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Cheat Day: Was er wirklich bringt und was nicht

Der Cheat Day beruht auf einer Kette aus drei Annahmen. Die ersten beiden stimmen: Bei Überernährung steigt das Hormon Leptin, und zwar schnell. Die dritte – dass dieser Anstieg den Energieverbrauch spürbar anhebt und so den sinkenden Grundumsatz verhindert – wird ausgerechnet von der Studie widerlegt, die beides gleichzeitig gemessen hat.

Was ein Cheat Day tatsächlich bewirkt, warum die Waage am Morgen danach täuscht und welche Strategie stattdessen belegt ist.

„Cheat Day" heißt wörtlich Schummeltag – und genau darin liegt schon das Problem des Konzepts. Schummeln kann man nur, wenn man vorher Regeln aufgestellt hat, die sich brechen lassen. Ob das langfristig hilft, ist die eigentliche Frage dieses Artikels.

Selbstgemachter Burger mit Pommes auf einem schlichten Teller auf einem Holztisch

Cheat Day, Refeed, Diätpause: drei verschiedene Dinge

Die drei Begriffe werden ständig vermischt, meinen aber Unterschiedliches – und nur für den dritten gibt es belastbare Studien.

Begriffliche Abgrenzung nach der Studienlage.
Cheat Day Refeed Diätpause
Dauer ein Tag oder eine Mahlzeit ein bis zwei Tage ein bis zwei Wochen
Energieniveau unkontrollierter Überschuss geplanter, meist kohlenhydratbetonter Überschuss Erhaltungsbedarf, kein Überschuss
Lebensmittelwahl frei, oft gezielt „verbotene" Lebensmittel geplant normale Ernährung ohne Defizit
Kontrollierte Studien keine drei, Ergebnisse uneinheitlich mehrere, siehe unten

Das ist mehr als Wortklauberei. Wer eine Studie zu Diätpausen als Beleg für Cheat Days zitiert, zitiert etwas anderes, als er behauptet – und das passiert in diesem Themenfeld ständig.

Der Leptin-Mechanismus und wo er bricht

Leptin steigt bei Überernährung tatsächlich schnell an – in einer Untersuchung um 40 Prozent binnen zwölf Stunden. Der entscheidende nächste Schritt fehlt allerdings: In der Studie, die Leptin und Energieverbrauch gleichzeitig gemessen hat, gab es keinen Zusammenhang zwischen beiden.

Evidenz A für die Hormondaten, Evidenz C für die daraus abgeleitete Wirkung

Der Reihe nach. Dass Leptin auf Überernährung reagiert, ist gut belegt. In einer Untersuchung stieg es bei acht Personen nach zwölf Stunden massiver Überernährung um 40 Prozent. Eine zweite Arbeit fand nach drei Tagen Überernährung ein 24-Stunden-Leptin bei 135 Prozent des Ausgangswerts.

Beide Arbeiten enthalten aber schon die Einschränkung. In der ersten hing der große, anhaltende Leptinanstieg an tatsächlich zugelegtem Fett, nicht am Essakt selbst. In der zweiten normalisierte sich Leptin nicht bei Rückkehr zur normalen Ernährung, sondern erst, als die kumulative Energiebilanz wieder ausgeglichen war. Leptin folgt also der Bilanz über die Zeit – nicht einem einzelnen Tag.

Die entscheidende Messung

Eine Arbeitsgruppe um Mireille Dirlewanger hat bei zehn schlanken Frauen über je drei Tage beides gemessen: Leptin und Energieverbrauch, unter Kohlenhydrat-Überernährung und unter Fett-Überernährung.

Nach Dirlewanger et al., International Journal of Obesity 2000, zehn schlanke Frauen, je drei Tage.
Bedingung Leptin Energieverbrauch Grundumsatz
Kohlenhydrat-Überernährung +28 Prozent +7 Prozent unverändert
Fett-Überernährung keine Änderung keine Änderung unverändert

Drei Dinge stehen in dieser Tabelle, die das populäre Modell zerlegen:

Erstens fanden die Autoren keinen Zusammenhang zwischen dem Leptinanstieg und dem Anstieg des Energieverbrauchs. Sie schließen ausdrücklich, dass Leptin die Stoffwechselrate bei Überernährung nicht direkt anregt.

