7 Tipps gegen Erkältung - diese Hausmittel helfen dir - VitalBodyPLUS.de

Erkältung: Hausmittel im Evidenz-Check

Eine Erkältung ist eine virusbedingte Entzündung der Schleimhäute in Nase und Rachen. Sie beginnt meist allmählich mit Halskratzen, danach folgen Schnupfen und Husten. Das Schlimmste ist in der Regel innerhalb einer Woche vorbei, Husten kann deutlich länger bleiben. Kein Hausmittel verkürzt eine Erkältung zuverlässig — einige lindern Beschwerden messbar.

Wir haben die bekanntesten Erkältungs-Hausmittel gegen die tatsächliche Studienlage geprüft und dabei etwas Unerwartetes gefunden: Der meistgegebene Rat überhaupt ist nie in einer randomisierten Studie untersucht worden. Und ausgerechnet das billigste Mittel im Test hat funktioniert, während das Apothekenmittel im selben Versuch versagte.

Wann du ärztlichen Rat einholen solltest

Bei hohem Fieber, starken oder sich verstärkenden Beschwerden, Schmerzen in der Brust, Luftnot oder Problemen beim Atmen. Das gilt besonders für Menschen mit chronischen Erkrankungen der Atemwege wie COPD. Auch ein Druckgefühl in der Brust, leichte Luftnot oder Schmerzen beim Einatmen nach einem Infekt gehören ärztlich abgeklärt. Dieser Artikel ordnet die Studienlage ein und ersetzt keine ärztliche Beurteilung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für „viel trinken bei Erkältung" existiert kein einziges randomisiertes Experiment. Cochrane hält das ausdrücklich fest.
  • Dreimal tägliches Gurgeln mit reinem Wasser senkte in einer Studie mit 387 Personen die Zahl der Atemwegsinfekte deutlich. Povidon-Jod im selben Versuch: kein Effekt.
  • Der bestbelegte Punkt ist kein Hausmittel, sondern Schlaf — nachgewiesen in zwei kontrollierten Studien, bei denen Menschen gezielt mit Erkältungsviren in Kontakt gebracht wurden.
  • Honig lindert Husten bei Kindern messbar. Für Kinder unter einem Jahr ist er nicht geeignet.
  • In der EU darf kein Lebensmittel mit einer Wirkung gegen Erkältung beworben werden. Im Anhang der Health-Claims-Verordnung: „Erkältung" 0 Treffer, „Abwehr" 0 Treffer, „Infekt" 0 Treffer.

Wie eine Erkältung verläuft

Erwachsene erkälten sich im Schnitt zwei- bis viermal im Jahr, Kinder sechs- bis achtmal. Das ist kein Zeichen für ein schwaches Immunsystem, sondern der Normalfall. Häufigster Erreger sind Rhinoviren; etwa ein Viertel aller Erkältungen bleibt ohne nachgewiesene Ursache.

Zur Dauer schreibt das IQWiG, das unabhängige Institut hinter gesundheitsinformation.de: Das Schlimmste sei meist innerhalb einer Woche überstanden, bis alle Symptome verschwunden sind, dauere es länger. Beim Husten nennt das Institut im Schnitt 18 Tage bei Erwachsenen, bei Kindern bis zu drei Wochen.

Der Unterschied zur Grippe liegt vor allem im Beginn. Eine Erkältung setzt allmählich ein, eine Grippe typischerweise plötzlich und mit stärkeren Beschwerden wie hohem Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen.

Und ein Punkt, der oft untergeht: Bei einer gewöhnlichen Erkältung zeigen Antibiotika keinen Nutzen. Ein Cochrane-Review von November 2025 fasst elf Studien zusammen — kein Vorteil bei der Heilung, dafür signifikant mehr Nebenwirkungen. Ob im Einzelfall doch eine bakterielle Beteiligung vorliegt, kann allein ärztlich beurteilt werden.

Dampfende Tasse Ingwertee mit Zitronenscheibe auf einer Fensterbank

Wie wir bewerten

Wir sortieren jedes Mittel in eine von fünf Stufen ein. Das ist ungewöhnlich für einen Erkältungsratgeber, aber es ist der einzige Weg, „hilft" von „fühlt sich besser an" und von „wurde nie geprüft" zu trennen.

