Das Körperbild, also wie du deinen Körper wahrnimmst, bewertest und erlebst, wird beim Abnehmen meistens besser. Es wächst aber nicht im Takt der Kilos: In einer Studie hing die Verbesserung überhaupt nicht davon ab, wie viel jemand abgenommen hatte, und schon ein kleiner Wiederanstieg dämpfte sie messbar. Ständiges Abchecken im Spiegel verschlechtert das Körperbild. Was dagegen belegt hilft, ist bekannt: Funktion statt Aussehen, Selbstmitgefühl, ein aufgeräumter Feed.
Hier findest du, was Studien über den Verlauf des Körperbilds beim Abnehmen tatsächlich zeigen, was hinter dem Schlagwort „Phantomfett“ steckt und welche Gegenmittel mit Zahlen belegt sind, auch dort, wo die Zahlen ernüchternd ausfallen.
Das Wichtigste in Kürze
- Abnehmprogramme verringern die Unzufriedenheit mit der Körpergröße deutlich (Meta-Analyse, standardisierte Mittelwertdifferenz −0,66). Die Datenbasis ist aber schmal: vier Studien in der Meta-Analyse, fast nur Frauen.
- In einer Studie mit 59 Frauen, die nach 24 Wochen im Schnitt 19,4 kg abgenommen hatten, hing die Verbesserung des Körperbilds nicht von der Höhe des Gewichtsverlusts ab. Ein kleiner Wiederanstieg verschlechterte sie leicht, aber signifikant.
- Unzufriedenheit ist kein guter Antrieb: Bei 2.516 Jugendlichen sagte geringe Körperzufriedenheit über fünf Jahre mehr Diäten, mehr Essanfälle und weniger Bewegung voraus.
- Wer seinen Körper im Experiment wiederholt kritisch im Spiegel prüfte, fühlte sich danach unzufriedener und „dicker“. In einem Abnehmprogramm ging mehr Body-Checking mit weniger Gewichtsverlust einher.
- Körperbild-Übungen wirken, aber klein: Eine Meta-Analyse aus 62 Tests mit 3.846 Personen fand einen Effekt von d = 0,38. Selbstmitgefühl-Interventionen lagen bei g = 0,39.
Inhalt
- Was das Körperbild ist und was nicht
- Wie sich das Körperbild beim Abnehmen verändert
- „Ich sehe mich immer noch dick“: was hinter „Phantomfett“ steckt
- Warum Unzufriedenheit kein guter Antrieb ist
- Spiegel, Waage, Kleidung: wie Kontrollieren das Körperbild verschlechtert
- Was gegen ein negatives Körperbild belegt hilft
- Body Positivity, Body Neutrality und Abnehmen
- Wenn nach großem Gewichtsverlust Haut bleibt
- Wann es mehr ist als Unzufriedenheit
- Häufige Fragen
Was das Körperbild ist und was nicht
Das Körperbild ist das innere Bild, das du von deinem Körper hast. In der Fachliteratur gilt es als mehrdimensional: Es umfasst, wie du deinen Körper wahrnimmst, was du über ihn denkst, welche Gefühle er in dir auslöst und was du deshalb tust. Zur vierten Ebene, dem Verhalten, gehört etwa, ob du Schwimmbäder meidest, Fotos von dir löschst oder dreimal täglich den Bauch im Spiegel prüfst.
Vier Ebenen: sehen, denken, fühlen, handeln
Die Unterscheidung ist praktisch, weil sich die Ebenen unabhängig voneinander verändern können. Jemand kann seine Figur realistisch einschätzen und sie trotzdem abwerten, ein anderer bewertet sich kaum negativ, kontrolliert aber ständig.
Ein positives Körperbild ist mehr als „kein negatives“
Ein positives Körperbild ist nach der Konzeptarbeit von Tylka und Wood-Barcalow ein eigenes Konstrukt und nicht einfach die Abwesenheit von Unzufriedenheit. Dazu zählen Wertschätzung für den eigenen Körper, ein breites Verständnis davon, was schön ist, und eine Art, Informationen zu verarbeiten, die den Körper schützt: Abwertende Botschaften werden eher gefiltert, statt verinnerlicht. Mit Selbstverliebtheit hat das nichts zu tun.
