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An Weihnachten nicht zunehmen: was die Daten zeigen

Die Zunahme über die Weihnachtszeit ist kleiner, als fast alle denken: In einer europäischen Kohorte mit täglicher Waagemessung lag sie bei rund 1,35 Prozent des Körpergewichts. Entscheidend ist etwas anderes. Das kritische Fenster reicht von der letzten Novemberwoche bis in den Januar, nicht über drei Festtage. Und ein Teil der Zunahme ist Monate später noch messbar. Deshalb entscheidet nicht Heiligabend, sondern der Wiedereinstieg danach.

Dieser Artikel stellt die Zeitachse in den Mittelpunkt statt der üblichen Zehnerliste: wann das Fenster beginnt, wann es endet, was im März noch übrig ist und warum Blutfettwerte im Januar anders aussehen als im Mai. Jede Zahl mit Studie, Stichprobe und Einschränkung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das niedrigste Körpergewicht des Jahres liegt in der ersten Dezemberwoche, das höchste am 2. Januar — gemessen an 1.062 Erwachsenen mit täglicher Waage (Turicchi 2020).
  • Über die Weihnachtsperiode nahm dieselbe Kohorte im Mittel 1,35 Prozent des Körpergewichts zu. Zwischen Januar und März sank das Gewicht wieder, blieb aber mindestens 0,35 Prozent über dem Stand vor Weihnachten.
  • Die einzige randomisierte Studie speziell zu Weihnachten mit signifikantem Ergebnis kam auf eine adjustierte Differenz von −0,49 kg (p = 0,008; Mason 2018). Der systematische Review über alle vergleichbaren Maßnahmen ist dagegen nicht signifikant.
  • Nach Neujahr steigen die Ausgaben für gesunde Lebensmittel um 29,4 Prozent — die für weniger gesunde bleiben auf Feiertagsniveau. Unterm Strich werden 20,2 Prozent mehr Kalorien gekauft als vor der Feiertagszeit (Pope 2014).
  • Im Dezember und Januar Untersuchte hatten 20 Prozent höhere LDL-Werte als im Mai und Juni Untersuchte (n = 25.764). Praktische Folge: den Blutfett-Check nicht auf die erste Januarwoche legen.

Wie viel nimmt man über Weihnachten wirklich zu?

Im Mittel rund 1,35 Prozent des Körpergewichts. Diese Zahl stammt aus der bislang dichtesten europäischen Messreihe zum Thema: 1.062 Erwachsene aus dem NoHoW-Projekt wogen sich täglich auf Fernwaagen, die Werte liefen automatisch in die Auswertung (Turicchi 2020). Bei 80 Kilogramm Ausgangsgewicht entspricht das gut einem Kilogramm.

Eine Einschränkung gehört dazu: Die Teilnehmenden befanden sich in einer Intervention zur Gewichtserhaltung, waren also aufmerksamer als der Durchschnitt. Für Menschen, die ihr Gewicht bewusst halten wollen, macht das den Befund eher relevanter — auf die Allgemeinbevölkerung lässt er sich nicht eins zu eins übertragen.

Innerhalb derselben Kohorte unterscheiden sich die Länder: Großbritannien 1,52 Prozent, Dänemark 1,29 Prozent, Portugal 1,13 Prozent (Großbritannien gegen Portugal p = 0,011). Der Effekt ist kulturell moduliert, aber überall vorhanden. Deutschland war nicht Teil dieser Kohorte — eine deutsche Zahl in dieser Qualität gibt es nicht.

