Schöne Haut und Haare durch Kieselsäure: Stimmt das? - VitalBodyPLUS.de

Kieselsäure für Haut, Haare und Nägel: was wirklich untersucht ist

Dieser Sommer gehört dir: 10 Tipps für mehr Selbstbewusstsein Du liest Kieselsäure für Haut, Haare und Nägel: was wirklich untersucht ist 19 Minuten Weiter Regt Wasser den Stoffwechsel an?

Kieselsäure ist die wasserlösliche Form von Silicium. Für Haare, Haut und Nägel ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zu Silicium zugelassen – alle 25 eingereichten Anträge wurden abgelehnt, auch die, die speziell für die als hochwertig beworbene cholinstabilisierte Orthokieselsäure gestellt wurden. Silicium gilt für den Menschen zudem nicht als essenzieller Nährstoff, und ein Mangel wurde bisher nicht beobachtet.

Was tatsächlich untersucht ist, wer die Studien bezahlt hat, wie viel Silicium der Körper aus welcher Form aufnimmt und warum ausgerechnet Schachtelhalm eine schlechte Quelle ist.

Kieselsäure gehört zu den ältesten Verkaufsargumenten im Bereich Haut und Haar. Der Gedanke dahinter klingt einleuchtend: Silicium steckt in Bindegewebe, Bambus ist deshalb so biegsam, also stärkt es auch Haare und Nägel. Beim Nachrechnen bleibt davon weniger übrig, als die Werbung nahelegt – aber auch mehr als nichts.

Schale mit Haferflocken und kleinere Schale mit Haferkleie auf einem hellen Holztisch

Was Kieselsäure chemisch ist

Silicium bindet in wässriger Lösung Sauerstoff und Wasser zu Orthokieselsäure. Sobald die Konzentration steigt, verketten sich diese Moleküle zu größeren Gebilden – und je stärker sie verketten, desto schlechter kann der Körper sie aufnehmen. Diese Polymerisation ist der Schlüssel zum ganzen Thema.

Konkret sieht das so aus: Unterhalb einer bestimmten Konzentration liegt Silicium als einzelnes Molekül Si(OH)4 vor – Orthokieselsäure oder Monokieselsäure. Darüber verbinden sich diese Einzelmoleküle zu Ketten und Ringen, später zu kolloidalen Teilchen und schließlich zu festem Kieselgel. Der Übersichtsartikel von Ravin Jugdaohsingh fasst es in einem Satz zusammen: Die Polymerisation senkt die Löslichkeit und damit die Bioverfügbarkeit.

Daraus folgt eine Rangfolge, die man beim Einkauf im Kopf haben sollte: gelöste Orthokieselsäure gut, Kieselgel schlecht, Siliciumdioxid praktisch gar nicht. Siliciumdioxid ist derselbe Stoff, der als Zusatzstoff E 551 Pulver rieselfähig hält – er gilt als weitgehend inert.

Essenziell? Nein – und das hat Folgen

Silicium ist für den Menschen nicht als essenzieller Nährstoff eingestuft. Weder das US Institute of Medicine noch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat einen Referenzwert festgelegt, und ein Siliciummangel beim Menschen wurde nicht beobachtet.

Das Institute of Medicine formuliert es so, dass eine funktionelle Rolle von Silicium beim Menschen bisher nicht identifiziert wurde. Entsprechend gibt es weder einen Schätzwert noch eine empfohlene Zufuhr noch eine tolerierbare Höchstmenge. Die D-A-CH-Referenzwerte führen Silicium ebenfalls nicht.

Diese Einordnung hat eine praktische Konsequenz, die im Handel selten erklärt wird: Silicium steht nicht in Anhang XIII der Lebensmittelinformationsverordnung. Es gibt also keinen Nährstoffbezugswert, kein „Prozent der Referenzmenge" – und weil nährwertbezogene Angaben wie „Quelle von" an genau diesen Bezugswert gekoppelt sind, kann ein Produkt sich auch nicht als Siliciumquelle auszeichnen. Wie das bei den Nährstoffen aussieht, die diese Hürde nehmen, steht in unserem Beitrag zu Ernährung und Haaren.

