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Atkins-Diät: Phasen, Studienlage und was übrig bleibt

Histaminintoleranz: Wie macht sich diese bemerkbar? Du liest Atkins-Diät: Phasen, Studienlage und was übrig bleibt 18 Minuten Weiter Sport im Sommer: Welche Sportart passt zu dir?

Die Atkins-Diät ist der Ursprung praktisch aller heutigen Low-Carb-Konzepte — und der am besten randomisiert untersuchte kommerzielle Diätplan überhaupt. Kurzfristig funktioniert sie: In den ersten sechs Monaten liegt sie unter den benannten Programmen vorn. Nach zwölf Monaten ist dieser Vorsprung in praktisch jeder Auswertung verschwunden.

Wir haben das Programm aus den Unterlagen des Anbieters selbst beschrieben, statt eine Buchfassung nachzuerzählen — und dabei eine Stelle gefunden, die keine deutschsprachige Seite zitiert: Das Programm bezeichnet den schnellen Gewichtsverlust am Anfang selbst als Wasserverlust.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sechs Monate: Vorsprung belegt. Zwölf Monate: Vorsprung weg. Das ist in mehreren unabhängigen Auswertungen dasselbe Muster.
  • Was den Erfolg trägt, ist das Durchhalten, nicht die Kohlenhydratmenge. In einer Vier-Programme-Studie korrelierte der Erfolg deutlich mit der Einhaltung, aber praktisch gar nicht mit dem Diättyp.
  • Der belastbarste Risikobefund: Stark kohlenhydratreduzierte Kost senkt Triglyzeride und Blutdruck, hebt aber LDL- und Gesamtcholesterin an — konsistent über vier unabhängige Auswertungen.
  • „Abnehmen ohne Hunger" ist kein Vorteil der Kohlenhydratreduktion. In einer Studie mit 811 Teilnehmenden über zwei Jahre unterschieden sich Sättigung und Hunger zwischen vier Kostformen nicht.
  • Die Ballaststoffrechnung geht in Phase 1 kaum auf: Obst, Brot, Getreide, Hülsenfrüchte und stärkehaltiges Gemüse stehen dort auf der Verbotsliste.

Woher das Konzept kommt

Robert Coleman Atkins war ein US-amerikanischer Arzt und Kardiologe, geboren 1930, gestorben 2003. Sein Buch Dr. Atkins' Diet Revolution erschien 1972, eine überarbeitete Fassung 1999. Die heute meistgemeinte Version stammt aus dem Jahr 2010 und wurde von drei Wissenschaftlern verfasst; sie enthält die kanonische Struktur aus vier Phasen: Einstieg, fortgesetzte Gewichtsabnahme, Vorbereitung auf die Erhaltung und dauerhafte Erhaltung.

Ein Detail, das die Einordnung erleichtert: Das Unternehmen hinter dem Programm wurde 1989 gegründet und meldete 2005 Insolvenz an; das Verfahren endete 2007, die Marke wechselte danach mehrfach den Eigentümer.

Und eine Beobachtung, die in keiner deutschsprachigen Darstellung auftaucht: Auf der heutigen Anbieterseite existiert nur noch eine einzige Phasenseite. Vermarktet werden inzwischen drei Pläne, benannt nach der täglichen Menge an Netto-Kohlenhydraten — 20, 40 und 100 Gramm. Wer nach „den vier Phasen" sucht, sucht also nach einer Fassung, die der Anbieter selbst so nicht mehr führt.

Teller mit aufgeschnittenem Steak, zwei Spiegeleiern, Avocado und Rucola

Die Phasen und was das Programm vorsieht

Alle folgenden Zahlen sind Angaben des Anbieters, keine Ernährungsempfehlung von uns.

