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Glutathion in Lebensmitteln: Was drin ist und was der Körper davon hat

Spätes Abendessen: ungesund oder egal? Was die Studien zeigen Du liest Glutathion in Lebensmitteln: Was drin ist und was der Körper davon hat 19 Minuten Weiter Richtig wiegen: Wann, wie oft und was die Waage wirklich zeigt

Nach der besten überprüfbaren Datenlage sind Speisepilze die glutathionreichste Lebensmittelgruppe – Maitake liegt bei rund 34 Milligramm je 100 Gramm, Igelstachelbart bei 28,6, Austernpilz bei 15,4. Bei Gemüse führen Spargel mit 10,7 und Avocado mit 10,4 Milligramm. Entscheidend ist allerdings etwas anderes: Geschlucktes Glutathion wird im Dünndarm größtenteils gespalten, bevor es ins Blut gelangt.

Dieser Artikel weicht in einem Punkt von fast allen anderen zu diesem Thema ab. Die Zahlentabelle, die im deutschsprachigen Netz von Seite zu Seite weitergereicht wird, ließ sich nicht belegen – und die Messreihen, die sich belegen lassen, kommen an mehreren Stellen auf völlig andere Werte. Wir zeigen beides und sagen, was wir nicht wissen.

Frische Speisepilze auf dunklem Holz: Maitake, Austernpilze, Shiitake und Igelstachelbart

Warum die kursierenden Tabellen nicht belegt sind

Wer „Glutathion Lebensmittel" sucht, stößt fast überall auf dieselben Zahlen: Spargel 28,3 Milligramm, Avocado 27,7, Spinat 11,4, Okra 11,3, Brokkoli 9,1. Sie stammen angeblich aus einer amerikanischen Untersuchung von 1992.

Wir haben versucht, diese Arbeit im Volltext zu beschaffen. Sie ist nicht frei zugänglich, und es existiert keine offene Zweitveröffentlichung. Verifizieren ließ sich nur die Zusammenfassung – und die enthält keine Einzelwerte, sondern nur die Einordnung, dass Milchprodukte, Getreide und Brot niedrig liegen, Obst und Gemüse mittel bis hoch, frisch zubereitetes Fleisch relativ hoch.

Zwei Beobachtungen machen die kursierenden Zahlen zusätzlich fragwürdig. Erstens: Zwei Seiten führen denselben Spargelwert von 28,3 Milligramm auf unterschiedliche Quellen zurück, und die eine bezeichnet ihn als „roh", die andere als „frisch gekocht". Zweitens: Eine Messreihe, die sich vollständig prüfen lässt, kommt bei mehreren Lebensmitteln auf völlig andere Größenordnungen.

Kursierende Werte gegen eine überprüfbare Messreihe (Demirkol et al. 2004, HPLC, Frischgewicht).
Lebensmittel kursierender Wert gemessen Faktor
Brokkoli 9,1 mg 0,12 mg ca. 75
Karotte 7,9 mg 0,12 mg ca. 66
Orange 7,3 mg 0,15 mg ca. 49
Banane 4,1 mg nicht nachweisbar

Solche Abweichungen haben plausible Gründe – unterschiedliche Analysemethoden, Frisch- gegen Trockengewicht, Sorte, Herkunft, Lagerdauer. Aber sie bedeuten, dass niemand eine Tabelle mit zwei Nachkommastellen präsentieren sollte, ohne dazuzuschreiben, woher sie stammt. Wir tun das im Folgenden.

Was tatsächlich gemessen wurde: Gemüse und Obst

Die folgenden Werte stammen aus einer Messreihe mit HPLC an je drei Proben, angegeben für rohe Lebensmittel und Frischgewicht. Wir haben die Originaleinheit umgerechnet.

