Mit einer Ernährungsumstellung langfristig abnehmen: So geht es - VitalBodyPLUS.de

Ernährungsumstellung: wie lange sie dauert und wie du sie durchhältst

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Bis eine neue Essgewohnheit von allein läuft, vergehen im Median rund zwei Monate – nicht drei Wochen. Der Körper braucht länger: Eine dauerhaft veränderte Energiezufuhr entfaltet etwa die Hälfte ihrer Wirkung aufs Gewicht erst nach ungefähr einem Jahr. Was am stärksten hilft, ist nicht mehr Wissen, sondern eine veränderte Umgebung und konkrete Wenn-dann-Pläne.

„Keine Diät, sondern eine Ernährungsumstellung“ – der Satz steht in jedem Ratgeber. Er stimmt auch. Nur beantwortet er die eigentliche Frage nicht: Wie stellt man um, und wie hält man es durch? Dieser Artikel sammelt, was sich dazu belegen lässt – inklusive der Stellen, an denen die verbreiteten Ratschläge schlicht falsch sind.

Frau schreibt am Küchentisch einen Wochenplan neben Gemüse und Obst

Diät oder Umstellung – was der Unterschied wirklich ist

Ehrlich gesagt: Wissenschaftlich sind die beiden Begriffe nicht sauber getrennt. Es gibt keine Studie, die „Diät“ und „Ernährungsumstellung“ als Kategorien definiert und vergleicht. Die Unterscheidung ist eine sprachliche Konvention.

Belegt ist etwas anderes – und das ist die schärfere Aussage. Die britische NICE-Leitlinie von 2025 formuliert es so: Von nährstoffunausgewogenen, stark einschränkenden Diäten ist abzuraten, weil sie langfristig unwirksam sind und schaden können. Und die deutsche S3-Leitlinie zur Adipositas fordert für dauerhaften Erfolg ausdrücklich „eine langfristige Ernährungsumstellung im Sinne einer energieärmeren Kost“.

Drei Sätze aus den Leitlinien, die das Thema entschärfen

  • Kein Diätkonzept ist einem anderen überlegen. Bei gleichem Energiedefizit kommen die etablierten Kostformen auf ähnliche Ergebnisse – die Auswahl richtet sich deshalb nach den Vorlieben der Person, nicht nach der Theorie.
  • Die Erfolgsschwelle liegt bei fünf Prozent. „Als ‚Schwelle zum Erfolg‘ hat sich eine relative Gewichtsreduktion von mindestens 5 % etabliert, die über einen längerfristigen Zeitrahmen gehalten werden kann.“
  • Kleine Schritte sind der empfohlene Weg. Es gehe darum, „den Energiegehalt der üblichen Speisen in meist kleinen Schritten zu senken“.

Was daraus folgt, ist unbequemer, als es klingt: Der Vorteil der Umstellung gegenüber der Diät ist kein stoffwechselphysiologischer. Es ist ein Adhärenz-Vorteil. Sie funktioniert, weil man sie durchhält – und genau deshalb geht es im Rest dieses Artikels ums Durchhalten.

Wie lange es dauert

Die berühmten 21 Tage kommen aus keiner Studie. Der Schönheitschirurg Maxwell Maltz beschrieb 1960 die Beobachtung, dass seine Patienten nach einer Operation etwa drei Wochen brauchten, um sich an ihr verändertes Aussehen zu gewöhnen. Aus einer Beobachtung zum Selbstbild wurde über Jahrzehnte eine Regel zur Gewohnheitsbildung.

Die tatsächlichen Zahlen kommen aus zwei Arbeiten.

Lally u. a. 2010 Meta-Analyse 2024
Teilnehmende 96 (39 auswertbare Verläufe) 2.601 aus 20 Studien
Median bis zur Automatisierung 66 Tage 59 bis 66 Tage
Individuelle Spannbreite 18 bis 254 Tage 4 bis 335 Tage
Beide Arbeiten messen, wann ein neues Verhalten ohne bewusste Anstrengung abläuft.

