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Osteoporose und Ernährung: was wirklich zählt

Ernährung versorgt den Knochen mit Rohstoffen, aber der stärkste belegte Hebel gegen Knochenbrüche ist die Belastung: Dafür vergibt die deutsche Leitlinie zur Frakturprophylaxe ihren höchsten Empfehlungsgrad, während Calcium- und Vitamin-D-Präparate als Frakturschutz mehrfach an großen Studien gescheitert sind. Dazu kommt ein Punkt, der in den meisten Ratgebern fehlt: Eine Gewichtsabnahme senkt die Knochendichte an Hüfte und Lendenwirbelsäule messbar — und die Stellschrauben dagegen heißen Muskel, Kraft und Eiweiß.

Dieser Artikel sortiert die drei Hebel nach Evidenzstärke — Belastung, Körpergewicht, Nährstoffe — und beantwortet die Frage, die andere auslassen: Was macht eine Abnehmphase mit der Knochendichte?

Das Wichtigste in Kürze

  • Über 95 Prozent der Hüftfrakturen entstehen durch Stürze; nur etwa 30 Prozent der Brüche an Hüfte, Wirbelkörpern und Handgelenk hängen mit stark verringerter Knochendichte zusammen.
  • Eine Metaanalyse über 32 randomisierte Studien zeigt: Gewichtsabnahme senkt die Knochendichte an Hüfte und Lendenwirbelsäule, nicht am Gesamtkörper. Entsteht die Abnahme durch Training statt durch Kalorienreduktion, steigt die Hüftdichte sogar. Die methodisch beste Studie fand 2025 allerdings keinen Schutz durch Krafttraining.
  • Erhöhte Calciumzufuhr steigert die Knochendichte um 0,6 bis 1,8 Prozent und danach nicht weiter. In 33 Studien mit 51.145 zu Hause lebenden Erwachsenen ab 50 senkten Calcium und Vitamin D das Frakturrisiko nicht.

Was Osteoporose ist und woran sie festgemacht wird

Osteoporose bedeutet, dass Knochenmasse abgenommen hat und die Knochenstruktur so verändert ist, dass Brüche leichter entstehen. Festgemacht wird die Diagnose am T-Wert der Knochendichtemessung: Er gibt an, wie weit die gemessene Dichte vom Mittelwert junger Erwachsener abweicht — nicht von Gleichaltrigen, und hier entstehen die meisten Missverständnisse. Werte bis −1 gelten als normal, zwischen −1 und −2,5 spricht man von Osteopenie, ab −2,5 und darunter liegt nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation eine Osteoporose vor. Ein einzelner Wert entscheidet nichts: Die Einordnung erfolgt ärztlich, zusammen mit Alter, Vorgeschichte und weiteren Risikofaktoren.

Wie häufig Osteoporose ist

Mit 70 Jahren haben etwa 10 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen eine Osteoporose-Diagnose; ab 50 sind nach der DVO-Patientenleitlinie rund 23 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer betroffen. Die eindrücklichste Zahl ist das Lebenszeitrisiko: Ab dem 50. Lebensjahr erleiden 33 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer irgendwann einen osteoporotisch bedingten Knochenbruch. Oberschenkelhalsfrakturen nahmen zwischen 2009 und 2019 um 23 Prozent zu, was vor allem die Altersstruktur widerspiegelt.

Warum die Knochendichte nur die halbe Geschichte ist

Etwa 30 Prozent der Brüche an Hüfte, Wirbelkörpern und Handgelenk hängen mit einer stark verringerten Knochendichte zusammen. Die übrigen entstehen anders, und der wichtigste Weg ist der Sturz: Mehr als 95 Prozent aller Hüftfrakturen werden durch Stürze verursacht, und bei über 65-Jährigen kommt es in Deutschland jährlich zu etwa fünf bis sechs Millionen unbeabsichtigten Stürzen. Wer Brüche vermeiden will, muss Stürze vermeiden — dafür zählen Kraft, Gleichgewicht und Gangsicherheit mehr als jede Nährstofftabelle. Was im höheren Alter davor schützt, steht im Artikel über Sport im Alter.