Die älteren nordamerikanischen Feiertagsdaten liegen in derselben Größenordnung, also bei wenigen Hundert Gramm im Mittel. Wir haben sie an anderer Stelle mit den prospektiven Zahlen ausgeschrieben; dort steht auch, wie viel man im Urlaub tatsächlich zunimmt und warum die Streuung wichtiger ist als der Mittelwert. Eine Untersuchung aus den USA, Deutschland und Japan fand rund 0,5 Prozent höheres Gewicht zehn Tage nach Weihnachten gegenüber zehn Tagen davor (Helander 2016). Diese Arbeit führen wir bewusst nur als Ergänzung: Sie ist ein Research Letter, der Volltext war nicht abrufbar, die Zahlen stammen aus einer Zusammenfassung, und einer der Co-Autoren musste nach einem Fehlverhaltensbefund seiner Universität mehr als ein Dutzend anderer Arbeiten zurückziehen. Zurückgezogen ist diese Publikation nicht — als Hauptbeleg taugt sie trotzdem nicht.

Warum die kursierenden Zahlen so unterschiedlich sind

Wer zu diesem Thema recherchiert, stößt auf mindestens vier verschiedene Weihnachtszahlen. Drei davon halten einer Prüfung nicht stand.

Kursierende Angabe Was tatsächlich dahintersteht
„6.000 Kilokalorien am Weihnachtstag" Keine auffindbare Primärquelle. Die Zahl wird seit Jahren von Seite zu Seite weitergereicht, ohne dass sich eine Ursprungsuntersuchung benennen ließe.
„800 Gramm Zunahme, finnische Universität" Die dahinterliegende Arbeit berichtet Prozentwerte des Körpergewichts, keine Kilogramm. Die Umrechnung in Gramm ist nirgends offengelegt.
„rund fünf Pfund über die Feiertage" Bereits im Jahr 2000 prospektiv widerlegt: Gemessen wurden 0,37 Kilogramm bei einer Standardabweichung von 1,52 Kilogramm (Yanovski 2000).

Der Punkt dahinter ist nicht Rechthaberei: Wer glaubt, es gehe um mehrere Kilogramm, richtet die Aufmerksamkeit auf drei Tage — und übersieht die Wochen, in denen die Zunahme tatsächlich entsteht.

Festtagstisch mit Braten, Rotkohl, Kartoffeln und Salat bei Kerzenlicht

Das Fenster beginnt Ende November und endet am 2. Januar

Die Weihnachtszeit ist ernährungsphysiologisch kein Fest, sondern ein Zeitraum von rund fünf bis sechs Wochen. In der Forschung wird die Feiertagsperiode wörtlich von der letzten Novemberwoche bis zur ersten oder zweiten Januarwoche gerechnet (Diaz-Zavala 2017). Eine US-Analyse spannt sie von Mitte November bis Mitte Januar und schreibt ihr über die Hälfte der jährlichen Gewichtszunahme zu (Bhutani 2020). Am präzisesten ist die Zeitachse aus der europäischen Kohorte, weil dort täglich gewogen wurde:

Zeitpunkt Was die Messreihe zeigt
Erste Dezemberwoche Niedrigstes Körpergewicht des gesamten Jahres
Letzte Novemberwoche bis zweite Januarwoche Definierte Feiertagsperiode in der Fachliteratur
2. Januar Höchstes Körpergewicht des gesamten Jahres
Januar bis März Rückgang, aber mindestens 0,35 Prozent bleiben über dem Ausgangswert

Daraus folgt die zentrale Aussage dieses Artikels: Ein einzelner Festtag fällt kaum ins Gewicht, sechs Wochen Ausnahmezustand sehr wohl. Wer nur Heiligabend und die beiden Feiertage im Blick hat, optimiert den kleineren Teil des Zeitraums.

Die Adventszeit ist der längere Teil des Fensters

Zwischen dem 1. Dezember und Heiligabend liegen mehr Tage als zwischen Heiligabend und Neujahr. In diesen Wochen häufen sich Plätzchenteller im Büro, Weihnachtsmarktbesuche, Firmenfeiern und Adventskaffee — jeweils klein, aber in Serie. Nicht die Menge an einem Abend ist der Hebel, sondern die Zahl der Anlässe hintereinander; warum das so ist, haben wir mit den Meta-Analysen dazu in unserem Artikel zu Auszeiten vom Alltag aufgeschrieben. Das Bundeszentrum für Ernährung empfiehlt für die Adventszeit unter anderem, Plätzchen zu festen Zeiten zu essen statt über den Tag verteilt — eine Konsensempfehlung, keine Studienaussage, aber sie trifft genau diesen Punkt. Wer dabei mit ständigem Verlangen nach Süßem kämpft, findet die belegbaren Ursachen in unserem Artikel zu Heißhunger beim Abnehmen.

