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Meditation: Wirkung, Nebenwirkungen & Einstieg – was belegt ist

Meal Prep: Wie lange hält vorgekochtes Essen wirklich? Du liest Meditation: Wirkung, Nebenwirkungen & Einstieg – was belegt ist 20 Minuten Weiter Rauchen aufhören und abnehmen: was wirklich funktioniert

Meditation kann messbar etwas: Achtsamkeitsprogramme verringern Angst, depressive Beschwerden und chronische Schmerzen und senken bei wiederkehrender Depression im Rahmen einer Behandlung das Rückfallrisiko. Die Effekte sind im fairen Vergleich klein bis moderat und nicht größer als die anderer aktiver Behandlungen. Aufs Gewicht wirkt Meditation in randomisierten Studien nicht nachweislich. Unangenehme Erfahrungen sind häufig, meist vorübergehend und selten anhaltend. Der sicherste Einstieg: kurze, angeleitete Einheiten, regelmäßig über mehrere Wochen.

Hier findest du die Wirkungsbilanz über alle Endpunkte hinweg, die Nebenwirkungen mit echten Zahlen und Risikofaktoren und einen Einstieg, der sich an Studien orientiert statt an Versprechen.

Das Wichtigste in Kürze

  • In 142 klinischen Stichproben mit 12.005 Teilnehmenden war Achtsamkeit besser als keine Behandlung (d = 0,55) und gleichwertig mit evidenzbasierten Therapien (d = −0,004), aber nicht besser.
  • Bei wiederkehrender Depression senkte die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie das Rückfallrisiko über 60 Wochen (Hazard Ratio 0,69) – als Teil einer Behandlung, nicht als Selbsthilfe.
  • Das Gehirn „wächst“ nicht in acht Wochen: Das bislang größte kontrollierte Experiment mit 218 Teilnehmenden fand keine strukturellen Veränderungen.
  • In zwölf randomisierten Studien mit Übergewicht hatte Achtsamkeitstraining keinen signifikanten Effekt aufs Gewicht.
  • Unangenehme Erfahrungen: je nach Fragemethode 3,7 bis 50 Prozent der Meditierenden, eine Beeinträchtigung über mindestens einen Monat bei 1,2 Prozent.
  • 13 Minuten täglich wirkten in einer kleinen Studie nach acht, nicht nach vier Wochen. Regelmäßigkeit zählt mehr als Minuten.

Was Meditation ist – und welche Formen es gibt

Meditation ist ein Sammelbegriff für Übungen, bei denen du deine Aufmerksamkeit bewusst lenkst: auf den Atem, den Körper, ein Wort oder alles, was gerade auftaucht.

Die wichtigsten Formen

  • Fokussierte Aufmerksamkeit: Du hältst die Aufmerksamkeit bei einem Anker, meist dem Atem, und kehrst zurück, sobald die Gedanken abschweifen.
  • Offenes Gewahrsein: Du beobachtest Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen, ohne einen festen Anker.
  • Mantra-Meditation: Ein Wort oder eine Silbe wird innerlich wiederholt und dient als Anker. Dazu gehört die Transzendentale Meditation.
  • Body-Scan: Die Aufmerksamkeit wandert systematisch durch den Körper, meist im Liegen.
  • Mitgefühlsmeditation (Metta): Du richtest bewusst wohlwollende Wünsche an dich selbst und an andere.
  • Bewegte Meditation: Gehmeditation, achtsames Yoga oder Qigong verbinden Aufmerksamkeit mit Bewegung. Wer lieber in Bewegung übt, findet in unserem Beitrag über Yoga zum Abnehmen, was die Studien dazu hergeben.

Meditation, Achtsamkeit, MBSR, MBCT: die Begriffe auseinanderhalten

Achtsamkeit bezeichnet eine Haltung: das Gegenwärtige wahrnehmen, ohne es sofort zu bewerten. Achtsamkeitsmeditation ist eine Übungsform, um diese Haltung zu trainieren. MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction, achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) ist ein standardisiertes achtwöchiges Gruppenprogramm mit Body-Scan, Sitzmeditation und achtsamer Bewegung. MBCT (Mindfulness-Based Cognitive Therapy) verbindet dieses Programm mit Elementen der kognitiven Verhaltenstherapie und wurde für Menschen mit wiederkehrender Depression entwickelt. Die meisten belastbaren Studien untersuchen genau diese Programme.