Wann eine Knochendichtemessung Thema ist

Eine Knochendichtemessung ist sinnvoll, wenn ihr Ergebnis eine Entscheidung verändert. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt sie nach einem Knochenbruch mit Osteoporoseverdacht, bei erhöhtem Risiko und wenn eine medikamentöse Behandlung geplant ist. Die DVO-Leitlinie nennt als Anlässe postmenopausale Frauen und Männer ab 50 mit relevanter Risikokonstellation, alle Menschen ab 70 Jahren, jeden Knochenbruch außer an Fingern, Zehen und Schädel sowie Glukokortikoide ab 7,5 mg Prednisolonäquivalent über mehr als drei Monate; gemessen wird an der Lendenwirbelsäule (L1 bis L4) und an beiden Hüften. Umgekehrt können für Frauen unter 65 ohne Risikofaktoren die Nachteile überwiegen: unnötige Röntgenstrahlung und die Belastung durch einen Befund, aus dem keine Behandlung folgt.

Wie aus einem Messwert eine Entscheidung wird. Nicht der T-Wert allein entscheidet über eine Therapie, sondern das berechnete Frakturrisiko: Die Leitlinie beginnt die Betrachtung ab einem Drei-Jahres-Risiko von 3 Prozent für Wirbelkörper- oder hüftnahe Oberschenkelbrüche, empfiehlt ab 5 Prozent eine medikamentöse Therapie und ab 10 Prozent knochenaufbauende Substanzen. In die Rechnung gehen Alter, Geschlecht, Vorgeschichte, Erkrankungen und Medikamente ein. Deshalb bekommen zwei Menschen mit demselben T-Wert unterschiedliche Empfehlungen.

Die Risikofaktoren, geordnet nach Beeinflussbarkeit

Ein Teil der Risikofaktoren ist unveränderlich, ein Teil hängt am Lebensstil, ein Teil an Erkrankungen und Medikamenten. Die Übersicht fasst die DVO-Patientenleitlinie zusammen.

Nicht beeinflussbar Lebensstil Erkrankungen und Medikamente
Höheres Alter Untergewicht mit BMI unter 20 kg/m² Diabetes Typ 1 und Typ 2, Überfunktion der Nebenschilddrüse, Cushing-Syndrom, Schilddrüsenüberfunktion
Weibliches Geschlecht nach der Menopause Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel Rheumatoide Arthritis, COPD, Zöliakie, entzündliche Darmerkrankungen, Niereninsuffizienz
Familiäre Belastung Zu geringe Calciumzufuhr, Vitamin-D-Mangel Glukokortikoide, Protonenpumpenhemmer, Aromatasehemmer

Untergewicht steht dabei als eigener, nach BMI gestaffelter Faktor in der Risikotabelle. Die Patientenleitlinie formuliert das Ziel unmissverständlich: ein BMI über 20 kg/m², aber nicht im Adipositasbereich. Das ist die Grenze, die jede Abnehmplanung kennen muss — und der Grund, warum eine sehr niedrige Zielzahl bei einem ohnehin schlanken Körper der falsche Plan ist. Wo der BMI an seine Grenzen kommt, steht im Artikel über die Aussagekraft des BMI.

Rauchen und Alkohol beziffert die Leitlinie: Mehr als zehn Zigaretten pro Tag sowie eine COPD gehen mit einem Risikofaktor von 1,5 ein, erheblicher Alkoholkonsum ab etwa 50 g pro Tag mit 1,8 bis 1,9. Bei moderaten Mengen ist das Bild differenzierter als in den üblichen Warnlisten: In einer Metaanalyse hatten Personen mit mehr als einem halben bis einem Getränk täglich gegenüber Abstinenten ein niedrigeres Hüftfrakturrisiko (0,80; 0,71–0,91), Personen mit mehr als zwei Getränken täglich ein höheres (1,39; 1,08–1,79). Belastbar ist damit die obere Grenze, nicht die untere — eine Empfehlung, Alkohol zu trinken, ist das nicht.