Was von der Zunahme bleibt

Ein Teil verschwindet, ein Teil bleibt. In der europäischen Kohorte sank das Gewicht zwischen Januar und März wieder, lag aber weiter mindestens 0,35 Prozent über dem Stand vor Weihnachten (Turicchi 2020). Rund ein Viertel der Zunahme war zwei bis drei Monate später noch messbar.

Ein systematischer Review zum Essverhalten an den Winterfeiertagen mit 10 Studien und 4.627 Teilnehmenden kommt zum selben Bild: Ein Großteil der Zunahme blieb auch nach Studienende bestehen, besonders ausgeprägt bei Menschen mit Adipositas (Abdulan 2023). In einer älteren prospektiven Untersuchung war die Nettozunahme bis zum folgenden Herbst nicht abgebaut (Yanovski 2000), und in einer randomisierten Studie hielt die Kontrollgruppe 14 Wochen später noch 57 Prozent ihrer Zunahme (Kaviani 2019). Was daraus über Jahre wird, ist eine Rechnung und keine Messung. Die Botschaft ist deshalb doppelt: entspannter, was ein einzelnes Weihnachten angeht, und ernster, was den Januar angeht.

Was auf der Waage mitwiegt und was echt ist

Drei Kilogramm mehr nach den Feiertagen sind fast nie drei Kilogramm Fett. Wasser, Glykogen, Salz und Darminhalt machen einen erheblichen Teil solcher Sprünge aus. Warum das so ist und wie sich der echte Anteil vom Rest trennen lässt, steht ausführlich in unserem Artikel dazu, was nach einer Auszeit wirklich auf der Waage mitwiegt; die tägliche Schwankung an sich erklärt unser Text zum Kaloriendefizit.

Warum Bewegung zwischen den Tagen die Rechnung nicht aufgehen lässt

Bewegung ist über die Feiertage sinnvoll, aber nicht als Gegenrechnung. Der Grund ist gut gemessen: Mit doppelt markiertem Wasser, dem Goldstandard der Energieverbrauchsmessung, blieb der Gesamtenergieverbrauch über die Feiertage unverändert, die Zunahme kam von der Aufnahmeseite (Bhutani 2020). Die Details stehen in unserem Artikel zu Auszeiten vom Alltag.

Auch die saisonale Schwankung der Bewegung ist kleiner als ihr Ruf. Ein systematischer Review mit Meta-Analyse über 17 Studien, 14 Länder und 1.951 Personen fand die sitzende Zeit im Winter am höchsten und die moderate bis intensive Bewegung im Sommer — mit rund zwei Minuten täglich über dem Jahresmittel. Leichte körperliche Aktivität ist im Winter signifikant niedriger (SMD −0,03; 95 Prozent KI −0,58 bis −0,01; p = 0,04). Die Effekte sind real, aber klein (Ferguson 2021).

Die Auflösung: Der Winterspaziergang macht das Festessen nicht wett, und keine runde Schrittzahl auf einer Uhr ändert daran etwas. Er lohnt sich trotzdem — für Stimmung, Schlaf, Verdauung und vor allem dafür, dass die Gewohnheit im Januar nicht bei null anfangen muss. Dieser Punkt entscheidet später mehr als jede Kalorienbilanz an Heiligabend.