Die Autoren der Meta-Analyse schreiben, ihre Daten würden „die verbreitete Vorstellung, Gewohnheiten ließen sich in etwa 21 Tagen bilden, klar widerlegen“. Realistisch seien zwei bis fünf Monate.

Und dann steht in der Arbeit von 2010 ein Nebensatz, der praktisch wertvoller ist als alle Mediane: Das Auslassen einer einzelnen Gelegenheit beeinträchtigte die Gewohnheitsbildung nicht messbar. Ein Tag, an dem es nicht klappt, wirft nichts zurück. Das ist keine Beschwichtigung, das ist ein Messergebnis.

Was die Studien über die Streuung sagen

Zwischen 4 und 335 Tagen liegt der Faktor 80. Wer nach sechs Wochen feststellt, dass sich noch nichts „von allein“ anfühlt, liegt also völlig im Rahmen. Als stärkste Einflussfaktoren fand die Meta-Analyse: die Häufigkeit der Wiederholung, ein stabiler Auslöser in immer derselben Situation, morgens etablierte Routinen, selbst gewählte statt vorgeschriebene Verhaltensweisen – und ob man das Neue angenehm findet.

Was im Körper passiert

Parallel zur Gewohnheit läuft eine zweite Zeitachse, und die ist deutlich länger.

Zeitraum Was passiert
Tag 1 bis 7 Glykogenspeicher leeren sich, und Glykogen ist mit Wasser gespeichert – drei bis vier Teile Wasser je Teil Glykogen. Die Waage bewegt sich schnell, Fett ist daran kaum beteiligt
Woche 2 bis 12 Der Energieverbrauch sinkt. Nach 10 Prozent Gewichtsabnahme lag er in einer kontrollierten Untersuchung um 6 bis 8 Kilokalorien je Kilogramm fettfreier Masse und Tag niedriger
Monat 3 bis 6 „Meist stellt sich nach drei bis sechs Monaten ein neues Energiegleichgewicht ein“ – das Gewicht bleibt stehen, der Fokus wechselt zum Halten
Rund 12 Monate Erst dann ist etwa die Hälfte der Wirkung einer dauerhaft veränderten Energiezufuhr aufs Gewicht erreicht

Der wichtigste Befund kommt aus einer Studie, die 50 Menschen nach einer zehnwöchigen sehr kalorienarmen Phase über 62 Wochen begleitete. Nach im Mittel 13,5 Kilogramm Abnahme war das Hungerhormon Ghrelin erhöht, Leptin, PYY und Cholecystokinin waren gesenkt – und das subjektive Hungergefühl war erhöht. Ein Jahr nach der Abnahme waren diese Werte noch nicht auf den Ausgangsstand zurückgekehrt.

Das ist kein Willensproblem. Es ist der Grund, warum die Phase nach dem Abnehmen mehr Struktur braucht als die Abnahmephase selbst.

Und der „kaputte Stoffwechsel“?

Der Effekt ist real, wird aber regelmäßig übertrieben. Die viel zitierten Zahlen stammen aus einer Nachuntersuchung von 14 Teilnehmenden einer Fernsehshow, die in 30 Wochen im Mittel 58 Kilogramm abgenommen hatten. Das ist ein Extremfall unter Sonderbedingungen und lässt sich nicht auf eine normale Ernährungsumstellung übertragen. Bei zehn Prozent Gewichtsabnahme spricht man von einigen hundert Kilokalorien pro Tag, nicht von einem defekten Stoffwechsel.

Vorbereitete Mahlzeiten in Vorratsdosen auf einer Küchenarbeitsplatte

Womit du anfängst: die belegten Hebel

Sortiert nach Evidenz und Effektgröße, nicht nach Popularität.

1. Flüssige Kalorien

Der größte Effekt bei geringstem Aufwand. Der Körper gleicht Kalorien aus fester Nahrung weitgehend aus, indem er später weniger isst – bei flüssigen Kalorien passiert das kaum. Wer zuckergesüßte Getränke ersetzt, spart Energie, ohne dass ein Sättigungsgefühl verloren geht.

