Hochverarbeitete Lebensmittel sind industriell hergestellte Produkte, die Zutaten enthalten, die in einer Haushaltsküche kaum vorkommen, etwa Proteinisolate, Maltodextrin, Aromen, Emulgatoren oder Süßstoffe. So definiert es die NOVA-Klassifikation (Gruppe 4). Kausal belegt ist bisher vor allem eines: Wer davon frei essen kann, isst mehr Energie. Zusammenhänge mit Krankheiten sind konsistent, aber meist von niedriger Evidenzqualität. Entscheidender als das Etikett „hochverarbeitet“ sind Energiedichte, Nährstoffprofil und wie schnell sich etwas essen lässt.
Hier findest du die Erkennungsregel, eine Liste mit gering verarbeiteten Alternativen, die neuen Experimente von 2025 und 2026, die in den meisten Ratgebern noch fehlen, und einen Zwei-Stufen-Check für den Einkauf. Außerdem sagen wir offen, wie unsere eigenen Produkte einzustufen sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Nach NOVA reicht eine einzige typische Zutat wie Molkenprotein, Maltodextrin, Aroma oder Emulgator, damit ein Produkt als hochverarbeitet gilt. Auch abgepacktes Vollkornbrot, Fruchtjoghurt und Proteinpulver fallen darunter.
- Fachleute sind sich bei der Zuordnung oft uneinig: Bei 159 bzw. 177 Befragten lag die Übereinstimmung nur bei κ = 0,32 bzw. 0,34.
- Eine Übersichtsarbeit mit fast 9,9 Millionen Personen zeigt viele Zusammenhänge mit Krankheiten. Die Evidenzqualität war aber in 41 von 45 Analysen niedrig oder sehr niedrig.
- Nicht alle hochverarbeiteten Lebensmittel sind gleich: Gesüßte Getränke und Wurstwaren tragen das Risiko, Vollkornbrot, Cerealien und Joghurt nicht.
- Die Experimente zeigen einen klaren Mechanismus. Allein eine langsamer zu essende Textur senkte die Aufnahme innerhalb reiner Fertigkost um 369 Kilokalorien pro Tag.
- Die S3-Leitlinie Adipositas empfiehlt, hochverarbeitete Lebensmittel mit hoher Energiedichte zu begrenzen. Eine belegte Obergrenze in Prozent gibt es nicht.
Inhalt
Was sind hochverarbeitete Lebensmittel?
Hochverarbeitete Lebensmittel, international „Ultra-Processed Food“ oder kurz UPF, sind nach der NOVA-Klassifikation industriell hergestellte Rezepturen, die zu großen Teilen aus Stoffen bestehen, die aus Lebensmitteln gewonnen oder verändert wurden. Das System stammt von einer brasilianischen Forschungsgruppe um Carlos Monteiro. NOVA sortiert Lebensmittel nach Ausmaß und Zweck der industriellen Verarbeitung, nicht nach Nährwerten.
Die vier NOVA-Gruppen an einem Beispiel
Am deutlichsten wird das System, wenn man ein einziges Lebensmittel durch alle vier Gruppen verfolgt, hier die Kartoffel:
| NOVA-Gruppe | Bedeutung | Beispiel Kartoffel |
|---|---|---|
| 1 | unverarbeitet oder gering verarbeitet | frische Kartoffeln |
| 2 | verarbeitete Küchenzutaten | Kartoffelstärke, Speiseöl, Salz |
| 3 | verarbeitete Lebensmittel aus Gruppe 1 plus Zutaten aus Gruppe 2 | Kartoffeln aus der Konserve, nur mit Wasser und Salz |
| 4 | hochverarbeitete Lebensmittel | Stapelchips aus Kartoffelflocken mit Emulgator und Aroma |
Die Erkennungsregel: ein einziges Merkmal reicht
Die NOVA-Autoren haben 2019 eine praktische Regel formuliert. Ein Produkt gilt als hochverarbeitet, sobald die Zutatenliste mindestens eines von zwei Merkmalen enthält:
- eine Zutat, die in Haushaltsküchen kaum verwendet wird, etwa Maissirup mit hohem Fructosegehalt, gehärtete oder umgeesterte Öle oder hydrolysierte Proteine;
- eine Zusatzstoffklasse mit „kosmetischer“ Funktion, also Aromen, Geschmacksverstärker, Farbstoffe, Emulgatoren, Süßungsmittel oder Verdickungsmittel.