Nicht jeder Mensch mit Übergewicht hat ein negatives Körperbild: Laut einem Review von Schwartz und Brownell geht Übergewicht häufig, aber keineswegs immer mit größerer Unzufriedenheit einher. Als Risikofaktoren gelten ein höherer Grad an Übergewicht, weibliches Geschlecht, Essanfälle und teilweise ein früher Beginn des Übergewichts.
Wie sich das Körperbild beim Abnehmen verändert
Das Körperbild verbessert sich beim Abnehmen in den meisten Studien deutlich. Wie stark, hängt aber erstaunlich wenig davon ab, wie viel die Waage verliert.
Es wird meist besser, aber nicht im Takt der Waage
Eine Meta-Analyse von Chao aus dem Jahr 2015 hat Abnehmprogramme ausgewertet. Die Unzufriedenheit mit der Körpergröße sank deutlich (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,66; Konfidenzintervall −0,88 bis −0,45), die Körperzufriedenheit stieg (0,74; Konfidenzintervall 0,09 bis 1,38). Die Richtung ist klar, die Größe unsicher: Nur vier Studien flossen in die Meta-Analyse ein, untersucht wurden fast nur Frauen.
Spannender ist eine ältere Einzelstudie von Foster, Wadden und Vogt. 59 Frauen nahmen an einem 48-wöchigen Programm teil und verloren in den ersten 24 Wochen im Schnitt 19,4 kg. Ihr Körperbild verbesserte sich deutlich. Doch die Veränderung im Körperbild hing nicht mit der Höhe der Gewichtsänderung zusammen.
Eine Übersichtsarbeit von Lasikiewicz und Kollegen mit 36 Studien sieht dagegen eine enge Kopplung von Körperbild und Gewichtsänderung. Dieselbe Arbeit zeigt aber, dass psychische Verbesserungen in Abnehmprogrammen teils auch ohne Gewichtsverlust auftraten. Nur neun der 36 Studien hatten eine Kontrollgruppe.
Zusammengenommen: Das Körperbild wird beim Abnehmen fast immer besser, wie stark, ist individuell und nicht proportional zu den Kilos. Ein Teil der Verbesserung kommt offenbar vom Prozess selbst. Was sich in dieser Zeit körperlich verändert, beschreibt unser Artikel darüber, was sich körperlich Woche für Woche verändert. Das Körperbild ist das psychologische Gegenstück dazu.
Warum ein kleines Plus so viel ausmacht
Ein kleiner Wiederanstieg wirkt auf das Körperbild stärker, als die Zahl vermuten lässt. In der Foster-Studie nahmen die Frauen zwischen Woche 24 und 48 wieder etwas zu. Ihr Körperbild verschlechterte sich dabei leicht, aber statistisch signifikant.
Eine Untersuchung von Cash in einem Programm mit sehr kalorienarmer Kost zeigt dasselbe Muster. Die Teilnehmenden verloren im Schnitt 24 Prozent ihres Gewichts, und die meisten Aspekte ihres Körperbilds verbesserten sich deutlich. Ein moderater Wiederanstieg machte einen Teil dieser Gewinne wieder zunichte. Aufschlussreich: Wer sein Körperbild weniger stark verbesserte, brach häufiger ab, unabhängig vom Gewichtsverlust. Einschränkend gilt, dass von anfangs 88 Teilnehmenden am Ende nur 20 ausgewertet werden konnten.
Für den Alltag heißt das: Ein Plus von ein, zwei Kilo nach der Abnahme ist körperlich oft unbedeutend, fühlt sich aber größer an. Wer das Muster kennt, kann einen kleinen Anstieg einordnen, statt ihn als Beweis für das eigene Scheitern zu lesen. Was beim Halten des Gewichts tatsächlich trägt, steht in unserem Ratgeber was beim Gewichthalten nachweislich hilft.

„Ich sehe mich immer noch dick“: was hinter „Phantomfett“ steckt
Das Gefühl, sich nach einer deutlichen Abnahme weiterhin dick zu sehen, ist in der Forschung beschrieben. Es wird aber meist überzeichnet. Im Netz heißt es „Phantomfett“ und wird oft neurologisch erklärt, etwa mit einer „Körperkarte“ im Gehirn. Belastbare Belege dafür gibt es nicht.
