Rauchen und Sport vertragen sich schlecht, aber anders als meist behauptet. Eine Zigarette verengt die Herzkranzgefäße für rund 30 Minuten und erhöht den Gefäßwiderstand um etwa 21 Prozent – genau dann, wenn Training den Sauerstoffbedarf des Herzens steigert. Der Schluss daraus lautet trotzdem nicht „weniger Sport": Regelmäßiges Training senkt das Risiko, dass eine Belastung überhaupt zum auslösenden Moment wird, erheblich.
Inhalt
- Ist Rauchen zusammen mit Sport gefährlicher?
- Kohlenmonoxid: warum die Luft weniger bringt
- Was an Ausdauer messbar verloren geht
- Muskelaufbau: was stimmt und was nicht
- Regeneration und Verletzungen
- „Rauchen nach dem Sport" – die ehrliche Antwort
- Nikotin als Leistungsmittel?
- Rauchen im Leistungssport: Zahlen statt Namen
- Was der Rauchstopp tatsächlich bringt
- Und das Gewicht?
- Häufige Fragen
Zu diesem Thema gibt es zwei Sorten von Texten: solche, die dramatisieren, und solche, die verharmlosen. Beides ist unnötig, denn die Studienlage ist überraschend konkret – und sie widerspricht an mehreren Stellen dem, was überall zu lesen ist.

Ist Rauchen zusammen mit Sport gefährlicher?
Das ist die am häufigsten gestellte Frage zu diesem Thema. Die ehrliche Antwort beginnt mit einer Einschränkung: Es gibt keine Studie, die genau das gemessen hat. Niemand hat rauchende Sporttreibende mit rauchenden Nichtsporttreibenden verglichen und die Herzereignisse gezählt.
Belegt ist der Mechanismus. In einer Herzkatheteruntersuchung an 24 langjährig Rauchenden wurden die Koronararterien vor und nach einer Zigarette vermessen:
| Messgröße | Veränderung |
|---|---|
| Durchmesser der herznahen Gefäßabschnitte | −5 % |
| Durchmesser der feineren Gefäßabschnitte | −8 % |
| Koronarer Gefäßwiderstand | +21 % |
| Koronare Flussgeschwindigkeit | −7 % |
| Rückkehr zum Ausgangswert | nach rund 30 Minuten |
Entscheidend ist, dass diese Verengung eintritt, während gleichzeitig der Sauerstoffbedarf des Herzens steigt. Genau dieselbe Bedarfssteigerung erzeugt körperliche Belastung. Angebot und Nachfrage verschieben sich also in dieselbe ungünstige Richtung.
Bei Menschen mit bereits bestehender koronarer Herzkrankheit ist das klinisch messbar. In einer doppelblinden Studie mit 63 Männern verschlechterte sich die Belastungsischämie bereits bei einem Kohlenmonoxid-Anteil von 2,0 Prozent im Blut: Die Zeit bis zur EKG-Veränderung sank um 5,1 Prozent, bei 3,9 Prozent Kohlenmonoxid um 12,1 Prozent.
Evidenz A · Quillen et al., Journal of the American College of Cardiology 1993, und Allred et al., New England Journal of Medicine 1989. Beide Studien sind sauber kontrolliert – beide untersuchten allerdings nicht Sport.
Der Kontext, der fast immer fehlt
Es stimmt, dass schwere körperliche Anstrengung ein Auslöser für einen Herzinfarkt sein kann. Eine Untersuchung an 1.228 Infarktpatienten bezifferte das relative Risiko in der Stunde nach starker Belastung auf 5,9. Wer nur diese Zahl kennt, zieht den falschen Schluss. Denn dasselbe Team hat das Risiko nach Trainingszustand aufgeschlüsselt:
| Training pro Woche | Relatives Risiko |
|---|---|
| seltener als 1-mal | 107 |
| 1- bis 2-mal | 19,4 |
| 3- bis 4-mal | 8,6 |
| 5-mal oder häufiger | 2,4 |
Zwischen der untrainiertesten und der trainiertesten Gruppe liegt Faktor 44. Rauchen ist der Faktor, der über Jahre die Gefäßschädigung aufbaut. Sport ist nicht der Faktor, der sie verursacht – er ist der Faktor, der das Auslöserisiko drastisch senkt. Der sinnvolle Schluss lautet deshalb nicht „weniger Sport", sondern: nicht unmittelbar vor oder nach dem Training rauchen, und den Ausstieg planen.