Zweitens blieb der Grundumsatz in beiden Bedingungen unverändert. Die 7 Prozent Mehrverbrauch erklären sich durch die Verdauungsarbeit und die Kosten der Glykogeneinlagerung.

Drittens passierte bei Fett-Überernährung gar nichts – weder beim Leptin noch beim Verbrauch. Ein typischer Cheat Day ist aber gemischt bis fettbetont. Also genau die Bedingung, unter der nichts messbar war.

Was ausdrücklich fehlt Es gibt keine einzige kontrollierte Studie, die einen Cheat Day als Intervention testet und misst, ob dadurch die Absenkung des Ruheumsatzes verhindert wird. Die Aussage „ein Cheat Day verhindert, dass dein Grundumsatz sinkt" ist keine Studienerkenntnis, sondern eine Hochrechnung aus Hormondaten – die von der zuständigen Studie nicht getragen wird.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit über acht Studien zum Thema kommt zum selben Ergebnis: Zur Frage der Stoffwechselanpassung sei die Evidenz nicht schlüssig, zum Erhalt der fettfreien Masse unzureichend.

Was kontrollierte Studien zeigen

Die drei kontrollierten Studien zu Refeeds und Diätpausen bei trainierten Personen fanden keinen Vorteil für Fettabbau, Muskelerhalt oder Ruheumsatz. Der einzige konsistente Unterschied war psychologisch: weniger Hunger, mehr Zufriedenheit.

Evidenz A

Die größte davon umfasste 61 krafttrainierte Erwachsene. Eine Gruppe absolvierte vier Blöcke Energierestriktion mit je einer Woche Pause dazwischen, die andere zwölf Wochen durchgehend – bei gleicher Netto-Restriktionsdauer.

Nach Peos et al., Medicine & Science in Sports & Exercise 2021 (ICECAP-Studie), 61 Teilnehmende.
Endpunkt mit Pausen durchgehend Unterschied
Fettmasse 15,3 kg 18,0 kg nicht signifikant
Fettfreie Masse 56,7 kg 56,7 kg nicht signifikant
Ruheumsatz kein Unterschied nicht signifikant

Eine zweite Studie mit 38 krafttrainierten Frauen kam zum selben Ergebnis: kein Unterschied bei Fettmasse, fettfreier Masse oder Ruheumsatz. Die Autoren formulieren es so, dass Diätpausen die Effizienz des Fettabbaus nicht verbessern – aber ohne Angst vor Fettwiederzunahme für eine mentale Pause genutzt werden können.

Eine viel zitierte Studie hält der Nachprüfung nicht stand Häufig wird eine Arbeit von 2020 zitiert, die Refeeds einen Schutz von Muskelmasse und Ruheumsatz zuschreibt. Eine methodische Reanalyse zeigte: Die Originalauswertung verglich Veränderungen innerhalb der Gruppen statt zwischen ihnen, und nur die Hälfte der ursprünglich 54 Teilnehmenden beendete die Studie. Nach korrekter Auswertung war der Unterschied bei der fettfreien Masse nicht signifikant, beim Ruheumsatz ebenfalls nicht. Wer diese Studie zitiert, muss die Reanalyse mitzitieren.

Die eine Studie, die etwas zeigt

Es gibt eine Untersuchung mit deutlichen Vorteilen – allerdings für Diätpausen über zwei Wochen bei Männern mit Adipositas, nicht für Cheat Days. Die Pausengruppe verlor 14,1 statt 9,1 Kilogramm und hielt das Ergebnis nach sechs Monaten deutlich besser.