Die deutsche S3-Leitlinie Adipositas von 2024 übernimmt diese Logik und nennt als Merkmale unter anderem Sojaproteinisolat, Gluten, Kasein, Molkenprotein, Fructose, Maltodextrin, Dextrose, Lactose, lösliche oder unlösliche Ballaststoffe, Aromen, Süßstoffe und Konservierungsstoffe. Ein großer Teil der Produkte, die als „Fitness“ oder „Protein“ vermarktet werden, fällt darunter.
Hochverarbeitet, stark verarbeitet, Ultra-Processed: dasselbe?
Im Alltag werden die drei Begriffe gleich verwendet. Rechtlich festgelegt ist keiner davon. Das Max Rubner-Institut (MRI), das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, schreibt dazu: „Die Begriffe ‚verarbeitet' und im Speziellen ‚stark verarbeitet' sind weder in der Lebensmittelgesetzgebung noch in der wissenschaftlichen Fachliteratur einheitlich definiert.“ Die DGE nennt fünf gebräuchliche Systeme, darunter NOVA, und stellt fest, dass es noch keinen wissenschaftlichen Konsens über einheitliche Kriterien gibt. NOVA ist schlicht das am häufigsten genutzte System.
Liste: Was gilt als hochverarbeitet?
Nach NOVA gelten laut DGE unter anderem „Softdrinks, Chips, Konfitüren, Tiefkühl- und Fertiggerichte, aber auch abgepacktes Vollkornbrot, Fruchtjoghurt, pflanzenbasierte Fleischalternativen oder Säuglingsnahrung“ als hochverarbeitet. Die Spannweite ist groß, und genau deshalb ist die Spalte rechts wichtig: Sie zeigt, wie sich die Produktgruppen in großen Kohortenstudien verhalten haben.
| Produktgruppe (meist NOVA 4) | Gering verarbeitete Alternative | In Kohortenstudien |
|---|---|---|
| Softdrinks, Eistee, gesüßte Getränke | Wasser, ungesüßter Tee | mit höherem Risiko verbunden |
| Wurst, Schinken, Fleischwaren | unverarbeitetes Fleisch, Fisch, Eier | mit höherem Risiko verbunden |
| Fertiggerichte, Tiefkühlpizza | selbst gekochte Mahlzeit | eher mit höherem Risiko verbunden |
| Weißbrot und Toast, abgepackt | Brot ohne Zusatzstoffe, etwa vom Bäcker | eher mit höherem Risiko verbunden |
| Fertigsaucen und Aufstriche | Tomaten aus der Dose, eigene Sauce | eher mit höherem Risiko verbunden |
| Abgepacktes Vollkornbrot | Vollkornbrot vom Bäcker | nicht erhöht, teils niedriger |
| Frühstückscerealien | Haferflocken | nicht erhöht, teils niedriger |
| Fruchtjoghurt, Milchdesserts | Naturjoghurt mit Obst | nicht erhöht, teils niedriger |
| Pflanzliche Fleischalternativen | Tofu, Hülsenfrüchte | in EPIC kein Zusammenhang |
Die rechte Spalte fasst drei große Auswertungen zusammen (Chen 2023, Mendoza 2024, Cordova 2023, Details unten). Es sind Beobachtungsdaten, sie zeigen Tendenzen und keine Ursachen. Wie du pflanzliche Alternativen konkret vergleichst, steht im Artikel darüber, welche Fleischersatzprodukte wirklich taugen.
Überraschend hochverarbeitet
Abgepacktes Vollkornbrot mit Emulgator, Fruchtjoghurt mit Aroma, viele Pflanzendrinks, praktisch jedes Proteinpulver und wegen der Süßstoffe auch zuckerfreie Getränke.
Was nicht hochverarbeitet ist
Tiefkühlgemüse ohne Zusätze, Naturjoghurt, Haferflocken, Hülsenfrüchte aus der Dose mit Wasser und Salz, Tomaten in der Dose, Nüsse, Eier, frisches oder tiefgekühltes Fleisch und Fisch. „Aus der Packung“ heißt also nicht automatisch hochverarbeitet. Entscheidend ist die Zutatenliste, nicht die Verpackung.

