Messbar ja, praktisch fast nicht. Die berühmten 30 Prozent Umsatzsteigerung stammen aus einer einzigen Studie mit 14 Personen und ließen sich in methodisch besseren Untersuchungen nicht reproduzieren. Der belastbare Zusammenhang liegt woanders: Wasser ist Lösungs- und Transportmittel jeder Stoffwechselreaktion, und die Niere braucht es, um harnpflichtige Substanzen auszuscheiden.
Wir haben die Zahl, die überall zitiert wird, bis zur Originalstudie zurückverfolgt — und die drei Arbeiten daneben gestellt, die danach kamen. Das Ergebnis ist ernüchternd und dabei erstaunlich konkret ausrechenbar.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Ausgangsstudie hatte 14 Teilnehmende und keine Scheintrunk-Kontrolle. Eine spätere Arbeit fand bei Zimmertemperatur gar keinen Anstieg, eine dritte keinen Unterschied zum Scheintrunk.
- Selbst mit der optimistischsten Zahl: zwei Liter Wasser ergeben rund 96 Kilokalorien am Tag. Mit den Werten der kontrollierten Studien bleiben etwa 10 bis 13.
- Die im Netz kursierenden „25 Prozent" stammen aus einer Studie an 21 übergewichtigen Kindern mit 4 Grad kaltem Wasser — und werden als Erwachsenenfakt weitergereicht.
- Wasser vor der Mahlzeit hat die bessere Evidenz, funktioniert aber vor allem bei mittelalten und älteren Erwachsenen.
- Es gibt zwei zugelassene EU-Angaben zu Wasser — und null für „Stoffwechsel ankurbeln", „Fettverbrennung", „Entgiftung" oder „Sättigung".
Inhalt
Die 30-Prozent-Zahl und was daraus wurde
2003 erschien eine Arbeit, die seither in jedem Ratgeber zitiert wird: 500 Milliliter Wasser steigerten bei 14 normalgewichtigen Personen den Energieumsatz um rund 30 Prozent, mit einem Maximum nach 30 bis 40 Minuten. Eine Nachfolgearbeit derselben Gruppe fand 2007 bei 16 übergewichtigen Personen 24 Prozent.
Was danach kam, wird selten mitzitiert.
| Studie | Design | Ergebnis |
|---|---|---|
| Boschmann 2003 | 14 Personen, Ganzraum-Kalorimetrie, ohne Scheintrunk-Kontrolle | +30 Prozent |
| Brown 2006 | randomisiert, Cross-over, mit Positivkontrolle | Bei Zimmertemperatur kein Anstieg. Nur mit 3 Grad kaltem Wasser +4,5 Prozent |
| Charrière 2015 | 27 Erwachsene, erstmals gegen einen Scheintrunk | Anstiege unter 3 Prozent, nicht unterscheidbar vom Scheintrunk |
Die Autoren der zweiten Arbeit halten ausdrücklich fest, dass ihre Ergebnisse Zweifel an Wasser als thermogenem Mittel im Gewichtsmanagement wecken. Die dritte formuliert es noch klarer: Die Aufnahme von reinem Wasser führe für sich genommen weder zu einer Steigerung der Thermogenese noch der Fettoxidation. Auch der vermeintlich gesteigerte Fettverbrauch war ein Artefakt — er trat beim bloßen Scheintrinken genauso auf.
Ein Detail, das die Ausgangsstudie selbst nennt und das kaum jemand liest: Rund 40 Prozent des gemessenen Effekts entfielen schlicht darauf, das Wasser von 22 auf 37 Grad zu erwärmen. Das ist Physik, kein Stoffwechsel.
Woher die „25 Prozent" kommen
In deutschsprachigen Ratgebern taucht regelmäßig die Zahl auf, Wassertrinken kurbele den Stoffwechsel für etwa eine Stunde um bis zu 25 Prozent an. Diese Zahl stammt aus einer Untersuchung an 21 übergewichtigen Kindern mit einem Durchschnittsalter von 9,9 Jahren, die 4 Grad kaltes Wasser tranken — und auch dort fiel der Ruheumsatz in den ersten Minuten erst einmal ab. Als Erwachsenenfakt ist sie nicht zu gebrauchen.