Was Meditation nachweislich kann

Meditationsprogramme haben messbare, aber begrenzte Effekte. Das zeigt sich, sobald Studien sie nicht mit „nichts tun“ vergleichen, sondern mit anderen aktiven Maßnahmen.

Angst, Depression und Schmerz: klein bis moderat

Die meistzitierte Übersichtsarbeit wertete 47 randomisierte Studien mit 3.515 Teilnehmenden aus, ausgewählt aus 18.753 Zitaten. Gegenüber aktiven Kontrollgruppen verbesserten Achtsamkeitsprogramme Angst, depressive Beschwerden und Schmerz, jeweils mit moderater Evidenz. Beim Schmerz lag die Effektstärke bei 0,33. Wie sich die Effekte auf Stress und Angst verkleinern, sobald fair verglichen wird, haben wir im Beitrag zu Stress und Abnehmen aufgeschlüsselt.Goyal 2014

Für chronische Schmerzen bestätigt eine eigene Auswertung von 30 randomisierten Studien eine kleine Schmerzreduktion gegenüber allen Kontrollen, bei niedriger Qualität der Evidenz. Eine Schmerztherapie ersetzt Meditation nicht.Hilton 2017

Über psychische Erkrankungen hinweg zeigt eine Metaanalyse mit 142 Stichproben und 12.005 Teilnehmenden ein klares Stufenbild: Achtsamkeit war besser als keine Behandlung (d = 0,55), besser als unspezifische aktive Kontrollen (0,35) und als spezifische aktive Kontrollen (0,23) – und gleichwertig mit evidenzbasierten Therapien (d = −0,004). Am konsistentesten waren die Befunde bei Depression, Schmerz, Rauchen und Sucht.Goldberg 2018

Rückfallschutz bei wiederkehrender Depression

Der stärkste klinische Befund betrifft die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie. Eine Auswertung der Einzeldaten von 1.258 Patientinnen und Patienten aus neun Studien zeigt: Wer an wiederkehrender Depression litt und MBCT erhielt, hatte über 60 Wochen ein geringeres Rückfallrisiko (Hazard Ratio 0,69). Auch gegenüber anderen aktiven Behandlungen einschließlich Antidepressiva schnitt MBCT besser ab (Hazard Ratio 0,79).Kuyken 2016

Wichtig zur Einordnung. Der Befund gilt für ein Therapieprogramm im Rahmen einer Behandlung, nicht für Meditation auf eigene Faust, und ist kein Grund, Medikamente abzusetzen. Sprich MBCT mit deiner behandelnden Ärztin oder Psychotherapeutin ab.

Gesunde Erwachsene im Alltag

Für Menschen ohne Diagnose ist eine Metaanalyse von 136 randomisierten Studien mit 11.605 Teilnehmenden die beste Quelle. Gegenüber keiner Intervention gingen Angst (SMD −0,56), depressive Beschwerden (−0,53) und psychische Belastung zurück, das Wohlbefinden stieg (0,33). Gegenüber spezifischen aktiven Kontrollen, etwa Bewegungsprogrammen, zeigte sich keine Überlegenheit. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz reichte von moderat bis sehr niedrig, und die Prognoseintervalle schlossen null ein. Übersetzt: Bei manchen Programmen und Gruppen ist mit keinem Effekt zu rechnen.Galante 2021

Blutdruck und Herz: möglicher Nutzen, schwache Daten

Für die Transzendentale Meditation fand eine Metaanalyse von zwölf randomisierten Studien mit 996 Teilnehmenden eine Senkung des Blutdrucks um etwa 4,3 mmHg systolisch und 2,3 mmHg diastolisch gegenüber Kontrollen. Die Autoren weisen selbst auf mögliche Verzerrungen hin.Bai 2015 Die American Heart Association bewertet Qualität und Menge der Daten als bescheiden und hält Meditation als Ergänzung zu einer leitliniengerechten Behandlung für erwägenswert, nicht als Ersatz.Levine 2017