Alkohol ist über sechs Wochen ein Häufigkeitsproblem

Nicht der einzelne Glühwein ist der Punkt, sondern die Reihe. Zwischen der ersten Dezemberwoche und dem 2. Januar wird aus gelegentlichen Trinkanlässen ein Muster: Firmenfeier, Weihnachtsmarkt, Heiligabend, zwei Feiertage, Silvester. Eine Meta-Analyse aus 22 Studien zeigt, dass Alkohol die Energieaufnahme aus dem Essen zusätzlich erhöht und keine der eingeschlossenen Studien fand, dass unter Alkohol weniger gegessen wurde (Kwok 2019); die Herleitung steht in unserem Artikel zu Auszeiten vom Alltag, die körperlichen Abläufe in unserem Text zu Verdauung und Alkohol.

Was ein Glühwein, ein Punsch oder ein Kinderpunsch tatsächlich liefert — und warum bei Glühwein der größere Teil der Kalorien aus dem Alkohol stammt und nicht aus dem Zucker —, steht mit ausgewerteten Etikettenwerten in unserem Kaloriencheck der Weihnachtsgetränke. Für diesen Artikel zählt die Frequenz: Wer im Dezember an zwölf Abenden trinkt statt an dreien, verschiebt die Bilanz über Wochen, nicht über einen Abend.

Der Verdauungsschnaps

Das Bundeszentrum für Ernährung stellt in seiner Weihnachtsempfehlung klar, dass der Schnaps nach dem Essen die Verdauung nicht beschleunigt, sondern verlangsamt, die Leber belastet und Kalorien liefert, die niemand geplant hat. Eine der wenigen Stellen, an denen eine deutsche Behörde einer verbreiteten Familientradition offen widerspricht.

Teller mit Weihnachtsgebäck und eine Tasse Tee am Fenster

Das Familienessen ist eine soziale Situation, keine Buffet-Aufgabe

Wie man am Buffet und bei Einladungen konkret vorgeht — welche Reihenfolge, welcher Teller, welche Formulierung gegenüber Gastgebern —, steht in unserem Leitfaden für Restaurantbesuche und Einladungen. Hier geht es um den Zeitraum, nicht um den einzelnen Abend.

Das Weihnachtsessen unterscheidet sich strukturell von einem Restaurantbesuch. Man wählt nicht aus einer Karte, sondern sitzt mehrere Stunden am selben Tisch mit Menschen, die einen kennen. Es wird nachgelegt, ohne zu fragen. Ablehnen kommt schnell als Kränkung an, weil im Essen Arbeit und Zuwendung stecken. Und der Plätzchenteller steht oft über Stunden in Sichtweite.

Das Bundeszentrum für Ernährung empfiehlt für solche Situationen kleinere Portionen, langsames Essen, eine leichte ballaststoffreiche Vorspeise und einen Spaziergang an der frischen Luft. Als Faustregel nennt die Behörde, dass sich ein Sättigungsgefühl erst nach etwa 15 bis 20 Minuten einstellt — eine Faustregel, kein Messwert. Die Geschwindigkeit am Tisch ist damit die Stellschraube, die am wenigsten auffällt und niemanden kränkt.

Der zweite Faktor ist Stress: Wer den Dezember als Dauerbelastung erlebt, isst anders — dazu haben wir zehn Tipps gegen Weihnachtsstress gesammelt.

Was tatsächlich hilft — nach Evidenzstärke sortiert

Ratgeberseiten reihen zu diesem Thema üblicherweise fünf bis zehn Tipps gleichrangig aneinander. Tatsächlich ist die Evidenz sehr ungleich verteilt: Für genau eine Maßnahme gibt es eine randomisierte Studie speziell zu Weihnachten mit signifikantem Ergebnis. Deshalb steht hier nichts nummeriert, sondern sortiert.

