Ja, vegan abnehmen funktioniert: In randomisierten Studien verloren Menschen mit veganer Kost mehr Gewicht als mit Vergleichsdiäten. Getestet wurde aber fast immer eine fettarme, vollwertige Kost mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn, meist ohne Kalorienvorgabe. Sie wirkt, weil sie wenig Energie pro Bissen liefert und man spontan weniger isst. Vegane Fertigprodukte, Nüsse, Öl und Süßes kehren diesen Effekt um. Der Engpass im Kaloriendefizit ist das Eiweiß.
Hier liest du, welche vegane Kost in den Studien wirklich getestet wurde, wo die Studienlage Grenzen hat und warum der vegane Alltag oft anders aussieht. Dazu kommt eine eigene Tabelle: wie viel Eiweiß vegane Grundnahrungsmittel je 100 Kilokalorien liefern.
Das Wichtigste in Kürze
- Die erfolgreichen Vegan-Studien testeten eine fettarme Vollwertkost. „Vegan“ ist dabei die Verpackung, die niedrige Energiedichte der Wirkstoff.
- Gemessen statt vermutet: In einer Stationsstudie aßen 20 Erwachsene unter pflanzenbasierter fettarmer Kost im Mittel 689 Kilokalorien pro Tag weniger als unter tierbasierter ketogener Kost, obwohl sie frei essen durften.
- Der Vorsprung schrumpft: Bei Nachbeobachtung ab einem Jahr betrug er in einer Metaanalyse nur noch 1,13 kg statt 2,05 kg.
- Viele Vergleichsgruppen wurden weniger intensiv betreut, und ein Großteil der Studien stammt aus einer Arbeitsgruppe, die sich für pflanzliche Ernährung einsetzt.
- Reale Veganer beziehen in einer französischen Kohorte 39,5 Prozent ihrer Energie aus hochverarbeiteten Lebensmitteln, Fleischesser 33,0 Prozent.
- Je 100 kcal liefern Sojaschnetzel 15,5 g Eiweiß, Tofu 9,9 g, Linsen 7,9 g, Mandeln 4,1 g und Quinoa 3,8 g (eigene Berechnung).
Inhalt
- Nimmt man vegan ab? Was randomisierte Studien zeigen
- Was die Zahlen nicht sagen
- Warum pflanzliche Kost leichter macht – wenn sie es tut
- Vegan ist nicht gleich vegan
- Eiweiß im Kaloriendefizit – vegan gerechnet
- Warum nehme ich vegan nicht ab? Die häufigsten Fehler
- Was bei rein pflanzlichem Abnehmen zusätzlich gilt
- Häufige Fragen
Nimmt man vegan ab? Was randomisierte Studien zeigen
Ja, im Mittel schon. In randomisierten Studien verloren Menschen, die auf eine vegane Kost umgestellt wurden, mehr Gewicht als Vergleichsgruppen. Die zusammengefassten Effekte mehrerer Metaanalysen, auch auf Blutdruck und Cholesterin, haben wir im Ratgeber zur veganen Ernährung aufbereitet. Für die Frage, ob vegan beim Abnehmen hilft, sind die Einzelstudien aufschlussreicher, weil man dort sieht, was genau getestet wurde.
