Am besten belegt ist nicht ein einzelnes Lebensmittel, sondern ein Muster: viel Gemüse und Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Olivenöl, Vollkorn und ein- bis zweimal pro Woche fetter Fisch. In kontrollierten Studien senkt diese Ernährungsweise die Entzündungswerte im Blut messbar. Einzelne Gewürze oder Superfoods erreichen das nicht in vergleichbarer Größenordnung.
Fast jede Liste im Netz nennt dieselben zehn Lebensmittel, ohne eine einzige Zahl dazu. Wir machen es umgekehrt: Hier steht, um wie viel jede Maßnahme die Entzündungswerte in Metaanalysen tatsächlich verschiebt, was davon klinisch etwas bedeutet – und welche verbreitete Regel schlicht nicht stimmt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein gesenkter Blutwert ist noch kein Gesundheitsgewinn. Das lässt sich an zwei großen Arzneimittelstudien zeigen – und es ändert den Blick auf jede Lebensmittelliste.
- Die mediterrane Ernährungsweise senkte das hs-CRP um rund 0,98 mg/l – der bestbelegte Ernährungseffekt überhaupt.
- Gewichtsabnahme ist quantitativ der größte Hebel. Je Kilogramm sank das CRP über 33 Studien im Mittel um etwa 0,13 mg/l.
- Grüner Tee, Vollkorn und eine niedrige glykämische Last bewegten in Metaanalysen gar nichts – obwohl sie auf fast jeder Liste stehen.
- Die Omega-6-Regel ist eine Halbwahrheit. In randomisierten Studien erhöht mehr Linolsäure die Entzündungswerte gesunder Menschen nicht.
- Es gibt in der EU keine einzige zugelassene Gesundheitsangabe zum Thema Entzündung – für kein Lebensmittel und keinen Nährstoff.
Inhalt
Was mit Entzündung überhaupt gemeint ist
Wenn im Ernährungskontext von Entzündung die Rede ist, geht es fast nie um die akute Entzündung, die jeder kennt – Rötung, Schwellung, Schmerz nach einer Verletzung. Die ist sinnvoll, zeitlich begrenzt und heilt aus.
Gemeint ist etwas anderes: eine niedriggradige, dauerhafte Aktivierung des Immunsystems, im Englischen als low-grade inflammation bezeichnet. Sie verursacht keine Beschwerden und lässt sich nur über Blutwerte erahnen. Die gebräuchlichsten Marker sind das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP) sowie die Botenstoffe Interleukin-6 und TNF-alpha.
Warum ein gesenkter Wert noch kein Nutzen ist
Das ist der Punkt, an dem sich dieser Artikel von den meisten Listen unterscheidet – und er ist wichtiger als jede Lebensmittelempfehlung.
Die Arzneimittelforschung hat genau diese Frage zweimal in großem Maßstab geprüft. In der CANTOS-Studie erhielten 10.061 Menschen nach einem Herzinfarkt einen Antikörper, der gezielt einen Entzündungsbotenstoff blockiert. Das hs-CRP sank je nach Dosis um 26 bis 41 Prozent. Der Nutzen beim kombinierten Endpunkt aus Infarkt, Schlaganfall und Herztod war trotzdem nur moderat und trat lediglich bei einer der drei Dosierungen auf. Die Gesamtsterblichkeit veränderte sich nicht, und tödliche Infektionen traten häufiger auf.Ridker et al., NEJM 2017
In der CIRT-Studie prüfte dieselbe Arbeitsgruppe ein anderes entzündungshemmendes Medikament an 4.786 Patienten. Es senkte weder Interleukin-6 noch CRP – und half entsprechend auch nicht.Ridker et al., NEJM 2019
Wenn schon ein hochspezifischer Antikörper, der das CRP um 41 Prozent senkt, nur einen moderaten Vorteil erreicht und die Lebenserwartung nicht verändert – dann ist die Behauptung, ein Löffel Kurkuma bekämpfe die Entzündungen im Körper, quantitativ nicht haltbar.
Das heißt nicht, dass Ernährung egal wäre. Es heißt, dass man die Wirkung realistisch einordnen sollte: Ein messbar veränderter Blutwert ist ein Hinweis, kein Beweis für einen Gesundheitsgewinn.