Zur üblichen Zufuhr: In Westeuropa liegt sie bei etwa 20 bis 50 Milligramm am Tag. In Ländern mit pflanzenbetonter Kost wie China und Indien werden 140 bis 204 Milligramm geschätzt. Eine belastbare deutsche Zahl gibt es nicht – in der Nationalen Verzehrsstudie II wurde Silicium nicht erhoben.

Was der Körper aufnimmt: die Zahlen

In der einzigen unabhängigen Vergleichsstudie nahm der Körper aus alkoholfreiem Bier 64 Prozent des Siliciums auf, aus einer Orthokieselsäure-Lösung 43 Prozent, aus grünen Bohnen 44 Prozent – und aus cholinstabilisierter Orthokieselsäure, der teuersten und am stärksten beworbenen Form, nur 17 Prozent.

Diese Zahl verdient Aufmerksamkeit, weil sie der Vermarktung widerspricht. Die Untersuchung stammt aus dem British Journal of Nutrition und wurde an nüchternen gesunden Probanden durchgeführt, jede Person testete zwei Quellen mit einer Woche Abstand.

Aufnahme aus verschiedenen Quellen, gemessen über die Siliciumausscheidung im Urin. Quelle: Sripanyakorn et al., British Journal of Nutrition 2009. Die Gruppengrößen sind klein (mindestens fünf Personen je Quelle, kolloidale Kieselsäure nur drei) – die Rangfolge ist aussagekräftiger als der einzelne Prozentwert.
Quelle Aufnahme
Monomethylsilanetriol 64 %
Alkoholfreies Bier 64 %
Grüne Bohnen 44 %
Orthokieselsäure-Lösung 43 %
Cholinstabilisierte Orthokieselsäure 17 %
Bananen 4 %
Magnesiumtrisilikat 4 %
Kolloidale Kieselsäure 1 %

Das Fazit der Autoren fällt eindeutig aus: Monomere Silikate werden bereitwillig aufgenommen, partikuläre zunehmend schlechter, je stärker sie polymerisiert sind. Eine ältere Arbeit derselben Arbeitsgruppe fand für Orthokieselsäure in Wasser eine mediane Aufnahme von rund 50 Prozent bei acht Probanden.

Ein Nebenbefund, der einen verbreiteten Werbespruch entkräftet.In derselben Untersuchung wurde geprüft, ob Kieselsäure die Ausscheidung von Aluminium erhöht – die Grundlage für das Argument „Silicium entgiftet Aluminium". Über 32 Stunden zeigte sich keine signifikante Steigerung. Auch die entsprechende Angabe im EU-Register wurde abgelehnt.

Die Studien zu Haaren und Nägeln

Es gibt zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien zu cholinstabilisierter Orthokieselsäure mit Endpunkten an Haaren, Haut und Nägeln – beide mit rund 50 Teilnehmerinnen, beide vom Hersteller des Präparats finanziert, und bei beiden ist der Haar- und Nagelbefund schwächer, als er zitiert wird.

Diese Studien existieren tatsächlich, und es wäre unredlich, sie zu verschweigen. Genauso unredlich wäre es, sie zu präsentieren, ohne zu sagen, was sie gemessen haben.

Wickett und Kollegen, 2007

Design: randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert. 48 Frauen mit feinem Haar, 10 Milligramm Silicium täglich als cholinstabilisierte Orthokieselsäure, neun Monate.

Ergebnis: Die Bruchlast der Haare sank unter Placebo signifikant um 10,8 Prozent, in der Verumgruppe nur um 2,2 Prozent. Die Querschnittsfläche der Haare nahm nach neun Monaten nur in der Verumgruppe gegenüber dem Ausgangswert zu.

Was das heißt: Der Befund lautet überwiegend „unter Placebo signifikant verschlechtert, unter Verum nicht signifikant verschlechtert". Das ist etwas anderes als eine nachgewiesene Verbesserung. Gemessen wurden außerdem Zugfestigkeit und Form einzelner Haare – nicht Haarwachstum, nicht Haardichte, nicht Haarausfall.

Finanzierung: In der Danksagung steht, dass das Präparat von einem der Autoren für den Hersteller entwickelt wurde und die Studie durch dessen Zuwendung unterstützt wurde.