Evidenz A für den Befund, Evidenz B für die Übertragbarkeit

In der sogenannten MATADOR-Studie durchliefen 51 Männer mit Adipositas ein Programm mit 33 Prozent Energiedefizit. Eine Gruppe restringierte 16 Wochen durchgehend, die andere in acht Zwei-Wochen-Blöcken mit sieben zweiwöchigen Pausen dazwischen – bei gleicher Netto-Restriktionsdauer.

Nach Byrne et al., International Journal of Obesity 2018, ausgewertet wurden 36 von 51 Teilnehmern.
Endpunkt mit Pausen durchgehend
Gewichtsverlust 14,1 kg 9,1 kg
Fettmasse 12,3 kg 8,0 kg
Absenkung des Ruheumsatzes geringer stärker
Gewichtsverlust nach 6 Monaten Nachbeobachtung 11,1 kg 3,0 kg

Die letzte Zeile ist die interessanteste. Nur die Pausengruppe hielt nach einem halben Jahr noch mehr als 5 Prozent Gewichtsverlust.

Drei Einschränkungen gehören dazu: Es waren ausschließlich Männer mit Adipositas und einem großen Defizit. Von 51 Randomisierten wurden 36 ausgewertet. Und die Pausen lagen auf Erhaltungsniveau, nicht im Überschuss – MATADOR ist kein Beleg für Cheat Days.

Über alle Populationen gemittelt verschwindet der Vorteil wieder. Zwei Meta-Analysen mit 11 beziehungsweise 16 randomisierten Studien und zusammen über 2.000 Teilnehmenden fanden keinen Unterschied zwischen unterbrochener und durchgehender Energierestriktion – weder beim Gewicht noch bei der Fettmasse noch bei den Abbruchquoten.

Aufgeschlagener Wochenplaner mit Stift neben einer Obstschale auf einem Küchentisch

Wird der Überschuss zu Fett?

An einem einzelnen Tag mit Kohlenhydratüberschuss wird der Großteil als Glykogen eingelagert, nicht in Fett umgebaut. Das ist aber keine Entwarnung: Ein realer Cheat Day ist gleichzeitig fettreich – und Nahrungsfett wird ohne Umbauverlust gespeichert.

Evidenz B

Die klassische Untersuchung dazu fütterte drei junge Männer sieben Tage lang mit bis zu 987 Gramm Kohlenhydraten und rund 4.930 Kilokalorien täglich. Ergebnis: Die Glykogenspeicher füllten sich um bis zu 1.146 Gramm und waren nach vier bis fünf Tagen gesättigt. Nennenswerte Fettneubildung setzte erst danach ein.

Daraus folgt aber gerade nicht, dass ein Cheat Day folgenlos bleibt. Es folgt nur, dass der Weg ein anderer ist: Die Kohlenhydrate verdrängen die Fettverbrennung, und das mitgegessene Nahrungsfett landet direkt und effizient im Fettgewebe. Der Überschuss verschwindet nicht – er nimmt bloß nicht den Umweg über die Zuckerumwandlung.

Und die verbreitete Beruhigung, der Körper gleiche einen solchen Tag von selbst wieder aus, hält ebenfalls nicht. Eine kontrollierte Untersuchung fand nach einem einzelnen Tag gemischter Überernährung keine kompensatorisch verringerte Energieaufnahme am Folgetag.

Die Waage am Morgen danach

Das Plus auf der Waage besteht aus eingelagertem Glykogen samt gebundenem Wasser, aus Flüssigkeitsverschiebungen und aus dem Inhalt des Verdauungstrakts – nicht aus neuem Körperfett. Selbst ein Überschuss von 3.000 Kilokalorien könnte rechnerisch höchstens rund 300 bis 350 Gramm Fettgewebe ergeben.

Evidenz B

Glykogen wird zusammen mit Wasser eingelagert; in einer Untersuchung mit Muskelbiopsien wurden bei eingeschränkter Flüssigkeitszufuhr etwa 3 Gramm Wasser je Gramm Glykogen gemessen. Ein fester Umrechnungsfaktor existiert allerdings nicht – bei guter Hydratation lag das Verhältnis deutlich höher.

