Erwachsene ab 19 Jahren sollten nach den D-A-CH-Referenzwerten 1.000 Milligramm Calcium täglich aufnehmen. Verlässlich liefern das Milchprodukte, calciumreiches Mineralwasser, oxalatarmes Gemüse wie Grünkohl und Brokkoli sowie Sesam, Mandeln und calciumgefällter Tofu. Entscheidend ist nicht der Gehalt allein: Aus Spinat nimmt der Körper rund 5 Prozent des Calciums auf, aus Grünkohl über 40 Prozent. Die Obergrenze liegt bei 2.500 Milligramm.
Diese Seite stellt Calciumgehalt und Aufnahmerate nebeneinander, führt die vier maßgeblichen Zahlen in einer Tabelle zusammen und gibt die Studienlage zu Calciumpräparaten mit beiden Seiten wieder.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Gehalt sagt wenig über die aufgenommene Menge: Aus gegartem Spinat werden 5,1 Prozent des Calciums resorbiert, aus Grünkohl 40,9 Prozent — mehr als aus Milch mit 32,1 Prozent.
- Vier gültige Zahlen nebeneinander: D-A-CH-Referenzwert 1.000 mg, Nährstoffbezugswert 800 mg, EFSA-Obergrenze 2.500 mg, BfR-Vorschlag für Nahrungsergänzungsmittel 500 mg.
- 46 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen bleiben unter dem Referenzwert; die obersten fünf Prozent der jungen Männer erreichen dagegen 2.422 mg allein über das Essen.
- Bei angereicherten Pflanzendrinks entscheidet das Calciumsalz: mit Calciumcarbonat so gut aufgenommen wie Kuhmilch, mit Tricalciumphosphat schlechter — beides steht in der Zutatenliste.
- Die Sorge, viel Eiweiß entziehe dem Knochen Calcium, ist ausgeräumt. Quark ist trotz Milchprodukt kein guter Calciumlieferant.
Inhalt
- Wie viel Calcium du brauchst
- Wie gut Deutschland versorgt ist
- Calciumreiche Lebensmittel
- Warum die Tabelle nur die halbe Wahrheit ist
- Calcium ohne Milchprodukte
- Calcium in einer eiweißbetonten Phase
- Wenn Calcium fehlt
- Obergrenze und BfR-Vorschlag
- Calciumpräparate und das Herz
- Calcium und die Knochen
- Calcium, Vitamin D und Vitamin K
- Wechselwirkungen
- Was gesagt werden darf
- Häufige Fragen
Wie viel Calcium du am Tag brauchst
Für Erwachsene ab 19 Jahren liegt der D-A-CH-Referenzwert bei 1.000 Milligramm Calcium täglich, in Schwangerschaft und Stillzeit unverändert. Am höchsten ist er mit 1.200 Milligramm zwischen 13 und 18 Jahren, wenn die Knochenmasse aufgebaut wird. Für Jüngere gelten 330 Milligramm ab dem vierten Lebensmonat, 600 (1 bis 4 Jahre), 750 (4 bis 7), 900 (7 bis 10) und 1.100 Milligramm (10 bis 13).
Wer den Bedarf nachschlägt, findet je nach Quelle etwas anderes: Vier Institutionen beantworten vier verschiedene Fragen.
| Größe | Wert | Festgelegt von | Was sie beantwortet |
|---|---|---|---|
| D-A-CH-Referenzwert | 1.000 mg/Tag ab 19 J. | DGE, ÖGE, SGE | Welche Zufuhr in der Bevölkerung als ausreichend gilt. Stand 2013. |
| Nährstoffbezugswert (NRV) | 800 mg | EU-Gesetzgeber | Bezugsgröße der Prozentangabe auf dem Etikett, ein Wert für alle. |
| Tolerierbare Obergrenze (UL) | 2.500 mg/Tag | EFSA | Welche Gesamtzufuhr aus allen Quellen dauerhaft ohne Risiko bleibt. |
| Höchstmengenvorschlag | 500 mg/Tag | BfR | Wie viel aus Nahrungsergänzungsmitteln kommen sollte. Vorschlag, kein Gesetz. |
Der Nährstoffbezugswert von 800 Milligramm stammt aus der EU-Lebensmittelinformationsverordnung, dient allein der Kennzeichnung und unterscheidet nicht nach Alter oder Geschlecht. Ein Präparat mit 240 Milligramm Calcium weist deshalb 30 Prozent des Bezugswerts aus — gemessen am Referenzwert von 1.000 Milligramm sind es 24 Prozent. Dieselbe Systematik gilt für alle Mikronährstoffe und steht in unserer Übersicht über alle 13 Vitamine. Die EFSA nennt ab 25 Jahren 950 statt 1.000 Milligramm; beide Ableitungen sind fachlich begründet, der Unterschied praktisch klein.
