Aminosäuren sind die Bausteine, aus denen Eiweiß besteht. Beim Abnehmen zählt vor allem eines: genug Eiweiß insgesamt, damit im Kaloriendefizit möglichst wenig Muskulatur verloren geht. Einzelne Aminosäuren als Kapsel oder Pulver leisten dabei nach heutigem Stand nicht mehr als das Eiweiß, das ohnehin auf dem Teller liegt — häufig weniger. Für einzelne Aminosäuren wie BCAA oder Leucin gibt es in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Für Eiweiß gibt es sie.
Das ist eine unspektakuläre Antwort auf eine Frage, die im Netz sehr spektakulär beantwortet wird. „Abnehmen mit Aminosäuren" ist ein gut verkauftes Versprechen. Was davon trägt und was nicht, steht hier — zusammen mit den Aminosäurenprofilen unserer eigenen Produkte, damit du siehst, worüber wir reden.
Inhalt
- Was Aminosäuren sind
- Essenziell, nicht essenziell, bedingt essenziell
- Helfen Aminosäuren beim Abnehmen?
- Muskelerhalt in der Diätphase: der eigentliche Hebel
- Wie viel Eiweiß und woher
- Was in unseren Produkten steckt
- Die einzelnen Aminosäuren im Überblick
- Einnahme und Timing
- Nebenwirkungen und wer aufpassen sollte
- Aus der Beratungspraxis
- Häufige Fragen
Was Aminosäuren sind
Aminosäuren sind kleine Moleküle, die der Körper zu Eiweiß zusammensetzt. Zwanzig von ihnen baut der Mensch in seine Proteine ein. Eiweiß aus der Nahrung wird im Verdauungstrakt wieder in diese Bausteine zerlegt — und aus ihnen entsteht anschließend körpereigenes Eiweiß: Muskulatur, Enzyme, Hormone, Antikörper, Haut, Haare.
Damit ist auch schon der wichtigste Punkt gesagt: Aminosäuren und Eiweiß sind nicht zwei verschiedene Dinge. Wer Eiweiß isst, isst Aminosäuren. Ein Steak, ein Becher Magerquark und eine Portion Linsen liefern dieselben Bausteine wie eine Kapsel — nur in anderen Mengenverhältnissen und in einer Menge, die kein Kapselpräparat erreicht.
Die Begriffe Eiweiß und Protein meinen übrigens dasselbe. „Protein" ist das Fachwort, „Eiweiß" das deutsche Alltagswort. Mit dem Eiweiß im Ei hat beides nur den Namen gemeinsam.
Essenziell, nicht essenziell, bedingt essenziell
Neun der zwanzig Aminosäuren kann der erwachsene Körper nicht selbst herstellen. Sie heißen essenziell und müssen über die Nahrung kommen. Die übrigen kann er bei Bedarf selbst bilden — solange genug Ausgangsmaterial da ist.
| Gruppe | Aminosäuren | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| Essenziell | Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan, Valin | Müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Fehlt eine, begrenzt sie den Aufbau von körpereigenem Eiweiß. |
| Bedingt essenziell | unter anderem Arginin, Cystein, Glutamin, Glycin, Prolin, Tyrosin | Kann der Körper normalerweise selbst bilden. In besonderen Situationen — schwere Erkrankung, starke Belastung — kann der Bedarf die Eigenproduktion übersteigen. |
| Nicht essenziell | unter anderem Alanin, Asparaginsäure, Glutaminsäure, Serin | Werden vom Körper aus anderen Bausteinen hergestellt. Ein Mangel über die Ernährung ist praktisch kein Thema. |
Aus dieser Einteilung folgt der Begriff der Proteinqualität: Ein Eiweiß ist umso wertvoller, je besser sein Muster an essenziellen Aminosäuren zu dem passt, was der Körper braucht. Tierisches Eiweiß trifft dieses Muster meist gut. Pflanzliches Eiweiß hat je nach Quelle eine begrenzende Aminosäure — bei Getreide typischerweise Lysin, bei Hülsenfrüchten Methionin. Kombiniert man beide, gleicht sich das weitgehend aus. Wie das in der Praxis funktioniert, steht in unserem Beitrag zu Sojaprotein und pflanzlichen Alternativen.
Helfen Aminosäuren beim Abnehmen?
