Frühjahrsmüdigkeit ist keine Diagnose, und als Saisonphänomen ist sie nicht belegt. In der ersten Langzeitstudie dazu (418 Erwachsene, ein Jahr, veröffentlicht 2026) gaben 47 Prozent an, sie zu kennen, doch Erschöpfung, Tagesschläfrigkeit und Schlafqualität schwankten über das Jahr nicht. Echt und messbar sind im Frühjahr dagegen drei Dinge: die Zeitumstellung, die Pollensaison und bei manchen ein niedriger Vitamin-D-Spiegel nach dem Winter.
Hier findest du die Langzeitstudie ausgewertet statt nur gemeldet, mit ihren Grenzen, dazu die drei Frühjahrsfaktoren mit Belegen und eine Tabelle, mit der du einordnen kannst, was bei dir wahrscheinlich dahintersteckt.
Das Wichtigste in Kürze
- 47 Prozent der 418 Teilnehmenden kannten nach eigener Aussage Frühjahrsmüdigkeit. In bis zu neun Messungen über ein Jahr zeigte sich keine jahreszeitliche oder monatliche Schwankung von Erschöpfung, Schläfrigkeit, Insomniesymptomen oder Schlafqualität.
- Die Müdigkeit im Alltag sank sogar, je länger die Tage wurden. Wie schnell die Tage länger wurden, spielte keine Rolle.
- Die Zeitumstellung ist messbar: Am Umstellungssonntag schliefen 11.780 Menschen im Mittel 65 Minuten weniger als eine Woche zuvor.
- 14,8 Prozent der Erwachsenen in Deutschland hatten schon einmal ärztlich festgestellten Heuschnupfen oder eine allergische Bindehautentzündung. Verstopfte Nase und ältere Allergiemittel können müde machen.
- Vitamin D ist am Winterende am niedrigsten. Ob das müde macht, ist umstritten: bei nachgewiesenem Mangel ein kleiner positiver Befund, in der Bevölkerung kein ursächlicher Zusammenhang.
- Eine feste Dauer von Frühjahrsmüdigkeit gibt es nicht. Wer über Wochen müde ist, lässt die Ursache klären, unabhängig von der Jahreszeit.
Inhalt
Gibt es Frühjahrsmüdigkeit überhaupt?
Als eigenes Saisonphänomen lässt sich Frühjahrsmüdigkeit bisher nicht nachweisen. Das ist nicht mehr nur eine Vermutung: Seit März 2026 liegt die erste Studie vor, die das Phänomen gezielt über ein ganzes Jahr an denselben Menschen gemessen hat. Die Schlafforschenden Blume und Vorster haben sie im Journal of Sleep Research veröffentlicht, und ihr Titel fasst den Befund zusammen: kein Beleg für jahreszeitliche Schwankungen von Erschöpfung, Schläfrigkeit und Schlafproblemen, Frühjahrsmüdigkeit sei eher ein kulturelles Phänomen als ein Saisonsyndrom.
Was die Langzeitstudie gemessen hat
Teilgenommen haben 418 Erwachsene aus Deutschland (58 Prozent), der Schweiz (32 Prozent) und Österreich (10 Prozent). Die Erhebung lief von April 2024 bis September 2025. Alle sechs Wochen beantworteten die Teilnehmenden standardisierte Fragebögen, im Median achtmal, höchstens neunmal. Die Studie war vorab registriert, die Auswertung also festgelegt, bevor die Daten vorlagen. Genutzt wurde eine Bayes-Statistik, die nicht nur zeigt, ob ein Effekt fehlt, sondern auch, wie stark die Daten für das Fehlen sprechen.
