Der BMI ist ein Bevölkerungsmaß, kein persönlicher Befund. Er wurde 1832 entwickelt, um Durchschnitte zu beschreiben, und erkennt in der Allgemeinbevölkerung nur etwa die Hälfte der Menschen mit erhöhtem Körperfettanteil. Als grober erster Anhaltspunkt taugt er, als Aussage über eine einzelne Person nicht. Eine internationale Fachkommission hat 2025 vorgeschlagen, ihn allein nicht mehr für eine Diagnose zu verwenden.
Wenn du deinen Wert erst noch brauchst: Unser BMI-Rechner rechnet ihn aus und fragt zusätzlich den Taillenumfang ab. Hier geht es um die andere Frage – was diese Zahl überhaupt wert ist: woher die Grenzwerte stammen, wie oft sie danebenliegen und was Fachgesellschaften seit 2025 daraus machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Index stammt von Adolphe Quetelet, der 1832 Bevölkerungsdurchschnitte beschreiben wollte. Den Namen „Body Mass Index" bekam er erst 1972.
- Die US-Schwelle für Übergewicht lag bis 1998 bei 27,8 für Männer und 27,3 für Frauen. Die NIH-Leitlinie senkte sie im September 1998 auf 25.
- Ein BMI ab 30 erkannte in NHANES III 36 Prozent der Männer und 49 Prozent der Frauen mit erhöhtem Körperfettanteil – bei einer Spezifität von 95 und 99 Prozent.
- Das Diabetesrisiko eines BMI von 30,0 bei weißen Erwachsenen in England entsprach einem BMI von 23,9 bei südasiatischen und 28,1 bei schwarzen Teilnehmenden.
- Bei Menschen ab 65 Jahren stieg die Sterblichkeit erst oberhalb eines BMI von 33 an, unterhalb von 23 war sie bereits erhöht.
- Die deutsche S3-Leitlinie schreibt selbst, dass der BMI nur mäßig mit der Körperfettmasse korreliert.
Inhalt
- Woher die Zahl kommt
- Wie oft der BMI danebenliegt – die Zahlen
- Wo derselbe Wert Verschiedenes bedeutet
- Der Streit um die Sterblichkeit
- Warum der Nenner quadriert wird
- Was Fachgesellschaften seit 2025 vorschlagen
- Wo der BMI in Deutschland trotzdem zählt
- Was der BMI beim Abnehmen leistet – und was nicht
- Häufige Fragen
Woher die Zahl kommt
Die Grenzwerte 25 und 30 sind Verabredungen. Sie markieren keinen Punkt, an dem im Körper etwas umspringt, sondern eine Einteilung, auf die man sich geeinigt hat, um Bevölkerungen zu vergleichen. Wer die drei Stationen ihrer Entstehung kennt, versteht auf einen Schlag, warum sich die Grenze so willkürlich anfühlt.
Ein Astronom, der Durchschnitte beschreiben wollte
Adolphe Quetelet (1796–1874) war belgischer Mathematiker, Astronom und Statistiker. Er beschrieb den Index 1832 im Rahmen seiner Arbeiten über den „mittleren Menschen" – also über Durchschnitte ganzer Bevölkerungen, nicht über einzelne Personen. Sein Befund war schlicht: Bei erwachsenen Menschen wachse das Gewicht mit dem Quadrat der Körpergröße. Quetelet hat nie eine Diagnostik vorgeschlagen und keinen Grenzwert benannt. Er hat eine Regelmäßigkeit in Bevölkerungsdaten beschrieben.
Der Name ist 140 Jahre jünger als der Index
„Body Mass Index" heißt die Rechengröße erst seit 1972. In diesem Jahr verglich der Physiologe Ancel Keys mit seinen Mitautoren mehrere relative Gewichtsindizes miteinander und empfahl den Quetelet-Index als den für Bevölkerungsvergleiche geeignetsten. Auch hier ging es um Gruppen. Der Index war zu diesem Zeitpunkt bereits 140 Jahre alt und hatte in dieser ganzen Zeit keine Rolle in der Einzelfallbeurteilung gespielt.