Die wichtigsten Einzelstudien
| Studie | Dauer, Teilnehmende | Vergleich | Ergebnis Gewicht | Einschränkung |
|---|---|---|---|---|
| Barnard 2005 | 14 Wochen, 64 übergewichtige Frauen nach den Wechseljahren | fettarm-vegan vs. cholesterinsenkende Standarddiät (NCEP), beide ohne Kalorienlimit | −5,8 kg vs. −3,8 kg | nur Frauen, klein |
| Turner-McGrievy 2007 | 2 Jahre, dieselbe Kohorte | wie oben | vegan −4,9 kg nach 1 Jahr, −3,1 kg nach 2 Jahren; NCEP −1,8 / −0,8 kg (Median) | Wiederzunahme in beiden Gruppen |
| New DIETs 2015 | 6 Monate, 12 bis 13 pro Gruppe | vegan, vegetarisch, pesco, semi, omnivor – alle fettarm, ohne Kalorienvorgabe | vegan −7,5 % Körpergewicht, omnivor −3,1 % | sehr klein; omnivore Gruppe mit weniger Treffen |
| BROAD 2017 | 12 Monate | vollwertig pflanzlich ohne Energielimit, zweimal wöchentlich Treffen, vs. übliche Versorgung | BMI −4,4 vs. −0,4 nach 6 Monaten; −4,2 nach 12 Monaten | Kontrolle ohne Diätprogramm |
| Kahleova 2020 | 16 Wochen, 244 Übergewichtige | fettarm-vegan vs. keine Ernährungsänderung | −5,9 kg in der Vegan-Gruppe | Kontrolle ohne Diät |
| Barnard 2022 | Crossover, je 16 Wochen, 62 Übergewichtige | fettarm-vegan vs. Mittelmeerkost | −6,0 kg vs. 0,0 kg (Netto) | Blutdruck sank unter Mittelmeerkost stärker |
| Landry 2023 | 8 Wochen, 22 eineiige Zwillingspaare | gesunde vegane vs. gesunde Mischkost | 1,9 kg mehr Abnahme vegan | kurz; Gewicht nur Nebenendpunkt |
Auffällig ist das gemeinsame Muster. Fast alle erfolgreichen Studien verordneten eine fettarme Kost aus wenig verarbeiteten Lebensmitteln, und fast alle ließen die Teilnehmenden ohne Kalorienvorgabe essen. Die Menschen zählten also nicht, sie aßen anders – und dadurch weniger. Ein systematischer Review über 19 Interventionsstudien kommt zum selben Schluss: Alle berichten eine Gewichtsabnahme, sieben einen signifikanten Unterschied zur Kontrollgruppe, und die Effekte hängen an der Fettreduktion und der damit verbundenen geringeren Energieaufnahme.
Und vegan sei zu streng zum Durchhalten? Die New-DIETs-Auswertung fand keine Unterschiede in Einhaltung und Akzeptanz zwischen den fünf Kostformen, bei allerdings sehr kleinen Untergruppen.
Was die Zahlen nicht sagen
Die Studienlage zeigt einen echten Effekt, aber einen kleineren, als die Einzelergebnisse vermuten lassen. Vier Punkte gehören zu einer ehrlichen Einordnung.
Die Vergleichsgruppen waren oft schwächer
In Kahleova 2020 änderte die Kontrollgruppe ihre Ernährung gar nicht, in BROAD bekam sie die übliche Versorgung, in New DIETs traf sich die omnivore Gruppe in den ersten zwei Monaten monatlich statt wöchentlich. Dann misst eine Studie auch den Unterschied zwischen „Programm“ und „kein Programm“. Wie viel das ausmacht, zeigt eine große Metaanalyse zu fettarmen Diäten: Gegen die gewohnte Ernährung lagen sie langfristig um 5,41 kg vorn, gegen andere Diäten gleicher Intensität gab es keinen Vorteil (0,36 kg, statistisch nicht signifikant). In Abnehmstudien schnitt Low Carb sogar um 1,15 kg besser ab als Low Fat. Da die Vegan-Studien überwiegend fettarm waren, ist das der wichtigste Schlüssel zur Einordnung.
Der Vorsprung schrumpft mit der Zeit
Eine Metaanalyse von 12 randomisierten Studien zu vegetarischer und veganer Kost fand bei einer Nachbeobachtung unter einem Jahr einen Vorsprung von 2,05 kg, bei einem Jahr oder länger nur noch 1,13 kg. Die Zweijahresdaten von Turner-McGrievy zeigen dasselbe im Kleinen: Nach dem ersten Jahr kam in beiden Gruppen wieder Gewicht zurück.
Viele Studien kommen aus einer Arbeitsgruppe
Ein Großteil der Studien stammt aus der Arbeitsgruppe um Neal Barnard. Barnard ist Präsident des Physicians Committee for Responsible Medicine, einer gemeinnützigen Organisation, die sich für pflanzliche Ernährung einsetzt; Hana Kahleova ist dort Direktorin für klinische Forschung. Beides ist in den Studien offengelegt. Das macht die Daten nicht falsch, ist aber ein Grund, unabhängige Studien wie die Zwillingsstudie aus Stanford stärker zu gewichten – sie fand einen kleineren Unterschied.
