Glücklich abnehmen: Das hilft gegen Frustessen - VitalBodyPLUS.de

Frustessen: Ursachen, Auslöser und was wirklich hilft

Frustessen ist keine Krankheit, sondern ein gelerntes Muster: Ein Gefühl taucht auf, Essen lenkt kurz davon ab, das Muster verfestigt sich. Die verbreitete Erklärung, Essen beruhige, hält der Prüfung allerdings nicht stand. Eine Auswertung von 36 Alltagsstudien mit 968 Teilnehmenden zeigt, dass die negativen Gefühle nach einem Essanfall im Mittel weiter ansteigen. Genau das macht die Sache lösbar: Was gelernt wurde, lässt sich verlernen.

Dieser Text nennt zu jedem Ratschlag die Zahl dahinter – auch dann, wenn sie unbequem ist. Achtsamkeit zum Beispiel wirkt gut, aber nicht gegen das, wogegen sie überall empfohlen wird. Und wir sagen offen, was die deutsche Adipositas-Leitlinie über kalorienreduzierte Ernährung bei Essanfällen schreibt, obwohl wir selbst eine Kur verkaufen.

Das Wichtigste in Kürze

  • „Essen beruhigt“ ist widerlegt. In 36 Echtzeitstudien war die Stimmung vor dem Essanfall gedrückt – und danach schlechter, nicht besser.
  • Stress verschiebt eher die Auswahl als die Menge. In einer Metaanalyse mit 119.820 Menschen war der Effekt auf die Gesamtkalorien sehr klein.
  • Hunger ist selten der Auslöser. Vor Essanfällen ist der Hunger niedriger als vor gewöhnlichen Mahlzeiten.
  • Was wirkt, ist erstaunlich unspektakulär: Auslöser aufschreiben, Ziele regelmäßig überprüfen, Rückmeldung von außen bekommen.
  • Wenn-dann-Pläne funktionieren besser als Verbote – wenn sie etwas hinzufügen statt etwas wegzulassen.
  • Schlafmangel erhöht die Nahrungsaufnahme, ohne dass der Verbrauch steigt. Das ist der einzige Hebel, der im Moment der Versuchung keine Willenskraft braucht.
  • Emotionales Essen ist kein Merkmal von Übergewicht. Zwischen Normalgewicht und Übergewicht fand eine Metaanalyse keinen Unterschied.
Wenn es mehr ist als FrustessenBei wiederkehrendem Kontrollverlust, Heimlichkeit oder starkem Leidensdruck ist fachliche Hilfe der richtige Weg. Das Infotelefon Essstörungen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit ist unter 0221 892031 erreichbar, montags bis donnerstags 10 bis 22 Uhr, freitags bis sonntags 10 bis 18 Uhr; es gelten die Preise deines Telefonanbieters ins deutsche Festnetz. Die Beratung ist auf Wunsch anonym, auch Angehörige können anrufen. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.

Was Frustessen ist – und was nicht

„Frustessen“ ist ein Alltagswort, kein Fachbegriff. In der Forschung heißt das Muster emotionales Essen und beschreibt die Neigung, bei belastenden Gefühlen mehr oder anders zu essen. Das ist weit verbreitet und für sich genommen keine Erkrankung. Davon zu trennen sind zwei Dinge, die in Ratgebern regelmäßig durcheinandergehen.

Begriff Was gemeint ist Diagnose?
Frustessen, Stressessen, Essen aus Langeweile Essen als Reaktion auf ein Gefühl oder auf Leerlauf. Meist überschaubare Mengen, unregelmäßig. nein
Heißhunger Intensives Verlangen nach etwas Bestimmtem. Kann emotional, gelernt oder körperlich ausgelöst sein. nein
Binge-Eating-Störung Wiederkehrende Essanfälle mit Kontrollverlust, mindestens einmal pro Woche über drei Monate, mit deutlichem Leidensdruck. ja
Night-Eating-Syndrom Verschiebung des Essens in Abend und Nacht: mindestens ein Viertel der Tagesenergie nach dem Abendessen oder nächtliches Aufwachen mit Essen mindestens zweimal pro Woche. eigenes Syndrom