Glutathion in Milligramm je 100 Gramm Frischgewicht, roh. Nach Demirkol et al. 2004.
Lebensmittel mg / 100 g
Spargel 10,7
Avocado 10,4
Spinat 9,6
Grüne Bohnen 7,1
Papaya 4,2
Gurke 3,8
Tomate 2,0
Mango 1,8
Zucchini 1,4
Paprika, rot 1,3
Erdbeere 1,2
Petersilie 0,52
Grapefruit 0,40
Blumenkohl 0,18
Kartoffel, Orange, Zitrone 0,15
Brokkoli, Karotte 0,12
Banane nicht nachweisbar

In derselben Untersuchung war in Kohl, roten Trauben, Brombeeren, Äpfeln und Pfirsichen keiner der untersuchten Schwefelverbindungen nachweisbar.

Für weitere Gruppen liegen nur Spannen aus einer Übersichtsarbeit vor, keine eigenen Messungen: frisches Obst und Gemüse 4 bis 15 Milligramm je 100 Gramm, Hülsenfrüchte 15 bis 37, frisches Fleisch 5 bis 20. Milchprodukte und Getreide liegen niedrig. Für Walnüsse, Knoblauch, Zwiebeln und Okra – alles Lebensmittel, die in den kursierenden Listen auftauchen – haben wir keine überprüfbare Messung gefunden. Wir nennen deshalb keine Zahl.

Grüner Spargel, halbierte Avocado, Blattspinat und grüne Bohnen auf grauem Leinen

Der Spitzenreiter, den niemand nennt: Speisepilze

Die einzige Lebensmitteltabelle, die wir im Originalvolltext prüfen konnten, betrifft Speisepilze – und sie stellt die übliche Rangfolge auf den Kopf.

Glutathion in Speisepilzen, Milligramm je 100 Gramm Frischgewicht. Nach Kalaras et al. 2017, Penn State University.
Pilzart mg / 100 g
Maitake / Klapperschwamm 34,1
Igelstachelbart / Pom Pom 28,6
Austernpilz, grau 15,4
Austernpilz, gelb 13,8
Shiitake 10,1
Reishi 5,8
Champignon, weiß 5,5
Portobello 3,7
Champignon, braun 3,4

Die Autoren schreiben ausdrücklich, dass die glutathionreichen Pilze höhere Gehalte aufweisen als jedes zuvor untersuchte Obst oder Gemüse. Ein Detail am Rande: Der Hut enthält bei allen getesteten Arten mehr Glutathion als der Stiel.

Die Streuung ist allerdings erheblich – bei Maitake liegt die Standardabweichung bei ±23,3 Milligramm, also fast so hoch wie der Mittelwert selbst. Die Werte stammen aus verschiedenen Ernten, und der Gehalt schwankt offenbar stark. Als Größenordnung taugen sie, als exakte Zahl nicht.

Wie viel Glutathion Menschen tatsächlich essen

Eine Erhebung an 69 Erwachsenen kam auf eine tägliche Aufnahme zwischen 13 und 110 Milligramm, im Mittel 34,8 Milligramm. Über die Hälfte davon stammte aus Obst und Gemüse, weniger als ein Viertel aus Fleisch.

Dieselbe Arbeit enthält einen Befund, der in keinem deutschen Ratgeber steht und den man kennen sollte: Zwischen der Glutathionaufnahme über die Nahrung und dem Glutathiongehalt im Blutplasma fanden sich kleine negative Korrelationen – meist nicht statistisch signifikant, aber über verschiedene Erfassungszeiträume konsistent. Auch nach Berücksichtigung von Geschlecht, Alter, Kalorienzufuhr und der Aufnahme der Vorstufen änderte sich daran nichts. Das Fazit der Autoren: Die Faktoren, die den Glutathionspiegel im Plasma regulieren, seien komplex und nicht einfach auf die Zufuhr über die Nahrung zurückzuführen.

Was Garen und Lagerung damit machen

Vorgang Wirkung auf den Glutathiongehalt
Rindfleisch grillen rund 40 % Verlust
Rindfleisch reifen lassen Gehalt steigt signifikant
Tiefkühlware vergleichbar mit frisch
Sonstige Verarbeitung und Konservierung ausgeprägte Verluste
Muttermilch, 2 Stunden gelagert 73 bis 81 % Verlust, unabhängig von der Temperatur

Die Kurzfassung lautet: Frisch schlägt verarbeitet – aber Tiefkühl ist besser als sein Ruf. Das widerspricht der verbreiteten Behauptung, nur rohe Lebensmittel zählten.