Die Rechnung, die niemand macht
Das Schöne an diesem Thema: Man kann es nachrechnen. Eine Kilokalorie erwärmt einen Liter Wasser um genau ein Grad.
| Getränk | Theoretischer Erwärmungsaufwand bis 37 Grad |
|---|---|
| 500 ml Eiswasser (3 °C) | 17,0 kcal |
| 500 ml aus dem Kühlschrank (10 °C) | 13,5 kcal |
| 500 ml Zimmertemperatur (20 °C) | 8,5 kcal |
| 2 Liter Eiswasser über den Tag | 68,0 kcal |
| 2 Liter Zimmertemperatur über den Tag | 34,0 kcal |
Und jetzt der Vergleich mit dem, was tatsächlich gemessen wurde. Die Ausgangsstudie beziffert die absolute Antwort selbst mit rund 100 Kilojoule für 500 Milliliter — das sind 23,9 Kilokalorien. Hochgerechnet auf zwei Liter am Tag also rund 96 Kilokalorien. Diese Umrechnung steht in keiner deutschsprachigen Quelle, obwohl sie in der Originalarbeit vorgerechnet wird.
Nimmt man dagegen die einzige gelungene Teilreplikation mit 4,5 Prozent über eine Stunde: Bei einem Ruheumsatz von 1.400 bis 1.800 Kilokalorien am Tag verbraucht der Körper in 60 Minuten 58 bis 75 Kilokalorien. 4,5 Prozent davon sind 2,6 bis 3,4 Kilokalorien — bei einem theoretischen Erwärmungsaufwand von knapp 18. Gemessen wurde also etwa ein Sechstel des physikalisch erwarteten Werts, vermutlich weil ein Teil der Erwärmung aus vorhandener Körperwärme gedeckt wird.
Über den Tag bleiben damit rund 10 bis 13 Kilokalorien. Weniger als in einem Stück Würfelzucker.
Wasser vor der Mahlzeit
Hier sieht es deutlich besser aus — mit einer Einschränkung, die in keinem deutschen Ratgeber steht.
Eine Untersuchung verglich zwei Altersgruppen direkt: 500 Milliliter Wasser 30 Minuten vor einer Mahlzeit senkten die Energieaufnahme bei 60- bis 80-Jährigen signifikant, bei 21- bis 35-Jährigen dagegen nicht. Eine weitere Akutstudie bei übergewichtigen älteren Erwachsenen fand eine Senkung der Frühstücks-Energieaufnahme um rund 13 Prozent.
Zwei randomisierte Studien über je zwölf Wochen bauen darauf auf. In der ersten mit 48 Erwachsenen zwischen 55 und 75 Jahren führte eine kalorienreduzierte Ernährung plus 500 Milliliter Wasser vor jeder Hauptmahlzeit zu einem deutlich stärkeren Gewichtsverlust als die Ernährung allein. In der zweiten mit 84 Erwachsenen mit Adipositas zeigte sich derselbe Effekt — allerdings war er nach Adjustierung für Alter, Geschlecht und weitere Faktoren knapp nicht mehr signifikant, und die Autoren nennen ihre Daten selbst vorläufig.
Wichtig für die Praxis: Es geht um den Zeitpunkt, nicht um die Menge. Eine Studie, die einfach mehr Wasser über den Vormittag verteilte, fand keine zuverlässige Senkung der Energieaufnahme — wohl aber weniger Hunger. Timing schlägt Menge.
Eine spezifische Meta-Analyse zu diesem Thema existiert übrigens nicht; unsere Literatursuche ergab dazu keine einschlägigen Treffer. Was Sättigung tatsächlich beeinflusst, haben wir bei den natürlichen Appetitzüglern aufgeschrieben.
Wasser und Gewicht insgesamt
Die sauberste Gesamtantwort liefert eine Meta-Analyse von acht randomisierten Studien bei Übergewicht und Adipositas: Interventionen zur Steigerung der Wasserzufuhr veränderten das Körpergewicht nicht signifikant, ebenso wenig BMI und Taillenumfang. Eine Netzwerk-Meta-Analyse über 78 randomisierte Studien mit 4.168 Teilnehmenden bestätigt das aus anderer Richtung: kein Vorteil von Wasser gegenüber anderen Getränken, und in den Analysen mit niedrigem Verzerrungsrisiko verschwanden die Effekte ganz.
Ein Teilbefund derselben Meta-Analyse zeigt aber, wo der eigentliche Hebel liegt: Wasser anstelle von zuckergesüßten Getränken war mit einem erkennbaren Gewichtsvorteil verbunden. Nicht „mehr Wasser" wirkt, sondern „Wasser statt Kalorien".