Warum die Definition umstritten ist
Die NOVA-Definition ist in der Fachwelt umstritten, weil sie schwer reproduzierbar ist und sehr unterschiedliche Lebensmittel in eine Gruppe steckt. Das ist keine Randmeinung, deutsche Behörden und Fachgesellschaften teilen diese Kritik.
Wenn Fachleute zuordnen sollen
In einer französischen Untersuchung ordneten 159 Fachleute 120 Markenprodukte mit Zutatenliste den NOVA-Gruppen zu, 177 Fachleute taten dasselbe mit 111 generischen Lebensmitteln. Die Übereinstimmung lag bei Fleiss' κ = 0,32 bzw. 0,34. Das gilt als geringe Übereinstimmung. Jede Studie, die „UPF-Anteile“ misst, hängt also auch an Einstufungsregeln.
Ein Grenzfall aus unserem eigenen Sortiment zeigt das Problem: SmartPasta & Rice besteht aus Wasser, Konjakmehl und Zitronensäure. Je nach Leseart landet das Produkt in NOVA-Gruppe 3 oder 4.
Rezeptur, Verfahren und der Ort der Zubereitung
Das MRI kritisiert, dass NOVA Rezeptur und Verfahren vermischt und teils nur das Ziel einer Behandlung bewertet, etwa die Haltbarmachung. Derselbe Verarbeitungsschritt wird unterschiedlich eingestuft, je nachdem, ob er in der Haushaltsküche, im Restaurant oder in einer Fabrik stattfindet. Das Fazit des Instituts vom August 2025 ist deutlich: „Nach aktueller Studienlage ist die weit verbreitete Klassifizierung nach dem NOVA-System nicht für eine differenzierte Beurteilung des Einflusses der Verarbeitung auf die gesundheitlichen Wirkungen von Lebensmitteln geeignet.“
Eine verbreitete Behauptung lässt sich dabei sogar direkt widerlegen: dass hochverarbeitete Lebensmittel den Blutzucker besonders stark steigen lassen. Eine Auswertung von 1.995 Lebensmitteln fand keinen Zusammenhang zwischen NOVA-Gruppe und glykämischem Index. Der mittlere Wert lag für gering verarbeitete Lebensmittel bei 54,1, für verarbeitete bei 53,2 und für hochverarbeitete bei 49,3, ohne signifikanten Unterschied.
Zwei Positionen nebeneinander
Auf der einen Seite steht die DGE. Jakob Linseisen fasste auf der DGE-Arbeitstagung 2025 zusammen: „Ob Lebensmittel gesund oder ungesund sind, hängt von ihrem Nährstoffprofil ab, nicht allein von ihrem Verarbeitungsgrad.“ Auf der anderen Seite steht eine Artikelserie im Fachjournal Lancet vom November 2025. Sie sieht die Verdrängung traditioneller Ernährungsmuster durch hochverarbeitete Lebensmittel als „key driver“, also als zentrale Triebkraft chronischer Erkrankungen. Die Serie stammt von der Autorengruppe, die NOVA entwickelt hat. Das macht sie nicht falsch, aber sie ist eine Positionsübersicht und kein wissenschaftlicher Konsens. Alternativen zu NOVA sind in Arbeit (Trumbo 2024, IUFoST 2025).
Was die Studien zeigen
Die Studienlage hat zwei Teile: riesige Beobachtungsstudien mit schwacher Aussagekraft über Ursachen und wenige kleine Experimente mit klarer Aussage über einen Mechanismus.