Eine Zahl, die wir bewusst nicht nennen Wir haben keine kontrollierte Studie gefunden, die das Körpergewicht am Morgen nach einem definierten Cheat Day gemessen hat. Alle im Netz kursierenden Angaben – „ein bis drei Kilo über Nacht" – ließen sich auf keine Primärquelle zurückführen. Wir nennen deshalb keine.

Was dagegen gut dokumentiert ist: Das Körpergewicht folgt einem Wochenrhythmus. In einer Auswertung von 4.657 Wiegungen bei 80 Erwachsenen lag es sonntags und montags systematisch höher, stieg ab Samstag an und sank ab Dienstag wieder. Die stärkste Wochenkompensation zeigte ausgerechnet die Gruppe, die erfolgreich abnahm. Die Autoren empfehlen, solche Schwankungen als normal zu betrachten und nicht als Zeichen einer Gewichtszunahme.

Wie du damit praktisch umgehst, steht unter richtig wiegen. Und warum eine Zwei-Wochen-Veränderung ohnehin zu 84 Prozent aus fettfreier Masse besteht, steht unter wie lange Abnehmen wirklich dauert.

Zwei Personen teilen sich eine Pizza an einem Holztisch, von oben fotografiert

Der eigentliche Punkt: rigide oder flexibel

Hier liegt der Widerspruch, der das ganze Konzept trägt: Ein Cheat Day setzt voraus, dass Lebensmittel in erlaubt und verboten eingeteilt sind – sonst gäbe es nichts zu schummeln. Damit ist er eine Ausdrucksform rigider Kontrolle, nicht ihr Gegenmittel.

Evidenz B

Die Ernährungspsychologie unterscheidet seit langem zwei Formen der Kontrolle über das Essverhalten:

Nach Westenhoefer, Stunkard & Pudel und nachfolgenden Arbeiten.
Rigide Kontrolle Flexible Kontrolle
Alles-oder-nichts-Denken graduelle Steuerung
verbotene Lebensmittel keine Verbote
Diät ist an oder aus kleinere Portionen statt Verzicht
feste Regeln Ausgleich über mehrere Tage

In einer Untersuchung mit 615 Personen ging höhere rigide Kontrolle mit häufigeren und intensiveren Essgelüsten, geringerem wahrgenommenem Selbstregulationserfolg und höherem Body-Mass-Index einher – besonders bei gleichzeitig niedriger flexibler Kontrolle. Flexible Kontrolle war mit dem Gegenteil verbunden.

Eine randomisierte Studie mit 23 krafttrainierten Erwachsenen verglich beide Ansätze direkt über zehn Wochen Diät plus zehn Wochen danach. In der Diätphase gab es keinen Unterschied im Fett- oder Gewichtsverlust. In der Phase danach schon: Die flexible Gruppe baute 1,7 Kilogramm fettfreie Masse auf, die rigide verlor 0,7 Kilogramm.

Was tatsächlich hilft: die Planung

Es gibt einen belegten Vorteil, und er liegt woanders als behauptet. Untersuchungen zu geplanten Abweichungen von einem Ziel zeigen, dass sie helfen, Selbstregulationsressourcen zurückzugewinnen, die Motivation aufrechtzuerhalten und die Stimmung zu heben – im Gegensatz zu starrem, geradlinigem Zielverfolgen.

Entscheidend ist dabei das Wort geplant. Genau dieser Vorteil lässt sich vollständig nutzen, ohne einen ganzen Tag zum Regelbruch zu erklären. Die evidenzgestützte Empfehlung lautet deshalb nicht „plane einen Cheat Day", sondern: hör auf, Lebensmittel zu verbieten – dann brauchst du keinen.

Wann ein Cheat Day keine gute Idee ist

Der Übergang zwischen geplantem freiem Essen und einem Essanfall ist fließend. In einer Erhebung mit 2.717 jungen Erwachsenen war Cheat-Meal-Verhalten in allen Gruppen mit Essstörungssymptomatik und mit Essanfällen assoziiert.

