Vitamin A: Bedarf, Lebensmittel und wo die Obergrenze liegt

Vitamin A ist ein fettlösliches Vitamin für den Sehvorgang, für Haut und Schleimhäute, für die Immunfunktion und für die Zellspezialisierung. Tierische Lebensmittel liefern vorgebildetes Vitamin A, pflanzliche liefern Provitamin-A-Carotinoide. Die deutschen Referenzwerte liegen bei 850 Mikrogramm Retinolaktivitätsäquivalent pro Tag für Männer und 700 für Frauen, ein Mangel ist hier selten. Praktisch wichtiger ist die andere Zahl: 3.000 Mikrogramm täglich gelten als tolerierbare Gesamtzufuhr für vorgebildetes Vitamin A — zwischen Bedarf und Obergrenze liegt nur der Faktor vier.

Bei Vitamin A entscheidet die Einheit über die Antwort, weil Referenzwert, Etikettenwert und Obergrenze eng zusammenliegen. Dieser Artikel legt die vier Bezugssysteme nebeneinander.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Mikrogramm Retinolaktivitätsäquivalent entspricht einem Mikrogramm Retinol, 12 Mikrogramm Beta-Carotin oder 24 Mikrogramm anderen Provitamin-A-Carotinoiden. Der vielzitierte Faktor 6 gehört zum älteren Retinoläquivalent, mit dem die EFSA weiter rechnet.
  • Auf der Packung steht Vitamin A in Mikrogramm, ohne Unterscheidung zwischen Retinol und Beta-Carotin. Der Nährstoffbezugswert beträgt 800 Mikrogramm.
  • Die tolerierbare Gesamtzufuhr für vorgebildetes Vitamin A liegt bei 3.000 Mikrogramm pro Tag, für Kinder und Jugendliche zwischen 600 und 2.600. Kritischer Endpunkt ist die Schädigung des ungeborenen Kindes.
  • Ein Lebensmittel erzeugt die Überschreitungen in Europa: Leber. Bei Begrenzung auf einmal pro Monat sinkt das höchste 95. Perzentil der EU-Erhebungen von 6.850 auf 1.203 Mikrogramm pro Tag.
  • Gleichzeitig erreichen 15 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen den Referenzwert nicht. Vitamin A ist kein reines Zuviel-Thema.
  • Für supplementiertes Beta-Carotin gibt es seit 2024 keinen sicheren Zufuhrwert mehr. Für Beta-Carotin aus Lebensmitteln gibt es keinen Hinweis auf unerwünschte Wirkungen.

Retinol und Beta-Carotin: zwei Wege

Vorgebildetes Vitamin A — Retinol und seine Ester — kommt ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Pflanzen liefern Provitamin-A-Carotinoide, vor allem Beta-Carotin, das der Körper selbst umwandelt. Beide Wege führen zum gleichen Vitamin, aber zu unterschiedlichen Sicherheitsbewertungen: Die Obergrenze gilt nur für die vorgebildete Form. Wer sein Vitamin A aus Karotten und Süßkartoffeln bezieht, kann sie rechnerisch nicht überschreiten.

Gespeichert wird Vitamin A in der Leber — deshalb bildet Leber als Lebensmittel eine eigene Kategorie. Als Retinal ist Vitamin A Bestandteil des Sehpurpurs Rhodopsin und unmittelbar am Sehvorgang beteiligt. Es spielt außerdem eine zentrale Rolle bei der Zelldifferenzierung und damit für Haut und Schleimhäute, bei der Entwicklung der Lymphozyten, der Blutbildung, der Knochenmineralisierung und in der Embryonalentwicklung, unter anderem bei der Reifung des Lungengewebes. Wie Vitamin A zu den anderen Vitaminen steht, zeigt unser Überblick über alle Vitamine.

Warum Tabellen verschiedene Zahlen zeigen

Weil vier Bezugssysteme gleichzeitig im Umlauf sind: Die DGE rechnet seit 2020 in Retinolaktivitätsäquivalenten (RAE), viele Portale verwenden weiter den Faktor des älteren Retinoläquivalents (RE), die EFSA arbeitet bis heute mit RE, und das Etikett nennt Mikrogramm ohne jede Differenzierung. Wer das nicht weiß, überschätzt den Beitrag pflanzlicher Lebensmittel um den Faktor zwei.

