Kurkuma und Ingwer sind nicht dasselbe, aber eng verwandt. Beide gehören zur Familie der Ingwergewächse, stammen jedoch aus unterschiedlichen Gattungen: Kurkuma ist Curcuma longa, Ingwer ist Zingiber officinale. Verwendet wird bei beiden der unterirdische Wurzelstock. Sie unterscheiden sich in Farbe, Geschmack und vor allem in ihren charakteristischen Inhaltsstoffen — Curcuminoide beim Kurkuma, Gingerole beim Ingwer.
Der zweite Teil dieses Artikels ist unbequemer. Kurkuma als Gewürz ist unproblematisch. Bei hochdosierten Curcumin-Präparaten sieht es anders aus: Sie sind als Ursache von Leberschäden inzwischen gut dokumentiert, und ausgerechnet die Zusätze, die mit besserer Aufnahme beworben werden, tauchen in den Fallberichten überdurchschnittlich häufig auf.
Inhalt
- Kurkuma oder Ingwer: der Unterschied auf einen Blick
- Curcuminoide gegen Gingerole
- Gibt es eine heimische Alternative?
- Kurkuma in der Küche
- Was über die Wirkung gesagt werden darf
- Wie viel Curcumin ist unbedenklich?
- Leberschäden durch hochdosierte Präparate
- Piperin: der Verstärker mit zwei Seiten
- Wechselwirkungen und wer aufpassen sollte
- Was die Forschung tatsächlich zeigt
- Häufige Fragen

Kurkuma oder Ingwer: der Unterschied auf einen Blick
| Kurkuma | Ingwer | |
|---|---|---|
| Botanischer Name | Curcuma longa L. | Zingiber officinale Roscoe |
| Familie | Zingiberaceae (Ingwergewächse) – bei beiden dieselbe | |
| Gattung | Curcuma | Zingiber |
| Verwendeter Pflanzenteil | Rhizom, also der unterirdische Sprossteil – botanisch weder Wurzel noch Knolle | |
| Farbe des Fleisches | kräftig orange | hellgelb |
| Aroma | erdig-holzig, leicht bitter, leicht scharf | frisch, zitronig, deutlich scharf |
| Leitsubstanzen | Curcuminoide | Gingerole und Shogaole |
| Färbt | ja, orange-gelb | nein |
| Herkunft | Kulturpflanze, wild nicht vorkommend | Osthimalaja bis Südzentralchina |
Der Punkt, an dem viele Ratgeber ungenau werden: Gleiche Familie ist nicht gleiche Pflanze. Zwei Gattungen innerhalb einer Familie sind botanisch etwa so verwandt wie Apfel und Erdbeere – beide Rosengewächse, und trotzdem käme niemand auf die Idee, sie gleichzusetzen.
Ein dritter naher Verwandter steht in der Küche oft daneben: Galgant (Alpinia galanga), auch Thai-Ingwer genannt. Wieder dieselbe Familie, wieder eine eigene Gattung. Sein Aroma erinnert an Ingwer, ist aber weniger scharf und geht ins Pfeffrige mit einer süßlichen Note.
Curcuminoide gegen Gingerole
Der eigentliche Unterschied liegt in der Chemie. Kurkuma enthält Curcuminoide – vor allem Curcumin, dazu Demethoxycurcumin und Bisdemethoxycurcumin. Ingwer enthält Gingerole, die beim Trocknen und Erhitzen teilweise in Shogaole und Zingeron übergehen. Das erklärt auch, warum getrockneter Ingwer anders schmeckt als frischer.
Zum Curcumingehalt in getrocknetem Kurkumapulver kursieren unterschiedliche Zahlen. Belegbar ist eine Größenordnung von etwa 5 Prozent; einzelne Analysen berichten je nach Sorte, Herkunft und Vegetationsperiode höhere Werte. Einen amtlich festgelegten Wert gibt es nicht, und wer eine Zahl mit zwei Nachkommastellen nennt, überzeichnet die Datenlage.