Ein schönes Beispiel dafür liefert eine deutsche Schulstudie mit 2.950 Zweit- und Drittklässlern an 32 Grundschulen: Trinkbrunnen plus Unterricht senkten die Neuerkrankungsrate an Übergewicht von 6,0 auf 3,8 Prozent. Der Mechanismus ist auch hier der Getränkeaustausch, nicht die Thermogenese.

Wo Wasser im Stoffwechsel wirklich gebraucht wird
Und jetzt zu dem Teil, der auf fast allen rankenden Seiten fehlt — obwohl er die eigentliche Frage beantwortet.
Die DGE beschreibt Wasser als Transport- und Lösungsmittel für Nährstoffe und als Mittel zur Regulation der Körpertemperatur. Es ist in allen Zellen und Körperflüssigkeiten enthalten. Der Anteil am Körpergewicht liegt bei etwa 60 Prozent bei Männern und etwa 50 Prozent bei Frauen; bei höherem Körperfettanteil eher niedriger. Die oft gelesene Pauschalaussage „der Mensch besteht zu über 60 Prozent aus Wasser" trifft also auf einen erheblichen Teil der Menschen nicht zu.
Bemerkenswert ist die Wasserbilanz. Ein Erwachsener nimmt nach den DGE-Werten rund 1.440 Milliliter über Getränke auf, 875 über feste Nahrung — und produziert weitere 335 Milliliter selbst. Dieses Oxidationswasser entsteht beim Abbau von Nährstoffen, etwa 0,125 Milliliter je Kilokalorie. Der Stoffwechsel macht also selbst Wasser. Auf der Abgabeseite stehen rund 1.440 Milliliter Urin, 160 über den Stuhl, 550 über die Haut und 500 über die Lunge — knapp ein Liter geht also täglich ab, ohne dass man ihn bemerkt.
Der Punkt, der bei eiweißbetonter Ernährung zählt
Die DGE nennt ausdrücklich Faktoren, die den Wasserbedarf erhöhen: hoher Energieumsatz, Hitze, trockene kalte Luft, reichlicher Kochsalzverzehr, hohe Proteinzufuhr sowie Fieber, Erbrechen und Durchfall.
Der Mechanismus dahinter ist einfach: Aminosäuren werden zu Harnstoff abgebaut, der über die Niere ausgeschieden werden muss. Mehr Eiweiß bedeutet mehr harnpflichtige Substanz und damit ein größeres notwendiges Urinvolumen.
Zur Ehrlichkeit gehört die Gegenprobe: In einer kontrollierten Cross-over-Studie über zwölf Wochen mit fünf Männern bei sehr unterschiedlicher Eiweißzufuhr blieben Flüssigkeitsaufnahme und Flüssigkeitsbilanz unverändert; verändert waren nur Harnstoff-Stickstoff im Blut, das spezifische Uringewicht und die Plasma-Osmolalität. Eiweißreiche Ernährung trocknet also nicht aus — sie verschiebt Marker. Die Fallzahl ist klein, aber der Befund gehört dazu.
Wer eiweißbetont isst, sollte das Trinken nicht dem Zufall überlassen.
Nicht weil Wasser schlank macht, sondern weil beim Abbau von Aminosäuren Harnstoff entsteht, den die Niere ausscheiden muss. Bei der Stoffwechselkur rechnen wir deine Mengen individuell aus statt mit Pauschalwerten, das Konzept ist eiweißbetont und gemüsereich, auf die Diätphase folgt eine feste Stabilisierungsphase, und Magdalena und ihr Team begleiten dich täglich persönlich per WhatsApp — auch bei solchen Alltagsfragen.