| Was gemessen wurde | Ergebnis |
|---|---|
| Kennst du Frühjahrsmüdigkeit? (erste Befragung) | 47 Prozent sagten Ja |
| Erschöpfung (Fatigue Severity Scale) | keine Schwankung nach Jahreszeit, Monat oder Tageslänge |
| Tagesschläfrigkeit (Epworth-Skala) | keine Schwankung nach Jahreszeit, Monat oder Tageslänge |
| Insomniesymptome und Schlafqualität | keine jahreszeitliche oder monatliche Schwankung |
| Müdigkeit bei Alltagsaktivitäten | sank, je länger die Tage waren; das Tempo, mit dem die Tage länger wurden, spielte keine Rolle |
| Unterschiede nach Chronotyp, Geschlecht, Alter | keine |
Die Messungen sprachen also deutlich stärker für „kein Effekt“ als für einen Effekt. Und der eine Befund mit Jahreszeitbezug zeigt in die Gegenrichtung: Längere Tage gingen eher mit weniger Müdigkeit einher. Gerade der Übergang, der Frühjahrsmüdigkeit erklären müsste, hatte keinen messbaren Einfluss. Gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung sagte Blume: „Wir fanden keinen empirischen Beleg für das Phänomen.“

Warum sich trotzdem so viele betroffen fühlen
Die Forschenden deuten die Lücke zwischen 47 Prozent Selbstauskunft und flachen Messkurven so: „Frühjahrsmüdigkeit“ ist ein bekanntes Etikett. Wer sich im März schlapp fühlt, hat sofort eine Erklärung parat. Der Name lenkt zudem die Aufmerksamkeit – man bemerkt müde Tage im Frühjahr eher und vergisst die im November (Bestätigungsfehler). Und die Erwartung, müde zu werden, kann selbst Beschwerden erzeugen, ähnlich einem Nocebo. Das ist die Interpretation der Autoren, nicht selbst gemessen. Bemerkenswert ist der Anlass der Studie: Jeden März und April kamen Medienanfragen zum Thema.
Wichtig für den Alltag: Die Müdigkeit ist echt, das Frühjahr als Ursache ist es in den Daten nicht. Die Autoren warnen sogar, dass das Etikett dazu verleiten kann, anhaltende Müdigkeit zu lange als harmlose Saisonsache abzutun.
Was die Studie nicht ausschließt
Die Studie hat klare Grenzen. Die Stichprobe war nicht repräsentativ: 80 Prozent Frauen, Median-Alter 32 Jahre, rekrutiert über Radio, LinkedIn und Instagram. Die Fragebögen fragten alle sechs Wochen rückblickend nach den vergangenen vier Wochen, kurze Tiefs von wenigen Tagen können darin untergehen. Die 47 Prozent sind deshalb auch keine Bevölkerungszahl.
Die Autoren schließen ausdrücklich nicht aus, dass einzelne Gruppen im Frühjahr tatsächlich müder sind: Menschen mit Heuschnupfen, Menschen mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel am Ende des Winters und alle in den Tagen nach der Zeitumstellung. Solche Effekte könnten im Gesamtergebnis verschwinden, erklären aber nicht, warum fast die Hälfte sich betroffen fühlt. Genau diese drei Faktoren sind der praktische Teil dieses Artikels.
Die populären Erklärungen im Faktencheck
Die meisten Ratgeber erklären Frühjahrsmüdigkeit mit Hormonen, Blutdruck oder leeren Vitaminspeichern. Keine dieser Erklärungen ist als Ursache belegt, bei einigen stimmt aber der biologische Kern.
| Erklärung | Was stimmt | Was nicht belegt ist |
|---|---|---|
| Melatonin und Serotonin geraten aus dem Gleichgewicht | Unter natürlichem Licht (eine Woche Camping) ist die biologische Nacht im Winter länger als im Sommer. Der Serotoninumsatz im Gehirn war in einer Studie mit 101 Männern im Winter am niedrigsten und stieg mit hellem Sonnenlicht. | Unter modernem Kunstlicht fanden dieselben Forschenden keinen jahreszeitlichen Unterschied in der Dauer der biologischen Nacht. Ein „Ungleichgewicht“ im Frühling, das müde macht, ist beim Menschen nicht gezeigt. |
| Wärme weitet die Gefäße, der Blutdruck sinkt | Der Blutdruck schwankt jahreszeitlich und ist bei höheren Temperaturen niedriger. Das gilt weltweit und für alle Altersgruppen. | Dass dieser Effekt bei Gesunden Frühjahrsmüdigkeit auslöst, ist nicht belegt. |
| Nach dem Winter sind die Vitaminspeicher leer | Vitamin D hat einen klaren Saisonverlauf und ist am Winterende am niedrigsten. | Für andere Vitamine und Mineralstoffe gibt es keine entsprechenden Saisondaten. |
| Der Körper stellt sich vom Winter- auf den Sommermodus um | Schlaf ist im Winter etwas länger, in einer japanischen Studie mit 1.388 Personen um rund 11 Minuten. | Wenn die Jahreszeit müde macht, dann eher der Winter: In Nordnorwegen waren Erschöpfung und Einschlafprobleme im Januar stärker als im August. |
Wer die Hormonfrage genauer verstehen will: Was Licht mit Serotonin zu tun hat, erklärt unser Artikel über Serotonin, und wie Licht die Melatoninbildung steuert, steht im Melatonin-Beitrag.
