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Abnehmspritze: Wirkung, Kosten und Grenzen im Überblick

„Abnehmspritze" ist der Alltagsname für verschreibungspflichtige Arzneimittel mit den Wirkstoffen Liraglutid, Semaglutid oder Tirzepatid. In den Zulassungsstudien verloren Behandelte über gut ein Jahr im Mittel rund 8 bis 21 Prozent ihres Gewichts, gegenüber Placebo etwa 6 bis 18 Prozentpunkte mehr. Verordnet werden sie ab einem BMI von 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankung. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt zur Gewichtsreduktion nicht. Nach dem Absetzen kommt ein großer Teil des Gewichts zurück.

Dieser Artikel nennt die placebobereinigten Wirksamkeitszahlen aus einer unabhängig finanzierten Übersicht, beziffert den Muskelanteil des Gewichtsverlusts, zitiert die Rechtsnorm hinter dem Erstattungsausschluss und gibt die deutsche Versorgungslage auf dem Stand von 2026 wieder.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die bekannten Prozentwerte sind Rohwerte: Auch die Placebogruppen erhielten eine Ernährungs- und Bewegungsbegleitung und verloren damit 2,4 Prozent (STEP 1) beziehungsweise 3,1 Prozent (SURMOUNT-1).
  • Gegenüber Placebo bleiben laut einer systematischen Übersicht ohne Förderung bis zu 17,8 Prozent (Tirzepatid 15 mg), 13,9 Prozent (Semaglutid 2,4 mg) und 5,8 Prozent (Liraglutid 3,0 mg).
  • Der Anteil fettfreier Masse am Gewichtsverlust lag in einer Metaanalyse über 20 Studien bei 35,2 Prozent (Semaglutid), 25,4 (Tirzepatid) und 26,8 (Liraglutid) — gegenüber 26,2 Prozent ohne Medikament.
  • Magen-Darm-Beschwerden traten bei 47 bis 84 Prozent der Behandelten auf, unter Placebo bei 13 bis 63 Prozent.
  • Paragraf 34 SGB V schließt Arzneimittel „zur Abmagerung oder zur Zügelung des Appetits, zur Regulierung des Körpergewichts" von der Kassenleistung aus; die Monatskosten lagen im März 2026 bei rund 130 bis knapp 500 Euro.
  • Nach dem Absetzen nahmen Teilnehmende in der Verlängerung von STEP 1 zwei Drittel des Verlorenen wieder zu — laut Metaanalyse unabhängig von Lebensstilmaßnahmen.

Was die Abnehmspritze ist

„Abnehmspritze" ist kein Fachbegriff. Gemeint sind verschreibungspflichtige Arzneimittel aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten — dazu gehören Liraglutid und Semaglutid — sowie der kombinierte GIP- und GLP-1-Rezeptoragonist Tirzepatid. Semaglutid gibt es seit 2025 auch als Tablette zur Gewichtsregulierung. Entwickelt und geprüft wurden diese Medikamente zur Behandlung von Adipositas und ausgeprägtem Übergewicht, nicht als Schlankheitsmittel.

GLP-1-Rezeptoragonisten ahmen die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1 nach. Dieses Hormon hemmt den Appetit und verzögert die Magenentleerung, stimuliert die glukoseabhängige Insulinfreisetzung und unterdrückt die Glukagonausschüttung. Liraglutid wirkt zusätzlich im Zentralnervensystem und steigert das Sättigungsgefühl. Wie stark körpereigenes GLP-1 die Nahrungsaufnahme beeinflusst, steht im Artikel darüber, was tatsächlich natürlich sättigt; warum Adipositas als chronische Erkrankung gilt, steht ebenfalls getrennt.

Zur Einordnung. Wir verkaufen keine dieser Spritzen und verdienen an ihnen nichts. Wir verkaufen ein Ernährungskonzept. Deshalb steht hier, was die Studien hergeben — und nicht, was sich verkaufen lässt. Eine Empfehlung für oder gegen ein Präparat sprechen wir nicht aus: Das ist ärztliche Zuständigkeit.

Einen Punkt verwischen deutsche Ratgeber regelmäßig: Ozempic enthält zwar Semaglutid, ist in der EU aber zur Behandlung des unzureichend kontrollierten Typ-2-Diabetes zugelassen und nicht zur Gewichtsregulierung — das stellt das BfArM ausdrücklich fest. Die Anwendung zum Abnehmen ist damit Off-Label; zur Gewichtsregulierung sind eigene Präparate zugelassen.