Am besten belegt: nicht ganz aus der Beobachtung aussteigen

Eine kurze Verhaltensintervention über die Weihnachtszeit verhinderte die Zunahme messbar. In einer randomisierten kontrollierten Studie mit 272 Erwachsenen in Birmingham, durchgeführt über zwei Weihnachtssaisons, lag die Interventionsgruppe bei −0,13 kg und die Vergleichsgruppe bei +0,37 kg; die adjustierte Differenz betrug −0,49 kg (95 Prozent KI −0,85 bis −0,13; p = 0,008; Mason 2018). Die Intervention bestand aus drei Bausteinen: regelmäßiges Selbstwiegen mit Notieren und Betrachten des Verlaufs, kurze Informationen zu Strategien und eine bildliche Darstellung, wie viel Bewegung den Kalorien typischer Festtagsspeisen entspricht.

Zur Redlichkeit gehört der zweite Teil: Der sekundäre Endpunkt, also der Anteil der Teilnehmenden, die unter 0,5 kg blieben, war nicht signifikant (OR 1,22; 95 Prozent KI 0,74–2,00; p = 0,44). Der Effekt liegt im Mittelwert, nicht in der Zahl der Erfolgreichen. Eine weitere randomisierte Studie zum täglichen Selbstwiegen zeigt in dieselbe Richtung (Kaviani 2019); die Einordnung steht in unserem Artikel zu Auszeiten vom Alltag.

Praktikabel ist diese Maßnahme, weil sie nichts verbietet. Sie taugt allerdings nicht für alle: Bei gestörtem Essverhalten oder starker Fixierung auf die Zahl kann tägliches Wiegen belasten. Dann erfüllt ein loser Blick auf Rhythmus und Zahl der Essanlässe denselben Zweck.

Was der Gesamtblick sagt

Über alle Studien zu Maßnahmen gegen die Zunahme in Fest- und Ferienzeiten hinweg ist der Effekt bei Erwachsenen nicht signifikant, und die Autoren stufen die Evidenzsicherheit selbst als sehr niedrig ein (Guerrero-Magana 2025). Der Review schloss 12 Studien aus 4.216 gesichteten Datensätzen ein; sieben davon hatten ein hohes und eine ein kritisches Verzerrungsrisiko. Bei Kindern über die Sommerferien war das Ergebnis dagegen signifikant.

Beides ist richtig, und der Widerspruch ist nur scheinbar. Ein Review über zwölf sehr unterschiedliche Studien mittelt Heterogenität ein, bis der Effekt verschwindet; die Birminghamer Studie gehört zu den wenigen mit niedrigem Verzerrungsrisiko. Wer nur die Einzelstudie nennt, überzeichnet; wer nur den Review nennt, unterschlägt die beste verfügbare Einzeluntersuchung. Realistisch heißt das: beste verfügbare Maßnahme, kleiner Effekt, kein Automatismus.

Eiweiß und Volumen statt Verzicht

Eine eiweißbetonte, gemüsereiche Grundlage an den Tagen zwischen den Anlässen liefert viel Volumen bei wenig Energie und hält die Auswahl übersichtlich. Zugelassen ist in der EU dazu die Angabe: „Proteine tragen zur Erhaltung von Muskelmasse bei." Sie gilt nur für Lebensmittel, die mindestens 12 Prozent ihres Brennwerts aus Protein beziehen.

Was in der EU nicht gesagt werden darf

Zu Sättigung, Appetit, Hunger und Fettverbrennung existiert keine einzige zugelassene gesundheitsbezogene Angabe — kein Lebensmittel darf damit beworben werden. Dass eine eiweißreiche Mahlzeit für viele Menschen länger trägt, lässt sich beschreiben; einem Produkt zuschreiben lässt es sich nicht.

Zwei Menschen spazieren im Januar über einen verschneiten Weg

Der Januar: warum gute Vorsätze an der Einkaufsliste scheitern

Weil im Januar nicht anders eingekauft wird, sondern mehr. Eine Untersuchung wertete über sieben Monate die Transaktionsdaten von 207 Haushalten auf Artikelebene aus — also echte Kassenbons statt Selbstauskunft (Pope 2014). Über die Feiertagsperiode stiegen die Lebensmittelausgaben um 15 Prozent, 75 Prozent dieses Zuwachses entfielen auf weniger gesunde Artikel. Der interessante Teil kommt danach. Nach Neujahr stiegen die Ausgaben für gesunde Lebensmittel um 29,4 Prozent — die Ausgaben für weniger gesunde blieben aber praktisch unverändert auf Feiertagsniveau. Unterm Strich lagen die pro Woche gekauften Kalorien nach Neujahr 9,3 Prozent über dem Feiertagszeitraum und 20,2 Prozent über dem Ausgangsniveau vor der Weihnachtszeit.