Frau über 60 trainiert in einem hellen Raum mit zwei Kurzhanteln

Der stärkste Hebel ist die Belastung, nicht das Essen

Für körperliches Training zur Frakturprophylaxe gibt es in Deutschland eine eigene S3-Leitlinie, erschienen im Februar 2025, mit mehr als 50 graduierten Empfehlungen. Ihre erste trägt Empfehlungsgrad A auf Evidenzgrad 1a bei 100 Prozent Konsens: Postmenopausale Frauen und Männer ab 45 Jahren mit erhöhter Frakturgefährdung sollen ein geeignetes Training durchführen. Diesen Grad erreicht keine Ernährungsmaßnahme. Ebenfalls mit Grad A: Das Training soll gewichtstragende Inhalte und dynamisches Krafttraining berücksichtigen, und Krafttraining soll unabhängig von den Trainingsmitteln angewendet werden — ein Studio ist keine Bedingung. Einsteigerinnen und Menschen mit schweren orthopädischen Einschränkungen sollten möglichst an geführten Kraftgeräten beginnen. Wie weit Training mit dem eigenen Körpergewicht trägt, steht im Artikel über Körpergewichtstraining.

Warum „schwer" nicht der Punkt ist

Der überraschendste Satz der Leitlinie richtet sich gegen eine populäre Erzählung: Kraft- und gewichtstragende Belastungen sollen nicht mit hohem Ausbelastungsgrad durchgeführt werden — ebenfalls Grad A, Evidenzgrad 1a. Anders als beim Muskelaufbau ist eine hohe absolute Intensität im Sinne eines weitgehend ausbelasteten Satzes nach Formulierung der Leitlinie „ganz offensichtlich nicht der dominierende Auslöser für die Knochenanpassung". Was zählt, sind variierende Reizhöhe und Reizrate: Immer dasselbe Programm hört auf zu wirken.

Dazu gehört ein Gegenpunkt. In der LIFTMOR-Studie steigerten 101 postmenopausale Frauen mit einem T-Wert unter −1,0 durch hochintensives Kraft- und Impact-Training über acht Monate, zweimal 30 Minuten pro Woche, die Knochendichte der Lendenwirbelsäule um 2,9 Prozent gegenüber −1,2 Prozent in der Kontrollgruppe und am Schenkelhals um 0,3 Prozent gegenüber −1,9 Prozent. Entscheidend ist die Bedingung: Das Training lief unter enger Supervision — und genau das verlangt die Leitlinie mit Grad A auch selbst.

Was kaum wirkt und was überraschend wirkt

Walking als alleinige Maßnahme kann die Leitlinie nur für Menschen mit stark herabgesetzter Reizschwelle des Knochens erwägen — ihre schwächste Empfehlungsstufe. Schwimmen und leistungssportliches Radfahren gelten als wenig knochenaufbauend. Wassergymnastik soll als Option berücksichtigt werden, wobei leistungsfähige Personen landbasiertes Training vorziehen sollten; überraschend hoch bewertet ist mit Grad A die Ganzkörper-Vibration. Alltagsbelastung ersetzt gezieltes Training nicht, trägt aber bei: wie viel Bewegung im Alltag zählt.

Zur Häufigkeit ist die Leitlinie konkret, wieder mit Grad A: mindestens zweimal pro Woche im Jahresmittel. Eine Netzwerk-Metaanalyse über 74 Studien mit 5.331 postmenopausalen Teilnehmerinnen fand, dass Interventionen ab 52 Wochen konsistenter wirken und kombinierte Trainingsformen am breitesten. Die Zuwächse waren bei Frauen mit normaler und mit niedriger Knochendichte vergleichbar — ein niedriger Ausgangswert ist kein Argument gegen Training, sondern eines dafür.

Was Abnehmen mit den Knochen macht

Eine Gewichtsabnahme senkt die Knochendichte an der Hüfte und an der Lendenwirbelsäule, auf den Gesamtkörper wirkt sie nicht messbar. Das ist das Ergebnis einer Metaanalyse über 32 randomisierte Studien — und es fehlt in praktisch jedem Osteoporose-Ratgeber.