Wie viel Gewicht in den Studien verloren wurde

Über ein gutes Jahr verloren Behandelte in den Zulassungsstudien im Mittel zwischen rund 8 und 21 Prozent ihres Körpergewichts, je nach Wirkstoff und Dosis.

Wirkstoff und Studie Dauer, Teilnehmende Behandlung Placebo
Liraglutid 3,0 mg (SCALE) 56 Wochen, 3.731 −8,4 kg −2,8 kg
Semaglutid 2,4 mg (STEP 1) 68 Wochen, 1.961 −14,9 % −2,4 %
Semaglutid 25 mg als Tablette (OASIS 4) 64 Wochen, 307 −13,6 % −2,2 %
Tirzepatid 5 / 10 / 15 mg (SURMOUNT-1) 72 Wochen, 2.539 −15,0 / −19,5 / −20,9 % −3,1 %

Aussagekräftig sind auch die Anteile derer, die viel verlieren: In STEP 1 verloren 69,1 Prozent mindestens 10 Prozent ihres Gewichts gegenüber 12,0 Prozent unter Placebo, in SURMOUNT-1 erreichten 50 Prozent (10 mg) und 57 Prozent (15 mg) mindestens 20 Prozent gegenüber 3 Prozent. Was sich ab 5, 10 und 15 Prozent gesundheitlich ändert, steht im Artikel darüber, was Abnehmen im Körper bewirkt.

Den einzigen direkten Vergleich lieferte SURMOUNT-5 mit 751 Teilnehmenden über 72 Wochen: −20,2 Prozent unter Tirzepatid gegenüber −13,7 Prozent unter Semaglutid. Finanziert wurde die Studie vom Hersteller des besser abschneidenden Präparats — das entwertet sie nicht, gehört aber dazu.

Warum „15 Prozent" nicht 15 Prozent durch das Medikament bedeutet

In den Zulassungsstudien erhielten beide Gruppen eine Ernährungs- und Bewegungsintervention. Genau deshalb verlor die Placebogruppe in STEP 1 im Mittel 2,4 Prozent und in SURMOUNT-1 3,1 Prozent — ohne Wirkstoff. Was auf das Medikament selbst entfällt, ist die Differenz.

Diese Differenz rechnet eine systematische Übersicht über 26 randomisierte Studien mit 15.491 Teilnehmenden aus, die ohne Förderung entstand: gegenüber Placebo bis zu 17,8 Prozent für Tirzepatid 15 mg (72 Wochen), 13,9 Prozent für Semaglutid 2,4 mg (68 Wochen) und 5,8 Prozent für Liraglutid 3,0 mg (26 Wochen). Das sind immer noch große Effekte — aber andere Zahlen als die, die in den meisten Ratgebern stehen.

Es wirkt nicht bei allen gleich

Die deutsche Leitlinie weist auf eine große interindividuelle Variabilität hin: Unter Liraglutid 3,0 mg erreichten 67,5 Prozent nach zwölf Wochen mehr als 5 Prozent Gewichtsverlust — 32,5 Prozent nicht. Die Zulassungstexte für Liraglutid und Orlistat sehen dann einen Therapieabbruch vor; die Entscheidung trifft die verordnende Praxis.

Ärztin im Gespräch mit einer Patientin an einem Schreibtisch, im Hintergrund ein Blutdruckmessgerät

Wer sie in Deutschland verschrieben bekommt

Die Zulassung zur Gewichtsregulierung gilt für Erwachsene mit einem Ausgangs-BMI ab 30 oder ab 27 bis unter 30, wenn mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung vorliegt. Für Semaglutid besteht zusätzlich eine Zulassung für Jugendliche ab zwölf Jahren mit Adipositas und einem Körpergewicht über 60 Kilogramm.

Die S3-Leitlinie Adipositas von Oktober 2024 formuliert die Reihenfolge klar: „Können die patient:innenindividuellen Therapieziele […] mittels Ernährungs-, Bewegungs- oder Verhaltenstherapie (multimodale Basistherapie) nicht erreicht oder aufrechterhalten werden, kann die Therapie der Adipositas medikamentös unterstützt werden." Die Empfehlungen 5.28 und 5.29 tragen den Grad „kann" bei hoher Evidenzqualität. Selten zitiert und bemerkenswert: Die Konsensstärke lag bei 90 Prozent — bei 17 Stimmen, von denen sich 7 wegen potenzieller Interessenkonflikte enthielten.