Eiweiß hilft beim Abnehmen — das ist gut belegt. Einzelne Aminosäuren als Nahrungsergänzung tun es nach heutigem Stand nicht. Der Unterschied ist keine Wortklauberei, sondern der Kern der Sache: Was wirkt, ist die Menge an Eiweiß über den Tag, nicht ein einzelner Baustein in einer Kapsel.
Eiweiß wirkt beim Abnehmen über drei Wege, und alle drei brauchen relevante Mengen:
Sättigung
Evidenz A Eiweiß sättigt von allen drei Hauptnährstoffen am stärksten und am längsten. Wer eiweißbetont isst, nimmt über den Tag in der Regel von selbst weniger Kalorien auf — ohne bewusst zu verzichten. Das ist der praktisch wichtigste Effekt und der Grund, warum eine Diätphase mit genug Eiweiß leichter durchzuhalten ist.
Höherer Energieaufwand bei der Verdauung
Evidenz A Der Körper braucht Energie, um Nährstoffe zu verarbeiten. Bei Eiweiß gehen dabei grob 20 bis 30 Prozent der zugeführten Energie wieder verloren, bei Kohlenhydraten rund 5 bis 10, bei Fett nur wenige Prozent. Real, aber begrenzt: Über den Tag summiert sich das auf eine Größenordnung, die eine Diät unterstützt und keine ersetzt.
Schutz der Muskulatur
Evidenz A Im Kaloriendefizit verliert der Körper nicht nur Fett, sondern auch Muskulatur. Ausreichend Eiweiß zusammen mit Krafttraining verschiebt dieses Verhältnis deutlich zugunsten des Fetts. Das ist der Punkt, an dem sich entscheidet, wie das Ergebnis am Ende aussieht — und ob es hält.
Und was ist mit den Kapseln? Die naheliegende Idee lautet: Wenn Eiweiß aus Aminosäuren besteht, müsste ein Präparat aus reinen Aminosäuren dasselbe leisten, nur konzentrierter. In der Praxis scheitert das an der Menge.
Warum die Rechnung nicht aufgeht
- Die Dosis ist zu klein. Ein typisches Aminosäurenpräparat liefert wenige Gramm pro Tag. Zum Vergleich: Eine Portion Magerquark bringt rund 30 Gramm Eiweiß, also 30 Gramm Aminosäuren.
- Unvollständig hilft wenig. Für den Aufbau von körpereigenem Eiweiß werden alle essenziellen Aminosäuren gleichzeitig gebraucht. Präparate mit nur zwei oder drei davon liefern eine Auswahl, kein vollständiges Muster.
- Sättigung entsteht nicht. Eine Kapsel hat kein Volumen und keine nennenswerte Nährstoffmenge. Der wichtigste Abnehmeffekt von Eiweiß fällt damit weg.
- Es gibt keine zugelassene Angabe. In der EU dürfen nur geprüfte gesundheitsbezogene Aussagen verwendet werden. Für BCAA, Leucin, Glutamin oder Arginin steht keine in der Unionsliste. Für Eiweiß stehen drei darin.
Was die EU für Eiweiß zugelassen hat: „Eiweiß trägt zu einer Zunahme an Muskelmasse bei", „Eiweiß trägt zur Erhaltung von Muskelmasse bei" und „Eiweiß trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei". Alle drei stehen in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Für keine einzelne Aminosäure gibt es ein Gegenstück. Wer Werbung liest, in der einer bestimmten Aminosäure eine Abnehmwirkung zugeschrieben wird, liest eine unzulässige Aussage.
Muskelerhalt in der Diätphase: der eigentliche Hebel
Hier liegt der Punkt, an dem Aminosäuren beim Abnehmen tatsächlich zählen — nur eben als Bestandteil von ausreichend Eiweiß und nicht als Präparat. Wer im Defizit zu wenig Eiweiß isst, verliert einen größeren Anteil Muskulatur. Und Muskulatur ist das Gewebe, das den Energieverbrauch mitträgt.
Der Zusammenhang ist unangenehm zirkulär: Weniger Muskulatur bedeutet einen niedrigeren Grundumsatz, ein niedrigerer Grundumsatz bedeutet ein kleineres Defizit bei gleicher Essensmenge, und am Ende steht ein Ergebnis, das sich schlechter halten lässt. Genau deshalb ist Eiweiß in einer Diätphase kein Zusatz, sondern die Grundlage. Mehr dazu steht unter Eiweiß und Muskelaufbau und im Beitrag zum Grundumsatz.