Das Muster schlägt das Einzellebensmittel
Am besten untersucht ist die mediterrane Ernährungsweise. Eine Metaanalyse aus 17 kontrollierten Studien mit 2.300 Teilnehmenden fand eine Senkung des hs-CRP um 0,98 mg/l und des Interleukin-6 um 0,42 pg/ml. Eine aktuellere Auswertung über 33 Studien bestätigte die Richtung für hs-CRP und Interleukin-6, fand aber keine signifikante Veränderung bei TNF-alpha.Schwingshackl & Hoffmann 2014; Keshani et al. 2026
Ehrlich dazugehört: Die Streuung zwischen den Studien war sehr groß. Der Punktschätzer beschreibt also einen Trend, keine Garantie.

Was der Entzündungsindex kann – und was nicht
Hinter vielen Listen im Netz steckt, oft ungenannt, der Dietary Inflammatory Index. Er bewertet 45 Ernährungsbestandteile danach, wie sie in der Literatur auf Entzündungsmarker gewirkt haben, und erlaubt so, ganze Ernährungsmuster einzuordnen. Eine Übersicht über 15 Metaanalysen mit 4,36 Millionen Personen fand bei 27 von 38 Gesundheitsendpunkten einen Zusammenhang zwischen entzündungsförderndem Ernährungsmuster und Erkrankungsrisiko – als überzeugend eingestuft wurde davon allerdings nur ein einziger Endpunkt.Marx et al. 2021
Drei Dinge sollte man über diesen Index wissen, bevor man ihn als Beleg heranzieht:
- In seine Bewertung fließen auch Zellkultur- und Tierversuche ein.
- Alkohol gilt darin als entzündungshemmend – Alkoholkonsum verbessert also rechnerisch den Entzündungsindex einer Ernährung. Als Ernährungsempfehlung taugt der Index damit offensichtlich nicht.
- Omega-6-Fettsäuren sind darin ebenfalls als entzündungshemmend eingestuft. Wer den Index als Beleg für „entzündungsfördernde Lebensmittel“ zitiert, zitiert damit eine Quelle, die Omega-6 entlastet.
Die Lebensmittel im Einzelnen
Fetter Fisch und die langkettigen Omega-3-Fettsäuren
EPA und DHA sind die am besten untersuchten Einzelnährstoffe des Themas. Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen verbesserten sie in einer Metaanalyse über 30 Studien Schmerz, Gelenkbefunde und Funktionsscores – das CRP allerdings nicht signifikant. Bei gesunden Menschen zur Vorbeugung brachte 1 Gramm täglich über gut fünf Jahre keinen signifikanten Vorteil bei schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen.Sigaux et al. 2022; VITAL-Studie 2019
Über Lebensmittel ist die empfohlene Menge leicht zu erreichen. Die folgenden Werte stammen aus dem Bundeslebensmittelschlüssel und beziehen sich auf zubereitete, überwiegend geräucherte Ware.
| Lebensmittel | ALA | EPA + DHA |
|---|---|---|
| Leinsamen, roh | 19.970 | 0 |
| Walnüsse | 10.172 | 0 |
| Rapsöl | 8.584 | 0 |
| Makrele, geräuchert | 592 | 8.265 |
| Thunfisch, geräuchert | 253 | 4.132 |
| Hering, gegart | 67 | 2.944 |
| Lachs, geräuchert | 356 | 2.598 |
| Sardine, geräuchert | 48 | 1.534 |
Für den zugelassenen Hinweis „EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei“ verlangt die EU eine tägliche Aufnahme von 250 Milligramm. Rechnerisch decken das schon rund 3 Gramm Makrele, 8,5 Gramm Hering oder 10 Gramm Räucherlachs am Tag – oder eben eine normale Portion pro Woche.VO (EU) Nr. 432/2012
Olivenöl
Für Olivenöl-Polyphenole existiert eine zugelassene EU-Angabe: Sie tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen. Bedingung sind mindestens 5 Milligramm Hydroxytyrosol und Derivate je 20 Gramm Olivenöl, und die positive Wirkung stellt sich bei 20 Gramm Olivenöl täglich ein. Das entspricht etwa zwei Esslöffeln. Naturbelassenes, nicht raffiniertes Öl liefert deutlich mehr Polyphenole als raffiniertes.VO (EU) Nr. 432/2012

Kurkuma: der ehrliche Befund
Kein Lebensmittel wird in diesem Zusammenhang häufiger genannt. Und keines ist schlechter abgesichert, als seine Beliebtheit vermuten lässt.