Stoffwechselkur ansehenWie viel du tatsächlich brauchst
| Alter | Getränke | feste Nahrung | Oxidationswasser | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| 15 bis unter 19 Jahre | 1.530 ml | 920 ml | 350 ml | 2.800 ml |
| 19 bis unter 25 Jahre | 1.470 ml | 890 ml | 340 ml | 2.700 ml |
| 25 bis unter 51 Jahre | 1.410 ml | 860 ml | 330 ml | 2.600 ml |
| 51 bis unter 65 Jahre | 1.230 ml | 740 ml | 280 ml | 2.250 ml |
| 65 Jahre und älter | 1.310 ml | 680 ml | 260 ml | 2.250 ml |
| Schwangere | 1.470 ml | 890 ml | 340 ml | 2.700 ml |
| Stillende | 1.710 ml | 1.000 ml | 390 ml | 3.100 ml |
Die EFSA nennt als angemessene Gesamtzufuhr 2,0 Liter täglich für Frauen und 2,5 Liter für Männer — ebenfalls aus allen Quellen. Das ist kein Widerspruch zur DGE: Die DGE leitet ihren Wert vom Energieumsatz ab und rechnet das Oxidationswasser mit, die EFSA nennt geschlechtsspezifische Referenzwerte. Beide meinen nicht die reine Trinkmenge.
Womit auch die berühmte „2-Liter-Regel" eingeordnet wäre: Sie ist kein Fehler, sondern eine Zahl ohne Bezugsangabe. Als Gesamtwasserzufuhr für Frauen entspricht sie exakt dem EFSA-Wert. Als reine Trinkmenge ist sie eher zu hoch angesetzt.
Wie stark der Wasserumsatz individuell schwankt, zeigt eine Untersuchung an 5.604 Personen aus 23 Ländern zwischen acht Tagen und 96 Jahren: Alter, Körpergröße, Körperzusammensetzung, Aktivität, Schwangerschaft und Umweltbedingungen beeinflussen ihn deutlich. Wichtig zur Einordnung: Gemessen wurde der Wasserumsatz, nicht der Trinkbedarf. Die Arbeit widerlegt keine Empfehlung — sie zeigt, dass eine einzige Zahl für alle nicht funktioniert. Wie viel Flüssigkeit wirklich nötig ist und was Kaffee oder Alkohol dabei zählen, steht in unserem Beitrag zur Dehydration.
Zu viel trinken
Ja, das gibt es — und im Alltag ist es schwer zu erreichen. Kritisch wird es, wenn die Trinkmenge die renale Ausscheidungsfähigkeit übersteigt; die liegt bei etwa 0,7 bis 1,0 Litern pro Stunde. Beschrieben ist das vor allem als belastungsassoziierte Hyponatriämie bei Ausdauersport, definiert als Natriumkonzentration im Blut unter 135 Millimol pro Liter.
Ein Punkt daraus ist praktisch wichtig und wird oft falsch verstanden: Vorbeugen heißt in diesem Fall weniger trinken, nicht anders trinken. Ein natriumhaltiges Sportgetränk schützt nicht, wenn die Menge zu hoch ist. Wie Natrium, Kalium und Magnesium dabei zusammenspielen, steht bei den Elektrolyten.

Was Wasser nicht tut
Es entschlackt nicht. Die DGE formuliert das unmissverständlich: Eine Reinigung des Körpers von Schadstoffen sei aus wissenschaftlicher Sicht nicht nötig, zumal es keine Aussage dazu gebe, um welche Gifte oder Schadstoffe es sich handeln solle. Ein gesunder Körper könne sich selbst reinigen, indem er unerwünschte Stoffe über Leber, Nieren, Darm, Haut und Atmung ausscheidet. „Schlacken" im Sinne der Detox-Werbung existieren physiologisch nicht — mehr dazu in unserem Beitrag zu Detox.
Es verbrennt kein Fett. Fettabbau setzt ein Energiedefizit voraus. Ein kalorienfreies Getränk erzeugt kein Defizit — es kann nur helfen, eines herzustellen, indem es kalorienhaltige Getränke ersetzt. Wenn du trotz eines vermeintlich guten Lebensstils nicht abnimmst, liegt das mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Energiebilanz und nicht an der Trinkmenge; die häufigsten Ursachen haben wir bei warum nehme ich nicht ab aufgeschlüsselt.
Und es „kurbelt den Stoffwechsel" nicht an. Welche Maßnahmen dafür tatsächlich in Frage kommen und welche nicht, steht in unserem Beitrag zum Stoffwechsel ankurbeln.