Schlaf: hilft, aber nicht besser als eine Schlaftherapie

In 18 randomisierten Studien mit 1.654 Teilnehmenden verbesserte Achtsamkeitsmeditation die Schlafqualität gegenüber unspezifischen aktiven Kontrollen (Effektstärke 0,33 direkt nach dem Programm, 0,54 im Follow-up). Gegenüber spezifischen Verfahren wie evidenzbasierten Schlaftherapien gab es keinen Unterschied (0,03).Rusch 2019 Bei anhaltenden Schlafstörungen ist nicht Meditation die erste Wahl, sondern eine kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie. Mehr dazu unter Schlafprobleme: was wirklich hilft.

Endpunkt Befund Verglichen mit Evidenz
Chronischer Schmerz kleine Linderung (ES 0,33) aktiven Kontrollen moderat bis niedrig
Psychische Erkrankungen gesamt gleichwertig (d = −0,004) evidenzbasierten Therapien gut belegt
Rückfall bei wiederkehrender Depression (MBCT) geringeres Risiko (HR 0,69) Kontrollen; auch gegenüber aktiven Behandlungen (HR 0,79) gut belegt
Schlafqualität verbessert (0,33), aber kein Vorteil (0,03) unspezifischen bzw. spezifischen Kontrollen begrenzt
Blutdruck (Transzendentale Meditation) −4,3/−2,3 mmHg Kontrollen begrenzt, Verzerrung möglich
Gehirnstruktur nach 8 Wochen MBSR keine Veränderung Warteliste und aktiver Kontrolle gut belegt
Körpergewicht kein signifikanter Effekt Kontrollen in 12 RCTs gut belegt

Frau meditiert im Schneidersitz auf einem Kissen in einem hellen Wohnzimmer

Was Meditation nicht kann

Meditation ist kein Wundermittel, und einige der populärsten Behauptungen halten einer Prüfung nicht stand. Das liegt auch daran, dass die Forschung lange methodisch schwach war: In einer frühen Metaanalyse mussten knapp drei Viertel von 595 Studien wegen methodischer Mängel ausgeschlossen werden, übrig blieben 163.Sedlmeier 2012 Forschende aus dem Feld selbst haben später vor unklaren Begriffen und einem Hype gewarnt.Van Dam 2018

Keiner anderen aktiven Behandlung überlegen

Weder die große Übersichtsarbeit von 2014 noch die Metaanalyse von 2018 fand Hinweise, dass Meditationsprogramme besser wirken als andere aktive Behandlungen wie Medikamente, Bewegung oder andere Verhaltenstherapien.Goyal 2014; Goldberg 2018 Die Aussage „Meditation wirkt wie ein Antidepressivum“ ist deshalb eine unzulässige Verallgemeinerung. Belegt ist für MBCT ein Rückfallschutz bei wiederkehrender Depression, der im Behandlungsrahmen mit Antidepressiva mithält – mehr nicht.

Das Gehirn „wächst“ nicht in acht Wochen

Viele Seiten schreiben, Meditation vergrößere die graue Substanz oder verdicke die Hirnrinde. Das bislang größte, streng kontrollierte Experiment widerspricht: In zwei kombinierten randomisierten Studien mit 218 Teilnehmenden, verglichen mit Warteliste und aktiver Kontrollgruppe, veränderte ein achtwöchiges MBSR-Programm weder Volumen noch Dichte der grauen Substanz noch die Dicke der Hirnrinde. Bemerkenswert: Die Studie stammt aus einem Labor, das selbst seit Jahrzehnten Meditation erforscht.Kral 2022

„Meditation senkt Cortisol“ stimmt nur für bestimmte Gruppen

Eine Metaanalyse fand einen mittleren Effekt auf Cortisol im Blut nur in Risikogruppen, etwa bei körperlich Erkrankten. In Speichelproben aus 21 Studien war der Effekt klein und nicht signifikant.Koncz 2021 Die beliebte Kette „Meditation senkt Cortisol, dadurch schmilzt Bauchfett“ hat keinen Beleg. Warum die Aussage zu pauschal ist, erklärt unser Artikel über Cortisol.