Der Vorsatz wird also umgesetzt — nur additiv. Das Gemüse kommt dazu, die Kekse bleiben. Genau daran scheitert der Januar. Die Einschränkungen gehören dazu: zwei Regionalfilialen einer Kette im US-Bundesstaat New York, amerikanisches Einkaufsverhalten, und die Einstufung in „gesund" und „weniger gesund" folgte dem Bewertungssystem des Händlers. Auch hier ist ein Co-Autor derselbe Forscher, dessen Laborarbeiten später zurückgezogen wurden; diese Auswertung beruht dagegen auf objektiven Kassendaten und ist nicht zurückgezogen.

Die Konsequenz ist unspektakulär: ersetzen statt hinzufügen. Wer im Januar etwas Neues in den Einkaufswagen legt, sollte gleichzeitig entscheiden, was dafür nicht mehr mitkommt.

Wenn der Wiedereinstieg regelmäßig die Schwachstelle ist: Genau für diese Wochen gibt es das Stabilisierungspaket — mit Begleitung durch unsere Ernährungsberatung, weil der Übergang zurück in den Alltag erfahrungsgemäß der Punkt ist, an dem es kippt.

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Der Neujahrsvorsatz ist der schwächste aller Neuanfänge

Zeitliche Marken wie Wochen-, Monats- und Jahresbeginn erhöhen messbar das, was Fachleute aspirationales Verhalten nennen. Eine Auswertung von 11.912 Fitnessstudio-Mitgliedern über 442 Tage zeigt aber eine klare Rangfolge: Zu Semesterbeginn lagen die Besuche 47,1 Prozent, zu Wochenbeginn 33,4 Prozent, zu Monatsbeginn 14,4 Prozent und zu Jahresbeginn nur 11,6 Prozent über dem Erwartungswert (Dai 2014).

Der 1. Januar ist also ein realer Anker — und der schwächste der untersuchten. Auf den Jahreswechsel zu warten, ist weder nötig noch besonders wirksam. Wer im Dezember anfängt, arbeitet mit dem stärkeren Anlass, nämlich dem nächsten Montag, und hat den Wiedereinstieg hinter sich, wenn alle anderen ihn erst planen.

Der Zeitraum, um den es hier geht, ist genau der, in dem Begleitung etwas ändert.

Unsere Stoffwechselkur ist ein kalorienreduziertes, eiweißbetontes Programm mit individuell berechnetem Bedarf statt Pauschalplan, einer festen Stabilisierungsphase und enthaltener Ernährungsberatung. Dazu kommt die tägliche persönliche Begleitung per WhatsApp durch Ernährungsberaterin Magdalena Mathiessen und ihr Team — und die läuft auch über die Feiertage weiter, wenn die meisten Programme pausieren.

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Was nicht hilft

Fastentage, Obsttage und ausgelassene Mahlzeiten werden nach den Feiertagen breit empfohlen, teilweise auch von Stellen, denen man Sorgfalt zutrauen würde. Für kompensatorisches Fasten nach Festzeiten existiert keine belastbare Studienlage; der einschlägige systematische Review schließt Interventionen mit intermittierendem Fasten sogar ausdrücklich aus (Guerrero-Magana 2025). Dazu kommt ein praktischer Einwand: Ausgleichslogik verstärkt genau das Muster aus Ausnahme und Buße, das langfristiges Halten schwer macht. Was dabei wirklich passiert, steht in unserem Artikel dazu, was den Jo-Jo-Effekt tatsächlich auslöst, und was Menschen unterscheidet, die ihr Gewicht dauerhaft halten, in unserem Text zum Gewicht halten nach der Diät.