Beobachtungsdaten: groß, konsistent, aber mit niedriger Evidenzqualität
Evidenz B · Zusammenhang konsistent, Ursache offen
Die größte Übersichtsarbeit (Lane 2024, BMJ) bündelt 45 Analysen mit zusammen 9.888.373 Personen. Ein höherer UPF-Anteil ging mit 32 der 45 Gesundheitsparameter einher, darunter Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Sterblichkeit und Adipositas. Nach dem Bewertungssystem GRADE war die Evidenzqualität aber in 22 Analysen niedrig, in 19 sehr niedrig und nur in 4 moderat. Eine deutsche Übersichtsarbeit (Barbaresko 2025) kommt zu kleinen Effektgrößen und schreibt offen, es sei unklar, ob die Verarbeitung selbst das Risiko erhöhe oder ob der UPF-Anteil nur ein Marker für eine insgesamt schlechtere Ernährung sei. Die DGE fand 2023 in einer systematischen Recherche 37 Studien. Zehn davon hatten ein moderates, 27 ein hohes Verzerrungsrisiko. Mehr dazu im Artikel Fast Food: was wirklich drinsteckt.
Eine Zahl, die oft falsch zitiert wird. Häufig liest man, rund die Hälfte der Kalorien in Deutschland stamme aus hochverarbeiteten Lebensmitteln. Die zugrunde liegende DGE-Angabe bezieht sich aber auf verarbeitete und stark verarbeitete Lebensmittel zusammen, und die Daten stammen aus den Jahren 2005 bis 2007. Eine aktuelle, belastbare Quote nur für hochverarbeitete Lebensmittel gibt es für Erwachsene in Deutschland nicht.
Nicht alle hochverarbeiteten Lebensmittel sind gleich
Evidenz A · Unterschiede gut belegt
Dieser Befund fehlt in den meisten Darstellungen. In drei großen US-Kohorten mit rund 198.600 Personen war ein hoher UPF-Anteil insgesamt mit einem um 46 Prozent höheren Diabetesrisiko verbunden, verglichen wurde das höchste mit dem niedrigsten Fünftel (Chen 2023). Aufgeschlüsselt gingen Cerealien, dunkles und Vollkornbrot, Joghurt und Milchdesserts aber mit einem niedrigeren Risiko einher. Weißbrot, Saucen, gesüßte Getränke, tierische Produkte und Fertiggerichte trieben das Risiko. Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigte sich dasselbe Muster (Mendoza 2024). In der europäischen EPIC-Kohorte mit 266.666 Personen, auch aus Heidelberg und Potsdam, waren UPF-Brot und Cerealien sowie pflanzliche Alternativen nicht mit Multimorbidität verbunden, tierische Produkte und gesüßte Getränke schon (Cordova 2023). Die DGE bestätigte 2025: Die stärksten negativen Zusammenhänge gibt es bei Erfrischungsgetränken und hochverarbeiteten Wurstwaren.
Die Experimente: was im kontrollierten Versuch passiert
Evidenz A · Mehraufnahme bei freier Menge
Hall 2019. Die bekannteste Studie: 20 Erwachsene lebten in einer Klinik, aßen je zwei Wochen hochverarbeitete und unverarbeitete Kost und durften so viel essen, wie sie wollten. Unter hochverarbeiteter Kost nahmen sie im Schnitt 508 Kilokalorien pro Tag mehr auf. Ein Detail wird fast immer falsch wiedergegeben: Die Energiedichte war nur einschließlich der Getränke angeglichen. Die festen Speisen der hochverarbeiteten Kost hatten eine etwa 85 Prozent höhere Energiedichte, was die Autoren selbst als wahrscheinlichen Mitgrund nennen. Ausführlich eingeordnet haben wir das im Artikel darüber, warum stark verarbeitete Kost vor allem die Aufnahme und nicht den Verbrauch verändert.
Dicken 2025. 55 Erwachsene mit einem BMI zwischen 25 und 40, die gewohnheitsmäßig viel hochverarbeitet aßen, bekamen je acht Wochen lang zwei Kostformen geliefert. Beide waren nach den britischen Ernährungsleitlinien zusammengestellt, die Menge war frei. Das Ergebnis: Mit beiden Kostformen nahmen die Teilnehmenden ab, mit gering verarbeiteter Kost um 2,06 Prozent des Körpergewichts, mit hochverarbeiteter um 1,05 Prozent. Die Nährstoffqualität zählt also, und die Verarbeitung zählt zusätzlich. Mehrere Autoren geben Interessenkonflikte an, Kevin Hall ist Mitautor.