Wie aus 27,8 über Nacht 25 wurde
In den USA galt bis 1998 als übergewichtig, wer einen BMI ab 27,8 (Männer) beziehungsweise ab 27,3 (Frauen) hatte – so waren die Teilnehmenden der nationalen Gesundheitssurveys kategorisiert worden. Im September 1998 senkte die Leitlinie der National Institutes of Health diese Schwelle auf 25 und begründete das mit epidemiologischen Daten zur Sterblichkeit oberhalb dieses Wertes. An einem Stichtag galten damit Millionen Menschen als übergewichtig, an denen sich nichts verändert hatte.
Das ist kein Skandal, sondern normale Wissenschaftsgeschichte: Eine Einteilung wurde an neue Daten angepasst. Aber es zeigt, was eine Kategoriengrenze ist – eine getroffene Entscheidung, keine Naturkonstante. Genau deshalb sind Sätze wie „ab 25 wird es gefährlich" irreführend. Risiken verlaufen kontinuierlich, Kategorien springen.

Wie oft der BMI danebenliegt – die Zahlen
Der BMI misst nicht Körperfett, sondern Gewicht im Verhältnis zur Größe. Wie gut er trotzdem trifft, lässt sich beziffern – und die Zahlen sind deutlicher, als der übliche Hinweis auf Muskelmasse vermuten lässt. Die deutsche S3-Leitlinie Adipositas formuliert es in ihrer Fassung von Oktober 2024 selbst so: Da der BMI nur mäßig mit der Körperfettmasse korreliere, komme der Berücksichtigung der Körperzusammensetzung eine große Bedeutung zu. Auch die WHO bezeichnet den BMI ausdrücklich als Ersatzmaß für Körperfett und verweist auf ergänzende Messungen.
Wen er markiert und wen er übersieht
In einer Auswertung von 13.601 Erwachsenen aus dem US-Gesundheitssurvey NHANES III erkannte ein BMI ab 30 nur 36 Prozent der Männer und 49 Prozent der Frauen, die tatsächlich einen erhöhten Körperfettanteil hatten. Gleichzeitig lag die Spezifität bei 95 Prozent (Männer) und 99 Prozent (Frauen). Eine Meta-Analyse über 32 Stichproben mit 31.968 Personen bestätigte das: gepoolte Sensitivität 0,50 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,43 bis 0,57), gepoolte Spezifität 0,90 (0,86 bis 0,94).
In einem Satz: Wen der BMI markiert, der hat meist wirklich zu viel Körperfett. Wen er nicht markiert, der möglicherweise auch. Ein unauffälliger BMI ist damit keine Entwarnung, ein auffälliger dagegen ein ernstzunehmender Hinweis. Diese Asymmetrie ist der eigentliche Kern der BMI-Kritik – und sie wird fast überall als Anekdote erzählt statt als Zahl.
Warum der Bereich zwischen 25 und 30 der unschärfste ist
Gerade in der Kategorie, in der die meisten Menschen landen, leistet der BMI am wenigsten. Dieselbe NHANES-III-Auswertung fand, dass er im Bereich zwischen 25 und 29,9 bei beiden Geschlechtern nicht zwischen Fettmasse und fettfreier Masse unterscheidet. Zusätzlich nimmt seine diagnostische Güte mit steigendem Lebensalter ab. Wer also einen Wert von 26 oder 28 hat, erfährt aus dieser Zahl praktisch nichts über die eigene Körperzusammensetzung – weder im positiven noch im negativen Sinn.
Was „übergewichtig, aber stoffwechselgesund" wirklich heißt
In einer Auswertung von 40.420 Personen aus den US-Surveys 2005 bis 2012 waren fast die Hälfte der Menschen in der Übergewichtskategorie, 29 Prozent in der Adipositas-Kategorie und 16 Prozent in Adipositas Grad II und III nach den untersuchten Blutdruck-, Blutzucker-, Blutfett- und Entzündungswerten unauffällig. Umgekehrt war über 30 Prozent der Normalgewichtigen mindestens ein Wert auffällig. Die Kategorie beschreibt also nicht die Person.
