L-Glutamin: Wirkung und Einnahme - VitalBodyPLUS.de

L-Glutamin: Wirkung, Nebenwirkungen und was belegt ist

L-Glutamin ist die häufigste freie Aminosäure im Körper. Der Organismus stellt selbst 40 bis 80 Gramm täglich her, über die Nahrung kommen im Mittel knapp 7 Gramm dazu. Als bedingt essenziell gilt Glutamin nur in Ausnahmesituationen wie schwerer Erkrankung. Für gesunde Menschen und Sportler ist ein Nutzen einer zusätzlichen Einnahme nicht belegt, und eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe existiert in der EU nicht.

Dieser Artikel enthält zwei Dinge, die auf keiner deutschen Seite zu diesem Thema stehen: die große Intensivstudie mit einem Sterblichkeitssignal, die den Blick auf Glutamin in der Medizin verändert hat – und die Erklärung, warum in Nährwerttabellen gar kein Glutamin steht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Körper produziert 40 bis 80 Gramm Glutamin am Tag. Die übliche Nahrungszufuhr liegt bei rund 6,8 Gramm.
  • Für Muskelaufbau, Kraft und Regeneration ist kein Nutzen belegt. Eine Auswertung über 25 Studien fand weder beim Immunsystem noch bei Ausdauer oder Körperzusammensetzung einen Effekt.
  • In der größten Intensivstudie starben mehr Patienten unter Glutamin – bei einer Dosis, die etwa das Fünf- bis Zehnfache üblicher Nahrungsergänzung betrug.
  • Die europäischen Leitlinien raten mit dem höchsten Empfehlungsgrad davon ab, kritisch Kranken mit Organversagen Glutamin zu geben.
  • „Glutaminsäure" in Nährwerttabellen ist nicht Glutamin. Der Analyseschritt zerstört Glutamin und rechnet es dem Glutamat zu.
  • Einen definierten Glutaminmangel bei Gesunden gibt es nicht – weder einen Referenzwert noch einen validierten Test.

Was Glutamin ist

Glutamin ist eine der zwanzig proteinbildenden Aminosäuren. In Nahrungsergänzungsmitteln steht immer L-Glutamin – das ist die im Körper vorkommende Form. Die spiegelbildliche D-Form spielt in der menschlichen Ernährung keine Rolle.

Glutamin ist nicht Glutaminsäure Die beiden werden ständig verwechselt, und das hat einen technischen Grund. Bei der Aminosäureanalyse wird das Protein mit Säure aufgespalten; dabei verliert Glutamin seine Amidgruppe und wird zu Glutaminsäure. In Nährwerttabellen taucht deshalb nur „Glutaminsäure" auf – und dieser Wert enthält das ursprüngliche Glutamin bereits mit. Aus einem Tabellenwert lässt sich der Glutamingehalt nicht herauslesen.

Was „bedingt essenziell" bedeutet

Essenzielle Aminosäuren muss der Körper über die Nahrung bekommen, nicht essenzielle stellt er selbst her. Glutamin gehört in eine dritte Gruppe: Er kann es selbst herstellen, aber unter bestimmten Belastungen reicht die Eigenproduktion möglicherweise nicht aus. Diskutiert wird das für schwere Erkrankungen, ausgedehnte Verbrennungen und schwere Operationen – nicht für Training, Alltag oder eine Diät.

Die Größenordnungen machen das deutlich: Der Körper produziert täglich 40 bis 80 Gramm Glutamin. Über die Nahrung kommen in einer großen Erhebung im Mittel 6,84 Gramm hinzu. Eine typische Portion aus dem Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 5 Gramm.Lenders et al. 2009; Cruzat et al. 2018

Glasschale mit feinem weißem Pulver, daneben ein Messlöffel und ein Glas Wasser auf einer Schieferplatte

Was Glutamin im Körper tut

Die Funktionen sind unstrittig und gut beschrieben. Sie sind auch der Grund, warum die Substanz so attraktiv wirkt – nur folgt aus einer wichtigen Funktion nicht automatisch ein Nutzen der Zusatzgabe.

