Das berühmte anabole Fenster ist deutlich größer als 30 Minuten. In der maßgeblichen Meta-Analyse verschwand der Vorteil einer sofortigen Eiweißzufuhr, sobald für die tägliche Gesamtproteinmenge kontrolliert wurde – und genau diese Tagesmenge war der mit Abstand stärkste Faktor. Eilig wird es nur in einem Fall: wenn innerhalb von rund acht Stunden die nächste harte Einheit ansteht. Dann zählen Kohlenhydrate, und zwar sofort.
Dieser Text nennt die Zahlen hinter den Faustregeln: warum die bekannte 20-Gramm-Grenze aus Studien mit einseitigem Beintraining stammt, warum nach einem Ganzkörpertraining eher 40 Gramm sinnvoll sind, was im Ganzkörper-Kalorimeter passiert, wenn man nach dem Sport nichts isst – und welche Formulierungen zu diesem Thema in der EU überhaupt zulässig sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Timing-Effekt: Effektstärke 0,14 und nicht signifikant, sobald die Tagesproteinmenge herausgerechnet wird. Vorher waren es 0,24 und signifikant.
- Die 20-Gramm-Regel ist eine Beintrainings-Zahl. Nach Ganzkörpertraining schnitten 40 Gramm signifikant besser ab.
- Kohlenhydrate eilen nur unter acht Stunden Abstand. Wer 24 Stunden Pause hat, für den zählt allein die Tagesmenge.
- Nüchtern verbrennst du in der Trainingsstunde mehr Fett – über 24 Stunden gleicht sich das aus. Im Ganzkörper-Kalorimeter war die Fettbilanz am Trainingstag sogar positiver.
- Für „Regeneration“ gibt es in der EU keine einzige zugelassene Angabe. Der einzige Treffer im Verordnungsanhang betrifft Vitamin C und Vitamin E.
- Bei über 1,62 Gramm Eiweiß je Kilogramm und Tag war in einer Auswertung von 49 Studien kein zusätzlicher Zuwachs an fettfreier Masse mehr messbar.
Inhalt
Das anabole Fenster: die entscheidende Zahl
Kaum eine Regel hält sich so hartnäckig wie die, man müsse innerhalb von 30 Minuten nach dem Training Eiweiß zuführen, sonst sei das Training halb verschenkt. Die maßgebliche Meta-Analyse dazu wertete randomisierte Studien mit 525 Teilnehmenden zur Muskelhypertrophie und 478 zur Kraft aus.Schoenfeld, Aragon & Krieger 2013
| Modell | Effektstärke für Muskelzuwachs | p-Wert |
|---|---|---|
| ohne Kovariaten | 0,24 ± 0,10 | 0,02 |
| nur die Tagesproteinmenge als Kovariate | 0,14 ± 0,11 | 0,19 |
| volles Modell mit allen Kovariaten | 0,16 ± 0,11 | 0,18 |
Der Vorteil des Timings verschwindet also, sobald man berücksichtigt, dass die Timing-Gruppen schlicht mehr Eiweiß am Tag bekamen. Die Tagesmenge selbst war der stärkste Prädiktor: Pro zusätzlichem halben Gramm Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht stieg die Effektstärke um rund 0,2. Auf die Kraft hatte das Timing in keinem Modell einen signifikanten Effekt.
Die Autoren formulieren es vorsichtig, und diese Vorsicht gehört mit zitiert: Die vorhandene Evidenz stützt die Behauptung nicht, dass eine Zufuhr innerhalb einer Stunde die Anpassungen bedeutsam verbessert. Das ist etwas anderes als „Timing ist bewiesenermaßen egal“.
Was die Fachgesellschaft daraus macht
Das Positionspapier der International Society of Sports Nutrition zum Nährstoff-Timing nennt als vorrangigen Schwerpunkt, die tägliche Gesamtproteinmenge zu erreichen, möglichst gleichmäßig über den Tag verteilt in Abständen von etwa drei Stunden. Eine Zufuhr in den ersten zwei Stunden nach dem Training regt die Muskelproteinsynthese kräftig an – nur ist das keine Frist, deren Überschreiten etwas kaputt macht.