Meditation und Abnehmen: was sie beitragen kann – und was nicht

Meditation ist kein Abnehmwerkzeug. In randomisierten Studien zeigt sie keinen gesicherten Effekt aufs Körpergewicht, und die große Übersichtsarbeit von 2014 fand für Essgewohnheiten, Schlaf und Gewicht entweder geringe Evidenz für keinen Effekt oder unzureichende Daten.Goyal 2014

Eine Metaanalyse von zwölf randomisierten Studien mit Menschen mit Übergewicht oder Adipositas kommt zum selben Ergebnis: kein signifikanter Effekt auf den Gewichtsverlust. Wohl aber auf Verhalten, nämlich impulsives Essen (d = −1,13), Essanfälle (d = −0,90) und körperliche Aktivität (d = 0,42). Diese Verhaltenseffekte stammen allerdings aus kleinen Studien.Ruffault 2017

Die ehrlichste Einzelzahl liefert der bislang größte Versuch: 194 Erwachsene mit Adipositas absolvierten ein Diät- und Bewegungsprogramm, die Hälfte zusätzlich ein Achtsamkeitstraining über 5,5 Monate. Der Gewichtsunterschied betrug 1,9 Kilogramm nach 12 und 1,7 Kilogramm nach 18 Monaten, statistisch nicht signifikant. Signifikant sank nach 18 Monaten die Nüchternglukose (−4,1 mg/dl), Taillenumfang und Blutdruck unterschieden sich nicht.Daubenmier 2016 Tendenz ja, Nachweis nein.

Warum „3 Kilo weniger durch Meditation“ täuscht

Eine häufig zitierte Metaanalyse von 19 Studien mit 1.160 Teilnehmenden berichtet im Mittel 6,8 Pfund (etwa 3,1 Kilogramm) Gewichtsverlust am Programmende und 7,5 Pfund im Follow-up. Ein Beleg ist das nicht: Es sind Vorher-nachher-Werte ganzer Programme, die oft einen Diätanteil enthielten, kein Vergleich mit einer Kontrollgruppe.Carrière 2018

Wo Achtsamkeit beim Essen ansetzen kann

Achtsamkeit kann den Umgang mit Essen verändern, auch wenn die Waage davon nicht zuverlässig profitiert. Wogegen sie beim Essverhalten hilft und wogegen nicht, steht im Artikel über Frustessen. Den Vergleich zwischen achtsamem Essen und klassischen Diätprogrammen findest du im Beitrag über Yoga zum Abnehmen.

Wer abnehmen möchte, braucht vor allem eine Ernährungsstruktur, die trägt. Die Stoffwechselkur von VitalBodyPLUS arbeitet mit individuell berechnetem Bedarf, einem festen Ablauf, einer echten Stabilisierungsphase und enthaltener Ernährungsberatung – begleitet täglich und persönlich per WhatsApp von Ernährungsberaterin Magdalena Mathiessen und ihrem Team.

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Mann sitzt aufrecht am Fenster mit geschlossenen Augen und macht eine kurze Atempause bei der Arbeit

Nebenwirkungen: wie häufig, wie ernst, wen es trifft

Unangenehme Erfahrungen beim Meditieren sind häufig, meist vorübergehend und selten anhaltend. Sie treten auch bei Menschen ohne psychische Vorgeschichte auf. Weder „völlig risikofrei“ noch „macht psychisch krank“ trifft die Datenlage. Wie ernst das Thema ist, zeigt ein deutsches Regelwerk: Die Zertifizierungskriterien der gesetzlichen Krankenkassen verlangen von Kursleitungen im Yoga und Qigong Kenntnisse über Meditationstechniken „mit Hauptwirkungen, möglichen Nebenwirkungen und Kontraindikationen“.GKV-Spitzenverband 2026

Die Zahlen: 3,7 bis 50 Prozent, je nachdem, wie gefragt wird

Ein systematischer Review von 83 Studien mit 6.703 Meditierenden fand in 65 Prozent der Studien mindestens eine unerwünschte Wirkung. Die Häufigkeit lag insgesamt bei 8,3 Prozent (95-%-Konfidenzintervall 5 bis 12 Prozent), in experimentellen Studien bei 3,7 Prozent, in Beobachtungsstudien bei 33,2 Prozent. Am häufigsten waren Angst, depressive Symptome und kognitive Auffälligkeiten, seltener Magen-Darm-Beschwerden und suizidales Verhalten.Farias 2020 Die große Spanne erklärt sich vor allem dadurch, wie aktiv die Studien nachfragen.

