Bluthochdruck liegt in Deutschland ab einem Praxisblutdruck von 140/90 mmHg vor, gemessen als Mittelwert mehrerer Messungen. Zu Hause gilt ein niedrigerer Grenzwert, nämlich 135/85 mmHg. Am meisten bewirken Gewichtsabnahme (rund 1 mmHg systolisch je Kilogramm), weniger Salz (bei Bluthochdruck etwa 5 mmHg) und regelmäßige Bewegung. Alles andere ist deutlich kleiner. Jede dauerhafte Erhöhung gehört ärztlich abgeklärt.
Dieser Artikel liefert, was den meisten Ratgeberseiten fehlt: alle Grenzwerte für alle drei Messverfahren, jede Maßnahme mit ihrer belegten Effektstärke in mmHg und eine ehrliche Einordnung dessen, was populär, aber schwach belegt ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Grenzwert hängt davon ab, wo gemessen wird: Praxis ab 140/90, Heimmessung ab 135/85, 24-Stunden-Mittel ab 130/80 mmHg. Wer zu Hause 138/88 misst, liegt schon im hypertonen Bereich.
- Umrechnung der deutschen Leitlinie: vom Praxis-Zielwert für die Heimmessung 5 mmHg abziehen, für den 24-Stunden-Mittelwert 10 mmHg.
- Je Kilogramm Gewichtsverlust sinkt der Blutdruck um rund 1,05 mmHg systolisch, eine moderate Salzreduktion bringt 5,39 mmHg. Diese Werte sind nicht addierbar.
- Deutsche und amerikanische Leitlinien widersprechen sich: 140/90 gegenüber 130/80 mmHg. Beide zitieren korrekt, nur unterschiedliche Dokumente.
- Lakritz ist das einzige Lebensmittel mit einem gesetzlich vorgeschriebenen Blutdruck-Warnhinweis in der EU.
Inhalt
Ab wann ist der Blutdruck zu hoch?
Von Bluthochdruck spricht man in Deutschland, wenn der in der Praxis gemessene Blutdruck dauerhaft bei 140/90 mmHg oder darüber liegt. Maßgeblich ist die Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie von 2023. Eine einzelne erhöhte Messung reicht nicht: Es zählt der Mittelwert.
| Kategorie | Systolisch (mmHg) | Diastolisch (mmHg) |
|---|---|---|
| Optimal | unter 120 | unter 80 |
| Normal | 120–129 | 80–84 |
| Hoch normal | 130–139 | 85–89 |
| Hypertonie Grad 1 | 140–159 | 90–99 |
| Hypertonie Grad 2 | 160–179 | 100–109 |
| Hypertonie Grad 3 | 180 und mehr | 110 und mehr |
| Isolierte systolische Hypertonie | 140 und mehr | unter 90 |
Bei der isolierten systolischen Hypertonie ist nur der obere Wert erhöht, im Alter häufig. Der systolische Wert entsteht beim Zusammenziehen der Herzkammern; der diastolische beschreibt den Druck in deren Erschlaffungs- und Füllungsphase.
Warum verschiedene Quellen verschiedene Werte nennen
Wer mehrere seriöse Seiten liest, findet widersprüchliche Grenzwerte, weil drei aktuelle Leitlinien nebeneinander existieren. Die europäischen Fachgesellschaften ESH (2023) und ESC (2024) setzen die Schwelle bei 140/90 mmHg. Die amerikanische Leitlinie von AHA und ACC (2025) spricht schon ab 130/80 mmHg von Hypertonie im Stadium 1 — das verschiebt die Diagnose um zehn systolische mmHg.