Gegenanzeigen, Wechselwirkungen und Vorerkrankungen prüft die verordnende Praxis anhand der Fachinformation; eine Ratgeberseite ist dafür die schlechtere Quelle. In Schwangerschaft und Stillzeit darf Semaglutid nicht angewendet werden und muss mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden.

Der Nutzen erschöpft sich nicht in Kilogramm. In der SELECT-Studie mit 17.604 Teilnehmenden mit vorbestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung und Übergewicht oder Adipositas, aber ohne Diabetes, senkte Semaglutid über im Mittel 39,8 Monate den primären kardiovaskulären Endpunkt von 8,0 auf 6,5 Prozent (Hazard Ratio 0,80); 16,6 Prozent brachen wegen Nebenwirkungen ab gegenüber 8,2 Prozent unter Placebo. Die Population war eng definiert — auf Menschen ohne Vorerkrankung lässt sich der Befund nicht übertragen. Welche Risiken mit Adipositas verbunden sind, steht getrennt.

Was sie kostet und warum die Kasse nicht zahlt

Die Verbraucherzentrale nennt für den Stand März 2026 Monatskosten „zwischen rund 130 und knapp 500 Euro". Stiftung Warentest prüfte im selben Monat 17 zugelassene Präparate mit vier Wirkstoffen und gibt 45 bis 490 Euro je Packung an; für Begleitmaßnahmen nennt der Test bis zu 3.000 Euro im Jahr. Bezahlt wird das in aller Regel privat.

Der Grund steht im Gesetz, und er ist präziser als das Schlagwort „Lifestyle-Arzneimittel":

„Von der Versorgung sind außerdem Arzneimittel ausgeschlossen, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht. Ausgeschlossen sind insbesondere Arzneimittel, die überwiegend […] zur Abmagerung oder zur Zügelung des Appetits, zur Regulierung des Körpergewichts […] dienen." (Paragraf 34 Absatz 1 Satz 7 und 8 SGB V)

Der Gemeinsame Bundesausschuss stuft GLP-1-Rezeptoragonisten zur Gewichtsreduktion entsprechend als Lifestylearzneimittel ein. Erstattet werden sie derzeit ausschließlich in der zugelassenen Indikation Typ-2-Diabetes. Was Gewicht und Ernährung beim Typ-2-Diabetes bewirken, ist ein eigenes Thema.

In Stein gemeißelt ist die Lage nicht. Der Petitionsausschuss des Bundestags hielt eine Kostenübernahme am 12. November 2025 für „zumindest überlegenswert" und leitete die Petition an das Bundesgesundheitsministerium weiter — mit dem Hinweis, Daten zu langfristigen kardiovaskulären Auswirkungen und zur Langzeitsicherheit seien abzuwarten. Eine Entscheidung ist das nicht. Private Krankenversicherungen erstatten je nach Tarif und Diagnose unterschiedlich.

Die Nebenwirkungen, mit Zahlen statt Schlagwörtern

Magen-Darm-Beschwerden sind der Normalfall, nicht die Ausnahme. Sehr häufig, also bei mindestens einer von zehn behandelten Personen, treten laut Produktinformation Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung auf. Häufig, bei mindestens einer von hundert, sind unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Bauchschmerzen, Blähungen und Gallensteine.

Die unabhängige Übersicht über 26 Studien nennt Spannen statt Einzelzahlen: Nebenwirkungen insgesamt bei 80 bis 97 Prozent der Behandelten gegenüber 63 bis 100 Prozent unter Placebo, gastrointestinale Beschwerden bei 47 bis 84 gegenüber 13 bis 63 Prozent, Abbrüche deswegen bei 0 bis 26 gegenüber 0 bis 9 Prozent. In der Studie zur Tablettenform waren es 74,0 gegenüber 42,2 Prozent.

Konkrete Nenner aus der Produktinformation: bestätigte akute Pankreatitis unter Semaglutid bei 0,2 Prozent gegenüber weniger als 0,1 Prozent unter Placebo, Gallensteine bei 1,6 Prozent; bei 4,3 Prozent führten Magen-Darm-Ereignisse zum Absetzen.