Für Curcumin gibt es in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Wie es um die Wirkung sekundärer Pflanzenstoffe insgesamt steht, ordnen wir in unserem Beitrag zu Antioxidantien ein.
Innerhalb der Curcuminoid-Fraktion macht Curcumin selbst rund 70 bis 75 Prozent aus, Demethoxycurcumin 10 bis 25 Prozent und Bisdemethoxycurcumin 5 bis 10 Prozent.
Eine Zahl, die wir bewusst nicht nennen: Für den Gingerolgehalt von Ingwer findet sich in Ratgebern häufig „1 bis 3 Prozent". Wir haben dafür keine belastbare Primär- oder Behördenquelle gefunden und übernehmen die Angabe deshalb nicht.
Die Nährwerte beider Gewürze je 100 Gramm sehen auf dem Papier beeindruckend aus – Kurkuma etwa mit 2.080 Milligramm Kalium und 22,7 Gramm Ballaststoffen. Praktisch bedeutet das nichts: Übliche Küchenmengen liegen bei ein bis fünf Gramm. Ein Gewürz ist kein Nährstofflieferant.
Gibt es eine heimische Alternative?
Eine gleichwertige heimische Alternative zu Kurkuma gibt es nicht – weder farblich noch von den Inhaltsstoffen her. Wer lediglich Schärfe sucht, findet sie in Meerrettich, Senf oder Zwiebeln.
Deren Schärfe beruht allerdings auf ganz anderen Verbindungen: bei Meerrettich und Senf auf Senfölen, bei Zwiebel und Knoblauch auf Schwefelverbindungen. Mit Gingerolen oder Curcuminoiden sind sie chemisch nicht vergleichbar. Ein Austausch funktioniert also geschmacklich in Grenzen, stofflich nicht.
Wir schreiben das ausdrücklich als redaktionelle Einordnung. Uns ist keine Behörden- oder Fachquelle bekannt, die Meerrettich als Kurkuma-Ersatz ausweist – wer das mit „Studien zeigen" behauptet, geht über die Datenlage hinaus.
Kurkuma in der Küche
Kurkuma wird meist getrocknet und gemahlen verwendet und ist Grundbestandteil praktisch jeder Currymischung. Frisches Rhizom bekommt man inzwischen auch hierzulande; es lässt sich wie Ingwer reiben, färbt aber alles kräftig ein, was es berührt – Schneidebretter, Fingernägel, Kunststoffbehälter.
Geschmacklich ist Kurkuma zurückhaltender als Ingwer und trägt eher Farbe und eine erdige Grundnote bei als Schärfe. In der Küche ersetzen sich die beiden deshalb nicht, sie ergänzen sich.

Was über die Wirkung gesagt werden darf
In der EU existiert keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe für Kurkuma oder Curcumin. Kein Hersteller und kein Shop darf damit eine Wirkung bewerben – wir auch nicht.
Der Grund ist ein Verfahrensstau. Als die europäische Health-Claims-Regelung umgesetzt wurde, reichten die Mitgliedstaaten zehntausende Angaben zur Prüfung ein. Für Vitamine und Mineralstoffe wurde entschieden – daraus entstand die Liste, aus der Sätze wie „Vitamin C trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei" stammen. Für Pflanzenstoffe wurde die Bewertung dagegen ausgesetzt. Rund 1.500 pflanzenbezogene Angaben liegen seit 2012 „on hold": weder genehmigt noch abgelehnt.
Bei Kurkuma gibt es allerdings eine Besonderheit, die man kennen sollte: Ein Antrag wurde tatsächlich geprüft und abgelehnt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kam 2017 zu einem Claim für die Gelenke zu dem Schluss, dass ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang nicht nachgewiesen sei. Das ist etwas anderes als „noch nicht geprüft".
Wie wir generell mit Pflanzenstoffen umgehen, für die keine Angaben zugelassen sind, steht auf unserer Seite zu OPC aus Traubenkernen – der Fall liegt dort ganz ähnlich.