Wie beweglich diese Grenze ist, zeigt eine Zahl aus der deutschen S3-Leitlinie zur Adipositas: In einer Stichprobe vor einer Adipositas-Operation lag die Häufigkeit der Binge-Eating-Störung nach den Kriterien des DSM bei 6 Prozent – nach der abweichenden Definition der ICD-11, die auf den subjektiven Kontrollverlust abstellt und keine objektiv große Menge verlangt, bei 12 Prozent. Dieselben Menschen, doppelt so viele Diagnosen. Die Grenze zwischen „noch normal“ und „behandlungsbedürftig“ ist eine Definitionsfrage, kein moralisches Urteil.

Der wichtigste Irrtum: „Essen beruhigt“

Fast jeder Ratgeber zu diesem Thema baut auf derselben Annahme auf: Essen dämpfe unangenehme Gefühle, deshalb brauche man „andere Ventile“. Der erste Teil dieser Annahme ist überprüft worden – und er stimmt nicht.

Alison Haedt-Matt und Pamela Keel werteten 2011 im Psychological Bulletin 36 Studien mit 968 Teilnehmenden aus, in denen Menschen im Alltag mehrmals täglich ihre Stimmung und ihr Essverhalten erfassten. Das Ergebnis war zweigeteilt. Vor einem Essanfall war die Stimmung tatsächlich gedrückter als sonst und gedrückter als vor gewöhnlichen Mahlzeiten. Danach aber sank die Belastung nicht – sie stieg im Mittel weiter an.

Das Essen erfüllt die Aufgabe nicht, für die es eingesetzt wird. Es ist kein rationaler Trick, den man sich abgewöhnen müsste, sondern ein gelerntes Muster, das sein Versprechen nachweislich nicht hält.

Die Autorinnen selbst schränken ein, dass Stimmung in diesen Studien eindimensional erfasst wurde und der Moment während der Episode kaum abgebildet ist. Möglicherweise wirkt Essen also sehr kurzfristig oder auf einzelne Gefühlsanteile. Für die Zeit danach ist der Befund aber eindeutig – und er verändert die Logik: Es geht nicht darum, sich etwas Angenehmes zu verbieten, sondern darum, ein Muster zu ersetzen, das ohnehin nicht liefert.

Diese Deutung passt zu einem Erklärungsmodell aus der Lernpsychologie: Unangenehme Gefühle können zu gelernten Signalen werden, die eine Appetenzreaktion auslösen – ähnlich wie der Geruch von Popcorn im Kino. Gefühl, Essen, kurze Ablenkung, Verstärkung. Das ist kein Charakterdefizit und kein Stoffwechselproblem. Und gelernte Verbindungen lassen sich neu lernen.

Frau sitzt abends mit einer Snackschale auf dem Sofa und blickt nachdenklich zur Seite

Was Stress wirklich mit dem Essen macht

Die bekannteste Erzählung lautet: Stress schüttet Cortisol aus, Cortisol macht Appetit auf Süßes, deshalb nimmt man zu. Die größte Auswertung dazu zeichnet ein deutlich nüchterneres Bild. Eine Metaanalyse von 2022 fasste 54 Studien mit insgesamt 119.820 Menschen zusammen. Der Zusammenhang zwischen Stress und der gesamten Kalorienaufnahme war statistisch nachweisbar, aber sehr klein. Deutlicher zeigte sich etwas anderes: Unter Stress stieg der Anteil energiedichter, nährstoffarmer Lebensmittel, und der Anteil nährstoffreicher Lebensmittel sank.

Stress verschiebt also eher die Auswahl als die Menge. Praktisch heißt das: Wer unter Druck steht, entscheidet sich häufiger für das Schnelle und Süße – nicht unbedingt für mehr davon. Die Konsequenz daraus ist keine Selbstdisziplin-Übung, sondern Vorbereitung. Was in stressigen Wochen ohne Nachdenken greifbar ist, entscheidet mehr als der Vorsatz.