Die häufig zitierte Angabe „Kochen zerstört bis zu 60 Prozent" ließ sich dagegen keiner überprüfbaren Messung zuordnen. Wir übernehmen sie nicht.

Der entscheidende Punkt: Was nach dem Schlucken passiert

Glutathion ist ein Tripeptid aus Glutamat, Cystein und Glycin. Im Dünndarm sitzt an der Bürstensaummembran das Enzym Gamma-Glutamyltransferase, das die Bindung zwischen Glutamat und Cystein hydrolytisch spaltet. Ein erheblicher Teil des geschluckten Glutathions kommt deshalb gar nicht als Glutathion im Blut an, sondern als seine Bausteine.

Die Studienlage dazu ist ungewöhnlich klar strukturiert – und ungewöhnlich widersprüchlich.

1992: die klassische Negativstudie

Sieben gesunde Probanden erhielten eine Einzeldosis von etwa 3 Gramm Glutathion. Über 270 Minuten wurde der Plasmaspiegel verfolgt. Ergebnis: kein signifikanter Anstieg. Die Autoren schlossen daraus, dass sich die Glutathionspeicher des Körpers durch eine orale Einzeldosis nicht wirksam auffüllen lassen.

2011: eine saubere randomisierte Studie mit Nullergebnis

40 Erwachsene, zweimal täglich 500 Milligramm, vier Wochen, kontrolliert gegen Placebo. Keiner der untersuchten Marker für oxidativen Stress veränderte sich signifikant, und der Glutathionstatus blieb unverändert. Bemerkenswert daran: Die Studie wurde vom Hersteller des eingesetzten Glutathions finanziert – und kam trotzdem zu einem Nullergebnis. Das macht sie zur belastbarsten Einzelarbeit in diesem Feld.

2015: die Studie mit den positiven Zahlen

54 Erwachsene, 250 oder 1.000 Milligramm täglich über sechs Monate. Hier stiegen die Glutathionspiegel deutlich: rund 30 bis 35 Prozent in Erythrozyten, Plasma und Lymphozyten, in Mundschleimhautzellen sogar um 260 Prozent. Auch ein Immunmarker verbesserte sich. Zwei Einschränkungen gehören dazu: Ein Monat nach Absetzen lagen alle Werte wieder auf dem Ausgangsniveau. Und auch diese Studie wurde von einem Glutathionhersteller unterstützt.

2025: die Metaanalyse, die alles relativiert

Fasst man die vorliegenden Studien zusammen, bleibt kein signifikanter Effekt übrig. Für Glutathion in den roten Blutkörperchen ergab sich eine standardisierte Mittelwertdifferenz von 0,74 mit einem Konfidenzintervall von −0,44 bis 1,91 (p = 0,22), für das Plasma 0,44 mit einem Intervall von −0,21 bis 1,09 (p = 0,19). Beide Intervalle schließen die Null ein.

Die neueren Darreichungsformen ändern daran wenig. Zur liposomalen Variante existiert eine unkontrollierte Pilotstudie mit zwölf Teilnehmenden, finanziert vom Hersteller. Eine sublinguale Studie mit 16 Teilnehmenden verfehlte ihren primären Endpunkt. Zu S-Acetyl-Glutathion liegen bislang nur toxikologische Daten vor, keine Wirksamkeitsstudien am Menschen.

Wie wir das einordnen: Die Frage ist nicht endgültig entschieden. Es gibt eine Studie über sechs Monate, die einen Anstieg der Körperspeicher zeigt – und eine kürzere, hersteller­finanzierte Studie mit Nullergebnis sowie eine Metaanalyse ohne signifikanten Effekt. Was sich sagen lässt: Wer Glutathion schluckt, sollte nicht davon ausgehen, dass es als Glutathion im Blut ankommt. Und die längste kontrollierte Untersuchung, die es gibt, läuft über sechs Monate. Daten zur Einnahme über Jahre existieren nicht.