Gepoolt fiel die Knochendichte an der Hüfte um 0,008 g/cm² (p < 0,001) und an der Lendenwirbelsäule um 0,018 g/cm² (p < 0,001), am Gesamtkörper zeigte sich kein Effekt (+0,007 g/cm²; p = 0,608). Wann es passiert, zeigen die Subgruppenanalysen: Der Hüftverlust trat erst bei Interventionen über vier Monaten auf und besonders bei Personen mit Adipositas, der Verlust an der Lendenwirbelsäule wurde bei Kalorienrestriktion über mehr als 13 Monate signifikant. Kurze Phasen sind nach diesen Daten nicht der kritische Fall. Wie viel Knochendichte eine mehrwöchige Reduktionsphase kostet, ist nicht untersucht.

Der entscheidende Unterschied: woher die Abnahme kommt

Dieselbe Metaanalyse enthält den Befund, der die Empfehlung trägt: Eine Gewichtsabnahme, die als Reaktion auf Training ohne Nahrungsrestriktion entsteht, senkt die Hüft-Knochendichte nicht, sondern erhöht sie. Nicht das niedrigere Gewicht ist das Problem, sondern der Weg dorthin.

Eine randomisierte Studie mit 107 Personen über 65 Jahren und BMI ab 30 zeigt das über ein Jahr in vier Gruppen. Bei praktisch gleicher Gewichtsabnahme — 9,6 gegenüber 9,4 Prozent — verlor die Diätgruppe an der Gesamthüfte 2,6 Prozent Knochendichte, die Gruppe mit Diät plus Training nur 1,1 Prozent; reines Training ohne Gewichtsabnahme brachte ein Plus von 1,5 Prozent. Die Knochenumbaumarker CTX und Osteocalcin stiegen in der Diätgruppe um 31 beziehungsweise 24 Prozent, in der Trainingsgruppe nicht. Prädiktoren der Hüftdichteveränderung waren fettfreie Masse, Osteocalcin und Maximalkraft — nicht die Calciumzufuhr.

Was Krafttraining leistet — und was die neueste Studie nicht fand

Zwei weitere randomisierte Untersuchungen stützen das Bild. Über 123 Personen um 69 Jahre hielt Krafttraining während einer Kalorienreduktion über fünf Monate die Knochendichte an Hüfte und Schenkelhals konstant, Ausdauertraining nicht. In einer Studie mit 160 Personen über sechs Monate und 9 Prozent Gewichtsabnahme fiel die Hüftdichte in der Kombinationsgruppe um 1 Prozent, in der Kraftgruppe um 0,5 Prozent und in der Ausdauergruppe um 3 Prozent — dort ging auch die fettfreie Masse am stärksten zurück.

Und dann kommt die Studie, die das schöne Bild stört. 2025 erschien die methodisch beste Untersuchung dazu: 150 Personen, Durchschnittsalter 66 Jahre, drei Viertel Frauen, BMI 33,6, zwölf Monate, 9 bis 11 Prozent Gewichtsabnahme, alle Gruppen mit ausreichender Calcium-, Vitamin-D- und Eiweißzufuhr. Die trabekuläre Knochendichte der Gesamthüfte fiel in allen drei Gruppen um 1,2 bis 1,9 Prozent — unter Gewichtsabnahme allein, plus Gewichtsweste und plus progressivem Krafttraining. Das Fazit der Autoren: Training allein könnte nicht ausreichen.

Was dieser Widerspruch bedeutet. Die Frage, ob Training den diätbedingten Knochenverlust verhindert, ist nicht geklärt; eine Übersichtsarbeit von 2021 nennt die Datenlage wörtlich „überraschend unschlüssig". Daraus folgt keine Entwarnung in die eine und keine Panik in die andere Richtung: Krafttraining während einer Abnehmphase ist für Muskeln, Kraft und Sturzsicherheit ohnehin die belegte Maßnahme und für den Knochen die beste verfügbare Option — nur keine Garantie.