Ein zweiter Punkt erklärt, warum die mittlere Wirkung so klein ausfällt: Menschen reagieren gegensätzlich. Ein Teil isst unter Stress mehr, ein anderer Teil verliert den Appetit – akuter Stress wirkt physiologisch zunächst appetitmindernd. Eine viel zitierte Laborstudie mit 59 Frauen fand, dass Frauen mit starker Cortisolreaktion am Stresstag mehr aßen als Frauen mit schwacher Reaktion, am Kontrolltag aber gleich viel. Das ist ein interessanter Hinweis, keine gesicherte Erklärung: eine kleine Stichprobe, nur Frauen, ein Labor, eine einzige Gelegenheit zu essen. Wer daraus „Cortisol ist das Dickmacherhormon“ macht, überdehnt den Befund erheblich.

Emotionaler oder körperlicher Hunger?

Die Unterscheidung ist nützlich, weil sie im Moment der Entscheidung eine Sekunde Abstand schafft.

Merkmal Körperlicher Hunger Emotionaler Impuls
Beginn allmählich, über Stunden plötzlich, oft nach einem Auslöser
Womit zufrieden mit vielem, auch mit einfachem Essen mit einer bestimmten Sache
Wo spürbar im Bauch im Kopf, als Drang
Aufhören bei Sättigung oft erst, wenn die Packung leer ist
Danach neutral bis zufrieden häufig Ärger über sich selbst

Ein verbreiteter Ratschlag hält der Prüfung allerdings nicht stand: „Iss regelmäßig, damit kein Heißhunger entsteht und du keinen Essanfall bekommst.“ Dieselbe Arbeitsgruppe wertete sieben Alltagsstudien mit 180 Teilnehmenden aus und fand, dass der Hunger vor Essanfällen zwar höher war als im Tagesdurchschnitt, aber niedriger als vor gewöhnlichen Mahlzeiten. Regelmäßige Mahlzeiten sind aus anderen Gründen sinnvoll – die gängige Begründung trägt nicht. Was wirklich hinter dem Verlangen steckt, ordnet der Beitrag zum Heißhunger beim Abnehmen ein.

Was tatsächlich hilft – mit Zahlen

2025 erschien die bislang größte Auswertung dazu: 47 Studien mit 6.729 Teilnehmenden. Der zusammengefasste Effekt auf das emotionale Essen war groß, der begleitende Gewichtseffekt lag bei gut vier Kilogramm. Interessant ist weniger die Gesamtzahl als die Frage, welche Bausteine mit Verbesserungen einhergingen. Es waren fünf – und keiner davon ist spektakulär.

Die fünf Bausteine mit Wirkung

  • Unvereinbare Überzeugungen bearbeiten – zum Beispiel den Satz „Ich habe heute versagt, jetzt ist der Tag ohnehin gelaufen“.
  • Konkrete Ergebnisziele setzen statt vager Vorsätze.
  • Diese Ziele regelmäßig überprüfen, statt sie einmal aufzuschreiben.
  • Rückmeldung zum eigenen Verhalten bekommen – von außen, nicht nur durch Selbstbeobachtung.
  • Vor- und Nachteile abwägen, schriftlich und für die eigene Situation.

Zwei dieser Punkte lassen sich allein kaum umsetzen. Regelmäßige Zielüberprüfung und Rückmeldung von außen brauchen jemanden, der zurückmeldet. Das ist der ehrliche Grund, warum Begleitung bei diesem Thema mehr bringt als ein weiterer Ratgeberartikel – auch dieser hier.

Das Auslöserprotokoll

Der praktisch wirksamste Einstieg ist nicht das Kalorienprotokoll, sondern das Auslöserprotokoll. Notiert werden fünf Dinge, jeweils in einem Satz: die Situation, das Gefühl davor, der Gedanke davor, was gegessen wurde, wie es sich danach anfühlte. Nach zwei Wochen zeigt sich fast immer ein Muster – meist eine bestimmte Tageszeit, ein bestimmter Raum oder eine bestimmte Person.

Warum nicht Kalorien zählen? Selbstbeobachtung ist in Studien mit Gewichtsabnahme verknüpft, allerdings überwiegend als Zusammenhang, nicht als bewiesene Ursache. Und bei einem angespannten Verhältnis zum Essen kann Zählen den Druck erhöhen statt ihn zu senken. Das Auslöserprotokoll liefert die Information, auf die es hier ankommt, ohne zu bewerten.