Phase Was vorgesehen ist
1 — Einstieg Nach Anbieterangabe 14 Tage, 20 bis 25 Gramm Netto-Kohlenhydrate täglich, davon mindestens 12 bis 15 Gramm aus Salat und nicht stärkehaltigem Gemüse. Kein Obst, kein Brot, keine Nudeln, kein Getreide, kein stärkehaltiges Gemüse, keine Hülsenfrüchte, keine Milchprodukte außer Käse, Sahne und Butter; in den ersten zwei Wochen auch keine Nüsse und Samen.
2 — Ausgleich Weiterhin 12 bis 15 Gramm Netto-Kohlenhydrate aus Gemüse, dazu schrittweise nährstoffdichtere Kohlenhydrate wie Beeren. Verbleib in dieser Phase bis kurz vor das angestrebte Gewicht.
3 — Vorbereitung auf die Erhaltung Wöchentliche Steigerung der Kohlenhydratmenge; schrittweise Wiedereinführung von Obst, stärkehaltigem Gemüse und Vollkorn.
4 — Dauerhafte Erhaltung Ab Erreichen des Zielgewichts, auf Dauer angelegt.
Angaben nach Anbieterunterlagen und der Beschreibung einer medizinischen Fachinstitution. Die Phasen 2 bis 4 sind auf der Anbieterseite heute nicht mehr eigenständig dargestellt.

Bemerkenswert sind zwei Widersprüche im Original. Die Phasenseite nennt 20 Gramm Netto-Kohlenhydrate, die Regelseite „nicht mehr als 25 Gramm am Tag". Und der Begriff „Netto-Kohlenhydrate" selbst wird an zwei Stellen unterschiedlich definiert. Es handelt sich ohnehin um keine im EU-Recht oder in den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung definierte Größe, sondern um eine Rechengröße des Programms.

Die Regeln sind bemerkenswert konkret: keine Mahlzeit auslassen, nicht länger als sechs Wachstunden ohne Essen, drei reguläre oder vier bis fünf kleinere Mahlzeiten am Tag, zu jeder Mahlzeit eine Eiweißquelle. Genau diese Struktur ist — unabhängig von der Kohlenhydratfrage — der Teil, der plausibel wirkt.

Warum der Start so schnell geht

Glykogen, die Speicherform der Kohlenhydrate in Leber und Muskulatur, wird in gebundener Form mit drei bis vier Teilen Wasser eingelagert. Wer die Kohlenhydratzufuhr stark senkt, leert diese Speicher — und verliert das gebundene Wasser mit. Das erklärt den steilen Abfall der ersten Tage vollständig, ohne dass ein einziges Gramm Fett verschwunden sein muss. Die Herleitung mit allen Zahlen steht in unserem Beitrag dazu, warum die Waage in der ersten Woche so stark reagiert.

Interessant ist, dass das Programm das selbst so beschreibt. In der neunten Einstiegsregel steht als Begründung für die empfohlene Trinkmenge wörtlich, der anfängliche Verlust von Wassergewicht sei in dieser Phase typisch. Die häufig zitierte Behauptung, der schnelle Start beweise einen besonderen Fettverbrennungsmodus, wird also nicht einmal vom Anbieter selbst erhoben.

Dass unter 20 bis 25 Gramm Kohlenhydraten eine Ketose eintritt, ist belegt — in mehreren Studien war der Anteil der Teilnehmenden mit nachweisbaren Ketonen im Urin in den Low-Carb-Gruppen am höchsten. Ketose sagt aber nur etwas darüber aus, welchen Brennstoff der Körper gerade bevorzugt. Über die Fettbilanz sagt sie nichts.

Was die Studien zeigen

Hier ist die Atkins-Diät ein Sonderfall: Sie ist eines der wenigen kommerziellen Programme, zu denen es echte randomisierte Studien gibt — und zwar mehrere große.

Studie Umfang Befund
Foster 2003 63 Teilnehmende, 12 Monate Vorsprung nach 3 und 6 Monaten, nach 12 Monaten nicht mehr signifikant. Die Autoren: „Adherence was poor and attrition was high in both groups."
Gardner 2007 311 Frauen, 12 Monate Atkins schnitt gegenüber einem der drei Vergleichsprogramme signifikant besser ab; die übrigen drei waren untereinander nicht unterscheidbar
Dansinger 2005 160 Teilnehmende, vier Programme, 12 Monate Alle vier senkten Gewicht und LDL-HDL-Quotient in ähnlichem Ausmaß
Foster 2010 307 Teilnehmende, 24 Monate Keine Unterschiede in Gewicht, Körperzusammensetzung oder Knochendichte zu irgendeinem Zeitpunkt
Sacks 2009 811 Teilnehmende, 24 Monate, vier Kostformen mit 35 bis 65 Prozent Kohlenhydraten Alle Vergleiche ohne signifikanten Unterschied. Sättigung, Hunger und Zufriedenheit waren zwischen allen Kostformen gleich