Evidenz A für den Zusammenhang, Evidenz B für die Ursache

Die berichteten relativen Risiken lagen bei 1,35 für Männer, 1,31 für Frauen und 1,24 für nicht-binäre Personen. Es handelt sich um eine Querschnittserhebung – sie zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Die Richtung ist trotzdem konsistent.

Eine Inhaltsanalyse von 600 Bildern unter dem Hashtag „cheatmeal" fand geschätzte Energiegehalte von 214 bis über 9.000 Kilokalorien je abgebildeter Mahlzeit; 71 Prozent zeigten energiedichte Lebensmittel, 55 Prozent in großen Mengen. Die Autoren stellten Ähnlichkeiten zu Mustern gestörten Essverhaltens fest.

Zwei Merkmale machen den Unterschied Die neuere Übersichtsarbeit ordnet es differenziert ein: Als geplantes, willentliches Verhalten kann ein freier Essenstag psychologische Vorteile haben. Problematisch wird es, wenn er ungeplant abläuft, von Kontrollverlust begleitet ist – oder wenn ihm kompensatorisches Verhalten folgt: extreme Restriktion am nächsten Tag, zusätzliches Training, Fasten. Wer dieses Muster bei sich kennt, für den ist ein Cheat Day keine geeignete Strategie. Das ist ein Thema, das in ärztliche oder psychotherapeutische Hände gehört, nicht in einen Ernährungsplan.

Am Cheat Day trainieren?

Für die verbreitete Empfehlung, am freien Tag auf Training zu verzichten, haben wir keine wissenschaftliche Grundlage gefunden. Die vorhandene kontrollierte Evidenz weist eher in die Gegenrichtung.

Evidenz C für die Empfehlung

In einer Untersuchung mit 26 gesunden Männern wurde über sieben Tage ein Energieüberschuss von 50 Prozent bei gleichzeitig stark reduzierter Alltagsaktivität erzeugt. Eine Gruppe trainierte täglich 45 Minuten – bei zusätzlicher Nahrungszufuhr, damit der Energieüberschuss zwischen den Gruppen gleich blieb.

Ergebnis: In der Gruppe ohne Training verdoppelte sich die Insulinantwort auf eine Standard-Glukosebelastung. In der Trainingsgruppe blieb sie unverändert. Der Nutzen lag also nicht am zusätzlichen Kalorienverbrauch, sondern am Training selbst.

Die Einschränkung gehört dazu: Die Studie untersuchte sieben Tage, nicht einen einzelnen, und junge gesunde Männer. Belegt ist damit nicht, dass Training am Cheat Day nützt – belegt ist, dass es für den gegenteiligen Rat keinen Beleg gibt.

Was stattdessen belegt ist

Nach Evidenzstärke geordnet

  • Moderates Defizit, genug Eiweiß, Krafttraining. Das ist die Basis, auf der alle zitierten Studien aufsetzen – und der Grund, warum in ihnen alle Gruppen ihre Muskulatur hielten, unabhängig von der Refeed-Struktur.
  • Geplante Diätpausen über ein bis zwei Wochen auf Erhaltungsniveau. Bei Adipositas und großem Defizit mit belegten Vorteilen, bei schlanken Trainierten ohne. Eine legitime Option, kein überlegenes Werkzeug.
  • Flexible statt rigider Führung. Kein Lebensmittel verbieten, kleinere Portionen statt Verzicht, Ausgleich über mehrere Tage statt über einen Regelbruchtag.
  • Der unstrukturierte Cheat Day hat als Einzelmaßnahme keine kontrollierte Studie hinter sich, sein Wirkmechanismus scheitert am entscheidenden Glied, und er ist mit Essstörungssymptomatik assoziiert.

Aus der Beratungspraxis

  • Wer den Cheat Day braucht, hat meist ein zu strenges Konzept an den anderen sechs Tagen. Die Lösung liegt fast immer dort, nicht im siebten Tag.
  • Der Montag nach dem freien Tag ist der eigentliche Knackpunkt. Wer dann kompensiert – Fasten, doppeltes Training –, baut genau das Muster auf, das langfristig schadet.
  • Ein geplantes Essen mit Freunden ist etwas völlig anderes als ein Tag, an dem alle Regeln aufgehoben sind. Der Unterschied liegt nicht in den Kalorien, sondern darin, ob es sich wie ein Regelbruch anfühlt.