Forde 2026. Diese Studie trennt den Verarbeitungsgrad erstmals von der Textur. 41 normalgewichtige Erwachsene aßen je 14 Tage lang ausschließlich hochverarbeitete Kost. Schmackhaftigkeit, Portionsgröße, angebotene Energie, Energiedichte ohne Getränke und Vielfalt waren angeglichen. Der einzige Unterschied war, ob sich die Speisen schnell oder langsam essen ließen. Mit der langsamen Textur nahmen die Teilnehmenden 369 Kilokalorien pro Tag weniger auf, und zwar konstant über zwei Wochen. Die Fettmasse sank um 0,43 Kilogramm, das Körpergewicht blieb gleich. Einschränkungen: junge, normalgewichtige Teilnehmende, und der Erstautor gibt Vortragshonorare aus der Industrie an.
Eine kleine eintägige Studie mit 19 Personen passt dazu: Bei festen Portionen änderte der Verarbeitungsgrad nichts an der späteren Aufnahme (Barros 2026). Der Effekt entsteht offenbar dort, wo die Menge frei ist.
Zusatzstoffe: Hinweise, keine Nachweise
Evidenz B · Beobachtung
In der französischen NutriNet-Santé-Kohorte mit 95.442 Personen war eine höhere Aufnahme bestimmter Emulgatoren mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, darunter Cellulosen (E460 bis E468) sowie Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren (E471/E472). Die Risikoerhöhungen waren klein, es ist eine einzelne Beobachtungsstudie, und zugelassene Zusatzstoffe gelten nach EU-Bewertung als sicher. Süßstoffe behandeln wir im Artikel über Light-Produkte und ihr Etikett.

Machen hochverarbeitete Lebensmittel dick?
Hochverarbeitete Lebensmittel machen es leichter, mehr zu essen, als man braucht. Das ist der Kern dessen, was belegt ist. Die DGE formulierte 2025, Interventionsstudien zeigten bei hohem Verzehranteil nachteilige Effekte „insbesondere auf das Körpergewicht. Hauptursache scheint die höhere Energiezufuhr durch UPF zu sein, begünstigt durch hohe Energiedichte und weiche Texturen.“
Drei Stellschrauben erklären den Effekt:
- Energiedichte: Viel Energie auf wenig Volumen. Auf dem Teller sieht die Portion klein aus, in der Bilanz ist sie groß.
- Textur: Weiche, wenig zu kauende Speisen. Das MRI beschreibt, dass eine stark veränderte Lebensmittelmatrix, etwa Saft statt Obst, zu weniger Kauen, schnellerem Verzehr und verspäteter Sättigung führen kann.
- Esstempo: Wer schneller isst, isst mehr, bevor das Sättigungssignal ankommt. Genau diesen Hebel hat Forde 2026 isoliert.
Die S3-Leitlinie Adipositas zieht daraus eine präzise Empfehlung: „den Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln mit hoher Energiedichte zu begrenzen“. Das ist ein Expertenkonsens mit 100 Prozent Zustimmung. Ausdrücklich nicht gemeint sind energiedichte Lebensmittel allgemein wie Nüsse, Öle oder fetter Fisch. Zeitersparnis und Genuss sollen dabei im Rahmen der individuellen Nutzen-Schaden-Abwägung berücksichtigt werden. Eine Obergrenze in Prozent gibt es nicht. Die DGE hält Empfehlungen zum Anteil erst nach weiteren Studien für möglich.
Warum Kalorienzählen allein bei freier Menge an Grenzen stößt, erklären wir im Artikel über IIFYM, wie es im Alltag realistisch funktioniert, im Beitrag zum Kalorienzählen. Und wer beim Abnehmen lieber mit einem festen Rahmen arbeitet als mit freier Menge, findet in unserem Ratgeber zur Stoffwechselkur ein Konzept mit festgelegten Mahlzeiten, individuell berechnetem Bedarf und täglicher persönlicher Begleitung per WhatsApp. Das ist ein Erfahrungswert aus unserer Begleitung, kein Wirkversprechen: Wenn die Mahlzeiten festgelegt sind, muss die Frage „Wie viel davon?“ nicht jedes Mal neu entschieden werden.