Eine sehr seltene, aber ernste Nebenwirkung hat der Ausschuss für Risikobewertung der EMA im Juni 2025 bestätigt: NAION, eine Durchblutungsstörung des Sehnervs. „Sehr selten" heißt hier: bis zu eine von 10.000 behandelten Personen. Epidemiologische Studien deuten bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes auf ein etwa zweifach erhöhtes relatives Risiko hin. Bei plötzlichem Sehverlust oder rasch schlechter werdendem Sehen gilt: unverzüglich ärztlichen Kontakt aufnehmen.

Haarausfall ist in den Fachinformationen als Nebenwirkung gelistet, meist leicht und meist vorübergehend. Die Zahlen dazu und die Frage, ob das Medikament oder der rasche Gewichtsverlust dahintersteckt, haben wir im Artikel über Haarausfall nach dem Abnehmen aufgeschlüsselt. Das kursierende „Ozempic Face" ist kein Fachbegriff, sondern beschreibt Veränderungen nach rascher Gewichtsabnahme — mehr dazu im Artikel über die Haut nach dem Abnehmen.

Wohin Beschwerden gehören. Nebenwirkungen einer verordneten Therapie besprichst du in der Praxis, die verordnet hat — nicht in Selbstbehandlung und nicht durch eigenmächtiges Absetzen oder Verändern der Therapie. Anhaltendes Völlegefühl kann viele Ursachen haben; unter einer laufenden Behandlung ist die verordnende Praxis die richtige Adresse dafür.

Muskelmasse: die meistgestellte Frage

Ja, ein Teil des verlorenen Gewichts ist fettfreie Masse — aber nicht mehr als beim Abnehmen ohne Medikament. An dieser Stelle hören fast alle Ratgeber auf zu rechnen.

Eine Metaanalyse über 20 randomisierte Studien mit 15.782 Teilnehmenden hat den Anteil der fettfreien Masse am gesamten Gewichtsverlust bestimmt: 35,2 Prozent unter Semaglutid, 25,4 unter Tirzepatid, 26,8 unter Liraglutid. Bei reinen Lebensstilinterventionen lag derselbe Anteil bei 26,2 Prozent — der Unterschied war statistisch nicht bedeutsam. Deutlich niedriger war er nur in einer Konstellation: Lebensstil plus Krafttraining, 17,5 Prozent. Die Heterogenität war mit 68 Prozent hoch, ein Publikationsbias fand sich nicht.

Zwei weitere Metaanalysen stützen die Entwarnung. In einer Netzwerk-Metaanalyse über 22 Studien sanken Gewicht (−3,55 kg), Fettmasse (−2,95 kg) und fettfreie Masse (−0,86 kg); der relative Anteil fettfreier Masse am Körper blieb unverändert. Eine Auswertung über 19 Studien fand denselben Befund.

Ehrlich dazugesagt: Ob der Verlust an Muskelmasse beim Abnehmen klinisch relevant ist, wird in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Ein vielbeachteter Standpunktbeitrag in JAMA stellt genau diese Frage. Entschieden ist die Debatte nicht.

Gut belegt und beruhigend ist dagegen: Diätbedingter Verlust an Muskelmasse geht nicht mit einem Verlust an Muskelkraft einher. Die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert sich bei Gewichtsabnahme sogar, wahrscheinlich wegen der geringeren Fettmasse. Eine hohe Proteinzufuhr hilft, fettfreie Masse zu erhalten, verbessert die Kraft aber nicht. Kraft- und Ausdauertraining erhalten Muskelmasse, Krafttraining verbessert zusätzlich die Kraft. Die Autoren betonen eine ausreichende, nicht übermäßige Proteinzufuhr.

Daraus folgt ein schmaler, klarer Handlungsrahmen: Krafttraining und ausreichend Eiweiß. Wie viel Eiweiß in einer Abnahmephase zählt und wie stark das Tempo den Muskelverlust beeinflusst, steht getrennt — ebenso, worin Eiweiß steckt.