Der Fachbegriff lautet „vestigial body image“, also ein zurückbleibendes Körperbild. Die Forschungsgruppe um Thomas Cash hat 1990 beschrieben, dass Figursorgen bei früher übergewichtigen Frauen über die Gewichtsabnahme hinaus bestehen können. Eine Arbeit von 2004 griff das Thema erneut auf. Häufigkeiten oder gesicherte Ursachen liefert diese dünne und alte Forschungslage nicht.
Bemerkenswert ist, dass Cash selbst die Idee später relativiert hat. In seiner Studie von 1994 bietet er ausdrücklich eine „revidierte Perspektive“ auf das Phänomen an, denn in seinen Daten verbesserte sich das Körperbild beim Abnehmen deutlich, statt hartnäckig zurückzubleiben.
Was bedeutet das für dich? Wenn du dich trotz Abnahme noch „dick“ fühlst, bist du damit nicht allein, und es ist kein Beweis, dass mit deiner Wahrnehmung etwas grundsätzlich nicht stimmt. Eine feste Zahl von Monaten, nach denen es verschwindet, gibt es aber nicht. Ansetzen kannst du dort, wo du mit deinem Körper umgehst, und genau darum geht es in den nächsten Abschnitten.
Warum Unzufriedenheit kein guter Antrieb ist
Die Vorstellung, man müsse mit seinem Körper unzufrieden sein, um abzunehmen, hält einer Prüfung nicht stand.
Eine Längsschnittstudie von Neumark-Sztainer und Kollegen hat 2.516 Jugendliche über fünf Jahre begleitet. Geringe Körperzufriedenheit motivierte nicht zu gesundem Gewichtsmanagement. Sie sagte vielmehr mehr Diäten, mehr ungesunde Methoden der Gewichtskontrolle, mehr Essanfälle und weniger körperliche Aktivität voraus, teils auch dann, wenn der BMI herausgerechnet wurde. Für Erwachsene ist die Übertragung plausibel, aber nicht gleichermaßen belegt.
Umgekehrt scheint ein besseres Körperbild beim Abnehmen zu helfen. In einer Studie von Palmeira mit 142 Frauen sagten Verbesserungen der Unzufriedenheit mit der Körpergröße während einer viermonatigen Verhaltenstherapie den Gewichtsverlust nach zwölf Monaten voraus, teilweise unabhängig davon, wie viel die Frauen anfangs abgenommen hatten.
Wichtig ist die Einordnung: Belegt ist, dass ein besseres Körperbild mit besseren Langzeitergebnissen einhergeht. Nicht belegt ist die oft gehörte Regel, man müsse sich erst selbst lieben, bevor man abnehmen könne. Beides kann parallel wachsen. Warum Scham, Druck und abwertende Kommentare beim Abnehmen schaden und welche Übersichtsarbeiten das zeigen, haben wir ausführlich im Artikel über Motivation zusammengefasst: warum Beschämung und Druck beim Abnehmen nachweislich schaden.
Spiegel, Waage, Kleidung: wie Kontrollieren das Körperbild verschlechtert
Häufiges kritisches Kontrollieren des eigenen Körpers verschlechtert das Körperbild. Fachleute nennen das Body-Checking: vor dem Spiegel den Bauch prüfen, in die Haut am Oberarm kneifen, testen, ob die Oberschenkel sich berühren, mehrmals täglich die Hose anprobieren. Das Gegenstück ist Vermeiden: Spiegel, Fotos oder enge Kleidung konsequent umgehen.
Das Spiegel-Experiment
Shafran und Kollegen haben 2007 ein Experiment mit 60 Frauen gemacht, die zufällig auf zwei Bedingungen verteilt wurden. Die eine Gruppe prüfte den eigenen Körper wiederholt kritisch im Spiegel, die andere betrachtete den ganzen Körper neutral. Wer kritisch prüfte, fühlte sich danach unzufriedener und „dicker“. Wer neutral auf den ganzen Körper schaute, fühlte sich weniger „dick“. Die Effekte hielten nicht lange an, und die Schätzung der eigenen Körpergröße änderte sich in keiner Gruppe.
Der Unterschied liegt also nicht darin, ob jemand in den Spiegel schaut, sondern wie. Eine Selbsthilfe-Übung lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Strukturierte Spiegelübungen, in der Fachsprache Spiegelkonfrontation, sind ein Baustein von Psychotherapie. Ein Review von Griffen und Kollegen zeigt, dass die meisten Studien dazu klein oder unkontrolliert sind und dass unerwünschte Ereignisse berichtet wurden. Wenn dich dein Spiegelbild stark belastet, gehören solche Übungen in therapeutische Begleitung.
Checking und Vermeiden in Abnehmprogrammen
Eine Untersuchung von Latner mit 185 Teilnehmenden eines Abnehmprogramms zeigt, dass Body-Checking und Vermeiden dort häufig vorkommen. Beides ging mit größerer Unzufriedenheit, geringerem Selbstwert und stärkerer Angst vor einer Gewichtszunahme einher. Und: Wer mehr kontrollierte, hatte prozentual weniger abgenommen. Als Momentaufnahme beweist die Studie nicht, dass Checking den Gewichtsverlust bremst. Die Intuition, mehr Kontrolle bringe mehr Erfolg, stützt sie aber nicht.
Feste Messtermine statt Dauerkontrolle
Fortschritt zu messen ist sinnvoll. Eine Messung zu einem festgelegten Zeitpunkt liefert eine Information. Das zehnte Abtasten des Bauchs am selben Tag liefert nur neue Zweifel.
Beim Wiegen ist die Lage übrigens entspannter als oft vermutet. Eine Meta-Analyse von Benn und Kollegen fand, dass regelmäßiges Wiegen im Mittel nicht mit schlechterer Stimmung, negativeren Körpereinstellungen oder gestörtem Essverhalten verbunden ist. Es gab aber einen kleinen negativen Zusammenhang mit dem psychischen Befinden, etwa dem Selbstwert, abhängig von Alter und Kontext. Was du tun kannst, wenn das Wiegen selbst zur Belastung wird, steht in unserem Wiege-Ratgeber.
In unserer Stoffwechselkur messen die Teilnehmenden einmal pro Woche Umfänge an Taille, Hüfte und Oberschenkel sowie Gewicht, Körperfett und Muskelanteil und tragen die Werte in eine Kontrolltabelle ein. Das ist ein fester Termin, an dem Fortschritt sichtbar wird, ohne dass täglich kontrolliert werden muss. Rückschläge ordnet die tägliche persönliche WhatsApp-Begleitung durch Magdalena Mathiessen und ihr Team ein. Eines gilt dabei klar: Wer Anzeichen einer Essstörung bei sich bemerkt, für den ist eine kalorienreduzierte Kur nicht der erste Schritt.

Was gegen ein negatives Körperbild belegt hilft
Gegen ein negatives Körperbild helfen vor allem drei Dinge: der Blick auf die Funktion des Körpers, Selbstmitgefühl und weniger idealisierte Körperbilder im Alltag. Alle drei sind in Studien geprüft.
Erst die ehrliche Nachricht: Die Effekte sind klein
Eine Meta-Analyse von Alleva und Kollegen hat eigenständige Körperbild-Interventionen ausgewertet, also Programme, die nur auf das Körperbild zielen. Aus 62 Tests mit insgesamt 3.846 Personen ergab sich eine Verbesserung von d = 0,38. Auch nach Korrektur für nicht veröffentlichte Studien blieb der Effekt zuverlässig, aber klein. Zwölf Techniken waren mit Verbesserungen verbunden, drei erwiesen sich als ungünstig. Körperbild verändert sich langsam.
| Ansatz | Was untersucht wurde | Ergebnis | Wie belastbar |
|---|---|---|---|
| Körperbild-Interventionen allgemein | 62 Tests, 3.846 Personen | d = 0,38, klein, aber zuverlässig | Meta-Analyse randomisierter Studien |
| Funktionsfokus | 81 Frauen mit negativem Körperbild, drei Schreibübungen | kleine bis mittlere Verbesserungen | eine randomisierte Studie, eine Woche Nachbeobachtung |
| Funktionsfokus nach Adipositas-OP | 103 Frauen | in der strengen Auswertung nicht signifikant | eine randomisierte Studie |
| Selbstmitgefühl | 59 Studien | g = 0,39 gegenüber Kontrollgruppen | Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse |
| Idealbilder auf Social Media | Experimente und Längsschnittstudien | Idealbilder verschlechtern moderat (g = −0,61), Nutzungsdauer kaum | Übersichtsarbeit |
Auf die Funktion schauen statt auf das Aussehen
Der Funktionsfokus lenkt den Blick darauf, was der Körper kann: Treppen steigen, ein Kind tragen, tanzen, eine Umarmung spüren, nach einer Wanderung müde und zufrieden sein. In einer randomisierten Studie von Alleva mit 81 Frauen mit negativem Körperbild schrieben die Teilnehmerinnen in drei strukturierten Übungen darüber, was ihr Körper für sie leistet. Danach waren sie zufriedener mit ihrem Aussehen und mit der Funktion ihres Körpers, schätzten ihn mehr wert und betrachteten sich weniger von außen als Objekt, jeweils im Vergleich zu einer aktiven Kontrollgruppe. Die Effekte waren klein bis mittel, die Nachbeobachtung dauerte nur eine Woche.
Für Menschen, die abnehmen, ist die Lage weniger klar. Dieselbe Übung wurde bei 103 Frauen fünf bis sieben Monate nach einer Adipositas-Operation getestet. In der Auswertung derjenigen, die dabeiblieben, verbesserte sich die Körperwertschätzung bis zu drei Monate lang. In der strengeren Auswertung aller Teilnehmerinnen war der Unterschied aber nicht signifikant. Die Autoren sprechen von „nuancierteren“ Effekten. Das ist ein Hinweis, kein Beweis.
Praktisch heißt das: Frag beim Blick auf deinen Körper öfter „Was hat er heute möglich gemacht?“ statt „Wie sieht er heute aus?“. Eine Wunderwirkung solltest du nicht erwarten.
Selbstmitgefühl mit dem eigenen Körper
Selbstmitgefühl bedeutet, mit sich selbst so umzugehen, wie du mit einer guten Freundin umgehen würdest, der es gerade schlecht geht: verständnisvoll statt abwertend, ohne Probleme kleinzureden. Eine Übersichtsarbeit von Turk und Waller zeigt, dass mehr Selbstmitgefühl mit weniger Körperbildsorgen (r = −0,45) und mit einem positiveren Körperbild (r = 0,52) zusammenhängt. Über 59 Studien hinweg verbesserten Selbstmitgefühl-Interventionen das Körperbild stärker als Kontrollbedingungen (g = 0,39).
Konkret kann Selbstmitgefühl heißen, einen harten inneren Satz wie „Du siehst furchtbar aus“ zu bemerken und ihn durch einen fairen zu ersetzen, etwa „Ich bin gerade unzufrieden, und das ist in dieser Phase normal“. Wie sich Selbstmitgefühl auf gewichtsbezogene Scham auswirkt, ordnen wir im Artikel über Motivation beim Abnehmen ein.
Idealbilder im Feed aussortieren
Nicht Social Media an sich verschlechtert das Körperbild, sondern vor allem der Konsum idealisierter Körper. Eine Übersichtsarbeit von de Valle und Kollegen trennt beides sauber. In Experimenten verschlechterte das Betrachten idealisierter Körperbilder das Körperbild moderat (g = −0,61). In Längsschnittstudien war der Zusammenhang zwischen allgemeiner Social-Media-Nutzung und Körperbild dagegen sehr klein.
Ein Review von Holland und Tiggemann zeigt, welche Aktivitäten problematisch sind: Fotos ansehen und hochladen sowie sich beim Aussehen mit anderen vergleichen. Das spricht eher für einen aufgeräumten Feed als für eine Handy-Pause. Accounts, nach deren Beiträgen du dich regelmäßig schlechter fühlst, darfst du stummschalten oder entfolgen.

Body Positivity, Body Neutrality und Abnehmen
Abnehmen und ein positives Körperbild schließen sich nicht aus. Eine wissenschaftliche Übersicht, die beides für unvereinbar erklärt, gibt es nicht.