In diesem Zusammenhang taucht regelmäßig eine bestimmte Aminosäure auf: Leucin. Sie gilt als der stärkste einzelne Auslöser für den Aufbau von Muskeleiweiß, und in der Fachliteratur wird eine Größenordnung von etwa zwei bis drei Gramm Leucin je Mahlzeit diskutiert, ab der dieser Reiz weitgehend ausgereizt ist.
Wichtige Einordnung: Diese Schwelle ist ein Argument für eiweißreiche Mahlzeiten — nicht für Leucinkapseln. Leucin allein löst den Vorgang zwar aus, aber der Körper braucht anschließend alle übrigen Bausteine, um daraus tatsächlich Eiweiß zu bauen. Ein Startsignal ohne Baumaterial verpufft. Wer die Menge über eine normale eiweißreiche Mahlzeit abdeckt, bekommt beides.
Wie viel Eiweiß und woher
Wie viel du persönlich brauchst, hängt von Körpergewicht, Alter, Aktivität und davon ab, ob du gerade abnimmst. Unser Eiweißrechner gibt dir einen konkreten Ausgangswert, die Hintergründe stehen auf der Seite zu Eiweiß beim Abnehmen. Was ein Molkenprotein davon abdecken kann und was nicht, steht unter Whey Protein: Wirkung und Einnahme. Wie sich das Eiweiß gegenüber Kohlenhydraten und Fett einordnet, steht unter Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett: die richtige Verteilung.
Woher es kommt, ist im Alltag die praktischere Frage:
| Lebensmittel | Eiweiß je 100 g | Anmerkung |
|---|---|---|
| Hähnchenbrust | ca. 23 g | fettarm, sehr gutes Aminosäurenmuster |
| Magerquark | ca. 12 g | große Portionen üblich, dadurch hohe Gesamtmenge |
| Harzer Käse | ca. 29 g | der Spitzenreiter unter den Milchprodukten |
| Seelachs | ca. 18 g | fettarm |
| Ei | ca. 13 g | rund 7 g je Ei |
| Linsen, gekocht | ca. 9 g | begrenzend ist Methionin, gut mit Getreide kombinierbar |
| Tofu | ca. 15 g | vollständiges Muster |
Wer diese Mengen über den Tag zusammenbekommt, braucht kein Aminosäurenpräparat. Wer sie nicht zusammenbekommt — weil Zeit, Appetit oder Alltag dagegenstehen — löst das eher über eine eiweißreiche Mahlzeit als über Kapseln.
Was in unseren Produkten steckt
Weil die meisten Anbieter über Aminosäuren schreiben, ohne Zahlen zu nennen, stellen wir unsere hier hin. Beide Profile stammen aus den Analysen unserer Rohstoffe und sind auf 100 Gramm Eiweiß bezogen — so lassen sich Eiweißquellen unabhängig von der Portionsgröße vergleichen.
| Aminosäure je 100 g Eiweiß | DailyWhey | DailyShake |
|---|---|---|
| Histidin * | 1,9 g | 2,6 g |
| Isoleucin * | 6,0 g | 4,8 g |
| Leucin * | 11,1 g | 8,0 g |
| Lysin * | 9,3 g | 6,3 g |
| Methionin * | 2,1 g | 1,3 g |
| Phenylalanin * | 3,2 g | 5,3 g |
| Threonin * | 6,4 g | 3,9 g |
| Tryptophan * | 1,8 g | 1,3 g |
| Valin * | 5,5 g | 4,9 g |
| Alanin | 4,8 g | 4,2 g |
| Arginin | 2,8 g | 7,5 g |
| Asparaginsäure | 10,7 g | 11,1 g |
| Cystein | 2,4 g | 1,3 g |
| Glutaminsäure | 16,9 g | 19,3 g |
| Glycin | 1,8 g | 4,2 g |
| Prolin | 5,4 g | 5,3 g |
| Serin | 4,9 g | 5,1 g |
| Tyrosin | 3,0 g | 3,7 g |
| Essenzielle gesamt | 47,2 g | 38,4 g |
| BCAA (Isoleucin, Leucin, Valin) | 22,6 g | 17,7 g |
Die beiden Profile unterscheiden sich deutlich, und das ist kein Zufall: DailyWhey besteht aus Molkenproteinkonzentrat und -isolat und liegt bei den verzweigtkettigen Aminosäuren vorn. Der DailyShake enthält Milch- und Sojabestandteile und bringt dafür mehr Arginin und Glycin mit. Zwei Produkte für zwei verschiedene Zwecke.