Stufe Bedeutung
A Gut belegt — mindestens moderate Aussagesicherheit oder konsistente randomisierte Studien
B Plausibel, Evidenz begrenzt — randomisierte Daten, aber kleine Fallzahlen oder widersprüchliche Ergebnisse
C Erfahrungswert — Labordaten oder subjektive Linderung ohne Nachweis am Krankheitsverlauf
D Behauptung ohne Beleg
N Dokumentiert nicht untersucht — die systematische Suche ergab keine kontrollierten Studien am Menschen

Die Hausmittel im Überblick

Maßnahme Stufe Was die Daten zeigen
Mindestens 7 Stunden Schlaf A Zwei kontrollierte Studien mit gezielter Virusexposition: Wer weniger als fünf Stunden schlief, erkrankte 4,5-mal so häufig wie bei über sieben Stunden
Antibiotika A gegen Nutzen Kein Vorteil bei Erkältung, mehr Nebenwirkungen
Honig bei Husten (ab 1 Jahr) A/B Lindert Husten bei Kindern messbar besser als keine Behandlung oder Placebo, moderate Aussagesicherheit
Gurgeln mit Wasser B 387 Personen: rund 40 Prozent weniger Atemwegsinfekte
Gurgeln mit Povidon-Jod B, kein Effekt Gleiche Studie, kein signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe
Nasenspülung mit Salzlösung B Leichte Linderung; die Studienautoren halten den Unterschied selbst für klinisch kaum spürbar
Dampfinhalation B, unklar Zwei zulässige Rechenwege über dieselben sechs Studien führen zu gegenteiligen Ergebnissen
Warmes Getränk, heiße Zitrone C Nasenluftstrom objektiv unverändert, subjektive Linderung signifikant
Hühnersuppe C Reagenzglasbefund plus eine Kurzzeitmessung an 15 Gesunden; nie am Krankheitsverlauf geprüft
Zink-Lutschtabletten B, umstritten Hinweis auf Verkürzung bei sehr uneinheitlichen Studien; sicher belegt sind nur die häufigeren Nebenwirkungen
Vitamin C ab Symptombeginn B, kein Effekt Kein konsistenter Effekt auf Dauer oder Schwere
Vitamin D zur Vorbeugung B, sehr klein 61,3 gegen 62,3 Prozent mit mindestens einem Atemwegsinfekt bei 75.541 Teilnehmenden
Echinacea B/D Kein signifikanter Vorbeugeeffekt in zwölf Vergleichen
Holunder B, widersprüchlich Positive Signale aus kleinen Studien, ein sauber angelegtes RCT ohne jeden Effekt
Knoblauch B, dünn Von acht geprüften Studien erfüllte eine einzige die Einschlusskriterien
Viel trinken N Kein einziges randomisiertes Experiment existiert
Erkältungsbad, Schwitzkur, Halswickel N Systematische Suche: null kontrollierte Studien
Bewertung nach den in Abschnitt „Wie wir bewerten" beschriebenen Stufen. Stand der Recherche: September 2026.

Schlaf: der stärkste Befund des ganzen Themas

Ausgerechnet der Punkt, der in Erkältungsratgebern meist als Nebensatz auftaucht, hat die besten Daten. Und zwar aus einem Studiendesign, das man in Ernährungsfragen fast nie bekommt: Menschen werden vorab beobachtet, dann unter kontrollierten Bedingungen gezielt mit Rhinoviren in Kontakt gebracht.

In der ersten dieser Studien mit 153 Erwachsenen führten die Teilnehmenden 14 Tage lang ein Schlaftagebuch. Wer im Schnitt weniger als sieben Stunden schlief, entwickelte anschließend fast dreimal so häufig eine klinische Erkältung wie jemand mit acht Stunden und mehr. Bemerkenswert war ein Nebenbefund: Wie ausgeruht sich jemand fühlte, sagte gar nichts vorher.