Wie viel Curcumin ist unbedenklich?
Der abgeleitete Richtwert liegt bei 3 Milligramm Curcumin je Kilogramm Körpergewicht und Tag. Für einen 70 Kilogramm schweren Erwachsenen sind das 210 Milligramm täglich – das entspricht bei rund fünf Prozent Curcumingehalt etwa vier Gramm Kurkumapulver.
Dieser Wert stammt aus der Bewertung von Curcumin als Lebensmittelfarbstoff und wurde 2010 bestätigt. Abgeleitet wurde er aus einem Tierversuch mit einem Sicherheitsfaktor von 100.
| Körpergewicht | Curcumin pro Tag | entspricht Kurkumapulver |
|---|---|---|
| 60 kg | 180 mg | ca. 3,6 g |
| 70 kg | 210 mg | ca. 4,2 g |
| 80 kg | 240 mg | ca. 4,8 g |
Und hier liegt die zentrale Botschaft dieses Artikels: Kurkuma im Curry und eine Kurkuma-Kapsel sind zwei verschiedene Dinge.
| Kurkuma als Gewürz | Hochdosiertes Extrakt | |
|---|---|---|
| Typische Menge | 1–5 g Pulver | 400–1.500 mg Curcumin |
| Curcumin daraus | ca. 50–250 mg | 400–1.500 mg |
| Verhältnis zum Richtwert | meist darunter | regelmäßig darüber |
| Piperin zugesetzt | nein | häufig |
| Bioverfügbarkeit | gering | gezielt gesteigert |
| Dokumentierte Leberschäden | Einzelfälle | Schwerpunkt der Fallberichte |
Die Behörde schätzt den Beitrag der normalen Ernährung auf unter sieben Prozent des Richtwerts. Ein einziges typisches Extrakt-Präparat kann ihn dagegen allein überschreiten: Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt zwei reale Marktprodukte mit 583 und 428 Milligramm Curcumin pro Tagesdosis – das entspricht dem 2,8- beziehungsweise 2-Fachen des Richtwerts.
Eine Gruppe überschreitet den Wert übrigens auch ohne Präparate: Für Kinder von einem bis zehn Jahren lagen die geschätzten Aufnahmemengen in einzelnen europäischen Ländern über dem Richtwert – über Curcumin als Lebensmittelfarbstoff E 100.

Leberschäden durch hochdosierte Präparate
Die amerikanische Datenbank LiverTox, die Referenz für arzneimittel- und supplementbedingte Leberschäden, führt Kurkuma mit dem Likelihood Score A – der höchsten Kausalitätsstufe, also als gut dokumentierte Ursache klinisch manifester Leberschädigung.
Die Zahlen dahinter:
1Das US-Register für Leberschäden
Aus 2.392 erfassten Fällen zwischen 2004 und 2022 gingen zehn auf Kurkuma zurück. Alle traten ab 2011 auf, sechs davon seit 2017 – passend zum Boom der Präparate. Mittlere Latenz bis zum Auftreten: 86 Tage. Fünf Krankenhausaufenthalte, ein Todesfall durch akutes Leberversagen.
2Die italienische Fallserie
28 Meldungen akuter Leberentzündung zwischen November 2018 und Juni 2019, erfasst über das italienische Meldesystem für Pflanzenprodukte. In 67 Prozent der Fälle lag die Dosis beim 1,6- bis 7-Fachen des Richtwerts. In 17 Fällen besserte sich der Zustand nach dem Absetzen – ein starkes Indiz für einen ursächlichen Zusammenhang.
3Der genetische Befund
Ein bestimmter Gewebemerkmal-Typ, HLA-B*35:01, fand sich bei über 70 Prozent der Betroffenen – gegenüber 10 bis 15 Prozent in der Vergleichsbevölkerung. Das spricht für einen immunologisch vermittelten Mechanismus, der nur einen kleinen Teil der Menschen trifft. Vorhersagen lässt sich das nicht: Niemand kennt seinen HLA-Typ, bevor etwas passiert.