Eiweiß während der Abnahme

Für Eiweiß gibt es eine direkte Studie, und sie zeigt in die erwartete Richtung. 47 postmenopausale Frauen mit BMI 32 nahmen über ein Jahr etwa 7 Prozent ihres Gewichts ab, eine Gruppe mit 86 g Eiweiß pro Tag, die andere mit 60 g, bei in beiden Gruppen auf 1,2 g kontrollierter Calciumzufuhr. Die Gruppe mit der höheren Eiweißzufuhr verlor weniger Knochendichte am distalen Radius, an der Lendenwirbelsäule und an der Gesamthüfte; zugleich lag der Knochenabbaumarker Desoxypyridinolin niedriger. Bei 47 Teilnehmerinnen ist das ein Signal, kein Nachweis der Effektgröße. Die Trainingsleitlinie stuft die Evidenz für Eiweiß und Knochen insgesamt als unzureichend ein — mit Ausnahme der Hüftfrakturen, wo zwei von drei systematischen Übersichtsarbeiten positive Effekte hoher Eiweißzufuhr berichten. Wie viel Eiweiß du brauchst und worin es steckt, steht im eigenen Artikel.

Und die Knochenbrüche?

Eine Langzeitstudie mit 5.145 Personen mit Typ-2-Diabetes über median 11,3 Jahre gibt darauf die beste Antwort. Die Gruppe mit gewollter Gewichtsabnahme verlor 6,0 Prozent, die Vergleichsgruppe 3,5 Prozent. Das Gesamt- und das Hüftfrakturrisiko waren nicht erhöht, eine Untergruppe schon: Brüche, die mit Gebrechlichkeit zusammenhängen, traten um 39 Prozent häufiger auf (Hazard Ratio 1,39; 1,02–1,89). In einer Substudie war die Knochendichteabnahme an der Hüfte nur bei den Männern stärker. Beides stammt aus einer Diabetespopulation. Ob ein diätbedingter Dichteverlust nach der Gewichtsstabilisierung zurückgeht, ist nicht belegt.

Was daraus praktisch folgt

Die aktuellen Best-Practice-Empfehlungen für eine Gewichtsreduktion bei älteren Menschen mit Adipositas nennen vier Bausteine: Eiweiß im Bereich von 1,0 bis 1,2 g je Kilogramm Körpergewicht, eine Calciumzufuhr von 1.000 bis 1.200 mg und 800 bis 1.000 IE Vitamin D täglich, Krafttraining mindestens zweimal wöchentlich sowie gewichtstragendes Ausdauertraining mittlerer Intensität ab 150 Minuten pro Woche — und ausdrücklich die Betreuung durch ein multidisziplinäres Team. Dieselbe Arbeit hält fest: Fettmasse kommt nach dem Ende einer Intervention häufig zurück, die gewonnene Leistungsfähigkeit bleibt eher erhalten. Dazu zwei Grenzen aus der Osteoporose-Leitlinie: nicht unter einen BMI von 20 kg/m², und bei bestehender Osteoporose gehört eine Gewichtsreduktion ärztlich begleitet. Wie die Leitlinie das Abnehmen im höheren Alter bewertet und was sich beim Abnehmen in den Wechseljahren verändert, steht in den jeweiligen Artikeln.

Wenn du diese Punkte nicht selbst organisieren willst. Die Stoffwechselkur von VitalBodyPLUS ist ein kalorienreduziertes, eiweißbetontes Programm mit individuell berechnetem Bedarf statt pauschaler Zahlen, mit fester Stabilisierungsphase und mit enthaltener Ernährungsberatung; Magdalena Mathiessen und ihr Team begleiten die Kurgruppen täglich persönlich per WhatsApp. Damit sind die Punkte abgedeckt, die oben als gute Praxis stehen: bedarfsgerechtes Eiweiß, eine geplante Phase nach der Abnahme und persönliche Begleitung. Was wir nicht behaupten: dass ein Programm die Knochen schützt oder bei Osteoporose geeignet ist — dort gehört eine Gewichtsreduktion ärztlich abgestimmt.

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Die Nährstoffe, nach Evidenzstärke sortiert

Die Versorgung mit Calcium, Vitamin D und Eiweiß ist Voraussetzung für einen gesunden Knochenstoffwechsel. Ein Zusatznutzen darüber hinaus ist bei keinem dieser Nährstoffe belegt.