Die beiden großen Netzwerk-Metaanalysen bestätigen dasselbe Muster in größerem Maßstab. Eine Auswertung von 48 Studien mit 7.286 Teilnehmenden kommt zu dem Schluss, die Unterschiede zwischen den einzelnen Programmen seien minimal, und empfiehlt, jene Ernährungsform zu wählen, die jemand tatsächlich einhält. Die zweite Auswertung umfasst 121 Studien mit 21.942 Teilnehmenden: Nach sechs Monaten hatte das Atkins-Programm unter allen benannten Diäten den größten Effekt auf Gewicht und Blutdruck. Der Schlusssatz derselben Arbeit lautet sinngemäß, dass der Gewichtsverlust nach zwölf Monaten bei allen Makronährstoffmustern und allen benannten Diäten nachließ und die Vorteile für kardiovaskuläre Risikofaktoren — mit Ausnahme der mediterranen Kost — im Wesentlichen verschwanden.

Der Cochrane-Review von 2022 mit 61 randomisierten Studien und 6.925 Teilnehmenden fasst es am nüchternsten zusammen: Über bis zu zwei Jahre gibt es wahrscheinlich keinen bis kaum einen Unterschied in Gewichtsreduktion und kardiovaskulären Risikofaktoren zwischen kohlenhydratreduzierter und ausgewogener Kost. Wie die Programme im direkten Vergleich abschneiden, haben wir separat aufgeschrieben: wie die Diätprogramme im Studienvergleich dastehen.

Der eigentliche Erfolgsfaktor

Der klarste Befund der gesamten Atkins-Forschung stammt aus der Studie, die vier Programme direkt gegeneinander stellte. Der Gewichtsverlust korrelierte deutlich mit der selbstberichteten Einhaltung des Programms. Mit dem Diättyp korrelierte er praktisch gar nicht.

Und genau hier liegt die Schwachstelle des Konzepts. In derselben Studie beendete nur gut die Hälfte der Atkins-Gruppe das Jahr. Auch in den anderen Studien ist von schlechter Einhaltung und hohen Abbruchquoten die Rede.

Die aufschlussreichste Gegenüberstellung liefert eine israelische Studie über 24 Monate: Dort blieben nach einem Jahr 95 Prozent und nach zwei Jahren fast 85 Prozent der Teilnehmenden dabei. Derselbe Ernährungsansatz, völlig andere Durchhaltequote. Der Unterschied lag nicht im Essen, sondern in der Begleitung — die Studie lief mit betrieblicher Verpflegung und enger Betreuung. Eine der Metaanalysen beziffert den Beitrag der Verhaltensunterstützung nach sechs Monaten sogar höher als den Unterschied zwischen den Programmen.

Nebenbei fällt damit auch ein beliebtes Verkaufsargument. „Abnehmen ohne Hunger" ist kein Vorteil der Kohlenhydratreduktion: In der Studie mit 811 Teilnehmenden unterschieden sich Sättigung, Hunger und Zufriedenheit über zwei Jahre zwischen Kostformen mit 35 bis 65 Prozent Kohlenhydraten nicht.

Brot, Nudeln und Reis auf der einen Seite, Lachs, Eier, Käse, Nüsse und Gemüse auf der anderen

Risiken und Nebenwirkungen

Blutfette: der belastbarste Befund

Vier voneinander unabhängige Auswertungen kommen zum selben Ergebnis: Stark kohlenhydratreduzierte und besonders ketogene Kost senkt Triglyzeride und Blutdruck, hebt aber LDL- und Gesamtcholesterin an. Eine Metaanalyse von 174 randomisierten Studien mit 11.481 Teilnehmenden aus 27 Ländern beziffert den Anstieg und hält fest, dass ketogene Ernährungsformen zwar stärkeren Gewichtsverlust erzeugten, aber auch stärkere Anstiege von LDL und Gesamtcholesterin.