Ein Befund, den kaum jemand kennt: die Blutwerte im Januar

Blutfettwerte sind kurz nach Weihnachten systematisch höher als im Rest des Jahres. In der Copenhagen General Population Study mit 25.764 Teilnehmenden im Alter von 20 bis 100 Jahren hatten die im Dezember und Januar Untersuchten 15 Prozent höhere Gesamtcholesterin- und 20 Prozent höhere LDL-Werte als die im Mai und Juni Untersuchten (jeweils p < 0,001). In der ersten Januarwoche lag die adjustierte Odds Ratio für eine Hypercholesterinämie bei 6,0 gegenüber dem übrigen Jahr (95 Prozent KI 4,2–8,5; Vedel-Krogh 2019).

Eine wichtige Einschränkung: Das ist ein Querschnittsvergleich verschiedener Personen zu verschiedenen Untersuchungsmonaten, keine Messung derselben Menschen vor und nach Weihnachten. Saisonale Störfaktoren lassen sich nicht ausschließen. Der Effekt ist trotzdem konsistent, die Stichprobe sehr groß.

Die Autoren ziehen daraus eine klare klinische Konsequenz: Eine Hypercholesterinämie sollte nicht rund um Weihnachten diagnostiziert werden.

Im Alltag ist das eine entlastende Nachricht, keine beunruhigende. Ein auffälliger Blutfettwert aus der ersten Januarwoche sagt wenig über das ganze Jahr. Wer einen Routinecheck plant, legt ihn besser nicht in diese Woche; wer bereits einen auffälligen Wert von dort hat, bespricht mit seiner Ärztin oder seinem Arzt einen Kontrolltermin zu einem anderen Zeitpunkt. Die Entscheidung über eine Behandlung gehört in ärztliche Hand.

Nach dem Festessen

Völlegefühl nach einem großen Menü ist unangenehm und meist harmlos. Was dagegen tatsächlich hilft, steht in unserem Artikel dazu, was gegen Völlegefühl hilft. Wenn über die Feiertage die Verdauung träge wird — weniger Bewegung, weniger Ballaststoffe, weniger Trinken —, lohnt der Blick auf die belegbaren Ursachen von Verstopfung. Was in beiden Fällen nicht die Antwort ist: der nächste Tag ohne Essen. Ein einzelnes Festessen richtet keinen Schaden an, den man kompensieren müsste.

Häufige Fragen

Wie viel nimmt man an Weihnachten zu?

In einer europäischen Kohorte mit täglicher Waagemessung lag die Zunahme über die Weihnachtsperiode bei rund 1,35 Prozent des Körpergewichts (Turicchi 2020, n = 1.062). Ältere prospektive Untersuchungen aus Nordamerika messen 0,4 bis 0,9 Kilogramm. Die Streuung ist groß — Mittelwerte sagen wenig über den Einzelfall.

Wann beginnt und endet die kritische Zeit?

Früher, als die meisten denken. In der Forschung reicht die Feiertagsperiode von der letzten Novemberwoche bis in die erste oder zweite Januarwoche. Das niedrigste Körpergewicht des Jahres liegt in der ersten Dezemberwoche, das höchste am 2. Januar — rund fünf bis sechs Wochen, nicht drei Festtage.

Geht das Weihnachtsgewicht von allein wieder weg?

Teilweise. In der europäischen Kohorte sank das Gewicht zwischen Januar und März wieder, blieb aber mindestens 0,35 Prozent über dem Stand vor Weihnachten. In einer älteren prospektiven Studie war die Nettozunahme im Herbst danach noch messbar, besonders deutlich bei Menschen mit Adipositas.

Was hilft am besten gegen die Feiertagszunahme?