Drei Dinge, die im Frühjahr tatsächlich müde machen können
Drei Faktoren fallen nachweislich ins Frühjahr und können müde machen: die Umstellung auf die Sommerzeit, der Pollenflug und ein niedriger Vitamin-D-Spiegel am Ende des Winters. Bei den ersten beiden ist der Zusammenhang mit Schlaf und Müdigkeit gut belegt, beim dritten ist er umstritten.
1. Die Zeitumstellung Ende März
Die Zeitumstellung ist der am besten messbare Frühjahrseffekt. In der EU beginnt die Sommerzeit am letzten Wochenende im März. Eine Auswertung der UK Biobank mit 11.780 Teilnehmenden zwischen 43 und 78 Jahren zeigte per Bewegungssensor: Am Sonntag der Umstellung schliefen die Menschen im Mittel 65 Minuten weniger als am Sonntag davor und 61 Minuten weniger als am Sonntag danach. Ein Teil davon ergibt sich rechnerisch, weil dieser Tag nur 23 Stunden hat. In den Folgetagen holten die Teilnehmenden etwas Schlaf nach. Im Herbst schliefen sie am Umstellungssonntag 33 Minuten mehr.
Dazu kommt: Die Frühjahrsumstellung ist die schwierigere. Eine Münchner Forschungsgruppe beobachtete 50 Menschen über acht Wochen rund um die Umstellungen. Ihr Aktivitätsrhythmus passte sich an die Rückstellung im Herbst an, an die Vorstellung im Frühjahr nicht, vor allem bei Spättypen. In einer Befragung derselben Gruppe mit 55.000 Menschen folgte die Schlafenszeit an freien Tagen unter Normalzeit dem Verlauf der Morgendämmerung, unter Sommerzeit nicht.

Die American Academy of Sleep Medicine sieht im Übergang zur Sommerzeit erhebliche Risiken, darunter Stimmungsstörungen und Verkehrsunfälle, und fordert eine ganzjährige Normalzeit. Das ist die Position einer US-Fachgesellschaft, keine deutsche Leitlinie, zeigt aber, dass die Umstellung schlafmedizinisch ernst genommen wird.
Wer sich also Ende März, Anfang April müde fühlt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine kürzere Nacht und eine innere Uhr, die hinterherläuft. Das ist ein kurzes, erklärbares Tief. Was die Anpassung plausibel erleichtert, steht weiter unten; warum dabei eine feste Aufstehzeit mehr bringt als lange Nächte, erklärt unser Schlafartikel.
2. Pollen und Heuschnupfen
Heuschnupfen kann müde machen, und er ist häufig. In der repräsentativen DEGS1-Studie des Robert Koch-Instituts mit 7.988 Erwachsenen hatten 14,8 Prozent irgendwann eine ärztlich festgestellte allergische Rhinokonjunktivitis, also Heuschnupfen mit oder ohne Bindehautentzündung. Die Zahl umfasst ganzjährige und saisonale Formen; wie viele davon gerade im Frühjahr betroffen sind, lässt sich daraus nicht ableiten.
Zwei Wege führen von der Allergie zur Müdigkeit:
- Schlechterer Schlaf: Allergischer Schnupfen beeinträchtigt den Schlaf, die verstopfte Nase gilt als Hauptmechanismus. Wird die Nasenverstopfung wirksam behandelt, verbessern sich Schlaf und Tagesschläfrigkeit. Die Datengrundlage ist ein älterer Übersichtsartikel; die Richtung ist plausibel, die Größe des Effekts lässt sich nicht beziffern.
- Das Allergiemittel selbst: Antihistaminika der ersten Generation gehören laut der hausärztlichen S3-Leitlinie Müdigkeit zu den Medikamenten, die Müdigkeit verursachen können. Wer im Frühjahr ein älteres Allergiemittel nimmt, hat damit womöglich schon die Erklärung.
Die frühen Pollen passen zeitlich genau zur gefühlten Frühjahrsmüdigkeit: Hasel, Erle und Birke fliegen in diesen Monaten, und mehrere Arten, darunter Esche und Birke, fliegen inzwischen früher als noch Anfang der 2000er-Jahre. Wann welche Pollen in Deutschland unterwegs sind, zeigt der Pollenflugkalender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst. Wenn Müdigkeit zusammen mit Niesen, verstopfter Nase oder juckenden Augen auftritt, lohnt sich die Abklärung in der Arztpraxis oder Apotheke, auch die Frage, ob das bisherige Allergiemittel müde macht.