Begleitung spielte mit
In der Zweijahresstudie verloren Teilnehmende mit Gruppentreffen nach einem und nach zwei Jahren mehr Gewicht als Teilnehmende ohne, und je häufiger sie teilnahmen, desto mehr nahmen sie ab. Auch BROAD und New DIETs arbeiteten mit regelmäßigen Treffen. Wie viel des Effekts auf die Kost und wie viel auf die Begleitung entfällt, lässt sich aus diesen Studien nicht trennen.

Warum pflanzliche Kost leichter macht – wenn sie es tut
Fettarme pflanzliche Vollwertkost senkt die Energieaufnahme, ohne dass man bewusst weniger isst. Das ist eine Eigenschaft bestimmter Lebensmittel, nicht des Etiketts: Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkorn haben viel Volumen, viel Wasser, viele Ballaststoffe und wenig Fett.
Energiedichte: viel Volumen, wenig Kalorien
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung formuliert es in ihrer Stellungnahme eindeutig: „Die wissenschaftliche Beweislage spricht für einen positiven Zusammenhang zwischen Energiedichte der Nahrung und Körpergewicht. Ein Ernährungsmuster mit niedriger Energiedichte kann die Körpergewichtsentwicklung positiv beeinflussen.“ Die Gesamtenergiezufuhr bleibt dabei der entscheidende Faktor. Ein systematischer Review mit 17 Studien, davon 7 randomisiert, bewertet die Evidenz als stark und konsistent.
Dass dafür niemand vegan leben muss, zeigt eine Einjahresstudie mit 97 Frauen mit Adipositas. Beide Gruppen aßen fettreduziert, eine zusätzlich mit viel wasserreichem Obst und Gemüse. Sie verlor 7,9 kg statt 6,4 kg und berichtete weniger Hunger. Die Wirkung steckt in der Energiedichte, nicht im Verzicht auf tierische Produkte.
Ballaststoffe und Fett
Eine höhere Ballaststoffzufuhr ging in klinischen Studien mit einem signifikant niedrigeren Körpergewicht einher, bei moderater Vertrauenswürdigkeit der Evidenz. Fett ist der zweite Hebel: Als energiereichster Nährstoff treibt es die Energiedichte am stärksten. Die Autoren einer Metaanalyse veganer Studien bei Übergewicht und Typ-2-Diabetes schreiben selbst, dass ein Teil des Effekts auf Unterschiede in Makronährstoffen und Energieaufnahme zurückgeht, und das Team von Kahleova 2020 führt die Abnahme unter anderem auf eine geringere Energieaufnahme zurück.
Gemessen, nicht vermutet: spontan weniger essen
Die sauberste Messung stammt aus einer Stationsstudie: 20 Erwachsene lebten vier Wochen in der Klinik und aßen je zwei Wochen eine minimal verarbeitete, pflanzenbasierte fettarme Kost (10,3 Prozent Fett, 75,2 Prozent Kohlenhydrate) und eine tierbasierte ketogene Kost – jeweils so viel sie wollten. Unter der pflanzenbasierten Kost nahmen sie im Mittel 689 Kilokalorien pro Tag weniger auf, in der zweiten Woche noch 544. Die Studie war kurz und klein, aber sie zeigt den Mechanismus direkt: Wer fettarm und pflanzlich isst, isst ohne Vorsatz weniger.
Vegan ist nicht gleich vegan
Ob pflanzliche Ernährung beim Gewicht hilft, hängt an der Qualität der Lebensmittel, nicht am Etikett. Das zeigt eine Auswertung von drei US-Kohorten mit 126.982 Personen. Die Forschenden unterschieden einen „gesunden“ pflanzlichen Index (Vollkorn, Obst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte, Pflanzenöle, Tee, Kaffee) von einem „ungesunden“ (Weißmehl, Kartoffeln und Pommes, Süßes, gesüßte Getränke und Säfte). Je Standardabweichung mehr gesunder Index nahmen die Menschen über vier Jahre 0,68 kg weniger zu, je Standardabweichung mehr ungesunder Index 0,36 kg mehr. Beide Muster sind pflanzlich – und wirken in entgegengesetzte Richtungen.