Dazu kommt eine dritte Systematik: Die ESC hat 2024 die Kategorien neu geschnitten und unterscheidet „nicht erhöhten Blutdruck" unter 120/70 mmHg, „erhöhten Blutdruck" von 120–139/70–89 mmHg und Hypertonie ab 140/90 mmHg. Deshalb schreibt eine deutsche Fachgesellschaft, normal sei unter 120/70, während eine andere 120–129/80–84 als normal führt. Beide zitieren korrekt, nur unterschiedliche Dokumente. In Deutschland gilt die Nationale VersorgungsLeitlinie.
| Messverfahren | ESH 2023 / ESC 2024 (Deutschland) | AHA/ACC 2025 |
|---|---|---|
| Praxismessung | 140/90 | 130/80 |
| Heimblutdruckmessung | 135/85 | 130/80 |
| 24-Stunden-Messung, Tagesmittel | 135/85 | 130/80 |
| 24-Stunden-Messung, Gesamtmittel | 130/80 | 125/75 |
| 24-Stunden-Messung, Nachtmittel | 120/70 | 110/65 |
Welcher Zielwert gilt für mich?
Die deutsche Leitlinie nennt unter 140/90 mmHg als idealen Zielwert, arbeitet aber mit einem Zielkorridor von 120/70 bis 160/90 mmHg — je nach Alter, Begleiterkrankungen, Nebenwirkungen und Risiko. Die ESC nennt seit 2024 unter 130/80 mmHg. Es gibt also nicht „den einen" richtigen Wert; er wird ärztlich festgelegt.
Richtig messen: der häufigste Fehler beim Blutdruck
Der wichtigste Satz dieses Artikels: Der Grenzwert hängt davon ab, wo gemessen wird. Zu Hause gemessene Werte liegen niedriger als in der Praxis, deshalb gelten dort strengere Schwellen. Wer den Praxiswert 140/90 auf sein Heimgerät überträgt, übersieht eine Hypertonie.
| Messverfahren | Hypertonie ab (mmHg) |
|---|---|
| Praxismessung | 140/90 |
| Heimblutdruckmessung | 135/85 |
| 24-Stunden-Messung, Tagesmittelwert | 135/85 |
| 24-Stunden-Messung, 24-Stunden-Mittelwert | 130/80 |
| 24-Stunden-Messung, Nachtmittelwert | 120/70 |

So misst du zu Hause richtig
Das Protokoll der deutschen Leitlinie: mindestens fünf Minuten sitzende Ruhe, dann zweimal in Folge am Oberarm mit ein bis zwei Minuten Abstand, morgens und abends. Ergebnis ist der Mittelwert aller Messwerte über sieben Tage, nicht der schlechteste Einzelwert. In der Praxis wird ideal dreimal mit je zwei Minuten Abstand gemessen und der Mittelwert der zweiten und dritten Messung genommen. Eine einzelne hohe Messung beweist nichts.
Zur Technik: Manschette zwei Querfinger oberhalb der Ellenbeuge, ein bis zwei Finger sollen darunter passen; eine falsch dimensionierte Manschette verfälscht das Ergebnis erheblich. Arm locker auflegen, Messpunkt auf Herzhöhe, nicht sprechen. Beim ersten Mal an beiden Armen messen, danach den Arm mit dem höheren Wert nehmen. Alle drei Leitlinien empfehlen validierte Oberarmgeräte; manschettenlose Geräte und Smartwatches werden für den klinischen Gebrauch ausdrücklich nicht empfohlen.
Die 5-und-10-Regel
Blutdruck-Zielwerte beziehen sich immer auf die Praxismessung. Die deutsche Leitlinie nennt dafür eine Umrechnung, die sonst kaum irgendwo steht: Für die Heimmessung und den Tagesmittelwert der 24-Stunden-Messung sind vom Praxis-Zielwert 5 mmHg abzuziehen, für den 24-Stunden-Gesamtmittelwert 10 mmHg. Für Werte unter 130 mmHg gilt die Regel nicht. Wer ein Praxisziel von 135/85 mmHg hat, liegt zu Hause bei 130/80 mmHg richtig.
Weißkittelhypertonie und maskierte Hypertonie
Bei der Weißkittelhypertonie ist der Praxiswert erhöht, der Heim- oder 24-Stunden-Wert normal; bei der maskierten Hypertonie ist es umgekehrt. Sucht man in Registerdaten gezielt danach, betrifft jedes Szenario bis zu eine von drei untersuchten Personen. Harmlos ist die Weißkittelhypertonie nicht: Eine Meta-Analyse von 27 Studien fand für die unbehandelte Form ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (Hazard Ratio 1,36) und für die Gesamtsterblichkeit (1,33) — unter laufender Therapie dagegen nicht. Das heißt ärztliche Verlaufskontrolle, nicht automatisch Medikamente.