Das zeigt auch eine repräsentative US-Stichprobe von 434 Menschen mit Meditationserfahrung:

  • Auf die allgemeine Frage nach einer Nebenwirkung antworteten 32,3 Prozent mit Ja, bei Nachfrage zu einzelnen Erfahrungen nannten 50 Prozent mindestens eine.
  • 10,4 Prozent erlebten eine Nebenwirkung, die mindestens einen Monat anhielt.
  • Eine Beeinträchtigung im Alltag berichteten 10,6 Prozent, über mindestens einen Monat 1,2 Prozent.
  • Betroffene waren mit ihrer Meditationspraxis genauso zufrieden wie Nichtbetroffene.

Belastende Kindheitserfahrungen erhöhten das Risiko.Goldberg 2022

In achtwöchigen MBCT-Programmen befragten unabhängige Untersucher 96 Teilnehmende strukturiert. 83 Prozent erlebten mindestens einen meditationsbezogenen Effekt, 58 Prozent einen unangenehmen, 37 Prozent einen mit negativem Einfluss auf den Alltag. Anhaltende negative Effekte traten bei 6 bis 14 Prozent auf, verbunden mit Übererregung und Dissoziation. Die Raten ähneln denen anderer psychologischer Behandlungen.Britton 2021 Meditation ist also weder harmlos noch gefährlicher als Psychotherapie.

In zwei MBCT-Kursen für Lehrkräfte und Studierende erlebten rund zwei Drittel unangenehme Momente, doch 85 bis 92 Prozent davon empfanden diese als gar nicht oder etwas belastend. Einen Schaden durch den Kurs berichteten 3 bis 7 Prozent, eine messbare Verschlechterung zeigten 2 bis 7 Prozent, und das waren weitgehend verschiedene Personen.Baer 2021

Welche Erfahrungen vorkommen

Eine qualitative Studie beschreibt 59 meditationsbezogene Erfahrungen in sieben Bereichen: Denken, Wahrnehmung, Gefühle, Körper, Antrieb, Selbstgefühl und soziale Beziehungen. Das Spektrum reicht von sehr positiv bis schwer und anhaltend belastend.Lindahl 2017 Häufig genannt werden Angst oder Unruhe bis hin zu Panik, das Wiedererleben belastender Erinnerungen, erhöhte emotionale Empfindlichkeit, Übererregung und das Gefühl, sich selbst oder die Umgebung als fremd zu erleben (Dissoziation).

Wer vorsichtiger sein sollte

Einige Merkmale gehen in Studien mit mehr belastenden Erfahrungen einher:

  • Traumavorgeschichte und belastende Kindheit: In Achtsamkeitsprogrammen für Menschen mit akuter Depression sagten Kindheitstraumata und unterschwellige Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung mehr Nebenwirkungen und schlechtere Ergebnisse voraus.Canby 2025
  • Viel Grübeln: Bei 1.232 regelmäßig Meditierenden berichteten 25,6 Prozent besonders unangenehme Erfahrungen, häufiger bei ausgeprägtem wiederkehrendem negativem Denken.
  • Retreats und rein dekonstruktive Techniken: In derselben Befragung waren solche Erfahrungen nach Retreats und bei ausschließlich dekonstruktiven Techniken wie Vipassana häufiger, bei Frauen und religiösen Menschen seltener.Schlosser 2019
  • Lange Einheiten allein: In einer Onlinebefragung von 342 Meditierenden berichteten 25,4 Prozent unerwünschte Effekte, meist vorübergehend. Häufiger waren sie bei Einzelpraxis, fokussierter Aufmerksamkeit und Einheiten über 20 Minuten allein, seltener bei Körperwahrnehmungsübungen.Cebolla 2017