Wie gut Deutschland versorgt ist
Die Nationale Verzehrsstudie II des Max Rubner-Instituts nennt zwei scheinbar widersprüchliche Zahlen, die beide stimmen: 46 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen erreichen die empfohlene Calciumzufuhr nicht — der Median liegt zugleich bei 1.052 Milligramm für Männer und 964 für Frauen. Das Problem ist nicht der Durchschnitt, sondern die Verteilung.
Drei Gruppen fallen deutlich ab: weibliche Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren mit 74 Prozent Unterschreitern sowie Männer und Frauen zwischen 65 und 80 Jahren mit 61 beziehungsweise 65 Prozent. Ausgerechnet die Altersgruppe mit dem höchsten Bedarf und die mit dem größten Knochenrisiko sind am schlechtesten versorgt. Am oberen Ende sieht es umgekehrt aus: Die obersten fünf Prozent der 19- bis 24-jährigen Männer erreichen 2.422 Milligramm täglich allein über normales Essen — 97 Prozent der Obergrenze. Das erklärt, warum Behörden bei Calciumpräparaten zurückhaltend sind.
Rund 40 Prozent der Zufuhr stammen bei den 14- bis 80-Jährigen aus Milch, Milchprodukten und Käse, 25 Prozent aus alkoholfreien Getränken. Bei Kindern und Jugendlichen liefert Wasser als Getränk 13 bis 23 Prozent — ein Hinweis darauf, dass Mineralwasser als Calciumquelle unterschätzt wird.
Ob Milch darüber hinaus gesund ist, wird seit Jahren gestritten. Was die Studien zu Knochenbrüchen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit tatsächlich zeigen — und wo sie sich widersprechen — steht unter Milch.

Calciumreiche Lebensmittel: die Tabelle
| Lebensmittel | mg Calcium je 100 g |
|---|---|
| Emmentaler, 45 % F. i. Tr. | 1.372 |
| Parmesan, 40 % F. i. Tr. | 1.176 |
| Sesam, ganz, ungeschält | 975 |
| Gouda, 45 % F. i. Tr. | 958 |
| Chiasamen, getrocknet | 631 |
| Sardinen in Öl, mit Gräten | 382 |
| Tofu, mit Calciumsulfat hergestellt | 350 |
| Mandeln | 269 |
| Grünkohl, roh | 254 |
| Grünkohl, gegart | 179 |
| Spinat, gegart | 140 |
| Milch, fettarm 1,5 % | 118 |
| Joghurt, 1,5 % Fett | 114 |
| Brokkoli, gekocht | 87 |
Milchprodukte — und warum Quark nicht dazugehört
Milch, Joghurt, Buttermilch und vor allem gereifter Hartkäse sind die alltagstauglichsten Calciumquellen, weil Käse das Calcium konzentriert: In 30 Gramm Emmentaler stecken rund 410 Milligramm, in 100 Gramm Milch 118.
Quark fällt aus dieser Gruppe heraus. Bei der Herstellung geht das Calcium überwiegend mit der Molke verloren, weshalb die DGE Quark ausdrücklich nicht zu den Calciumlieferanten der Gruppe Milch und Milchprodukte zählt. Für alle, die viel Magerquark essen, ist das der wichtigste Satz hier.
Pflanzliche Quellen, die wirklich liefern
Grünkohl, Brokkoli, Pak Choi und Rucola sind die Kohlgemüse mit gutem Gehalt und, wie der nächste Abschnitt zeigt, sehr guter Aufnahme. Dazu kommen ungeschälter Sesam und Tahin, Mandeln, Chiasamen, getrocknete Feigen und Tofu, sofern er mit Calciumsulfat gefällt wurde — das steht in der Zutatenliste. Ein Esslöffel Sesam wiegt allerdings nur etwa 10 Gramm: Bei Samen und Nüssen ist der Wert je 100 Gramm keine Portionsangabe. Dieselben Samen liefern nebenbei Ballaststoffe.