Kohlenmonoxid: warum die Luft weniger bringt
Der wichtigste akute Mechanismus hat nichts mit Nikotin zu tun, sondern mit Kohlenmonoxid. Das Gas bindet mit einer 230- bis 270-fach höheren Affinität an Hämoglobin als Sauerstoff. Was gebunden ist, steht für den Transport nicht mehr zur Verfügung – und zusätzlich erschwert Kohlenmonoxid die Abgabe des verbliebenen Sauerstoffs ins Gewebe.
Typische Werte: Nichtrauchende liegen unter 2 Prozent Carboxyhämoglobin, durchschnittlich Rauchende bei etwa 4 Prozent, starke Rauchende bis 14 Prozent. Die Halbwertszeit beträgt beim Atmen normaler Raumluft 2 bis 6,5 Stunden.
Interessant wird es bei der Frage, ab wann das die Leistung beeinflusst – denn es gibt eine Schwelle, und sie unterscheidet sich je nach Ausgangslage:
- Bei Herzgesunden war die maximale Sauerstoffaufnahme bei 2,7 Prozent Carboxyhämoglobin unverändert. Ein messbarer Effekt begann erst bei etwa 4,3 Prozent, ab 7 Prozent wurde er deutlich.
- Bei koronarer Herzkrankheit lag die Schwelle bei 2,0 Prozent.
Das ist eine differenzierte Aussage, die man selten liest: Kohlenmonoxid wirkt nicht ab der ersten Zigarette bei jedem leistungsmindernd. Gelegentlich Rauchende erreichen die Schwelle für Herzgesunde oft nicht, durchschnittlich Rauchende ungefähr. Wer aber eine Vorerkrankung hat, ist deutlich früher betroffen.
In einer kontrollierten Studie mit Kohlenmonoxid-Rückatmung sank die maximale Sauerstoffaufnahme um 4,2 Prozent und die Maximalleistung um 3,3 Prozent. Bemerkenswert: Je besser trainiert die Teilnehmenden waren, desto stärker war die Beeinträchtigung.
Was an Ausdauer messbar verloren geht
Die aussagekräftigste neuere Untersuchung verglich zwölf junge, sportlich aktive Rauchende mit zwölf nach Alter und Trainingsgewohnheiten gematchten Nichtrauchenden. Durchschnittlich 22 Jahre alt, 12 Zigaretten am Tag, seit sechs Jahren – also weit entfernt vom Bild des langjährigen Kettenrauchers.
| Messgröße | Unterschied |
|---|---|
| Statische Lungenvolumina | kein Unterschied |
| Submaximale Belastung | kein Unterschied |
| Spitzenfluss beim Ausatmen | −23 % |
| Sauerstoffaufnahme an der Ausbelastungsgrenze | −8 % |
| Maximale mechanische Leistung | −11 % |
| Erholung der Sauerstoffaufnahme (Zeitkonstante) | +52 % |
| Herzfrequenzerholung nach 30 Sekunden | −31 % |
Diese Studie widerlegt gleich zwei verbreitete Behauptungen. Die Verharmlosung („mit Mitte zwanzig und ein paar Zigaretten merkt man nichts") stimmt nicht – acht Prozent weniger Sauerstoffaufnahme und elf Prozent weniger Maximalleistung sind messbar. Die Übertreibung („die Lunge ist sofort ruiniert") stimmt aber ebenso wenig: Die statischen Lungenvolumina waren unauffällig, und im submaximalen Bereich zeigte sich gar kein Unterschied.
Der interessanteste Befund steht ganz unten in der Tabelle und fehlt im deutschsprachigen Netz praktisch vollständig: Die Einbußen liegen nicht nur an der Leistungsgrenze, sondern vor allem in der Erholung. Rauchende brauchen für dieselbe Erholung deutlich länger – im Intervalltraining und im Mannschaftssport ist genau das der Punkt, an dem es sich bemerkbar macht.
Eine sehr große Auswertung mit 29.441 Personen aus der Spiroergometrie bestätigt die Richtung und liefert die Erklärung: Mit steigender Rauchbelastung sanken die Ausatemflüsse, die Diffusionskapazität der Lunge und die maximale Leistung – ein Zusammenhang mit der Muskelkraft fand sich dagegen nicht. Die Leistung geht also über die Atemwege und den Gasaustausch verloren, nicht über die Muskulatur.

Muskelaufbau: was stimmt und was nicht
Hier ist die Befundlage widersprüchlicher, als jeder Ratgebertext behauptet.