2. Energiedichte statt Portionsgröße

Das ist der unterschätzteste Hebel überhaupt, und dazu gibt es eine besonders aussagekräftige Studie: Über zwölf Monate wurden zwei Gruppen verglichen, beide sollten Fett reduzieren, eine zusätzlich mehr Obst, Gemüse und wasserreiche Lebensmittel essen. Es gab keine Kalorienvorgabe – beide aßen nach Appetit.

Nur Fett reduziert Fett reduziert + mehr Volumen
Gewichtsverlust nach 6 Monaten 6,7 kg 8,9 kg
Gewichtsverlust nach 12 Monaten 6,4 kg 7,9 kg
Hungergefühl (Tagesscore) 53,5 46,7

Die Gruppe mit der niedrigeren Energiedichte aß mehr Lebensmittelgewicht, nahm mehr ab und hatte weniger Hunger. Eine Meta-Analyse aus 31 Studien bestätigt die Dosis-Wirkung: Pro 100 Kilokalorien weniger in den servierten Speisen sank die Tagesaufnahme um rund 77 Kilokalorien – nur etwa ein Drittel wurde anderweitig nachgeholt.

Praktisch heißt das: nicht „weniger essen“, sondern anders zusammensetzen. Wasser und Ballaststoffe senken die Energiedichte, Fett und trockene verarbeitete Produkte erhöhen sie.

3. Verarbeitungsgrad

In einem stationären Crossover-Versuch bekamen 20 Menschen zwei Wochen lang hochverarbeitete und zwei Wochen lang unverarbeitete Kost – abgeglichen in Kalorien, Zucker, Fett, Ballaststoffen und Natrium, jeweils nach Appetit. Auf der hochverarbeiteten Kost aßen sie rund 500 Kilokalorien pro Tag mehr und nahmen 0,9 Kilogramm zu; auf der unverarbeiteten nahmen sie 0,9 Kilogramm ab. Ein beobachteter Mechanismus: Sie aßen schneller.

Wichtig ist die Präzisierung der Leitlinie: Sie empfiehlt, hochverarbeitete Lebensmittel mit hoher Energiedichte zu begrenzen – nicht Verarbeitung an sich. Tiefkühlgemüse ist verarbeitet und völlig unproblematisch.

4. Ballaststoffe – mit einer ehrlichen Einordnung

Der Richtwert der DGE liegt bei mindestens 30 Gramm am Tag, EFSA und WHO nennen 25 Gramm. Tatsächlich kommen Frauen in Deutschland auf etwa 18, Männer auf etwa 19 Gramm – es fehlen also rund elf bis zwölf Gramm täglich.

Der reine Gewichtseffekt ist allerdings klein: In einer Auswertung von 27 randomisierten Studien betrug er −0,37 Kilogramm. Der große Nutzen liegt woanders – bei Gesamtsterblichkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes lag die Risikoreduktion bei 15 bis 24 Prozent, mit dem Optimum zwischen 25 und 29 Gramm täglich. Ballaststoffe sind kein Abnehm-Turbo. Sie wirken über Sättigung und Energiedichte – und sie sind aus anderen Gründen wichtig.

5. Schlaf

Der Hebel, an den beim Thema Ernährung kaum jemand denkt. In einer randomisierten Studie senkte allein die Verlängerung der Schlafdauer um etwa 1,2 Stunden pro Nacht die objektiv gemessene Kalorienaufnahme um rund 270 Kilokalorien am Tag – ohne jede Ernährungsvorgabe. Umgekehrt erhöhte teilweiser Schlafentzug die Energieaufnahme in einer Meta-Analyse um 385 Kilokalorien.

Wie du es durchhältst

Hier liegt der eigentliche Unterschied zwischen den Menschen, die es schaffen, und denen, die es nicht schaffen – und er hat wenig mit Wissen zu tun.

Umgebung schlägt Information

Eine Meta-Analyse aus 96 Feldexperimenten hat verglichen, welche Art von Maßnahme das Essverhalten tatsächlich verändert. Maßnahmen, die an der Umgebung ansetzen – was verfügbar ist, wie weit weg es steht, wie es platziert ist – wirkten mit einer Effektstärke von etwa 0,39. Maßnahmen, die an Information ansetzen – Nährwertangaben, Aufklärung –, kamen auf 0,12. Umgerechnet sind das rund 209 gegenüber 64 Kilokalorien pro Tag.