Body Positivity entstand als Gegenbewegung zu engen Schönheitsidealen. Eine Inhaltsanalyse von Cohen und Kollegen zu Body-Positivity-Accounts auf Instagram fand, dass diese überwiegend vielfältige Körper zeigen und Botschaften senden, die dem wissenschaftlichen Konzept eines positiven Körperbilds entsprechen. Ein Teil der Beiträge bleibt allerdings stark auf das Aussehen fokussiert.
Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) und die Deutsche Gesellschaft für Essstörungen (DGESS) haben sich 2023 in einer gemeinsamen Pressemitteilung für „Body Neutrality“ statt „Body Positivity“ ausgesprochen. Im Vordergrund soll die gesunde Funktion des Körpers stehen, nicht ein Schönheitsideal. Body Positivity erkennen sie als verständliche Schutzreaktion auf Stigmatisierung an. Das ist eine Expertenposition, keine Studie. Body Neutrality als eigenes Konzept ist bislang nicht in kontrollierten Studien untersucht. Am nächsten kommt ihr der oben beschriebene Funktionsfokus.
Wie sieht es mit Ansätzen aus, die ganz auf das Abnehmen verzichten? Eine Übersichtsarbeit von Ulian und Kollegen zu gewichtsneutralen Programmen fand Verbesserungen bei psychischen Endpunkten und beim Essverhalten, die Wirkung auf die Körperbildwahrnehmung war aber uneinheitlich. Im direkten Vergleich mit klassischen Abnehmansätzen fand eine Übersicht von Dugmore und Kollegen nur bei Bulimie-Symptomen einen signifikanten Unterschied, zugunsten der gewichtsneutralen Ansätze.
Die Daten sprechen also weder für „Nur Akzeptanz hilft“ noch für „Nur Abnehmen hilft“. Eine tragfähige Haltung verbindet beides: ein Gewichtsziel aus gesundheitlichen Gründen verfolgen und den Körper dabei nicht zum Feind machen. Was sich gesundheitlich verbessert, ist dabei oft überzeugender als jedes Spiegelbild, dazu mehr in unserem Artikel darüber, was sich gesundheitlich schon ab fünf Prozent verändert.
Wenn nach großem Gewichtsverlust Haut bleibt
Nach einem sehr großen Gewichtsverlust kann überschüssige Haut zum neuen Körperbild-Thema werden. Ein Review von Ivezaj und Grilo zu Adipositas-Operationen zeigt, dass sich Teile des Körperbilds nach dem Eingriff verbessern, überschüssige Haut aber ein häufiges neues Problem ist. Die Forschung dazu ist lückenhaft und betrifft vor allem den chirurgischen Großverlust. Sprich die Möglichkeiten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt durch.
Wann es mehr ist als Unzufriedenheit
Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist für sich genommen keine Krankheit. In zwei Bereichen ist fachliche Hilfe aber wichtig.
Die körperdysmorphe Störung ist eine übermäßige Beschäftigung mit eingebildeten oder geringfügigen Makeln, die starkes Leid verursacht oder den Alltag beeinträchtigt. Betroffene verbringen oft Stunden täglich damit, kontrollieren wiederholt im Spiegel oder meiden Situationen. Die Störung zählt zu den Zwangsspektrumsstörungen, die kognitive Verhaltenstherapie ist die Behandlung der Wahl. Eine Übersichtsarbeit von Veale und Kollegen schätzt die Häufigkeit bei Erwachsenen in der Allgemeinbevölkerung auf etwa 1,9 Prozent, bei Jugendlichen auf 2,2 Prozent.
Essstörungen wie Magersucht und Bulimie gehen mit einer gestörten Wahrnehmung und Bewertung des eigenen Körpers einher. Diagnostik und Behandlung regelt in Deutschland die S3-Leitlinie Essstörungen. Wenn Essen vor allem dazu dient, Gefühle zu regulieren, findest du Hintergründe in unserem Artikel zum Thema wenn Essen vor allem Gefühle reguliert.
Einen Selbsttest bieten wir hier bewusst nicht an. Wenn du dich hier wiederfindest, sprich mit deiner Hausarztpraxis oder einer Psychotherapiepraxis.
Häufige Fragen
Was versteht man unter Körperbild?
Das Körperbild beschreibt, wie du deinen Körper wahrnimmst, was du über ihn denkst, was du dabei fühlst und wie du dich deshalb verhältst, etwa beim Kontrollieren im Spiegel. Ein positives Körperbild ist mehr als das Fehlen von Unzufriedenheit: Es umfasst Wertschätzung für den eigenen Körper und ein breites Verständnis von Schönheit.
Warum fühle ich mich nach dem Abnehmen immer noch dick?
Weil sich das Körperbild nicht proportional zum Gewicht verändert. In einer Studie mit 59 Frauen hing seine Verbesserung nicht davon ab, wie viel jemand abgenommen hatte. Dass Figursorgen über die Abnahme hinaus bestehen können, ist beschrieben. Wie häufig das ist und warum, ist kaum untersucht.
Verbessert Abnehmen automatisch das Körperbild?
Meistens verbessert es sich, aber nicht automatisch und nicht im gleichen Maß wie das Gewicht. Eine Meta-Analyse fand in Abnehmprogrammen weniger Unzufriedenheit mit der Körpergröße. Ein Teil der Verbesserung tritt schon ohne Gewichtsverlust auf, und ein kleiner Wiederanstieg kann das Körperbild messbar verschlechtern.
Wie kann ich ein negatives Körperbild verbessern?
Am besten belegt sind drei Ansätze: auf das schauen, was der Körper kann, statt nur auf sein Aussehen; Selbstmitgefühl; und weniger idealisierte Körperbilder im eigenen Feed. Dazu kommt, das ständige Abchecken im Spiegel zu verringern. Die Effekte sind real, aber eher klein.
Passen Body Positivity und Abnehmen zusammen?
Wissenschaftlich spricht nichts dafür, dass Abnehmen und ein positives Körperbild unvereinbar sind. Die deutschen Fachgesellschaften für Adipositas und Essstörungen empfehlen als Expertenposition „Body Neutrality“: Im Vordergrund steht die gesunde Funktion des Körpers, nicht ein Schönheitsideal.
Was ist Body Neutrality?
Body Neutrality bedeutet, den eigenen Körper nicht ständig bewerten zu müssen, weder negativ noch betont positiv, und stattdessen auf seine Funktion zu achten. DAG und DGESS haben sich 2023 dafür ausgesprochen. Als eigenes Konzept ist Body Neutrality noch nicht in kontrollierten Studien untersucht.
Wie oft sollte ich mich beim Abnehmen im Spiegel kontrollieren oder messen?
Eine feste Zahl gibt die Forschung nicht vor. Klar ist die Richtung: Wiederholtes kritisches Abchecken verschlechterte in einem Experiment die Zufriedenheit, und in einem Abnehmprogramm ging mehr Checking mit weniger Gewichtsverlust einher. Ein fester Messtermin, etwa einmal pro Woche, ist die bessere Wahl.
Ab wann ist ein negatives Körperbild eine Störung, und wo bekomme ich Hilfe?
Wenn die Beschäftigung mit dem Aussehen viel Zeit kostet, starkes Leid verursacht oder den Alltag einschränkt, oder wenn Essen, Hungern oder Erbrechen zur Gewichtskontrolle dienen, gehört das in fachliche Hände: Hausarztpraxis, Psychotherapiepraxis oder das Infotelefon Essstörungen des BIÖG unter 0221 892031.
Weiterlesen
- Was beim Abnehmen im Körper passiert: Woche für Woche
- Motivation zum Abnehmen: warum sie überschätzt wird
- Gewicht halten nach der Diät: was nachweislich hilft
- Richtig wiegen: Wann, wie oft und was die Waage wirklich zeigt
- Warum abnehmen? Was sich ab 5, 10 und 15 % wirklich ändert
Quellen
- Tylka TL, Wood-Barcalow NL. What is and what is not positive body image? Body Image 2015;14:118–129. PMID 25921657.
- Schwartz MB, Brownell KD. Obesity and body image. Body Image 2004;1(1):43–56. PMID 18089140.
- Chao HL. Body image change in obese and overweight persons enrolled in weight loss intervention programs: a systematic review and meta-analysis. PLoS One 2015;10(5):e0124036. PMID 25946138.