Barel und Kollegen, 2005

Design: randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert. 50 Frauen mit lichtgeschädigter Gesichtshaut, 10 Milligramm Silicium täglich, 20 Wochen.

Ergebnis Haut: Zwei von drei Rauheitsparametern verbesserten sich gegenüber Placebo signifikant.

Ergebnis Haare und Nägel: Der Endpunkt war eine Selbsteinschätzung der Brüchigkeit auf einer visuellen Analogskala. Die Werte waren nach 20 Wochen in der Verumgruppe signifikant besser als zu Beginn – ein Vergleich innerhalb der Gruppe. Ein signifikanter Unterschied gegenüber Placebo wird für Haare und Nägel nicht berichtet. In Werbetexten wird dieser Unterschied regelmäßig eingeebnet.

Finanzierung: identisch formuliert wie oben.

Für Bambusextrakt und Schachtelhalm in Bezug auf Haare ließ sich bei einer systematischen Suche in PubMed keine einzige placebokontrollierte Studie am Menschen finden. Die einzige Untersuchung zu Schachtelhalm und Hautanhangsgebilden, die im Bewertungsbericht der europäischen Arzneimittelbehörde auftaucht, betrifft eine äußerlich aufgetragene Kombination mit einem Schwefeldonor an Nägeln – nicht die Einnahme, nicht Haare, nicht Schachtelhalm allein.

Warum die EFSA alle Angaben abgelehnt hat

Im EU-Register stehen 25 Einträge zu Silicium. Kein einziger ist zugelassen. Abgelehnt wurden sowohl allgemeine Angaben zu Haut, Haaren und Nägeln als auch solche, die namentlich für cholinstabilisierte Orthokieselsäure eingereicht wurden – also mit genau der oben beschriebenen Studie im Antragsdossier.

Das ist der stärkste Punkt dieses Beitrags, und er ist im Register nachlesbar.

Auswahl abgelehnter Angaben zu Silicium, alle bewertet in EFSA Journal 2011;9(6):2259. Der Status im EU-Register lautet durchgehend „nicht zugelassen".
Beantragt wurde sinngemäß Status
Silicium wird für gesunde Haut, Haare und Nägel benötigt nicht zugelassen
Beitrag zur normalen Bildung von Haaren und Nägeln nicht zugelassen
Hilft, die Haardicke zu verbessern nicht zugelassen
Hilft, Haarfestigkeit und Haarelastizität zu erhalten nicht zugelassen
Hilft, das Haarvolumen zu verbessern nicht zugelassen
Beitrag zur normalen Kollagenbildung und Bindegewebsbildung nicht zugelassen
Erhaltung normaler Knochen nicht zugelassen
Schutz vor Aluminium-Ansammlung im Gehirn nicht zugelassen

Eine abgelehnte Angabe bedeutet nicht, dass ein Stoff schädlich ist. Sie bedeutet, dass der eingereichte Nachweis eines Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs die Prüfung nicht bestanden hat. Praktisch heißt das aber: Ein Produkt darf mit Silicium keine Wirkung auf Haare, Haut, Nägel oder Knochen bewerben. Wer es trotzdem tut, bewegt sich außerhalb des Zulässigen.

Auch beim Thema Knochen lohnt der genaue Blick, weil es dort mehr Daten gibt als bei den Haaren. Eine große Querschnittsuntersuchung an 2.847 Personen fand einen Zusammenhang zwischen der Siliciumzufuhr und der Knochendichte bei Männern und Frauen vor den Wechseljahren – aber nicht bei Frauen danach und nicht an der Lendenwirbelsäule. Die Autoren weisen selbst auf ein Problem hin: Die wichtigste Siliciumquelle in der untersuchten Bevölkerung war Bier. Wer viel Silicium aufnimmt, isst also tendenziell auch viel Vollkorn und trinkt Bier – der Zusammenhang lässt sich nicht sauber zuordnen. Eine zwölfmonatige Interventionsstudie an Frauen mit verminderter Knochendichte fand am Ende einen Effekt auf einen einzigen Knochenaufbau-Marker, aber keine signifikante Veränderung der Knochendichte.