Ein Mikrogramm RAE entspricht einem Mikrogramm Retinol, 12 Mikrogramm Beta-Carotin oder 24 Mikrogramm anderen Provitamin-A-Carotinoiden; das RAE berücksichtigt neben den Umwandlungsraten die Bioverfügbarkeit aus Lebensmitteln und Wechselwirkungen mit anderen Nahrungsinhaltsstoffen. Im älteren RE entspricht ein Mikrogramm Retinol dagegen 6 Mikrogramm all-trans-Beta-Carotin oder 12 Mikrogramm anderen Carotinoiden. Der Faktor 6 war nicht falsch: Er bezog sich auf maximale Umwandlungsrate und Absorptionseffizienz und ließ die Lebensmittelmatrix außer Acht. Zwei Bezugssysteme, kein Rechenfehler.

Praktisch: 100 Gramm Camembert mit 60 Prozent Fett i. Tr. enthalten 500 Mikrogramm Retinol und 290 Mikrogramm Beta-Carotin. Die 290 geteilt durch 12 ergeben 24 Mikrogramm RAE, zusammen 524. Bei einer rohen Tomate mit 590 Mikrogramm Beta-Carotin und ohne Retinol sind es 49 Mikrogramm RAE gegen 98 Mikrogramm RE.

Kein Randproblem. Ein offizielles europäisches Gesundheitsportal nennt 2026 die neuen Referenzwerte von 700 bis 1.300 Mikrogramm und im selben Text den Faktor „1 Milligramm Retinoläquivalent entspricht 1 Milligramm Vitamin A oder 6 Milligramm Beta-Carotin". Jedes für sich ist richtig, zusammen verdoppelt es den gerechneten Beitrag von Gemüse.

Auf dem Etikett steht Vitamin A in Mikrogramm, bezogen auf einen Nährstoffbezugswert von 800 Mikrogramm. Die Lebensmittelinformationsverordnung unterscheidet weder Retinol von Beta-Carotin noch RE von RAE — eine Kapsel mit 800 Mikrogramm Retinol sieht damit aus wie ein Getränk, dessen Vitamin A aus Beta-Carotin stammt. Die EFSA schließlich empfiehlt 750 Mikrogramm RE für Männer und 650 für Frauen — nicht vergleichbar mit den deutschen Werten, weil sie mit dem Faktor 6 rechnet.

Die Referenzwerte

Für Erwachsene zwischen 19 und 65 Jahren empfiehlt die DGE 850 Mikrogramm RAE täglich für Männer und 700 für Frauen. Schwangere liegen bei 800, Stillende bei 1.300 Mikrogramm — dem höchsten Wert, weil die Verluste über die Frauenmilch ausgeglichen werden.

Gruppe männlich weiblich
1 bis unter 4 Jahre 300 300
4 bis unter 7 Jahre 350 350
7 bis unter 10 Jahre 450 450
10 bis unter 13 Jahre 600 600
13 bis unter 15 Jahre 800 700
15 bis unter 19 Jahre 950 800
19 bis unter 65 Jahre 850 700
65 Jahre und älter 800 700
Schwangere 800
Stillende 1.300

Mikrogramm RAE pro Tag. Für Säuglinge gelten Schätzwerte von 500 (0 bis 4 Monate) und 400 Mikrogramm (4 bis 12 Monate).

2020 änderte sich auch die Herleitung: Zugrunde liegt heute der Bedarf zur Aufrechterhaltung adäquater Vitamin-A-Leberspeicher, berechnet über die Olson-Gleichung mit der Annahme, dass die Hälfte des zugeführten Vitamin A gespeichert wird. Dadurch sind die Referenzwerte laut DGE niedriger als früher, und einen separaten Referenzwert für Beta-Carotin gibt es nicht mehr.

Lebensmittel je 100 Gramm

Leber ist das mit Abstand vitamin-A-reichste Lebensmittel, danach folgen Leberwurst, Butter und reifer Käse, pflanzlich Karotten, Süßkartoffeln, Spinat, Honigmelone und Feldsalat. Die Werte stammen aus den Rechenbeispielen der DGE; drei sind dort direkt je 100 Gramm angegeben, die übrigen aus den Portionsangaben umgerechnet und mit „etwa" gekennzeichnet.