Anders als bei Calcium oder Vitamin D geht die Sorge bei Vitamin A eher in die andere Richtung: Sehr hohe Zufuhr wurde in Beobachtungsstudien mit geringerer Knochendichte in Verbindung gebracht – mehr dazu in unserem Ratgeber zu Vitamin A.

Nährstoff Was belegt ist Was nicht belegt ist
Calcium Höhere Zufuhr steigert die Knochendichte in 59 randomisierten Studien um 0,6 bis 1,8 Prozent Der Zuwachs nimmt danach nicht weiter zu; eine relevante Verringerung von Brüchen ist daraus unwahrscheinlich
Vitamin D Ein Mangel ist ein Risikofaktor, ausreichende Versorgung ist Grundlage 2.000 IE täglich über median 5,3 Jahre senkten Frakturen nicht (Hazard Ratio 0,98; Hüfte 1,01), monatliche Gaben ebenfalls nicht
Eiweiß Leicht schützend an der Lendenwirbelsäule (netto +0,52 Prozent; 0,06–0,97), keine nachteiligen Effekte gefunden Kein Effekt an Hüfte und Gesamtkörper; Supplementierung über 12 bis 24 Wochen verbesserte die Knochendichte nicht
Vitamin K Klinische Frakturen möglicherweise seltener (Odds Ratio 0,72; 0,55–0,95) In Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko nicht mehr signifikant (0,76; 0,58–1,01); kein Effekt auf die Knochendichte

Nahrungscalcium ist nicht mit dem Frakturrisiko assoziiert, und in den Studien mit dem geringsten Verzerrungsrisiko zeigten Präparate keinen Effekt auf Brüche — mit einer praktisch wichtigen Ausnahme: Bei gebrechlichen Frauen in Pflegeeinrichtungen mit niedriger Calciumzufuhr und niedrigem Vitamin-D-Spiegel zeigte sich eine Reduktion. Die große Metaanalyse mit 51.145 zu Hause lebenden Erwachsenen ist zudem nicht unwidersprochen: 2018 erschien eine methodische Kritik daran. Für Kollagenpeptide existiert keine zugelassene Angabe zu den Knochen. Die Einzelheiten stehen in den Artikeln über Calcium, Vitamin-D-Mangel und Vitamin K.

Was die Leitlinien als Zielgrößen nennen

Die Osteoporose-Leitlinie nennt eine Gesamt-Calciumzufuhr von 1.000 mg täglich, vorrangig über die Ernährung, und Präparate erst, wenn diese Menge über Lebensmittel nicht sicher erreicht wird; hochdosierte Einzelgaben sind nicht empfohlen. Für Vitamin D nennt sie mindestens 800 IE täglich über Ernährung oder — vor dem 70. Lebensjahr — über Sonnenlicht und zieht bei Supplementierung eine praktische Grenze: 2.000 bis 4.000 IE täglich sollen nicht überschritten werden, eine Einzeldosis nicht 20.000 IE. Ab 65 Jahren nennt sie mindestens 1,0 g Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht. Ausgenommen sind unter anderem Nierensteine und eine Überfunktion der Nebenschilddrüse. Die EFSA-Höchstmengen liegen für Calcium bei 2.500 mg täglich aus allen Quellen und für Vitamin D bei 100 µg, also 4.000 IE.

Warum die Fachwelt bei Präparaten unterschiedlich urteilt

Hier stehen zwei seriöse Positionen nebeneinander, und kaum ein Ratgeber benennt die Differenz. Die Osteoporose-Leitlinie empfiehlt Calciumpräparate, wenn 1.000 mg über die Ernährung nicht erreicht werden — sie argumentiert von der Versorgungssicherheit her. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen schreibt dagegen, Calcium- und Vitamin-D-Präparate hätten für die meisten Menschen keinen Nutzen, könnten Nierensteine verursachen und würden von unabhängigen Fachgesellschaften nicht routinemäßig empfohlen; Ausnahme sind pflegebedürftige Menschen mit Vitamin-D-Mangel. Es argumentiert von den Endpunktdaten her. Wann eine Ergänzung sinnvoll ist, behandeln wir getrennt. Und für einen überlegenen Effekt von Vitamin D in Kombination mit Training gegenüber Training allein fand die Trainingsleitlinie keine Belege.