Besonders aussagekräftig ist ein Umbrella-Review, der 17 Metaanalysen mit 68 randomisierten Studien auswertete. Von 115 geprüften Zusammenhängen erreichten nur vier eine hochwertige Evidenzeinstufung — und einer davon ist der LDL-Anstieg, den die Autoren als klinisch bedeutsam bezeichnen.

Für die Atkins-Diät im Besonderen relevant ist eine Metaanalyse von elf Studien, deren Einschlusskriterien ausdrücklich auf das Atkins-Konzept Bezug nehmen. Ihr Fazit: Die günstigen Veränderungen unter kohlenhydratarmer Kost müssen gegen die möglichen nachteiligen Effekte des erhöhten LDL-Cholesterins abgewogen werden.

Nieren und Knochen

Hier ist der Befund entlastend, aber eng begrenzt. Eine Sekundäranalyse mit 307 Erwachsenen mit Adipositas ohne schwere Vorerkrankungen über 24 Monate fand keine erkennbar schädlichen Effekte auf die Nierenfunktion, die Eiweißausscheidung oder den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt. Die Calciumausscheidung im Urin stieg allerdings deutlich an, ohne dass sich die Knochendichte veränderte oder Nierensteine auftraten.

Zwei Einschränkungen gehören dazu: Der Befund gilt ausdrücklich für Nierengesunde, und für Menschen mit einer Nierenerkrankung gibt es keine entsprechenden Daten. Der Anbieter selbst schließt Dialysepatienten von den Abnehmphasen des Programms aus. Umgekehrt lässt sich die verbreitete Behauptung, Eiweiß schädige die Nieren, aus dieser Studie ebenfalls nicht stützen.

Einstiegsbeschwerden

Die sogenannte Keto-Grippe wird in vielen Ratgebern als Tatsache beschrieben. Die einzige auffindbare systematische Aufarbeitung ist allerdings eine Analyse von 43 Internetforen mit 448 Beiträgen von 300 Nutzenden — also Selbstberichte, keine klinische Erhebung. Beschrieben wurden 54 verschiedene Symptome, am häufigsten Kopfschmerz, Müdigkeit, Übelkeit, Schwindel und Konzentrationsprobleme. Die Berichte häuften sich in der ersten Woche und nahmen nach vier Wochen ab.

Randomisiert belegt ist nur die Richtung: In einer der großen Studien traten in den ersten sechs Monaten unter kohlenhydratarmer Kost mehr unerwünschte Symptome auf als unter fettreduzierter.

Ballaststoffe

Hier lohnt eine eigene Rechnung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Richtwert mindestens 30 Gramm Ballaststoffe am Tag. Die Einstiegsphase des Programms schließt Obst, Brot, Getreide, stärkehaltiges Gemüse und Hülsenfrüchte aus, in den ersten zwei Wochen auch Nüsse und Samen — also praktisch alle üblichen Ballaststoffträger. Vorgesehen sind 12 bis 15 Gramm Netto-Kohlenhydrate aus Salat und Gemüse. Der Richtwert lässt sich unter diesen Regeln nur über sehr große Gemüsemengen erreichen.

Das Programm sieht das Problem selbst: Die Trinkregel nennt als einen ihrer Zwecke ausdrücklich, Verstopfung zu vermeiden. Randomisierte Studien, die Verstopfung unter kohlenhydratarmer Kost als Endpunkt erhoben hätten, fanden wir keine.

Die Auswahl der Ersatzquellen

Eine große Kohortenauswertung mit 432.179 Teilnehmenden zeigt einen U-förmigen Zusammenhang zwischen Kohlenhydratanteil und Sterblichkeit, mit dem Minimum bei etwa 50 bis 55 Prozent der Energie. Entscheidend war dabei, wodurch die Kohlenhydrate ersetzt wurden: Der Ersatz durch tierische Fett- und Eiweißquellen war ungünstiger, der Ersatz durch pflanzliche günstiger. Die vollständige Herleitung steht in unserem Beitrag zu Kohlenhydraten.