Je 30-Gramm-Portion DailyWhey mit 22,4 Gramm Eiweiß ergeben sich daraus rund 10,6 Gramm essenzielle Aminosäuren, 5,1 Gramm BCAA und 2,5 Gramm Leucin — also genau die Größenordnung, die oben als Schwelle beschrieben ist.
Für den DailyShake rechnen wir bewusst keine Aminosäuremengen je Portion aus. Er wird mit 300 Millilitern Milch angerührt, und rund die Hälfte des Eiweißes einer fertigen Portion stammt damit aus der Milch und nicht aus dem Pulver. Die Werte je 100 Gramm Eiweiß bleiben davon unberührt, eine Portionsangabe wäre irreführend. Was in der Portion steckt, ist dafür eindeutig: 19,7 Gramm Eiweiß bei 248 Kilokalorien, dazu 4,2 Gramm Ballaststoffe und 24 Vitamine und Mineralstoffe.
Zur Einordnung des Chemical Score: Für den DailyShake liegt ein Chemical Score von 152 vor, bezogen auf das Referenzprotein der FAO und WHO von 1985. Ein Wert über 100 bedeutet, dass gegenüber diesem Referenzmuster keine Aminosäure begrenzend wirkt. Zwei Dinge gehören dazu: Der Chemical Score berücksichtigt die Verdaulichkeit nicht, und das Referenzmuster von 1985 ist nicht mehr der aktuelle Stand — die FAO empfiehlt seit 2013 das DIAAS-Verfahren. Die Zahl ist aussagekräftig, aber sie ist keine Bestnote nach heutiger Methodik.
Eiweiß ist der Baustein, auf dem unsere Kur aufgebaut ist. In der Stoffwechselkur wird die Eiweißmenge individuell berechnet statt pauschal vorgegeben, und die persönliche Betreuung durch unsere Ernährungsberatung ist enthalten. Wie der Ablauf aussieht, steht unter Stoffwechselkur Ablauf.
Die einzelnen Aminosäuren im Überblick
Zu einigen Aminosäuren gibt es eigene Präparate und entsprechend viele Versprechen. Hier die nüchterne Einordnung, jeweils mit Verweis auf den ausführlichen Beitrag.
BCAA
Evidenz B Die drei verzweigtkettigen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin. Sie sind sinnvolle Bestandteile eines vollständigen Eiweißes — als isoliertes Präparat neben ausreichender Eiweißzufuhr ist ein zusätzlicher Nutzen nicht belegt. Ausführlich: BCAA für den Muskelaufbau.
EAA
Evidenz B Präparate mit allen neun essenziellen Aminosäuren. Gegenüber BCAA haben sie den logischen Vorteil, das vollständige Muster zu liefern. Gegenüber einer eiweißreichen Mahlzeit haben sie den Nachteil der kleinen Menge und der fehlenden Sättigung. Ausführlich: EAA – essenzielle Aminosäuren.
Leucin
Evidenz B Der stärkste einzelne Auslöser für den Aufbau von Muskeleiweiß, aber ohne die übrigen Bausteine wirkungslos. Sinnvoll als Bestandteil einer Mahlzeit, nicht als Ersatz dafür. Ausführlich: Die Aminosäure Leucin.
L-Glutamin
Evidenz C Die im Körper mengenmäßig häufigste Aminosäure, bedingt essenziell. Bei Gesunden mit normaler Ernährung ist ein Zusatznutzen durch Präparate nicht belegt. Ausführlich: L-Glutamin: Wirkung und Einnahme.
Arginin
Evidenz C Bedingt essenziell, Ausgangsstoff für Stickstoffmonoxid. Wird häufig mit Durchblutung und Leistung beworben; eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es nicht. Im DailyShake ist der Anteil mit 7,5 Gramm je 100 Gramm Eiweiß natürlicherweise hoch.