Diese Zahlen sind allerdings eine Momentaufnahme, keine Entwarnung auf Dauer. Eine Meta-Analyse hat genau das geprüft: Über Beobachtungszeiträume von zehn Jahren und mehr hatten metabolisch gesunde Menschen mit Adipositas ein erhöhtes Risiko für Gesamtsterblichkeit und kardiovaskuläre Ereignisse gegenüber metabolisch gesunden Normalgewichtigen. Beides gehört zusammen: Der BMI beschreibt den einzelnen Menschen schlecht, und trotzdem verschwindet das statistische Risiko nicht, nur weil die aktuellen Werte gut sind. Welche Risiken mit welchem Gewicht verbunden sind – und wie stark –, steht mit Zahlen im Beitrag zu den Folgen einer Adipositas.
Wo derselbe Wert Verschiedenes bedeutet
Derselbe BMI bedeutet für zwei Menschen nicht dasselbe – und zwar systematisch, nicht zufällig. Am besten belegt sind zwei Einflussgrößen: die Herkunft und das Lebensalter. Bei Kindern und Jugendlichen gelten ohnehin eigene Regeln.
Herkunft: derselbe Körperfettanteil, ein anderer BMI
Der Index wurde an westeuropäischen Bevölkerungen entwickelt und passt deshalb nicht überall gleich gut. Eine Meta-Analyse verglich Bevölkerungsgruppen bei gleichem Körperfettanteil, gleichem Alter und gleichem Geschlecht: Der zugehörige BMI lag bei Chinesen rund 1,9, bei Thailändern rund 2,9 und bei Indonesiern rund 3,2 Einheiten unter dem von US-Weißen. Eine quantitative Übersichtsarbeit hat später erklärt, woran das liegt: an Unterschieden im Körperbau, unter anderem an der Beinlänge im Verhältnis zur Gesamtgröße sowie an Knochen- und Muskelmasse.
Die WHO hat daraus 2004 eine differenzierte Konsequenz gezogen. Eine Expertenkonsultation stellte fest, dass der Anteil asiatischer Menschen mit hohem Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits unterhalb eines BMI von 25 erheblich ist. Die internationale Klassifikation wurde dabei ausdrücklich beibehalten; ergänzt wurden zusätzliche Handlungspunkte für die öffentliche Gesundheit bei 23 und 27,5, über deren Verwendung die Länder selbst entscheiden. Es ist also falsch, von „gesenkten Grenzwerten für Asiaten" zu sprechen.
Die bislang konkreteste Zahl liefert eine englische Kohorte mit 1.472.819 Erwachsenen, median 6,5 Jahre nachbeobachtet, in der 97.823 neue Typ-2-Diabetes-Diagnosen auftraten. Die Auswertung rechnet aus, welcher BMI in verschiedenen Bevölkerungsgruppen demselben Diabetesrisiko entspricht wie ein BMI von 30,0 bei weißen Teilnehmenden.
| Bevölkerungsgruppe in England | BMI mit demselben Typ-2-Diabetes-Risiko wie 30,0 bei weißen Teilnehmenden |
|---|---|
| Südasiatisch | 23,9 (95-%-KI 23,6–24,0) |
| Arabisch | 26,6 (26,5–27,0) |
| Chinesisch | 26,9 (26,7–27,2) |
| Schwarz | 28,1 (28,0–28,4) |
| Weiß | 30,0 (Referenz) |
Für die Praxis in Deutschland heißt das zweierlei. Erstens: Ein BMI von 26 kann je nach Herkunft näher an der Risikolage eines BMI von 30 liegen, als die Tabelle vermuten lässt. Zweitens: Die deutsche S3-Leitlinie Adipositas von Oktober 2024 enthält keine ethnienspezifischen Grenzwerte – in einer deutschen Praxis wird also mit einer einzigen Tabelle gearbeitet. Wer das weiß, kann das Thema im Gespräch selbst ansprechen.

Alter: ab wann ein höherer Wert unauffällig ist
„Im Alter darf der BMI etwas höher sein" ist ein verbreiteter Satz ohne Zahl. Eine Meta-Analyse über 32 Studien mit 197.940 Menschen ab 65 Jahren und durchschnittlich zwölf Jahren Nachbeobachtung liefert sie: Gemessen an der Referenzgruppe mit einem BMI von 23,0 bis 23,9 war die Sterblichkeit bei 21,0 bis 21,9 um 12 Prozent und bei 20,0 bis 20,9 um 19 Prozent erhöht. Nach oben begann ein Anstieg erst oberhalb eines BMI von 33.
Dazu passt ein Befund aus der Auswertung von 239 prospektiven Studien auf vier Kontinenten: Der Zusammenhang zwischen BMI und Sterblichkeit ist bei jüngeren Menschen deutlich stärker ausgeprägt. Pro 5 Einheiten oberhalb eines BMI von 25 lag die Hazard Ratio bei einer Messung im Alter von 35 bis 49 Jahren bei 1,52 (1,47 bis 1,56), bei einer Messung mit 70 bis 89 Jahren nur noch bei 1,21 (1,17 bis 1,25). Im höheren Lebensalter ist ein leicht erhöhter Wert also weniger aussagekräftig – und ein niedriger Wert der problematischere Befund. Dass der Körperfettanteil bei gleichem BMI mit dem Alter zunimmt, kommt hinzu; die Referenzwerte dazu stehen in den Zahlen hinter dem Fettabbau.
Kinder und Jugendliche: Perzentile statt Grenzwerte
Für Kinder und Jugendliche gelten keine festen BMI-Grenzwerte. Maßgeblich sind alters- und geschlechtsbezogene Perzentile: Von Übergewicht wird ab dem 90., von Adipositas ab dem 97. und von extremer Adipositas ab dem 99,5. Perzentil gesprochen. Referenz sind in Deutschland die 2001 für die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter publizierten Kurven nach Kromeyer-Hauschild. Die WHO verwendet eigene Referenzen und definiert für 5- bis 19-Jährige Übergewicht ab mehr als einer und Adipositas ab mehr als zwei Standardabweichungen über dem Median ihrer Wachstumsreferenz. Deutsche und internationale Zahlen können deshalb auseinandergehen.
Der Streit um die Sterblichkeit
Zur Frage, ob Übergewicht die Lebenserwartung verkürzt, gibt es zwei große Auswertungen mit gegensätzlichem Ergebnis. Beide sind methodisch sauber gemacht. Der Unterschied liegt in einer einzigen Designentscheidung – und wer die kennt, kann fast jede Schlagzeile zu diesem Thema selbst einordnen.
Eine Meta-Analyse von 2013 fand für Übergewicht (BMI 25 bis unter 30) eine niedrigere Gesamtsterblichkeit als für Normalgewicht: Hazard Ratio 0,94 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,91 bis 0,96). Für Adipositas Grad I zeigte sich kein signifikanter Unterschied (0,95; 0,88 bis 1,01). Erst ab einem BMI von 35 war die Sterblichkeit erhöht (1,29; 1,18 bis 1,41). Dieser Befund ist unter dem Stichwort „Adipositas-Paradox" bekannt geworden.
Die Auswertung von 239 prospektiven Studien auf vier Kontinenten kam zum Gegenteil: Die niedrigste Sterblichkeit lag im Bereich eines BMI von 20,0 bis 25,0, und bereits im Übergewichtsbereich war sie signifikant erhöht – 1,07 (1,07 bis 1,08) für 25,0 bis unter 27,5 und 1,20 (1,18 bis 1,22) für 27,5 bis unter 30,0. Für Adipositas Grad I lag die Hazard Ratio bei 1,45 (1,41 bis 1,48).
Der entscheidende Unterschied: Die zweite Arbeit schloss Rauchende und Menschen mit bekannter chronischer Erkrankung aus und ließ zusätzlich die ersten Nachbeobachtungsjahre unberücksichtigt. Der Grund dafür ist einleuchtend. Rauchen und bestehende Erkrankungen senken das Körpergewicht und erhöhen gleichzeitig die Sterblichkeit. Wer sie nicht herausrechnet, füllt die Gruppe der Normalgewichtigen mit Menschen, die aus anderen Gründen früher sterben – und Übergewicht erscheint schützender, als es ist. Diese Erklärung ist methodisch gut nachvollziehbar, aber sie bleibt eine Einordnung des Studiendesigns und kein eigenes Studienergebnis.