Was gegen das Rauchen spricht: Eine Untersuchung mit Stabilisotopen-Infusion maß die Muskelproteinsynthese direkt und fand bei Rauchenden 0,037 gegenüber 0,059 Prozent pro Stunde – rund 37 Prozent weniger. Gleichzeitig war die Expression von Myostatin um 33 Prozent und von MAFbx um 45 Prozent erhöht; beide Faktoren bremsen den Muskelaufbau beziehungsweise fördern den Abbau.
Evidenz B · Petersen et al. 2007. Die Messmethode ist ausgezeichnet, die Fallzahl mit acht Personen je Gruppe klein – und die Teilnehmenden waren um die 65 Jahre alt.
Was dagegen spricht, es zu überzeichnen: Die beiden größten Querschnittsuntersuchungen – 29.441 und 3.045 Personen – fanden keinen Zusammenhang zwischen Rauchen und Muskelkraft. Was messbar leidet, ist die Kraftausdauer und die Regeneration, nicht die Maximalkraft. Wie sich Training und eine kalorienreduzierte Phase sinnvoll kombinieren lassen, haben wir an anderer Stelle beschrieben.
Der Punkt, an dem fast alle Ratgeber falsch liegen
„Rauchen senkt dein Testosteron und blockiert deshalb den Muskelaufbau" ist eine der meistwiederholten Aussagen zum Thema. Sie ist durch die beste verfügbare Evidenz nicht gedeckt.
Eine Meta-Analyse über 22 Studien mit 13.317 Männern fand bei Rauchenden im Mittel ein um 1,53 nmol/l höheres Testosteron, nicht ein niedrigeres. Als Erklärung gilt, dass der Nikotinabbaustoff Cotinin den Abbau von Testosteron hemmt – der Messwert steigt also, ohne dass daraus ein anaboler Vorteil entstünde.
Das ist ausdrücklich kein Argument für das Rauchen. Es ist ein Argument dafür, mit den richtigen Zahlen zu argumentieren. Die belegten Nachteile für die Muskulatur liegen bei der Proteinsynthese und bei der Regeneration – wer stattdessen einen Testosteronabfall behauptet, arbeitet mit einer Zahl, die die Studienlage nicht hergibt.
Regeneration und Verletzungen
Hier wird es deutlich: Eine Meta-Analyse über 69 Arbeiten aus der Orthopädie fand bei Rauchenden durchgehend erhöhte Risiken.
| Endpunkt | Relatives Risiko |
|---|---|
| Wirbelkörperfraktur | 1,61 |
| Hüftfraktur | 1,28 |
| Sonstige Frakturen | 1,75 |
| Ausbleibende Knochenheilung nach Frakturversorgung | 1,85 |
| Ausbleibende Knochenheilung nach orthopädischer Operation | 2,15 |
| Postoperative Infektion | 2,20 |
Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich um unbereinigte Risiken handelt – Alter, Begleiterkrankungen, Beruf und Alkoholkonsum wurden nicht herausgerechnet. Ein Teil des Effekts entfällt darauf. Als Größenordnung ist die Richtung aber eindeutig, und für Sporttreibende ist der Punkt praktisch relevant: Wer sich etwas bricht, wartet im Mittel länger auf die Heilung.
Für Sehnenrisse – ein oft behaupteter Zusammenhang – fand sich keine belastbare Meta-Analyse. Wir nennen dazu deshalb keine Zahl.
„Rauchen nach dem Sport" – die ehrliche Antwort
Zu dieser Frage existiert nach unserer Recherche keine einzige Studie, die Rauchen nach körperlicher Belastung als eigenständige Situation untersucht und mit Rauchen zu anderen Tageszeiten verglichen hätte.
Die überall zu lesende Begründung lautet: Nach dem Sport sei die Atmung noch vertieft, dadurch gelange der Rauch tiefer in die Lunge und werde stärker aufgenommen. Zerlegt man das in Einzelteile, bleibt wenig übrig:
| Teilbehauptung | Status |
|---|---|
| Atmung und Atemzugvolumen sind nach Belastung noch erhöht | belegt |
| Deshalb wird mehr Rauch tiefer inhaliert | nie gemessen |
| Deshalb ist der Schaden größer | nie gemessen |
Es gibt allerdings einen anderen, tatsächlich belegten Grund, in der ersten halben Stunde nach dem Training nicht zu rauchen – er hat nur nichts mit dem Atemzugvolumen zu tun. Eine Zigarette verengt die Herzkranzgefäße für rund 30 Minuten, während in der Nachbelastungsphase die Herzfrequenz noch erhöht und der periphere Gefäßwiderstand herabgesetzt ist. Wer eine Faustregel möchte, hat damit eine, die sich wenigstens auf gemessene Daten stützt.