Ackerschachtelhalm mit feinen grünen Trieben auf einer Wiese

Schachtelhalm: viel Silicium, wenig davon verfügbar

Ackerschachtelhalm enthält etwa 5 Prozent Silicium – aber nur rund 0,3 Prozent der Pflanze sind wasserextrahierbar. Der beworbene hohe Kieselsäuregehalt landet also zum ganz überwiegenden Teil gar nicht im Tee.

Diese Zahl stammt aus dem Bewertungsbericht des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur. Er hält fest, dass der maximal wasserlösliche Anteil bei einem ohne Kochen zubereiteten Aufguss nur bei 0,3 Prozent lag, und empfiehlt deshalb, den Tee fünf bis fünfzehn Minuten zu kochen.

Interessanter noch ist, wofür Schachtelhalm überhaupt anerkannt ist. Die europäische Monografie führt genau zwei Anwendungen, beide ausschließlich als traditionelle Anwendung, also allein aufgrund langjähriger Verwendung ohne Wirksamkeitsnachweis:

  • zur Steigerung der Harnmenge, um die Harnwege zu durchspülen, unterstützend bei leichten Beschwerden
  • äußerlich zur unterstützenden Behandlung oberflächlicher Wunden

Haare, Nägel, Haut und Knochen stehen nicht darin. Die Spalte für die Anwendung mit anerkannter wissenschaftlicher Wirksamkeit ist in der gesamten Monografie leer.

Ein Sicherheitshinweis, der die Darreichungsform betrifft.Schachtelhalm enthält Thiaminase, ein Enzym, das Vitamin B1 spaltet. Es ist hitzeempfindlich und wird bei 80 Grad vollständig inaktiviert; in industriellen wässrigen Trockenextrakten und in ethanolischen Extrakten wurde keine Aktivität nachgewiesen. Für nicht erhitztes, nicht extrahiertes Pflanzenpulver – also genau die Form, die in vielen Kapseln steckt – schließt der Bewertungsbericht eine Toxizität nicht aus, hält sie in den traditionell üblichen Mengen aber für unwahrscheinlich. In Kanada müssen Hersteller nachweisen, dass ihre Schachtelhalm-Produkte frei von Thiaminase-Aktivität sind.

Nicht anwenden sollten Schachtelhalm-Zubereitungen Menschen, die ihre Flüssigkeitszufuhr einschränken müssen, etwa bei schweren Herz- oder Nierenerkrankungen. Für Kinder unter 12 Jahren, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen.

Wo Silicium tatsächlich drinsteckt

Die siliciumreichsten Lebensmittel sind Haferprodukte. Haferkleie führt mit rund 23 Milligramm je 100 Gramm die von der britischen Lebensmittelbehörde finanzierte Datenbank aller 207 untersuchten Lebensmittel an, Haferflocken liegen bei etwa 11 Milligramm.

Der Gehalt sinkt mit dem Ausmahlungsgrad – Vollkorn liefert mehr als Weißmehl. Das ist derselbe Zusammenhang, der auch bei anderen Mineralstoffen gilt.

Werte je 100 Gramm. Quelle: Powell et al., British Journal of Nutrition 2005, finanziert von der britischen Food Standards Agency. Bei Mineralwasser schwanken die Werte je nach Geologie stark – hier hilft nur die Analyse der jeweiligen Marke.
Lebensmittel Silicium je 100 g
Haferkleie 23,4 mg
Haferflocken, trocken 11,4 mg
Weizenkleie-Cerealie 11,4 mg
Datteln, getrocknet 16,6 mg
Grüne Bohnen, gekocht 8,7 mg
Müsli 5,6 mg
Spinat, gekocht 5,1 mg
Banane, roh 4,8 mg
Vollkornbrot 4,8 mg
Rote Linsen, gekocht 4,4 mg
Weizenvollkornmehl 3,0 mg
Cornflakes 1,9 mg
Stilles Mineralwasser 0,5 mg
Leitungswasser 0,25 mg

Nicht nachweisbar war Silicium in Tomaten, Orangen und Zwiebeln.