Eine Nuance, die dazugehört. Das Bundesinstitut für Risikobewertung bewertet die italienische Fallserie für sich genommen zurückhaltend und schreibt, aus den verfügbaren Daten lasse sich kein ursächlicher Zusammenhang ableiten. LiverTox stuft die Gesamtevidenz – einschließlich der genetischen Befunde und der Besserung nach Absetzen – dagegen mit der höchsten Kausalitätsstufe ein. Das ist kein Widerspruch, sondern eine andere Bezugsbasis und ein anderer Bewertungszeitpunkt. Ehrlich formuliert: Einzelne Fallmeldungen beweisen für sich genommen nichts. In der Zusammenschau gilt die Leberschädigung durch hochdosierte Kurkuma-Präparate inzwischen als gut dokumentiert.
Zur Einordnung der Größenordnung: Es geht um einige Dutzend dokumentierte Fälle bei Millionen Anwendern. Das ist selten. Es ist aber auch nicht null, und es betrifft ein Produkt, das ohne jeden Wirknachweis verkauft wird – das verschiebt die Abwägung.
Piperin: der Verstärker mit zwei Seiten
Curcumin wird vom Körper schlecht aufgenommen. Deshalb setzen viele Präparate Piperin zu, den Scharfstoff des schwarzen Pfeffers. Die dazu meistzitierte Zahl stammt aus einer Untersuchung von 1998: eine Steigerung der Bioverfügbarkeit um 2.000 Prozent beim Menschen.
Vier Dinge gehören zu dieser Zahl dazu:
- Es handelt sich um eine sehr kleine pharmakokinetische Einzeldosis-Untersuchung von 1998, nicht um einen Wirksamkeitsnachweis.
- Die 2.000 Prozent sind eine relative Steigerung von einem extrem niedrigen Ausgangswert – ohne Piperin waren die Blutspiegel kaum messbar. Eine Verzwanzigfachung von fast null bleibt absolut betrachtet wenig.
- Die eingesetzte Dosis betrug 2 Gramm Curcumin – rund das Zehnfache des Richtwerts für einen 70-Kilogramm-Erwachsenen.
- Andere Untersuchungen finden deutlich niedrigere Faktoren; das Bundesinstitut für Risikobewertung berichtet für eine Humanstudie eine Steigerung „um etwa das Zwanzigfache" und merkt an, die Effekte schwankten erheblich.
Der entscheidende Punkt aber ist ein anderer: Höhere Bioverfügbarkeit ist kein reiner Vorteil. Sie erhöht zugleich das Risiko für Wechselwirkungen und Leberbelastung. Genau das zeigen die Daten. In der italienischen Fallserie enthielten 68 Prozent der beteiligten Präparate Piperin, und LiverTox nennt bioverfügbarkeitsgesteigerte Formulierungen ausdrücklich als stärker mit Leberschäden assoziiert.
Was in der Werbung als Vorteil verkauft wird, ist derselbe Mechanismus, der in den dokumentierten Schadensfällen auffällig häufig auftaucht.
Wechselwirkungen und wer aufpassen sollte
Gerinnungshemmer. Die neuseeländische Arzneimittelbehörde warnte 2018 vor der Kombination von Kurkuma-Präparaten mit gerinnungshemmenden Medikamenten. Auslöser war ein gemeldeter Fall, bei dem die Gerinnungswerte eines zuvor stabil eingestellten Patienten innerhalb weniger Wochen nach Beginn der Kurkuma-Einnahme auf einen INR-Wert von über 10 stiegen – ein Bereich mit erheblicher Blutungsgefahr. Die Behörde betont ausdrücklich, dass sich die Warnung auf Nahrungsergänzungsmittel bezieht, nicht auf Kurkuma als Lebensmittel.