Die zweite Studie mit 164 Erwachsenen maß den Schlaf objektiv über Handgelenkssensoren, um Erinnerungsfehler auszuschließen. Unter fünf Stunden Schlaf lag das Erkrankungsrisiko 4,5-mal höher als bei über sieben Stunden, zwischen fünf und sechs Stunden 4,2-mal. Ab gut sechs Stunden verschwand der Effekt.

Die Vertrauensbereiche dieser Schätzungen sind breit, das gehört dazugesagt. Die Größenordnung ist trotzdem beeindruckend, und die Schwelle liegt in beiden Studien auffällig konsistent bei etwa sieben Stunden. Wie viel Schlaf du tatsächlich brauchst und woran du das erkennst, haben wir separat aufgeschrieben: wie viel Schlaf du brauchst.

Eine Einschränkung, die in praktisch allen Ratgebern fehlt: Beide Studien messen den Schlaf vor der Ansteckung. Sie zeigen nicht, dass mehr Schlaf eine bereits laufende Erkältung verkürzt.

Gurgeln, Nasenspülung, Inhalieren

Der auffälligste Einzelbefund unserer Recherche stammt aus einer japanischen Studie mit 387 gesunden Freiwilligen, die über eine Wintersaison in drei Gruppen aufgeteilt wurden: mindestens dreimal täglich mit Wasser gurgeln, mit verdünntem Povidon-Jod gurgeln, oder nichts Besonderes tun.

In der Wassergruppe traten deutlich weniger Atemwegsinfekte auf als in der Kontrollgruppe. In der Povidon-Jod-Gruppe war der Unterschied nicht signifikant. Das billige Mittel wirkte, das Apothekenmittel nicht — und in mehreren deutschen Ratgebern wird bis heute genau die Variante empfohlen, die im Versuch versagt hat.

Einschränkungen gehören dazu: Es ist eine Einzelstudie aus Japan, sie war nicht verblindbar, die Symptome wurden selbst berichtet, und untersucht wurde Vorbeugung, nicht Behandlung. Deshalb Stufe B, nicht A.

Nasenspülung. Fünf randomisierte Studien mit 544 Kindern und 205 Erwachsenen deuten auf eine leichte Linderung von Schnupfensymptomen hin. Die Studienautoren relativieren das selbst: Ein Unterschied dieser Größe auf einer vierstufigen Symptomskala dürfte klinisch kaum spürbar sein. Positiv: In der Spülgruppe wurden weniger abschwellende Medikamente gebraucht, und außer leichtem Brennen traten keine Nebenwirkungen auf.

Dampfinhalation. Hier wird die Auswertung selbst zum Lehrstück. Über dieselben sechs Studien mit 387 Teilnehmenden liefert die eine übliche Rechenmethode einen deutlichen Effekt, die andere gar keinen. Cochrane hält wörtlich fest, dass sich für beide Verfahren argumentieren lässt. Das Fazit lautet: kein gesicherter Nutzen und kein gesicherter Schaden. Wichtig für die Übertragung auf den Alltag: Untersucht wurde ein Inhalationsgerät, nicht die Schüssel mit Handtuch.

Honig, heiße Getränke, Hühnersuppe

Honig ist der am besten belegte Küchentipp. Ein Cochrane-Review mit sechs randomisierten Studien und 899 Kindern zeigt, dass Honig Husten deutlicher lindert als keine Behandlung und als Placebo — bei moderater Aussagesicherheit, was für dieses Themenfeld viel ist. Eine spätere systematische Auswertung über 14 Studien mit Kindern und Erwachsenen fand auch bei Erwachsenen bessere Werte für Hustenfrequenz und Hustenschwere als unter der üblichen Versorgung. Gegen Placebo statt gegen Standardversorgung verschwand die Signifikanz allerdings.

Für Säuglinge unter einem Jahr ist Honig nicht geeignet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt Honig als bekannte Quelle für Säuglingsbotulismus: Sporen von Clostridium botulinum kommen häufig in Honig vor und stellen für Kinder unter einem Jahr ein Risiko dar. Diese Grenze gilt unabhängig von jeder Hustenwirkung.