Was über Wasser gesagt werden darf
Es gibt genau zwei zugelassene gesundheitsbezogene Angaben zu Wasser, und beide sind an dieselbe Bedingung geknüpft:
- „Wasser trägt zur Erhaltung normaler körperlicher und kognitiver Funktionen bei"
- „Wasser trägt zur Erhaltung einer normalen Regulierung der Körpertemperatur bei"
Zulässig sind sie nur, wenn die Verbraucher darüber unterrichtet werden, dass täglich mindestens 2,0 Liter Wasser aus allen Quellen aufgenommen werden sollten. Für „Stoffwechsel ankurbeln", „Fettverbrennung", „Entgiftung", „Entschlackung", „Sättigung", „Appetit", „Thermogenese" und „Energieverbrauch" ergab unsere Volltextprüfung dagegen jeweils null Treffer.
Die Geschichte von 2011, die falsch erzählt wird
Damals ging eine Schlagzeile durch die Presse: Die EU habe entschieden, dass Wasser nicht gegen Dehydrierung helfe. Was tatsächlich passiert war, ist lehrreicher.
Zwei deutsche Hochschullehrer hatten eine Angabe über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos beantragt: Regelmäßiger Verzehr erheblicher Mengen Wasser könne das Risiko einer Dehydratation und eines damit einhergehenden Leistungsabfalls verringern. Eine solche Angabe setzt voraus, dass ein Risikofaktor für die Entstehung einer Krankheit gesenkt wird. Als Risikofaktor benannten die Antragsteller den Wasserverlust im Gewebe. Die Behörde kam zu dem Schluss, dass dies ein Maß der Krankheit selbst sei und kein Risikofaktor für ihre Entstehung — der Antrag scheiterte also an der juristischen Konstruktion, nicht an der Physiologie.
Die Pointe: Nur zwei Monate später bewertete dieselbe Behörde Wasser positiv für die Erhaltung normaler körperlicher und kognitiver Funktionen und für die Temperaturregulation. Genau diese beiden Angaben sind bis heute zugelassen. Derselbe Stoff, dasselbe Jahr, dieselbe Behörde — einmal abgelehnt, zweimal zugelassen, je nachdem wie die Frage gestellt war.
Häufige Fragen
Regt Wasser den Stoffwechsel an?
Messbar ja, praktisch fast nicht. Die bekannte Zahl von 30 Prozent stammt aus einer Studie mit 14 Personen ohne Scheintrunk-Kontrolle. Bessere Untersuchungen fanden bei Zimmertemperatur gar keinen Anstieg und gegen einen Scheintrunk keinen Unterschied. Selbst mit der optimistischsten Zahl kämen zwei Liter Wasser auf rund 96 Kilokalorien am Tag; mit den Werten der kontrollierten Studien bleiben etwa 10 bis 13 Kilokalorien übrig.
Wie viel Wasser sollte man am Tag trinken?
Die DGE nennt für 25- bis 50-Jährige eine Gesamtwasserzufuhr von rund 2.600 Millilitern täglich — davon etwa 1.400 aus Getränken, 860 aus fester Nahrung und 330 aus dem Stoffwechsel selbst. Die EFSA nennt als angemessene Gesamtzufuhr 2,0 Liter für Frauen und 2,5 Liter für Männer, ebenfalls aus allen Quellen. Beide meinen also nicht die reine Trinkmenge.
Hilft es, vor dem Essen Wasser zu trinken?
Hier ist die Evidenz deutlich besser als bei der Thermogenese — allerdings altersabhängig. In einer Untersuchung senkten 500 Milliliter Wasser 30 Minuten vor der Mahlzeit die Energieaufnahme bei 60- bis 80-Jährigen, bei 21- bis 35-Jährigen dagegen nicht. Zwei randomisierte Studien mit mittelalten und älteren Erwachsenen fanden über zwölf Wochen einen Vorteil, wobei einer davon nach statistischer Adjustierung knapp nicht mehr signifikant war.
Verbrennt kaltes Wasser mehr Kalorien?
Ein bisschen, und man kann es ausrechnen. Um einen halben Liter Eiswasser von 3 auf 37 Grad zu erwärmen, braucht der Körper theoretisch rund 17 Kilokalorien. Gemessen wurde in der einzigen Studie, die einen Effekt fand, allerdings nur etwa ein Sechstel davon — vermutlich weil ein Teil der Erwärmung aus vorhandener Körperwärme gedeckt wird statt zusätzlich erzeugt zu werden.
Entschlackt oder entgiftet Wasser den Körper?