Einnahme und Timing
Die Gesamtmenge über den Tag ist deutlich wichtiger als der Zeitpunkt. Das oft beschworene enge Zeitfenster nach dem Training gilt heute als überbewertet — wer über den Tag verteilt genug Eiweiß isst, hat den relevanten Teil erledigt.
Was sich trotzdem lohnt: die Menge einigermaßen gleichmäßig auf die Mahlzeiten zu verteilen, statt fast alles am Abend zu essen. Drei bis vier Mahlzeiten mit jeweils relevanter Eiweißmenge sind praktikabler und für den Muskelerhalt sinnvoller als eine große Portion.
Für die Praxis heißt das: Wenn morgens bisher nur ein Brötchen auf dem Tisch stand, ist dort der größte Hebel — nicht im Timing eines Präparats.
Nebenwirkungen und wer aufpassen sollte
Eiweiß aus normalen Lebensmitteln ist für gesunde Erwachsene unproblematisch. Bei hoch dosierten Einzelpräparaten sieht es anders aus, und einige Personengruppen sollten grundsätzlich ärztlich abklären:
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
- Nierenerkrankungen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird die Eiweißmenge ärztlich festgelegt. Eigenständige Erhöhung ist hier nicht angezeigt.
- Lebererkrankungen. Der Abbau von Aminosäuren läuft wesentlich über die Leber.
- Phenylketonurie. Bei dieser angeborenen Stoffwechselerkrankung muss Phenylalanin streng begrenzt werden — betroffen sind damit alle eiweißreichen Produkte.
- Schwangerschaft und Stillzeit. Der Eiweißbedarf ist erhöht, hoch dosierte Einzelpräparate sind dafür aber nicht der Weg.
- Gicht und erhöhte Harnsäure. Hier kommt es auf die Auswahl der Eiweißquellen an, weniger auf die Menge insgesamt.
Bei hohen Mengen isolierter Aminosäuren sind außerdem Magen-Darm-Beschwerden möglich. Ein weiterer, selten genannter Punkt: Einzelne Aminosäuren konkurrieren beim Transport miteinander. Sehr hohe Dosen einer einzelnen können die Aufnahme anderer beeinträchtigen — ein Argument mehr für vollständiges Eiweiß statt isolierter Bausteine.
Aus der Beratungspraxis
Aminosäurenpräparate begegnen uns in den Kurgruppen regelmäßig, und meistens in derselben Konstellation.
Das Präparat ersetzt die Mahlzeit nicht, soll es aber. Wer morgens nichts isst und stattdessen Kapseln nimmt, hat keine Eiweißversorgung, sondern ein gutes Gewissen. Die Menge, um die es geht, steht auf dem Teller, nicht in der Dose.
Gekauft wird, was am lautesten beworben wird. BCAA sind bekannter als EAA, obwohl das vollständige Muster die logischere Wahl wäre. Wer sich schon für ein Präparat entschieden hat, sollte wenigstens das nehmen, das alle neun liefert.
Die eigentliche Lücke liegt woanders. Wenn wir ein Ernährungsprotokoll durchgehen, fehlt fast nie eine bestimmte Aminosäure — es fehlt Eiweiß insgesamt, meistens beim Frühstück. Diese Lücke schließt keine Kapsel, sondern ein Quark, ein Ei oder ein Shake.
Die häufigste Frage lautet, welches Aminosäurenpräparat das beste ist. Die ehrliche Antwort ist fast immer: keins — iss zum Frühstück etwas mit Eiweiß.
Häufige Fragen
Helfen Aminosäuren beim Abnehmen?
Nicht als einzelnes Präparat. Was beim Abnehmen hilft, ist eine ausreichende Eiweißmenge insgesamt — sie sättigt, erhöht den Energieaufwand der Verdauung leicht und schützt zusammen mit Krafttraining die Muskulatur im Kaloriendefizit. Für einzelne Aminosäuren gibt es in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe, für Eiweiß gibt es drei.
Was ist der Unterschied zwischen Aminosäuren und Eiweiß?
Aminosäuren sind die Bausteine, Eiweiß ist das daraus zusammengesetzte Molekül. Wer Eiweiß isst, nimmt Aminosäuren auf — der Körper zerlegt das Eiweiß bei der Verdauung wieder in seine Bausteine. Es sind also nicht zwei verschiedene Nährstoffe.
Wie viele essenzielle Aminosäuren gibt es?