Was Glutathion im Körper leistet

Der Körper stellt Glutathion selbst her – und zwar in erheblichen Mengen. Es erfüllt dabei drei Aufgaben:

  • Es ist das Substrat der Glutathionperoxidase, eines Enzyms, das Wasserstoffperoxid und Lipidperoxide unschädlich macht. Dieses Enzym ist ein Selenoenzym – ohne Selen funktioniert es nicht.
  • Es wird von der Glutathionreduktase immer wieder regeneriert. Dieses Enzym arbeitet mit FAD, einem Cofaktor, der aus Riboflavin gebildet wird.
  • Es ist zentral in der Phase-II-Entgiftung der Leber, wo Fremdstoffe an Glutathion gekoppelt und dadurch ausscheidbar gemacht werden.

Aus dieser Biochemie folgt der praktisch wichtigste Punkt des ganzen Artikels: Das Glutathionsystem hängt an Selen und Riboflavin. Und für genau diese beiden Nährstoffe gibt es zugelassene gesundheitsbezogene Angaben, während es für Glutathion selbst keine gibt.

Was in der EU dazu gesagt werden darf

  • Selen trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen
  • Riboflavin trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen
  • Vitamin C trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen
  • Zink, Kupfer und Mangan tragen ebenfalls dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen

Im amtlichen Text der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 kommt das Wort Glutathion kein einziges Mal vor. Es existiert dafür also keine zugelassene Angabe, und wir treffen keine.

Ein Detail zum Riboflavin, das die Sache greifbar macht: In Untersuchungen aus Irland und Großbritannien lagen 48 bis 50 Prozent der Frauen zwischen 18 und 45 Jahren im Riboflavin-Mangelbereich, gemessen über die Aktivität genau jenes Enzyms, das Glutathion regeneriert.

„Glutathionmangel": was davon ein echtes Krankheitsbild ist

Ein Glutathionmangel ist bei gesunden Menschen kein anerkanntes, diagnostizierbares Krankheitsbild. Es gibt keinen etablierten Grenzwert, ab dem ein Laborwert als Mangel gilt, keine Leitlinie zu seiner Diagnose und keine anerkannte Symptomliste.

Die Beschwerdelisten, die man im Netz zu diesem Stichwort findet – Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, häufige Infekte, Kopfschmerzen, Hautprobleme, vorzeitige Hautalterung, Schlafstörungen – sind unspezifisch und nicht aus Studien abgeleitet, die einen ursächlichen Zusammenhang zu Glutathionspiegeln geprüft hätten. Wir haben keine einzige belastbare Quelle gefunden, die eine solche Liste stützt.

Was es tatsächlich gibt, sind zwei ganz verschiedene Dinge:

Der Glutathion-Synthetase-Mangel

Eine sehr seltene angeborene Stoffwechselkrankheit, autosomal-rezessiv vererbt, verursacht durch Mutationen im GSS-Gen. In den schweren Formen treten metabolische Azidose, hämolytische Anämie und neurologische Auffälligkeiten auf. Behandelt wird sie nicht mit Glutathion, sondern mit Natriumbicarbonat sowie Vitamin C und E.

Erkrankungen mit gemessen niedrigen Werten

Bei HIV-Infektion, chronischen Lebererkrankungen, Alkoholabhängigkeit und Paracetamolvergiftung werden erniedrigte Glutathionspiegel gemessen. Ob das Ursache, Folge oder Begleiterscheinung ist, ist in den meisten Fällen ungeklärt. In Übersichtsarbeiten werden weitere Erkrankungen genannt; die Primärstudien dazu haben wir nicht einzeln geprüft.

Beides ist etwas anderes als ein Mangel, den man bei sich selbst vermuten und mit einem Präparat auffüllen könnte. Wer über längere Zeit erschöpft ist oder unerklärliche Beschwerden hat, sollte das ärztlich abklären lassen – nicht mit einem Nahrungsergänzungsmittel behandeln.