Hände notieren in einem kleinen Heft am Küchentisch neben einer Tasse Tee

Wenn-dann-Pläne – aber richtig herum

Vorsätze wirken messbar besser, wenn sie an eine konkrete Situation gekoppelt sind. Eine Metaanalyse aus 23 Studien zeigte allerdings einen wichtigen Unterschied: Für das Hinzufügen von Verhalten war der Effekt mittelgroß, für das Weglassen nur klein.

Daraus folgt eine einfache Formulierungsregel

  • Schwächer: „Wenn ich abends Frust spüre, esse ich keine Chips.“
  • Stärker: „Wenn ich abends Frust spüre, gehe ich zuerst zehn Minuten vor die Tür.“
  • Stärker: „Wenn ich nach der Arbeit in die Küche komme, koche ich mir zuerst einen Tee.“

Beide Sätze zielen auf dasselbe. Nur der zweite gibt dem Kopf etwas zu tun.

Achtsamkeit: gut, aber wogegen genau?

„Achtsam essen“ steht in praktisch jedem Ratgeber zum Frustessen. Die aktuellste Metaanalyse dazu, 2025 in Obesity Reviews erschienen, zeigt ein differenzierteres Bild. Achtsamkeitsbasierte Programme wirkten deutlich auf reizgesteuertes Essen, auf die Wahrnehmung von Sättigung und auf die Energiezufuhr. Für emotionales Essen und für Essanfälle verfehlten die Effekte dagegen die statistische Signifikanz.

Das ist kein Argument gegen Achtsamkeit, sondern eines für die richtige Zuordnung: Sie hilft gegen nebenbei essen, gegen das Essen, weil etwas da ist. Gegen Essen aus Belastung ist sie nach dieser Auswertung nicht belegt. Wer sie ausprobiert hat und enttäuscht war, hat nichts falsch gemacht.

Schlaf – der Hebel ohne Willenskraft

Zwei unabhängige Metaanalysen kontrollierter Schlafentzugsstudien fanden übereinstimmend, dass Menschen nach zu kurzem Schlaf mehr essen: Die Punktschätzer liegen zwischen etwa 150 und 385 Kilokalorien pro Tag. Der Energieverbrauch veränderte sich dabei nicht. Die Stichproben waren klein und die Bedingungen künstlich – als „Schlafmangel macht dick“ sollte man das nicht verkürzen.

Für den Alltag ist der Punkt trotzdem wertvoll, denn er wirkt vor der Versuchung statt in ihr. Wer sich ohnehin als willensschwach erlebt, bekommt hier einen Ansatz, der keine Selbstkontrolle im entscheidenden Moment verlangt.

Die Umgebung

Trigger-Lebensmittel nicht vorrätig halten, nicht nebenbei am Bildschirm essen, den Weg zum Kühlschrank verlängern: Das gehört fest zu verhaltenstherapeutischen Programmen. Eine belastbare Effektgröße speziell für emotionales Essen liegt dafür nicht vor – wohl aber der oben genannte deutliche Effekt von Achtsamkeit auf reizgesteuertes Essen. Der Umgebung Aufmerksamkeit zu schenken, lohnt sich also vor allem gegen die Gelegenheits-Komponente.

Was Frustessen fürs Abnehmen bedeutet

Die deutsche S3-Leitlinie zur Adipositas listet in einer Tabelle die Faktoren auf, die das Halten des Gewichts beeinflussen, sortiert nach Stärke der Evidenz. In der Spalte „mittlere bis hohe Evidenz für negativen Einfluss“ stehen genau zwei Einträge: „Enthemmung des Essverhaltens durch interne Stimuli wie Gedanken und Gefühle“ und „Problematisches Essverhalten“. Mehr nicht.

Das ist bemerkenswert, weil in derselben Tabelle etliche Dauerbrenner der Ratgeberliteratur unter „unzureichende Evidenz“ stehen – darunter soziale Unterstützung, Motivation und das Frühstücken. Wer also nach der Diät wieder zunimmt, hat oft kein Wissensproblem, sondern genau dieses Muster.