Der Zwei-Stufen-Check für den Einkauf
„Ist das hochverarbeitet?“ allein sortiert abgepacktes Vollkornbrot und Cola in dieselbe Schublade. Sinnvoller ist ein Check in zwei Stufen.
Stufe 1: Enthält die Zutatenliste NOVA-Merkmale? Also Aromen, Emulgatoren, Süßstoffe, Verdickungsmittel, Proteinisolate, Maltodextrin, Dextrose oder gehärtete Fette. Wenn nein, bewertest du es wie jedes gering verarbeitete Lebensmittel. Wenn ja, folgt Stufe 2.
Stufe 2: Was steckt drin, und wie isst du es?
- Wie energiedicht ist das Produkt? Der Brennwert pro 100 Gramm steht auf jeder Nährwerttabelle.
- Wie viel Zucker, Salz und gesättigte Fette enthält es? Wie du Zucker unter seinen vielen Namen erkennst, steht im Artikel Zucker: wie viel am Tag und wie du ihn erkennst.
- Liefert es nennenswert Eiweiß oder Ballaststoffe?
- Isst du es schnell und in großer Menge, direkt aus der Tüte, oder in einer festen Portion als Teil einer Mahlzeit?
| Produkt | Stufe 1: NOVA 4? | Stufe 2: Einschätzung |
|---|---|---|
| Softdrink | ja | flüssige Energie, schnell getrunken, kein Eiweiß: am ehesten weglassen |
| Stapelchips | ja | sehr energiedicht, zum schnellen Essen gemacht: selten und bewusst |
| Salami | ja | energiedicht, salzig, in Kohorten auffällig: kleine Mengen |
| Abgepacktes Vollkornbrot | oft ja | Ballaststoffe, in Kohorten unauffällig: kein Grund zum Streichen |
| Fruchtjoghurt | ja | Eiweiß, aber oft zugesetzter Zucker: Naturjoghurt mit Obst ist die bessere Wahl |
| Naturjoghurt | nein | Eiweiß, kein zugesetzter Zucker: problemlos |
Welche Lebensmittel sich für eine eiweißbetonte, kalorienbewusste Ernährung eignen, zeigt unsere Stoffwechselkur-Einkaufsliste.
Selbst kochen oder Fertigprodukt?
Selbst kochen gibt dir die Kontrolle über Energiedichte, Portion und Esstempo, und genau diese drei Größen sind nach heutigem Stand die entscheidenden. Das ist der eigentliche Vorteil, nicht das Etikett „selbst gemacht“. Eine Sahnesauce aus der eigenen Küche kann genauso energiedicht sein wie eine aus dem Glas.
Zwei verbreitete Annahmen halten einer Prüfung nicht stand. Erstens ist Selbstkochen nicht automatisch billiger: In der Hall-Studie kosteten die Zutaten für 2.000 Kilokalorien pro Tag in der hochverarbeiteten Variante 106 US-Dollar pro Woche, in der unverarbeiteten 151 US-Dollar. Zweitens ist eine lange Zutatenliste kein geprüftes Gesundheitskriterium.
Realistisch ist ein Mittelweg: schnelle, gering verarbeitete Grundlagen wie Tiefkühlgemüse, Hülsenfrüchte aus der Dose, Eier und Naturjoghurt plus einige Mahlzeiten auf Vorrat (siehe Meal Prep). Was eine gesunde Ernährung insgesamt ausmacht, fasst der Artikel Gesunde Ernährung: was wirklich zählt zusammen.
Erfahrungswert · Beratungspraxis
In unserer Kurbegleitung beurteilen wir Fertigprodukte nicht nach dem Verarbeitungsgrad, sondern nach Zutatenliste und Nährwerten. Teilnehmende schicken uns dafür ein Foto von Zutatenliste und Nährwerten. Bei Fleischersatz schauen wir zuerst auf den Eiweißanteil und die Zubereitung, eine abgewogene Portion Fertigsauce ist in Ordnung, Fertigsuppen dagegen sind während der Kur nicht vorgesehen. Im KurGuide stehen unter „Lebensmittel, die du meiden solltest“ ausdrücklich „Fertigsuppen, Tiefkühlpizzen und jegliche andere Produkte, die du nicht selbst zubereitest“.

Und unsere eigenen Produkte?
