoninsystem ansetzen, wirken trotzdem bei einem Teil der Betroffenen. Beides ist kein Widerspruch – der Wirkmechanismus eines Medikaments beweist nichts über die Ursache einer Krankheit.

Die Serotonin- oder Monoamin-Hypothese wurde 1967 formuliert, als die ersten Antidepressiva entwickelt wurden. Sie ist also aus der Wirkung der Medikamente rückgeschlossen worden, nicht aus einer Messung an Betroffenen.

Wie es heute eingeordnet wird, steht in der deutschen Nationalen VersorgungsLeitlinie zur unipolaren Depression:

„Heute ist umstritten, ob ein Monoamin-Mangel ursächlich für eine Depression ist. Tatsächlich erklären die Serotonin- bzw. Monoamin-Hypothese nicht, warum nur ein Teil der Patient*innen auf Antidepressiva anspricht oder warum das Ansprechen mit zeitlicher Verzögerung erfolgt.“

2022 erschien dazu eine viel beachtete Übersichtsarbeit, die alle vorhandenen systematischen Reviews in sechs Forschungsfeldern zusammenfasste – von Serotoninwerten in Körperflüssigkeiten über Rezeptorbindung bis zur Genetik. Ihr Fazit: Es gebe keine konsistente Evidenz für einen Zusammenhang zwischen Serotonin und Depression. Besonders deutlich war der genetische Befund, der auf über 115.000 Personen beruht.

Diese Arbeit ist allerdings nicht unwidersprochen geblieben. Fachleute warfen ihr in derselben Zeitschrift methodische Mängel vor: Primärstudien und Meta-Analysen seien vermischt, nachträglich eingeführte Qualitätskriterien verwendet und einzelne Studien ausgelassen worden. Andere Arbeitsgruppen fanden mit bildgebenden Verfahren durchaus Unterschiede in der Serotonin-Freisetzungskapazität.

Was sich aus beiden Seiten ziehen lässt

  • Die einfache Formel „Depression entsteht durch zu wenig Serotonin“ ist nicht belegt – so steht es auch in der deutschen Leitlinie.
  • Das Serotoninsystem ist deshalb nicht irrelevant; die Forschung dazu läuft weiter und ist kontrovers.
  • Antidepressiva wirken bei einem Teil der Betroffenen – unabhängig davon, ob die Serotonin-Hypothese zutrifft. Vermutet werden andere Mechanismen, etwa der Einfluss auf die neuronale Plastizität.
  • Wer Antidepressiva einnimmt, sollte sie deswegen keinesfalls eigenmächtig absetzen.

Lässt sich ein Serotoninmangel messen?

Nein – jedenfalls nicht so, wie kommerzielle Anbieter es versprechen. Serotonin lässt sich im Blut bestimmen und sein Abbauprodukt im Urin. Diese Werte bilden den Serotoninhaushalt des Gehirns aber nicht ab, weil Serotonin die Blut-Hirn-Schranke nicht überwindet.

Am deutlichsten sagt es die Stelle, die den Test anbietet. Ein akkreditiertes deutsches Fachlabor führt Serotonin als Parameter mit der Indikation „Karzinoid-Diagnostik“ – und schreibt dazu wörtlich: „Das Verfahren ist für die Diagnose eines Serotoninmangels nicht geeignet!“

Auch der Urintest auf 5-Hydroxyindolessigsäure ist ein etabliertes Verfahren – für die Diagnostik neuroendokriner Tumoren. Und er hat ein Detail, das viel über das Ernährungsthema verrät: Vor dem Test müssen Patienten mindestens drei Tage lang bestimmte Lebensmittel meiden, weil sie das Ergebnis verfälschen. Die Liste im MSD Manual lautet: Bananen, Tomaten, Pflaumen, Avocados, Ananas, Auberginen und Walnüsse.

Das sind fast genau die Lebensmittel, die anderswo als „serotoninreich für gute Laune“ empfohlen werden.

