Ein Neujahrsvorsatz zum Abnehmen hält besser, als sein Ruf vermuten lässt. Die verbreitete Zahl, 92 Prozent aller Vorsätze würden scheitern, lässt sich keiner veröffentlichten Untersuchung zuordnen. Wo tatsächlich nachgemessen wurde, sieht es anders aus: Von 200 prospektiv begleiteten Menschen hielten 77 Prozent eine Woche durch, 43 Prozent drei Monate und 19 Prozent zwei Jahre. Entscheidend ist dabei weniger der Zeitpunkt als die Formulierung des Vorsatzes — und ob jemand regelmäßig nachfragt.
Dieser Artikel bringt zusammen, was sonst niemand zusammenbringt: die drei existierenden Studien zu Neujahrsvorsätzen, die deutschen Primärdaten statt einer Infografik und den einen Befund, der der meistgegebenen Ratgeber-Empfehlung widerspricht.
Das Wichtigste in Kürze
- Für die „92 Prozent" gibt es keine auffindbare Publikation. Die zwei begutachteten Arbeiten des Forschers, dem die Zahl zugeschrieben wird, berichten 46 Prozent Erfolg nach sechs Monaten und 19 Prozent nach zwei Jahren.
- Die tatsächlich gemessene Verlaufskurve: 77 Prozent nach einer Woche, 55 Prozent nach einem Monat, 43 Prozent nach drei Monaten, 40 Prozent nach sechs Monaten, 19 Prozent nach zwei Jahren.
- Wer seinen Vorsatz als etwas formulierte, das er tun wollte, war nach einem Jahr zu 58,9 Prozent erfolgreich. Wer ihn als Verzicht formulierte, zu 47,1 Prozent.
- In derselben randomisierten Untersuchung war der Arm mit ausführlicher SMART-Anleitung mit 52,5 Prozent nicht besser als die Kontrollgruppe mit 55,9 Prozent. Vorne lag mit 62,3 Prozent der Arm mit einer benannten Person, die nachfragte.
- Der Jahresbeginn ist die schwächste aller untersuchten Zeitmarken: Die Suche nach Diätthemen stieg um 82,1 Prozent, der tatsächliche Fitnessstudiobesuch nur um 11,6 Prozent.
- In Deutschland geben 63 Prozent der Befragten mit Vorsätzen an, sich länger als drei Monate daran gehalten zu haben. Rund 11 Prozent gaben im ersten Monat auf.
Inhalt
Scheitern wirklich 92 Prozent?
Die Zahl ist nirgends nachzulesen. Sie steht auf zahllosen Ratgeberseiten, meist mit einem Zusatz wie „nur 8 Prozent schaffen es", und wird häufig einer US-Universität zugeschrieben. Eine Publikation mit diesem Ergebnis ist in der medizinischen Literaturdatenbank PubMed nicht auffindbar. Die englischsprachige Spur der Zahl führt auf einen kommerziellen Statistik-Aggregator und eine Wirtschaftskolumne aus dem Jahr 2013 — nicht auf eine Untersuchung.
Wir behaupten nicht, die Zahl sei erfunden. Wir sagen nur: Sie lässt sich keiner veröffentlichten Untersuchung zuordnen, und wer sie zitiert, sollte sagen können, woher sie stammt. Dasselbe gilt für die Varianten „88 Prozent scheitern" und „80 Prozent scheitern bis Februar" sowie für den als „Quitter's Day" bezeichneten zweiten Freitag im Januar, der auf einer Unternehmensauswertung ohne veröffentlichte Methodik beruht und Aktivitäts-Uploads einer App zählt, keine Vorsätze.
Der Forscher, dem die 92 Prozent gewöhnlich zugeschrieben werden, hat zu Neujahrsvorsätzen zwei begutachtete Arbeiten veröffentlicht. Beide berichten völlig andere Werte.