Wichtig ist die Richtung der Aussage: Es handelt sich um Zusammenhänge aus Längsschnittstudien, nicht um einen Beweis. Dass die Reduktion von Frustessen die Wiederzunahme verhindert, ist nicht gezeigt. Auch der umgekehrte Weg ist denkbar – Gewichtszunahme führt zu Frust führt zu Frustessen. Wie sich das Gewicht nach einer Diät tatsächlich halten lässt, steht im Beitrag zum Gewicht halten nach der Diät; die Mechanik dahinter erklärt der Text zum Jo-Jo-Effekt.

Und noch ein Befund, der selten irgendwo auftaucht: Eine Metaanalyse aus elf Studien mit 7.207 Menschen fand emotionales Essen bei Adipositas deutlich stärker ausgeprägt – zwischen Übergewicht und Normalgewicht aber keinen Unterschied. Frustessen ist also kein Merkmal von Übergewicht, sondern ein weit verbreitetes menschliches Verhalten.

Rückmeldung von außen ist der Baustein, den man sich schlecht selbst geben kann.

Genau das ist bei der Stoffwechselkur eingebaut: Magdalena und ihr Team begleiten dich täglich persönlich per WhatsApp – auch an den Tagen, an denen es nicht rundläuft. Die Mengen rechnen wir individuell aus statt mit Pauschalwerten, das Konzept ist eiweißbetont und gemüsereich, und auf die Diätphase folgt eine feste Stabilisierungsphase. Die Ernährungsberatung ist im Paket enthalten.

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Der unbequeme Punkt: Diät und Essanfälle

Wir verkaufen ein kalorienreduziertes Programm. Deshalb gehört an diese Stelle das, was dagegen spricht.

Die S3-Leitlinie zur Adipositas schreibt zur Binge-Eating-Störung, es müsse individuell überlegt werden, inwiefern eine Gewichtsreduktion überhaupt Therapieziel sein kann, „da kalorienreduzierte (restriktive) Nahrungsaufnahme möglicherweise Essanfälle begünstigen kann“. Die Leitlinie formuliert vorsichtig, und diese Vorsicht ist angebracht: Die Frage wird in der Fachwelt derzeit kontrovers diskutiert. Eine Seite argumentiert, der jahrzehntealte Zusammenhang zwischen Diäthalten und Essanfällen sei ein Fehlschluss aus Fragebogendaten. Die Gegenseite hält dagegen, das Thema sei zu komplex für eine solche Absage. Beide Positionen sind Fachkommentare, keine neuen Studien. Die Frage ist offen.

Für dich heißt das konkret: Wenn du Anzeichen einer Essstörung bei dir bemerkst – wiederkehrender Kontrollverlust, Heimlichkeit, starker Leidensdruck –, ist eine kalorienreduzierte Kur nicht der erste Schritt. Dann ist es das Gespräch mit einer Fachperson. Bei einer Binge-Eating-Störung ist die leitlinienempfohlene Behandlung Psychotherapie mit dem Ziel, die Essanfälle zu reduzieren; der Gewichtsverlust ist dabei eher gering.

Person steht nachts in der dunklen Küche vor dem offenen Kühlschrank

Wann du dir Hilfe holen solltest

Diese Liste ist kein Test und keine Diagnose. Sie sammelt Merkmale, bei denen sich ein fachliches Gespräch lohnt.

  • Wiederkehrende Episoden mit dem Gefühl, nicht mehr aufhören zu können
  • Solche Episoden mindestens einmal pro Woche über etwa drei Monate
  • Deutlicher Leidensdruck; das Essen bestimmt Gedanken und Tagesablauf
  • Heimlichkeit: allein essen, Verpackungen verstecken
  • Starke Scham, Ekel vor sich selbst oder Schuldgefühle nach dem Essen
  • Ausgleichsverhalten wie Erbrechen, Abführmittel oder exzessiver Sport – hier bitte ohne Zögern ärztlichen Rat einholen
  • Rückzug aus Situationen, in denen gemeinsam gegessen wird
  • Nächtliches Aufwachen mit Essen oder ein Großteil der Tagesenergie nach dem Abendessen
  • Gleichzeitig depressive Symptome oder Angst

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis; von dort erfolgt die Überweisung. Für eine anonyme Erstberatung und die Vermittlung von Adressen ist das Infotelefon Essstörungen zuständig, dessen Nummer und Zeiten oben im Kasten stehen. Bei Suizidgedanken oder in einer akuten Krise: sofort die Telefonseelsorge anrufen und nicht auf einen Therapieplatz warten.