Der Punkt, der es praktisch macht: Wer ein bis zwei Stunden vor dem Training substanziell gegessen hat, hat noch mindestens zwei Stunden nach dem Training erhöhte Aminosäurespiegel im Blut. Für den ist die Mahlzeit direkt danach zeitlich unkritisch. Wer nüchtern trainiert hat, sollte sie näher heranholen.
Die aktuellste Auswertung, die ausschließlich Studien einschließt, die Eiweiß vor und nach dem Training direkt gegeneinander testeten, fand bei Muskelmasse und Bankdrücken keinen Unterschied und bei der Beinpresse einen grenzwertigen Vorteil für die Zufuhr vorher. Fünf Studien, p = 0,048, untere Grenze des Vertrauensbereichs bei 0,005 – ein schwacher Befund, aber einer, der eher gegen ein Fenster danach spricht als für eines.Casuso & Goossens 2025

Wie viel Eiweiß nach dem Training
Die bekannteste Zahl lautet 20 Gramm. Sie stimmt – für eine bestimmte Trainingsart.
In der Studie, aus der sie stammt, erhielten 48 krafttrainierte Männer von rund 80 Kilogramm nach einseitigem Beintraining 0, 10, 20 oder 40 Gramm Molkenproteinisolat. Die myofibrilläre Proteinsynthese stieg bei 20 Gramm um 49 Prozent und bei 40 Gramm um 56 Prozent; der Unterschied zwischen beiden war nicht signifikant. Zehn Gramm brachten nichts.Witard et al. 2014
Nun trainiert kaum jemand nur ein Bein. Als dieselbe Frage nach einem Ganzkörper-Krafttraining gestellt wurde, sah das Ergebnis anders aus: 40 Gramm führten zu einer signifikant höheren Proteinsyntheserate als 20 Gramm (0,059 gegenüber 0,049 Prozent pro Stunde, p = 0,005). Die magere Körpermasse der Teilnehmer spielte dabei keine Rolle – die Menge an trainierter Muskulatur schon.Macnaughton et al. 2016
Die praktische Übersetzung
Nach einem Split, der nur eine Muskelgruppe trifft: rund 20 bis 25 Gramm hochwertiges Eiweiß, also etwa 0,25 Gramm je Kilogramm Körpergewicht.
Nach einem Ganzkörpertraining: eher 40 Gramm, also rund 0,4 Gramm je Kilogramm.
Über den Tag: Ab 1,62 Gramm je Kilogramm und Tag war in einer Auswertung von 49 Studien mit 1.863 Teilnehmenden kein zusätzlicher Zuwachs an fettfreier Masse mehr messbar. Das ist die eigentlich wichtige Zahl.Morton et al. 2018
Eine Obergrenze pro Mahlzeit, ab der Eiweiß „verschwendet“ wäre, ließ sich übrigens nicht finden: In einer Untersuchung mit vierfacher Isotopenmarkierung erzeugten 100 Gramm eine stärkere und über zwölf Stunden anhaltende Antwort gegenüber 25 Gramm. Die Teilnehmer waren allerdings nicht krafttrainiert, und eine publizierte Gegenposition warnt ausdrücklich davor, daraus abzuleiten, die Verteilung über den Tag sei egal.Trommelen et al. 2023
Unser DailyWhey liefert je Portion 22,4 Gramm Eiweiß. Proteine tragen zu einer Zunahme an Muskelmasse bei und zur Erhaltung von Muskelmasse.
DailyWhey ansehenKohlenhydrate: wann sie wirklich eilen
Hier liegt der Unterschied zwischen einer sinnvollen Regel und einer überall falsch angewandten.