Wie Veganer tatsächlich essen, zeigt die französische NutriNet-Santé-Kohorte. Veganer bezogen 39,5 Prozent ihrer Energie aus hochverarbeiteten Lebensmitteln, Vegetarier 37,0 und Fleischesser 33,0 Prozent. Gleichzeitig hatten Veganer den höchsten gesunden pflanzlichen Index – beides existiert nebeneinander. Mehr hochverarbeitete Produkte aßen vor allem diejenigen, die erst kurz vegan lebten oder jung eingestiegen waren. Wer jetzt auf vegan umsteigt, um abzunehmen, gehört also genau zur Risikogruppe.
Warum das zählt, zeigt eine weitere Stationsstudie, allerdings nicht vegan-spezifisch: Mit hochverarbeiteter Kost aßen die Teilnehmenden rund 508 Kilokalorien pro Tag mehr als mit unverarbeiteter Kost und nahmen in zwei Wochen zu statt ab. Die Hintergründe stehen im Artikel über hochverarbeitete Lebensmittel.
Auch die großen Beobachtungsdaten aus England passen dazu. In der EPIC-Oxford-Studie hatten Veganer einen niedrigeren BMI als Fleischesser. Über gut fünf Jahre nahmen aber alle Gruppen zu, im Mittel rund 400 g pro Jahr, Veganer nur etwas weniger: 284 g bei Männern, 303 g bei Frauen. Vegan schützt also nicht vor Gewichtszunahme, es verschiebt sie ein wenig.
Eiweiß im Kaloriendefizit – vegan gerechnet
Im Kaloriendefizit ist ausreichend Eiweiß der Punkt, an dem rein pflanzliches Abnehmen am meisten Planung braucht. Eiweiß hilft, Muskulatur zu erhalten, während der Körper Fett abbaut. Eine Metaanalyse energiereduzierter Diäten fand bei höherem Eiweißanteil im Mittel 0,79 kg mehr Gewichtsverlust, 0,87 kg mehr Fettverlust und 0,43 kg weniger Verlust an fettfreier Masse. Warum Eiweiß beim Abnehmen zählt, erklären wir ausführlich auf unserer Seite zu Eiweiß beim Abnehmen; den Referenzwert der DGE und seine Herleitung findest du im Grundlagenartikel zu Eiweiß. Für Protein hat die EFSA keine Obergrenze festgelegt.
Vegane Kost liefert tendenziell weniger davon. In einer belgischen Erhebung mit 1.475 Personen hatte die vegane Gruppe die niedrigste Energie- und Eiweißzufuhr und die höchste Ballaststoffzufuhr. Wer mit wenig Energie auskommen will, braucht deshalb Lebensmittel, die viel Eiweiß pro Kalorie liefern – und genau hier unterscheiden sich pflanzliche Quellen erheblich.

Tabelle: Eiweiß je 100 kcal in der veganen Grundauswahl
| Lebensmittel | kcal/100 g | Eiweiß g | Kohlenh. g | Fett g | Ballastst. g | Eiweiß je 100 kcal |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Soja, texturiert (Schnetzel), trocken | 322 | 49,9 | 9,0 | 4,4 | 23,5 | 15,5 |
| Geschnetzeltes, vegan (Soja/Erbse), roh | 139 | 20,7 | 3,5 | 3,3 | 6,5 | 14,9 |
| Seitan | 193 | 28,0 | 3,0 | 7,2 | 2,3 | 14,5 |
| Tempeh, natur | 157 | 17,6 | 7,9 | 4,7 | 6,2 | 11,2 |
| Tofu, fest, natur | 148 | 14,7 | 2,9 | 8,5 | < 0,5 | 9,9 |
| Sojabohne, gekocht | 157 | 15,0 | 3,3 | 7,3 | 8,8 | 9,6 |
| Sojajoghurt natur, ungesüßt | 43 | 4,1 | 2,1 | 1,9 | 0,8 | 9,5 |
| Tofu, seidig | 53 | 5,0 | 1,5 | 2,9 | 0,6 | 9,4 |
| Burger, vegan (Soja/Erbse), roh | 197 | 18,0 | 4,1 | 11,1 | 4,3 | 9,1 |