Was tatsächlich gemessen wurde
Die erste Arbeit begleitete 200 Menschen mit Neujahrsvorsätzen zwei Jahre lang prospektiv, also vorwärts in der Zeit statt rückblickend. Das ist bis heute die belastbarste Verlaufskurve zu diesem Thema.
| Zeitpunkt | Anteil, der den Vorsatz noch hielt | Anders gesagt |
|---|---|---|
| nach 1 Woche | 77 Prozent | Gut drei Viertel überstehen die erste Woche. |
| nach 1 Monat | 55 Prozent | Mehr als die Hälfte ist Ende Januar noch dabei. |
| nach 3 Monaten | 43 Prozent | Der stärkste Einbruch liegt zwischen Monat eins und drei. |
| nach 6 Monaten | 40 Prozent | Wer das Frühjahr übersteht, verliert danach kaum noch. |
| nach 2 Jahren | 19 Prozent | Jeder Fünfte hält den Vorsatz zwei Jahre durch. |
Das ist etwas anderes als „fast alle scheitern sofort". Die Hälfte hält einen Monat, zwei von fünf ein halbes Jahr, jeder Fünfte zwei Jahre. Einschränkungen gehören dazu: US-Stichprobe, Erhebung in den 1980er Jahren, Selbstauskunft der Teilnehmenden.
Die zweite Arbeit verglich 159 Menschen mit einem Neujahrsvorsatz mit 123 Menschen, die dasselbe Problem angehen wollten, aber keinen Vorsatz fassten. Nach sechs Monaten waren 46 Prozent der Gruppe mit Vorsatz durchgehend erfolgreich, gegenüber 4 Prozent der Gruppe ohne. Der Abstand ist groß, aber er stammt nicht aus einem randomisierten Vergleich: Wer sich einen Vorsatz fasst, ist womöglich ohnehin weiter im Veränderungsprozess. Der Vorsatz ist also kein Zaubermittel — aber er ist auch nicht das wirkungslose Ritual, als das er gern beschrieben wird.

Und in Deutschland?
Für Deutschland gibt es eine gute Primärquelle, die selten jemand aufschlägt: den forsa-Ergebnisbericht für die DAK-Gesundheit, eine repräsentative Telefonbefragung mit 1.002 Befragten vom 19. bis 21. November 2025, statistische Fehlertoleranz plus/minus 3 Prozentpunkte, mit einer Zeitreihe zurück bis 2011.
- 41 Prozent der Befragten hatten überhaupt Vorsätze für das laufende Jahr — bei den 14- bis 29-Jährigen 63 Prozent, bei den 45- bis 59-Jährigen 32 Prozent.
- 30 Prozent nehmen sich für das kommende Jahr vor abzunehmen. Dieser Anteil ist seit 2011 bemerkenswert stabil zwischen 30 und 36 Prozent.
- 63 Prozent derjenigen mit Vorsätzen für das Vorjahr gaben an, sich länger als drei Monate beziehungsweise bis zur Befragung im November daran gehalten zu haben. Rund 11 Prozent gaben innerhalb des ersten Monats auf.
- Am häufigsten motiviert das persönliche Empfinden (67 Prozent), gefolgt von einer akuten Erkrankung und einer ärztlichen Aufforderung (je 50 Prozent).
Diese Werte sind Selbsteinschätzungen, im November erhoben, also mit Erinnerungs- und Erwünschtheitseffekten behaftet. „Sich daran gehalten" ist beurteilt, nicht gemessen. Trotzdem: Wer die 92 Prozent zitiert, behauptet das Gegenteil dessen, was die beste verfügbare deutsche Erhebung berichtet.
Das Fazit dieses Abschnitts ist nicht, dass Vorsätze immer funktionieren. Es ist, dass der Vorsatz selten das Problem ist. Die Erwartung an ihn ist es.