Ein Cochrane-Review bestätigt die Richtung: Je weiter ein Lebensmittel entfernt platziert war, desto weniger wurde davon gegessen – und der Effekt wurde mit der Entfernung größer.

Wenn-dann-Pläne

Die wirksamste einzelne Technik der Verhaltensforschung, und sie kostet nichts. Das Format lautet: Wenn Situation Y eintritt, dann tue ich Z. Über 94 Studien hinweg lag die Effektstärke auf die Zielerreichung bei 0,65 – besonders stark beim Problem „vom Kurs abkommen“ (0,77).

Eine Nuance, die den Unterschied macht

Für Ernährung wurde das gesondert untersucht: Wenn-dann-Pläne wirken beim Hinzufügen deutlich besser (Effektstärke 0,51) als beim Weglassen (0,29).

  • Weniger wirksam: „Wenn ich Lust auf Schokolade habe, dann esse ich keine.“
  • Wirksamer: „Wenn ich um 16 Uhr Hunger bekomme, dann esse ich den vorbereiteten Skyr mit Beeren.“
  • Wirksamer: „Wenn ich sonntags einkaufe, dann schneide ich direkt danach Gemüse für drei Tage.“
  • Wirksamer: „Wenn ich einen Tag verhaue, dann mache ich mit der nächsten Mahlzeit normal weiter – nicht am nächsten Montag.“

Die sieben Bausteine aus der Leitlinie

Die S3-Leitlinie nennt sieben Verhaltensbausteine, die angewendet werden können. Sie sind ein brauchbares Gerüst, weil sie nichts voraussetzen:

  1. Selbstbeobachtung von Verhalten und Fortschritt
  2. Stimuluskontrolle – die Leitlinie wird hier konkret: „Bevorratung von nur umschriebenen Mengen an Nahrungsmitteln, Einkaufen im satten Zustand, Nahrungsaufnahme zu festen Zeiten, Essen nicht beim Fernsehen, Zeitunglesen, am Mobilgerät oder vor dem Computer“
  3. Realistische Zielvereinbarungen
  4. Belohnung von Veränderungen
  5. Rückfallprävention
  6. Strategien für den Fall, dass das Gewicht wieder steigt
  7. Soziale Unterstützung

Zum Wiegen gibt es eine brauchbare Zahl: Im amerikanischen Gewichtskontrollregister nahmen Menschen, die ihre Wiegehäufigkeit im Lauf eines Jahres verringerten, im Mittel 4,0 Kilogramm zu – wer sie erhöhte, nur 1,1 Kilogramm. Das ist eine Beobachtung, kein Beweis. Und bei einer Vorgeschichte mit Essstörungen sollte häufiges Wiegen ärztlich oder therapeutisch abgesprochen werden.

Begleitung

Der am besten belegte Hebel, über den am wenigsten gesprochen wird. Die US Preventive Services Task Force wertete 67 Studien mit über 22.000 Teilnehmenden aus: Mehrteilige Verhaltensprogramme mit mindestens zwölf Kontakten im ersten Jahr führten zu 2,39 Kilogramm mehr Gewichtsverlust als die Kontrollgruppe, und die Wahrscheinlichkeit für mindestens fünf Prozent Abnahme war fast doppelt so hoch. Rechnerisch profitiert einer von acht.

Genau an diesem Punkt setzt unsere Kur an. Sie ist keine Diät, die irgendwann aufhört: Der Bedarf wird individuell berechnet statt pauschal vorgegeben, die Mahlzeiten sind eiweißbetont und gemüsereich aufgebaut – also genau die niedrige Energiedichte, die oben den größten Effekt hatte – und die Stabilisierungsphase ist von Anfang an Teil des Plans. Dazu kommt tägliche persönliche Begleitung per WhatsApp. Das ist der Baustein, für den die Evidenz am eindeutigsten ist.