Die Ursprungsstudie stammt von 1988: Zwölf Radfahrer fuhren 70 Minuten bis zur Glykogenverarmung und bekamen 2 Gramm Kohlenhydrate je Kilogramm entweder sofort oder zwei Stunden später. In den ersten zwei Stunden lag die Glykogenneubildung bei 7,7 gegenüber 2,5 Mikromol je Gramm Muskelfeuchtgewicht und Stunde. Aus dieser Messung ist die 30-Minuten-Regel des Fitnessmarketings geworden. Gemessen wurde dabei ausschließlich die Rate über vier Stunden – nicht der Glykogengehalt nach 24 Stunden und schon gar nicht Muskelaufbau.Ivy et al. 1988
| Situation | Was zu tun ist |
|---|---|
| Zwei erschöpfende Einheiten am selben Tag, unter etwa acht Stunden Abstand | sofort beginnen, 1,0 bis 1,2 Gramm Kohlenhydrate je Kilogramm und Stunde, alle 15 bis 30 Minuten, über bis zu vier bis fünf Stunden |
| Erste vier Stunden nach einer langen Einheit allgemein | rund 1 Gramm je Kilogramm optimiert die frühe Neubildung |
| Normalfall: rund 24 Stunden bis zur nächsten Einheit | Timing praktisch bedeutungslos – es zählt allein die Tagesmenge |
Die maßgebliche Übersichtsarbeit formuliert es für die spätere Phase so, dass Art, Form und Muster der Zufuhr weniger wichtig sind als die Gesamtmenge.Burke, van Loon & Hawley 2017
Braucht es Eiweiß dazu?
Nur wenn die Kohlenhydratzufuhr hinter dem Optimum zurückbleibt. In einem direkten Vergleich mit gleicher Kalorienzahl – 1,2 Gramm Kohlenhydrate je Kilogramm und Stunde gegen 0,8 Gramm Kohlenhydrate plus 0,4 Gramm Eiweiß – lag der Glykogengehalt nach vier Stunden Erholung bei 252 gegenüber 266 Millimol je Kilogramm Trockenmasse (p = 0,44), und die Zeit bis zur Erschöpfung im zweiten Lauf war praktisch identisch.Alghannam et al. 2016
Und die Frage nach dem Obst: Obst liefert vor allem Fruktose. Für die Neubildung von Muskelglykogen ist Glukose deutlich effizienter, für das Leberglykogen dagegen Fruktose. Wer nach einer langen Ausdauereinheit schnell die Muskelspeicher füllen will, kommt mit Reis, Kartoffeln oder Maltodextrin weiter als mit Obst allein.

„Nach dem Sport nichts essen, dann verbrennt man mehr Fett“
Die Prämisse stimmt, die Schlussfolgerung nicht. Ohne Nahrung wird während der Belastung tatsächlich mehr Fett oxidiert – das zeigt eine Meta-Analyse über 27 Studien. Über 24 Stunden gleicht der Körper das jedoch aus. In einer Messung im Ganzkörper-Kalorimeter unterschied sich die Fettoxidation über den ganzen Tag zwischen Trainings- und Kontrolltag nicht, und die Fettbilanz war am Trainingstag sogar positiver.
Der entscheidende Satz lautet: Was in der Trainingsstunde mehr an Fett verbrannt wird, wird in den Stunden danach weniger verbrannt. Ausschlaggebend ist die Energiebilanz über Tage und Wochen, nicht die Substratverwertung während einer Stunde.Melanson et al. 2009
Über Wochen gemessen bestätigt sich das. Eine Meta-Analyse über fünf Studien mit 96 Teilnehmenden fand für Training im nüchternen Zustand keinen Einfluss auf Gewichtsverlust, Fettmasse oder Magermasse.Hackett & Hagstrom 2017
Auch die Variante „nichts essen, damit der Nachbrenneffekt weiterläuft“ hält nicht stand. Ein verlängerter Nachbrenneffekt ist bei entsprechender Belastung real, macht aber nur 6 bis 15 Prozent der Sauerstoffkosten des Trainings aus. Essen unterbricht ihn nicht.
Was gegen das Auslassen spricht
Muskelerhalt. In einer vierwöchigen Untersuchung bei rund 40 Prozent Energiedefizit und intensivem Training gewannen Teilnehmer mit 2,4 Gramm Eiweiß je Kilogramm 1,2 Kilogramm magere Masse, jene mit 1,2 Gramm nur 0,1 Kilogramm – und verloren gleichzeitig mehr Fett (4,8 gegenüber 3,5 Kilogramm).Longland et al. 2016
Der fehlende Hunger nach dem Sport ist echt. Akute Belastung senkt das appetitanregende Ghrelin und erhöht mehrere sättigende Hormone. Das erklärt, warum viele nach dem Training keinen Appetit haben – es ist kein Grund, die Mahlzeit dauerhaft ausfallen zu lassen.