Lebensmittel Mikrogramm RAE je 100 Gramm
Kalbsleber 23.860
Kalbsleberwurst etwa 6.600
Karotte, gegart etwa 783
Süßkartoffel, gegart etwa 623
Butter etwa 620
Camembert, 60 Prozent Fett i. Tr. 524
Blattspinat, tiefgefroren, gegart etwa 441
Honigmelone etwa 389
Feldsalat etwa 276
Tomate, roh 49

Schale mit Karotten, Süßkartoffeln, Blattspinat und roter Paprika auf einem hellen Küchentisch

Für Eier, Aal, rote Paprika, Grünkohl und Mango nennt die DGE nur die Zugehörigkeit — zitierfähige RAE-Werte liegen dafür nicht vor.

Leber steht in einer eigenen Größenordnung: Die Durchschnittswerte der europäischen Lebensmitteldatenbank liegen bei 19.925 Mikrogramm Retinol je 100 Gramm für Schweineleber, 18.837 für Rinderleber und 13.992 für Geflügelleber; das BfR gibt für Schlachttierleber 17 bis 29 Milligramm Vitamin A je 100 Gramm an. Das sind Durchschnitts- und Spannenwerte, keine exakten Angaben für ein bestimmtes Stück Leber. Leber ist gleichzeitig das eisenreichste Lebensmittel überhaupt — was das für die Eisenversorgung bedeutet, steht in der Eisentabelle.

Der Gehalt sagt allerdings nichts über die Aufnahme. Provitamin-A-Carotinoide brauchen Fett, um aus dem Gemüse herauszukommen, und die DGE nennt dafür eine kleine Zahl: 2,4 bis 5 Gramm Fett je Mahlzeit genügen, „ungefähr ein Teelöffel Öl oder ein dünn bestrichenes Butterbrot". Der Löffel Öl über dem Karottensalat ist keine Küchenlegende. Welche Fette sinnvoll sind, steht im Artikel über gesunde Fette; warum Gehalt und Aufnahme zwei Dinge sind, erklärt der Artikel zur Bioverfügbarkeit.

Wie gut ist Deutschland versorgt?

Genauer, als die Ratgeberliteratur suggeriert — aber nicht genau genug. Die Nationale Verzehrsstudie II liefert zwei Zahlen, weil zwei Erhebungsmethoden eingesetzt wurden: In den Diet-History-Interviews lag der Median der Retinoläquivalent-Zufuhr bei 1,8 Milligramm pro Tag für Männer und 1,5 für Frauen, über zwei 24-Stunden-Erinnerungsprotokolle bei 1,2 beziehungsweise 1,0 Milligramm. Das Max Rubner-Institut weist selbst darauf hin, dass beide Verfahren teilweise voneinander abweichen.

Interessanter als der Median ist die Streuung. Bei Männern reichen die Perzentile von 0,7 über 1,8 im Median bis 4,4 Milligramm beim 95. Perzentil, bei Frauen von 0,7 über 1,5 bis 3,7. Und 15 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen erreichen den Referenzwert nicht, in der jüngsten Altersgruppe 29 und 25 Prozent.

Was so eine Prozentzahl bedeutet — und was nicht. Das Max Rubner-Institut formuliert es selbst: „Eine Nährstoffzufuhr unterhalb der Referenzwerte erlaubt nicht zwangsläufig den Rückschluss auf einen Mangel, sondern weist lediglich auf eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Unterversorgung hin."

Die entscheidende Zahl wird fast nie genannt: Die Obergrenze gilt nur für vorgebildetes Vitamin A, und die Verzehrsstudie tabelliert Retinol separat — Median 0,6 Milligramm pro Tag bei Männern und 0,4 bei Frauen, 95. Perzentil aber 2,8 bei Männern und 1,8 bei Frauen. Fünf Prozent der Männer erreichen damit allein über Lebensmittel 93 Prozent der tolerierbaren Gesamtzufuhr. Beta-Carotin liegt im Median bei 4,3 Milligramm bei Männern und 4,4 bei Frauen, also reichlich und unproblematisch.

Dazu kommt ein Satz der DGE, der auf keiner Ratgeberseite steht: „Die Referenzwerte werden in RAE angegeben, die Versorgung von Vitamin A in den (aktuellen) Ernährungserhebungen jedoch in RE. Es liegen keine separaten Angaben zur Zufuhr von Retinol und den verschiedenen Provitamin-A-Carotinoiden vor, so kann rückwirkend nicht in RAE umgerechnet werden." Deutschland hat seit 2020 einen Referenzwert, mit dem sich die vorhandenen Zufuhrdaten nicht vergleichen lassen. Bei Vitamin A wissen wir mehr über die Obergrenze als über die Versorgung.