Vorstufen statt Glutathion

Weil geschlucktes Glutathion im Darm gespalten wird, richtet sich die Aufmerksamkeit in der Forschung eher auf die Bausteine. Der limitierende davon ist Cystein, eine schwefelhaltige Aminosäure.

Gute Cysteinquellen in der Ernährung sind Molkenprotein, Eier, Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte sowie Kreuzblütler wie Brokkoli, Rosenkohl und Kohl. Knoblauch und Zwiebeln liefern Schwefelverbindungen, wenn auch nicht in Form von Cystein.

Ein Wort zu N-Acetylcystein, das in diesem Zusammenhang häufig genannt wird: Es ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen, nicht als Nahrungsergänzungsmittel. Wir behandeln es hier deshalb nicht als Ernährungsthema.

Wenn du deine Eiweißversorgung insgesamt im Blick hast, liest du dazu mehr in unserem Ratgeber zu Whey Protein und seiner Wirkung und zur Verteilung von Eiweiß, Kohlenhydraten und Fett.

Eier, Proteinpulver, Brokkoli, Rosenkohl, Knoblauch, Zwiebel und Lachsfilet als Quellen schwefelhaltiger Aminosäuren

Sicherheit und eine deutliche Warnung

Zur oralen Einnahme in den untersuchten Mengen – 250 bis 1.000 Milligramm täglich – wurden in den vorliegenden Studien keine Sicherheitssignale berichtet. Die Autoren der Vier-Wochen-Studie halten die Verträglichkeit ausdrücklich für unproblematisch. Am häufigsten berichtet werden Magen-Darm-Beschwerden.

Zwei Einschränkungen: Die längste kontrollierte Untersuchung läuft über sechs Monate. Daten zur Einnahme über Jahre existieren nicht. Und eine belastbare Zusammenstellung von Arzneimittelwechselwirkungen haben wir nicht gefunden – wir erfinden deshalb keine Liste. Weil Glutathion zentral in der Phase-II-Entgiftung steht, lässt sich eine Beeinflussung des Arzneistoffwechsels theoretisch nicht ausschließen; belegt ist sie nicht. Wer regelmäßig Medikamente nimmt oder sich in Chemotherapie befindet, sollte jede Selbstmedikation mit Antioxidantien ärztlich abstimmen.

Für Glutathion existiert übrigens keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Welche sieben Nährstoffe in der EU einen Zellschutz-Claim tragen und warum hochdosierte Antioxidantien in großen Studien geschadet haben, haben wir separat aufgeschrieben.

Finger weg von Glutathion-Infusionen zur Hautaufhellung. International wird Glutathion massiv als Aufhellungsmittel vermarktet, auch intravenös, und solche Produkte sind über Online-Marktplätze auch hierzulande erhältlich. Die philippinische Arzneimittelbehörde hat davor 2019 ausdrücklich gewarnt und nennt Leber-, Nieren- und Nervenschäden, das Stevens-Johnson-Syndrom sowie das Risiko einer Übertragung von HIV und Hepatitis durch unsteriles Vorgehen. Die US-Arzneimittelbehörde dokumentierte im selben Jahr Fälle nach Infusionen von 1.400 Milligramm, bei denen die Endotoxinbelastung des Präparats das Fünffache des Grenzwerts erreichte. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2025 bezeichnet intravenöses Glutathion zu diesem Zweck als kontraindiziert. Es gibt hierfür keine anerkannte medizinische Indikation.

Was daraus folgt

Glutathion ist eine der wichtigsten körpereigenen Schutzsubstanzen – daran gibt es nichts zu deuteln. Die Frage ist nur, ob man daran über die Ernährung oder über eine Kapsel etwas ändert.

Was sich sagen lässt: Speisepilze, Spargel, Avocado, Spinat und grüne Bohnen sind nach den überprüfbaren Messungen die reichsten Quellen. Frisch ist besser als verarbeitet, Tiefkühl steht dem Frischen kaum nach. Die tägliche Aufnahme über die Nahrung liegt im Mittel bei rund 35 Milligramm – und korreliert nicht mit dem Glutathionspiegel im Blut.