Was daraus folgt, ist keine Seitenwahl, sondern eine Lesehilfe: Bei jeder Schlagzeile zu Gewicht und Sterblichkeit lohnt die Frage, wer in der Vergleichsgruppe steckt. Für einzelne Erkrankungen ist die Datenlage übrigens eindeutiger als für die Gesamtsterblichkeit – ein höherer BMI war in einer Kohorte von 5,24 Millionen britischen Erwachsenen mit dem Risiko für mehrere spezifische Krebsarten verbunden.
Warum der Nenner quadriert wird
Menschen sind dreidimensional, im Nenner der Formel steht aber nur das Quadrat der Körpergröße. Das ist die häufigste Nachfrage zur Formel – und sie ist berechtigt. Die Quadrierung stammt aus Quetelets Beobachtung an Bevölkerungsdaten des 19. Jahrhunderts und nicht aus einer Überlegung zur Körpergeometrie. Die praktische Folge: Sehr kleine Menschen erscheinen im BMI tendenziell schlanker und sehr große tendenziell fülliger, als sie sind.
Es gibt dazu einen bekannten Alternativvorschlag des Mathematikers Nick Trefethen, der den Exponenten auf 2,5 ändert und das Ergebnis mit dem Faktor 1,3 korrigiert. Dieser Vorschlag wurde nie in einer begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht; er ist ein Diskussionsbeitrag, kein Standard. Und er wurde geprüft: An 4.293 aufeinanderfolgenden allgemeinchirurgischen Patientinnen und Patienten sagte die Variante mit dem Exponenten 2,5 weder postoperative Komplikationen noch das Langzeitüberleben besser voraus als der herkömmliche BMI.
Damit ist das Thema für die Praxis abgeschlossen: Der mathematische Einwand ist nachvollziehbar, eine nachweislich bessere Formel gibt es bislang nicht. Die sinnvollere Konsequenz ist nicht ein anderer Exponent, sondern ein zweites Maß.

Was Fachgesellschaften seit 2025 vorschlagen
Seit Januar 2025 liegt ein Vorschlag vor, der den BMI in der Einzelfallbeurteilung ausdrücklich entthront. Eine internationale Kommission unterscheidet darin zwischen klinischer Adipositas – einer chronischen Erkrankung mit anhaltender Funktionsstörung von Organen oder Geweben, die allein auf die Adipositas zurückgeht – und präklinischer Adipositas, bei der die Organfunktion erhalten, das Erkrankungsrisiko aber erhöht ist.
Praktisch bedeutet das: Ein erhöhter BMI soll für eine Diagnose auf individueller Ebene nicht mehr ausreichen. Bestätigt werden soll die vermehrte Körperfettmasse entweder durch eine direkte Messung oder durch ein zusätzliches Körpermaß – Taillenumfang, Taille-Hüft-Verhältnis oder Taille-Größe-Verhältnis – mit Grenzwerten, die für Alter, Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit validiert sind. Eine Ausnahme gilt oberhalb eines BMI von 40: Dort wird die vermehrte Körperfettmasse auch ohne Zusatzmessung als gesichert angesehen. Für Bevölkerungsaussagen, epidemiologische Studien und Screenings soll der BMI weiter verwendet werden.
Das ist der Satz, der den ganzen Streit auflöst: Der BMI ist ein Bevölkerungsinstrument, das für die Einzelperson zweckentfremdet wurde. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft begrüßt den Vorschlag und sieht einen Mehrwert in einer nach Schweregrad gestuften Therapie; sie fordert zusätzlich, die körperliche Leistungsfähigkeit einzubeziehen, also die kardiorespiratorische und muskuläre Fitness.
Ehrlich dazugesagt: In der deutschen S3-Leitlinie steht das noch nicht. Deren aktuelle Fassung stammt von Oktober 2024 und ist damit älter als die Kommissionsarbeit. Wer heute in eine Praxis geht, trifft deshalb in aller Regel noch auf die bekannte Einteilung. Warum ein hoher BMI überhaupt zustande kommt, ist eine eigene Frage mit vielen Antworten – sie steht bei den Ursachen der Adipositas.
Wo der BMI in Deutschland trotzdem zählt
An einigen Stellen ist der BMI nicht Orientierung, sondern Weichenstellung. Dort lohnt es sich zu wissen, wo man steht.