  • Stickstofftransport. Glutamin transportiert Stickstoff zwischen den Organen und ist am Abtransport von Ammoniak beteiligt.
  • Energiequelle für schnell teilende Zellen. Darmschleimhautzellen und Immunzellen nutzen Glutamin bevorzugt als Brennstoff.
  • Baustein für Glutathion, ein körpereigenes antioxidatives System.
  • Säure-Basen-Haushalt. Die Niere baut Glutamin ab und gibt dabei Ammoniak zur Säureausscheidung frei.
  • Glukoneogenese. Glutamin ist eine Ausgangssubstanz für die körpereigene Zuckerneubildung.

Dass ein Stoff im Körper wichtig ist, sagt nichts darüber aus, ob eine zusätzliche Zufuhr etwas bringt. Bei einer Aminosäure, die der Körper selbst in Mengen von 40 bis 80 Gramm täglich herstellt, liegt die Beweislast bei dem, der einen Zusatznutzen behauptet.

Glutamin bei Gesunden und im Sport

Das ist die Frage, die die meisten hierher führt. Die Studienlage ist ungewöhnlich eindeutig – nur eben nicht in die erhoffte Richtung.

Was bei Gesunden und Sportlern untersucht wurde.
Anwendung Ergebnis
Muskelaufbau und Kraft kein Effekt
Körperzusammensetzung kein Effekt
Immunfunktion nach Belastung kein Effekt
Ausdauerleistung kein Effekt
Glykogenspeicher wieder auffüllen kein Vorteil gegenüber Kohlenhydraten allein
Muskelkater uneinheitlich

Die aussagekräftigste Einzelstudie zum Muskelaufbau gab über sechs Wochen 0,9 Gramm Glutamin je Kilogramm fettfreier Masse täglich – bei 60 Kilogramm fettfreier Masse sind das rund 54 Gramm am Tag, also das Zehnfache einer üblichen Portion. Kraft und Muskelmasse entwickelten sich nicht anders als unter Placebo.Candow et al. 2001

Eine systematische Auswertung über 25 Studien kam zum selben Ergebnis für Immunfunktion, Ausdauerleistung und Körperzusammensetzung.Ramezani Ahmadi et al. 2019

Die „Open-Window"-Erzählung

Hinter dem Immunargument steht die Vorstellung, nach intensiver Ausdauerbelastung falle der Glutaminspiegel und öffne ein Zeitfenster für Infekte. Inzwischen wird bereits die zugrunde liegende Annahme in der Fachliteratur infrage gestellt – und unabhängig davon verbesserte Glutamin in den Studien die untersuchten Immunparameter nicht.

Darm, Reizdarm und „Leaky Gut"

Dass Glutamin ein bevorzugter Brennstoff der Darmschleimhaut ist, stimmt. Daraus wird häufig ein Versprechen für die Darmgesundheit bei Gesunden abgeleitet, und dafür fehlt die Grundlage.

Ein bemerkenswerter Befund dazu: Die deutsche S3-Leitlinie zum Reizdarmsyndrom erwähnt Glutamin auf über 200 Seiten kein einziges Mal als Therapieoption.S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom

Es gibt einzelne Studien zu Glutamin bei Reizdarm mit postinfektiösem Verlauf, aber die Datenlage reicht nicht aus, um daraus eine Empfehlung abzuleiten – und schon gar nicht eine für Menschen ohne Beschwerden. Zur Vorstellung eines durchlässigen Darms als Ursache allgemeiner Beschwerden gilt dasselbe wie generell: Eine erhöhte Durchlässigkeit ist bei bestimmten Erkrankungen dokumentiert, ob sie diese verursacht oder ihre Folge ist, ist offen.

Was die Medizin gelernt hat

Dieser Abschnitt steht hier, weil er die Bewertung der ganzen Substanz verändert hat – und weil er in keinem der Ratgeber vorkommt, die Glutamin bewerben.

Die REDOXS-Studie

1.223 kritisch kranke Erwachsene mit Multiorganversagen an 40 Intensivstationen in Kanada, den USA und Europa. Glutamin wurde früh gegeben, gleichzeitig intravenös und über die Sonde, insgesamt rund 0,6 bis 0,8 Gramm je Kilogramm Körpergewicht täglich.

Ergebnis: Die Sterblichkeit nach 28 Tagen lag bei 32,4 Prozent gegenüber 27,2 Prozent ohne Glutamin. Im Krankenhaus und nach sechs Monaten war die Sterblichkeit unter Glutamin signifikant höher. Auf Organversagen und Infektionen hatte Glutamin keinen Einfluss.