Mangel: wen es wirklich trifft

Das erste erkennbare Symptom ist Nachtblindheit: Die Anpassung an Dunkelheit dauert länger, das Sehen bei schwachem Licht wird schlechter. Bleibt der Mangel bestehen, trocknen Tränendrüsen und Bindehaut aus, bis hin zu Hornhautgeschwüren und Erblindung. Unspezifisch treten Appetitlosigkeit, trockene verhornte Haut und Muskelschwäche auf.

Ein ernährungsbedingter Mangel wird in Deutschland laut DGE nur sehr selten festgestellt, und dann bei sehr einseitigen Ernährungsformen. Die relevanten Fälle sind sekundär und hängen an der Fettverdauung: entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Lebererkrankungen und Störungen der Bauchspeicheldrüse, außerdem schwere Verbrennungen, Alkoholmissbrauch und Verluste über die Nieren. Weltweit ist Vitamin-A-Mangel dagegen die führende Ursache vermeidbarer Erblindung bei Kindern — eine Lage, die mit der deutschen nicht vergleichbar ist.

Wie viel Vitamin A ist zu viel?

3.000 Mikrogramm Retinoläquivalent pro Tag aus allen Quellen zusammen gelten für Erwachsene als tolerierbare Gesamtzufuhr für vorgebildetes Vitamin A. Für Provitamin-A-Carotinoide aus Lebensmitteln gibt es keine solche Grenze.

Altersgruppe Mikrogramm RE pro Tag
4 bis 6 und 7 bis 11 Monate 600
1 bis 3 Jahre 800
4 bis 6 Jahre 1.100
7 bis 10 Jahre 1.500
11 bis 14 Jahre 2.000
15 bis 17 Jahre 2.600
Erwachsene, auch Schwangere, Stillende und Frauen nach den Wechseljahren 3.000

Tolerierbare Gesamtzufuhr, nur für vorgebildetes Vitamin A. Stand: EFSA 2024.

Der kritische Endpunkt heißt Teratogenität, also die Schädigung des ungeborenen Kindes; der Wert ohne beobachtete schädliche Wirkung liegt bei 3.000 Mikrogramm pro Tag. Leberschäden sind erst ab 7.500 Mikrogramm täglich in Fallberichten beschrieben.

Leber: einmal im Monat oder seltener

Die brauchbarste Regel zu Vitamin A ist eine Häufigkeitsregel, keine Mengenregel. Die EFSA kommt 2024 zu dem Ergebnis, dass europäische Bevölkerungen die Obergrenze voraussichtlich nicht überschreiten, wenn Leber, Innereien und daraus hergestellte Erzeugnisse auf einmal pro Monat oder seltener begrenzt werden. Die Rechnung dahinter: Über alle EU-Erhebungen mit berichtetem Innereienverzehr reicht das 95. Perzentil bei erwachsenen Männern bis 6.850 Mikrogramm Retinoläquivalent pro Tag, bei Frauen bis 4.048. Normiert auf einmal monatlich sinkt der höchste Wert auf 1.203 Mikrogramm, ohne Innereien auf 1.087.

Leberwurst und ein Stück rohe Rinderleber auf einem Holzbrett, daneben eine Schale mit Karotten

In der Schwangerschaft gilt die strengere Regel

Hier gehen die zuständigen Institutionen im Wortlaut auseinander. Die EFSA schreibt, Frauen mit Schwangerschaftswunsch und Schwangere sollten Leber, Innereien und daraus hergestellte Erzeugnisse nicht verzehren. Die DGE empfiehlt milder, besonders in den ersten drei Monaten auf regel- und übermäßigen Verzehr Vitamin-A-reicher Lebensmittel zu verzichten. Wer sich an die strengere Fassung hält, macht nichts falsch.