Am besten belegt ist, die Selbstbeobachtung nicht ganz abzuschalten. In einer randomisierten Studie über zwei Weihnachtssaisons lag die Interventionsgruppe bei minus 0,13 und die Vergleichsgruppe bei plus 0,37 Kilogramm (Mason 2018). Über alle Studien hinweg ist der Effekt bei Erwachsenen aber nicht signifikant.

Stimmt es, dass man an Weihnachten 6.000 Kalorien am Tag isst?

Diese Zahl kursiert seit Jahren durch Ratgeberseiten und Zeitungen, eine nachvollziehbare Ursprungsquelle lässt sich nicht finden. Aussagekräftiger ist, was am Ende gemessen wird: in den prospektiven Untersuchungen wenige Hundert Gramm im Mittel, nicht mehrere Kilogramm.

Wie nehme ich nach Weihnachten wieder ab?

Entscheidend ist, dass der Alltag schneller zurückkommt als die Motivation. Kassenbon-Daten aus 207 Haushalten zeigen: Nach Neujahr wird mehr Gesundes gekauft, das weniger Gesunde bleibt auf Feiertagsniveau. Unterm Strich landen mehr Kalorien im Einkaufswagen. Ersetzen wirkt, Hinzufügen nicht.

Ist der 1. Januar ein guter Startzeitpunkt?

Er ist ein realer Motivationsanker, aber der schwächste. In einer Auswertung von fast 12.000 Fitnessstudio-Mitgliedern lagen die Besuche zu Jahresbeginn 11,6 Prozent über dem Erwartungswert, zu Wochenbeginn dagegen 33,4 Prozent. Der nächste Montag ist also der stärkere Anlass.

Warum sind meine Cholesterinwerte nach Weihnachten höher?

Das ist ein bekanntes Muster. In einer Untersuchung mit über 25.000 Menschen lagen die LDL-Werte bei den im Dezember und Januar Untersuchten rund 20 Prozent höher als bei den im Mai und Juni Untersuchten. Ein Wert aus der ersten Januarwoche ist deshalb wenig aussagekräftig — sprich mit deiner Ärztin über einen Kontrolltermin.

Weiterlesen

Quellen

  • Turicchi J, O'Driscoll R, Horgan G, et al. Weekly, seasonal and holiday body weight fluctuation patterns. PLoS One 2020;15(4):e0232152. PMID 32353079
  • Mason F, Farley A, Pallan M, et al. Brief behavioural intervention to prevent weight gain over the Christmas holiday period: randomised controlled trial. BMJ 2018;363:k4867. PMID 30530821
  • Vedel-Krogh S, Kobylecki CJ, Nordestgaard BG, Langsted A. The Christmas holidays are immediately followed by a period of hypercholesterolemia. Atherosclerosis 2019;281:121–7. PMID 30658187
  • Pope L, Hanks AS, Just DR, Wansink B. New Year's res-illusions: food shopping in the new year competes with healthy intentions. PLoS One 2014;9(12):e110561. PMID 25514158
  • Abdulan IM, Popescu G, Mastaleru A, et al. Winter Holidays and Their Impact on Eating Behavior. Nutrients 2023;15(19):4201. PMID 37836485
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  • Bhutani S, Schoeller DA, Walsh MC, McWilliams C. Change in eating pattern as a contributor to energy intake and weight gain during the winter holiday period. Int J Obes (Lond) 2020;44(7):1586–95. PMID 32203107
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  • Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Pressemeldung „Achtsam genießen in der Weihnachtszeit", 18.12.2024
  • Verordnung (EU) Nr. 432/2012, Anhang, konsolidierte Fassung 02012R0432-20250820; Verordnung (EG) Nr. 1924/2006, Art. 3 und Art. 12

Dieser Artikel gibt den Stand der zitierten Untersuchungen im September 2026 wieder und ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Blutwerte, anhaltende Beschwerden nach den Feiertagen und Fragen zu einer bestehenden Erkrankung gehören in ärztliche Hände — besonders in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme.