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Mediterrane Ernährung: die 14 Kriterien aus den Studien

Mediterrane Ernährung ist in der Forschung kein Lebensgefühl, sondern ein Punktesystem mit festen Mengen. Der in den großen Studien verwendete Score umfasst 14 Kriterien: Olivenöl als Hauptfett, viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse und Fisch, überwiegend Geflügel statt rotem Fleisch, wenig Butter, wenig gesüßte Getränke, wenig gekaufte Süßwaren. Je erfülltes Kriterium gibt es einen Punkt. Eine einheitliche Definition existiert nicht — verschiedene Scores kommen zu verschiedenen Ergebnissen.

Dieser Artikel nennt alle 14 Kriterien mit ihren Schwellenwerten aus der Originalarbeit, rechnet den Nutzen in absolute Zahlen um statt in Prozentversprechen und zeigt an der amtlichen Preisstatistik, was die Umstellung in Deutschland kostet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der validierte Score umfasst 14 Kriterien. Olivenöl kommt zweimal vor, Wein einmal — und zwar erst ab sieben Gläsern pro Woche.
  • Hinter den zitierten „30 Prozent" stehen absolute Zahlen: 3,8 gegen 4,4 Prozent Ereignisse über knapp fünf Jahre — nach eigener Rechnung eine Number Needed to Treat von etwa 100 bis 170 Personen.
  • Cochrane fand 2019 für die Gesamtsterblichkeit keinen Unterschied (HR 1,0), für Schlaganfall dagegen 24 statt 14 Fälle je 1.000 bei moderater Evidenzqualität.
  • Ohne Energiedefizit bewegt sich das Gewicht kaum; mit Defizit, Bewegung und persönlicher Begleitung waren es nach zwölf Monaten 3,2 statt 0,7 Kilogramm.
  • Vier Esslöffel Olivenöl täglich liegen weit über den 18 bis 22 Gramm, bis zu denen die Dosis-Wirkungs-Kurve fällt. Teurer geworden ist in Deutschland fast nur Olivenöl: Index 160,8 gegenüber 135,5 für Nahrungsmittel.

Die 14 Kriterien, an denen Studien mediterrane Ernährung messen

Wer mediterrane Ernährung untersucht, muss sie messbar machen. Dafür dient meist der MEDAS-Score: ein 2011 validierter Fragebogen mit 14 Kriterien, eingesetzt in der spanischen PREDIMED-Studie mit 7.447 Teilnehmenden. Jedes erfüllte Kriterium zählt einen Punkt.

Wichtig zur Tabelle. Die Schwellenwerte sind Studienkriterien, keine Empfehlung an dich: Sie beschreiben, wie Forschende Adhärenz erfassen — nicht, wie viel jemand essen oder trinken sollte.

Nr. Kriterium Schwelle für einen Punkt
1 Olivenöl als Hauptfett zum Kochen ja
2 Olivenölmenge pro Tag, mit Braten, Salat und Außer-Haus-Verzehr mindestens 4 Esslöffel
3 Gemüse, 1 Portion = 200 g, davon mindestens eine roh oder als Salat mindestens 2 Portionen pro Tag
4 Obst, Fruchtsaft eingeschlossen mindestens 3 Einheiten pro Tag
5 Rotes Fleisch, Hack, Fleischwaren, 1 Portion = 100 bis 150 g weniger als 1 Portion pro Tag
6 Butter, Margarine, Sahne, 1 Portion = 12 g weniger als 1 Portion pro Tag
7 Süße oder kohlensäurehaltige Getränke weniger als 1 pro Tag
8 Wein mindestens 7 Gläser pro Woche
9 Hülsenfrüchte, 1 Portion = 150 g mindestens 3 Portionen pro Woche
10 Fisch oder Meeresfrüchte, 1 Portion = 100 bis 150 g bzw. 200 g mindestens 3 Portionen pro Woche
11 Gekaufte Süß- und Backwaren, nicht selbst gebacken weniger als 3-mal pro Woche
12 Nüsse, Erdnüsse eingeschlossen, 1 Portion = 30 g mindestens 3 Portionen pro Woche
13 Huhn, Pute oder Kaninchen bevorzugt gegenüber Kalb, Schwein und Wurst ja
14 Gerichte mit Sofrito: Tomate mit Zwiebel, Porree oder Knoblauch, in Olivenöl geschmort — auch mit Nudeln oder Reis mindestens 2-mal pro Woche

Warum die Punktzahl mehr sagt als jede Lebensmittelliste

Eine Lebensmittelliste beantwortet die Frage „was", der Score zusätzlich die Frage „wie viel". In derselben Arbeit hatten Teilnehmende mit mindestens 10 Punkten gegenüber jenen mit 7 oder weniger ein geringeres Risiko für ein Verhältnis von Taille zu Körpergröße über 0,6 (Odds Ratio 0,68 bei Frauen, 0,66 bei Männern). Die stärksten Einzelzusammenhänge mit Bauchfett zeigten zwei unspektakuläre Kriterien: viele Nüsse und wenige gesüßte Getränke — eine Querschnittsauswertung, also Zusammenhänge, keine Ursachen.

Tisch mit einer Flasche Olivenöl, Tomaten, Fischfilet, Hülsenfrüchten und Vollkornbrot

Die drei Kriterien, an denen es in Deutschland am häufigsten hakt

Beim Olivenöl ist es die Menge: vier Esslöffel am Tag sind ein Vielfaches dessen, was eine durchschnittliche Küche verbraucht. Beim Fisch ist es die Häufigkeit: drei Portionen pro Woche liegen über den deutschen Referenzempfehlungen von ein bis zwei und über der europäischen Kardiologie-Leitlinie, die mindestens eine nennt. Und beim Wein ist es die Richtung — hier belohnt der Score eine Menge, von der die deutsche Fachgesellschaft abrät. Beim Fleisch fällt es umgekehrt aus: „weniger als eine Portion pro Tag" liegt weit über den 300 Gramm pro Woche, die die deutschen Empfehlungen als Obergrenze nennen.

Warum es keine einheitliche Definition gibt

Weil zwei Vorgehensweisen konkurrieren: Entweder wird beschrieben, was im Mittelmeerraum bis Mitte der 1960er Jahre tatsächlich gegessen wurde, oder es wird ein Idealbild festgelegt, das heutigen Ernährungsempfehlungen entspricht. Die Forschung arbeitet zunehmend mit dem Idealbild — und die konkurrierenden Scores gewichten es unterschiedlich.

Wie folgenreich das ist, zeigt eine einzige Studie. In der UK-Biobank-Kohorte mit 60.298 Teilnehmenden über 9,1 Jahre wurde die Adhärenz mit zwei Scores berechnet: Mit dem 14-Punkte-Score war höhere Adhärenz mit niedrigerem Demenzrisiko verbunden (Hazard Ratio 0,77), mit dem konkurrierenden PYRAMID-Score erreichte derselbe Vergleich keine Signifikanz (0,86; 0,73 bis 1,02). Dieselben Menschen, dieselben Ernährungsdaten, zwei Ergebnisse. Auch beim Fettanteil schwanken die Angaben: je nach Quelle rund 35 Prozent der Energie aus Fett oder 20 bis 35 Prozent, gegenüber unter 30 Prozent in den deutschen Empfehlungen. Wie sich die Mittelmeerkost neben Low Carb, nordischer und japanischer Kost einordnet, steht in unserer Übersicht der Ernährungsformen.

Woher das Muster kommt — und was übersehen wird

Die Vorstellung einer besonders gesunden Mittelmeerkost geht auf Beobachtungen der 1950er und 1960er Jahre zurück, in denen die Bevölkerung Kretas mit sehr niedrigen Herz-Kreislauf-Raten auffiel. Ein Bestandteil dieser Referenzkost wird regelmäßig übersehen: das griechisch-orthodoxe Fasten. Eine einjährige Untersuchung an 120 orthodoxen Christen auf Kreta verglich Fastende und Nichtfastende; die Hälfte hielt die drei Hauptfastenzeiten ein, 40 Tage vor Weihnachten, 48 Tage der Fastenzeit, 15 Tage Marienfasten. Am Ende dieser Perioden nahmen die Fastenden signifikant weniger Cholesterin, Gesamtfett, gesättigte und trans-Fettsäuren sowie Protein auf und 753 Kilojoule, also rund 180 Kilokalorien, weniger Energie, während die Vergleichsgruppe um 573 Kilojoule zulegte. Die kretische Referenzkost enthielt also über weite Strecken des Jahres weniger Fett und Protein, als eine Lebensmittelliste vermuten lässt — eine deskriptive Beobachtung an einer kleinen Gruppe, keine Aussage über eine Wirkung des Fastens.

Und heute essen die Mittelmeerländer deutlich weniger mediterran: Die Adhärenz ist in Südeuropa über Jahre gesunken. Der Maßstab ist deshalb der Score, nicht das Reiseland.

Was mediterrane Ernährung nachweislich bewirkt

Belegt ist ein moderater Nutzen bei einzelnen Endpunkten, am deutlichsten beim Schlaganfall und bei kardiovaskulären Ereignissen. Nicht belegt ist ein Effekt auf die Gesamtsterblichkeit — beides gehört in dieselbe Antwort.

Herz und Gefäße: die Zahlen hinter den „30 Prozent"

Die meistzitierte Studie ist PREDIMED mit 7.447 Personen zwischen 55 und 80 Jahren, mit hohem kardiovaskulärem Risiko, aber ohne bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung. Über median 4,8 Jahre traten 288 Ereignisse des primären Endpunkts auf: 96 Fälle oder 3,8 Prozent unter mediterraner Kost mit nativem Olivenöl, 83 oder 3,4 Prozent mit Nüssen, 109 oder 4,4 Prozent in der Kontrollgruppe. Die adjustierten Hazard Ratios lagen bei 0,69 und 0,72 — das sind die „30 Prozent" aus den Ratgebern.

In absoluten Zahlen bedeuten sie eine Risikodifferenz von rund 0,6 bis 1,0 Prozentpunkten über knapp fünf Jahre. Nach eigener Rechnung aus den publizierten Ereignisraten müssten etwa 100 bis 170 Personen ihre Ernährung fünf Jahre lang umstellen, damit ein zusätzliches Ereignis vermieden wird. Ein realer, aber moderater Effekt, der als absolute Zahl anders aussieht als in Prozent.

Zur Einordnung gehören zwei Punkte: Die Kontrollgruppe war keine normal essende Gruppe, sie erhielt Ratschläge zur Fettreduktion. Und die Interventionsgruppen bekamen Olivenöl beziehungsweise Nüsse kostenlos gestellt, die Kontrollgruppe nur kleine Sachgeschenke. Die Arbeit von 2013 wurde 2018 zurückgezogen und korrigiert neu veröffentlicht; nach Ausschluss der 1.588 Teilnehmenden mit fehlerhafter Gruppenzuweisung blieben die Ergebnisse ähnlich — mehr dazu in unserer Übersicht der Ernährungsformen. Verbreitet ist außerdem die Darstellung, PREDIMED sei aus ethischen Gründen abgebrochen worden. Das ist falsch: Die Studie endete nach einer vorab festgelegten Zwischenauswertung.

Was Cochrane 2019 dazu sagt

Die umfassendste systematische Auswertung schließt 30 randomisierte Studien mit 12.461 Teilnehmenden ein und fällt zurückhaltender aus als die Einzelstudien. Für die kardiovaskuläre Sterblichkeit fand sie eine Hazard Ratio von 0,81 (0,50 bis 1,32), für die Gesamtsterblichkeit 1,0 (0,81 bis 1,24) — jeweils bei geringer Evidenzqualität, also mit dem Hinweis auf wenig oder keinen Effekt. Beim Schlaganfall stuft sie die Qualität als moderat ein: 24 statt 14 Fälle je 1.000 Personen, Hazard Ratio 0,60. In der Primärprävention kommen 2,99 mmHg systolisch und 2,0 mmHg diastolisch hinzu, ebenfalls bei moderater Qualität.

Das eigene Fazit dieser Auswertung. Es bestehe weiterhin Unsicherheit über die Effekte einer mediterranen Ernährungsweise auf klinische Endpunkte und kardiovaskuläre Risikofaktoren, in der Primär- wie in der Sekundärprävention. Bemerkenswert ist auch, was fehlt: Keine eingeschlossene Studie berichtete über Kosten oder Lebensqualität.

Höchster Empfehlungsgrad gegen niedrige Evidenzqualität

Die europäische Kardiologie-Leitlinie von 2021 empfiehlt eine mediterrane oder vergleichbare Kost mit Klasse I und Evidenzlevel A — der höchsten Kombination, die sie vergibt. Zwei Jahre zuvor hatte Cochrane die Evidenz für harte Endpunkte als niedrig eingestuft. Beides stimmt, und der Widerspruch löst sich über die Fragestellung: Cochrane fragt, wie sicher der Nachweis in randomisierten Studien ist — beim Schlaganfall mäßig sicher, bei der Sterblichkeit unsicher. Die Leitlinie fragt, welches Muster einem Menschen mit Risiko empfohlen werden soll. Dort fließen große Beobachtungsdaten ein: pro zwei zusätzliche Score-Punkte eine um 8 Prozent niedrigere Gesamtsterblichkeit und eine um 10 Prozent niedrigere kardiovaskuläre Rate. Empfohlen werden muss ohnehin irgendein Muster — ein besser belegtes gibt es nicht.

Demenz, Blutdruck, Blutfette, Entzündungswerte, Diabetes

Bei der Demenz ist die Datenlage schwächer, als die Schlagzeilen vermuten lassen: Die Metaanalyse über 21 Studien mit 65.955 Teilnehmenden fand eine gepoolte Odds Ratio von 0,89, für Alzheimer 0,73 — bei hoher Heterogenität und ausschließlich Beobachtungsdaten. Die Größenordnung deckt sich mit den kursierenden „bis zu 20 Prozent", als Wirkung belegt ist sie nicht. Mit dem zweiten Score derselben UK-Biobank-Auswertung war der Zusammenhang nicht signifikant.

Vier weitere Bereiche, vier kurze Antworten. Beim Blutdruck liegen die belegten Effekte bei rund 3 mmHg systolisch — wo die deutsche Leitlinie widerspricht, steht bei Bluthochdruck. Beim Cholesterin ist der Hebel das Austauschen von Fettsäuren, nicht das Weglassen: Cholesterin senken. Für die Entzündungswerte im Blut ist das mediterrane Muster der bestbelegte Ernährungseffekt überhaupt — um wie viel es das C-reaktive Protein senkt, steht bei den entzündungshemmenden Lebensmitteln. Und zur Diabetesvorbeugung gibt es eine randomisierte Teilauswertung von PREDIMED mit deutlichem Ergebnis für die Olivenöl-Variante, samt vier Einschränkungen: Typ-2-Diabetes vorbeugen.

Hand gießt Olivenöl aus einer kleinen Flasche über einen Salat in einer Schüssel

Nimmt man mit mediterraner Ernährung ab?

Nicht von allein. Die mediterrane Kost ist ein Ernährungsmuster, kein Abnehmkonzept: ohne Energiedefizit bewegt sie das Gewicht kaum, mit Defizit und Begleitung messbar, aber moderat.

In PREDIMED war ausdrücklich keine Energiebeschränkung vorgesehen und keine Bewegungsförderung. Über median 4,8 Jahre verloren alle drei Gruppen nur marginal Gewicht, der Taillenumfang nahm zu. Die dazu oft zitierte Zahl, die mediterrane Gruppe habe 0,43 Kilogramm mehr abgenommen, stammt aus einer 2019 zurückgezogenen Arbeit — sie steht bis heute auf deutschen Gesundheitsportalen, ohne Hinweis auf den Rückzug, und ist als Befund nicht verwendbar.

Die Folgestudie PREDIMED-Plus hat diese Lücke geschlossen. 626 Personen zwischen 55 und 75 Jahren mit Übergewicht oder Adipositas und metabolischem Syndrom erhielten eine intensive Lebensstilintervention: energiereduzierte mediterrane Kost, Bewegungsförderung und persönliche Verhaltensbegleitung. Nach zwölf Monaten hatte diese Gruppe 3,2 Kilogramm abgenommen, die Kontrollgruppe 0,7 Kilogramm — eine mittlere Differenz von 2,5 Kilogramm (1,9 bis 3,1). Die Marke von 5 Prozent erreichten 33,7 gegenüber 11,9 Prozent; zusätzlich verbesserten sich Taillenumfang, Nüchternglukose, Triglyceride und HDL. Nicht die Lebensmittelauswahl brachte die Abnahme, sondern Defizit, Bewegung und Begleitung.

Wenn es um das Defizit geht, nicht um die Lebensmittelliste. Die drei Bestandteile, die in PREDIMED-Plus den Unterschied machten, sind die Bestandteile unserer Kur: ein individuell berechneter Bedarf statt einer pauschalen Zahl, eiweißbetonte Mahlzeiten und tägliche persönliche Begleitung. Magdalena Mathiessen und ihr Team betreuen die Kurgruppen täglich per WhatsApp, die Ernährungsberatung ist enthalten, und die Stabilisierungsphase ist von Anfang an Teil des Plans — genau die Phase, an der die meisten Ansätze nach zwölf Monaten scheitern.

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Im Vergleich mit anderen Konzepten fällt das Ergebnis nüchtern aus. Eine systematische Übersicht über fünf randomisierte Studien mit mindestens zwölf Monaten und 998 Teilnehmenden fand mehr Gewichtsverlust als unter fettreduzierter Kost, aber einen ähnlichen wie unter anderen Vergleichsdiäten: 4,7 bis 7,7 Kilogramm. Die europäische Kardiologie-Leitlinie ergänzt, die günstigen Effekte verschiedener Kostformen nähmen nach zwölf Monaten ab, bei der mediterranen Kost blieben sie tendenziell bestehen. Dass die deutsche Adipositas-Leitlinie sie als eine von sieben gleichrangigen Strategien führt, ordnen wir im Vergleich der Diäten ein; den Vergleich mit einer fettarm-veganen Kost findest du bei vegan abnehmen.

Drei verbreitete Missverständnisse

„Mediterran heißt Pasta"

Nudeln sind im Score ausdrücklich vorgesehen — aber in einer bestimmten Rolle. Kriterium 14 gibt einen Punkt, wenn mindestens zweimal pro Woche Gerichte mit Sofrito auf den Tisch kommen: Tomate, geschmort mit Zwiebel, Porree oder Knoblauch in Olivenöl, gern mit Nudeln oder Reis. Die Sauce ist die Hauptsache, die Beilage der Träger — anders als bei der Auslegung, bei der die Beilage den Teller füllt und Gemüse zur Dekoration wird. Wie stark die Zubereitung den Blutzuckerverlauf beeinflusst, steht beim glykämischen Index.

Wenn die Sauce bleiben soll, die Beilage aber leichter werden darf. SmartPasta und SmartRice bestehen im Wesentlichen aus Wasser und 3 Prozent Konjakmehl und liefern 6 Kilokalorien je 100-Gramm-Portion. Sofrito-Basis, Eiweiß und Gemüse bleiben, nur der Träger wechselt. Hinweis: Bei Schluckbeschwerden oder zu geringer Flüssigkeitsaufnahme besteht Erstickungsgefahr.

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„Ein Glas Wein gehört dazu"

Der Score belohnt Wein, und zwar deutlich mehr, als die Redewendung „in Maßen" vermuten lässt: Kriterium 8 gibt einen Punkt erst ab sieben Gläsern pro Woche. Rechnet man ein Glas mit 150 Milliliter und 12 Volumenprozent, ergeben sich rund 14 Gramm reiner Alkohol je Glas, also rund 99 Gramm pro Woche — eine eigene Rechnung, denn die Glasgröße steht in der Originaltabelle nicht.

Diese Menge liegt praktisch auf der Obergrenze der europäischen Kardiologie-Leitlinie: höchstens 100 Gramm Alkohol pro Woche. Um den Score-Punkt zu bekommen, muss man die Leitliniengrenze also ausschöpfen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung geht seit ihrem Positionspapier 2024 weiter und empfiehlt, auf alkoholische Getränke zu verzichten: „Die Daten zeigen, dass es keine risikofreie Menge für einen unbedenklichen Konsum gibt." Andere Score-Varianten rechnen ohnehin mit ganz anderen Schwellen, das bayerische Verbraucherportal etwa mit 27 Gramm pro Woche. Für Wein und Resveratrol existiert in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Der Wein-Punkt ist für uns deshalb die Eigenschaft eines Messinstruments, keine Empfehlung — die 13 anderen Kriterien lassen sich ohne Alkohol erfüllen.

„Viel Olivenöl ist viel gut"

Hier gehen Score-Schwelle und Datenlage am weitesten auseinander. Kriterium 2 verlangt mindestens vier Esslöffel täglich. Die Dosis-Wirkungs-Metaanalyse prospektiver Kohortenstudien zeigt dagegen, dass die Risikokurve nur bis etwa 18 Gramm pro Tag für kardiovaskuläre Ereignisse und bis etwa 22 Gramm für die Gesamtsterblichkeit fällt und danach abflacht. Für diese Mengen fand sie ein niedrigeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (relatives Risiko 0,85) und kardiovaskuläre Sterblichkeit (0,77), für Krebs dagegen keinen Zusammenhang.

Dazu kommt die Energie. Vier Esslöffel entsprechen je nach Löffeldefinition rund 40 bis 54 Gramm Öl — die US-Portionskonvention rechnet einen Esslöffel mit 13,5 Gramm, die deutsche Küchenpraxis mit etwa 10 Gramm. Bei 900 Kilokalorien je 100 Gramm sind das nach eigener Rechnung rund 360 bis 490 Kilokalorien pro Tag allein aus Olivenöl. Ohne Abnehmziel ist das unproblematisch; in einem Energiedefizit ist es der größte Posten, der sich unbemerkt ansammelt.

Bemerkenswert ist, wie nah zwei unabhängige Zahlen beieinanderliegen: das Plateau der Dosis-Wirkungs-Kurve bei 18 bis 22 Gramm und die Bezugsmenge des einzigen zugelassenen EU-Hinweises zu Olivenöl-Polyphenolen mit 20 Gramm täglich — beide bei rund einem Drittel bis der Hälfte der Score-Schwelle. Ob Olivenöl das beste Öl ist und wie Rapsöl mit rund 55 Prozent einfach ungesättigten Fettsäuren gegenüber rund 70 Prozent im Olivenöl abschneidet, klären wir bei den gesunden Fetten.

Öl dort sparen, wo es keine Funktion hat. Im Salat und in der Sofrito-Basis hat Olivenöl eine Aufgabe, in der Pfanne oft nicht. Ein Sprühstoß DailySpray liefert rund 0,23 Gramm Fett und etwa 2 Kilokalorien und reicht für eine beschichtete Pfanne — gegenüber zwei Esslöffeln Öl mit rund 180 Kilokalorien. Praktisch wird das bei Ölspray statt Öl.

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Umsetzung in Deutschland: Kosten und Entsprechungen

Mediterran essen ist in Deutschland nicht pauschal teuer geworden — teuer geworden ist vor allem ein einziges Lebensmittel. Wir haben dazu die Sonderauswertung Nahrungsmittelpreise des Statistischen Bundesamtes ausgewertet, Basis 2020 = 100, letzter Monat Juni 2025. Es sind Indexwerte, keine Preise.

Position Index Juni 2025 Höchststand
Olivenöl 160,8 208,6 (Juli 2024)
Nahrungsmittel insgesamt 135,5 136,5 (April 2025)
Fisch und Meeresfrüchte 130,3 131,9 (Juni 2023)
Trockenobst und Nüsse 127,4 128,2 (Mai 2025)
Obst, frisch 122,5 123,5 (Mai 2025)
Gemüse ohne Kartoffeln, frisch 117,6 158,4 (März 2023)

Von den Kernlebensmitteln der mediterranen Kost ist seit 2020 im Wesentlichen eines ausgerissen: Olivenöl war im Juli 2024 mehr als doppelt so teuer wie im Jahresdurchschnitt 2020. Frisches Gemüse, Obst, Fisch und Nüsse sind dagegen langsamer gestiegen als Nahrungsmittel insgesamt. „Mediterran essen ist teuer geworden" ist in Deutschland also vor allem eine Olivenöl-Aussage — und Olivenöl ist genau der Posten, den der Score doppelt gewichtet und dessen Nutzengewinn bei 18 bis 22 Gramm täglich abflacht. Eine Kostenuntersuchung zur Kostform selbst gibt es nur aus Portugal: Dort war höhere Adhärenz mit 21,2 Prozent höheren Gesamtkosten verbunden, im Mittel 0,59 Euro pro Tag, signifikant nur in den höheren Einkommensgruppen — portugiesische Preise von 2015 und 2016, keine deutsche Zahl.

Wie sich einzelne teurer gewordene Posten wie Olivenöl aufs gesamte Wochenbudget auswirken, rechnen wir in unserem Beitrag dazu vor, wie sich einzelne teurere Lebensmittel aufs Budget auswirken.

Familie isst gemeinsam an einem langen Tisch im Freien

Der unbequeme Befund: der Nutzen zeigte sich nicht in allen Gruppen

In der italienischen Moli-sani-Kohorte mit 18.991 Personen ab 35 Jahren und 252 kardiovaskulären Ereignissen über 4,3 Jahre war ein Anstieg des Scores um zwei Punkte mit einem um 15 Prozent geringeren Risiko verbunden. Die Aufschlüsselung ist aufschlussreicher: Bei höher Gebildeten lag die Hazard Ratio bei 0,43, bei geringer Gebildeten bei 0,94; bei hohem Haushaltseinkommen bei 0,39, bei niedrigem bei 1,01. Beide Interaktionen waren signifikant.

Der Grund lag nicht im Score-Wert, sondern in der Qualität dahinter: Bei gleicher Punktzahl unterschieden sich die Gruppen in der Zufuhr von Antioxidantien und Polyphenolen, in den Fettsäuren, in der Vielfalt der Kost und im Konsum von Bio-Gemüse und Vollkornbrot. Dieselben 14 Kriterien, erfüllt mit anderen Lebensmitteln, führten zu anderen Ergebnissen — ein Argument dafür, den Score nicht als Checkliste zum Abhaken zu behandeln.

Heimische Entsprechungen und deutsche Empfehlungen

Fast jedes Leitlebensmittel der Mittelmeerkost hat eine in Deutschland gut verfügbare Entsprechung: Rapsöl statt Olivenöl, Hering, Makrele, Lachs und Forelle statt Mittelmeerfisch, Linsen und Bohnen statt Kichererbsen, Vollkornbrot und Vollkornnudeln, geschälte Tomaten aus der Dose für die Sofrito-Basis, Haselnüsse und Walnüsse statt Mandeln.

Die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung von 2024 sind dem Muster strukturell ähnlicher, als der Name vermuten lässt: mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse täglich, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse, ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche, höchstens 300 Gramm Fleisch und Wurst, insgesamt mehr als drei Viertel pflanzliche Lebensmittel. Bemerkenswert ist, dass sie die mediterrane Ernährung nicht namentlich erwähnen — Deutschland empfiehlt ein funktional vergleichbares Muster, ohne es „mediterran" zu nennen, und die Unterschiede liegen beim Fett, beim Fisch und beim Alkohol. Mehr dazu bei der gesunden Ernährung; welcher Fisch wie viel EPA und DHA liefert, zeigt unsere Omega-3-Tabelle.

Beispiele aus unseren Rezepten

Was rechtlich darüber gesagt werden darf

Weniger, als in den meisten Texten steht. Gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel dürfen in der EU nur verwendet werden, wenn sie zugelassen sind — und für ein Ernährungsmuster existiert keine einzige: Die Suche nach „mediterran" und „Mittelmeer" in der konsolidierten Unionsliste ergibt null Treffer. „Mediterrane Ernährung schützt vor Herzinfarkt" ist deshalb nicht zulässig; beschreiben, was Studien gemessen haben, schon.

Für einzelne Bestandteile gibt es zugelassene Formulierungen. Zu Olivenöl genau eine: „Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen." Sie gilt nicht für Olivenöl allgemein, sondern nur für Öl mit mindestens 5 Milligramm Hydroxytyrosol und Derivaten je 20 Gramm — und nur mit dem Hinweis, dass sich die Wirkung bei täglich 20 Gramm Olivenöl einstellt. Für Fisch gilt „EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei" (Bezug: 250 Milligramm täglich).

Was keine zugelassene Angabe hat. Wein und Resveratrol, Tomate und Lycopin, Knoblauch, Hülsenfrüchte, Walnüsse: in der konsolidierten Unionsliste jeweils null Treffer. Auch gewichtsbezogene Angaben existieren für Ernährungsmuster nicht.

Häufige Fragen

Was gehört zur mediterranen Ernährung?

In der Forschung wird sie über einen Score mit 14 Kriterien erfasst: Olivenöl als Hauptfett, viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Nüsse, mehrmals pro Woche Fisch, überwiegend Geflügel statt rotem Fleisch, wenig Butter, wenig gesüßte Getränke und Süßwaren. Jedes Kriterium zählt einen Punkt.

Wie viel Olivenöl am Tag ist sinnvoll?

Der Studien-Score gibt einen Punkt ab vier Esslöffeln täglich. Die Dosis-Wirkungs-Auswertung prospektiver Kohorten findet den Risikogewinn dagegen nur bis etwa 18 Gramm pro Tag für Herz-Kreislauf-Ereignisse und 22 Gramm für die Gesamtsterblichkeit. Der zugelassene EU-Hinweis zu Olivenöl-Polyphenolen nennt 20 Gramm.

Gehört ein Glas Wein zur mediterranen Ernährung?

Der Score gibt einen Punkt ab sieben Gläsern Wein pro Woche, nach eigener Rechnung rund 99 Gramm reiner Alkohol — praktisch die Obergrenze der europäischen Kardiologie-Leitlinie. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt seit 2024 Verzicht. Eine Weinempfehlung sprechen wir nicht aus.

Kann man mit mediterraner Ernährung abnehmen?

Nicht von allein. In der großen spanischen Studie ohne Energiebeschränkung bewegte sich das Gewicht kaum. Erst die Folgestudie mit energiereduzierter Kost, Bewegung und persönlicher Begleitung brachte nach zwölf Monaten 3,2 statt 0,7 Kilogramm; fünf Prozent Abnahme erreichten 33,7 gegenüber 11,9 Prozent.

Ist die mediterrane Ernährung die gesündeste Ernährungsform?

Die Antwort ist gespalten. Die europäische Kardiologie-Leitlinie empfiehlt sie mit dem höchsten Empfehlungsgrad. Cochrane stufte 2019 die Evidenz für harte Endpunkte als niedrig ein und fand für die Gesamtsterblichkeit keinen Unterschied. Belegt ist ein moderater Nutzen bei einzelnen Endpunkten, keine Überlegenheit.

Weiterlesen

Quellen

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  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Positionspapier zu Alkohol 2024; FAQ Ernährungsempfehlungen. Abgerufen 25.09.2026.
  • Statistisches Bundesamt: Sonderauswertung Verbraucherpreisindex Nahrungsmittel, Basis 2020 = 100, Stand 10.07.2025. Eigene Auswertung.
  • USDA FoodData Central, „Olive oil", FDC ID 2710186: 900 kcal je 100 g.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Die genannten Schwellenwerte sind Kriterien wissenschaftlicher Messinstrumente und keine Empfehlung zur eigenen Verzehrsmenge. Alle Studienergebnisse sind Mittel- oder Medianwerte aus Untersuchungsgruppen. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme bespreche größere Ernährungsumstellungen bitte ärztlich.