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Anforderungen an ein strukturiertes Behandlungsprogramm für Erwachsene mit Adipositas beschlossen; seit dem 1. Juli 2024 können gesetzliche Krankenkassen dazu regionale Verträge schließen. Vorgesehen ist die Einschreibung für Erwachsene mit einem BMI zwischen 30 und 35 und mindestens einer Begleiterkrankung sowie für Erwachsene mit einem BMI ab 35 auch ohne Begleiterkrankung. Ob ein solches Programm tatsächlich zur Verfügung steht, hängt von der jeweiligen Krankenkasse und der Region ab – ein bundesweiter Anspruch ist damit nicht verbunden. Die Nachfrage bei der eigenen Kasse ist der einzige Weg, das herauszufinden.
Bei Kindern und Jugendlichen entscheiden die genannten Perzentilgrenzen darüber, ab wann von Übergewicht oder Adipositas gesprochen wird. Und auch bei gewichtsabhängigen Therapieentscheidungen im Erwachsenenalter werden BMI-Bereiche zusammen mit Begleiterkrankungen herangezogen. Welche Schwellen dort im Einzelnen gelten, ist Sache der jeweiligen Fachleitlinie und des ärztlichen Gesprächs – pauschale Zahlen aus dem Internet helfen an dieser Stelle nicht weiter.
Was der BMI beim Abnehmen leistet – und was nicht
Für den Start ist der BMI brauchbar: Er ordnet ein, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht, und er ist in zehn Sekunden verfügbar. Für den Verlauf ist er nutzlos – und das lässt sich in einem Satz begründen.
Die Körpergröße bleibt während einer Gewichtsabnahme konstant. Damit verändert sich der BMI exakt proportional zum Gewicht. Er enthält gegenüber der Zahl auf der Waage keine einzige zusätzliche Information, sondern rechnet dieselbe Zahl nur in eine andere Einheit um. Wer wöchentlich den BMI neu ausrechnet, wiegt sich also zweimal.
Informativer sind Maße, die sich unabhängig vom Gesamtgewicht verändern können – allen voran der Taillenumfang und das Verhältnis von Taille zu Körpergröße. In einer systematischen Übersicht über 78 Studien sagte das Taille-Größe-Verhältnis Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufiger voraus als der BMI; die mittlere Fläche unter der Grenzwertoptimierungskurve lag bei 0,704 gegenüber 0,671 für den BMI. Dass daraus auch ein besseres Verlaufsmaß folgt, ist eine plausible Ableitung und keine belegte Verlaufsstudie – aber es ist die naheliegendere Wahl als eine Zahl, die nur das Gewicht spiegelt.
Praktisch heißt das: den BMI einmal am Anfang bestimmen, danach Gewicht und Taillenumfang im Verlauf betrachten und beides über Wochen lesen statt über Tage. Wie man einen Verlauf richtig liest, statt an einzelnen Zahlen zu verzweifeln, steht unter richtig wiegen. Warum gerade das Fett am Bauch eine Sonderrolle spielt, steht unter Bauchfett reduzieren. Und der BMI ist ohnehin nicht die einzige Zahl, die aus einer Formel kommt und weniger verspricht, als viele erwarten – dasselbe gilt für den Grundumsatz.
Ein Startwert sagt, wo du stehst – nicht, was zu tun ist. Genau an dieser Stelle setzt die 30-Tage-Stoffwechselkur von VitalBodyPLUS an: Der Bedarf wird individuell berechnet statt pauschal angesetzt, die Mahlzeiten sind eiweißbetont, die Stabilisierungsphase ist von Anfang an fester Bestandteil des Plans, und die Ernährungsberatung ist enthalten. Magdalena Mathiessen und ihr Team begleiten die Kurgruppen täglich persönlich per WhatsApp – also jemand, der den Verlauf mit einschätzt, statt dass eine einzelne Zahl das leisten müsste.
Deinen eigenen Wert samt Taillenumfang bekommst du im BMI-Rechner; eine Übersicht über alle Werkzeuge steht unter unsere kostenlosen Rechner.
Häufige Fragen
Wer hat den BMI erfunden?