Auch unsere eigenen Produkte sind nach NOVA hochverarbeitet: der DailyShake, die DailyWraps, die Fluffy Bar, die DailyChips und die Protein Pancakes. Das sagen wir so deutlich, weil es stimmt. Eine Grauzone gibt es dabei nicht.
- DailyShake: Sojaeiweiß-Isolat, Maltodextrin bzw. Mais-Dextrin, Inulin, Aroma, Süßungsmittel (Sucralose, Saccharin, Natriumcyclamat), Emulgator (Soja-Lecithin), Verdickungsmittel (Guarkernmehl), je nach Sorte Fruktose.
- DailyWrap: Weizengluten, modifizierte Weizenstärke, Emulgator E471, Konservierungsstoffe, Guarkernmehl.
- Fluffy Bar, DailyChips, Protein Pancake: Proteinmischungen oder Sojaproteinkonzentrat, Aromen, Emulgatoren, teils Süßungsmittel oder Maltit.
Warum wir den DailyShake trotzdem mit gutem Gewissen anbieten, liegt an einer Unterscheidung, die NOVA nicht leisten kann. Der belegte Mechanismus hinter dem UPF-Effekt ist die höhere Energieaufnahme bei freier Menge. Ein Mahlzeitersatz ist das Gegenmodell dazu: eine feste Portion mit festgelegtem Energiekorridor und Mindestgehalten für Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe, die für die zugelassene Angabe vorgeschrieben sind. Die S3-Leitlinie trägt beides gleichzeitig. Sie empfiehlt, hochverarbeitete Lebensmittel mit hoher Energiedichte zu begrenzen, und nennt Programme mit Mahlzeitenersatz „eine valide und auch längerfristig wirksame Option zum Gewichtsmanagement bei Personen mit Übergewicht und Adipositas“. Eine Meta-Analyse aus 23 randomisierten Studien mit 7.884 Teilnehmenden fand nach einem Jahr 1,44 Kilogramm mehr Gewichtsverlust als mit anderen Diäten.
Die Schwächen gehören dazu:
- Süßstoffe: Der DailyShake enthält Süßungsmittel. Die WHO rät in einer bedingten Empfehlung von 2023 davon ab, Süßstoffe zur Gewichtskontrolle einzusetzen.
- Flüssige Textur: Ein Shake wird schnell getrunken, also genau die Eigenschaft, die in Studien die Aufnahme erhöht. Ein Mahlzeitersatz funktioniert deshalb nur über die feste Portion und nur im Rahmen einer kalorienarmen Ernährung mit anderen Lebensmitteln.
- E471 im DailyWrap: Für diesen Emulgator gibt es den oben beschriebenen Beobachtungsbefund, aber keinen Nachweis eines Schadens.
Der DailyShake ist also keine Lösung für das UPF-Thema, sondern ein eingegrenztes, energiedefiniertes Produkt in einem festen Rahmen. In der Stoffwechselkur ersetzt er eine Mahlzeit, der Rest des Tellers soll gering verarbeitet und eiweißbetont sein.
Wenn es ein Fertigprodukt sein soll, dann ein definiertes. Der DailyShake ist ein Mahlzeitersatz mit festgelegter Zusammensetzung, hochverarbeitet und ohne Beschönigung so deklariert. Er ist nicht besser als eine selbst gekochte Mahlzeit, aber eine klar begrenzte Alternative, wenn keine Zeit zum Kochen bleibt.
Zugelassene Angabe: „Das Ersetzen von einer der täglichen Hauptmahlzeiten im Rahmen einer kalorienarmen Ernährung durch einen solchen Mahlzeitersatz trägt dazu bei, das Gewicht nach Gewichtsabnahme zu halten.“ Um die angegebene Wirkung zu erzielen, sollte täglich eine Hauptmahlzeit durch einen Mahlzeitersatz ersetzt werden. Achte auf eine ausreichende tägliche Flüssigkeitsaufnahme. Das Erzeugnis erfüllt seinen Zweck nur im Rahmen einer kalorienarmen Ernährung, zu der notwendigerweise auch andere Lebensmittel gehören.
Häufige Fragen
Sind hochverarbeitete Lebensmittel immer ungesund?