Der Vollständigkeit halber gehört ein Befund dazu, der sich als Empfehlung verbietet: Ernährungswissenschaftlich ist Bier die bioverfügbarste verbreitete Siliciumquelle. Eine Untersuchung von 76 Bieren ergab im Mittel 19,2 Milligramm je Liter, und rund 55 Prozent davon werden aufgenommen – das Silicium stammt aus den Gerstenspelzen und liegt überwiegend in der gut löslichen Einzelmolekülform vor. In einer finnischen Auswertung stammten 44 Prozent der Siliciumzufuhr erwachsener Männer aus Bier. Als Ratschlag taugt das aus naheliegenden Gründen nicht; dieselben Mengen lassen sich über Hafer, Vollkorn und grüne Bohnen abdecken.

Frische grüne Bohnen in einem Leinentuch neben zwei Scheiben Vollkornbrot

Sicherheit und Höchstmengen

Silicium aus Lebensmitteln gilt als unbedenklich. Die EFSA konnte 2004 mangels Daten keine tolerierbare Höchstmenge ableiten, stufte die übliche Zufuhr von 20 bis 50 Milligramm am Tag aber als unbedenklich ein. Für Nahrungsergänzungsmittel schlägt das Bundesinstitut für Risikobewertung Höchstmengen je Tagesportion vor.

Höchstmengenvorschläge des Bundesinstituts für Risikobewertung je Tagesverzehrempfehlung eines Nahrungsergänzungsmittels.
Form Vorgeschlagene Höchstmenge
Siliciumdioxid 350 mg
Kieselsäure-Gel 100 mg
Cholinstabilisierte Orthokieselsäure 10 mg
Monomethylsilanetriol 10 mg

Zu unerwünschten Wirkungen ist die Datenlage dünn, aber unauffällig. In der zwölfmonatigen Interventionsstudie mit bis zu 12 Milligramm Silicium täglich traten keine präparatbezogenen unerwünschten Ereignisse auf.

Ein oft zitiertes Risiko sind Silikat-Nierensteine. Es ist dokumentiert, aber die Größenordnung gehört dazu: Weltweit wurden seit den 1930er Jahren weniger als 30 Fälle berichtet, und zwar ausschließlich im Zusammenhang mit magnesiumtrisilikathaltigen Magenmitteln, die über Jahre in Gramm-Mengen eingenommen wurden. Die EFSA hielt 2018 fest, dass sich in der europäischen Nebenwirkungsdatenbank trotz jahrzehntelanger Anwendung solcher Präparate keine Signale zu Nieren oder Harnwegen finden ließen.

Zum Zusatzstoff E 551, also Siliciumdioxid in Lebensmitteln: Die EFSA hat ihn 2024 erstmals nach ihren nanospezifischen Kriterien neu bewertet. Ergebnis: kein Genotoxizitätsverdacht, und der Sicherheitsabstand liegt in allen Bevölkerungsgruppen über dem geforderten Wert. Die Behörde benennt gleichzeitig die verbleibende Unsicherheit durch die geringe Zahl geeigneter toxikologischer Studien.

Was daraus folgt

Wer brüchige Haare hat, löst das Problem sehr wahrscheinlich nicht über Silicium. Sinnvoller ist die Frage, ob die Eiweißzufuhr stimmt, ob ein tatsächlicher Nährstoffmangel vorliegt und ob in den letzten Monaten eine starke Ernährungsumstellung stattgefunden hat.

Das ist keine Absage an eine gute Nährstoffversorgung, im Gegenteil. Es ist eine Absage an die Vorstellung, dass ein einzelnes Element die Antwort ist. Welche Nährstoffe bei Haaren tatsächlich eine belegte Rolle spielen und warum die Zeitachse dabei entscheidend ist, steht in unserem Beitrag zu Ernährung und Haaren. Die Übersicht über Haare, Haut und Nägel gemeinsam findest du unter Haare, Haut und Nägel.

Und unser eigenes Produkt?Grape+C enthält 80 Milligramm Bambusextrakt mit 60 Milligramm Kieselsäure je Tagesportion. Nach allem, was oben steht, ist das kein Haar-Argument, und wir formulieren es auch nicht so. Was das Produkt trägt, ist eine andere, tatsächlich zugelassene Angabe: Es liefert 100 Milligramm Vitamin C je Tagesportion, und Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei. Zum Hauptbestandteil, dem Traubenkernextrakt, haben wir eine eigene Seite: OPC Traubenkernextrakt.