Befragungen zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen, taugen aber als Richtschnur: kurz anfangen, angeleitet üben, kein Retreat als Einstieg. Ob ein Programm schadet, hängt nach einer Übersichtsarbeit auch von der Qualifikation der Anleitung ab.Baer 2019

Warnzeichen und was dann zu tun ist

Wenn eine Übung dich deutlich aufwühlt, darfst du jederzeit aufhören. Bewährte Schritte:

  1. Augen öffnen und den Blick im Raum ruhen lassen.
  2. Die Übung verkürzen oder unterbrechen.
  3. Zu einer Form mit äußerem Anker wechseln, etwa Gehmeditation oder achtsame Bewegung.
  4. Nicht allein weiterüben, sondern eine qualifizierte Anleitung suchen.

Wenn es nicht vorbeigeht. Halten Angst, Panik, belastende Erinnerungen oder das Gefühl der Unwirklichkeit an oder beeinträchtigen dich im Alltag, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin. Wenn du in einer Krise bist oder dunkle Gedanken hast, erreichst du die TelefonSeelsorge unter 0800 1110111. In akuter Gefahr wähle den Notruf 112.

So fängst du an: ein Einstieg, der auf Studien beruht

Kurz, regelmäßig und angeleitet – das ist nach heutiger Studienlage der vernünftigste Einstieg. Mehr Minuten bringen nur wenig mehr, und lange Einheiten allein gehen häufiger mit unangenehmen Erfahrungen einher.

Wie lange und wie oft

In einem kleinen randomisierten Versuch mit Nicht-Meditierenden zwischen 18 und 45 Jahren übten die Teilnehmenden täglich 13 Minuten angeleitet. Gegenüber einer Kontrollgruppe, die Podcasts hörte, verbesserten sich Stimmung, Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und die Angst unter Stress, allerdings erst nach acht und nicht schon nach vier Wochen.Basso 2019 Eine Einzelstudie, aber ein realistischer Takt: Wochen, nicht Tage.

Eine zweite Zahl entlastet: In MBSR- und MBCT-Kursen üben Teilnehmende zu Hause im Mittel nur 64 Prozent der vorgesehenen Zeit, und der Zusammenhang zwischen Übungsmenge und Ergebnis ist klein (r = 0,26).Parsons 2017 Für den Anfang sind rund zehn Minuten ein sinnvoller Erfahrungswert, keine Regel. Wer Meditation fest in den Tag einbauen möchte, findet Anregungen in unserem Beitrag zur Morgenroutine.

Meditationsecke mit Bodenkissen, kleiner Pflanze und einer kleinen Uhr

Haltung: Stuhl, Kissen oder liegend

Keine Haltung ist nachweislich überlegen. Der Schneidersitz ist verbreitet, aber nicht nötig. Ein Stuhl mit aufrechtem, nicht angelehntem Rücken und beiden Füßen am Boden funktioniert genauso gut. Der Body-Scan im MBSR-Programm wird im Liegen geübt.

App, Kurs oder allein?

Achtsamkeits-Apps verbesserten in 34 randomisierten Studien mit 7.566 Teilnehmenden Stress (g = 0,46), Angst (0,28), depressive Beschwerden (0,33) und psychisches Wohlbefinden (0,29), nicht aber psychische Belastung und allgemeines Wohlbefinden. Das Verzerrungsrisiko der Studien war unklar.Gál 2021 Über alle Apps für psychische Gesundheit hinweg lag der Effekt auf Stress in 69 Studien bei g = 0,27 und nach statistischer Korrektur für kleine Studien nur noch bei 0,10.Linardon 2024 Eine App ist als angeleiteter Einstieg vertretbar, mit realistischer Erwartung.

Wer mehr Struktur möchte, ist mit einem MBSR-Kurs gut beraten. MBSR ist in den Zertifizierungskriterien des GKV-Spitzenverbands ausdrücklich als Beispielverfahren genannt, zertifizierte Präventionskurse können von Krankenkassen bezuschusst werden. Höhe und Bedingungen unterscheiden sich je nach Kasse.