Der Bezug zum Programm ist naheliegend: Die zweite Einstiegsregel nennt ausdrücklich Geflügel, Fisch, Meeresfrüchte, Eier und rotes Fleisch als Eiweißquellen und schließt Hülsenfrüchte in Phase 1 aus. Das ist genau die tierisch dominierte Variante. Daraus folgt keine Warnung, sondern eine praktische Erkenntnis: Wer kohlenhydratreduziert isst, entscheidet mit der Auswahl der Ersatzquellen mehr als mit der Grammzahl.

Wer vorsichtig sein sollte

Wichtig zur Einordnung

Die folgende Liste stammt aus der deutschen S3-Leitlinie zur Adipositas und betrifft dort sehr stark kalorienreduzierte Kostformen, nicht die Atkins-Diät. Weil deren Kohlenhydratmenge in derselben Größenordnung liegt, sind die dort genannten Ausschlussgründe der beste verfügbare Anhaltspunkt — mehr aber auch nicht. Was für dich gilt, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.

Genannt werden dort unter anderem: Schwangerschaft und Stillzeit, Typ-1-Diabetes, die Behandlung mit bestimmten Diabetesmedikamenten wegen des Risikos einer Ketoazidose, fortgeschrittene Nieren- oder Lebererkrankungen, schwere Herzinsuffizienz, instabile Angina pectoris sowie Herzinfarkt oder Schlaganfall innerhalb der letzten zwölf Monate, Herzrhythmusstörungen, schwere Störungen der Atemfunktion, Essstörungen oder psychiatrische Erkrankungen, Abhängigkeitserkrankungen, schwere Infektionen und Gebrechlichkeit im Alter.

Ein Unterschied gehört benannt: Die Leitlinie beschreibt sehr niedrig kalorische ketogene Kostformen mit einer festen Kalorienvorgabe. Das Atkins-Programm macht keine — seine sechste Einstiegsregel sagt sogar ausdrücklich, man solle essen, bis man zufrieden ist. Die Übertragung ist deshalb eine Vorsichtsregel per Analogie, keine Leitlinienaussage über Atkins. Auch der Anbieter selbst empfiehlt, vor Beginn ärztlichen Rat einzuholen.

Große Schale Blattsalat mit Hähnchenstreifen, Tomaten und Olivenöl

Was sachlich übrig bleibt

Wenn man die Werbesprache abzieht, bleibt eine überraschend brauchbare Liste — nur eben aus anderen Gründen als behauptet.

Was trägt: die Eiweißbetonung, weil sie im Energiedefizit fettfreie Masse erhält. Der Wegfall zuckergesüßter Getränke und Süßwaren, der einen eigenständigen Effekt hat. Klare Regeln und eine feste Struktur, weil sie den Entscheidungsaufwand senken — und Einhaltung ist nun einmal der stärkste Erfolgsfaktor. Die Vorgabe, keine Mahlzeit ausfallen zu lassen. Und die real gemessene Senkung von Blutdruck und Triglyzeriden in den ersten Monaten.

Was nicht trägt: die Kohlenhydratmenge als eigener Wirkmechanismus jenseits der Energiebilanz. Der „Fettverbrennungsmodus" als Erklärung für einen Netto-Fettverlust. Ein dauerhafter Vorteil gegenüber anderen Konzepten — nach zwölf Monaten schlicht nicht mehr messbar. Und „Abnehmen ohne Hunger" als Alleinstellungsmerkmal.

Damit landet man bei derselben Erkenntnis, zu der auch die Netzwerk-Metaanalysen kommen: Es lohnt sich, das Konzept zu wählen, das man tatsächlich durchhält — und dafür zu sorgen, dass man Unterstützung dabei hat. Worauf es beim Abnehmen tatsächlich ankommt, haben wir beim Kaloriendefizit aufgeschrieben, und wo Low Carb unter den Ernährungsformen einzuordnen ist, steht in unserer Übersicht der Ernährungsformen.

Bleibt die Frage nach dem Danach. Sie stellt sich bei jedem Diätkonzept, und sie ist bei Atkins besonders scharf, weil Phase 4 zwar existiert, aber vom Anbieter heute kaum noch beschrieben wird. Was nach der Diät nachweislich hilft, haben wir separat zusammengetragen.