Was der Jahreswechsel auslöst — und was nicht
Der Jahreswechsel verschiebt vor allem die Absicht, kaum das Verhalten. Beide Zahlen dazu stehen in derselben Arbeit, und nebeneinander erklären sie das ganze Phänomen: Die Suche nach Diätthemen stieg zum Jahresbeginn um 82,1 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit eines Fitnessstudiobesuchs stieg zum selben Zeitpunkt um 11,6 Prozent. Die Gegenüberstellung ist unsere redaktionelle Einordnung, kein Studienergebnis: Die beiden Werte stammen aus verschiedenen Datensätzen derselben Untersuchung. Die Richtung ist trotzdem deutlich. Am 1. Januar explodiert die Absicht, das Verhalten zuckt.
Der Jahresbeginn ist dabei die schwächste der untersuchten Zeitmarken — Semesterbeginn und Wochenbeginn bewegen mehr. Die vollständige Rangfolge und was daraus für die Feiertage folgt, steht in unserem Artikel darüber, wie viel man über die Feiertage tatsächlich zunimmt und warum der Jahreswechsel der schwächste aller Neuanfänge ist.
Zwei neuere Arbeiten relativieren den Januar zusätzlich. In einer Untersuchung mit 362 Teilnehmenden unterschieden sich Ziele, die im Januar gesetzt wurden, in 16 untersuchten Merkmalen praktisch nicht von Zielen im März; was einen Unterschied machte, war das Alter des Ziels, nicht der Monat. Und in 35 Monaten britischer Kassendaten von 12.968 Kundinnen und Kunden zeigte sich zwar der Januar-Anstieg bei Abnehmprodukten, für die gängigen Erklärungsmodelle dahinter fand sich aber kein Beleg. Der Effekt existiert. Die Theorie darüber steht schwächer, als Ratgeber tun.
Die praktische Konsequenz ist klar: Warte nicht auf den 1. Januar. Eine zitierfähige deutsche Zahl zum Januar-Anstieg der Suchanfragen gibt es übrigens nicht — die publizierten Analysen betreffen andere Länder. Wir nennen deshalb keine.
Woran Vorsätze tatsächlich scheitern
Ein Vorsatz ist ein Satz, kein Plan. Genau darin liegt die Hauptschwäche. „Ich will abnehmen" enthält kein Wann, kein Wo und keine Situation, in der die Handlung ausgelöst wird. Am 2. Januar ist das kein Problem, weil die Absicht frisch ist. Am 2. Februar, nach einem langen Arbeitstag, entscheidet nicht der Satz, sondern die Situation.
Dazu kommt, dass der typische Vorsatz ein Verzichtssatz ist: weniger Süßes, keine Snacks, kein Alkohol. Warum das messbar schlechter trägt, steht im nächsten Abschnitt.
Der dritte Punkt ist der unangenehmste, und er taucht in zwei voneinander unabhängigen Untersuchungen auf. Was den Erfolg vorhersagte, war jeweils das, was schon vor dem Jahreswechsel da war: Selbstwirksamkeit, Veränderungsfähigkeiten und Veränderungsbereitschaft vor dem 1. Januar in der einen Arbeit, das Verhalten vor Januar in der anderen. Nicht die Entschlossenheit in der Silvesternacht. Wer im Dezember schon zweimal pro Woche zu Fuß zur Arbeit gegangen ist, startet anders als jemand, der um Mitternacht beschließt, ab morgen zu laufen.
Und schließlich: Ausrutscher sind die Regel, nicht die Ausnahme. In der prospektiven Untersuchung hatten 53 Prozent der erfolgreichen Gruppe mindestens einen Ausrutscher, im Mittel 14 über zwei Jahre. Wer den ersten Ausrutscher als Beweis des Scheiterns liest, wirft eine Sache weg, die statistisch noch völlig intakt ist. Wie man mit diesem Alles-oder-nichts-Denken praktisch umgeht, steht ausführlich in unserem Artikel darüber, was eine Ernährungsumstellung wirklich braucht. Und einige der Fehler, die dem Vorsatz angelastet werden, sind bei genauerem Hinsehen gar keine: welche verbreiteten Abnehm-Fehler sich in den Daten nicht bestätigen.