| Sojadrink, natur | 40 | 3,6 | 1,5 | 2,1 | 0,6 | 9,0 |
| Edamame, geschält, TK | 143 | 11,5 | 5,1 | 7,4 | 5,5 | 8,0 |
| Linse, ganz, gekocht | 111 | 8,8 | 13,5 | 0,5 | 8,5 | 7,9 |
| Bohne (alle Arten), gekocht | 111 | 7,7 | 14,5 | 0,6 | 8,5 | 6,9 |
| Nugget, vegan, roh | 250 | 15,5 | 19,7 | 10,9 | 5,4 | 6,2 |
| Kichererbse, gekocht | 131 | 7,3 | 16,8 | 2,0 | 8,4 | 5,6 |
| Sojajoghurt mit Früchten, gezuckert | 76 | 3,6 | 11,1 | 1,7 | 1,1 | 4,7 |
| Erdnussbutter | 636 | 26,1 | 12,5 | 51,8 | 7,6 | 4,1 |
| Mandel | 624 | 25,6 | 7,8 | 52,1 | 10,6 | 4,1 |
| Quinoa, gekocht | 117 | 4,4 | 19,1 | 2,0 | 2,7 | 3,8 |
| Haferflocken | 381 | 13,5 | 59,5 | 7,5 | 10,5 | 3,5 |
| Mandeldrink, natur | 33 | 1,1 | 1,3 | 2,6 | 0,3 | 3,3 |
| Zum Vergleich: Hähnchenbrust ohne Haut, roh | 107 | 24,6 | 0 | 1,0 | 0 | 23,0 |
Was die Tabelle im Alltag bedeutet
- Sojaschnetzel, Seitan und Tempeh sind die dichtesten veganen Eiweißquellen je Kalorie. Tofu liegt mit 9,9 knapp dahinter. Diese vier eignen sich als Eiweißbasis einer Mahlzeit. Seitan besteht aus Weizeneiweiß und kommt bei Zöliakie nicht infrage.
- Hülsenfrüchte sind echte Eiweißlieferanten, aber kohlenhydratbetont. Gekochte Linsen enthalten 13,5 g Kohlenhydrate auf 8,8 g Eiweiß. Gleichzeitig sind Linsen, Bohnen und Kichererbsen die ballaststoffreichste Gruppe der Tabelle. Das ist ihre Stärke – und der Grund, warum sie im Defizit allein selten reichen.
- Nüsse und Nussmus liefern viel Eiweiß je 100 g, aber wenig je 100 kcal. Mit über 600 kcal je 100 g haben sie die höchste Energiedichte der Tabelle. Sie sind eine Fettquelle, keine Eiweißquelle.
- Quinoa gilt als „komplettes Protein“, ist je Kalorie aber eine schwache Eiweißquelle. Mit 3,8 g je 100 kcal liegt sie im Bereich von Haferflocken.
- Zucker halbiert die Eiweißdichte. Gezuckerter Sojajoghurt mit Früchten kommt auf 4,7, die ungesüßte Variante auf 9,5.
- Nicht jeder Drink ersetzt Milch beim Eiweiß. Sojadrink liefert 3,6 g Eiweiß je 100 g, Mandeldrink 1,1 g.
- Nicht jeder Fleischersatz ist eiweißdicht. Veganes Geschnetzeltes kommt auf 14,9, vegane Nuggets wegen Panade und Fett nur auf 6,2. Welche Fleischalternativen im Kaloriendefizit taugen und wie viel Salz darin steckt, steht im Überblick zum Fleischersatz.
Kombinieren statt eins zu eins ersetzen
Die Herkunft des Eiweißes ist nachrangig, wenn die Menge stimmt. In einer zwölfwöchigen Studie mit untrainierten jungen Männern und Krafttraining unterschied sich eine rein pflanzliche, eiweißreiche Kost mit Sojaisolat nicht von einer Mischkost mit gleicher Eiweißmenge – weder bei der Muskelmasse noch bei der Kraft. Im Defizit wurde das nicht getestet, doch das Problem ist selten die Qualität pflanzlichen Eiweißes, sondern dass zu wenig davon auf dem Teller landet. Wer Hähnchen durch die gleiche Menge Tofu ersetzt, hat am Ende des Tages weniger Eiweiß. Welche Kombinationen die Aminosäurenbilanz verbessern, zeigt die DIAAS-Tabelle im Ratgeber zur veganen Ernährung.