Eisen. Hier ist die Lage widersprüchlich, und das gehört so gesagt. Curcumin bindet Eisen chemisch – das ist unstrittig. Ob das beim Menschen praktisch relevant ist, ist offen. Eine doppelblinde Untersuchung an 155 Gesunden fand bei einmaliger Gabe von 500 Milligramm bioverfügbarem Curcumin keine Beeinträchtigung der Eisenaufnahme. Ein Einzelfallbericht beschreibt dagegen bei dauerhaft über 3 Gramm täglich einen Eisenmangel, der sich nach dem Absetzen innerhalb von zwei Wochen zurückbildete. Beides schließt sich nicht aus: Der Versuch prüfte eine Einzeldosis, der Fallbericht eine Langzeit-Hochdosis. Wer Eisenpräparate nimmt oder einen bekannten Eisenmangel hat, bespricht hochdosierte Kurkuma-Präparate am besten mit der behandelnden Praxis. Für das Gewürz gilt das nicht. Mehr zum Thema steht in unserem Ratgeber zu eisenhaltigen Lebensmitteln.
Krebstherapie. Wechselwirkungen mit Chemotherapeutika lassen sich nicht ausschließen. Nahrungsergänzungsmittel gehören während einer Krebsbehandlung grundsätzlich nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Ärzteteam eingenommen.
Wer auf hochdosierte Kurkuma-Präparate verzichten sollte
- Menschen mit Gallensteinen oder Gallenwegsproblemen
- Schwangere und Stillende
- Menschen unter Gerinnungshemmern oder vor einer geplanten Operation
- Menschen mit bestehenden Lebererkrankungen – hier gibt es keine ausdrückliche deutsche Behördenempfehlung, aber angesichts der dokumentierten Leberschäden ist Zurückhaltung naheliegend
- Kinder – für sie sind solche Präparate ohnehin nicht vorgesehen
Für Kurkuma als Gewürz in Küchenmengen gilt nichts davon.
Was die Forschung tatsächlich zeigt
Zu Curcumin gibt es tausende Veröffentlichungen. Das klingt nach einer gut untersuchten Substanz und ist einer der Gründe, warum das Thema so präsent ist. Die Qualität dieser Literatur ist allerdings ein eigenes Kapitel.
2017 erschien im Journal of Medicinal Chemistry eine viel beachtete Arbeit, die Curcumin als PAINS einordnet – als „pan-assay interference compound". Solche Moleküle liefern in Laborversuchen fast reihum positive Ergebnisse, aber nicht, weil sie an einem bestimmten Ziel wirken, sondern weil sie unspezifisch stören: Sie binden an alles Mögliche, verändern Membranen, fluoreszieren selbst und verfälschen dadurch die Messung. Wer mit einer solchen Substanz screent, findet überall etwas.
Der schärfste Satz der Arbeit lautet sinngemäß, dass bis dahin keine doppelblinde, placebokontrollierte klinische Studie mit Curcumin erfolgreich verlaufen sei. Es gibt eine publizierte Gegenrede darauf, und die Debatte ist nicht abgeschlossen – aber die methodische Kritik ist ernst zu nehmen.
Ein Beispiel dafür, wie sich das in der Praxis niederschlägt: Für Curcumin bei Kniearthrose existieren mehrere Übersichtsarbeiten. Eine Auswertung dieser Reviews kam zu dem Ergebnis, dass sie methodisch durchweg als kritisch mangelhaft einzustufen sind. Von 48 untersuchten Endpunkten erreichte keiner eine hohe Evidenzqualität. Der Anteil an Hinweisen auf Publikationsbias lag bei rund 46 Prozent, die Überlappung der eingeschlossenen Einzelstudien bei 48 Prozent – dieselben Studien tauchen also in mehreren Reviews wieder auf und erzeugen den Eindruck einer breiteren Datenbasis, als tatsächlich vorhanden ist.
Das heißt nicht, dass Curcumin nichts täte. Es heißt, dass es niemand mit der nötigen Sicherheit weiß – und dass die schiere Menge an Veröffentlichungen kein Qualitätsmerkmal ist.