Die Datengrundlage stammt aus einer Kohorte mit 22.748 Schwangeren: Bei mehr als 15.000 Internationalen Einheiten vorgebildetem Vitamin A täglich aus Lebensmitteln und Supplementen zusammen war die Häufigkeit von Fehlbildungen im Bereich der kranialen Neuralleiste 3,5-mal so hoch; für Supplemente allein lag der Faktor über 10.000 Internationalen Einheiten bei 4,8. Leber wäre als dichteste Folatquelle naheliegend — warum sie trotzdem keine Option ist, steht bei Folsäure.

Woran man eine Überversorgung merkt

Über natürliche Lebensmittel ist eine Überversorgung nach Einschätzung der DGE kaum möglich; entstehen kann sie durch unsachgemäße Einnahme von Präparaten oder übermäßigen Leberverzehr über lange Zeit. Die Symptome sind unspezifisch: Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen, trockene und gerötete Haut, Haarausfall und brüchige Fingernägel. Am besten untersucht ist ein Symptom, das viele falsch deuten — trockene, rissige Lippen und welcher Mangel dahintersteckt.

Der Abstand zu handelsüblichen Dosierungen ist groß: Eine chronische Intoxikation beschreibt der MSD Manual erst ab mehr als 100.000 Internationalen Einheiten täglich über Monate, also mehr als 30.000 Mikrogramm. Harmlos ist dagegen die Carotinodermie nach sehr viel Beta-Carotin: Handflächen und Fußsohlen färben sich tiefgelb, das Augenweiß bleibt weiß — genau daran unterscheidet sie sich von einer Gelbsucht.

Was in Präparaten steckt

Verbindliche Höchstmengen für Vitamin A in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland und in der EU nicht. Das BfR hat 2021 zwei Optionen vorgeschlagen: kein Zusatz oder maximal 0,2 Milligramm je Tagesverzehrempfehlung. Die Begründung steht im Dokument selbst: „Der Sicherheitsabstand zwischen UL und Zufuhrempfehlung bzw. tatsächlicher Zufuhr (P95) ist folglich sehr gering, und es besteht de facto kein Spielraum." Dazu empfiehlt das BfR den Hinweis, dass eine Vitamin-A-Supplementierung in der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen soll. Warum solche Vorschläge keine geltenden Grenzwerte sind, erklärt der Vitamin-Überblick.

Der Markt sieht anders aus. Eine EFSA-Auswertung europäischer Produktdaten von 2017 bis 2022, beschränkt auf Präparate mit vorgebildetem Vitamin A, verteilt sich je Tagesportion so: 17,1 Prozent bis 250 Mikrogramm, 26,9 Prozent zwischen 250 und 500, 10,1 Prozent zwischen 500 und 750, 40,0 Prozent zwischen 750 und 1.000 und 5,9 Prozent zwischen 1.000 und 2.400. Passend dazu fand eine Nachauswertung des Max Rubner-Instituts bei 13 Prozent der Anwender von Nahrungsergänzungsmitteln eine Überschreitung der Höchstmenge.

Transparenz zum eigenen Produkt. Unser Multipräparat DailyVit enthält 800 Mikrogramm Vitamin A je Tagesportion, deklariert als Retinoläquivalent: 100 Prozent des Nährstoffbezugswerts, rund 27 Prozent der tolerierbaren Gesamtzufuhr — und das Vierfache dessen, was das BfR vorschlägt. Es handelt sich um vorgebildetes Vitamin A, also die Form, für die die Obergrenze gilt. Deshalb steht auf der Packung der Hinweis, dass Vitamin A in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden soll, und deshalb ist DailyVit für Schwangere nicht geeignet. Und deshalb gilt: Wer regelmäßig Leber isst, braucht kein zusätzliches Vitamin A.

Beta-Carotin: Gemüse und Kapsel

Für Provitamin A aus Lebensmitteln ist keine tolerierbare Gesamtzufuhr abgeleitet, und bei hoher Zufuhr natürlicher Provitamin-A-Carotinoide sind keine unerwünschten Wirkungen bekannt. Die EFSA formuliert 2024 klar, es gebe keinen Hinweis darauf, dass die Beta-Carotin-Zufuhr aus der normalen Ernährung einschließlich der Verwendung als Lebensmittelfarbstoff mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Bei isoliertem Beta-Carotin hat sich die Lage 2024 verändert. Die verbreitete Aussage, 15 Milligramm täglich gälten als sicher, auch für Rauchende, ist nicht mehr die Position der Behörde: Für supplementiertes Beta-Carotin lässt sich nach Bewertung der EFSA weder eine tolerierbare Höchstmenge noch ein sicherer Zufuhrwert ableiten, kritischer Endpunkt ist das Lungenkrebsrisiko. Daraus folgen drei Punkte: Rauchende sollen Nahrungsergänzungsmittel mit Beta-Carotin meiden; in der übrigen Bevölkerung soll supplementiertes Beta-Carotin auf die Bedarfsdeckung begrenzt bleiben; ausgenommen ist die therapeutische Anwendung unter ärztlicher Aufsicht.