Der erste Punkt ist die Menge. Kurkumapulver enthält etwa 1 bis 5 Prozent Curcuminoide. Ein Teelöffel von 2 bis 3 Gramm liefert damit grob 20 bis 150 Milligramm. Klinische Studien arbeiten dagegen mit 500 bis 2.000 Milligramm Curcumin täglich. Über das Gewürz sind Studiendosen praktisch nicht erreichbar.BfR-Stellungnahme 040/2021
Der zweite Punkt ist die Aufnahme. In einer klassischen Untersuchung waren die Blutspiegel nach 2 Gramm Curcumin allein nicht nachweisbar oder sehr niedrig. Erst zusammen mit schwarzem Pfeffer stiegen sie deutlich an. Das ist der Grund für die Kombination mit Piperin – die allerdings eine Kehrseite hat: Für isoliertes Piperin als Einzelgabe leitet das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Obergrenze von 2 Milligramm pro Tag ab, und viele Präparate liegen darüber.Shoba et al. 1998; BfR 040/2021
Der dritte Punkt ist die klinische Bewertung. Die gemeinsame Expertenkommission von Bundesamt für Verbraucherschutz und Bundesinstitut für Arzneimittel hält fest, es lägen keine ausreichenden klinischen Belege für eine über die verdauungsfördernde Wirkung hinausgehende Wirkung vor. Wörtlich heißt es dort, dass die vorhandenen klinischen Studien entweder erhebliche Mängel im Design aufwiesen, vorzeitig abgebrochen wurden oder als Pilotstudien zu keinen belastbaren Ergebnissen führten.BVL/BfArM 02/2020
Kurkuma als Gewürz ist völlig in Ordnung und macht Gerichte gut. Als Entzündungsmittel wird es überschätzt.
Ingwer
Ingwer schneidet in den Zahlen besser ab als Kurkuma. Eine Metaanalyse über 29 Studien fand eine CRP-Senkung um 0,86 mg/l sowie Rückgänge bei Interleukin-6 und TNF-alpha. Das ist eine Größenordnung, die sich sehen lassen kann – und Ingwer lässt sich anders als Curcumin in relevanten Mengen tatsächlich essen und trinken.Rjabi et al. 2025
Was in den Zahlen enttäuscht
Drei Klassiker fast jeder Liste haben in Metaanalysen nichts bewegt: grüner Tee über 38 Studien, Vollkorn über 14 Studien und eine niedrige glykämische Last über 14 Studien. Bei Nüssen zeigte sich ebenfalls kein Effekt auf CRP, wohl aber ein kleiner auf ein Adhäsionsmolekül.Dehzad 2025; Rahmani 2020; Milajerdi 2018; Xiao 2018
Das ist kein Argument gegen grünen Tee, Vollkorn oder Nüsse – für Vollkorn und Nüsse gibt es sehr gute Gründe, die mit Entzündungsmarkern nichts zu tun haben. Es ist ein Argument dagegen, sie als Entzündungshemmer zu verkaufen.
Was Entzündungswerte nach oben treibt
Die Gegenrichtung ist ein eigenes Thema, und hier ist die Evidenz teils klarer als bei den vermeintlichen Helfern.
- Rotes und verarbeitetes Fleisch. Eine Erhöhung des Konsums steigerte in einer Metaanalyse über 18 Studien das CRP um 0,23 mg/l. Für verarbeitetes Fleisch bewertet die Internationale Krebsforschungsagentur den Zusammenhang mit Darmkrebs als gesichert: 50 Gramm täglich gehen mit einem um 18 Prozent höheren Risiko einher.
- Stark verarbeitete Lebensmittel in ihrer Gesamtheit – nicht ein einzelner Inhaltsstoff, sondern das Produktprofil aus wenig Ballaststoff, viel Energie und hoher Verzehrgeschwindigkeit.
- Zucker und zuckergesüßte Getränke, vor allem als flüssige Kalorien ohne Sättigungswirkung.
- Alkohol, dessen Bewertung sich in den letzten Jahren deutlich verschoben hat.