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Woran Umstellungen scheitern

Unrealistische Erwartungen

Eine Untersuchung an 60 Frauen zeigt das Problem in einer Zahl: Ihr Wunschgewicht entsprach im Mittel einer Reduktion um 32 Prozent des Körpergewichts. Ein Verlust von 17 Kilogramm galt als „enttäuschend“. Nach 48 Wochen Behandlung und im Mittel 16 Kilogramm tatsächlicher Abnahme erreichten 47 Prozent nicht einmal ihr eigenes „enttäuschendes“ Gewicht.

Die klinische Erfolgsschwelle liegt bei fünf Prozent. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt ein großer Teil aller Abbrüche.

Alles-oder-nichts-Denken

Ein Ausrutscher ist kein Problem – die Bewertung danach ist eines. Die Leitlinie nennt als ausdrückliches Ziel der Rückfallprävention die „Vermeidung von Katastrophisierung“. Und die Gewohnheitsforschung sagt dasselbe in Daten: ein ausgelassener Tag, kein messbarer Schaden.

Die Umgebung, in der wir leben

Die Leitlinie ist hier ungewöhnlich deutlich: „Unsere Umwelt – ständige Verfügbarkeit von Nahrung – und die physiologischen Anpassungsvorgänge bei Gewichtsreduktion erschweren die Aufrechterhaltung von Verhaltensänderungen.“ Wer scheitert, scheitert selten an mangelnder Einsicht.

Alleine

In einer Untersuchung hielten Teilnehmende, die zusammen mit Freunden teilnahmen und Strategien zur gegenseitigen Unterstützung erhielten, ihren Gewichtsverlust zu 66 Prozent vollständig. Wer allein rekrutiert wurde und die Standardbehandlung erhielt, schaffte das zu 24 Prozent.

Wann professionelle Hilfe dazugehört

Die S3-Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, bei Verdacht auf eine begleitende psychische Störung – etwa eine Essstörung oder eine Depression – die Vorstellung bei einer Fachperson zu empfehlen. Wenn Essen dich stark beschäftigt, wenn Essanfälle auftreten oder wenn du das Gefühl hast, die Kontrolle zu verlieren, ist das kein Grund für mehr Disziplin, sondern ein Grund für ein Gespräch.

Verändert sich der Geschmack wirklich?

Ja – aber differenzierter, als überall behauptet wird.

Bei Salz ist es belegt: Nach zwei bis drei Monaten mit deutlich weniger Natrium verschob sich in Untersuchungen die bevorzugte Salzkonzentration nach unten. Die früher gewohnte Menge wurde als zu salzig empfunden. Typischer Verlauf: anfangs deutliche Ablehnung, später Akzeptanz, dann Umkehrung der Vorliebe.

Bei Zucker ist der Befund anders – und das ist der Punkt, an dem fast jeder Ratgeber zu viel verspricht. Nach drei Monaten stark reduzierter Zuckerzufuhr bewerteten Teilnehmende dieselben Speisen als rund 40 Prozent süßer. Die empfundene Angenehmheit änderte sich aber nicht. Süßes schmeckt also intensiver süß – nicht automatisch weniger gut. Die Studienautoren schreiben selbst, es brauche weitere Arbeiten, um zu klären, ob sich die Vorlieben am Ende verschieben.

Offener Kühlschrank mit gewaschenem Gemüse in Sichthöhe

Die Phase danach

Die ehrlichen Zahlen: Laut S3-Leitlinie nehmen die meisten Menschen im ersten Jahr 30 bis 50 Prozent des verlorenen Gewichts wieder zu, und über die Hälfte erreicht nach drei bis fünf Jahren wieder das Ausgangsgewicht.

Das liegt an dem, was weiter oben steht: gesenkter Energieverbrauch, verschobene Hormonlage, eine Umgebung voller Gelegenheiten. Die Leitlinie formuliert es so, dass eine Wiederzunahme „nur bedingt von der Adhärenz“ abhängig sei.

Was die Menschen unterscheidet, die es halten, lässt sich aus Registerdaten ablesen – als Muster, nicht als Beweis: Sie sind fast alle täglich mindestens eine Stunde körperlich aktiv, drei Viertel wiegen sich regelmäßig, und ihr Essverhalten unterscheidet sich unter der Woche kaum vom Wochenende. Und: Nach zwei bis fünf Jahren erfolgreichen Haltens steigt die Chance auf dauerhaften Erfolg deutlich.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Ernährungsumstellung?