Wenn es dir nicht um Silicium geht, sondern darum, die Versorgung insgesamt abzusichern, ist das sinnvoller angesetzt. Von den Nährstoffen, die überhaupt eine anerkannte Verbindung zum Haar haben, steckt keiner im Bambusextrakt – sie stecken in Zink, Selen, Biotin und Kupfer.

Die Nährstoffe, für die es tatsächlich eine Angabe gibt.

Unser Nährstoffpaket bündelt DailyVit, Grape+C, MSM-Pro und Omega+. Für die Haare tragen die vier Nährstoffe aus dem DailyVit: Zink, Selen und Biotin tragen zur Erhaltung normaler Haare bei, Kupfer trägt zu einer normalen Haarpigmentierung bei. Alle vier liegen dort deutlich über der gesetzlichen Mindestmenge von 15 Prozent des Nährstoffbezugswerts und klar unter den Höchstwerten – Selen mit 50 Mikrogramm bei einem Grenzwert von 255, Zink mit 10 Milligramm bei 25.

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Die vollständige Rechnung dazu, warum wir die offiziellen Referenzwerte für zu niedrig angesetzt halten und wo trotzdem die Obergrenze liegt, steht im Beitrag zu Ernährung und Haaren.

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Dann liegt es häufiger am Tempo der Umstellung als an einem einzelnen Nährstoff. Bei der Stoffwechselkur rechnen wir die Mengen individuell aus, das Konzept ist eiweißbetont, und Magdalena begleitet dich täglich persönlich per WhatsApp.

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Häufige Fragen

Hilft Kieselsäure gegen brüchige Haare und Nägel?

Ein Nachweis dafür fehlt. Die einzigen randomisierten Studien wurden vom Hersteller des geprüften Präparats finanziert, und bei Haaren und Nägeln beruhte der Befund entweder auf einer Selbsteinschätzung ohne signifikanten Unterschied zu Placebo oder darauf, dass sich die Werte unter Placebo verschlechterten. Die EFSA hat alle entsprechenden Angaben abgelehnt.

Ist Kieselsäure ein essenzieller Nährstoff?

Nein. Weder das US Institute of Medicine noch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung führt einen Referenzwert für Silicium, eine funktionelle Rolle beim Menschen ist nicht identifiziert, und ein Mangel wurde nicht beobachtet. Silicium steht auch nicht in der Liste der deklarierbaren Nährstoffe der Lebensmittelinformationsverordnung.

Welche Form von Kieselsäure ist am besten verfügbar?

Gelöste Orthokieselsäure. Je stärker Silicium polymerisiert ist, desto schlechter wird es aufgenommen. In der Vergleichsstudie lag alkoholfreies Bier bei 64 Prozent, Orthokieselsäure-Lösung bei 43 Prozent, cholinstabilisierte Orthokieselsäure bei 17 Prozent und kolloidale Kieselsäure bei 1 Prozent.

Ist Schachtelhalmtee eine gute Siliciumquelle?

Nur begrenzt. Die Pflanze enthält zwar rund 5 Prozent Silicium, aber nur etwa 0,3 Prozent davon sind wasserextrahierbar. Der europäische Bewertungsbericht empfiehlt deshalb, den Tee fünf bis fünfzehn Minuten zu kochen statt ihn nur zu überbrühen.

Kann Schachtelhalm schaden?

Er enthält Thiaminase, ein Enzym, das Vitamin B1 spaltet. Es wird durch Hitze zerstört und ist in ethanolischen sowie industriell hergestellten wässrigen Extrakten nicht nachweisbar. Aufmerksamkeit verdient nicht erhitztes Pflanzenpulver in Kapseln. Nicht anwenden sollten Schachtelhalm-Zubereitungen Menschen, die ihre Flüssigkeitszufuhr einschränken müssen.

Welche Lebensmittel enthalten viel Kieselsäure?

Haferkleie mit rund 23 Milligramm je 100 Gramm, Haferflocken mit etwa 11, getrocknete Datteln mit knapp 17, grüne Bohnen mit rund 9 und Vollkornbrot mit knapp 5 Milligramm. Der Gehalt sinkt mit dem Ausmahlungsgrad des Getreides.

Was ist dann sinnvoll, wenn Kieselsäure es nicht ist?