Eine Randnotiz, die wir aus Prinzip mitnennen: Ein Autor der Honig-Auswertung gibt in seiner Interessenerklärung an, Hobbyimker zu sein. Das entwertet die Arbeit nicht — aber wir lesen Interessenkonflikte grundsätzlich mit und schreiben sie hin.

Honigglas, frische Ingwerwurzel, halbierte Zitronen und Thymian auf einer Küchenablage

Heiße Getränke. Ein Versuch mit 30 Erkälteten verglich ein heißes Fruchtgetränk mit demselben Getränk bei Zimmertemperatur. Der objektiv gemessene Nasenluftstrom veränderte sich nicht. Der subjektiv empfundene schon — und das heiße Getränk linderte sofort und anhaltend laufende Nase, Husten, Niesen, Halsschmerzen, Frösteln und Müdigkeit, das kalte nur einen Teil davon. Die Autoren diskutieren das offen als Zusammenspiel aus Placeboeffekt und physiologischen Wirkungen auf Speichelfluss und Atemwegssekret.

Das ist die ehrlichste Art, ein Hausmittel zu verteidigen: Es verändert die Erkrankung nicht, aber es verbessert messbar, wie du dich fühlst. Und das ist ein völlig legitimes Ziel.

Hühnersuppe. Der überall zitierte entzündungshemmende Effekt stammt aus einer Untersuchung in der Zellkulturkammer, in der Hühnersuppe die Wanderung bestimmter weißer Blutkörperchen hemmte. Die Autoren selbst schreiben, das könne ein Mechanismus sein. Am Menschen gibt es genau eine Messung: 15 gesunde Probanden, bei denen sich die Nasenschleim-Transportgeschwindigkeit nach heißer Hühnersuppe kurzfristig erhöhte — und nach 30 Minuten wieder auf dem Ausgangswert lag. Kaltes Wasser senkte den Wert sogar. Ob Hühnersuppe den Verlauf einer Erkältung beeinflusst, wurde nie untersucht.

Ingwer. Für Erkältungssymptome gilt in der EU eine traditionelle Anerkennung, die ausdrücklich auf langjähriger Anwendung beruht und nicht auf klinischen Studien. Was das genau bedeutet, steht in unserem Beitrag zu Ingwertee und seiner tatsächlichen Wirkung.

Knoblauch und Zwiebel. Ein Cochrane-Review prüfte acht Studien zu Knoblauch — genau eine erfüllte die Einschlusskriterien. Das Fazit der Autoren ist deutlich: Behauptungen zur Wirksamkeit stützten sich weitgehend auf Belege minderer Qualität. Für Zwiebelsaft oder Zwiebelwickel fanden wir überhaupt keine kontrollierte Studie.

Zink, Vitamin C, Vitamin D

Zink ist der umstrittenste Punkt. Ein Cochrane-Review von 2024 mit 34 Studien und 8.526 Teilnehmenden fand einen Hinweis auf eine kürzere Erkältungsdauer, aber bei extrem uneinheitlichen Studien und niedriger Aussagesicherheit. Die einzige Aussage mit moderater Sicherheit im ganzen Review betrifft nicht den Nutzen, sondern die Zunahme nicht schwerwiegender Nebenwirkungen. Eine Gruppe anderer Autoren legte im selben Jahr eine methodische Kritik samt Neuberechnung vor und kommt für Lutschtabletten bei Erwachsenen auf eine deutlich größere Verkürzung.

Der Punkt, den fast niemand nennt: Die in diesen Studien eingesetzten Zinkgluconat-Dosen lagen zwischen 45 und 276 Milligramm pro Tag, überwiegend als Lutschtablette mit lokaler Wirkung im Rachen. Die EU-Obergrenze für die tägliche Zinkzufuhr liegt bei 25 Milligramm. Wer die Studienlage als Argument für ein tägliches Nahrungsergänzungsmittel heranzieht, vergleicht zwei verschiedene Dinge. Die vollständige Einordnung mit allen Zahlen und Grenzwerten steht in unserem Zink-Ratgeber.