Nein. Die DGE hält fest, dass eine Reinigung des Körpers von Schadstoffen aus wissenschaftlicher Sicht nicht nötig ist und dass ein gesunder Körper unerwünschte Stoffe über Leber, Nieren, Darm, Haut und Atmung selbst ausscheidet. „Schlacken" im Sinne der Detox-Werbung existieren physiologisch nicht. „Entgiftung" und „Entschlackung" sind für Lebensmittel auch keine zugelassenen Angaben.
Kann man zu viel Wasser trinken?
Ja, aber im Alltag ist das praktisch schwer zu erreichen. Kritisch wird es, wenn die Trinkmenge die Ausscheidungsfähigkeit der Niere übersteigt — die liegt bei etwa 0,7 bis 1,0 Litern pro Stunde. Beschrieben ist das vor allem bei Ausdauerbelastungen. Wichtig zu wissen: Vorbeugen heißt in dem Fall weniger trinken, nicht anders trinken.
Braucht man bei eiweißreicher Ernährung mehr Wasser?
Die DGE nennt eine hohe Proteinzufuhr ausdrücklich als bedarfssteigernden Faktor. Der Grund: Beim Abbau von Aminosäuren entsteht Harnstoff, den die Niere ausscheiden muss, und das erhöht die notwendige Urinmenge. In einer kleinen kontrollierten Studie mit fünf Männern blieb die Flüssigkeitsbilanz allerdings unverändert — der Effekt ist also real, aber kleiner als oft behauptet.
Weiterlesen
- Dehydration: Anzeichen und Trinkmenge
- Stilles Wasser oder Sprudel?
- Stoffwechsel ankurbeln: was tatsächlich wirkt
- Elektrolyte im Überblick
Quellen
- Boschmann M et al. Water-induced thermogenesis. J Clin Endocrinol Metab 2003. PMID 14671205
- Boschmann M et al. Water drinking induces thermogenesis through osmosensitive mechanisms. J Clin Endocrinol Metab 2007. PMID 17519319
- Brown CM, Dulloo AG, Montani JP. Water-induced thermogenesis reconsidered. J Clin Endocrinol Metab 2006. PMID 16822824
- Charrière N et al. Water-induced thermogenesis and fat oxidation: a reassessment. Nutr Diabetes 2015. PMID 26690288
- Dubnov-Raz G et al. Influence of water drinking on resting energy expenditure in overweight children. Int J Obes 2011. PMID 21750519
- Van Walleghen EL et al. Pre-meal water consumption reduces meal energy intake in older but not younger subjects. Obesity 2007. PMID 17228036
- Davy BM et al. Water consumption reduces energy intake at a breakfast meal in obese older adults. J Am Diet Assoc 2008. PMID 18589036
- Dennis EA et al. Water consumption increases weight loss during a hypocaloric diet intervention. Obesity 2010. PMID 19661958
- Parretti HM et al. Efficacy of water preloading before main meals: randomised controlled trial. Obesity 2015. PMID 26237305
- McKay NJ et al. Increasing water intake influences hunger and food preference, but does not reliably suppress energy intake. Physiol Behav 2018. PMID 29678599
- Chen QY, Khil J, Keum N. Water Intake and Adiposity Outcomes among Overweight and Obese Individuals. Nutrients 2024. PMID 38612997
- Shahinfar H et al. Comparative effects of different beverages on weight loss in adults. Int J Obes 2025. PMID 39543378
- Muckelbauer R et al. A simple dietary intervention in the school setting decreased incidence of overweight in children. Obes Facts 2009. PMID 20057194
- Martin WF et al. Effects of dietary protein intake on indexes of hydration. J Am Diet Assoc 2006. PMID 16567155
- Yamada Y et al. Variation in human water turnover associated with environmental and lifestyle factors. Science 2022. PMID 36423296
- Hew-Butler T et al. Statement of the 3rd International Exercise-Associated Hyponatremia Consensus Development Conference. Br J Sports Med 2015. PMID 26227507
- DGE, Referenzwerte für die Wasserzufuhr; DGE zu Entgiftungsdiäten. EFSA NDA Panel, Scientific Opinion on Dietary Reference Values for water, EFSA Journal 2010;8(3):1459
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012, konsolidierte Fassung, Anhang; Verordnung (EU) Nr. 1170/2011, Anhang
Dieser Artikel ordnet die Studienlage ein und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Bei Nieren- oder Herzerkrankungen, bei entwässernder Medikation, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei ungewöhnlichem Durst oder ungewöhnlicher Urinmenge besprich deine Trinkmenge bitte ärztlich.