Was rechtlich gesagt werden darf. In der EU-Liste der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben findet sich zu Osteoporose, Knochendichte, Knochenmasse und Knochenbrüchen kein einziger Eintrag. Zugelassen sind Formulierungen wie „Calcium wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt" oder „Proteine tragen zur Erhaltung normaler Knochen bei". Nur drei Angaben dürfen einen Bezug zum Krankheitsrisiko herstellen, darunter eine, die Nährstoff und Sturz verbindet: „Vitamin D trägt dazu bei, die durch posturale Instabilität und Muskelschwäche bedingte Sturzgefahr zu verringern." Sie ist an mindestens 15 µg Vitamin D je Portion gebunden und gilt nur für Nahrungsergänzungsmittel.

Die „Calciumräuber": was von der Liste übrig bleibt

Viele Ratgeber führen Lebensmittel auf, die dem Knochen angeblich Calcium entziehen. An der Evidenz geprüft bleibt davon kaum etwas übrig — und die deutsche Leitlinie nennt Phosphat, Kaffee und Salz überhaupt nicht.

Behauptung Was die Evidenz sagt Einordnung
Phosphat in Cola und Wurst entzieht dem Knochen Calcium Randomisierte Studien liefern keinen Hinweis auf eine nachteilige Rolle von Phosphat, Milch und Getreide; in Bilanzstudien senkte Phosphatzufuhr die Calciumausscheidung im Urin sogar Überholt
Die Säurelast der Ernährung zieht Calcium aus dem Knochen Eine Prüfung von 55 Studien nach den Bradford-Hill-Kriterien stützt keinen kausalen Zusammenhang; für Knochenschutz durch „basische" Ernährung gibt es keinen Hinweis Widerlegt
Kaffee schwächt die Knochen Kein statistisch signifikant erhöhtes Hüftfrakturrisiko, bei starker Heterogenität (I² = 84 Prozent) und ohne Dosis-Wirkungs-Beziehung; die Autoren sprechen von unzureichender Evidenz Kein Belastungsgrund

Die schärfste Pointe gegen die Phosphat-Erzählung steht im EU-Recht: Für Phosphor ist die Angabe „Phosphor trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei" zugelassen — derselbe Stoff, den viele Ratgeberseiten als Knochenschädling führen. Oxalsäure und Phytinsäure senken tatsächlich die Aufnahme aus dem einzelnen Lebensmittel, nicht aber nachweislich die Gesamtbilanz. Und Kochsalz: In Beobachtungsdaten mit 39.065 Personen war höhere Natriumzufuhr mit einem um 20 Prozent höheren Osteoporoserisiko assoziiert (1,20; 1,02–1,41), zur Knochendichte fand sich dagegen kein Zusammenhang. Warum die Säure-Basen-Theorie am Knochen gescheitert ist, führen wir im Artikel über basische Lebensmittel und die PRAL-Tabelle aus. Ob Milch die Knochen schützt, haben drei große Auswertungen unterschiedlich beantwortet.

Was daraus für den Alltag folgt

Die Reihenfolge ist wichtiger als jede einzelne Maßnahme. Gewichtstragendes Training und dynamisches Krafttraining zweimal pro Woche, möglichst angeleitet, stehen an erster Stelle. Danach die Versorgung: Eiweiß zu jeder Hauptmahlzeit, Calcium über den Tag verteilt statt in einer großen Portion, Vitamin D nach den Zielgrößen der Leitlinie. Und drittens die Rahmenbedingungen: nicht unter einen BMI von 20, Rauchstopp, Alkohol im unteren Bereich und eine Wohnung, in der man nicht stürzt. Nicht auf die Liste gehören Phytoöstrogene, Isoflavone, Bor und Silicium — für keines davon existiert eine zugelassene Angabe oder belastbare Evidenz zum Knochen.