Zu den kursierenden Symptomlisten

Im Netz stehen lange Aufzählungen angeblicher Symptome eines Serotoninmangels – von gedrückter Stimmung über Heißhunger bis zu Kopfschmerzen. Diese Listen sind wissenschaftlich nicht abgesichert: Es gibt kein anerkanntes Verfahren, mit dem sich ein Serotoninmangel feststellen ließe, und damit auch keine Studien, die solche Beschwerden einem gemessenen Wert zuordnen. Eine Diagnose „Serotoninmangel“ existiert in den Klassifikationssystemen nicht. Die Beschwerden selbst sind trotzdem ernst zu nehmen – sie gehören abgeklärt, nur eben nicht wegen Serotonin.

Kürbiskerne, Cashewkerne, Haferflocken und Lachs auf einem hellen Tisch

Ernährung und Serotonin

Warum „serotoninreiche Lebensmittel“ nichts bringen

Es stimmt, dass manche Lebensmittel messbar Serotonin enthalten. Eine Untersuchung von 1985 hat 80 Lebensmittel analysiert – Spitzenreiter waren bestimmte Nussarten, gefolgt von Kochbananen, Ananas und Bananen.

Entscheidend ist, was dieselbe Arbeit zusätzlich gemessen hat: Nach dem Verzehr dieser Früchte und Nüsse stieg die Ausscheidung des Serotonin-Abbauprodukts im Urin – die Serotoninkonzentration in den Blutplättchen veränderte sich nicht. Das Nahrungsserotonin wurde also abgebaut und ausgeschieden, ohne die Körperspeicher zu füllen. Ins Gehirn kommt es ohnehin nicht.

Der einzige zuverlässig messbare Effekt einer Banane auf den Serotoninhaushalt ist ein verfälschter Labortest.

Tryptophan – die Vorstufe, die tatsächlich durchkommt

Anders sieht es bei Tryptophan aus: Diese Aminosäure überwindet die Blut-Hirn-Schranke. Sie folgt allerdings dem Protein – die tryptophanreichsten Lebensmittel sind schlicht die proteinreichsten.

Lebensmittel Tryptophan je 100 g
Sojabohnen, roh 591 mg
Kürbiskerne, getrocknet 576 mg
Parmesan 482 mg
Hähnchenbrust, gegart 362 mg
Sonnenblumenkerne 348 mg
Kakaopulver, ungesüßt 293 mg
Cashewkerne 287 mg
Hafer 234 mg
Lachs, roh 209 mg
Walnüsse 170 mg
Ei 167 mg
Linsen, gekocht 81 mg
Banane 9 mg
Tomate 6 mg
Ananas 5 mg
Werte nach USDA FoodData Central (SR Legacy). Freie deutsche Tryptophanwerte je 100 g sind nicht öffentlich zugänglich.

Die drei letzten Zeilen sind der Punkt: Banane, Tomate und Ananas liefern praktisch kein Tryptophan. Sie stehen nur deshalb in den Ratgeberlisten, weil sie fertiges Serotonin enthalten – das eben nicht ankommt.

Das Paradox: Eiweiß senkt das Tryptophan im Gehirn

Tryptophan gelangt nur über einen Transporter ins Gehirn, den es sich mit anderen großen neutralen Aminosäuren teilt – Leucin, Isoleucin, Valin, Tyrosin, Phenylalanin. Und Tryptophan ist die seltenste dieser Aminosäuren im Nahrungsprotein.

Eine eiweißreiche Mahlzeit liefert deshalb überproportional viele Konkurrenten und senkt paradoxerweise den Anteil, der ins Gehirn gelangt. Das ist der Grund, warum die verbreitete Vorstellung, ein Truthahn-Essen mache müde und friedlich, so nicht stimmt.