Mineralwasser: die unterschätzte Quelle
Ein Mineralwasser darf sich nach der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (Anlage 4) „calciumhaltig" nennen, wenn es mehr als 150 Milligramm Calcium pro Liter enthält. Häufig kursiert der Wert 300 Milligramm — der hat keine rechtliche Grundlage. Der tatsächliche Gehalt steht auf jedem Etikett, und die Spanne ist groß: unter 20 Milligramm pro Liter bis über 500. Ein Liter mit 400 Milligramm liefert mehr Calcium als drei Scheiben Gouda. Laut einer Metaanalyse von vier Studien ist Calcium aus calciumreichen Wässern mindestens so gut verfügbar wie aus Milchprodukten — bei kleiner Studienzahl ein Hinweis, kein Beweis.
Angereicherte Pflanzendrinks: auf das Calciumsalz achten
Angereicherte Pflanzendrinks enthalten fast immer rund 120 Milligramm Calcium je 100 Milliliter, weil das BfR eine Anreicherung von Milchersatzprodukten nur in Höhe des natürlichen Pendants vorsieht. Entscheidend ist, womit angereichert wurde. In einer Untersuchung mit Doppelisotopenmethode an 20 jungen Frauen wurde Calcium aus einem mit Calciumcarbonat angereicherten Sojadrink zu 21,1 Prozent aufgenommen, aus Kuhmilch zu 21,7 Prozent. Ein mit Tricalciumphosphat angereicherter Drink kam auf 18,1 Prozent; eine ältere Untersuchung an Männern fand für ein solches Produkt nur rund 75 Prozent der Effizienz von Kuhmilch. Wer in der Zutatenliste Calciumcarbonat findet, hat also die bessere Wahl getroffen.
Warum die Tabelle nur die halbe Wahrheit ist
Der Calciumgehalt sagt nichts darüber, wie viel davon im Körper ankommt. Je nach Lebensmittel werden zwischen 5 und 41 Prozent resorbiert — mehr als das Achtfache. Der wichtigste Bremser heißt Oxalsäure, der zweitwichtigste Phytinsäure.
| Lebensmittel | Anteil, der aufgenommen wird | Studie |
|---|---|---|
| Sojabohnen, phytatarm | 41,4 % (phytatreich 31,0 %; Milch 37,7 %) | Heaney 1991 |
| Grünkohl | 40,9 % (Milch 32,1 %) | Heaney 1990 |
| Sojadrink mit Calciumcarbonat | 21,1 % (Kuhmilch 21,7 %) | Zhao 2005 |
| Sojadrink mit Tricalciumphosphat | 18,1 % | Zhao 2005 |
| Spinat, gegart | 5,1 % (Milch 27,6 %) | Heaney 1988 |
Oxalat: warum Spinat nicht zählt
Oxalsäure bindet Calcium zu einem schwer löslichen Salz, das den Darm weitgehend unverändert wieder verlässt. In der Untersuchung von Heaney, Weaver und Recker an 13 Teilnehmenden lag die Oxalsäure im Spinat gegenüber dem Calcium im leichten Überschuss vor — das Spinat-Calcium war praktisch vollständig gebunden. Aufgenommen wurden 5,1 Prozent gegenüber 27,6 Prozent aus Milch bei gleicher Testmenge. Auf die Tabellenwerte hochgerechnet bleiben von 100 Gramm gegartem Spinat rund 7 Milligramm übrig — eine Illustration, keine Messung, denn die Studien arbeiteten mit standardisierten Testmengen. Dasselbe gilt für Mangold und Rhabarber.

Grünkohl schlägt Milch
Der Umkehrschluss „pflanzlich heißt schlecht verwertbar" wäre falsch. Grünkohl ist oxalatarm, und in einer Studie derselben Arbeitsgruppe an elf Teilnehmenden wurde Calcium aus Grünkohl zu 40,9 Prozent aufgenommen, aus Milch im selben Versuch zu 32,1 Prozent. Für 100 Gramm gegarten Grünkohl mit 179 Milligramm Calcium sind das rechnerisch rund 73 Milligramm — das Zehnfache derselben Menge Spinat. Oxalatarm sind auch Brokkoli, Pak Choi und Chinakohl. Nicht die Pflanze ist das Problem, sondern das Oxalat.