Was Bluthochdruck anrichtet — und was Senken bringt
Bluthochdruck tut nicht weh. Er verursacht typischerweise keine Beschwerden, und genau das macht ihn gefährlich: Wer auf Symptome wartet, misst nicht.
Was eine Senkung bringt, zeigt die größte Auswertung dazu: 123 Studien mit 613 815 Teilnehmenden. Je 10 mmHg weniger systolisch sanken kardiovaskuläre Ereignisse um 20 Prozent, Schlaganfälle um 27, Herzinsuffizienz um 28 und die Gesamtsterblichkeit um 13 Prozent; auf Nierenversagen zeigte sich kein signifikanter Effekt. Diese Zahlen stammen aus Studien zur medikamentösen Senkung — dass Lebensstil bei gleicher Senkung denselben Nutzen bringt, ist plausibel, aber nicht bewiesen.
Ein hoher systolischer Blutdruck war laut Global Burden of Disease 2019 der weltweit wichtigste einzelne Risikofaktor für zurechenbare Todesfälle: 10,8 Millionen oder 19,2 Prozent, vor Tabakkonsum. In Deutschland sind 31,6 Prozent der Erwachsenen betroffen. Aufschlussreicher ist die Kaskade dahinter: Etwa ein Fünftel weiß nichts davon, jeder zehnte Diagnostizierte wird nicht behandelt, nur etwa die Hälfte ist unter Kontrolle.
Was am meisten bringt: die Maßnahmen mit Effektstärke
Kurz: Gewichtsabnahme, weniger Salz und Bewegung. Die Tabelle nennt die in Studien gemessene Senkung bei Menschen mit Bluthochdruck.
| Maßnahme | Senkung | Studienbasis |
|---|---|---|
| Gewichtsabnahme, je Kilogramm | 1,05 / 0,92 | 25 RCT, 4 874 Teilnehmende (Neter 2003) |
| Salzreduktion, moderat | 5,39 / 2,82 | 34 Studien, 3 230 Teilnehmende (He 2013) |
| Training, je nach Form | 4,08–8,24 / 2,50–4,00 | 270 RCT, 15 827 Teilnehmende (Edwards 2023) |
| Kaliumreichere Ernährung | 3,49 / 1,96 | 22 RCT, 1 606 Teilnehmende (Aburto 2013) |
| DASH-Ernährungsmuster | 3,20 / 2,50 | 30 RCT, 5 545 Teilnehmende (Filippou 2020) |
| Alkoholreduktion, nur ab hohem Konsum | 5,50 / 3,97 | 36 Studien, 2 865 Teilnehmende (Roerecke 2017) |
Gewichtsabnahme: rund 1 mmHg je Kilogramm
Der Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Blutdruck ist quantitativ so gut belegt wie kaum ein anderer Lebensstilfaktor. Eine Meta-Analyse von 25 randomisierten Studien mit 4 874 Teilnehmenden ergab pro Kilogramm Gewichtsverlust 1,05 mmHg systolisch und 0,92 diastolisch; eine Abnahme von 5,1 Kilogramm senkte den Blutdruck um 4,44/3,57 mmHg. Der Effekt ist dosisabhängig: bei mehr als 5 Kilogramm Verlust 6,63 mmHg systolisch, bei weniger nur 2,70.
Ein Cochrane-Review bestätigt die Größenordnung: 4,5/3,2 mmHg bei einer Abnahme von 4,0 Kilogramm (8 RCT, 2 100 Teilnehmende). Dazu gehört die Einstufung der Autoren: Für die Gewichtsreduktion ist die Aussagesicherheit hoch bis moderat, für den Blutdruckeffekt gering. Die deutsche Leitlinie empfiehlt Übergewichtigen eine Gewichtsreduktion aus verringerter Energiezufuhr und mehr Bewegung. Wie Fettabbau abläuft, steht in unserem Artikel dazu, wie sich Körperfett reduzieren lässt.