Genau an diesem Punkt setzt die vegane Variante der Stoffwechselkur an. Dein Bedarf wird individuell berechnet, und die Eiweißquellen – Tofu, Tempeh, Seitan, Sojaschnetzel, Hülsenfrüchte – werden so eingeplant, dass die Menge auch ohne Fleisch zusammenkommt. Ernährungsberaterin Magdalena Mathiessen und ihr Team begleiten dich täglich persönlich per WhatsApp, danach folgt eine echte Stabilisierungsphase. Wie die Kur rein pflanzlich funktioniert, erklären wir unter Stoffwechselkur vegetarisch und vegan; den Gesamtüberblick bietet unser Ratgeber zur Stoffwechselkur.
DailyShake Vanilla Cream (Vegan). Die vegane Sorte basiert auf Sojaeiweiß-Isolat und liefert laut Herstellerangaben je Portion mit Sojadrink 250 kcal und 19,4 g Eiweiß, also rund 7,8 g je 100 kcal – etwa das Niveau von Linsen, aber als planbare, fertige Mahlzeit. Zugesetzt sind unter anderem Vitamin B12, Jod und Calcium. Proteine tragen zur Erhaltung von Muskelmasse bei.
Warum nehme ich vegan nicht ab? Die häufigsten Fehler
Wer vegan isst und nicht abnimmt, isst meist energiedichter, als er denkt, weil „pflanzlich“ nach leicht klingt. Diese sieben Fehler erklären die meisten Fälle.
1. Nüsse, Nussmus und Öl unterschätzt
Mandeln liefern 624 kcal je 100 g, Erdnussbutter 636. Ein Löffel Nussmus im Porridge, eine Handvoll Nüsse zwischendurch und Öl in der Pfanne summieren sich schnell zu einer ganzen Mahlzeit. In den erfolgreichen Studien war die Kost ausdrücklich fettarm.
2. Vegane Fertigprodukte und Süßes
Viele Kekse, Chips, Aufstriche und Fertiggerichte sind vegan, ohne leicht zu sein. Gerade neue Veganer greifen häufig dazu – getestet wurde in den Abnehmstudien das Gegenteil.
3. Zu wenig Eiweiß, dafür viel Brot und Pasta
Fällt das Fleisch weg und kommt keine gezielte Eiweißquelle dazu, füllen Brot, Nudeln und Reis die Lücke, und die Muskulatur bekommt im Defizit weniger Unterstützung.
4. Gezuckerte Pflanzenjoghurts und Drinks
Ein Fruchtjoghurt auf Sojabasis hat fast doppelt so viele Kilokalorien wie die Naturvariante und nur halb so viel Eiweiß je Kalorie. Mandeldrink liefert kaum Eiweiß. Die ungesüßte Soja-Variante ist beim Abnehmen die bessere Wahl.
5. Trockengewicht und gekochtes Gewicht verwechselt
Getrocknete Linsen haben 24,4 g Eiweiß je 100 g, gekochte 8,8 g, weil sie beim Kochen Wasser aufnehmen. Wer mit Trockenwerten rechnet und gekochte Portionen isst, überschätzt seine Eiweißzufuhr deutlich. Mehr im Grundlagenartikel zu Eiweiß und seinen Quellen.
6. „Vegan“ mit „kalorienarm“ verwechselt
Das Label sagt nur, dass nichts Tierisches enthalten ist – über Energiedichte, Zucker oder Fett sagt es nichts. Wer glaubt, vegan sei automatisch kalorienärmer, isst schnell mehr.
7. Kein Energiedefizit
Ohne Energiedefizit nimmt niemand ab, auch nicht vegan. Vegane Vollwertkost erleichtert es nur, weil sie satt macht, bevor viel Energie aufgenommen ist. Mehr zum Kaloriendefizit.

Was bei rein pflanzlichem Abnehmen zusätzlich gilt
Vitamin B12 ist bei veganer Ernährung nicht verhandelbar und muss ergänzt werden – auch dann, wenn du nur für die Abnahmephase vegan isst. Jod, Calcium, Vitamin D und weitere Nährstoffe brauchen ebenfalls Planung. Welche Nährstoffe kritisch sind, wie du sie absicherst und warum Algen keine gute Jodquelle sind, steht ausführlich im Ratgeber zur veganen Ernährung.
Für Kinder, Schwangere, Stillende und ältere Menschen spricht sich die DGE weder für noch gegen eine vegane Ernährung aus; hier ist fachliche Begleitung sinnvoll. Wer schon einmal Probleme mit dem Essverhalten hatte, sollte mit jeder Form restriktiven Essens vorsichtig sein und das ärztlich besprechen.