- Lasikiewicz N et al. Psychological benefits of weight loss following behavioural and/or dietary weight loss interventions. Appetite 2014;72:123–137. PMID 24075862.
- Foster GD et al. Body image in obese women before, during, and after weight loss treatment. Health Psychol 1997;16(3):226–229. PMID 9152700.
- Cash TF. Body image and weight changes in a multisite comprehensive very-low-calorie diet program. Behav Ther 1994;25(2):239–254. DOI 10.1016/S0005-7894(05)80286-2.
- Cash TF et al. Current and vestigial effects of overweight among women. J Psychopathol Behav Assess 1990;12:157–167. DOI 10.1007/BF00960765.
- Annis NM et al. Body image and psychosocial differences among stable average weight, currently overweight, and formerly overweight women. Body Image 2004;1:155–167. DOI 10.1016/j.bodyim.2003.12.001.
- Neumark-Sztainer D et al. Does body satisfaction matter? J Adolesc Health 2006;39(2):244–251. PMID 16857537.
- Palmeira AL et al. Change in body image and psychological well-being during behavioral obesity treatment. Body Image 2010;7(3):187–193. PMID 20409769.
- Shafran R et al. An experimental analysis of body checking. Behav Res Ther 2007;45(1):113–121. PMID 16542638.
- Latner JD. Body checking and avoidance among behavioral weight-loss participants. Body Image 2008;5(1):91–98. PMID 18405867.
- Griffen TC et al. Mirror exposure therapy for body image disturbances and eating disorders: a review. Clin Psychol Rev 2018;65:163–174. PMID 30223161.
- Benn Y et al. What is the psychological impact of self-weighing? A meta-analysis. Health Psychol Rev 2016;10(2):187–203. PMID 26742706.
- Alleva JM et al. A meta-analytic review of stand-alone interventions to improve body image. PLoS One 2015;10(9):e0139177. PMID 26418470.
- Alleva JM et al. Expand Your Horizon. Body Image 2015;15:81–89. PMID 26280376.
- Alleva JM et al. Beyond body size: focusing on body functionality after bariatric surgery. Behav Ther 2023;54(1):14–28. PMID 36608971.
- Turk F, Waller G. Is self-compassion relevant to the pathology and treatment of eating and body image concerns? Clin Psychol Rev 2020;79:101856. PMID 32438284.
- de Valle MK et al. Social media, body image, and the question of causation. Body Image 2021;39:276–292. PMID 34695681.
- Holland G, Tiggemann M. A systematic review of the impact of the use of social networking sites on body image and disordered eating outcomes. Body Image 2016;17:100–110. PMID 26995158.
- Cohen R et al. #bodypositivity: a content analysis of body positive accounts on Instagram. Body Image 2019;29:47–57. PMID 30831334.
- Ulian MD et al. Effects of health at every size interventions: a systematic review. Obes Rev 2018;19(12):1659–1666. PMID 30261553.
- Dugmore JA et al. Effects of weight-neutral approaches compared with traditional weight-loss approaches. Nutr Rev 2020;78(1):39–55. PMID 31393568.
- Ivezaj V, Grilo CM. The complexity of body image following bariatric surgery. Obes Rev 2018;19(8):1116–1140. PMID 29900655.
- Veale D et al. Body dysmorphic disorder in different settings. Body Image 2016;18:168–186. PMID 27498379.
- Deutsche Adipositas-Gesellschaft. Pressemitteilung vom 28.09.2023: Experten plädieren für „Body Neutrality“ statt „Body Positivity“.
- MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Körperdysmorphe Störung (BDD), zuletzt überprüft Januar 2026.
- AWMF-Register 051-026: S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen.
- BIÖG: Infotelefon Essstörungen, Telefonberatung (Abruf 21.09.2026). TelefonSeelsorge (Abruf 21.09.2026).
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Er stellt keine Diagnose. Wenn dich Gedanken an deinen Körper stark belasten, dein Alltag darunter leidet oder du Essen, Hungern oder Erbrechen zur Kontrolle deines Gewichts einsetzt, hole dir bitte fachliche Hilfe. Alle genannten Studienergebnisse sind Durchschnittswerte aus Untersuchungsgruppen und nicht auf den Einzelfall übertragbar.