Phytat: der kleinere Bremser
Phytinsäure aus Hülsenfrüchten, Vollkorn und Samen bindet Mineralstoffe ebenfalls, aber schwächer: In der Sojabohnen-Studie wurden aus phytatreichen Bohnen 31,0 Prozent des Calciums aufgenommen, aus phytatarmen 41,4 Prozent. Der Phytateffekt liegt damit bei rund zehn Prozentpunkten, der Oxalateffekt bei über zwanzig. Beim Zink ist der Phytateffekt deutlich größer — dort hängen die deutschen Referenzwerte direkt von der Phytatzufuhr ab. Was Einweichen, Keimen und Sauerteig daran ändern, erklärt der Beitrag dazu, warum die Menge im Lebensmittel nicht die Menge im Körper ist.
Was die Aufnahme fördert
Zwei Dinge sind belegt. Erstens: „Vitamin D trägt zu einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium und Phosphor bei" — so lautet die zugelassene EU-Angabe; Grenzwerte und Versorgung behandelt der Vitamin-D-Ratgeber. Zweitens empfiehlt die DGE, die Calciumzufuhr über den Tag zu verteilen, weil eine einmalige große Menge schlechter resorbiert wird — eine behördliche Praxisempfehlung, keine Studienaussage.
Calcium ohne Milchprodukte
Ohne Milchprodukte auf 1.000 Milligramm zu kommen, ist möglich, verlangt aber Planung. Vier Bausteine tragen den größten Teil:
- Calciumreiches Mineralwasser: ein Liter mit 400 Milligramm pro Liter deckt rechnerisch 400 Milligramm.
- Oxalatarmes Kohlgemüse: 200 Gramm gegarter Grünkohl entsprechen rund 358 Milligramm, überdurchschnittlich gut aufgenommen.
- Mit Calciumsulfat gefällter Tofu: 150 Gramm liefern rund 525 Milligramm.
- Sesam, Mandeln, angereicherte Drinks: ein Esslöffel ungeschälter Sesam etwa 98 Milligramm, 200 Milliliter Drink rund 240.
Eine Übersichtsarbeit von Weaver und Kollegen kommt zu dem Schluss, dass eine rein pflanzliche Bedarfsdeckung machbar ist, die nötigen Gemüsemengen ohne angereicherte Lebensmittel oder Präparate aber für die meisten unpraktikabel bleiben — eine fachliche Einschätzung, kein Messergebnis. Bei Lactoseintoleranz ist die Lage einfacher: Gereifter Hartkäse ist praktisch lactosefrei, Joghurt wird häufig vertragen.

Calcium in einer kalorienreduzierten, eiweißbetonten Ernährungsphase
Wer in einer Reduktionsphase viel Eiweiß isst, hört schnell den Einwand, Protein „übersäuere" den Körper und der Knochen gebe Calcium ab. Diese Säure-Asche-Hypothese ist widerlegt. Eine Metaanalyse von Bilanzstudien durch Fenton und Kollegen hat sie geprüft: Eine höhere Säurelast erhöht zwar messbar die Calciumausscheidung im Urin, aber es besteht kein Zusammenhang zur Calciumbilanz und keiner zum Knochenumbaumarker N-Telopeptid. Die Autoren schreiben ausdrücklich, die Bewerbung einer „basischen Ernährung" gegen Calciumverluste sei nicht gerechtfertigt.
Eine systematische Übersicht der National Osteoporosis Foundation, deren Finanzierung mitzudenken ist, fand für eine höhere Proteinzufuhr ebenfalls keine nachteiligen Knocheneffekte, sondern moderate Evidenz für einen leicht schützenden Effekt auf die Knochendichte der Lendenwirbelsäule von 0,52 Prozent. Der Effekt ist klein, die Richtung jedenfalls nicht negativ.
Warum Quark die Calciumbilanz nicht rettet
Der praktische Haken liegt woanders: Magerquark ist in eiweißbetonten Phasen das Standardlebensmittel und liefert ausgerechnet wenig Calcium, weil es bei der Herstellung mit der Molke abfließt. Wer Milch und Joghurt durch Quark ersetzt, tauscht Eiweiß ein und Calcium aus. Joghurt, Buttermilch, etwas Hartkäse, calciumreiches Mineralwasser und Kohlgemüse gleichen das aus.