Wie ein Vorsatz aussehen muss, damit er trägt
Hier liegt der praktisch wichtigste Befund des ganzen Themas, und er kommt aus der einzigen randomisierten Untersuchung zu Neujahrsvorsätzen: 1.066 Teilnehmende aus der schwedischen Allgemeinbevölkerung, ein Jahr Nachbeobachtung.
Annäherung statt Vermeidung
Wer seinen Vorsatz als etwas formulierte, das er tun wollte, war nach zwölf Monaten zu 58,9 Prozent erfolgreich. Wer ihn als etwas formulierte, das er lassen wollte, zu 47,1 Prozent. Knapp zwölf Prozentpunkte Unterschied — allein durch die Richtung des Satzes.
| Vermeidungsziel (schwächer) | Annäherungsziel (stärker) |
|---|---|
| Weniger naschen | Jeden Abend etwas Eiweißreiches für den nächsten Tag vorbereiten |
| Keine Süßigkeiten mehr | Zu jeder Hauptmahlzeit Gemüse auf den Teller |
| Nicht mehr so viel sitzen | Den Arbeitsweg zweimal pro Woche zu Fuß gehen |
| Weniger Alkohol | Werktags Wasser oder Tee zum Abendessen |
Der Unterschied ist nicht bloß sprachlich. Ein Annäherungsziel beschreibt eine Handlung, die man ausführen kann; ein Vermeidungsziel beschreibt einen Zustand, den man überwachen muss. Das eine lässt sich abends beantworten, das andere nur unterlassen — und Unterlassen ist rund um die Uhr gefordert.
Die Einschränkungen der Untersuchung gehören dazu: Die Teilnehmenden haben sich selbst gemeldet, der Erfolg wurde auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent selbst eingeschätzt und ab einem Schwellenwert als Erfolg gewertet, und die Erfolgsquoten beziehen sich auf die Antwortenden, nicht auf alle Eingeschlossenen. Für ein einzelnes Studienergebnis ist die Datenbasis trotzdem außergewöhnlich gut.
Ein ambitioniertes Ziel ist kein Fehler
Die Meta-Analyse zur Zielsetzung wertete 141 Arbeiten mit 384 Effektstärken und 16.523 Teilnehmenden aus, ausschließlich randomisierte Studien. Zielsetzung wirkte als eigenständige Technik mit einer Effektstärke von d = 0,34. Und sie wirkte stärker, wenn das Ziel schwierig war, wenn es öffentlich gesetzt wurde oder wenn es ein Gruppenziel war.
Das läuft dem Standardrat zuwider, man solle sich zum Jahreswechsel möglichst bescheidene Ziele vornehmen. Nicht die Höhe des Ziels ist das Problem. Die Erwartung ans Tempo ist es — und die Vorstellung, dass ein Ziel privat und leise bleiben muss. Welche Zeiträume für eine Gewichtsabnahme tatsächlich plausibel sind, steht hier: was realistisch in welcher Zeit möglich ist.
Vom Satz zum Plan
Der Übergang vom Vorsatz zum Verhalten hat ein erprobtes Format: den Wenn-dann-Plan. Er verknüpft eine konkrete Situation mit einer konkreten Handlung und wirkt besser, wenn er etwas hinzufügt, statt etwas zu streichen. Wie ein solcher Plan aufgebaut ist und warum das Hinzufügen den Unterschied macht, haben wir dort erklärt, wo es hingehört: wie du aus einem Vorsatz einen Wenn-dann-Plan machst.
Ein Verhaltensziel lässt sich täglich beantworten
Ein Gewichtsziel gibt nur alle paar Wochen eine verlässliche Rückmeldung und hängt von Faktoren ab, die niemand direkt steuert. Ein Verhaltensziel lässt sich jeden Abend mit Ja oder Nein beantworten. Warum das für die Motivation über Monate entscheidend ist, steht im Artikel darüber, warum Motivation als Vorhersagegröße weniger taugt, als alle annehmen.