Was sich nicht sagen lässt: dass eine bestimmte Menge über die Nahrung oder ein Präparat den Glutathionstatus eines gesunden Menschen verbessert und daraus ein gesundheitlicher Nutzen entsteht. Dafür fehlt die Evidenz, und deshalb gibt es dafür auch keine zugelassene Angabe.

Der belastbare Weg führt über die Nährstoffe, an denen das Glutathionsystem tatsächlich hängt: Selen für die Glutathionperoxidase, Riboflavin für die Glutathionreduktase – und eine Ernährung, die reich an schwefelhaltigen Aminosäuren ist.

Selen und Riboflavin abdecken

Unser DailyVit liefert pro Tagesportion 50 µg Selen (91 % der Referenzmenge) und 2,8 mg Riboflavin (200 %). Selen und Riboflavin tragen dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen – Selen über die Glutathionperoxidase, Riboflavin über die Regeneration des Glutathions. Beide Mengen liegen deutlich unter den geltenden Höchstmengen; für Selen liegt diese bei 255 µg pro Tag.

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In unserem Grape+C stecken neben dem Traubenkernextrakt auch 80 Milligramm L-Glutathion. Wir bewerben es nicht damit – die belegbaren Aussagen dieses Produkts hängen an den enthaltenen 100 Milligramm Vitamin C und 4 Milligramm Vitamin B1, nicht am Glutathion. Wie wir zu solchen Pflanzenstoffen stehen, steht ausführlich auf unserer Seite zu OPC aus Traubenkernen.

Häufige Fragen

Welche Lebensmittel enthalten viel Glutathion?

Nach den überprüfbaren Messungen führen Speisepilze: Maitake mit rund 34 mg je 100 g, Igelstachelbart mit 28,6 mg, Austernpilz mit 15,4 mg und Shiitake mit 10,1 mg. Bei Gemüse liegen Spargel mit 10,7 mg, Avocado mit 10,4 mg, Spinat mit 9,6 mg und grüne Bohnen mit 7,1 mg vorn. Milchprodukte, Getreide und Brot enthalten wenig.

Warum stehen in anderen Tabellen ganz andere Werte?

Weil die verbreitete Tabelle mit Spargel 28,3 mg und Avocado 27,7 mg auf eine Arbeit von 1992 verweist, die nicht frei zugänglich ist und deren Zusammenfassung keine Einzelwerte enthält. Eine überprüfbare Messreihe kommt bei Brokkoli auf 0,12 statt 9,1 mg, bei Karotte auf 0,12 statt 7,9 mg. Solange dieser Widerspruch nicht aufgelöst ist, sollte niemand exakte Werte behaupten.

Bringt es etwas, Glutathion als Kapsel einzunehmen?

Die Datenlage ist widersprüchlich. Eine Einzeldosis von 3 Gramm erhöhte den Plasmaspiegel nicht messbar. Eine randomisierte Studie über vier Wochen mit 1.000 mg täglich zeigte keinen Effekt auf Glutathionstatus oder Marker für oxidativen Stress. Eine Studie über sechs Monate fand dagegen einen Anstieg der Körperspeicher um 30 bis 35 Prozent, der einen Monat nach Absetzen wieder verschwunden war. Eine Metaanalyse von 2025 findet insgesamt keinen signifikanten Effekt.

Was sind die Symptome eines Glutathionmangels?

Für gesunde Menschen gibt es keine anerkannte Symptomliste, keinen diagnostischen Grenzwert und keine Leitlinie. Die im Internet kursierenden Listen sind unspezifisch und nicht durch Studien belegt. Es existiert eine sehr seltene angeborene Stoffwechselkrankheit, der Glutathion-Synthetase-Mangel, sowie Erkrankungen wie HIV-Infektion oder chronische Lebererkrankungen, bei denen erniedrigte Werte gemessen werden. Anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt.

Zerstört Kochen das Glutathion?

Teilweise. Belegt ist ein Verlust von rund 40 Prozent beim Grillen von Rindfleisch. Tiefkühlware liegt dagegen auf dem Niveau frischer Ware, während sonstige Verarbeitung und Konservierung zu ausgeprägten Verlusten führen. Die häufig zitierte Angabe, Kochen zerstöre bis zu 60 Prozent, ließ sich keiner überprüfbaren Messung zuordnen.