Wenn das Ziel Abnehmen ist
Dann ändert sich die Reihenfolge der Hebel, nicht die Physiologie.
- Die Energiebilanz über die Woche entscheidet – nicht der Zeitpunkt der Mahlzeit.
- Eiweiß hoch halten: im Defizit werden 1,6 bis 2,4 Gramm je Kilogramm und Tag genannt, damit vom verlorenen Gewicht möglichst wenig Muskulatur ist.
- Krafttraining ist dabei das wirksamere Werkzeug als zusätzliche Ausdauereinheiten.
- Kohlenhydrate nach dem Training reduzieren, nicht streichen. Ihre Menge richtet sich nach dem Tagesbudget, nicht nach dem Trainingszeitpunkt.
Wenn das Defizit sowieso ansteht.
Bei der Stoffwechselkur rechnen wir die Mengen individuell aus, statt mit Pauschalwerten zu arbeiten. Das Konzept ist eiweißbetont und gemüsereich, auf die Diätphase folgt eine feste Stabilisierungsphase, und Magdalena und ihr Team begleiten dich täglich persönlich per WhatsApp – auch mit der Frage, wie sich dein Training in den Plan einfügt. Die Ernährungsberatung ist im Paket enthalten.
Stoffwechselkur ansehenVor oder nach dem Sport essen
Für den Kraftaufbau ist beides gleichwertig, solange die Tagesmenge stimmt. In einer zehnwöchigen Untersuchung mit 21 krafttrainierten Männern, die 25 Gramm Eiweiß entweder unmittelbar vor oder unmittelbar nach dem Training bekamen, unterschied sich kein einziger Messwert.
Für lange Ausdauereinheiten gilt etwas anderes: Eine Auswertung von 46 Studien fand, dass vorheriges Essen die Leistung bei längerer aerober Belastung signifikant verbessert (p = 0,012), bei kurzer dagegen nicht.Aird et al. 2018
Und wie lange nach dem Essen warten?
Belastbar ist der Mechanismus, nicht die Stundenzahl. Gemessen ist, dass Belastungsintensität die Magenentleerung deutlich verlangsamt: Beim intermittierenden Hochintensitätslauf entleerte der Magen über 30 Minuten rund 210 Milliliter, beim Gehen dagegen 290 bis 400 Milliliter. Und 30 bis 50 Prozent der Ausdauersportlerinnen und -sportler berichten von Magen-Darm-Beschwerden unter Belastung.
Daraus folgen Praxiswerte, keine Grenzwerte: nach einer großen Mahlzeit eher zwei bis drei Stunden, nach einem kleinen Snack 30 bis 60 Minuten. Die individuelle Toleranz unterscheidet sich stark und lässt sich trainieren.Praxisableitung

Trinken und Elektrolyte
Die Empfehlung des American College of Sports Medicine lautet, während der Belastung einen Gewichtsverlust von mehr als 2 Prozent des Körpergewichts zu vermeiden und danach Flüssigkeit und Elektrolyte zu ersetzen. Schweißraten sind individuell sehr unterschiedlich – wer sie kennen will, wiegt sich vor und nach dem Training.
Die Warnung, die in deutschsprachigen Ratgebern fast immer fehlt: Das amerikanische Positionspapier zum Flüssigkeitsersatz warnt ausdrücklich in beide Richtungen. Zu viel trinken ist ebenfalls ein Risiko, weil es zu einer Verdünnung des Natriums im Blut führen kann. Mehr dazu steht im Beitrag zur Dehydration.
Konkret: was auf den Teller kommt
1Nach dem Krafttraining: eine normale Mahlzeit mit 20 bis 40 Gramm hochwertigem Eiweiß, je nachdem wie viel Muskulatur beteiligt war. Magerquark mit Beeren, Hähnchen mit Reis und Gemüse, Linsen mit Ei – der Zeitpunkt darf ein bis zwei Stunden später liegen.
2Nach einer langen Ausdauereinheit mit Folgetermin am selben Tag: zügig Kohlenhydrate, rund ein Gramm je Kilogramm in der ersten Stunde, gern in flüssiger Form, weil sie leichter runtergeht.
3Nach einer normalen Einheit mit einem Tag Pause: essen, wann es passt. Die Tagesmenge entscheidet.