Die eine Studie zu einem einzelnen Lebensmittel

Trockenpflaumen haben eine eigene randomisierte Studie: 235 postmenopausale Frauen, Durchschnittsalter 62 Jahre, aßen über zwölf Monate täglich 50 g oder 100 g oder gehörten zur Kontrollgruppe. Im 50-g-Arm blieb die Knochendichte der Gesamthüfte fast unverändert (−0,3 Prozent) gegenüber −1,1 Prozent in der Kontrollgruppe (p < 0,05); der 100-g-Arm erreichte keine Signifikanz, und dort brachen 41 statt 10 Prozent ab. Knochenbrüche wurden nicht erfasst. Rechtlich zugelassen ist für getrocknete Pflaumen in der EU nur eine Angabe zur Darmfunktion — eine Knochenwirkung darf daraus nicht abgeleitet werden.

Anhaltende Rückenschmerzen, eine Abnahme der Körpergröße oder ein Bruch nach einem harmlosen Anlass sind Gründe, das Thema ärztlich anzusprechen. Wer eine Abnehmphase plant und bereits eine Osteoporose oder Osteopenie hat, klärt vorher ab, was dabei zu besprechen ist: Eiweißversorgung, Krafttraining, BMI-Untergrenze und der Plan für die Zeit danach. Zu Abnehmspritzen fand eine Metaanalyse über 25 Studien kein erhöhtes Frakturrisiko, allerdings überwiegend bei Typ-2-Diabetes — mehr dazu im Artikel über die Abnehmspritze.

Ärztin erklärt einer Patientin das Ergebnis einer Knochendichtemessung

Häufige Fragen

Was sollte man bei Osteoporose essen?

Die Grundlage ist die Versorgung mit Calcium, Vitamin D und Eiweiß. Die deutsche Osteoporose-Leitlinie nennt 1.000 mg Calcium täglich aus allen Quellen, vorrangig über Lebensmittel, mindestens 800 IE Vitamin D und ab 65 Jahren mindestens 1,0 g Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht.

Was sollte man bei Osteoporose nicht essen?

Deutlich weniger, als die verbreiteten Meide-Listen behaupten: Für Phosphat, Milch und Getreide fand eine systematische Kausalitätsprüfung keinen Hinweis auf eine nachteilige Rolle. Belastbar ist vor allem Alkohol, denn ab mehr als zwei Getränken täglich lag das Hüftfrakturrisiko um 39 Prozent höher.

Schadet Abnehmen den Knochen?

Eine Gewichtsabnahme senkt die Knochendichte an Hüfte und Lendenwirbelsäule messbar, am Gesamtkörper nicht. Das zeigt eine Metaanalyse über 32 randomisierte Studien; der Hüftverlust trat erst bei Phasen über vier Monaten auf. Entscheidend ist die Umsetzung: Eiweiß hoch halten, Krafttraining dazu, nicht unter einen BMI von 20.

Welcher Sport ist bei Osteoporose gut?

Gewichtstragende Belastung und dynamisches Krafttraining, im Jahresmittel mindestens zweimal pro Woche und möglichst angeleitet: So steht es mit dem höchsten Empfehlungsgrad in der deutschen Leitlinie zur Frakturprophylaxe. Schwimmen und Radfahren gelten dagegen als kaum knochenwirksam, und Walking allein reicht nach der Leitlinie in den meisten Fällen nicht aus.

Helfen Calcium- und Vitamin-D-Tabletten gegen Osteoporose?

Die Fachwelt urteilt unterschiedlich. Bei zu Hause lebenden Erwachsenen ab 50 fand eine Metaanalyse über 33 Studien mit 51.145 Personen kein niedrigeres Frakturrisiko, und zwei große Vitamin-D-Studien bestätigten das. Die deutsche Leitlinie empfiehlt Präparate dennoch, wenn 1.000 mg Calcium über die Ernährung nicht erreicht werden; das IQWiG nicht.

Weiterlesen

Quellen

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Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Osteoporose wird ärztlich diagnostiziert und behandelt: Die Einordnung eines T-Werts und jede Entscheidung über Medikamente gehören in die Praxis. Alle genannten Studienergebnisse sind Gruppenmittelwerte und nicht auf den Einzelfall übertragbar. Wenn du eine Osteoporose oder Osteopenie hast und Gewicht reduzieren möchtest, stimme das Vorgehen vorher ärztlich ab.