Woran Diätkonzepte scheitern, ist selten das Essen.

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Häufige Fragen

Was ist die Atkins-Diät?

Die Atkins-Diät ist ein stark kohlenhydratreduziertes Ernährungsprogramm, das der US-amerikanische Kardiologe Robert Atkins in den 1970er-Jahren populär machte. Sie beginnt mit einer sehr niedrigen Kohlenhydratzufuhr und steigert diese über mehrere Phasen wieder. Eiweiß und Fett sind dabei nicht mengenbegrenzt. Sie gilt als Ursprung praktisch aller heutigen Low-Carb-Konzepte.

Wie viele Kohlenhydrate sind bei Atkins erlaubt?

Nach Angaben des Anbieters sieht die Einstiegsphase 20 bis 25 Gramm sogenannte Netto-Kohlenhydrate pro Tag vor, davon mindestens 12 bis 15 Gramm aus Salat und Gemüse. In den späteren Phasen wird die Menge schrittweise erhöht. Heute vermarktet der Anbieter drei Pläne mit 20, 40 und 100 Gramm Netto-Kohlenhydraten. Das sind Programmangaben, keine Ernährungsempfehlung.

Funktioniert die Atkins-Diät?

In den ersten sechs Monaten ja: In der bislang größten Netzwerk-Metaanalyse mit 121 Studien und 21.942 Teilnehmenden erreichte das Atkins-Programm unter allen benannten Diäten den größten Sechs-Monats-Effekt. Nach zwölf Monaten war dieser Vorsprung verschwunden — in praktisch jeder Auswertung. Ein Cochrane-Review mit 61 Studien findet über ein bis zwei Jahre wahrscheinlich keinen bis kaum einen Unterschied zu ausgewogener Kost.

Warum nimmt man bei Atkins in der ersten Woche so schnell ab?

Weil Glykogen, die Speicherform der Kohlenhydrate, in gebundener Form mit drei bis vier Teilen Wasser eingelagert wird. Wer die Kohlenhydratzufuhr stark senkt, leert diese Speicher und verliert das gebundene Wasser mit. Bemerkenswert: Das Atkins-Programm sagt das selbst und nennt den frühen Gewichtsverlust in seinen Regeln ausdrücklich Wasserverlust.

Ist die Atkins-Diät gesund?

Belegt ist eine Verbesserung von Triglyzeriden und Blutdruck. Ebenfalls belegt und in Ratgebern selten genannt: Stark kohlenhydratreduzierte und besonders ketogene Kost erhöht LDL- und Gesamtcholesterin. Ein Umbrella-Review stuft diesen Anstieg als klinisch bedeutsam ein, und er ist einer von nur vier Befunden dort mit hochwertiger Evidenz. Langfristige Studien zu harten Endpunkten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall gibt es zu diesem Programm nicht.

Für wen ist eine stark kohlenhydratreduzierte Ernährung nicht geeignet?

Die deutsche S3-Leitlinie nennt für sehr stark kalorienreduzierte Kostformen unter anderem Schwangerschaft und Stillzeit, Typ-1-Diabetes, fortgeschrittene Nieren- und Lebererkrankungen, schwere Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Essstörungen sowie kürzlich zurückliegenden Herzinfarkt oder Schlaganfall. Diese Liste betrifft nicht die Atkins-Diät selbst, liegt aber im selben Kohlenhydratbereich und ist der beste verfügbare Anhaltspunkt. Was für dich gilt, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.

Weiterlesen

Quellen

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  • S3-Leitlinie „Prävention und Therapie der Adipositas", AWMF-Registernummer 050/001, Version 5.0, Oktober 2024
  • DGE, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr; Anbieterunterlagen zum Atkins-Programm, abgerufen im September 2026

Dieser Artikel beschreibt und bewertet ein Ernährungskonzept anhand der verfügbaren Studienlage. Er dient der allgemeinen Information, ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung und ist keine Empfehlung, dieses Konzept anzuwenden. Bei bestehenden Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme besprich eine deutliche Ernährungsumstellung bitte vorher ärztlich.