Was daraus folgt
Kurkuma ist ein hervorragendes Gewürz mit einer langen kulinarischen Geschichte. In Küchenmengen ist es unbedenklich, es liefert Farbe und eine erdige Note, und es hat mit Ingwer botanisch mehr gemeinsam als mit den meisten anderen Gewürzen – ohne dasselbe zu sein.
Bei hochdosierten Präparaten kehrt sich die Abwägung um. Es gibt keine zugelassene Aussage zu einer Wirkung, ein abgelehnter Antrag liegt vor, die Studienlage ist methodisch schwach – und auf der anderen Seite stehen dokumentierte Leberschäden, deren Schwerpunkt genau bei diesen Produkten liegt, bevorzugt bei den Formulierungen mit Piperin.
Wer Kurkuma mag, würzt damit. Das ist die Empfehlung, die sich mit den Daten decken lässt.
Wie Kurkuma im Vergleich zu anderen Lebensmitteln abschneidet, für die eine Wirkung auf Entzündungswerte beansprucht wird, zeigt die Übersicht zu entzündungshemmenden Lebensmitteln mit den Effektgrößen aus Metaanalysen.
Wenn du deine Ernährung grundsätzlich umstellen willst, statt einzelnen Wundermitteln nachzugehen: Unsere Stoffwechselkur arbeitet nicht mit einzelnen Wirkstoffen, sondern mit einem individuell berechneten Bedarf, eiweißbetonten Mahlzeiten, einer Stabilisierungsphase für die Zeit danach und täglicher persönlicher Begleitung.

Häufige Fragen
Sind Kurkuma und Ingwer dasselbe?
Nein. Beide gehören zur Familie der Ingwergewächse, stammen aber aus unterschiedlichen Gattungen: Kurkuma ist Curcuma longa, Ingwer ist Zingiber officinale. Verwendet wird bei beiden das Rhizom, also der unterirdische Sprossteil. Kurkuma hat orangefarbenes Fleisch, ein erdig-bitteres Aroma und enthält Curcuminoide; Ingwer hat hellgelbes Fleisch, schmeckt zitronig-scharf und enthält Gingerole.
Was ist der Unterschied zwischen Kurkuma und Ingwer im Geschmack?
Kurkuma schmeckt erdig-holzig, leicht bitter und nur schwach scharf; er färbt Speisen kräftig orange-gelb. Ingwer schmeckt frisch, zitronig und deutlich schärfer und färbt nicht. In der Küche ersetzen sie sich deshalb nicht, sie ergänzen sich.
Gibt es eine heimische Alternative zu Kurkuma oder Ingwer?
Eine gleichwertige nicht. Für die Schärfe kommen Meerrettich, Senf oder Zwiebeln in Frage, deren Schärfe beruht aber auf Senfölen beziehungsweise Schwefelverbindungen und ist mit Gingerolen oder Curcuminoiden chemisch nicht vergleichbar. Für die orange Farbe des Kurkumas gibt es keine heimische Entsprechung.
Wie viel Curcumin enthält Kurkumapulver?
In der Größenordnung von etwa fünf Prozent, je nach Sorte, Herkunft und Anbaubedingungen; einzelne Analysen berichten höhere Werte. Einen amtlich festgelegten Wert gibt es nicht. Innerhalb der Curcuminoide macht Curcumin selbst rund 70 bis 75 Prozent aus.
Wie viel Kurkuma am Tag ist unbedenklich?
Der abgeleitete Richtwert liegt bei 3 Milligramm Curcumin je Kilogramm Körpergewicht und Tag, also 210 Milligramm für einen 70 Kilogramm schweren Erwachsenen. Das entspricht rund vier Gramm Kurkumapulver. Übliche Küchenmengen liegen deutlich darunter; die Behörde schätzt den Beitrag der normalen Ernährung auf unter sieben Prozent des Richtwerts.
Können Kurkuma-Kapseln der Leber schaden?