Heyland et al., NEJM 2013

Was daraus folgt – und was ausdrücklich nicht:

  • Es folgt: Die Annahme, Glutamin sei eine harmlose Aminosäure nach dem Motto „viel hilft viel", ist widerlegt. Und die klinischen Leitlinien haben sich geändert.
  • Es folgt nicht: dass ein gesunder Erwachsener mit 5 Gramm Pulver ein Sterberisiko eingeht. Population, Dosis, Verabreichungsweg und Ausgangszustand sind grundverschieden – die Studiendosis lag beim Fünf- bis Zehnfachen je Kilogramm.
Eine Studie, die oft falsch zitiert wird Eine zweite Intensivstudie zeigte ebenfalls ein Sterblichkeitssignal, wird aber regelmäßig als Glutamin-Befund zitiert. Dort wurde eine Mischformel aus Glutamin, Omega-3-Fettsäuren, Selen und Antioxidantien geprüft. Die Nachanalyse ordnete das Signal statistisch nicht dem Glutamin zu, sondern dem frühen Anstieg der Omega-3-Fettsäuren.

Zwei weitere große Untersuchungen runden das Bild ab. Bei stabilen chirurgischen Intensivpatienten ohne Organversagen war parenterales Glutamin sicher, veränderte aber die Behandlungsergebnisse nicht. Und bei 1.209 Patienten mit schweren Verbrennungen – der lange als bestbelegt geltenden Indikation – verkürzte enterales Glutamin die Zeit bis zur Entlassung nicht.Ziegler et al. 2016; RE-ENERGIZE, NEJM 2022

Die europäischen Fachgesellschaften ziehen daraus in ihren aktuellen Leitlinien zur klinischen Ernährung klare Konsequenzen: Bei kritisch kranken Patienten mit Organversagen, Leber- oder Nierenversagen soll parenterales Glutamin nicht gegeben werden – mit dem höchsten Empfehlungsgrad. Für die orale Zufuhr bei stabilen Patienten geben sie ausdrücklich weder eine Empfehlung dafür noch dagegen ab.ESPEN-Leitlinien

Person hält eine weiße Nahrungsergänzungsmitteldose und liest das Etikett auf der Rückseite

Nebenwirkungen und Mengen

Für gesunde Erwachsene gilt eine Aufnahme von bis zu 14 Gramm L-Glutamin täglich als beobachtete sichere Menge. Diese Zahl stammt aus einer Risikobewertung, die weder eine schädliche noch eine unschädliche Schwelle bestimmen konnte, weil in den Humanstudien kein systematisches Muster unerwünschter Wirkungen auftrat. Sie ist damit ausdrücklich keine empfohlene Dosis und kein behördlicher Grenzwert.Shao & Hathcock 2008

Kurzfristig wurden auch deutlich höhere Mengen ohne Auffälligkeiten vertragen: einmalige Gaben von 20 bis 30 Gramm, und in einer Untersuchung nahmen Sportler 14 Tage lang täglich 28 Gramm ein, ohne dass Schäden berichtet wurden.

Was dabei offen bleibt Praktisch alle Sicherheitsdaten stammen aus kurzen Untersuchungen an kleinen Gruppen. Eine Fachübersicht formuliert genau diese Lücke: Es gebe viele Wirksamkeitsstudien, aber sehr wenige Studien mit Sicherheit als eigentlichem Ziel, und der chronische Konsum durch gesunde Menschen aller Altersgruppen sei nicht ausreichend untersucht.

Eine Übersichtsarbeit zu möglichen Folgen dauerhaft hoher Zufuhr – gemeint sind rund 40 Gramm täglich – nennt mehrere theoretisch begründete Punkte. Der für ein Sportpublikum interessanteste: Eine hohe Glutaminzufuhr verschiebt das Aminosäureprofil im Blut und senkt dabei unter anderem die Spiegel der verzweigtkettigen Aminosäuren Valin, Leucin und Isoleucin. Das sind mechanistische Überlegungen und keine in Studien nachgewiesenen Schäden – aber sie stehen auf keiner der Seiten, die Glutamin bewerben.Holeček 2013