Adolphe Quetelet, ein belgischer Mathematiker, Astronom und Statistiker, beschrieb den Index 1832. Er wollte Bevölkerungsdurchschnitte erfassen und kam zu dem Schluss, das Gewicht wachse mit dem Quadrat der Körpergröße. Den Namen „Body Mass Index" bekam die Rechengröße erst 140 Jahre später, 1972, von dem Physiologen Ancel Keys, der sie für Bevölkerungsvergleiche empfahl.
Woher kommen die Grenzwerte 25 und 30?
Sie sind Verabredungen zur Einteilung von Gruppen, keine Schwellen, an denen ein Risiko einsetzt. In den USA galt bis 1998 als übergewichtig, wer einen BMI ab 27,8 (Männer) oder ab 27,3 (Frauen) hatte. Die NIH-Leitlinie vom September 1998 senkte die Schwelle auf 25 und begründete das mit Daten zur Sterblichkeit oberhalb dieses Wertes.
Wie genau ist der BMI?
Ein BMI ab 30 erkannte in einer Auswertung von 13.601 Erwachsenen 36 Prozent der Männer und 49 Prozent der Frauen mit erhöhtem Körperfettanteil, bei einer Spezifität von 95 und 99 Prozent. Eine Meta-Analyse über 31.968 Personen kam auf eine gepoolte Sensitivität von 0,50. Wen der BMI markiert, der hat meist wirklich zu viel Fett – wen er nicht markiert, möglicherweise auch.
Stimmt es, dass Übergewicht die Lebenserwartung nicht verkürzt?
Dazu gibt es widersprüchliche Auswertungen. Eine Meta-Analyse von 2013 fand für Übergewicht eine leicht niedrigere Gesamtsterblichkeit als für Normalgewicht, eine größere Auswertung von 239 Studien das Gegenteil. Der Unterschied liegt vor allem daran, ob Rauchende, Menschen mit bestehenden Erkrankungen und die ersten Nachbeobachtungsjahre herausgerechnet wurden.
Gilt der BMI für alle Menschen gleich?
Nein. Bei gleichem Körperfettanteil fällt der BMI je nach Herkunft unterschiedlich aus. In einer englischen Kohorte mit knapp 1,5 Millionen Erwachsenen entsprach das Diabetesrisiko eines BMI von 30,0 bei weißen Teilnehmenden einem BMI von 23,9 bei südasiatischen Teilnehmenden. Die deutsche Leitlinie greift solche Unterschiede bislang nicht auf.
Ab welchem BMI ist man im Alter zu dünn?
In einer Meta-Analyse über 197.940 Menschen ab 65 Jahren war die Sterblichkeit bei einem BMI von 21,0 bis 21,9 um 12 Prozent und bei 20,0 bis 20,9 um 19 Prozent höher als im Bereich 23,0 bis 23,9. Nach oben begann der Anstieg erst oberhalb von 33. Ungewollter Gewichtsverlust im Alter gehört ärztlich abgeklärt.
Was ist die neue Adipositas-Definition?
Eine internationale Fachkommission schlug 2025 vor, zwischen klinischer Adipositas mit Funktionsstörung von Organen oder Geweben und präklinischer Adipositas mit erhaltener Organfunktion zu unterscheiden. Ein erhöhter BMI soll für eine Diagnose nicht mehr genügen, sondern durch eine direkte Messung oder ein zweites Körpermaß bestätigt werden – außer oberhalb von 40.
Brauche ich den BMI während einer Diät?
Nur am Anfang. Die Körpergröße bleibt gleich, also verändert sich der BMI exakt proportional zum Gewicht und liefert gegenüber der Waage keine zusätzliche Information. Für den Verlauf sind Maße informativer, die sich unabhängig vom Gewicht verändern können, etwa der Taillenumfang – eine plausible Ableitung, keine belegte Verlaufsstudie.
Weiterlesen
- Adipositas Folgen: welche Risiken belegt sind – und wie stark
- Körperfett reduzieren: die Zahlen hinter dem Fettabbau
- Adipositas Ursachen: was wirklich dahintersteckt
- Warum abnehmen? Was eine Gewichtsabnahme tatsächlich bringt
Quellen
- Deutsche Adipositas-Gesellschaft u. a. S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas, AWMF 050-001, Version 5.0, Oktober 2024.
- World Health Organization. Obesity and overweight, Fact Sheet.