Häufige Fragen
Nimmt man automatisch ab, wenn man vegan isst?
Nein. Abnehmen setzt auch vegan ein Energiedefizit voraus. In den Studien mit guten Ergebnissen wurde eine fettarme, vollwertige Kost mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn getestet, bei der man spontan weniger isst. Mit Nüssen, Öl, Süßem und Fertigprodukten ist vegan nicht kalorienärmer als Mischkost.
Warum nehme ich trotz veganer Ernährung nicht ab?
Meist, weil die vegane Kost energiedichter ist als gedacht. Typische Gründe sind großzügig verwendete Nüsse, Nussmus und Öl, vegane Fertigprodukte und Süßes, gezuckerte Pflanzenjoghurts sowie viel Brot und Pasta bei wenig Eiweiß. Die Kost aus den Abnehmstudien war dagegen fettarm und wenig verarbeitet.
Wie viel nimmt man vegan in einem Monat ab?
Dafür gibt es keine seriöse Zahl. Studienergebnisse sind Gruppenmittelwerte unter bestimmter Kost, Betreuung und Dauer. Wie viel ein einzelner Mensch abnimmt, hängt von Ausgangsgewicht, Energiebilanz und Bewegung ab. Klar belegt ist dagegen, dass der Vorsprung veganer und vegetarischer Kost gegenüber anderen Diäten bei längerer Beobachtung kleiner wird.
Ist vegan zum Abnehmen besser als Low Carb oder Mittelmeerkost?
Im einzigen direkten Vergleich mit Mittelmeerkost schnitt fettarm-vegan beim Gewicht besser ab, bei nur 62 Teilnehmenden; der Blutdruck sank unter Mittelmeerkost stärker. Eine große Metaanalyse fand, dass fettarme Diäten langfristig nicht besser abschneiden als andere Diäten gleicher Intensität. Entscheidend ist, welche Kost du dauerhaft durchhältst.
Welche veganen Lebensmittel haben viel Eiweiß und wenig Kalorien?
Nach unserer Berechnung liefern texturiertes Soja, veganes Soja-Erbsen-Geschnetzeltes, Seitan und Tempeh am meisten Eiweiß je 100 Kilokalorien, gefolgt von Tofu, Sojajoghurt ohne Zucker und Sojadrink. Linsen und Bohnen liegen im Mittelfeld, sind aber besonders ballaststoffreich. Nüsse und Quinoa sind je Kalorie schwache Eiweißquellen.
Brauche ich als Veganer ein Proteinpulver zum Abnehmen?
Nicht zwingend. Mit Sojaprodukten, Seitan, Tempeh und Hülsenfrüchten lässt sich genug Eiweiß erreichen, wenn du sie gezielt einplanst. In einer Studie mit Krafttraining war die rein pflanzliche Kost bei gleicher Eiweißmenge der Mischkost ebenbürtig. Ein Pulver kann praktisch sein, wenn die Menge sonst nicht zusammenkommt.
Kann ich die Stoffwechselkur vegan machen?
Ja. Die Stoffwechselkur lässt sich rein pflanzlich umsetzen, mit Tofu, Tempeh, Seitan, Sojaschnetzeln und Hülsenfrüchten als Eiweißquellen und einer veganen Sorte des DailyShake. Mehr Aufmerksamkeit braucht die Eiweißmenge. Wie die vegane Variante im Detail funktioniert, erklären wir im Artikel zur Stoffwechselkur vegetarisch und vegan.
Weiterlesen
- Vegane Ernährung: Studienlage, kritische Nährstoffe und Absicherung
- Stoffwechselkur vegetarisch und vegan umsetzen
- Sojaprotein und pflanzliche Alternativen im Vergleich
- Fleischersatz beim Abnehmen: Nährwerte und Salz
- Alles über die Stoffwechselkur
Quellen
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Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Alle Studienergebnisse sind Mittelwerte aus Untersuchungsgruppen und lassen sich nicht auf den Einzelfall übertragen. Wenn du schwanger bist, stillst, eine Vorerkrankung hast oder schon einmal Probleme mit dem Essverhalten hattest, besprich eine Ernährungsumstellung vorher ärztlich.