Teller mit Hähnchenbrust, Quark und Gemüse, daneben zwei Kurzhanteln auf einer Holzplatte

Wenn die Eiweißmenge im Alltag nicht zusammenkommt. Wer bei reduzierter Nahrungsaufnahme weniger auf den Teller bekommt, kann Eiweiß über ein Proteinpräparat ergänzen. DailyWhey ist ein Molkenproteinpulver von VitalBodyPLUS. Zugelassener Wortlaut in der EU: Proteine tragen zur Erhaltung von Muskelmasse bei. Ein Ersatz für Krafttraining oder ärztliche Begleitung ist es nicht.

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Was nach dem Absetzen passiert

Das Gewicht steigt wieder — in allen drei Studien, die das systematisch untersucht haben.

Studie Ausgangslage Weiterbehandelt Abgesetzt bzw. Placebo
STEP 1 Extension (327) −17,3 % nach 68 Wochen — +11,6 Prozentpunkte in einem Jahr, netto −5,6 %
STEP 4 (803) −10,6 % nach 20 Wochen −7,9 % bis Woche 68 +6,9 %
SURMOUNT-4 (670) −20,9 % nach 36 Wochen −5,5 % bis Woche 88 +14,0 %

In der Verlängerung von STEP 1 wurden Medikament und Lebensstilintervention abgesetzt. Die Teilnehmenden nahmen binnen eines Jahres zwei Drittel ihres Gewichtsverlusts wieder zu, und die kardiometabolischen Verbesserungen näherten sich für die meisten Messgrößen den Ausgangswerten an; alle Analysen der Verlängerung waren explorativ. In SURMOUNT-4 hielten 89,5 Prozent der Weiterbehandelten mindestens 80 Prozent des erreichten Verlusts, unter Placebo 16,6 Prozent — auch diese Studie wurde vom Hersteller finanziert.

Eine Metaanalyse über acht Studien mit 2.372 Teilnehmenden beziffert die Wiederzunahme in Kilogramm: 2,20 kg nach Liraglutid, 9,69 kg nach Semaglutid oder Tirzepatid, proportional zum ursprünglichen Verlust. Und der Satz, der uns die bequeme Schlussfolgerung verbietet: Sie trat „unabhängig von Lebensstilinterventionen" auf.

Was das heißt und was nicht. Was nach dem Absetzen zuverlässig vor Wiederzunahme schützt, ist nicht geklärt. Die deutsche Leitlinie empfiehlt, die Basistherapie aufrechtzuerhalten: „Nach Beendigung oder Minderung der Intensität des Basisprogramms oder der medikamentösen Therapie […] kommt es in der Regel zu einer erneuten Gewichtszunahme." Ein Schutzversprechen ist das nach den vorliegenden Daten nicht.

Für Liraglutid, Semaglutid und Orlistat bestehen laut Zulassung keine Beschränkungen der Therapiedauer. Diese Medikamente sind nicht als Kur mit Enddatum konzipiert; die Autoren der STEP-1-Verlängerung schließen, dass eine fortlaufende Behandlung nötig ist, um Gewichts- und Gesundheitsverbesserungen zu erhalten. Warum der Körper nach einer Gewichtsabnahme gegenarbeitet, steht im Artikel über den Jo-Jo-Effekt; was nachweislich beim Halten hilft, steht ebenfalls getrennt.

Der Teil, den kein Medikament übernimmt

Die Ernährungsseite steht in jedem Szenario an — das ist keine Meinung, sondern steht im Anwendungsgebiet selbst. Die Zulassung gilt für die Anwendung „als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung und verstärkter körperlicher Aktivität zur Gewichtsregulierung". So wurden die Medikamente geprüft, und nur so sind ihre Ergebnisse zustande gekommen.

Die deutsche Leitlinie setzt denselben Rahmen dreimal: vorher, weil die medikamentöse Therapie erst infrage kommt, wenn die Ziele mit der Basistherapie nicht erreicht werden; währenddessen, weil das Anwendungsgebiet es vorsieht; danach, weil die Basistherapie aufrechterhalten werden soll. Praktisch geht es um wenig Spektakuläres: genug Eiweiß, Krafttraining, eine Struktur, die Mahlzeiten planbar macht, und jemanden, der Rückfragen beantwortet. Was die Stoffwechselkur dabei leisten kann und was nicht, steht in unserer ehrlichen Einschätzung.