3. Vitamin D am Ende des Winters
Vitamin D ist der einzige Nährstoff mit einem klaren Frühjahrstief. In Deutschland reicht die UV-B-Strahlung etwa von Oktober bis März nicht für eine nennenswerte Bildung in der Haut, deshalb ist der Spiegel am Ende des Winters am niedrigsten. Grenzwerte, Häufigkeit und Saisonverlauf stehen ausführlich in unserem Artikel zum Vitamin-D-Mangel, ebenso, wie viel Sonne für Vitamin D tatsächlich nötig ist.
Ob ein niedriger Spiegel müde macht, ist ehrlich umstritten. Zwei Studien stehen nebeneinander:
- Kleine randomisierte Studie: 120 junge Erwachsene (mittleres Alter 29), alle müde und alle mit nachgewiesenem Mangel, erhielten einmalig eine ärztlich kontrollierte hohe Vitamin-D-Dosis oder ein Placebo. Nach vier Wochen war die Müdigkeit in der Vitamin-D-Gruppe stärker gesunken; eine Besserung berichteten 72 gegenüber 50 Prozent. Einzelne kleine Studie, kurze Laufzeit, subjektive Messgröße.
- Große genetische Analyse: Eine Mendelsche Randomisierung mit 327.478 Teilnehmenden der UK Biobank fand keinen Hinweis darauf, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel Müdigkeit verursachen. Die Autoren halten Vitamin D für die Allgemeinbevölkerung zur Vorbeugung von Müdigkeit für vermutlich nicht nützlich.
Zusammen heißt das: Für die breite Bevölkerung kein ursächlicher Effekt, bei nachgewiesenem, deutlichem Mangel ein kleiner positiver Einzelbefund. Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zu Vitamin D und Müdigkeit gibt es nicht. Wer ergänzt, sollte die tolerierbare Höchstmenge der EFSA kennen: 100 Mikrogramm (4.000 IE) pro Tag für Erwachsene. Welche Vitamin-D-Mangel-Symptome belegt sind, steht im Nachbarartikel.
Was bei Müdigkeit im Frühjahr hilft
Am meisten bringt es, die passende Ursache zu finden und dort anzusetzen, statt gegen ein Etikett anzukämpfen. Für die drei Frühjahrsfaktoren heißt das konkret:
- Morgens ins Tageslicht, vor allem in der Umstellungswoche. Tageslicht ist der stärkste Zeitgeber der inneren Uhr. In einer Studie verschob schon ein Camping-Wochenende mit natürlichem Licht den Rhythmus um rund 69 Prozent dessen, was eine ganze Woche bewirkte. Gegen Alltagsmüdigkeit allgemein ist Licht schwach belegt, für die Anpassung an die Sommerzeit ist es der plausibelste Hebel.
- Die Aufstehzeit festhalten. Nach der Umstellung nicht am Wochenende lange ausschlafen, sondern zur gewohnten Uhrzeit aufstehen. Eine Studie, die Tipps gegen die Zeitumstellung direkt geprüft hat, gibt es nicht; beides leitet sich aus den Befunden zur inneren Uhr ab.
- Allergie abklären statt aushalten. Wer Heuschnupfen-Beschwerden hat, lässt sich beraten, und fragt dabei auch nach, ob das eigene Allergiemittel müde machen kann.
- Kaffee nicht in den Nachmittag verschieben. Wer die Müdigkeit mit Koffein am Nachmittag bekämpft, verkürzt die nächste Nacht. Wann die letzte Tasse Kaffee spätestens sein sollte, steht in unserem Artikel zu Ernährung und Schlaf.

Eine verbreitete Empfehlung lässt sich richtigstellen: Grüner Tee macht nicht wacher als Kaffee. Filterkaffee enthält etwa 90 mg Koffein pro 200 ml, grüner Tee etwa 30 mg, schwarzer Tee etwa 45 mg. Wie viel Koffein Kaffee und Tee tatsächlich enthalten und welche Mengen unbedenklich sind, steht im Kaffee-Artikel.
Wer die Menge lieber schrittweise senken statt ganz streichen möchte, findet dazu einen praktischen Weg im Artikel wie sich Kaffee schrittweise reduzieren lässt.