Die Omega-6-Regel stimmt so nicht
Kaum eine Ernährungsregel ist so langlebig wie diese: Sonnenblumen- und Maiskeimöl seien entzündungsfördernd, weil Linolsäure zu Arachidonsäure umgebaut wird und daraus entzündungsaktive Botenstoffe entstehen. Biochemisch stimmt die Herleitung. Am Menschen hält sie nicht stand.
Was die Humanstudien zeigen
Interventionsstudien. Eine systematische Übersicht über 15 randomisierte Studien an Gesunden fand für keinen einzigen der untersuchten Entzündungsmarker einen signifikanten Anstieg durch mehr Linolsäure – weder für CRP noch für Fibrinogen, Zytokine, Adhäsionsmoleküle oder TNF-alpha.
Große Kohorten. Eine Poolanalyse aus 30 prospektiven Studien in 13 Ländern mit 68.659 Teilnehmenden und 15.198 Ereignissen fand höhere Linolsäurespiegel mit einem niedrigeren Risiko verbunden: für kardiovaskuläre Sterblichkeit ein Hazard Ratio von 0,78. Arachidonsäure war ebenfalls nicht mit höherem Risiko assoziiert.
Sterblichkeit. Eine Metaanalyse über 44 Kohorten mit mehr als 800.000 Teilnehmenden fand für die höchste gegenüber der niedrigsten Linolsäurezufuhr eine um 13 Prozent niedrigere Gesamtsterblichkeit.
Johnson & Fritsche 2012; Marklund et al. 2019; Li et al. 2020Sinnvoll ist deshalb, die Zufuhr von EPA und DHA zu erhöhen – nicht, Sonnenblumenöl zu verteufeln.
Der größte Hebel: das Körperfett
Viszerales Bauchfett ist kein passiver Energiespeicher, sondern ein aktives Gewebe, das entzündungsfördernde Botenstoffe abgibt. Deshalb steht am Ende jeder ehrlichen Betrachtung nicht ein Gewürz, sondern die Menge an Körperfett.
Eine systematische Übersicht über 33 Interventionsstudien fand: Je Kilogramm Gewichtsverlust sank das CRP im Mittel um 0,13 mg/l. Wichtig zur Einordnung: Dieser starke Gesamtzusammenhang wird maßgeblich von chirurgischen Eingriffen mit sehr großen Gewichtsverlusten getragen; betrachtet man nur die Lebensstilstudien, ist der Zusammenhang deutlich schwächer. Rechnerisch entsprechen 10 Kilogramm damit etwa 1,3 mg/l, in reinen Lebensstilstudien eher 0,6 mg/l.Selvin et al. 2007
| Maßnahme | Veränderung CRP | Studien |
|---|---|---|
| Gewichtsabnahme, je 10 kg | etwa −1,3 mg/l (nur Lebensstil: etwa −0,6) | 33 |
| Mediterrane Ernährung | −0,98 mg/l | 17 |
| Ingwer | −0,86 mg/l | 29 |
| Vollkorn | −0,29 mg/l, nicht signifikant | 14 |
| Niedriger glykämischer Index | −0,05 mg/l, nicht signifikant | 14 |
| Grüner Tee | +0,01 mg/l, nicht signifikant | 38 |
| Rotes Fleisch, mehr davon | +0,23 mg/l | 18 |
| Mehr Linolsäure | kein Effekt | 15 |
Zur Einordnung: Zwischen niedrigem und hohem Risikobereich liegen beim hs-CRP rund 2 mg/l. Vor diesem Maßstab bewegt eine mediterrane Ernährung etwa ein halbes Risikotertil, während grüner Tee, Vollkorn und eine niedrige glykämische Last statistisch gar nichts bewegen.
Ergänzend interessant: In einer Metaanalyse über 23 Studien zu Kalorienrestriktion in Kombination mit Bewegung sanken bei körperlich aktiven Teilnehmenden alle drei Entzündungsmarker signifikant – bei Teilnehmenden mit überwiegend sitzendem Lebensstil keiner davon.Liu et al. 2021
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Stoffwechselkur ansehenDarm und Entzündung
Ballaststoffe werden im Dickdarm von Bakterien vergoren. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, unter anderem Butyrat, das die wichtigste Energiequelle der Dickdarmschleimhaut ist. Dass eine ballaststoffreiche Ernährung gesundheitlich vorteilhaft ist, gilt als gut belegt; die deutsche Empfehlung liegt bei mindestens 30 Gramm täglich.