Häufige Fragen

Was ist Frustessen?

Der umgangssprachliche Begriff für Essen als Reaktion auf belastende Gefühle. In der Forschung heißt das Muster emotionales Essen. Es ist keine Diagnose, sondern ein verbreitetes, gelerntes Verhalten.

Beruhigt Essen wirklich?

Nach der aktuellen Datenlage nicht. Eine Auswertung von 36 Alltagsstudien mit 968 Teilnehmenden zeigte, dass die Stimmung vor einem Essanfall gedrückt war – und danach im Mittel weiter absank statt sich zu bessern.

Macht Stress dick?

So einfach ist es nicht. In einer Metaanalyse mit 119.820 Menschen war der Zusammenhang zwischen Stress und der gesamten Kalorienaufnahme sehr klein. Deutlicher war die Verschiebung der Auswahl hin zu energiedichten und weg von nährstoffreichen Lebensmitteln.

Was hilft schnell gegen Frustessen?

Kurzfristig hilft, den Impuls um einige Minuten zu verzögern und dabei etwas anderes zu tun – ein Wenn-dann-Plan, der eine Handlung hinzufügt, statt eine zu verbieten. Langfristig wirken das Aufschreiben der Auslöser, konkrete Ziele, deren regelmäßige Überprüfung und Rückmeldung von außen.

Hilft achtsames Essen gegen Frustessen?

Weniger als oft behauptet. Die aktuellste Metaanalyse fand deutliche Effekte auf reizgesteuertes und unaufmerksames Essen sowie auf die Sättigungswahrnehmung, für emotionales Essen und Essanfälle aber keine statistisch signifikanten Effekte.

Ab wann ist Frustessen eine Essstörung?

Wenn wiederkehrend das Gefühl besteht, nicht mehr aufhören zu können, dies etwa einmal pro Woche über drei Monate auftritt und deutlicher Leidensdruck besteht. Die Diagnose kann nur eine Fachperson stellen.

Ist eine Diät bei Frustessen sinnvoll?

Das hängt davon ab, wie ausgeprägt das Muster ist. Die deutsche S3-Leitlinie zur Adipositas weist darauf hin, dass eine kalorienreduzierte Ernährung Essanfälle möglicherweise begünstigen kann und bei einer Binge-Eating-Störung individuell zu prüfen ist, ob Gewichtsreduktion überhaupt das richtige Ziel ist. Bei entsprechenden Anzeichen gehört das fachliche Gespräch an den Anfang.

Weiterlesen

Wie sich das Verlangen zwischen den Mahlzeiten erklären lässt, steht im Beitrag zum Heißhunger beim Abnehmen. Was beim dauerhaften Abnehmen tatsächlich trägt, sammelt der Text zum natürlich abnehmen, und wie eine dauerhafte Ernährungsumstellung gelingt, erklärt der zugehörige Ratgeber.

Quellen

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  • Deutsche Adipositas-Gesellschaft et al. S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas. AWMF 050/001, Version 5.0, Oktober 2024.
  • Patientenleitlinie Diagnostik und Behandlung von Essstörungen. AWMF 051-026p, Januar 2024.
  • Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, Infotelefon Essstörungen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, psychotherapeutische oder ernährungsmedizinische Beratung. Er stellt keine Diagnose und empfiehlt keine Therapie. Bei Anzeichen einer Essstörung, bei bestehenden Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei der Einnahme von Medikamenten sollte fachlicher Rat eingeholt werden. Die genannten Studienergebnisse sind Durchschnittswerte aus Untersuchungsgruppen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf einzelne Personen übertragen.