Nikotin als Leistungsmittel?
Die Frage taucht regelmäßig auf, weil rauchfreies Nikotin im Sport verbreitet ist. Eine Übersichtsarbeit wertete zehn Studien zu Kraft, Ausdauer und hochintensiver Belastung aus: zwei fanden einen Vorteil, eine einen Nachteil, sieben gar keinen Effekt. Die methodisch beste Einzelstudie an trainierten Radfahrenden – doppelblind, mit Placebo – ergab keinen Effekt.
Nikotin steht bei der Welt-Anti-Doping-Agentur nicht auf der Verbotsliste, wird aber seit 2012 im Monitoring-Programm beobachtet. Eine Auswertung von 2.185 Dopingproben aus 43 Sportarten fand bei 15,3 Prozent Hinweise auf aktiven Nikotinkonsum, in einzelnen Sportarten zwischen 19 und 56 Prozent.
Rauchen im Leistungssport: Zahlen statt Namen
Die Suche nach „welche Sportler rauchen" zielt auf Namen. Seriös beantworten lässt sich die Frage nur mit Zahlen – Zuschreibungen zum Rauchverhalten einzelner, identifizierbarer Personen gehören in die Boulevardpresse, nicht in einen Ratgeber.
Eine norwegische Erhebung an 602 Schülerinnen und Schülern von Elitesportschulen mit 354 Vergleichspersonen an regulären Gymnasien ergab: An den Sportschulen wurde seltener geraucht. Nicht an organisiertem Sport teilzunehmen war in der Kontrollgruppe ein Prädiktor fürs Rauchen. Auffällig war ein anderes Muster – in Mannschaftssportarten war Snus verbreitet, im Handball bei rund jeder fünften Person.
Das Bild ist also nicht „Spitzensportler rauchen heimlich". Verbrannter Tabak ist im Leistungssport selten. Nikotin in rauchfreier Form ist es nicht.

Was der Rauchstopp tatsächlich bringt
Die bekannte Zeitleiste – 20 Minuten, 12 Stunden, 2 bis 12 Wochen, 1 Jahr, 15 Jahre – steht auf hunderten Seiten, fast immer ohne Quelle. Sie ist nicht erfunden: Sie geht auf einen Bericht des US-amerikanischen Surgeon General von 1990 zurück, auf den sich auch die WHO stützt. Zwei Dinge sollte man trotzdem wissen.
Erstens sind die Zeitpunkte gerundete Mittelwerte für Bevölkerungen, keine Schwellen, an denen bei einer einzelnen Person etwas umspringt. Am besten belegt ist der 12-Stunden-Punkt: Bei einer Halbwertszeit des Carboxyhämoglobins von 2 bis 6,5 Stunden ist die Normalisierung schlicht ausrechenbar. Am schwächsten belegt ist das Fenster „2 bis 12 Wochen" für die Lungenfunktion.
Zweitens ist die Zeitleiste an einer Stelle zu optimistisch. Eine Auswertung der Framingham-Kohorte mit 8.770 Personen über median 26 Jahre zeigt: Bei starken Rauchenden sank das kardiovaskuläre Risiko innerhalb von fünf Jahren nach dem Stopp deutlich – gegenüber Menschen, die nie geraucht haben, blieb es aber zwischen 10 und 15 Jahren erhöht, nicht ein bis fünf Jahre.
Für die Lunge gibt es die besseren Zahlen
Die Lung Health Study begleitete 5.887 Rauchende über elf Jahre und misst die jährliche Abnahme der Einsekundenkapazität:
| Gruppe | Abnahme pro Jahr |
|---|---|
| Männer, die zu Beginn aufhörten | 30,2 ml |
| Männer, die weiterrauchten | 66,1 ml |
| Frauen, die zu Beginn aufhörten | 21,5 ml |
| Frauen, die weiterrauchten | 54,2 ml |
Nach elf Jahren lag die Einsekundenkapazität bei 38 Prozent der Weiterrauchenden unter 60 Prozent des Sollwerts – gegenüber 10 Prozent der dauerhaft Abstinenten. Der Rauchstopp halbiert also etwa die jährliche Verlustrate. Er stellt nicht wieder her, was verloren ist; er stoppt den beschleunigten Verlust.