Eine erste Übung Schritt für Schritt

Diese Atemübung dauert etwa zehn Minuten:

  1. Setz dich hin. Stuhl oder Kissen, Rücken aufrecht, Hände auf den Oberschenkeln. Stell dir einen Wecker auf zehn Minuten.
  2. Richte die Aufmerksamkeit auf den Atem. Spüre, wo du ihn am deutlichsten wahrnimmst: an der Nase, in der Brust oder im Bauch. Du musst den Atem nicht verändern.
  3. Bemerke das Abschweifen. Nach wenigen Atemzügen wandern die Gedanken. Das ist kein Fehler, sondern der Kern der Übung.
  4. Kehre freundlich zurück. Benenne innerlich kurz, wohin du abgeschweift bist, etwa „planen“ oder „erinnern“, und bring die Aufmerksamkeit zurück zum Atem. So oft wie nötig.

Wenn die Übung dich unruhig macht, lass die Augen halb offen oder wechsle zu einer Gehmeditation.

Häufige Fragen

Was bringt Meditation wirklich?

Meditationsprogramme verringern Angst, depressive Beschwerden und chronische Schmerzen messbar, aber nur in kleinem bis moderatem Umfang. Bei wiederkehrender Depression senkt die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie im Rahmen einer Behandlung das Rückfallrisiko. Besser als andere aktive Behandlungen ist Meditation in keiner großen Auswertung.

Kann man durch Meditation abnehmen?

Nach heutiger Studienlage nicht. In zwölf randomisierten Studien mit Menschen mit Übergewicht hatte Achtsamkeitstraining keinen signifikanten Effekt auf den Gewichtsverlust. Im größten Einzelversuch mit 194 Teilnehmenden brachte Achtsamkeit zusätzlich zu Diät und Bewegung nach 18 Monaten 1,7 Kilogramm Unterschied, statistisch nicht gesichert.

Kann Meditation schaden?

Ja, unangenehme Erfahrungen sind häufig, meist aber vorübergehend. In einer repräsentativen US-Befragung berichteten 32 Prozent der Meditierenden auf Nachfrage von einer Nebenwirkung, 1,2 Prozent von einer Beeinträchtigung im Alltag über mindestens einen Monat. Typisch sind Angst und aufsteigende belastende Erinnerungen, auch ohne psychische Vorgeschichte.

Für wen ist Meditation nicht geeignet?

Es gibt Gruppen mit höherem Risiko für belastende Erfahrungen: Menschen mit Traumavorgeschichte oder belastender Kindheit, mit akuter Depression und mit ausgeprägtem Grübeln. Wer dazugehört, bespricht den Einstieg vorher mit Ärztin oder Psychotherapeutin und übt angeleitet. Intensive Retreats eignen sich nicht als Anfang.

Helfen Meditations-Apps?

Ein wenig. Achtsamkeits-Apps verbesserten in 34 randomisierten Studien Stress, Angst und depressive Beschwerden in kleinem bis moderatem Umfang, bei unsicherem Verzerrungsrisiko. Als Einstieg mit Anleitung ist eine App vertretbar, als Therapieersatz nicht.

Zahlt die Krankenkasse einen Meditationskurs?

Häufig bezuschussen Krankenkassen zertifizierte Präventionskurse. MBSR, die achtwöchige achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, ist in den Zertifizierungskriterien des GKV-Spitzenverbands ausdrücklich als Beispielverfahren genannt. Ob und in welcher Höhe deine Kasse zahlt, unterscheidet sich je nach Kasse.

Weiterlesen

Quellen

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Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Meditation ist kein Ersatz für die Behandlung einer Depression, einer Angststörung, von Bluthochdruck oder chronischen Schmerzen. Setze Medikamente nie eigenmächtig ab. Wenn beim Meditieren belastende Erfahrungen auftreten, die nicht abklingen, hole ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat ein. Alle Studienergebnisse sind Mittelwerte aus Untersuchungsgruppen und nicht auf den Einzelfall übertragbar.