Ein Detail geht dabei regelmäßig verloren: Die CARET-Studie, einer der Auslöser dieser Bewertung, enthielt nicht nur 30 Milligramm Beta-Carotin täglich, sondern zusätzlich 25.000 Internationale Einheiten Retinylpalmitat — also vorgebildetes Vitamin A. Sie ist damit nicht ausschließlich ein Beta-Carotin-Befund. Warum dieselben Stoffe als Kapsel schlechter abschneiden als im Gemüse, haben wir bei den Antioxidantien aufgeschrieben.

Vitamin A bei veganer Ernährung

Eine ausreichende Versorgung ist bei veganer Ernährung prinzipiell auch allein über Provitamin-A-Carotinoide möglich. Die DGE nennt vier Bedingungen: keine Einschränkung der Fettverdauung und Fettaufnahme, ausreichende Aktivität der umwandelnden Enzyme, eine adäquate Schilddrüsenfunktion und eine „sehr bewusste Ernährungsweise und Auswahl".

Die zweite Bedingung ist die am wenigsten bekannte. Absorption und Umwandlung von Beta-Carotin sind zwischen Personen extrem variabel; der Anteil schwacher Verwerter wird mit bis zu 45 Prozent angegeben. Dahinter stehen Varianten des BCMO1-Gens, die die Aktivität des umwandelnden Enzyms senken — bei Probandinnen um 59, 51 und 48 Prozent. Der Faktor 12 ist deshalb ein Durchschnitt, kein individueller Umrechnungskurs; eine Handlungsempfehlung folgt daraus nicht.

Dass rein pflanzliche Mengen zusammenkommen, zeigt ein Rechenbeispiel der DGE: 150 Gramm gegarte Süßkartoffel, 50 Gramm Aprikose, 50 Gramm Feldsalat und 12 Gramm Rapsöl ergeben 1.165 Mikrogramm RAE. Die DGE kennzeichnet solche Beispiele ausdrücklich nicht als Tagespläne. Das Öl darin ist kein Beiwerk, sondern die Voraussetzung für die Aufnahme. Bei Schwangeren, Stillenden, Kindern und Jugendlichen kann die Umsetzung laut DGE „aufgrund der dafür notwendigen Lebensmittelmengen schwierig sein, sodass das Risiko für eine Unterversorgung erhöht sein kann". Welche Nährstoffe bei veganer Ernährung insgesamt zählen, haben wir separat zusammengestellt.

Frau schneidet in einer Küche Karotten und Süßkartoffeln auf einem Holzbrett

Vitamin A und Knochen

Die Frage ist berechtigt, und die Antwort hat sich 2024 verschoben. In der Nurses' Health Study mit 72.337 Frauen nach den Wechseljahren und 603 Hüftfrakturen über 18 Jahre hatte das höchste Fünftel der Gesamtzufuhr, ab 3.000 Mikrogramm Retinoläquivalent täglich, ein um 48 Prozent höheres relatives Risiko; zurückführen ließ sich das vor allem auf Retinol, nicht auf Beta-Carotin. In einer schwedischen Kohorte mit 2.322 Männern über 30 Jahre hatte das höchste Fünftel des Serumretinols ein 2,47-fach höheres Risiko für Hüftfrakturen, während Serum-Beta-Carotin nicht assoziiert war.

Eine Meta-Analyse aus acht Zufuhrstudien mit 283.930 Teilnehmenden und vier Serumstudien mit 8.725 Teilnehmenden bestätigte das Muster für Hüftfrakturen und fügte eine entscheidende Beobachtung hinzu: Der Zusammenhang mit Serumretinol ist U-förmig. Hohe Spiegel gingen mit einem 1,87-fachen Risiko einher, niedrige mit einem 1,56-fachen. Beta-Carotin war mit 0,82 nicht nachteilig assoziiert. Eine Übersichtsarbeit von 2024 fasst zusammen: Im Tierversuch ist der Effekt eindeutig, klinisch sind die Befunde inkonsistent.