Nein. In großen Kohortenstudien gingen gesüßte Getränke und verarbeitete Fleischwaren mit höheren Risiken einher, abgepacktes Vollkornbrot, Frühstückscerealien, Joghurt und pflanzliche Alternativen dagegen nicht, teils sogar mit niedrigeren. Die DGE fasst es so zusammen: Ob ein Lebensmittel gesund ist, hängt vom Nährstoffprofil ab, nicht allein vom Verarbeitungsgrad.
Ist Proteinpulver ein hochverarbeitetes Lebensmittel?
Nach NOVA ja. Molkenprotein, Kasein und Sojaproteinisolat zählen zu den Zutaten, die die S3-Leitlinie Adipositas ausdrücklich als Merkmale hochverarbeiteter Lebensmittel aufführt. Das gilt auch für unsere eigenen Shakes. Über den Nutzen sagt die Einstufung allein wenig aus.
Sind Pommes hochverarbeitet?
Das hängt von der Herstellung ab, und genau das zeigt die Unschärfe des Begriffs. Tiefkühl-Pommes mit Zusätzen gelten nach NOVA als hochverarbeitet, frisch aus Kartoffeln und Öl zubereitete Pommes als verarbeitet (Gruppe 3). Für die Energiebilanz zählen bei beiden vor allem Fettgehalt, Portion und wie schnell sie gegessen werden.
Sind hochverarbeitete Lebensmittel krebserregend?
Ein Nachweis dafür fehlt. Eine Übersichtsarbeit fand für Darmkrebs ein um 4 Prozent höheres relatives Risiko je 10 Prozent mehr hochverarbeiteter Lebensmittel in der Ernährung, mit moderater Evidenzsicherheit. Für andere Krebsarten ist die Datenlage schwächer. Offen bleibt, ob die Verarbeitung selbst oder die insgesamt schlechtere Ernährungsqualität dahintersteht.
Sind vegane Ersatzprodukte hochverarbeitet?
Meistens ja, weil sie mit Proteinisolaten, Aromen und Bindemitteln hergestellt werden. In der europäischen EPIC-Kohorte mit 266.666 Personen waren pflanzliche Alternativen aber nicht mit Multimorbidität verbunden. Bei Fleischersatz lohnt der Blick auf Eiweißgehalt, Salz und Fett mehr als die NOVA-Gruppe.
Hindern hochverarbeitete Lebensmittel beim Abnehmen?
Sie machen es schwerer, aber nicht unmöglich. In einer achtwöchigen Studie nahmen Erwachsene mit Übergewicht auch mit hochverarbeiteter Kost nach Ernährungsleitlinien ab, allerdings nur etwa halb so viel wie mit gering verarbeiteter Kost: 1,05 gegenüber 2,06 Prozent des Körpergewichts. Beide Gruppen durften essen, so viel sie wollten.
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Quellen
- Monteiro CA et al. Ultra-processed foods: what they are and how to identify them. Public Health Nutr 2019;22(5):936–941. PMID 30744710.
- S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas, AWMF 050-001, Version 5.0, 10/2024. Empfehlung 4.4, Abschnitt Mahlzeitenersatz.
- Max Rubner-Institut. Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln als Gesundheitsindikator? 08/2025.
- DGE. Meldungen zur Arbeitstagung „Hochverarbeitete Lebensmittel“, 2025, sowie zum Verarbeitungsgrad, 2023.
- Braesco V et al. Eur J Clin Nutr 2022;76(9):1245–1253. PMID 35314769.
- Basile AJ et al. Am J Clin Nutr 2024;120(5):1037–1042. PMID 39209154.
- Monteiro CA et al. Lancet 2025;406(10520):2667–2684. PMID 41270766.
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- Chen Z et al. Diabetes Care 2023;46(7):1335–1344. PMID 36854188.
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- Verordnung (EU) Nr. 432/2012, konsolidierte Fassung vom 17.05.2021.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Die Zutatenangaben zu unseren Produkten entsprechen dem Stand vom September 2026; maßgeblich ist immer die Deklaration auf der Verpackung. Studienergebnisse sind Mittelwerte aus Untersuchungsgruppen und nicht auf den Einzelfall übertragbar.