Was Milchprodukte in einer Reduktionsphase leisten
Calciumpräparate führen nicht zu Gewichtsverlust: Eine Metaanalyse aus 33 Studien mit 4.733 Teilnehmenden fand keinen Unterschied zur Kontrollgruppe, und eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe dazu existiert nicht. Differenzierter ist der Befund für Milchprodukte: In 13 Studien mit 564 Teilnehmenden über rund vier Monate war eine höhere Zufuhr unter gleichzeitiger Energierestriktion mit knapp einem Kilogramm weniger Körperfett verbunden — der Effekt hängt an dieser Kombination und lässt sich nicht auf Calciumtabletten übertragen. Wie eine solche Ernährungsphase aufgebaut ist, steht in unserem Ratgeber zur Stoffwechselkur.
Wenn zu wenig Calcium ankommt
Eine niedrige Calciumzufuhr ist kein Calciummangel im medizinischen Sinn. Der Calciumspiegel im Blut wird über Parathormon, Calcitriol und Calcitonin eng reguliert und bleibt bei zu geringer Zufuhr zunächst normal, weil der Körper die Lücke aus dem Knochen deckt. Deshalb taugt ein Blutwert nicht zur Beurteilung der Ernährung, und deshalb bleibt eine dauerhaft zu geringe Zufuhr lange unbemerkt. Was langfristig zählt, ist die Knochenmineraldichte: Sie baut sich bis etwa zum dritten Lebensjahrzehnt auf und nimmt danach ab, beeinflusst von Calciumzufuhr, Vitamin-D-Status und Bewegung.
Kribbeln in Händen, Füßen oder um den Mund, Muskelkrämpfe oder Herzrhythmusstörungen können viele Ursachen haben und gehören ärztlich abgeklärt. Ein tatsächlich erniedrigter Blutcalciumspiegel ist ein medizinischer Befund, keine Ernährungsfrage.
Die Obergrenze und der BfR-Vorschlag
Die EFSA hat 2012 die tolerierbare Gesamtzufuhr von 2.500 Milligramm täglich für Erwachsene bestätigt, einschließlich Schwangerer und Stillender; der Wert gilt für die Summe aus allen Quellen. Für Kinder und Jugendliche ließ sich mangels Daten kein Wert ableiten — bei den höchsten in Europa beobachteten Zufuhren wurde dort allerdings auch kein Risiko festgestellt. International ist die Grenze uneinheitlich: Das US-amerikanische Food and Nutrition Board setzt ab 51 Jahren nur 2.000 Milligramm an, weil bei Älteren eine erhöhte Nierensteininzidenz als kritischer Endpunkt gilt.
Für Nahrungsergänzungsmittel schlägt das Bundesinstitut für Risikobewertung höchstens 500 Milligramm Calcium pro Tagesverzehrempfehlung vor; auch die Summe aller Präparate soll 500 Milligramm nicht überschreiten. Ab 250 Milligramm je Tagesverzehrmenge empfiehlt das BfR den Hinweis, auf weitere calciumhaltige Präparate zu verzichten.
Die Herleitung ist aufschlussreich: Nach der üblichen Methodik zieht das BfR von der Obergrenze die hohe Zufuhr aus normaler Ernährung ab. Für Calcium ergäbe das 2.500 minus 2.422, also eine rechnerische Restmenge von 78 Milligramm. Das BfR weicht davon bewusst ab und schlägt 500 Milligramm vor, um unterversorgte Gruppen erreichen zu können — eine Abwägung, kein Sicherheitsschwellenwert, und ausdrücklich als vorläufig bezeichnet. Der Vorschlag stammt von 2021; bei der Aktualisierung im Februar 2024 änderte das BfR Vitamin D, B6, Folat und Selen, Calcium war nicht darunter. Als Risiken sehr hoher Zufuhr gelten Nierensteine und eine schlechtere Aufnahme anderer Mineralstoffe.
Wenn die 1.000 Milligramm über das Essen nicht sicher zusammenkommen.
Dann schließt ein moderat dosiertes Präparat die Lücke — die Menge steht auf der Rückseite. DailyVit liefert 201 Milligramm Calcium pro Tagesdosis, MSM-Pro 240 Milligramm. Beides bleibt einzeln wie in Kombination unter dem BfR-Vorschlag von 500 Milligramm täglich aus Nahrungsergänzungsmitteln. Wer beide nimmt, etwa im Nährstoffpaket, kommt auf 441 Milligramm und sollte kein zusätzliches Calciumpräparat dazunehmen.