Vitamin C. Hier scheitern fast alle an derselben Unterscheidung. Für die Allgemeinbevölkerung senkt eine Dauereinnahme das Erkrankungsrisiko praktisch nicht — 10.708 Teilnehmende, kein relevanter Schutz. Sie verkürzt eine später auftretende Erkältung geringfügig. Wer aber erst beim Kratzen im Hals anfängt, also so gut wie jeder, findet in den Studien keinen konsistenten Effekt auf Dauer oder Schwere.

Eine Ausnahme gibt es: Bei extremer körperlicher Belastung — Marathonläufer, Skifahrer, Soldaten bei Übungen in der Subarktis — halbierte sich das Risiko fast. Allerdings beruht das auf nur fünf Studien mit 598 Personen. Interessant ist die rechtliche Entsprechung: Für genau diese Situation gibt es einen zugelassenen EU-Claim, und zwar den einzigen im ganzen Feld, der eine Situation statt eines Nährstoffzustands beschreibt.

Vitamin D. Die große Auswertung über 46 randomisierte Studien mit 75.541 Teilnehmenden liefert eine Zahl, die man einmal gesehen haben sollte: In der Vitamin-D-Gruppe hatten 61,3 Prozent mindestens einen Atemwegsinfekt, in der Placebogruppe 62,3 Prozent. Ein Prozentpunkt. Die Autoren selbst nennen die Risikoreduktion klein. Was Vitamin D darüber hinaus kann und wo die Grenzwerte liegen, steht in unserem Beitrag dazu, was Vitamin D wirklich leistet.

Pflanzliche Mittel

Echinacea. Ein Cochrane-Review mit 24 doppelblinden Studien und 4.631 Teilnehmenden fand in keinem der zwölf Vorbeugungsvergleiche einen signifikanten Unterschied. Von sieben Behandlungsstudien zeigte eine einzige einen Effekt. Bemerkenswert und selten erwähnt: Vier der sechs Review-Autoren waren selbst an eingeschlossenen Studien beteiligt. Sie haben ihre eigenen Arbeiten laut Erklärung nicht selbst bewertet — aber es gehört gesagt.

Holunder. Hier stehen sich zwei Ergebnisse gegenüber. Eine positive Metaanalyse fasst Studien mit insgesamt 180 Teilnehmenden zusammen. Dem gegenüber steht eine behördlich genehmigte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 87 Patienten mit laborbestätigter Influenza, die keinerlei Nutzen fand — die Verläufe unter Holunder waren sogar geringfügig länger. Eine dritte Studie an 312 Flugpassagieren fand keine geringere Zahl an Episoden, aber kürzere Verläufe. Widersprüchlich, also Stufe B. Von „Geheimwaffe" ist das weit entfernt.

Pelargonium sidoides. Ein Cochrane-Review sieht Hinweise auf Wirksamkeit bei akuter Bronchitis und Nasennebenhöhlenentzündung, ausdrücklich nur für die flüssige Zubereitung und bei niedriger bis sehr niedriger Evidenzqualität. Die Autoren äußern Verdacht auf Publikationsbias und weisen darauf hin, dass ausschließlich prüferinitiierte Studien vorlagen. Ihr eigenes Fazit endet mit „doubt exists".

Andrographis paniculata. 33 randomisierte Studien mit 7.175 Patienten zeigen Verbesserungen bei Husten und Halsschmerzen. Die Autoren bewerten die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien insgesamt als schlecht.

Für alle vier gilt: Wir verkaufen keines dieser Mittel und empfehlen keines. Wir stellen die Studienlage dar. Für die Anwendung ist die Apotheke oder die Arztpraxis die richtige Adresse.

Was nie untersucht wurde

Diese Kategorie fehlt in jedem Erkältungsratgeber, den wir geprüft haben — dabei ist sie für die Einordnung entscheidend. „Nicht belegt" heißt oft nicht „widerlegt", sondern schlicht: Es hat nie jemand nachgesehen.