Bis eine neue Essgewohnheit automatisch abläuft, vergehen im Median rund zwei Monate – in Studien lag die Spanne zwischen wenigen Wochen und über neun Monaten. Der Körper braucht länger: Eine dauerhaft veränderte Energiezufuhr entfaltet etwa die Hälfte ihrer Wirkung aufs Gewicht erst nach ungefähr einem Jahr.

Stimmt die 21-Tage-Regel?

Nein. Die Zahl geht auf eine Beobachtung des Schönheitschirurgen Maxwell Maltz aus dem Jahr 1960 zurück – er beschrieb, wie lange Patienten brauchten, um sich an ihr verändertes Aussehen zu gewöhnen, nicht an ein neues Verhalten. Eine Meta-Analyse aus 20 Studien mit 2.601 Teilnehmenden nennt einen Median von 59 bis 66 Tagen und widerlegt die 21-Tage-Vorstellung ausdrücklich.

Wie schaffe ich eine Ernährungsumstellung?

Wirksam ist nicht mehr Wissen, sondern eine veränderte Umgebung und konkrete Wenn-dann-Pläne. In Feldexperimenten wirkten Änderungen an Verfügbarkeit und Platzierung von Lebensmitteln rund dreimal so stark wie reine Information, und Wenn-dann-Pläne erhöhten die Zielerreichung mit einer Effektstärke von 0,65.

Was soll ich als Erstes umstellen?

Flüssige Kalorien, weil der Körper sie kaum ausgleicht. Danach die Energiedichte der Mahlzeiten: In einer Jahresstudie nahm die Gruppe mit mehr Gemüse, Obst und wasserreichen Lebensmitteln ohne jede Kalorienvorgabe mehr ab und hatte dabei weniger Hunger als die Vergleichsgruppe.

Was passiert, wenn ich einmal schwach werde?

Nichts, was den Prozess beschädigt: In der Referenzstudie zur Gewohnheitsbildung wirkte sich das Auslassen einer einzelnen Gelegenheit nicht messbar auf den Aufbau der Gewohnheit aus. Problematisch ist nicht der Ausrutscher, sondern die Bewertung danach – die Leitlinie nennt als Ziel der Rückfallprävention ausdrücklich die „Vermeidung von Katastrophisierung“.

Schmeckt mir Süßes irgendwann nicht mehr?

Die Wahrnehmung verändert sich, das Mögen nicht unbedingt. Nach drei Monaten deutlich reduzierter Zuckerzufuhr bewerteten Teilnehmende dieselben Speisen als rund 40 Prozent süßer – die empfundene Angenehmheit blieb unverändert. Bei Salz ist die Befundlage anders: Dort verschob sich nach zwei bis drei Monaten auch die bevorzugte Konzentration nach unten.

Wie viel kann ich realistisch abnehmen?

Als klinische Erfolgsschwelle gelten mindestens fünf Prozent des Körpergewichts, dauerhaft gehalten. Bei einem Defizit von 500 bis 600 Kilokalorien pro Tag nennt die S3-Leitlinie etwa 0,5 Kilogramm pro Woche über maximal drei Monate und 5 bis 6 Kilogramm nach zwölf Monaten – unabhängig davon, welche Ernährungsform gewählt wird.

Was hinter dieser Zahl steckt und warum ein Defizit im Verlauf von selbst kleiner wird, steht im Beitrag zum Kaloriendefizit. Welche Maßnahmen darüber hinaus belegt sind und welche vier beliebten Tipps in der Leitlinie unter „unzureichende Evidenz“ stehen, haben wir unter natürlich abnehmen zusammengestellt.

Weiterlesen

Quellen

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Die genannten Zahlen geben den Stand der wissenschaftlichen Literatur wieder und sind keine Zusage für ein individuelles Ergebnis. Bei bestehenden Erkrankungen, bei Einnahme von Medikamenten, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Anzeichen eines gestörten Essverhaltens sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.