Wer vorsichtig sein sollte

Bei diesen Gruppen gehört die Einnahme ärztlich abgestimmt.
Gruppe Grund
Nierenerkrankungen Die Niere ist der Hauptort des Glutaminabbaus zu Ammoniak
Lebererkrankungen Die Leber entgiftet Ammoniak; Glutamin wird zu Glutamat und Ammoniak abgebaut
Störungen des Harnstoffzyklus Glutamin ist ein Ammoniakträger
Epilepsie Glutamin ist Vorstufe des erregenden Botenstoffs Glutamat – ein Vorsichtsgrund, kein belegtes Risiko
Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche keine Daten

Behördlich dokumentierte Nebenwirkungen einer oralen Glutamintherapie – erhoben bei einer ganz anderen Patientengruppe und in therapeutischer Dosierung – sind Verstopfung, Übelkeit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Husten sowie Schmerzen in Extremitäten, Rücken und Brust.

Weder in der EU noch in Deutschland gibt es eine behördlich festgelegte Höchstmenge für Glutamin. Das ist kein Freibrief, sondern Ausdruck einer dünnen Datenlage.

Gibt es einen Glutaminmangel?

Als eigenständiges Krankheitsbild bei gesunden Menschen: nein. Es existiert kein Referenzwert für die Glutaminzufuhr, kein validierter Labortest für einen Mangel und keine anerkannte Symptomliste. Was im Netz als Mangelsymptome kursiert – Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Verdauungsbeschwerden, Muskelabbau –, ist so unspezifisch, dass es auf fast jede Ursache passt.

Was es tatsächlich gibt, ist etwas völlig anderes: ein angeborener Defekt des Enzyms, das Glutamin herstellt. Er ist weltweit bei einer Handvoll Kindern beschrieben und verläuft schwer. Mit dem, was im Netz „Glutaminmangel" genannt wird, hat er nichts zu tun.

Niedrige Glutaminspiegel im Blut sind bei schwerer Erkrankung beschrieben. Sie sind dort allerdings eher ein Anzeichen für die Schwere der Erkrankung als eine behandelbare Ursache – und die Intensivstudien oben zeigen, dass das Auffüllen nicht half.

Rindersteak, zwei Eier, ein Block Tofu, ein Glas Milch und eine Schale Hüttenkäse auf einem dunklen Holzbrett

Glutamin in Lebensmitteln

Weil Nährwerttabellen nur Glutaminsäure ausweisen, sind belastbare Glutaminwerte selten. Eine Arbeitsgruppe hat sie aus den Proteinsequenzen der Lebensmittel berechnet und gegen die biochemische Referenzmethode geprüft.

Berechnete Glutamingehalte, in Gramm je 100 Gramm Lebensmittel.
Lebensmittel Eiweiß Glutamin
Rindfleisch 25,9 g 1,23 g
Tofu 6,6 g 0,60 g
Ei 12,6 g 0,56 g
Mais 2,5 g 0,41 g
Reis, weiß 2,7 g 0,30 g
Magermilch 3,4 g 0,28 g

Über alle untersuchten Lebensmittel reichte die Spanne von 0,01 Gramm je 100 Gramm bei Apfelsaft bis 9,49 Gramm bei Weizenkeimen. Bezogen auf das Eiweiß liegt der Glutaminanteil bei Fleisch und Ei bei rund 4 bis 5 Prozent, bei Milchprotein bei rund 8 Prozent und bei Weizenprotein deutlich höher.Lenders et al. 2009

Wichtig zur Einordnung: Diese Werte sind aus Proteinsequenzen berechnet, nicht direkt gemessen. Die Prüfung gegen die Referenzmethode fiel für Fleisch und Milchprotein gut aus.

Wer täglich rund 100 Gramm Eiweiß isst, nimmt darüber je nach Auswahl grob 5 bis 8 Gramm Glutamin auf – ungefähr so viel wie eine Portion Pulver. Und der Körper stellt daneben das Zehnfache selbst her.

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Häufige Fragen

Was ist die Wirkung von L-Glutamin?

Glutamin transportiert Stickstoff, dient Darm- und Immunzellen als Energiequelle, ist Baustein für Glutathion und beteiligt sich am Säure-Basen-Haushalt der Niere. Diese Funktionen sind unstrittig. Ein Nutzen einer zusätzlichen Einnahme bei gesunden Menschen ist dagegen nicht belegt, und eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe existiert in der EU nicht.

Wofür ist L-Glutamin gut?