Neun für den erwachsenen Menschen: Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan und Valin. Sie müssen über die Nahrung aufgenommen werden, weil der Körper sie nicht selbst herstellen kann.
Sind BCAA oder EAA besser?
EAA sind die logischere Wahl, weil sie alle neun essenziellen Aminosäuren enthalten. BCAA liefern nur drei davon, und für den Aufbau von körpereigenem Eiweiß werden alle gebraucht. Neben einer ausreichenden Eiweißzufuhr ist für beide kein zusätzlicher Nutzen belegt.
Wann sollte man Aminosäuren einnehmen?
Die Gesamtmenge über den Tag ist wichtiger als der Zeitpunkt. Das enge Zeitfenster nach dem Training gilt heute als überbewertet. Sinnvoll ist, die Eiweißmenge einigermaßen gleichmäßig über drei bis vier Mahlzeiten zu verteilen, statt fast alles abends zu essen.
Wie viel Leucin steckt in einer Portion DailyWhey?
Rund 2,5 Gramm je 30-Gramm-Portion mit 22,4 Gramm Eiweiß. In der Fachliteratur wird eine Größenordnung von zwei bis drei Gramm Leucin je Mahlzeit als der Bereich diskutiert, ab dem der Reiz auf den Aufbau von Muskeleiweiß weitgehend ausgereizt ist. Dazu kommen rund 5,1 Gramm BCAA und 10,6 Gramm essenzielle Aminosäuren.
Haben Aminosäuren Nebenwirkungen?
Eiweiß aus normalen Lebensmitteln ist für Gesunde unproblematisch. Hoch dosierte Einzelpräparate können Magen-Darm-Beschwerden verursachen, und sehr hohe Dosen einer einzelnen Aminosäure können die Aufnahme anderer beeinträchtigen. Bei Nieren- oder Lebererkrankungen, Phenylketonurie sowie in Schwangerschaft und Stillzeit gehört die Eiweißzufuhr ärztlich abgestimmt.
Reichen pflanzliche Eiweißquellen aus?
Ja, wenn man kombiniert. Einzelne pflanzliche Quellen haben eine begrenzende Aminosäure — bei Getreide meist Lysin, bei Hülsenfrüchten Methionin. Zusammen gleicht sich das weitgehend aus. Soja liefert als eine der wenigen pflanzlichen Quellen bereits allein ein vollständiges Muster.
Was bedeutet ein Chemical Score von 152?
Der Chemical Score vergleicht die begrenzende essenzielle Aminosäure eines Eiweißes mit einem Referenzmuster — hier dem der FAO und WHO von 1985. Ein Wert über 100 bedeutet, dass gegenüber diesem Muster keine Aminosäure begrenzend wirkt. Er sagt allerdings nichts über die Verdaulichkeit aus, und das Referenzmuster von 1985 ist nicht mehr der aktuelle Stand.
Fazit
Aminosäuren sind beim Abnehmen wichtig — aber nicht als Produktkategorie, sondern als das, was sie sind: die Bausteine von Eiweiß. Der Hebel liegt bei der Menge, die über den Tag zusammenkommt, und nicht bei einer Kapsel mit drei ausgewählten Bausteinen.
Wer wissen will, ob eine Eiweißquelle taugt, schaut auf ihr Muster an essenziellen Aminosäuren. Genau deshalb stehen unsere Profile oben in voller Länge. Und wer sich fragt, ob ein Präparat nötig ist, sollte zuerst eine einfachere Frage beantworten: Wie viel Eiweiß liegt eigentlich beim Frühstück auf dem Tisch?
Quellen
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben, Einträge zu Eiweiß
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel
- FAO/WHO: Energy and protein requirements, Referenzmuster 1985; FAO: Dietary protein quality evaluation in human nutrition (DIAAS), 2013
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Protein- und Aminosäurenzufuhr
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Bewertungen zu gesundheitsbezogenen Angaben für einzelne Aminosäuren
- Analysedaten und Herstellerangaben der VitalBodyPLUS GmbH zu DailyWhey und DailyShake
Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene Tagesdosis darf nicht überschritten werden. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Nieren- oder Lebererkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie Phenylketonurie, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei der Einnahme von Medikamenten sollte die Eiweißzufuhr ärztlich abgestimmt werden.