Dass Ballaststoffe die Entzündungsmarker im Blut senken, ist dagegen schwächer belegt, als es häufig dargestellt wird – für Vollkorn fiel der Effekt in kontrollierten Studien sogar nicht signifikant aus.

Was das für den Einkauf heißt
Wenn man alles zusammenzieht, bleibt eine kurze, unspektakuläre Liste – und genau darin liegt ihre Stärke.
1 Das Muster zuerst
Fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag, Hülsenfrüchte mindestens einmal pro Woche, täglich eine kleine Handvoll Nüsse, ein- bis zweimal pro Woche Fisch, nicht mehr als 300 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche, bevorzugt Vollkorn und pflanzliche Öle. Das ist die Grundlage, auf der alle belastbaren Effekte beruhen.
2 Olivenöl und fetter Fisch als feste Größen
Zwei Esslöffel naturbelassenes Olivenöl am Tag und eine Portion fetter Fisch pro Woche decken zwei der wenigen Punkte ab, für die es zugelassene, geprüfte Aussagen gibt.
3 Weniger von dem, was nachweislich schadet
Bei Wurstwaren, gezuckerten Getränken und Alkohol ist der Zusammenhang klarer als bei den meisten vermeintlichen Wundermitteln. Weglassen wirkt hier zuverlässiger als Hinzufügen.
4 Gewicht und Bewegung nicht ausblenden
Der quantitativ größte Effekt hängt nicht daran, was auf dem Teller liegt, sondern wie viel. Und Bewegung entscheidet mit darüber, ob sich überhaupt etwas verändert.
5 Skeptisch bleiben bei Präparaten
In der EU existiert keine einzige zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zum Thema Entzündung – für kein Lebensmittel und keinen Nährstoff. Entsprechende Anträge wurden abgelehnt, unter anderem mit der Begründung, dass eine Entzündungsreduktion nicht als günstige physiologische Wirkung im Sinne der Verordnung gelten könne. Wer ein Produkt entsprechend bewirbt, tut das ohne Zulassung.EU-Register für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben
Häufige Fragen
Welche Lebensmittel sind entzündungshemmend?
Am besten belegt ist ein Muster statt einzelner Lebensmittel: viel Gemüse und Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, naturbelassenes Olivenöl, Vollkorn und ein- bis zweimal pro Woche fetter Fisch. In kontrollierten Studien senkte diese Ernährungsweise das hs-CRP um rund 0,98 mg/l. Für einzelne Superfoods sind die Effekte deutlich kleiner oder gar nicht nachweisbar.
Welche Lebensmittel sind entzündungsfördernd?
Belegt ist ein Anstieg der Entzündungswerte bei mehr rotem und verarbeitetem Fleisch. Ungünstig sind außerdem stark verarbeitete Produkte, zuckergesüßte Getränke und Alkohol. Die verbreitete Behauptung, pflanzliche Omega-6-Öle seien entzündungsfördernd, hält der Prüfung an Menschen nicht stand.
Wirkt Kurkuma entzündungshemmend?
Als Gewürz sind die Mengen zu klein: Ein Teelöffel liefert grob 20 bis 150 Milligramm Curcuminoide, klinische Studien arbeiten mit 500 bis 2.000 Milligramm. Hinzu kommt die sehr geringe Aufnahme im Körper. Die zuständige deutsche Expertenkommission stellt fest, dass ausreichende klinische Belege für eine darüber hinausgehende Wirkung fehlen.
Hilft grüner Tee gegen Entzündungen?
In einer Metaanalyse über 38 Studien veränderte grüner Tee das CRP nicht. Auch bei Interleukin-6 und TNF-alpha zeigte sich kein signifikanter Effekt. Als Getränk spricht nichts dagegen, als Entzündungshemmer ist er nicht belegt.
Was ist eine niedriggradige Entzündung?
Eine dauerhafte, schwache Aktivierung des Immunsystems ohne spürbare Beschwerden. Sie zeigt sich nur in Blutwerten wie dem hochsensitiven CRP, Interleukin-6 oder TNF-alpha. Diese Werte schwanken allerdings auch durch Infekte, Sport, Rauchen und Übergewicht.
Senkt Abnehmen die Entzündungswerte?