Frau mit Einkaufskorb wählt in der Gemüseabteilung eines Supermarkts frisches Gemüse aus

Wenn die Frage lautet: Wie gehe ich die Ernährungsseite begleitet an? Die Stoffwechselkur von VitalBodyPLUS ist ein kalorienreduziertes, eiweißbetontes Programm mit individuell berechnetem Bedarf statt Pauschalwerten, mit fester Stabilisierungsphase und enthaltener Ernährungsberatung. Magdalena Mathiessen und ihr Team begleiten die Kurgruppen täglich persönlich per WhatsApp. Die Kur ist kein Arzneimittel und kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung: Wenn dir eine medikamentöse Therapie verordnet wurde oder du eine erwägst, besprich deine Ernährung mit der behandelnden Praxis.

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Rezept aus dem Internet: was Testkäufe zeigten

Alle genannten Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig. Wie belastbar die Prüfung vor einer Online-Verschreibung ist, haben die Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Projekt „Faktencheck Gesundheitswerbung" untersucht: Zwischen dem 2. und 11. März 2026 testeten sie zehn deutschsprachige Plattformen ohne verpflichtende Videoberatung. Nur vier der zehn verlangten einen Identitätsnachweis, vier weder Identitäts- noch Gewichtsnachweis. Zwei forderten Fotos an, wobei KI-generierte Bilder teilweise akzeptiert wurden. Bei fünf Plattformen genügte es, im Fragebogen ein falsches Gewicht anzugeben, um ein Rezept zu erhalten. Projektleiterin Gesa Schölgens ordnete ein, dass die Rezeptvergabe allein über leicht manipulierbare Online-Fragebögen ohne echten Arztkontakt etablierten ärztlichen Standards widerspricht. Gefordert werden sorgfältige Anamnese, persönlicher Arztkontakt — auch per Videosprechstunde — und individuelle Risikoaufklärung.

Zum zweiten Risiko außerhalb der regulären Versorgung: Im Oktober 2023 tauchten in Deutschland gefälschte Ozempic-Fertigpens auf. Sie enthielten kein Semaglutid, sondern Insulin — vermutlich umetikettierte Insulinpens. Das BfArM sprach von „erheblicher Gesundheitsgefährdung"; die WHO warnte im Juni 2024 international vor gefälschten Semaglutid-Produkten.

Was fast nie erwähnt wird: Am 15. Februar 2024 stellte das BfArM fest, dass keine weiteren Fälschungen identifiziert wurden, dass das Sicherheitssystem securPharm bei doppelter Ausbuchung sofort Alarm auslöst und dass für Deutschland keine Erkenntnisse vorlagen, wonach die Fälschungen Patientinnen oder Patienten erreicht hätten. Die legale Lieferkette hat funktioniert — das Risiko liegt außerhalb davon.

Überholt ist bei vielen Ratgebern auch der Stand zum Lieferengpass. Ab 2022 war die Versorgung EU-weit angespannt; die Nachfrage resultierte laut BfArM „vornehmlich aus der Anwendung bei Adipositas". Am 18. März 2026 hob der zuständige Beirat seine Empfehlung zur Sicherung der Diabetes-Versorgung wieder auf.

Was noch offen ist

Drei Lücken sind groß genug, um sie zu benennen. Der kardiovaskuläre Nutzen ist bislang vor allem für eine eng definierte Population mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankung belegt, und der Petitionsausschuss verwies im November 2025 auf ausstehende Langzeitdaten. Was nach dem Absetzen hilft, ist nicht geklärt. Und es fehlt eine belastbare Zahl dazu, wie viele Menschen in Deutschland eine Abnehmspritze anwenden: Die Präparate werden privat verordnet und bezahlt und tauchen in keiner Verordnungsstatistik der gesetzlichen Krankenversicherung auf.

Neu in Erprobung ist der Dreifach-Rezeptoragonist Retatrutid: In einer Phase-2-Studie mit 338 Teilnehmenden lagen die Werte nach 48 Wochen bei −24,2 Prozent gegenüber −2,1 Prozent unter Placebo. Zugelassen ist der Wirkstoff nicht, und Phase-2-Ergebnisse sind kein Erwartungswert für die Praxis. Bemerkenswert ist schließlich, dass die methodisch sauberste neutrale deutsche Quelle, die Patienteninformation des IQWiG, auf dem Stand von August 2022 steht und Semaglutid und Tirzepatid gar nicht behandelt.

Häufige Fragen

Wie viel nimmt man mit der Abnehmspritze ab?