Die Datenbank LiverTox führt Kurkuma mit der höchsten Kausalitätsstufe als dokumentierte Ursache von Leberschäden. Betroffen sind fast ausschließlich hochdosierte Präparate, nicht das Gewürz. Im US-Register für Leberschäden entfielen zehn von 2.392 Fällen auf Kurkuma, mit einer mittleren Latenz von 86 Tagen und einem Todesfall. In Italien wurden 28 Fälle akuter Leberentzündung gemeldet. Bei über 70 Prozent der Betroffenen fand sich das Gewebemerkmal HLA-B*35:01.
Warum steht Piperin in Kurkuma-Präparaten?
Piperin, der Scharfstoff des schwarzen Pfeffers, verbessert die Aufnahme von Curcumin. Das ist zugleich die Kehrseite: Höhere Bioverfügbarkeit erhöht auch das Risiko für Wechselwirkungen und Leberbelastung. In der italienischen Fallserie enthielten 68 Prozent der beteiligten Präparate Piperin.
Darf man mit Kurkuma eine Wirkung bewerben?
Nein. In der EU gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe für Kurkuma oder Curcumin. Rund 1.500 pflanzenbezogene Angaben liegen seit 2012 unbearbeitet auf Eis. Bei Kurkuma kommt hinzu, dass ein Antrag für die Gelenke 2017 tatsächlich geprüft und abgelehnt wurde – mit der Begründung, ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang sei nicht nachgewiesen.
Wer sollte Kurkuma-Präparate meiden?
Menschen mit Gallensteinen, Schwangere und Stillende, Menschen unter Gerinnungshemmern oder vor einer Operation sowie Kinder. Bei bestehenden Lebererkrankungen ist Zurückhaltung naheliegend. Für Kurkuma als Gewürz in Küchenmengen gilt das nicht.
Quellen
- Royal Botanic Gardens Kew, Plants of the World Online: Einträge zu Curcuma longa L. und Zingiber officinale Roscoe.
- Bundeszentrum für Ernährung: Ingwer, Kurkuma, Galgant.
- EFSA Panel on Food Additives: Scientific Opinion on the re-evaluation of curcumin (E 100) as a food additive. EFSA Journal 2010;8(9):1679.
- EFSA: Refined exposure assessment for curcumin (E 100). EFSA Journal 2014;12(10):3876.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Curcumin in food supplements – acceptable daily intake may be exceeded.
- LiverTox: Clinical and Research Information on Drug-Induced Liver Injury, Eintrag Turmeric. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases.
- Halegoua-DeMarzio D et al. Liver Injury Associated with Turmeric – A Growing Problem: Ten Cases from the Drug-Induced Liver Injury Network. American Journal of Medicine 2023.
- Istituto Superiore di Sanità: Fallserie akuter Hepatitis im Zusammenhang mit Kurkuma-Präparaten, Annali dell'Istituto Superiore di Sanità.
- Shoba G et al. Influence of piperine on the pharmacokinetics of curcumin in animals and human volunteers. Planta Medica 1998;64(4):353–356.
- Medsafe Neuseeland: Turmeric and warfarin interaction, Early Warning System, 2018.
- Lorinczova HT et al. Acute administration of bioavailable curcumin alongside ferrous sulphate supplements does not impair iron absorption in healthy adults. Nutrients 2021.
- Nelson KM et al. The Essential Medicinal Chemistry of Curcumin. Journal of Medicinal Chemistry 2017;60(5):1620–1637.
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel; Verordnung (EU) Nr. 432/2012.
- Verbraucherzentrale: Kurkuma – Fakten und Mythen.
- USDA FoodData Central, Nährwerte für gemahlenen Kurkuma und gemahlenen Ingwer.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information, gibt den Stand zum Zeitpunkt der letzten Aktualisierung wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene Tagesdosis darf nicht überschritten werden. Bei Vorerkrankungen – insbesondere der Leber und der Gallenwege –, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei der Einnahme von Medikamenten, vor allem Gerinnungshemmern, sollte vor der Einnahme von Kurkuma-Präparaten ärztlicher Rat eingeholt werden. Setze verordnete Medikamente niemals eigenmächtig ab.