4Wenn du abnehmen willst: Eiweiß zuerst, Gemüse dazu, Kohlenhydrate nach Tagesbudget. Die Mahlzeit auszulassen bringt keinen belegten Vorteil und kostet Muskulatur.
5Trinken: die verlorene Flüssigkeit über die nächsten Stunden ersetzen, nicht in einem Zug.
Häufige Fragen
Was sollte man nach dem Sport essen?
Nach dem Krafttraining eine Mahlzeit mit 20 bis 40 Gramm hochwertigem Eiweiß, je nachdem wie viel Muskulatur beteiligt war – Magerquark, Hähnchen mit Reis und Gemüse, Linsen mit Ei. Nach einer langen Ausdauereinheit stehen Kohlenhydrate vorn, vor allem dann, wenn am selben Tag noch eine Einheit folgt.
Wie lange nach dem Sport sollte man essen?
Deutlich entspannter, als die verbreitete 30-Minuten-Regel nahelegt. In der maßgeblichen Meta-Analyse verschwand der Timing-Vorteil, sobald die tägliche Gesamtproteinmenge berücksichtigt wurde. Wer vor dem Training gegessen hat, hat noch mindestens zwei Stunden danach erhöhte Aminosäurespiegel im Blut; ein bis zwei Stunden später zu essen ist unproblematisch.
Sollte man nach dem Sport nichts essen, um mehr Fett zu verbrennen?
Nein. Während der Belastung wird ohne Nahrung tatsächlich mehr Fett oxidiert, aber über 24 Stunden gleicht der Körper das aus. In einer Messung im Ganzkörper-Kalorimeter unterschied sich die Fettoxidation über den Tag nicht, und über Wochen fand eine Meta-Analyse keinen Effekt auf Gewicht, Fett- oder Magermasse.
Wie viel Eiweiß nach dem Training?
Nach einem Split mit einer Muskelgruppe rund 20 bis 25 Gramm, nach einem Ganzkörpertraining eher 40 Gramm. Die bekannte 20-Gramm-Grenze stammt aus Studien mit einseitigem Beintraining; nach einem Ganzkörpertraining schnitten 40 Gramm signifikant besser ab. Über den Tag ist ab etwa 1,62 Gramm je Kilogramm kein zusätzlicher Zuwachs mehr messbar.
Braucht man Kohlenhydrate nach dem Sport?
Nur dann schnell, wenn innerhalb von rund acht Stunden die nächste erschöpfende Einheit ansteht. Dann sind 1,0 bis 1,2 Gramm je Kilogramm und Stunde sinnvoll. Bei rund 24 Stunden Pause ist das Timing praktisch bedeutungslos – dann zählt allein die Tagesmenge.
Was essen nach dem Sport, wenn man abnehmen möchte?
Eiweiß zuerst, reichlich Gemüse dazu, Kohlenhydrate nach Tagesbudget. Entscheidend ist die Energiebilanz über die Woche, nicht der Zeitpunkt. Die Mahlzeit auszulassen bringt keinen belegten Vorteil: In einer Untersuchung im Kaloriendefizit hielten Teilnehmer mit hoher Eiweißzufuhr deutlich mehr Muskulatur und verloren gleichzeitig mehr Fett.
Ist Obst nach dem Sport sinnvoll?
Es schadet nicht, ist aber nicht die effizienteste Wahl, wenn es um die Muskelspeicher geht. Obst liefert vor allem Fruktose, die bevorzugt das Leberglykogen füllt; für das Muskelglykogen ist Glukose aus Reis, Kartoffeln oder Maltodextrin effizienter.
Wie lange nach dem Essen sollte man mit dem Sport warten?
Als Praxiswert nach einer großen Mahlzeit zwei bis drei Stunden, nach einem kleinen Snack 30 bis 60 Minuten. Belegt ist dabei der Mechanismus, nicht die Stundenzahl: Belastung verlangsamt die Magenentleerung messbar, und 30 bis 50 Prozent der Ausdauersportler berichten von Magen-Darm-Beschwerden. Die individuelle Toleranz unterscheidet sich stark.