In einer Übersicht über 33 Interventionsstudien sank das CRP im Mittel um etwa 0,13 mg/l je Kilogramm Gewichtsverlust. In reinen Lebensstilstudien fiel der Zusammenhang schwächer aus. Quantitativ ist das dennoch der größte einzelne Faktor, der sich über die Ernährung beeinflussen lässt.
Gibt es zugelassene Aussagen zu entzündungshemmenden Lebensmitteln?
Nein. In der EU-Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben findet sich keine einzige Angabe zum Thema Entzündung. Entsprechende Anträge wurden abgelehnt. Zulässig sind stattdessen Angaben etwa zur normalen Funktion des Immunsystems oder zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress – das ist inhaltlich etwas anderes.
Welche Nährstoffe diesen Zellschutz-Claim tragen dürfen und was die großen Studien zu Antioxidantien aus der Kapsel gezeigt haben, steht in unserem Beitrag dazu.
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Wie viel du überhaupt essen darfst, um abzunehmen, steht ausführlich im Beitrag zum Kaloriendefizit. Wenn du deine Ernährung dauerhaft umstellen willst, findest du die Grundlagen unter Ernährungsumstellung, und welche Lebensmittel viele Ballaststoffe liefern, zeigt unsere Übersicht der ballaststoffreichen Lebensmittel.
Quellen
- Ridker PM et al. Antiinflammatory Therapy with Canakinumab for Atherosclerotic Disease. N Engl J Med 2017;377:1119–1131.
- Ridker PM et al. Low-Dose Methotrexate for the Prevention of Atherosclerotic Events. N Engl J Med 2019;380:752–762.
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- Keshani M et al. Mediterranean Diet Reduces Inflammation in Adults. Nutr Rev 2026;84:1776–1790.
- Marx W et al. The Dietary Inflammatory Index and Human Health: An Umbrella Review. Adv Nutr 2021;12:1681–1690.
- Shivappa N et al. Designing and developing a literature-derived, population-based dietary inflammatory index. Public Health Nutr 2014;17:1689–1696.
- Sigaux J et al. Impact of type and dose of oral polyunsaturated fatty acid supplementation on disease activity in inflammatory rheumatic diseases. Arthritis Res Ther 2022;24:100.
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- Gencer B et al. Effect of Long-Term Marine Omega-3 Fatty Acids Supplementation on the Risk of Atrial Fibrillation. Circulation 2021;144:1981–1990.
- Bundesinstitut für Risikobewertung. Omega-3-Fettsäuren: Wichtig – aber in Maßen. FAQ vom 30. April 2026.
- Bundesinstitut für Risikobewertung. Curcumin in Nahrungsergänzungsmitteln. Stellungnahme Nr. 040/2021.
- Gemeinsame Expertenkommission BVL/BfArM. Stellungnahme zur Einstufung von Produkten, die Curcumin mit verbesserter Bioverfügbarkeit enthalten, 02/2020.
- Shoba G et al. Influence of piperine on the pharmacokinetics of curcumin in animals and human volunteers. Planta Med 1998;64:353–356.
- Johnson GH, Fritsche K. Effect of dietary linoleic acid on markers of inflammation in healthy persons. J Acad Nutr Diet 2012;112:1029–1041.
- Marklund M et al. Biomarkers of Dietary Omega-6 Fatty Acids and Incident Cardiovascular Disease and Mortality. Circulation 2019;139:2422–2436.
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- Selvin E, Paynter NP, Erlinger TP. The effect of weight loss on C-reactive protein. Arch Intern Med 2007;167:31–39.
- Liu Y et al. Calorie Restriction With Exercise Intervention Improves Inflammatory Response in Overweight and Obese Adults. Front Physiol 2021;12:754731.
- Odenwald MA, Turner JR. Intestinal permeability defects: is it time to treat? Clin Gastroenterol Hepatol 2013;11:1075–1083.
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012, konsolidierte Fassung, Anhang; EU-Register für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen, Stand 30.04.2024.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Bei entzündlichen Erkrankungen, erhöhten Entzündungswerten oder anhaltenden Beschwerden gehört die Abklärung und Behandlung in ärztliche Hände. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Wenn du Medikamente einnimmst oder eine Herzerkrankung hast, sprich vor der Einnahme höher dosierter Omega-3-Präparate mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Die genannten Studienergebnisse sind Durchschnittswerte aus Untersuchungsgruppen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf einzelne Personen übertragen.