Warum mehr Zielmethodik nicht mehr bringt
Dieselbe randomisierte Untersuchung hat genau das getestet, was praktisch jeder Ratgeber empfiehlt: mehr Technik beim Zielsetzen. Die 1.066 Teilnehmenden wurden auf drei Gruppen verteilt und ein Jahr lang begleitet.
| Gruppe | Was sie bekam | Erfolg nach 12 Monaten |
|---|---|---|
| Aktive Kontrolle | Information zum Vorsatz, keine weitere Unterstützung | 55,9 Prozent |
| Schlanke Unterstützung | Eine benannte Bezugsperson und monatliche Nachfragen | 62,3 Prozent |
| Ausführliche Unterstützung | Zusätzlich SMART-Zielanleitung, Zwischenziele, Zusatzmails | 52,5 Prozent |
Der Arm mit der schlanken Unterstützung gewann, mit einem kleinen Effekt von d = 0,22 gegenüber der Kontrolle. Der Arm mit der ausführlichen Zielmethodik lag am Ende der Rangfolge und war statistisch nicht besser als die Kontrollgruppe.
Die ehrliche Einordnung: Das sind kleine Effekte aus einer einzelnen Studie, und daraus folgt nicht, dass SMART-Ziele schaden. Was daraus folgt, ist enger und trotzdem folgenreich — die verbreitete Gleichung „mehr Zieltechnik gleich mehr Erfolg" ist durch diese Daten nicht gedeckt. Was in dieser Untersuchung den Unterschied machte, war nicht die Methode. Es war eine Person, die regelmäßig nachfragte.
Struktur und jemand, der mitliest. Genau diese beiden Zutaten beschreiben ziemlich genau, wie unsere Stoffwechselkur aufgebaut ist: ein fester Ablauf statt einer Liste guter Absichten, ein individuell berechneter Bedarf statt einer Pauschalzahl für alle, eiweißbetonte und gemüsereiche Mahlzeiten, eine echte Stabilisierungsphase, die von Anfang an zum Plan gehört, und eine enthaltene Ernährungsberatung. Ernährungsberaterin Magdalena Mathiessen und ihr Team begleiten die Kurgruppen täglich persönlich per WhatsApp — also genau die Person, die nachfragt. Kein Januar-Sprint, sondern ein Plan mit einem Danach.
Der Januar konkret: die ersten vier Wochen
Die ersten Wochen entscheiden weniger über das Ergebnis, als gemeinhin angenommen wird — aber sie entscheiden darüber, ob aus dem Satz eine Struktur wird. Fünf Punkte lassen sich aus den vorgestellten Daten ableiten.
Eine Sache, nicht fünf
Der Befund, dass der schlanke Unterstützungsarm den umfangreichen schlug, lässt sich auf den eigenen Januar übertragen: Ein Vorhaben, das täglich beantwortbar ist, trägt weiter als ein Bündel aus Ernährungsumstellung, Sportplan, Schlafhygiene und Alkoholverzicht gleichzeitig. Das ist kein Plädoyer für Bescheidenheit — das Ziel darf groß sein. Es ist ein Plädoyer dafür, an einer Stelle anzufangen.
Jemanden benennen, der nachfragt
Die belegte Version des „Vorsatz-Partners" ist konkreter als der übliche Rat, Freunde einzubeziehen: eine benannte Person, die in festen Abständen nachfragt. Dazu passt der Meta-Analyse-Befund, dass öffentlich gesetzte Ziele stärker wirken als privat gefasste. Wer den Vorsatz also ausspricht und jemanden bittet, einmal im Monat danach zu fragen, hat damit zwei voneinander unabhängige Befunde auf seiner Seite.
Was schon da ist, nutzen
Zwei Untersuchungen zeigen in dieselbe Richtung: Der beste Prädiktor ist das Verhalten und das Zutrauen vor Januar. Statt am 1. Januar etwas völlig Neues zu beginnen, lohnt die Frage, was im Dezember bereits ansatzweise funktioniert hat — und wie sich genau das ausbauen lässt.