- National Heart, Lung, and Blood Institute / NIH. Clinical Guidelines on the Identification, Evaluation, and Treatment of Overweight and Obesity in Adults, September 1998.
- Eknoyan G. Adolphe Quetelet (1796–1874) – the average man and indices of obesity. Nephrol Dial Transplant 2008;23(1):47–51. PMID 17890752.
- Keys A et al. Indices of relative weight and obesity. J Chronic Dis 1972;25(6):329–343. PMID 4650929.
- Romero-Corral A et al. Accuracy of body mass index in diagnosing obesity in the adult general population. Int J Obes 2008;32(6):959–966. PMID 18283284.
- Okorodudu DO et al. Diagnostic performance of body mass index to identify obesity as defined by body adiposity. Int J Obes 2010;34(5):791–799. PMID 20125098.
- Tomiyama AJ et al. Misclassification of cardiometabolic health when using body mass index categories in NHANES 2005–2012. Int J Obes 2016;40(5):883–886. PMID 26841729.
- Kramer CK, Zinman B, Retnakaran R. Are metabolically healthy overweight and obesity benign conditions? Ann Intern Med 2013;159(11):758–769. PMID 24297192.
- Deurenberg P, Yap M, van Staveren WA. Body mass index and percent body fat: a meta analysis among different ethnic groups. Int J Obes Relat Metab Disord 1998;22(12):1164–1171. PMID 9877251.
- Heymsfield SB et al. Why are there race/ethnic differences in adult body mass index-adiposity relationships? Obes Rev 2016;17(3):262–275. PMID 26663309.
- WHO Expert Consultation. Appropriate body-mass index for Asian populations. Lancet 2004;363(9403):157–163. PMID 14726171.
- Caleyachetty R et al. Ethnicity-specific BMI cutoffs for obesity based on type 2 diabetes risk in England. Lancet Diabetes Endocrinol 2021;9(7):419–426. PMID 33989535.
- Winter JE et al. BMI and all-cause mortality in older adults: a meta-analysis. Am J Clin Nutr 2014;99(4):875–890. PMID 24452240.
- Global BMI Mortality Collaboration. Body-mass index and all-cause mortality. Lancet 2016;388(10046):776–786. PMID 27423262.
- Flegal KM et al. Association of all-cause mortality with overweight and obesity using standard body mass index categories. JAMA 2013;309(1):71–82. PMID 23280227.
- Bhaskaran K et al. Body-mass index and risk of 22 specific cancers. Lancet 2014;384(9945):755–765. PMID 25129328.
- Browning LM, Hsieh SD, Ashwell M. A systematic review of waist-to-height ratio as a screening tool. Nutr Res Rev 2010;23(2):247–269. PMID 20819243.
- Prentice AM, Jebb SA. Beyond body mass index. Obes Rev 2001;2(3):141–147. PMID 12120099.
- Rubino F et al. Definition and diagnostic criteria of clinical obesity. Lancet Diabetes Endocrinol 2025;13(3):221–262. PMID 39824205.
- Tjeertes E et al. The new body mass index formula; not validated as a predictor of outcome in a large cohort study of patients undergoing general surgery. Clin Nutr ESPEN 2017;22:24–27. PMID 29415830.
- Trefethen LN. New BMI (New Body Mass Index), University of Oxford – nicht begutachteter Diskussionsbeitrag.
- Gemeinsamer Bundesausschuss. Regionale Verträge für ein DMP Adipositas ab sofort möglich, Pressemitteilung.
- Deutsche Adipositas-Gesellschaft. Definition Adipositas im Kindes- und Jugendalter sowie Stellungnahme zur neuen Adipositas-Definition der Commission on Clinical Obesity.
- Bundeszentrum für Ernährung. Neue Erkenntnisse zur Beschreibung von Adipositas.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Er stellt keine Diagnose und trifft keine Aussage über den Gesundheitszustand einer einzelnen Person. Alle genannten Studienergebnisse sind Mittel- oder Medianwerte aus Untersuchungsgruppen und nicht auf den Einzelfall übertragbar. Bei ungewolltem Gewichtsverlust, bei Untergewicht oder wenn dich dein Gewicht gesundheitlich belastet, wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.