Weniger Salz: bei Bluthochdruck rund 5 mmHg
Eine moderate Salzreduktion über mindestens vier Wochen senkte bei Menschen mit Hypertonie den Blutdruck um 5,39/2,82 mmHg, bei Normotonen nur um 2,42/1,00 mmHg. Die Reduktion entsprach etwa 4,4 Gramm Salz pro Tag. Ein Cochrane-Review kommt mit 5,71/2,87 mmHg auf dieselben Werte, bei hoher Evidenzqualität — bemerkenswert, weil dessen Erstautor zu den prominentesten Kritikern strenger Salzsenkungspolitik gehört.
Die Wirkung ist dosisabhängig: Je 50 mmol weniger Natriumausscheidung pro Tag sinkt der systolische Blutdruck um 1,10 mmHg. Studien unter 15 Tagen zeigen weniger als die Hälfte des Effekts längerer Studien — kurze Selbstversuche unterschätzen also, was Salzreduktion bringt. Rund 30 bis 50 Prozent der Menschen mit Bluthochdruck und 10 bis 20 Prozent der Normotonen reagieren deutlich auf eine veränderte Salzzufuhr.
Die deutsche Leitlinie spricht hier ihre stärkste Lebensstilempfehlung aus: weniger als 6 Gramm Kochsalz pro Tag. Tatsächlich liegen Frauen im Mittel bei 8,4 und Männer bei 10,0 Gramm. Entscheidend ist, wo das Salz herkommt: überwiegend aus verarbeiteten Lebensmitteln wie Brot, Wurst und Käse, nicht aus dem Salzstreuer.
Fast alle Lebensstilstudien messen nur den Blutdruck. Eine Ausnahme ist eine cluster-randomisierte Studie mit 20 995 Teilnehmenden, in der Kochsalz durch ein kaliumangereichertes Substitut ersetzt wurde: Über im Schnitt 4,74 Jahre sanken Schlaganfälle um 14 und die Gesamtsterblichkeit um 12 Prozent. Sie lief allerdings im ländlichen China an einer Hochrisikogruppe und schloss Nierenkranke aus. Europäische Leitlinien warnen vor zu hohen Kaliumwerten bei eingeschränkter Nierenfunktion und unter Blutdruckmedikamenten wie RAS-Hemmern oder kaliumsparenden Diuretika; kaliumhaltiger Salzersatz gehört deshalb nicht ohne ärztliche Rücksprache in den Dauergebrauch.

Ernährungsmuster und Kalium — und der deutsche Widerspruch
Das am besten untersuchte Ernährungsmuster ist DASH: viel Obst und Gemüse, fettarme Milchprodukte, wenig gesättigtes und wenig Gesamtfett. In der Originalstudie von 1997, in der alle Mahlzeiten gestellt wurden, sank der Blutdruck gegenüber der Kontrollkost um 5,5/3,0 mmHg, bei Hypertonie um 11,4/5,5 mmHg. Zusammen mit niedriger Natriumzufuhr waren es 11,5 mmHg systolisch; Salzreduktion und Ernährungsmuster wirken also additiv. Im Alltag fällt der Effekt kleiner aus: in 30 Studien mit 5 545 Teilnehmenden 3,2/2,5 mmHg bei moderater Evidenzqualität.
Hier steht die deutsche Leitlinie quer, und das gehört dazu: Sie spricht keine Empfehlung für eine bestimmte Ernährungsform aus. Für DASH fand die zugrunde liegende Bewertung eine einzige Studie mit 810 Personen über 18 Monate, in der weder die Änderung der Blutdruckmedikation noch Dauer und Ausmaß der Blutdruckänderung signifikant beeinflusst wurden. Die Leitliniengruppe hält die Evidenz für einzelne Ernährungsinterventionen für nicht ausreichend, nennt mediterrane und DASH-Kost aber als Anhaltspunkte. Auf den Messwert also klare Effekte, auf patientenrelevante Endpunkte kein Nachweis.