Zur sportlich naheliegendsten Frage – wie schnell die Ausdauer nach dem Rauchstopp zurückkommt – ist die Datenlage überraschend dünn. Es existiert genau eine Interventionsstudie mit prospektiver Messung der maximalen Sauerstoffaufnahme, und ihre Autorenschaft weist erhebliche Interessenkonflikte auf. Aussagen der Form „nach vier Wochen ohne Zigarette steigt deine Ausdauer um X Prozent" sind derzeit nicht seriös belegbar.
Und hilft Sport beim Aufhören?
„Sport hilft beim Rauchstopp" gehört zu den meistwiederholten und am schlechtesten belegten Empfehlungen. Ein Cochrane-Review über 24 randomisierte Studien mit 7.279 Teilnehmenden kommt auf ein relatives Risiko von 1,08 bei einem Konfidenzintervall von 0,96 bis 1,22 – ein Nutzen ließ sich nicht nachweisen, ist aber auch nicht ausgeschlossen.
Das ist kein Grund, auf Sport zu verzichten; die Gründe dafür liegen ohnehin woanders. Es ist ein Grund, nicht zu erwarten, dass das Laufband allein den Ausstieg trägt.
Und das Gewicht?
Die Sorge vor der Gewichtszunahme ist der häufigste Grund, den Ausstieg aufzuschieben. Eine Meta-Analyse über 62 Studien hat die Zahlen: Im Mittel nehmen Aufhörende nach zwölf Monaten 4,67 kg zu, der größte Teil davon in den ersten drei Monaten.
Die eigentliche Botschaft steckt aber in der Verteilung: 16 Prozent nehmen ab, 37 Prozent legen weniger als 5 kg zu, 34 Prozent zwischen 5 und 10 kg, 13 Prozent mehr als 10 kg. Die pauschale Aussage „man nimmt beim Aufhören zu" trifft auf jede sechste Person schlicht nicht zu. Was dahintersteckt und wie sich das steuern lässt, haben wir in einem eigenen Beitrag dazu zusammengestellt, wie sich Rauchstopp und Abnehmen verbinden lassen aufgearbeitet – samt der Empfehlung zur Reihenfolge: erst den Ausstieg sichern, das Gewicht ab etwa Monat drei. Wie lange eine Gewichtsabnahme realistisch dauert, ist eine eigene Rechnung – und meist eine andere, als man erwartet: wie lange Abnehmen wirklich dauert.
Wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, ist eine strukturierte Begleitung mehr wert als der nächste gute Vorsatz. Unsere Stoffwechselkur ist genau dafür gebaut: ein klarer Ablauf mit Vorbereitungstagen, Diätphase und Stabilisierungsphase, dazu die persönliche Betreuung durch unsere Ernährungsberatung.
Ein klarer Plan für die Zeit nach dem Rauchstopp – mit Betreuung statt guter Vorsätze.
Zur Einordnung der Dimension: In Deutschland rauchen nach dem Epidemiologischen Suchtsurvey 2024 rund 21,8 Prozent der 18- bis 64-Jährigen, also etwa 11,2 Millionen Menschen. Der Tabakatlas Deutschland 2025 führt 131.000 Todesfälle im Jahr 2023 auf den Tabakkonsum zurück – etwa jeden siebten Todesfall.
Häufige Fragen
Ist Sport treiben als Raucher gefährlich?
Eine Zigarette verengt die Herzkranzgefäße für rund 30 Minuten, während Training den Sauerstoffbedarf des Herzens erhöht – diese Kombination ist ungünstig. Daraus folgt aber nicht, auf Sport zu verzichten: Wer fünfmal pro Woche trainiert, hat nach einer Untersuchung an 1.228 Infarktpatienten ein rund 44-mal geringeres belastungsbezogenes Auslöserisiko als wer seltener als einmal wöchentlich trainiert.
Wie lange sollte man nach dem Sport nicht rauchen?
Dazu gibt es keine Studie. Die verbreitete Begründung mit der vertieften Atmung ist eine Vermutung, die niemand gemessen hat. Belegt ist etwas anderes: Eine Zigarette verengt die Herzkranzgefäße etwa 30 Minuten lang. Diese halbe Stunde ist die einzige Faustregel, die sich auf Messdaten stützt.
Wie stark beeinträchtigt Rauchen die Ausdauer?