DailyVit ansehenCalciumpräparate und das Herz: die ehrliche Studienlage
Seit 2008 wird diskutiert, ob Calciumpräparate das Risiko für Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Ereignisse erhöhen. Die Frage ist bis heute nicht geklärt.
| Auswertung | Datenbasis | Ergebnis |
|---|---|---|
| Bolland 2010 | Metaanalyse, 11 randomisierte Studien | Erhöhtes Herzinfarktrisiko |
| EFSA 2012 | Neubewertung der Obergrenze | Gesamtzufuhr bis 2.500 bis 3.000 mg ohne erhöhtes Risiko |
| Xiao 2013 | Kohorte, 388.229 Personen, rund 12 Jahre | Erhöhte Sterblichkeit bei Männern mit über 1.000 mg aus Präparaten; kein Zusammenhang mit Nahrungscalcium |
| Chung 2016 | 4 randomisierte Studien, 27 Kohorten; finanziert von der National Osteoporosis Foundation | Kein Zusammenhang unterhalb der Obergrenzen |
| Myung 2021 | 13 doppelblinde Studien, rund 43.000 Personen | Um etwa 15 Prozent erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko |
| Sim 2023 | Metaanalyse, 12 randomisierte Studien | Kein Zusammenhang mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder Sterblichkeit |
Zwei Metaanalysen randomisierter Studien im Abstand von zwei Jahren kommen zu gegensätzlichen Ergebnissen. Das ist unbefriedigend, aber es ist der Stand. Drei Punkte helfen einzuordnen. Erstens hat für Calcium aus Lebensmitteln keine dieser Auswertungen ein erhöhtes Risiko gefunden; die Kohorte mit 388.229 Teilnehmenden trennt beides sauber und findet das Signal nur bei Präparaten. Zweitens betreffen alle Signale Mengen um oder über 1.000 Milligramm täglich aus Präparaten — unter 500 Milligramm fehlen systematische Untersuchungen, wie das BfR feststellt; daraus folgt weder Unbedenklichkeit noch ein Risikonachweis. Drittens erzeugt ein Präparat als Bolus höhere, länger anhaltende Calciumspitzen im Blut als dieselbe Menge aus einer Mahlzeit — eine plausible Hypothese, keine bewiesene Ursache.
Die deutsche Fachposition kam 2010 zu dem Schluss, ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko sei nicht ausreichend belegt, und empfahl, zuerst Frakturrisiko, Nahrungscalcium und Vitamin-D-Status zu bewerten. Wer eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hat, bespricht ein Calciumpräparat ärztlich. Beide Extreme — „gefährlich" wie „unbedenklich" — gibt die Datenlage nicht her.
Was Calcium für die Knochen leistet — und was nicht
Die S3-Leitlinie des Dachverbands Osteologie von 2023 formuliert die Reihenfolge unmissverständlich: Bei Menschen ohne spezifische medikamentöse Therapie soll die Ernährung mindestens 1.000 Milligramm Calcium täglich enthalten; Präparate sollten eingenommen werden, wenn diese Menge über die Ernährung nicht sicher erreicht wird; hochdosierte Einzelgaben sind nicht empfohlen.
Dazu gehört die Wirkungsgröße: Eine Auswertung von 59 randomisierten Studien fand, dass eine erhöhte Calciumzufuhr die Knochendichte um 0,6 bis 1,8 Prozent steigert und dass dieser Zuwachs nicht weiter zunimmt; eine klinisch relevante Senkung des Frakturrisikos ist daraus unwahrscheinlich. Eine parallele Übersicht derselben Arbeitsgruppe fand für Nahrungscalcium keinen Zusammenhang mit dem Frakturrisiko und die Evidenz für Präparate schwach und inkonsistent, eine große Metaanalyse von 2017 bei zu Hause lebenden Älteren ebenfalls keinen; eine von der National Osteoporosis Foundation finanzierte Auswertung kam dagegen zu einer Risikoreduktion durch Calcium plus Vitamin D. Bei gesunden prämenopausalen Frauen verbessern Calcium und Vitamin D die Knochendichte laut Cochrane-Review 2023 gar nicht.
Für Deutschland kursieren zwei Osteoporose-Zahlen, und beide stimmen. Die Bone Evaluation Study von 2013 rechnete aus Kassendaten 6,3 Millionen Betroffene ab 50 Jahren hoch, bei 885.000 Neuerkrankungen jährlich. Eine Analyse von 2020 auf Basis anderer Kassendaten kommt auf 3,61 Millionen, also 4,44 Prozent der Bevölkerung; diese Zahl nennt auch die Leitlinie von 2023. Der Unterschied liegt an Falldefinition und Datenbasis.