Auch Wechselduschen gehören ehrlich eingeordnet. In einer randomisierten Studie mit 3.018 Teilnehmenden führten 30 Tage mit kalt-warmem oder kaltem Duschen zu 29 Prozent weniger krankheitsbedingten Fehltagen, aber nicht zu weniger Krankheitstagen. Eine Wechseldusche kann sich belebend anfühlen, belegt ist gegen Frühjahrsmüdigkeit nichts, und das Immunsystem stärkt sie nach diesen Daten auch nicht.
Alles, was gegen Müdigkeit unabhängig von der Jahreszeit hilft, von Bewegung bis Schlafrhythmus, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengetragen: was gegen Alltagsmüdigkeit belegt wirkt.
Frühjahr, Ernährungsumstellung und Müdigkeit
Wer im Frühjahr eine kalorienreduzierte Ernährungsumstellung beginnt und in den ersten Tagen müde ist, erlebt sehr wahrscheinlich keine Frühjahrsmüdigkeit, sondern einen bekannten Anfangseffekt. Müdigkeit ist ein dokumentierter Begleiteffekt sehr energiearmer Kostformen in der Startphase. Hält sie an oder nimmt sie zu, ist das ein Grund zur Abklärung, nicht zum Durchbeißen.
Viele starten genau deshalb im Frühjahr mit einer Ernährungsumstellung, in der Annahme, die Pfunde aus dem Winter würden sich von allein verlieren – was diese Vorstellung wirklich hält, zeigt unser Winterspeck-Check.
Genau deshalb begleiten Magdalena Mathiessen und ihr Team in der Stoffwechselkur die ersten Tage täglich per WhatsApp: Diese Phase ist die anstrengendste. Warum die ersten Tage einer Kur müde machen können und wann du eine Kur besser abbrichst, steht in unserem Artikel zu den Nebenwirkungen.
Wann es keine Frühjahrsmüdigkeit ist
Eine feste Zeitgrenze, ab der Müdigkeit im Frühjahr ärztlich abgeklärt gehört, gibt es nicht, weil es keine Daten zur Dauer von Frühjahrsmüdigkeit gibt. Die Faustregel lautet deshalb: Wer über Wochen müde ist, lässt die Ursache klären, gleich zu welcher Jahreszeit. Die Tabelle hilft beim Einordnen.
| Was du beobachtest | Was dahinterstecken kann | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Müdigkeit rund um das letzte Märzwochenende | Zeitumstellung | Aufstehzeit halten, morgens Tageslicht, einige Tage abwarten |
| Müdigkeit zusammen mit Niesen, verstopfter Nase oder juckenden Augen | Pollenallergie, eventuell müde machendes Allergiemittel | ärztlich oder in der Apotheke abklären, Beipackzettel des Allergiemittels prüfen |
| Müdigkeit unabhängig von der Jahreszeit, über Wochen | keine Saisonfrage | Ursachen systematisch prüfen, siehe ständig müde |
| Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer, ungewolltes Einschlafen am Tag | möglicherweise schlafbezogene Atmungsstörung | zeitnah ärztlich abklären |
| Niedergeschlagenheit, Interessenverlust | möglicherweise Depression, die häufigste Einzelursache anhaltender Müdigkeit in der Hausarztpraxis | ärztlich abklären |
| Ungewollter Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Fieber, Luftnot | Alarmzeichen | zeitnah ärztlich abklären |
Die Tabelle ersetzt keine Diagnose. Sie soll verhindern, was die Autoren der Langzeitstudie befürchten: dass eine behandelbare Ursache hinter dem harmlos klingenden Wort Frühjahrsmüdigkeit verschwindet. Die vollständige Liste der Warnzeichen findest du in unserem Beitrag dazu, wann anhaltende Müdigkeit ärztlich abgeklärt gehört. Und wenn vor allem das Einschlafen hakt: ab wann Schlafprobleme behandelt gehören.
Häufige Fragen
Gibt es Frühjahrsmüdigkeit wirklich?
Als eigenes Saisonsyndrom ist sie nicht belegt. In der ersten Langzeitstudie mit 418 Erwachsenen gaben 47 Prozent an, Frühjahrsmüdigkeit zu kennen, doch Erschöpfung, Tagesschläfrigkeit, Schlafprobleme und Schlafqualität schwankten über das Jahr nicht. Die Müdigkeit, die Menschen spüren, ist echt. Das Frühjahr als Ursache taucht in den Messungen nicht auf.
Wie lange dauert Frühjahrsmüdigkeit?