Bei jungen, sportlich aktiven Rauchenden mit sechs Jahren Rauchgeschichte lagen die Sauerstoffaufnahme an der Ausbelastungsgrenze um 8 Prozent und die maximale Leistung um 11 Prozent unter der gematchten Vergleichsgruppe. Im submaximalen Bereich zeigte sich kein Unterschied. Am deutlichsten war der Effekt auf die Erholung nach der Belastung.
Verhindert Rauchen den Muskelaufbau?
Die Muskelproteinsynthese ist bei Rauchenden messbar reduziert, und Myostatin sowie MAFbx sind erhöht. Die größten Querschnittsuntersuchungen mit 29.441 und 3.045 Personen fanden allerdings keinen Zusammenhang zwischen Rauchen und Muskelkraft. Betroffen sind eher Kraftausdauer und Regeneration als die Maximalkraft.
Senkt Rauchen den Testosteronspiegel?
Nein. Eine Meta-Analyse über 22 Studien mit 13.317 Männern fand bei Rauchenden ein im Mittel um 1,53 nmol/l höheres Testosteron. Als Erklärung gilt, dass der Nikotinabbaustoff Cotinin den Abbau des Hormons hemmt. Ein Vorteil für den Muskelaufbau entsteht daraus nicht.
Hilft Sport beim Rauchstopp?
Ein Cochrane-Review über 24 randomisierte Studien mit 7.279 Teilnehmenden fand für Sport zusätzlich zu einer Ausstiegsunterstützung ein relatives Risiko von 1,08 mit einem Konfidenzintervall von 0,96 bis 1,22. Ein Nutzen ließ sich nicht nachweisen, ein moderater Nutzen ist aber auch nicht ausgeschlossen.
Quellen
Quillen JE et al.: Acute effect of cigarette smoking on the coronary circulation. J Am Coll Cardiol 1993;22(3):642–647. · Allred EN et al.: Short-term effects of carbon monoxide exposure on the exercise performance of subjects with coronary artery disease. N Engl J Med 1989;321(21):1426–1432. · Mittleman MA et al.: Triggering of acute myocardial infarction by heavy physical exertion. N Engl J Med 1993;329(23):1677–1683. · Horvath SM et al.: Maximal aerobic capacity at different levels of carboxyhemoglobin. J Appl Physiol 1975;38(2):300–303. · Kontro H et al.: Impairment in maximal lactate steady state after carbon monoxide inhalation is related to training status. Exp Physiol 2022;107(11):1265–1282. · Borrelli M et al.: Cigarette Smoking Impairs Cardiorespiratory and Metabolic Response at Peak Incremental Exercise and during Recovery in Young, Physically Active Adults. Med Sci Sports Exerc 2025;57(4):680–690. · Adatia A et al.: Effects of cigarette smoke exposure on pulmonary physiology, muscle strength and exercise capacity in a retrospective cohort with 30,000 subjects. PLoS One 2021;16(6):e0250957. · Conway TL, Cronan TA: Smoking, exercise, and physical fitness. Prev Med 1992;21(6):723–734. · Petersen AM et al.: Smoking impairs muscle protein synthesis and increases the expression of myostatin and MAFbx in muscle. Am J Physiol Endocrinol Metab 2007;293(3):E843–E848. · Zhao J et al.: Cigarette smoking and testosterone in men and women – a systematic review and meta-analysis. Prev Med 2016;85:1–10. · Smolle MA et al.: Fracture, nonunion and postoperative infection risk in the smoking orthopaedic patient. EFORT Open Rev 2021;6(11):1006–1019. · Mündel T: Nicotine – Sporting Friend or Foe? Sports Med 2017;47(12):2497–2506. · Martinsen M, Sundgot-Borgen J: Adolescent elite athletes' cigarette smoking, use of snus, and alcohol. Scand J Med Sci Sports 2014;24(2):439–446. · Anthonisen NR et al.: Smoking and lung function of Lung Health Study participants after 11 years. Am J Respir Crit Care Med 2002;166(5):675–679. · Duncan MS et al.: Association of Smoking Cessation With Subsequent Risk of Cardiovascular Disease. JAMA 2019;322(7):642–650. · Ussher MH et al.: Exercise interventions for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev 2019;10:CD002295. · Aubin HJ et al.: Weight gain in smokers after quitting cigarettes – meta-analysis. BMJ 2012;345:e4439. · Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Tabak und Nikotin – Zahlen, Daten, Fakten (ESA 2024). · Deutsches Krebsforschungszentrum: Tabakatlas Deutschland 2025.