Ein Baustein daraus ist gut isoliert untersucht: Eine höhere Kaliumzufuhr senkte den Blutdruck um 3,49/1,96 mmHg — bei Menschen mit Hypertonie, nicht bei Normotonen. Bei 90 bis 120 mmol pro Tag waren es 7,16 mmHg systolisch, und eine höhere Kaliumzufuhr war mit einem um 24 Prozent geringeren Schlaganfallrisiko verbunden. Kalium ist auch der einzige Nährstoff mit einer zugelassenen EU-Angabe in diesem Feld: „Kalium trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei". Sie gilt nur für Lebensmittel, die die Anforderungen an eine Kaliumquelle erfüllen, und handelt vom Erhalt eines normalen Blutdrucks, nicht vom Senken eines erhöhten. Für Lebensmittel mit reduziertem Natriumgehalt existiert eine zweite: „Eine Reduzierung der Natrium-Aufnahme trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei".
Praktisch heißt das: Kalium über Lebensmittel, nicht über Kapseln. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 500 Milligramm je Tagesverzehrempfehlung vor; Risikogruppen sind Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion, Diabetes und Herzerkrankungen. Wo Kalium drinsteckt, zeigt unsere Elektrolyt-Übersicht.
Bewegung: welche Form wirklich am besten ist
Die bislang größte Netzwerk-Meta-Analyse wertete 270 randomisierte Studien mit 15 827 Teilnehmenden aus. Alle Trainingsformen senkten den Ruheblutdruck signifikant: Ausdauer um 4,49/2,53 mmHg, dynamisches Kraft um 4,55/3,04, Kombination um 6,04/2,54, hochintensives Intervalltraining um 4,08/2,50 und isometrisches Training um 8,24/4,00 mmHg. Systolisch lag isometrisches Training vorn, als wirksamster Einzelmodus die statische Wandsitzübung; diastolisch war es Laufen.
Diese Rangfolge steht nicht allein. Schon 2013 fand eine Meta-Analyse den größten Effekt für isometrisches Training — allerdings auf Basis von nur fünf Trainingsgruppen gegenüber 105 Ausdauergruppen. Dieselbe Arbeit zeigte einen wichtigeren Befund: Ausdauertraining senkte den Blutdruck bei Hypertonie um 8,3/5,2 mmHg, bei Prähypertonen nur um 2,1/1,7 und bei Normotonen um 0,75/1,1 mmHg. Wer hohe Werte hat, profitiert am meisten. Und 2026 fand eine Meta-Analyse von 48 Studien mit 2 085 Erwachsenen unter stabiler Blutdruckmedikation zwar eine deutliche zusätzliche Senkung durch Training (7,9/4,4 mmHg, vergleichbar mit einem weiteren Medikament), aber keine Trainingsform war einer anderen überlegen. Die Botschaft: Die Trainingsform, die man durchhält, schlägt die theoretisch beste.
Die deutsche Leitlinie empfiehlt inaktiven Menschen mit Hypertonie regelmäßige moderate Aktivität, mindestens zwei Stunden pro Woche; auch Alltagsbewegung wie Spazierengehen zählt. Die internationalen Leitlinien nennen 150 bis 300 Minuten pro Woche und verbinden damit 5 bis 8 mmHg systolisch. Für den diastolischen Wert fand die deutsche Evidenzbewertung keinen Anhaltspunkt.

Alkohol, Rauchen, Entspannung
Weniger Alkohol senkt den Blutdruck, aber nicht bei allen. Eine Meta-Analyse von 36 Studien mit 2 865 Teilnehmenden zeigte einen Schwelleneffekt: Bei zwei oder weniger Getränken pro Tag brachte eine Reduktion keine signifikante Senkung. Darüber stieg der Effekt mit der Ausgangsmenge, am größten bei sechs und mehr Getränken, wo eine Halbierung 5,50/3,97 mmHg brachte. Der deutsche Gegenbefund gehört daneben: In der von der Leitlinie ausgewerteten Evidenz reduzierten Interventionen zur Alkoholreduktion zwar die konsumierte Menge, nicht aber messbar den Blutdruck. Empfohlen wird trotzdem, die Grenzen risikoarmen Konsums nicht zu überschreiten — mit abgeschwächtem Empfehlungsgrad.