Und während einer Stoffwechselkur?

In der Diätphase gibt es keinen Cheat Day – aus dem einfachen Grund, dass die Phase zeitlich begrenzt ist und der Aufwand sich sonst nicht lohnt. Wichtiger ist, was danach kommt: In der Stabilisierungsphase wird die Energiemenge schrittweise erhöht und Lebensmittelgruppen kommen geplant zurück.

Das ist inhaltlich näher an dem, was die Studienlage stützt, als jeder Cheat Day: eine geplante Rückkehr auf Erhaltungsniveau statt eines Tages, an dem die Regeln aufgehoben sind. Und es adressiert den Punkt, an dem die meisten Diäten scheitern – nicht die Diätphase, sondern die Zeit danach.

Was in der Diätphase auf den Teller kommt, steht in der Lebensmittelliste. Wie es danach weitergeht, steht unter Gewicht halten nach der Diät.

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Häufige Fragen

Was ist ein Cheat Day?

Ein Tag während einer Diät, an dem die selbst gesetzten Ernährungsregeln bewusst außer Kraft gesetzt werden. Abzugrenzen ist er vom Refeed – einem geplanten, meist kohlenhydratbetonten Überschusstag – und von der Diätpause, bei der über ein bis zwei Wochen auf Erhaltungsniveau gegessen wird. Nur für Letztere gibt es belastbare Studien.

Kurbelt ein Cheat Day den Stoffwechsel an?

Dafür gibt es keinen Beleg. Zwar steigt bei Überernährung das Hormon Leptin schnell an, in der Studie, die Leptin und Energieverbrauch gleichzeitig gemessen hat, bestand zwischen beiden jedoch kein Zusammenhang. Der Grundumsatz blieb dort unverändert. Eine kontrollierte Studie, die einen Cheat Day als Maßnahme testet, existiert nicht.

Wie viel nimmt man nach einem Cheat Day zu?

Auf der Waage meist mehr, als tatsächlich an Fett dazukommt. Der Anstieg besteht überwiegend aus eingelagertem Glykogen mit gebundenem Wasser sowie aus dem Inhalt des Verdauungstrakts. Selbst ein Überschuss von 3.000 Kilokalorien könnte rechnerisch höchstens rund 300 bis 350 Gramm Fettgewebe ergeben. Eine belastbare Studie zum Gewicht am Morgen danach gibt es nicht.

Sind Diätpausen sinnvoller als Cheat Days?

Nach der Studienlage ja, allerdings abhängig von der Ausgangslage. Bei Männern mit Adipositas und großem Defizit führten zweiwöchige Pausen auf Erhaltungsniveau zu deutlich mehr Gewichtsverlust und besserem Halten nach sechs Monaten. Bei schlanken, trainierten Personen fanden zwei kontrollierte Studien keinen Vorteil. Über alle Populationen gemittelt finden Meta-Analysen keinen Unterschied.

Für wen ist ein Cheat Day nicht geeignet?

Für Menschen mit Essanfällen in der Vorgeschichte oder mit einem Alles-oder-nichts-Muster im Essverhalten. In einer Erhebung mit 2.717 jungen Erwachsenen war Cheat-Meal-Verhalten mit Essstörungssymptomatik und Essanfällen assoziiert. Kritisch ist besonders, wenn auf den freien Tag kompensatorisches Verhalten folgt – Fasten, extreme Restriktion oder zusätzliches Training.

Quellen

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn du Essanfälle, Kontrollverlust beim Essen oder ein stark einschränkendes Essverhalten bei dir bemerkst, ist das ein Thema für ärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung. Bei bestehenden Erkrankungen, in der Schwangerschaft und Stillzeit oder bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.