Medizinisch untersucht ist Glutamin vor allem bei schwerer Erkrankung, Verbrennungen, Kurzdarmsyndrom und Sichelzellkrankheit. Für Muskelaufbau, Regeneration, Immunfunktion und Darmgesundheit bei Gesunden fanden kontrollierte Studien keinen Effekt.

Welche Nebenwirkungen hat L-Glutamin?

Für gesunde Erwachsene gilt eine Aufnahme bis 14 Gramm täglich als beobachtete sichere Menge; kurzfristig wurden auch 20 bis 30 Gramm ohne Auffälligkeiten vertragen. Behördlich dokumentiert sind bei therapeutischer Anwendung Verstopfung, Übelkeit, Kopfschmerzen, Bauch-, Rücken- und Brustschmerzen sowie Husten. Langzeitdaten für gesunde Menschen fehlen weitgehend.

Wie viel L-Glutamin am Tag?

Eine begründete Empfehlung für gesunde Menschen gibt es nicht, weil kein Nutzen belegt ist. Zur Einordnung: Der Körper stellt täglich 40 bis 80 Gramm selbst her, über die Nahrung kommen im Mittel rund 6,8 Gramm dazu. Als beobachtete sichere Menge für Erwachsene gelten 14 Gramm täglich.

Gibt es einen L-Glutamin-Mangel?

Bei gesunden Menschen ist ein Glutaminmangel nicht definiert. Es existiert weder ein Referenzwert für die Zufuhr noch ein validierter Test noch eine anerkannte Symptomliste. Niedrige Glutaminspiegel sind bei schwerer Erkrankung beschrieben, dort aber eher Ausdruck der Erkrankung als eine behandelbare Ursache.

Hilft L-Glutamin beim Muskelaufbau?

Nein. In einer kontrollierten Studie über sechs Wochen mit rund 54 Gramm täglich entwickelten sich Kraft und Muskelmasse nicht anders als unter Placebo. Eine Auswertung über 25 Studien fand ebenfalls keinen Effekt auf die Körperzusammensetzung.

Wo ist L-Glutamin enthalten?

In allen eiweißreichen Lebensmitteln. Berechnete Werte liegen bei Rindfleisch bei rund 1,2 Gramm je 100 Gramm, bei Tofu bei 0,60, bei Ei bei 0,56 und bei Magermilch bei 0,28 Gramm. Nährwerttabellen weisen allerdings nur „Glutaminsäure" aus – dieser Wert enthält das Glutamin bereits, lässt sich aber nicht danach aufschlüsseln.

Ist L-Glutamin gefährlich?

Für gesunde Erwachsene sind in üblichen Mengen keine Schäden dokumentiert. In einer Studie an 1.223 kritisch kranken Patienten mit Multiorganversagen war eine früh begonnene, sehr hohe Gabe allerdings mit höherer Sterblichkeit verbunden. Die dortige Dosis lag beim Fünf- bis Zehnfachen üblicher Nahrungsergänzung, und die Patienten waren schwerstkrank – auf Gesunde lässt sich das nicht übertragen.

Weiterlesen

Was essenzielle Aminosäuren leisten und wo der Unterschied zu BCAA liegt, steht im Beitrag zu EAA. Wie Molkenprotein einzuordnen ist, erklärt der Ratgeber zu Whey Protein, und wie viel Eiweiß insgesamt sinnvoll ist, steht unter Nährstoffverteilung.

Quellen

  • Lenders CM et al. Evaluation of a novel food composition database that includes glutamine and other amino acids derived from gene sequencing data. Eur J Clin Nutr 2009;63:1433–1439.
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  • Candow DG et al. Effect of glutamine supplementation combined with resistance training in young adults. Eur J Appl Physiol 2001;86:142–149.
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  • Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom, AWMF 021-016.
  • Verordnung (EU) Nr. 432/2012, konsolidierte Fassung, Anhang; EU-Register für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung. Stellungnahme Nr. 052/2019 zu isolierten verzweigtkettigen Aminosäuren.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Bei Nieren- oder Lebererkrankungen, bei Störungen des Harnstoffwechsels, bei Epilepsie sowie in Schwangerschaft und Stillzeit gehört die Einnahme von Aminosäurepräparaten ärztlich abgestimmt. Die genannten Studienergebnisse stammen überwiegend aus Untersuchungsgruppen mit besonderen Voraussetzungen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf einzelne Personen übertragen.