Ein Rauchstopp senkt den Blutdruck nicht. Die deutsche Leitlinie formuliert das ungewöhnlich klar:
„durch den Rauchverzicht erfolgt keine Therapie der Hypertonie, sondern ein weiterer Risikofaktor für kardiovaskuläre Folgeerkrankungen soll ausgeschlossen werden"
Die Empfehlung zum Rauchstopp ist trotzdem die stärkstmögliche — sie zielt nur auf ein anderes Ziel als den Messwert. Entspannungsverfahren wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Tai-Chi oder Qigong sollten nach der Leitlinie empfohlen werden, bei inkonsistenter Datenlage und ohne erkennbares Schadenspotenzial. Wie inkonsistent, zeigt die Spannweite der Einzelstudien: von 12 mmHg Senkung bis 10 mmHg Anstieg, signifikant nur in fünf von 16. Wer hier eine feste Zahl verspricht, täuscht.
Wie weit kommt man ohne Medikamente?
Es kommt auf Ausgangswert und Gesamtrisiko an. Bei hochnormalen Werten und einer Hypertonie Grad 1 ohne weitere Risikofaktoren kann Lebensstil ausreichen. Je höher Ausgangswert und Risiko, desto unwahrscheinlicher: 165 mmHg systolisch lassen sich realistisch um einige mmHg senken — der Weg unter 140 ist damit selten zu schaffen. Ein Wert von 145 mmHg sieht anders aus.
Die deutsche Leitlinie beschreibt die nichtmedikamentöse Therapie als Basis der Langzeitversorgung: Sie unterstützt eine medikamentöse Therapie und kann Zahl und Dosis der Medikamente niedrig halten. Ein Ersatz ist sie ausdrücklich nicht. Und was nie gilt: eigenmächtig Medikamente reduzieren oder absetzen, weil die Werte besser geworden sind. Bessere Werte unter Therapie zeigen, dass die Therapie wirkt. Jede Anpassung gehört in ärztliche Hand.
Knoblauch, Rote Bete, Magnesium, Hibiskus: was ist dran?
| Mittel | Systolisch | Basis und Einordnung |
|---|---|---|
| Knoblauch | 5,1 bis 9,1 | 20 Studien mit 970 Teilnehmenden in der positiven Auswertung; in der kritischen Auswertung von neun Doppelblindstudien I² = 71 Prozent. Wertete man nur Studien mit verdeckter Zuteilung und verblindeter Messung aus, schrumpfte der Effekt. Fazit der Autoren: „the evidence is not strong". |
| Rote Bete (Nitrat) | 4,4 | 16 Cross-over-Studien mit zusammen 254 Teilnehmenden, Dauer zwei Stunden bis 15 Tage; diastolisch nicht signifikant. Kurzfristig messbar, langfristig ungeklärt. |
| Hibiskus | 7,1 | 17 Studien, aber I² = 95 Prozent; das Konfidenzintervall reicht von 1,2 bis 13,0 mmHg. Ein Vergleich mit Blutdruckmedikamenten fand keinen signifikanten Unterschied, ebenfalls bei extremer Heterogenität — daraus lässt sich nichts ableiten. |
| Magnesium | 2,0 | 34 doppelblinde, placebokontrollierte Studien mit 2 028 Teilnehmenden, Mediandosis 368 mg über drei Monate; diastolisch 1,78 mmHg. Viel kleiner als Gewicht, Salz oder Bewegung. |
| Langsames Atmen | 5,6 | 17 Studien über mindestens vier Wochen, höchstens zehn Atemzüge pro Minute; diastolisch 2,97 mmHg, Heterogenität durchgehend hoch. Die Autoren sprechen von einer moderaten Senkung. |
Für keines dieser Mittel existiert in der EU eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe mit Blutdruckbezug. Eine Volltextsuche in der konsolidierten Unionsliste ergibt für Knoblauch, Rote Bete, Hibiskus, Weißdorn und Coenzym Q10 jeweils null Treffer. Magnesium hat mehrere zugelassene Angaben, aber keine nennt den Blutdruck — was Magnesium tatsächlich kann und was nicht, steht gesondert. Mit Blutdruckbezug zugelassen sind genau drei Angaben: die zu Kalium, die zur Natriumreduktion und eine zu den Omega-3-Fettsäuren — „DHA und EPA tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei". Deren Bedingung ist eine tägliche Aufnahme von 3 Gramm EPA und DHA, deutlich mehr als übliche Präparate liefern.