Calcium, Vitamin D und Vitamin K: was belegt ist und was Marketing
Für Vitamin D sind zwei Angaben zugelassen: der Beitrag zu einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium und Phosphor sowie zu einem normalen Calciumspiegel im Blut. Ohne ausreichende Vitamin-D-Versorgung nützt die beste Calciumzufuhr wenig. Beim Vitamin K sieht es anders aus, als die Werbung nahelegt: In der EU-Unionsliste stehen genau zwei Angaben, Blutgerinnung und Erhaltung normaler Knochen. Eine Angabe zu Arterien, zu Gefäßverkalkung oder zu einer „Lenkung" des Calciums in den Knochen und aus den Gefäßen existiert nicht. Die verbreitete K2-Erzählung hat damit keine zugelassene Grundlage. Was zu Vitamin K belegt ist, steht im Vitamin-K-Ratgeber.
Wechselwirkungen
Relevante Wechselwirkungen betreffen fast immer hohe Mengen aus Präparaten, nicht das Calcium normaler Mahlzeiten.
- Eisen. Calcium hemmt die Eisenaufnahme aus derselben Mahlzeit: Milchprodukte und Haupteisenquelle also nicht kombinieren — mehr bei den eisenhaltigen Lebensmitteln, wo der Spinat-Mythos eine ganz andere Ursache hat als beim Calcium.
- Magnesium und Zink.Hohe Calciummengen aus Präparaten können die Magnesiumaufnahme hemmen, für Zink gilt Ähnliches; bei üblichen Mengen aus Lebensmitteln spielt das keine Rolle. Im Zusammenspiel mit Natrium und Kalium ordnet der Beitrag zu den Elektrolyten Calcium ein.
- Natrium. Eine hohe Kochsalzzufuhr erhöht die Calciumausscheidung über den Urin und Marker des Knochenabbaus. Eine klinisch relevante Knochenwirkung ist daraus nicht belegt.
- Medikamente. Calcium kann die Aufnahme bestimmter Arzneimittel beeinflussen, etwa von Osteoporose-Präparaten oder Antibiotika. Ob ein zeitlicher Abstand nötig ist, klärt man in der Apotheke oder ärztlich.
Wer ein Kombipräparat erwägt: worauf es dabei ankommt, steht im Multivitamin-Ratgeber.
Was über Calcium gesagt werden darf
Gesundheitsbezogene Angaben sind in der EU abschließend geregelt. Für Calcium sind acht Angaben nach Artikel 13 der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zugelassen — „Calcium trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei", „zu einem normalen Energiestoffwechsel", „zu einer normalen Muskelfunktion", „zu einer normalen Signalübertragung zwischen den Nervenzellen", „zur normalen Funktion von Verdauungsenzymen", „hat eine Funktion bei der Zellteilung und -spezialisierung", „wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt" und „wird für die Erhaltung normaler Zähne benötigt". Alle acht tragen dieselbe Bedingung: Sie dürfen nur für Lebensmittel verwendet werden, die die Anforderungen an eine Calciumquelle erfüllen — 15 Prozent des Nährstoffbezugswerts, also 120 Milligramm je 100 Gramm, 100 Milliliter oder Portion.
Daneben existiert eine Angabe zur Verringerung eines Krankheitsrisikos, zugelassen durch die Verordnung (EU) Nr. 1228/2014: „Calcium trägt dazu bei, den Verlust an Knochenmineralstoffen bei postmenopausalen Frauen zu verringern. Eine geringe Knochenmineraldichte ist ein Risikofaktor für durch Osteoporose bedingte Knochenbrüche." Bedingungen: mindestens 400 Milligramm Calcium je quantifizierter Portion, der Hinweis auf die Zielgruppe Frauen ab 50 und der Hinweis, dass die Wirkung eine tägliche Gesamtzufuhr von mindestens 1.200 Milligramm voraussetzt.
Genauso aufschlussreich ist, was fehlt: keine Angabe zu Gewichtsabnahme, Körpergewicht oder Sättigung, keine zu Muskelkrämpfen, keine zu prämenstruellen Beschwerden, keine zum Blutdruck, keine zu Haaren oder Nägeln. Ein Cochrane-Review von 2022 fand zwar eine blutdrucksenkende Wirkung bei Normotonen von systolisch 1,37 mmHg — klinisch sehr klein und keine zulässige Wirkaussage.