Aus demselben Mechanismus stammt die Gegenthese: Eine kohlenhydratreiche, proteinarme Mahlzeit senkt über Insulin die konkurrierenden Aminosäuren im Blut und lässt anteilig mehr Tryptophan durch. Das wurde in den siebziger Jahren an Ratten gezeigt. Die Einschränkung, die dabei meist untergeht, stammt von den Autoren selbst: Schon geringe Proteinmengen heben den Effekt auf. Reale Mahlzeiten und die meisten Snacks enthalten Protein. „Kohlenhydrate machen glücklich“ lässt sich daraus nicht ableiten.

Und selbst wenn man den Weg gezielt geht, ist der Effekt begrenzt: Nur rund fünf Prozent des Nahrungstryptophans gehen überhaupt in die Serotoninbildung, der weitaus größere Teil wird anders verstoffwechselt. In einer Untersuchung von 2026 veränderte eine Mahlzeit, die das Verhältnis von Tryptophan zu den konkurrierenden Aminosäuren um rund 90 Prozent anhob, weder das Serotonin im Blut noch die Stimmung.

Nahrungsergänzung: was rechtlich und faktisch gilt

Für 5-HTP und L-Tryptophan sind sämtliche beantragten gesundheitsbezogenen Angaben zu Stimmung, Aufmerksamkeit, Schlaf und Sättigung in der EU abgelehnt worden – als nicht belegt.

Dazu kommt die rechtliche Lage: 5-HTP gilt in der EU als neuartiges Lebensmittel und ist als solches nicht zugelassen. Für L-Tryptophan in Nahrungsergänzungsmitteln gilt in Deutschland eine behördliche Auflage mit einer Tagesmenge von 500 Milligramm und Pflichtwarnhinweisen – unter anderem, dass bei Einnahme von Antidepressiva vorher ärztlich Rücksprache zu halten ist.

Ein Sicherheitshinweis, der wichtiger ist als jede Wirkungsfrage

Stoffe, die auf den Serotoninhaushalt wirken, dürfen nicht mit Antidepressiva kombiniert werden, ohne dass das ärztlich abgesprochen ist – es besteht das Risiko eines Serotoninsyndroms. Das gilt auch für frei verkäufliche Präparate und für Johanniskraut. Ein Cochrane-Review zu Tryptophan und 5-HTP bei Depression fand von 111 gesichteten Studien nur zwei mit ausreichender Qualität, zusammen 64 Teilnehmende, und schloss, es brauche weitere Studien zu Wirksamkeit und Sicherheit, bevor eine breite Anwendung empfohlen werden könne.

Person geht bei Tageslicht durch einen winterlichen Park

Was nachweislich wirkt

Wenn der Ernährungsweg weitgehend versperrt ist – was bleibt? Tatsächlich gibt es einen Befund, der beim lebenden Menschen direkt gemessen wurde.

In einer Untersuchung an 101 gesunden Männern wurde der Serotoninumsatz im Gehirn über Blutentnahmen aus der Halsvene bestimmt – also nicht indirekt über periphere Werte. Ergebnis: Der Umsatz war im Winter am niedrigsten, und die Produktionsrate hing direkt mit der vorherrschenden Dauer hellen Sonnenlichts zusammen. Der Zusammenhang war mit einem Korrelationskoeffizienten von 0,294 schwach bis moderat, und die Studie schloss nur Männer ein – aber sie ist der einzige direkte Befund dieser Art.

Passend dazu die Größenordnungen: Selbst an einem bewölkten Tag liegt die Beleuchtungsstärke draußen über 1.000 Lux – deutlich mehr, als ein Innenraum liefert. In der Lichttherapie werden mindestens 2.500, besser 10.000 Lux eingesetzt, über 30 Minuten bis zwei Stunden am frühen Morgen. Bei Depressionen mit saisonalem Muster soll laut deutscher Leitlinie ein Therapieversuch mit Lichttherapie angeboten werden; bei nicht-saisonaler Depression ist die Evidenz deutlich schwächer.

Der praktische Schluss daraus ist unspektakulär und trotzdem der belastbarste Rat dieses Artikels: Tageslicht am Morgen, regelmäßige Bewegung und ein stabiler Schlafrhythmus sind die Ansatzpunkte, für die es tatsächlich Daten gibt – nicht die Banane.

Aus Serotonin entsteht in der Zirbeldrüse Melatonin, das Zeitgebersignal für die innere Uhr. Was ein Melatoninpräparat leistet und was nicht, steht dort.

Serotonin, Appetit und Abnehmen

Dass Serotonin an der Sättigung beteiligt ist, ist gut belegt: Es gehört zu den Signalen, die eine Mahlzeit beenden, und hemmt im Hypothalamus einen starken Hungerreiz. Daraus folgt allerdings nicht, dass sich Appetit über die Ernährung „mit Serotonin“ steuern ließe.

Wie weit dieser Weg trägt, zeigt die Geschichte der Medikamente, die genau dort ansetzten. Es gab drei serotonerge Appetitzügler – alle drei sind vom Markt: Fenfluramin wurde 1997 wegen Herzklappenschäden zurückgezogen, Sibutramin 2010, Lorcaserin 2020. Besonders lehrreich ist der erste Fall: Dexfenfluramin wurde 1995 in einer Fachpublikation als hochwirksame Behandlung gegen Heißhunger auf Kohlenhydrate empfohlen. Zwei Jahre später war es weg.

Was gegen Heißhunger tatsächlich hilft, hat mit Serotonin wenig zu tun und mit Struktur viel: ausreichend Eiweiß, Mahlzeiten mit Volumen und geringer Energiedichte, regelmäßige Essenszeiten und genug Schlaf.

Genau so ist unsere Stoffwechselkur aufgebaut: individuell berechneter Bedarf, eiweißbetonte und gemüsereiche Mahlzeiten, feste Struktur – und tägliche persönliche Begleitung.

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Wann du ärztlichen Rat suchen solltest

Wenn gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit oder Antriebslosigkeit länger als zwei Wochen anhalten, die meiste Zeit des Tages bestehen und sich von den Lebensumständen kaum beeinflussen lassen, sollte das ärztlich abgeklärt werden – ebenso, wenn sich Schlaf, Appetit oder Konzentration deutlich verändert haben. Das ist keine Frage von Serotonin, sondern eine Frage der richtigen Diagnose. Erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis.

Depressive Störungen sind häufig und gut behandelbar. Die Leitlinie beschreibt ein abgestuftes Vorgehen aus Gesprächsangeboten, Psychotherapie und – je nach Schweregrad – medikamentöser Behandlung.

Wenn du jetzt mit jemandem sprechen möchtest

  • Info-Telefon Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: 0800 3344533, kostenfrei. Montag, Dienstag und Donnerstag 13 bis 17 Uhr, Mittwoch und Freitag 8.30 bis 12.30 Uhr.
  • TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, rund um die Uhr.
  • Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111, Montag bis Samstag 14 bis 20 Uhr. Elterntelefon: 0800 111 0 550.
  • In einer akuten Notlage: 112 oder die nächstgelegene psychiatrische Klinik.

Häufige Fragen

Was ist Serotonin einfach erklärt?

Serotonin ist ein körpereigener Botenstoff, der aus der Aminosäure Tryptophan gebildet wird. Im Gehirn arbeitet es als Neurotransmitter, im übrigen Körper als Gewebshormon – es beeinflusst unter anderem Stimmung, Schlaf, Sättigung, Darmbewegung und Gefäßweite.

Ist Serotonin ein Hormon oder ein Neurotransmitter?

Beides, je nachdem wo es wirkt. Im Gehirn wird es von Nervenzellen der Raphe-Kerne freigesetzt und wirkt an Synapsen, also als Neurotransmitter. Außerhalb des Gehirns wirkt es als Gewebshormon auf Darm, Blutgefäße und Blutplättchen.

Kann man einen Serotoninmangel messen?

Nicht im Sinne eines Serotoninwerts im Gehirn. Serotonin lässt sich im Blut bestimmen und sein Abbauprodukt im Urin, diese Werte bilden den Serotoninhaushalt des Gehirns aber nicht ab. Ein deutsches Fachlabor hält zu seinem eigenen Test ausdrücklich fest, dass er für die Diagnose eines Serotoninmangels nicht geeignet ist – vorgesehen ist er für die Diagnostik bestimmter Tumoren.

Welche Lebensmittel enthalten Serotonin?

Messbar Serotonin enthalten unter anderem Walnüsse, Kochbananen, Ananas, Bananen, Kiwis, Pflaumen und Tomaten. Für die Stimmung ist das ohne Bedeutung: Serotonin aus der Nahrung überwindet die Blut-Hirn-Schranke nicht. In einer Untersuchung stieg nach dem Verzehr solcher Lebensmittel zwar die Ausscheidung des Abbauprodukts im Urin, die Serotoninspeicher im Körper blieben aber unverändert.

Machen Bananen glücklich?

Nein. Eine Banane enthält zwar etwas fertiges Serotonin, das aber nicht ins Gehirn gelangt – und mit rund 9 Milligramm je 100 Gramm kaum Tryptophan, aus dem der Körper selbst Serotonin bilden könnte. Zum Vergleich: Kürbiskerne kommen auf etwa 576 Milligramm.

Verursacht ein Serotoninmangel eine Depression?

Das gilt heute als umstritten. Die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie hält fest, es sei umstritten, ob ein Monoamin-Mangel ursächlich für eine Depression ist. Eine große Übersichtsarbeit fand keine konsistente Evidenz für einen Zusammenhang, wurde dafür aber methodisch kritisiert. Dass Antidepressiva bei einem Teil der Betroffenen wirken, bleibt davon unberührt.

Wie kann ich meinen Serotoninhaushalt natürlich unterstützen?

Der einzige direkt am Menschen gemessene Befund betrifft Licht: In einer Untersuchung an 101 Männern war der Serotoninumsatz im Gehirn im Winter am niedrigsten und hing mit der Dauer hellen Sonnenlichts zusammen. Tageslicht am Morgen, regelmäßige Bewegung und ein stabiler Schlafrhythmus sind die Ansatzpunkte mit Daten – nicht bestimmte Lebensmittel.

Weiterlesen

Quellen

  • Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2, AWMF-Reg.-Nr. nvl-005, 2022, gültig bis 29.09.2027.
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  • Halford JC, Blundell JE: Separate systems for serotonin and leptin in appetite control. Ann Med 2000;32(3):222–232. Teramae CY et al.: Diet drug-related cardiac valve disease. Mayo Clin Proc 2000;75(5):456–461.
  • Shaw KA, Turner J, Del Mar C: Tryptophan and 5-Hydroxytryptophan for depression. Cochrane Database Syst Rev 2002, CD003198.
  • MSD Manual, Ausgabe für Fachkreise: Gastrointestinale Neuroendokrine Tumoren und Karzinoidsyndrom, Stand 2024. Labor Dr. Fenner und Kollegen MVZ, Parameter Serotonin.
  • Verbraucherzentrale: 5-Hydroxytryptophan (5-HTP) aus der afrikanischen Schwarzbohne, Stand 07.06.2024. BVL, Allgemeinverfügung 14/01/004 vom 24.02.2014 zu L-Tryptophan. EU-Register für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben. USDA FoodData Central (SR Legacy).

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Er stellt keine Diagnose und empfiehlt keine Selbstbehandlung. Bei anhaltenden Beschwerden wende dich bitte an deine Hausärztin oder deinen Hausarzt. Verschriebene Medikamente – insbesondere Antidepressiva – dürfen niemals eigenmächtig abgesetzt oder mit Präparaten kombiniert werden, die auf den Serotoninhaushalt wirken.