Früh anfangen schlägt spät reparieren
Eine kurze Verhaltensintervention über die Feiertage — regelmäßiges Wiegen, den Gewichtsverlauf notieren, Bewegungsäquivalente typischer Festtagsspeisen — verhinderte in einem randomisierten Versuch mit 272 Erwachsenen die Zunahme: minus 0,13 Kilogramm gegenüber plus 0,37 Kilogramm, adjustierte Differenz minus 0,49 Kilogramm (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,85 bis minus 0,13). Eine Nebenanalyse war dagegen nicht signifikant. Der Punkt ist nicht die Zahl, sondern der Zeitpunkt: Der Januar repariert etwas, das sich im Dezember leichter verhindern lässt.
Was nicht hilft
Der klassische Januar-Reflex ist die schnelle Diät. Was dabei im Körper tatsächlich passiert und warum der Ansatz seine eigenen Probleme mitbringt, steht hier: was bei einer Crash-Diät tatsächlich passiert. Und wenn Essen im Januar vor allem Stimmung reguliert statt Hunger, ist das kein Vorsatz-Thema mehr: was hinter Frustessen wirklich steckt.

Was nach den ersten Wochen kommt
Der Vorsatz endet nicht mit dem Januar, und die Abbrüche verteilen sich über das ganze Jahr statt sich auf einen Stichtag zu konzentrieren. In der prospektiven Verlaufskurve lag der stärkste Rückgang zwischen dem ersten und dem dritten Monat, danach flachte sie ab: Zwischen Monat drei und Monat sechs verloren nur noch drei Prozentpunkte den Anschluss.
Die eigentlich schwierige Stelle liegt also später — beim Übergang zurück in den Alltag, wenn das Ziel erreicht oder das Programm beendet ist. Diese Phase ist schlechter belohnt als die Abnehmphase, weil sichtbare Fortschritte ausbleiben, und sie entscheidet trotzdem über das Ergebnis. Was dort nachweislich hilft, steht in unserem Artikel darüber, warum das Halten schwerer ist als das Abnehmen.
Häufige Fragen
Wie viele Neujahrsvorsätze scheitern wirklich?
Die oft zitierten 92 Prozent lassen sich keiner veröffentlichten Untersuchung zuordnen. Gemessen wurde eine andere Kurve: In einer prospektiven Untersuchung mit 200 Menschen hielten 77 Prozent eine Woche durch, 55 Prozent einen Monat, 43 Prozent drei Monate, 40 Prozent ein halbes Jahr und 19 Prozent zwei Jahre. Scheitern ist also häufig, aber es passiert langsamer und seltener als behauptet.
Warum ist Abnehmen so ein häufiger Neujahrsvorsatz?
In der forsa-Befragung für die DAK-Gesundheit mit 1.002 Befragten nehmen sich rund 30 Prozent für das kommende Jahr vor abzunehmen. Der Wert liegt hinter Zielen wie mehr Zeit für Familie und Freunde, Stressabbau und mehr Bewegung. Auffällig ist der Altersunterschied: Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es nur 20 Prozent, bei den über 45-Jährigen 33 Prozent.
Sollte ich mit dem Abnehmen bis zum 1. Januar warten?
Nein. Der Jahresbeginn ist in den vorliegenden Daten die schwächste der untersuchten Zeitmarken: Die Wahrscheinlichkeit eines Fitnessstudiobesuchs stieg zum Jahreswechsel um 11,6 Prozent, zum Wochenbeginn dagegen um 33,4 Prozent und zum Semesterbeginn um 47,1 Prozent. Der nächste Montag ist die stärkere Marke, und er kommt öfter.
Wie formuliere ich einen Vorsatz, den ich durchhalte?