Die Nährstoffe, für die es überhaupt eine anerkannte Verbindung zum Haar gibt: Zink, Selen, Biotin und Kupfer. Sie stecken in unserem DailyVit, das Bestandteil des Nährstoffpakets ist, jeweils deutlich über der gesetzlichen Mindestmenge und klar unter den Höchstwerten. Wichtiger als jedes Präparat bleibt aber die Frage, ob überhaupt ein Mangel vorliegt und ob in den letzten Monaten eine starke Ernährungsumstellung stattgefunden hat.

Warum darf auf Verpackungen nichts über Silicium und Haare stehen?

Weil im EU-Register keine einzige der 25 eingereichten Silicium-Angaben zugelassen wurde. Ohne zugelassene Angabe ist jede gesundheitsbezogene Aussage zu einem Stoff unzulässig, auch eine vorsichtig formulierte.

Quellen

  • Europäische Kommission: EU-Register für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel. Abruf 24.08.2026.
  • EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies: Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to silicon. EFSA Journal 2011;9(6):2259.
  • EFSA: Opinion of the Scientific Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies on the Tolerable Upper Intake Level of Silicon. EFSA Journal 2004;60:1–11.
  • EFSA Panel on Food Additives and Flavourings: Re-evaluation of silicon dioxide (E 551) as a food additive. EFSA Journal 2024;22(10):e8880; sowie EFSA Journal 2018;16(1):5088.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Höchstmengenvorschläge für den Zusatz von Silicium zu Lebensmitteln einschließlich Nahrungsergänzungsmitteln.
  • Institute of Medicine, Food and Nutrition Board: Dietary Reference Intakes for Vitamin A, Vitamin K, Arsenic, Boron, Chromium, Copper, Iodine, Iron, Manganese, Molybdenum, Nickel, Silicon, Vanadium and Zinc. Kapitel Silicon, 2001.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr.
  • Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII Teil A; Verordnung (EG) Nr. 1924/2006; Verordnung (EU) Nr. 432/2012.
  • Jugdaohsingh R: Silicon and bone health. The Journal of Nutrition, Health and Aging 2007;11(2):99–110.
  • Sripanyakorn S, Jugdaohsingh R, Dissayabutr W et al.: The comparative absorption of silicon from different foods and food supplements. British Journal of Nutrition 2009;102(6):825–834.
  • Sripanyakorn S, Jugdaohsingh R, Elliott H et al.: The silicon content of beer and its bioavailability in healthy volunteers. British Journal of Nutrition 2004;91(3):403–409.
  • Reffitt DM, Jugdaohsingh R, Thompson RP, Powell JJ: Silicic acid – its gastrointestinal uptake and urinary excretion in man and effects on aluminium excretion. Journal of Inorganic Biochemistry 1999;76(2):141–147.
  • Powell JJ, McNaughton SA, Jugdaohsingh R et al.: A provisional database for the silicon content of foods in the United Kingdom. British Journal of Nutrition 2005;94(5):804–812.
  • Wickett RR, Kossmann E, Barel A et al.: Effect of oral intake of choline-stabilized orthosilicic acid on hair tensile strength and morphology in women with fine hair. Archives of Dermatological Research 2007;299(10):499–505.
  • Barel A, Calomme M, Timchenko A et al.: Effect of oral intake of choline-stabilized orthosilicic acid on skin, nails and hair in women with photodamaged skin. Archives of Dermatological Research 2005;297(4):147–153.
  • Jugdaohsingh R, Tucker KL, Qiao N et al.: Dietary silicon intake is positively associated with bone mineral density in men and premenopausal women of the Framingham Offspring cohort. Journal of Bone and Mineral Research 2004;19(2):297–307.
  • Spector TD, Calomme MR, Anderson SH et al.: Choline-stabilized orthosilicic acid supplementation as an adjunct to calcium/vitamin D3 stimulates markers of bone formation in osteopenic females. BMC Musculoskeletal Disorders 2008;9:85.
  • Europäische Arzneimittel-Agentur, Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel: European Union herbal monograph on Equisetum arvense L., herba, 2016; sowie Assessment report on Equisetum arvense L., herba, 2016.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und gesunde Lebensweise. Wenn du Vorerkrankungen hast, Medikamente einnimmst, schwanger bist oder stillst, sprich vor der Einnahme mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.