In den Zulassungsstudien verloren Behandelte über ein gutes Jahr im Mittel rund 8 bis 21 Prozent ihres Gewichts. Ein Teil davon geht auf die Ernährungsumstellung zurück, die beide Gruppen erhielten. Gegenüber Placebo bleiben laut einer unabhängigen Übersicht bis zu 5,8 Prozentpunkte für Liraglutid, 13,9 für Semaglutid und 17,8 für Tirzepatid.

Was kostet die Abnehmspritze im Monat?

Die Verbraucherzentrale nennt für den Stand März 2026 rund 130 bis knapp 500 Euro im Monat, Stiftung Warentest für 17 geprüfte Präparate 45 bis 490 Euro je Packung. Bezahlt wird das in aller Regel privat.

Zahlt die Krankenkasse die Abnehmspritze?

Zur Gewichtsreduktion nicht. Paragraf 34 SGB V schließt Arzneimittel aus, die überwiegend zur Abmagerung, zur Zügelung des Appetits oder zur Regulierung des Körpergewichts dienen. Erstattet werden sie nur in der Indikation Typ-2-Diabetes. Ein Petitionsverfahren läuft seit November 2025.

Ab welchem BMI bekommt man die Abnehmspritze?

Die Zulassung sieht einen Ausgangs-BMI ab 30 vor oder ab 27 bis unter 30 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung. Die deutsche Leitlinie nennt die medikamentöse Therapie als Kann-Option, wenn die Ziele mit der Basistherapie nicht erreicht werden. Die Entscheidung liegt ärztlich.

Was passiert, wenn man die Abnehmspritze absetzt?

Das Gewicht steigt wieder. In der Verlängerung von STEP 1 nahmen Teilnehmende binnen eines Jahres zwei Drittel des Verlorenen wieder zu. In SURMOUNT-4 nahm die Placebogruppe 14,0 Prozent zu, die weiterbehandelte Gruppe verlor weitere 5,5 Prozent — laut Metaanalyse unabhängig von Lebensstilmaßnahmen.

Verliert man mit der Abnehmspritze Muskelmasse?

Ein Teil des verlorenen Gewichts ist fettfreie Masse, etwa ein Viertel bis ein Drittel. In einer Metaanalyse über 20 Studien lag der Anteil bei Semaglutid bei 35,2 Prozent, bei Tirzepatid bei 25,4 und bei Liraglutid bei 26,8 — gegenüber 26,2 Prozent ohne Medikament.

Ist Ozempic eine Abnehmspritze?

Ozempic enthält Semaglutid, ist in der EU aber zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen und nicht zur Gewichtsregulierung. Die Anwendung zum Abnehmen ist Off-Label; zur Gewichtsregulierung sind eigene Präparate zugelassen.

Kann man die Abnehmspritze ohne Rezept bekommen?

Nein, alle Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig. Testkäufe der Verbraucherzentralen im März 2026 zeigten aber, dass Onlineplattformen Rezepte teils ohne echte Prüfung ausstellten. Außerhalb der legalen Lieferkette kommt ein Fälschungsrisiko dazu.

Weiterlesen

Quellen

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  • EMA, Produktinformation Wegovy, Abschnitte 4.1, 4.6, 4.8; Produktinformation Mounjaro, Abschnitte 4.1, 4.8; PRAC-Mitteilung zu NAION, 06.06.2025.
  • BfArM, Arzneimittelfälschungen Ozempic, 11.10.2023 und 15.02.2024; Archiv Lieferengpässe GLP-1-Rezeptor-Agonisten, Stand 18.03.2026.
  • Verbraucherzentralen NRW und Rheinland-Pfalz, „Faktencheck Gesundheitswerbung", 26.03.2026; Deutsches Ärzteblatt, 26.03.2026 und 12.11.2025.
  • Verbraucherzentrale, Abnehmspritzen: Fragen und Antworten, Stand 02.04.2026; Stiftung Warentest, Abnehmspritzen und Tabletten im Test, 26.03.2026.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob eine medikamentöse Therapie infrage kommt, welcher Wirkstoff, in welcher Dosis und wie lange, entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Ändere eine verordnete Therapie nicht auf eigene Faust und sprich Nebenwirkungen dort an, wo verordnet wurde. Alle genannten Studienergebnisse sind Mittelwerte aus Untersuchungsgruppen und nicht auf den Einzelfall übertragbar.