Als etwas, das du tust, nicht als etwas, das du lässt. In der einzigen randomisierten Untersuchung zu Neujahrsvorsätzen mit 1.066 Teilnehmenden waren Annäherungsziele nach zwölf Monaten zu 58,9 Prozent erfolgreich, Vermeidungsziele zu 47,1 Prozent. Aus „weniger naschen" wird damit „jeden Abend etwas Eiweißreiches für morgen vorbereiten".
Helfen SMART-Ziele beim Abnehmen?
Die Antwort ist differenzierter als der verbreitete Rat. In derselben randomisierten Untersuchung war der Arm mit ausführlicher SMART-Anleitung mit 52,5 Prozent nicht erfolgreicher als die Kontrollgruppe mit 55,9 Prozent. Zielsetzung an sich wirkt, das zeigt eine Meta-Analyse über 141 Arbeiten. Mehr Zielmethodik ersetzt aber offenbar nicht, dass jemand regelmäßig nachfragt.
Bringt es etwas, den Vorsatz jemandem zu erzählen?
Zwei unabhängige Befunde sprechen dafür. In der Meta-Analyse zur Zielsetzung wirkten öffentlich gesetzte Ziele stärker als privat gefasste. Und in der randomisierten Untersuchung zu Neujahrsvorsätzen war der erfolgreichste Arm der mit einer benannten Bezugsperson und monatlichen Nachfragen. Entscheidend ist eine konkrete Person, nicht ein vages Umfeld.
Was mache ich, wenn ich den Vorsatz schon im Januar gebrochen habe?
Weitermachen, und zwar bei der nächsten Mahlzeit statt am nächsten Montag. In der prospektiven Untersuchung hatten 53 Prozent der erfolgreichen Gruppe mindestens einen Ausrutscher, im Mittel 14 über zwei Jahre. Ausrutscher gehören also zum Verlauf der Erfolgreichen, nicht zum Verlauf der Gescheiterten.
Ist ein großes Ziel schlechter als ein kleines?
Nach der Datenlage nicht. In der Meta-Analyse über 141 Arbeiten mit 16.523 Teilnehmenden wirkte Zielsetzung mit einer Effektstärke von d = 0,34, und sie wirkte stärker, wenn das Ziel schwierig war, öffentlich gesetzt wurde oder als Gruppenziel galt. Das Problem liegt eher in der Erwartung ans Tempo als in der Höhe des Ziels.
Wie lange dauert es, bis ein Vorsatz zur Gewohnheit wird?
Deutlich länger und deutlich unterschiedlicher als die kursierenden 21 oder 66 Tage nahelegen. Die Spannweite in der bekanntesten Untersuchung reicht über Monate, und ein erheblicher Teil der Teilnehmenden bildete gar keine Gewohnheit aus. Die Zahlen und ihre Einordnung stehen ausführlich im Artikel zur Ernährungsumstellung.
Wie viel kann ich bis Ostern abnehmen?
Diese Frage beantworten wir bewusst nicht mit einer Zahl. Angaben über Dauer und Ausmaß einer Gewichtsabnahme sind in der Bewerbung von Lebensmitteln nach EU-Recht nicht zulässig, und die Frage führt ohnehin in die Richtung, an der Vorsätze scheitern: ans Tempo statt an die Umsetzung. Was realistisch in welcher Zeit passiert, steht im Artikel zur Dauer.
Weiterlesen
- Ernährungsumstellung: wie du sie praktisch angehst und durchhältst
- Motivation zum Abnehmen: was trägt, wenn die Motivation im Februar weg ist
- Gesunde Weihnachten: was über die Feiertage tatsächlich passiert
- Typische Abnehmfehler — und vier, die gar keine sind
- Sport zum Abnehmen: was Bewegung tatsächlich beiträgt
- Gewicht halten nach der Diät: was nachweislich hilft
Quellen
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Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Die genannten Studienergebnisse sind Mittelwerte aus Untersuchungsgruppen und nicht auf den Einzelfall übertragbar. Bei gesundheitlichen Beschwerden, bei anhaltender Niedergeschlagenheit oder bei Kontrollverlust über das Essen hole bitte ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat ein.