Weiterlesen
Was Schlaf, Eisbad und Dehnen für die Erholung tatsächlich leisten, steht im Beitrag zur Regeneration nach dem Sport. Ob Dehnen vor oder nach dem Sport sinnvoll ist und was gegen Muskelkater hilft, klären die eigenen Beiträge. Wie sich Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett über den Tag sinnvoll verteilen, erklärt die Nährstoffverteilung, und was Molkenprotein leistet und was nicht, steht unter Whey Protein.
Quellen
- Schoenfeld BJ, Aragon AA, Krieger JW. The effect of protein timing on muscle strength and hypertrophy: a meta-analysis. J Int Soc Sports Nutr 2013;10(1):53.
- Aragon AA, Schoenfeld BJ. Nutrient timing revisited: is there a post-exercise anabolic window? J Int Soc Sports Nutr 2013;10(1):5.
- Casuso RA, Goossens L. Does Protein Ingestion Timing Affect Exercise-Induced Adaptations? Nutrients 2025;17(13):2070.
- Kerksick CM et al. International Society of Sports Nutrition position stand: nutrient timing. J Int Soc Sports Nutr 2017;14:33.
- Witard OC et al. Myofibrillar muscle protein synthesis rates subsequent to a meal in response to increasing doses of whey protein. Am J Clin Nutr 2014;99(1):86–95.
- Macnaughton LS et al. The response of muscle protein synthesis following whole-body resistance exercise is greater following 40 g than 20 g of ingested whey protein. Physiol Rep 2016;4(15):e12893.
- Morton RW et al. A systematic review, meta-analysis and meta-regression of the effect of protein supplementation on resistance training-induced gains. Br J Sports Med 2018;52(6):376–384.
- Trommelen J et al. The anabolic response to protein ingestion during recovery from exercise has no upper limit. Cell Rep Med 2023;4(12):101324.
- Burke LM, van Loon LJC, Hawley JA. Postexercise muscle glycogen resynthesis in humans. J Appl Physiol 2017;122(5):1055–1067.
- Ivy JL et al. Muscle glycogen synthesis after exercise: effect of time of carbohydrate ingestion. J Appl Physiol 1988;64(4):1480–1485.
- Jentjens R, Jeukendrup A. Determinants of post-exercise glycogen synthesis during short-term recovery. Sports Med 2003;33(2):117–144.
- Alghannam AF et al. Influence of Post-Exercise Carbohydrate-Protein Ingestion on Muscle Glycogen Metabolism. Int J Sport Nutr Exerc Metab 2016;26(6):572–580.
- Vieira AF et al. Effects of aerobic exercise performed in fasted v. fed state. Br J Nutr 2016;116(7):1153–1164.
- Melanson EL et al. When energy balance is maintained, exercise does not induce negative fat balance. J Appl Physiol 2009;107(6):1847–1856.
- Hackett D, Hagstrom AD. Effect of Overnight Fasted Exercise on Weight Loss and Body Composition. J Funct Morphol Kinesiol 2017;2(4):43.
- LaForgia J, Withers RT, Gore CJ. Effects of exercise intensity and duration on the excess post-exercise oxygen consumption. J Sports Sci 2006;24(12):1247–1264.
- Longland TM et al. Higher compared with lower dietary protein during an energy deficit combined with intense exercise. Am J Clin Nutr 2016;103(3):738–746.
- Aird TP, Davies RW, Carson BP. Effects of fasted vs fed-state exercise on performance and post-exercise metabolism. Scand J Med Sci Sports 2018;28(5):1476–1493.
- Leiper JB et al. The effect of intermittent high-intensity running on gastric emptying of fluids in man. Med Sci Sports Exerc 2005;37(2):240–247.
- de Oliveira EP, Burini RC, Jeukendrup A. Gastrointestinal complaints during exercise. Sports Med 2014;44(Suppl 1):S79–S85.
- Sawka MN et al. American College of Sports Medicine position stand. Exercise and fluid replacement. Med Sci Sports Exerc 2007;39(2):377–390.
- McDermott BP et al. National Athletic Trainers' Association Position Statement: Fluid Replacement for the Physically Active. J Athl Train 2017;52(9):877–895.
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012, konsolidierte Fassung, Anhang.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder sportmedizinische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei einem Wiedereinstieg nach längerer Pause sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Die genannten Studienergebnisse sind Durchschnittswerte aus Untersuchungsgruppen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf einzelne Personen übertragen.