Wie viel Glutathion nimmt man über die Ernährung auf?

Eine Erhebung an 69 Erwachsenen kam auf 13 bis 110 mg täglich, im Mittel 34,8 mg. Über die Hälfte stammte aus Obst und Gemüse. Bemerkenswert: Dieselbe Arbeit fand zwischen der Aufnahme über die Nahrung und dem Glutathionspiegel im Blutplasma leicht negative Korrelationen – ein Zusammenhang ließ sich also nicht zeigen.

Welche Nährstoffe braucht das Glutathionsystem?

Die Glutathionperoxidase ist ein Selenoenzym und braucht Selen. Die Glutathionreduktase, die verbrauchtes Glutathion regeneriert, arbeitet mit einem Cofaktor aus Riboflavin. Für beide Nährstoffe gilt die zugelassene Angabe, dass sie dazu beitragen, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Für Glutathion selbst existiert keine zugelassene Angabe.

Was ist mit Glutathion zur Hautaufhellung?

Davon ist dringend abzuraten, besonders in intravenöser Form. Die philippinische Arzneimittelbehörde warnt vor Leber-, Nieren- und Nervenschäden sowie dem Stevens-Johnson-Syndrom; die US-Arzneimittelbehörde dokumentierte Fälle mit stark erhöhter Endotoxinbelastung. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2025 bezeichnet intravenöses Glutathion zu diesem Zweck als kontraindiziert.

Quellen

  • Demirkol O, Adams C, Ercal N. Biologically important thiols in various vegetables and fruits. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2004.
  • Kalaras MD, Richie JP, Calcagnotto A, Beelman RB. Mushrooms: A rich source of the antioxidants ergothioneine and glutathione. Food Chemistry 2017;233:429–433.
  • Jones DP, Coates RJ, Flagg EW, et al. Glutathione in foods listed in the National Cancer Institute's Health Habits and History Food Frequency Questionnaire. Nutrition and Cancer 1992;17(1):57–75. (Nur Zusammenfassung zugänglich.)
  • Flagg EW, Coates RJ, Jones DP, et al. Dietary glutathione intake and the risk of oral and pharyngeal cancer sowie Erhebung zur Glutathionaufnahme. American Journal of Epidemiology 1994.
  • Witschi A, Reddy S, Stofer B, Lauterburg BH. The systemic availability of oral glutathione. European Journal of Clinical Pharmacology 1992;43(6):667–669.
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  • Richie JP Jr, Nichenametla S, Neidig W, et al. Randomized controlled trial of oral glutathione supplementation on body stores of glutathione. European Journal of Nutrition 2015;54(2):251–263.
  • Rakowska R et al. Zur Wirkung von Reifung und Grillen auf den Glutathiongehalt von Rindfleisch. Meat Science 2017.
  • Ankrah NA, Appiah-Opong R, Dzokoto C. Human breastmilk storage and the glutathione content. Journal of Tropical Pediatrics 2000;46(2):111–113.
  • Philippine Food and Drug Administration, Advisory 2019-182 zu Glutathion-Injektionen; US Food and Drug Administration, Warnung zu compoundierten Glutathion-Präparaten, 2019.
  • Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben, Anhang – Einträge zu Selen, Riboflavin, Vitamin C, Vitamin E, Zink, Kupfer und Mangan.
  • Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, Artikel 10.
  • Produktangaben der VitalBodyPLUS GmbH zu DailyVit und Grape+C.

Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene Tagesdosis darf nicht überschritten werden. Außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern aufbewahren. Maßgeblich sind die Angaben auf der Verpackung. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information, gibt den Stand zum Zeitpunkt der letzten Aktualisierung wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nährwerte in Lebensmitteln schwanken je nach Sorte, Herkunft, Lagerung und Zubereitung. Bei anhaltenden Beschwerden, Vorerkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei der Einnahme von Medikamenten sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.