Die EFSA zieht daraus 2024 einen klaren Schluss: Die seit der Bewertung des SCF von 2002 verfügbar gewordene Evidenz stützt den Zusammenhang zwischen vorgebildetem Vitamin A bis 3.000 Mikrogramm Retinoläquivalent pro Tag und beeinträchtigter Knochengesundheit nicht; für den Bereich zwischen 1.000 und 3.000 Mikrogramm lässt sich eine Kausalität nicht herstellen. Die frühere Sonderempfehlung, Frauen nach den Wechseljahren sollten bei 1.500 Mikrogramm bleiben, hat die EFSA nicht fortgeführt. Das BfR legt sie seinem Höchstmengenvorschlag von 2021 weiter zugrunde. Beide Positionen existieren parallel, und keine ist widerlegt. Was für die Knochen zählt, steht bei Osteoporose und Ernährung.

Haut, Retinoide und Kosmetik

Retinoide sind Abkömmlinge des Vitamin A, aber sie sind Arzneimittel: Orale Retinoide sind in der Schwangerschaft kontraindiziert und unterliegen einem Schwangerschaftsverhütungsprogramm mit Schwangerschaftsausschluss, ärztlich überwachten Tests und verpflichtender Verhütung, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 2024 in einem Rote-Hand-Brief bekräftigt hat. Hochdosiertes Vitamin A als Nahrungsergänzungsmittel ist kein Ersatz dafür, sondern ein Risiko. Und dass Vitamin A aus der Ernährung Akne verbessert, ist nicht belegbar — es gibt dafür keine belastbare Quelle und keine zugelassene Angabe. Was bei Akne untersucht ist, steht im Artikel zur Ernährung bei Akne.

Seit der Verordnung (EU) 2024/996 sind Retinol, Retinylacetat und Retinylpalmitat in Kosmetik auf 0,05 Prozent Retinoläquivalent in Körperlotion und 0,3 Prozent in anderen Mitteln begrenzt, mit dem vorgeschriebenen Warnhinweis „Enthält Vitamin A. Berücksichtigen Sie Ihre tägliche Aufnahme vor der Anwendung." Die Begründung: Der kosmetische Anteil an der Gesamtexposition ist klein, kann aber für die Verbraucher von Bedeutung sein, die über Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel die höchste Vitamin-A-Exposition aufweisen — rund 5 Prozent der Bevölkerung.

Wenn du bei der Umstellung Begleitung möchtest. Gemüsereicher und fettärmer essen heißt bei Vitamin A nicht schlechter versorgt sein — es braucht nur das bisschen Fett je Mahlzeit. Die Stoffwechselkur von VitalBodyPLUS ist ein kalorienreduziertes, eiweißbetontes Programm mit individuell berechnetem Bedarf, fester Stabilisierungsphase und enthaltener Ernährungsberatung; Magdalena Mathiessen und ihr Team begleiten die Kurgruppen täglich persönlich per WhatsApp.

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Was die EU sagen darf

Für Vitamin A sind in der EU genau sechs gesundheitsbezogene Angaben zugelassen, und sie dürfen nur in diesem Wortlaut verwendet werden:

  • „Vitamin A trägt zu einem normalen Eisenstoffwechsel bei"
  • „Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei"
  • „Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Haut bei"
  • „Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei"
  • „Vitamin A trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei"
  • „Vitamin A hat eine Funktion bei der Zellspezialisierung"

Alle sechs setzen voraus, dass das Produkt mindestens 15 Prozent des Nährstoffbezugswerts enthält. Exklusiv sind die meisten Angaben nicht: Die Sehkraft teilt Vitamin A mit Riboflavin, Zink und der Omega-3-Fettsäure DHA, die Haut zusätzlich mit Biotin, Jod und Niacin. Ein „gut für die Augen" auf der Packung sagt also nichts darüber, ob Vitamin A dahintersteckt. Einzigartig ist nur eine Angabe: Die Zellspezialisierung führt in der Unionsliste kein anderer Nährstoff. Den Immun-Claim teilt Vitamin A mit neun weiteren Nährstoffen — was er bedeutet, steht bei Immunsystem stärken.