Dazu gibt es keine Daten. Angaben wie „einige Tage“ oder „zwei bis vier Wochen“ haben keine überprüfbare Grundlage. Belegt ist nur der Effekt der Zeitumstellung: Am Umstellungssonntag schlafen Menschen deutlich kürzer, in den Folgetagen holen sie einen Teil nach. Wer über Wochen müde ist, sollte die Ursache klären lassen, gleich zu welcher Jahreszeit.
Wann beginnt Frühjahrsmüdigkeit?
Meist wird sie für März und April beschrieben. In genau diese Zeit fallen zwei messbare Faktoren: die Umstellung auf die Sommerzeit am letzten Märzwochenende und der Flug der frühen Baumpollen wie Hasel, Erle und Birke. Wer in diesen Wochen müder ist, findet die Erklärung oft eher dort als im Frühling selbst.
Welcher Mangel steckt hinter Frühjahrsmüdigkeit?
Einen typischen Frühjahrsmangel gibt es nicht. Einzig Vitamin D hat einen klaren Saisonverlauf und ist am Ende des Winters am niedrigsten. Ob ein niedriger Spiegel müde macht, ist umstritten: Eine kleine Studie fand bei nachgewiesenem Mangel einen Effekt, eine große genetische Analyse keinen ursächlichen Zusammenhang. Eisenmangel kennt keine Jahreszeit.
Hilft Vitamin D gegen Frühjahrsmüdigkeit?
Für die breite Bevölkerung spricht die Datenlage dagegen. Nur bei nachgewiesenem, deutlichem Mangel gibt es einen kleinen Einzelbefund. Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zu Vitamin D und Müdigkeit existiert nicht. Wer auf eigene Faust ergänzt, sollte die tolerierbare Höchstmenge der EFSA von 100 Mikrogramm pro Tag für Erwachsene kennen.
Macht die Zeitumstellung müde?
Ja, das ist messbar. In einer Auswertung mit 11.780 Teilnehmenden schliefen die Menschen am Sonntag der Umstellung auf Sommerzeit laut Bewegungssensor im Mittel 65 Minuten weniger als am Sonntag davor, ein Teil davon rechnerisch durch den 23-Stunden-Tag. An die Frühjahrsumstellung passt sich die innere Uhr zudem schlechter an als an die im Herbst.
Kann Heuschnupfen müde machen?
Ja, auf zwei Wegen. Eine verstopfte Nase stört den Schlaf, und eine wirksame Behandlung der Nasenverstopfung verbessert Schlaf und Tagesschläfrigkeit. Außerdem gehören ältere Antihistaminika der ersten Generation zu den Medikamenten, die selbst müde machen. Wer das vermutet, spricht es ärztlich oder in der Apotheke an.
Warum bin ich im Frühling müde, obwohl es heller wird?
Längere Tage gingen in der Langzeitstudie eher mit weniger Müdigkeit im Alltag einher, nicht mit mehr. Wer sich im Frühling müde fühlt, spürt oft eine Mischung: eine kurze Nacht nach der Zeitumstellung, Pollen, einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel oder eine Müdigkeit mit ganz anderer Ursache, die der bekannte Name nur überdeckt.
Ist Frühjahrsmüdigkeit eine Krankheit?
Nein. Frühjahrsmüdigkeit ist keine anerkannte Diagnose, und die Forschenden der Langzeitstudie halten sie eher für ein kulturelles Etikett als für ein Saisonsyndrom. Anhaltende Müdigkeit kann dagegen durchaus eine behandelbare Ursache haben, etwa eine Depression, eine Schlafapnoe oder eine Blutarmut. Deshalb lohnt sich die Abklärung.
Weiterlesen
- Ständig müde: die häufigsten Ursachen und welche Blutwerte zählen
- Vitamin-D-Mangel: Grenzwerte, Symptome und was belegt ist
- Schlaf und Abnehmen: was Schlafmangel mit dem Gewicht macht
- Serotonin: Wirkung, Mangel und was die Ernährung beeinflusst
- Power Napping: was ein kurzes Nickerchen leistet
Quellen
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Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Anhaltende oder zunehmende Müdigkeit, Atemaussetzer im Schlaf, Niedergeschlagenheit oder Alarmzeichen wie ungewollter Gewichtsverlust, Nachtschweiß und Fieber gehören ärztlich abgeklärt, auch im Frühjahr. Medikamente wie Allergie- oder Blutdruckmittel bitte nicht eigenmächtig absetzen oder in der Dosis ändern.