Wer Knoblauch, Rote Bete oder Hibiskustee mag, kann sie essen und trinken. Als Ersatz für Gewicht, Salz, Bewegung oder eine verordnete Medikation taugen sie nicht.
Was den Blutdruck erhöht
Lakritz ist das einzige Lebensmittel in der EU mit einem gesetzlich vorgeschriebenen Blutdruck-Warnhinweis. Nach Anhang III der Lebensmittelinformationsverordnung ist bei Süßwaren ab 4 Gramm pro Kilogramm und bei Getränken ab 50 Milligramm pro Liter Glycyrrhizinsäure unmittelbar nach dem Zutatenverzeichnis anzugeben:
„enthält Süßholz — bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden"
Bei Getränken über 1,2 Volumenprozent Alkohol gilt die Schwelle von 300 Milligramm pro Liter; ab 100 Milligramm pro Kilogramm beziehungsweise 10 Milligramm pro Liter ist bereits der Hinweis „enthält Süßholz" vorgeschrieben.
Schmerzmittel. Nichtsteroidale Antirheumatika wie das frei verkäufliche Ibuprofen erhöhten in einer Meta-Analyse den mittleren Blutdruck im Liegen um 5,0 mmHg und schwächten die Wirkung von Betablockern um 6,2 mmHg ab. Die Arbeit stammt von 1994, wird aber bis heute in Leitlinien herangezogen. Kein Grund, auf Schmerzmittel zu verzichten — aber einer, eine regelmäßige Einnahme in der Praxis anzusprechen.
Schlafapnoe. Lautes Schnarchen mit Atempausen, nicht erholsamer Schlaf und Tagesschläfrigkeit gehören zu den Hinweisen, bei denen die Leitlinie eine Ursachensuche vorsieht — häufig, aber selten erwähnt.
Häufig gefragt wird nach Kaffee. Ein vorübergehender Anstieg ist beschrieben; eine mmHg-Zahl nennen wir bewusst nicht, weil dafür keine geprüfte Primärquelle vorliegt. Was Koffein sonst bewirkt, steht in unserem Artikel dazu, was Kaffee im Körper macht.
Wann du ärztlich abklären lassen musst
Jeder wiederholt erhöhte Wert gehört ärztlich eingeordnet. Für zwei Situationen gibt es klare Regeln, die oft verwechselt werden.
Hypertensiver Notfall: sofort 112
Ein starker Blutdruckanstieg, oft über 180/110 mmHg, zusammen mit akuten Begleitsymptomen ist ein Notfall und soll umgehend zur Krankenhauseinweisung führen. Dazu zählen Atemnot in Ruhe, Schlaganfallzeichen wie Sprach-, Seh- oder Lähmungserscheinungen, Brustschmerz, plötzliche starke Schmerzen, Verwirrtheit oder eine schwere Blutung. Dann nicht abwarten und nicht selbst zur Praxis fahren, sondern den Notruf 112 wählen.
Hoher Wert ohne Beschwerden: was dann gilt
Ein Wert über 180/110 mmHg ohne solche Begleitsymptome heißt hypertensive Entgleisung und wird anders behandelt: etwa 30 Minuten in einer Ruhesituation warten, dann erneut messen. Bleibt der Wert hoch, folgt eine moderate Senkung über die orale Medikation, also ärztlich. Kurzwirksame oder sublinguale Mittel zur schnellen Senkung sollen ausdrücklich vermieden werden — ein zu rascher Abfall ist ein eigenes Risiko.