Häufige Fragen
Wie viel Calcium braucht man am Tag?
Für Erwachsene ab 19 Jahren nennen die D-A-CH-Referenzwerte 1.000 Milligramm täglich, für 13- bis 18-Jährige 1.200 Milligramm. Die EFSA setzt ab 25 Jahren 950 Milligramm an. Auf Verpackungen steht dagegen der Nährstoffbezugswert von 800 Milligramm, weil die EU-Kennzeichnung mit einem einzigen Etikettenwert für alle Erwachsenen arbeitet.
Warum zählt Spinat nicht als Calciumquelle?
Weil Oxalsäure das Calcium im Spinat bindet, bevor es aufgenommen werden kann. In der Untersuchung von Heaney und Weaver lag die Aufnahme aus Spinat bei 5,1 Prozent, aus Milch bei 27,6 Prozent. Gegarter Spinat steht mit 140 Milligramm pro 100 Gramm in den Tabellen, im Körper kommt davon fast nichts an. Für Mangold und Rhabarber gilt dasselbe.
Wie viel Calcium ist zu viel?
Die EFSA hat für Erwachsene eine tolerierbare Gesamtzufuhr von 2.500 Milligramm täglich aus allen Quellen abgeleitet, einschließlich Schwangerschaft und Stillzeit. Für Nahrungsergänzungsmittel schlägt das BfR höchstens 500 Milligramm vor. Das ist kein Gesetz, sondern ein ausdrücklich vorläufiger Vorschlag, den man ohne ärztliche Rücksprache nicht überschreiten sollte.
Sind Calciumtabletten schlecht fürs Herz?
Das ist nach über 15 Jahren Forschung nicht abschließend geklärt. Zwei Metaanalysen verblindeter Studien widersprechen sich: Myung 2021 findet ein um 15 Prozent erhöhtes Risiko, Sim 2023 keinen Zusammenhang. Alle Signale betreffen Mengen um oder über 1.000 Milligramm aus Präparaten. Für Calcium aus Lebensmitteln hat keine Auswertung ein erhöhtes Risiko gefunden.
Hilft Calcium beim Abnehmen?
Nein. Eine Metaanalyse aus 33 Studien mit 4.733 Teilnehmenden fand keinen Unterschied zur Kontrollgruppe, und eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe dazu gibt es in der EU nicht. Der einzige differenzierte Befund betrifft Milchprodukte unter Energierestriktion und ist klein: rund ein Kilogramm weniger Körperfett über etwa vier Monate.
Weiterlesen
- Vitamine: alle 13 im Überblick mit Bedarf, NRV und Obergrenzen
- Bioverfügbarkeit: was wirklich im Körper ankommt
- Vitamin K: die zwei zugelassenen Angaben und was K2 wirklich kann
- Magnesium: Bedarf, Mangel und was beim Abnehmen belegt ist
- Vitamin-D-Mangel: Grenzwerte, Symptome und Belege
Quellen
- BfR, Höchstmengenvorschläge für Calcium (Begleitdokument zur Stellungnahme 009/2021) und Stellungnahme 006/2024; DGE, Ausgewählte Fragen und Antworten zu Calcium (2013) mit Lebensmitteltabelle nach DGExpert; MRI, Nationale Verzehrsstudie II, Teil 2, Abschnitt 5.6 und Tab. A.48; USDA FoodData Central, SR Legacy
- EFSA NDA Panel, Tolerable Upper Intake Level of calcium, EFSA J 2012;10(7):2814, PMID 42016128, und Dietary Reference Values for calcium, EFSA J 2015;13:4101; Dachverband Osteologie, S3-Leitlinie Osteoporose, AWMF 183-001, Version 2.2 (2023–2025); AkdÄ, UAW-News International vom 08.10.2010; Verordnungen (EU) 432/2012, 1228/2014, 1169/2011 und (EG) 1924/2006; Mineral- und Tafelwasser-Verordnung, Anlage 4
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Dieser Artikel fasst Referenzwerte, Lebensmitteldaten und Studienlage zu Calcium zum Stand September 2026 zusammen und ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Bei Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme besprich Präparate bitte vorher ärztlich.