Zwei Lücken sind ebenso aussagekräftig. Für Beta-Carotin selbst existiert keine einzige zugelassene Angabe: Ein Produkt darf mit Beta-Carotin als Vitamin-A-Quelle die sechs Claims führen, Beta-Carotin selbst darf nichts versprechen. Und „Energiestoffwechsel" kommt in der Unionsliste 15-mal vor, kein einziges Mal für Vitamin A — Werbung, die Vitamin A mit Fettverbrennung oder Gewichtsabnahme verknüpft, ist unzulässig.

Häufige Fragen

Wie viel Vitamin A am Tag braucht man?

Die D-A-CH-Referenzwerte liegen für Erwachsene von 19 bis 65 Jahren bei 850 Mikrogramm Retinolaktivitätsäquivalent täglich für Männer und 700 für Frauen, für Schwangere bei 800, für Stillende bei 1.300. Auf Verpackungen steht eine andere Bezugsgröße: der Nährstoffbezugswert von 800 Mikrogramm.

Wie viel Beta-Carotin entspricht 1 Mikrogramm Vitamin A?

Nach dem aktuellen deutschen Bezugssystem entsprechen 12 Mikrogramm Beta-Carotin einem Mikrogramm Retinolaktivitätsäquivalent, bei anderen Provitamin-A-Carotinoiden sind es 24. Der oft zitierte Faktor 6 gehört zum älteren Retinoläquivalent, das die EFSA bis heute verwendet.

Wie viel Vitamin A ist zu viel?

Für vorgebildetes Vitamin A aus allen Quellen nennt die EFSA 3.000 Mikrogramm Retinoläquivalent pro Tag als tolerierbare Gesamtzufuhr für Erwachsene, einschließlich Schwangerer, Stillender und Frauen nach den Wechseljahren. Für Kinder und Jugendliche reicht die Staffel von 600 bis 2.600 Mikrogramm. Für Provitamin A aus Lebensmitteln ist keine Obergrenze abgeleitet.

Darf man in der Schwangerschaft Leber essen?

Die EFSA rät Frauen mit Schwangerschaftswunsch und Schwangeren von Leber, Innereien und daraus hergestellten Erzeugnissen ab. Die DGE empfiehlt besonders in den ersten drei Monaten, auf regelmäßigen und übermäßigen Verzehr Vitamin-A-reicher Lebensmittel zu verzichten. Präparate mit Vitamin A gehören in der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache dazu.

Woran merkt man einen Vitamin-A-Mangel?

Das erste erkennbare Zeichen ist Nachtblindheit, dazu kommen trockene Tränendrüsen und Bindehaut, in schweren Fällen bis zum Hornhautgeschwür. Unspezifisch treten Appetitlosigkeit, trockene verhornte Haut und Muskelschwäche auf. Ein ernährungsbedingter Mangel wird in Deutschland nur sehr selten festgestellt.

Weiterlesen

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung. FAQ Vitamin A, November 2020; Referenzwerte Vitamin A, Ableitung 2020.
  • EFSA NDA Panel. Tolerable upper intake level for preformed vitamin A and beta-carotene. EFSA J 2024;22(6):e8814. PMID 38846679.
  • BfR. Höchstmengenvorschläge für Vitamin A in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln; Höchstmengenempfehlungen, Stand 2021.
  • Max Rubner-Institut. Nationale Verzehrsstudie II, Teil 2, S. 107–108, Tab. A. 34 bis A. 36; Nährstoffzufuhr auf Basis von 24h-Recalls, Tab. 3 und 4.
  • Verordnung (EU) Nr. 432/2012 (Unionsliste, Fassung 17.05.2021); Nr. 1169/2011, Anhang XIII Teil A; (EU) 2024/996, Eintrag 376. BfArM, Rote-Hand-Brief orale Retinoide, 02.05.2024.
  • Rothman KJ et al. Teratogenicity of high vitamin A intake. N Engl J Med 1995;333:1369–1373. PMID 7477116.
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  • MSD Manual, Profi-Ausgabe. Vitamin-A-Intoxikation.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Bei Schwangerschaft oder Schwangerschaftswunsch, bei einer Behandlung mit Retinoiden und bei Erkrankungen von Darm, Leber oder Bauchspeicheldrüse bespreche die Vitamin-A-Zufuhr bitte ärztlich.