Wann eine Ursachensuche nötig ist
Bei den meisten Menschen findet sich keine einzelne Ursache. In einigen Konstellationen sieht die Leitlinie aber eine weiterführende Suche vor: Erstauftreten vor dem 30. Lebensjahr, Werte ab 180/110 mmHg, rasche Verschlechterung, ein trotz drei oder mehr Wirkstoffen nicht kontrollierter Blutdruck, ein niedriger Kaliumwert im Blut, ein aufgehobener Tag-Nacht-Rhythmus, Blut oder Eiweiß im Urin sowie lautes Schnarchen mit Atempausen. Wer eines davon bei sich erkennt, bespricht es in der Praxis — eine Selbstdiagnose ist daraus nicht ableitbar. Kommt anfallsartiges Herzrasen dazu, gehört auch das abgeklärt: wann schneller Puls harmlos ist und wann nicht. Für Bluthochdruck in der Schwangerschaft gilt eine eigene Leitlinie; dieser Artikel behandelt das Thema deshalb nicht.
Häufige Fragen
Ab welchem Wert hat man Bluthochdruck?
In der Arztpraxis ab 140/90 mmHg im Mittel mehrerer Messungen an mehreren Tagen. Zu Hause gilt bereits 135/85 mmHg, beim 24-Stunden-Mittelwert 130/80 und beim Nachtmittel 120/70 mmHg. Die amerikanische Leitlinie setzt die Grenze seit 2025 bei 130/80 mmHg — in Deutschland gilt weiterhin 140/90.
Welcher Blutdruck ist zu Hause noch normal?
Unter 135/85 mmHg im Mittel aller Messungen über sieben Tage. Zu Hause gemessene Werte liegen typischerweise niedriger als in der Praxis, deshalb ist der Grenzwert niedriger. Die deutsche Leitlinie empfiehlt, vom Praxis-Zielwert für die Heimmessung 5 und für den 24-Stunden-Mittelwert 10 mmHg abzuziehen.
Wie viel senkt Abnehmen den Blutdruck?
Rund 1 mmHg systolisch je Kilogramm. In einer Meta-Analyse von 25 randomisierten Studien mit 4 874 Teilnehmenden senkte eine Abnahme von im Mittel 5,1 Kilogramm den systolischen Blutdruck um 4,44 mmHg. Wer mehr als 5 Kilogramm abnahm, kam auf 6,63 mmHg.
Wie viel Salz darf man bei Bluthochdruck?
Die deutsche Leitlinie empfiehlt weniger als 6 Gramm Kochsalz pro Tag. Tatsächlich liegen Frauen im Mittel bei 8,4 und Männer bei 10,0 Gramm. Eine moderate Reduktion senkt den Blutdruck bei Bluthochdruck um etwa 5,4 mmHg systolisch. Das meiste Salz stammt aus verarbeiteten Lebensmitteln.
Weiterlesen
- Natrium, Kalium und die anderen Elektrolyte
- Körperfett reduzieren
- Gewicht halten nach der Diät
- Magnesium: Bedarf, Versorgungslage und Belegbares
- Herzrasen: harmlose Auslöser und Warnzeichen
Quellen
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- Bundesinstitut für Risikobewertung. Höchstmengenvorschläge für Kalium, 2026.
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012, konsolidierte Fassung; Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Artikel 7 sowie Anhang III Nummern 3.1 bis 3.3.
Dieser Artikel fasst den Forschungs- und Leitlinienstand zum Bluthochdruck zusammen. Er dient der Information, stellt keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bluthochdruck ist eine behandlungsbedürftige Erkrankung und gehört ärztlich begleitet. Verordnete Blutdruckmedikamente dürfen niemals eigenständig abgesetzt, reduziert oder pausiert werden. Bei sehr hohen Werten mit akuten Beschwerden wähle bitte sofort den Notruf 112.