Viel trinken. Der Cochrane-Review dazu enthält im Ergebnisteil einen einzigen Satz: Es wurden keine randomisierten Studien gefunden, die den Effekt einer erhöhten Flüssigkeitszufuhr bei akuten Atemwegsinfekten untersuchen. Die Autoren ergänzen, dass einzelne Beobachtungsstudien bei Infekten der unteren Atemwege sogar auf möglichen Schaden hindeuten — bei solchen Infekten ist die Ausschüttung des antidiuretischen Hormons erhöht, was zusätzliche Flüssigkeit problematisch machen kann. Die vernünftige Schlussfolgerung lautet nicht „trinken schadet", sondern: normal weitertrinken, nicht literweise nachhelfen. Bei Fieber, Erbrechen oder Durchfall ist die Lage eine andere und gehört ärztlich geklärt.

Erkältungsbad, Schwitzkur, Halswickel. Unsere systematischen Suchen in der medizinischen Literaturdatenbank ergaben für alle drei null kontrollierte Studien am Menschen. Die verbreiteten Begründungen — das Bad fördere die Durchblutung und bremse so die Virusvermehrung, zwischen Füßen und Nasenschleimhaut bestehe eine Reflexverbindung — sind Wirkhypothesen ohne klinischen Beleg. Das heißt nicht, dass ein warmes Bad schlecht wäre. Es heißt, dass niemand weiß, ob es den Verlauf beeinflusst.

Zur Sauna gibt es immerhin eine Studie, allerdings zur Vorbeugung: 25 Personen mit regelmäßigem Saunagang gegen 25 ohne, über sechs Monate. Weniger Erkältungsepisoden, bei unveränderter Dauer und Schwere. 50 Teilnehmende, Baujahr 1990, nicht verblindbar.

Frau mit Wolldecke auf dem Sofa hält eine Tasse Tee in beiden Händen

Sport bei Erkältung

Die einzige belastbare Interventionsstudie dazu ist bemerkenswert sauber gebaut: 50 junge Erwachsene wurden gezielt mit Rhinoviren infiziert, ein Teil trainierte danach zehn Tage lang jeden zweiten Tag 40 Minuten bei moderater Intensität. Ergebnis: kein Unterschied im Symptomscore und im Gewicht der benutzten Taschentücher. Moderates Training bei einer laufenden, leichten Erkältung verschlimmerte also nichts — es half aber auch nicht.

Die kardiologische Empfehlung ist trotzdem strenger, und sie hat den besseren Grund. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie rät, bei einem Infekt auf Sport zu verzichten, bis die Symptome abgeklungen sind, und dann langsam wieder zu beginnen. Nach Fieber lieber eine Woche länger pausieren. Der Hintergrund: Eine Herzmuskelentzündung tritt im Rahmen eines Infekts meist ein bis vier Wochen später auf, und gerade bei Menschen unter 45 ist sie die häufigste Ursache für plötzliche tödliche Herzrhythmusstörungen beim Training.

Beides passt zusammen, wenn man Intensität und Fieber sauber trennt. Ein Spaziergang bei Halskratzen ist etwas anderes als ein Intervalltraining mit Fieber. Die verbreitete Faustregel, Symptome oberhalb des Halses seien unbedenklich und Symptome unterhalb ein Grund zur Pause, ist eine praktische Merkhilfe — kontrolliert geprüft wurde sie nie. Worauf es beim Wiedereinstieg ankommt, steht in unserem Beitrag zur Erholung nach Belastung.

Was in der EU über Erkältungsmittel gesagt werden darf

Wir haben den Anhang der Health-Claims-Verordnung im Volltext durchsucht. Das Ergebnis ist eindeutig:

  • „Erkältung": 0 Treffer
  • „Abwehr": 0 Treffer
  • „Infekt": 0 Treffer
  • „Atemwege", „Husten", „Hals": jeweils 0 Treffer
  • „Echinacea", „Holunder", „Ingwer", „Honig": jeweils 0 Treffer

Kein Lebensmittel und kein Nahrungsergänzungsmittel darf in der EU mit einer Wirkung gegen Erkältung beworben werden — unabhängig davon, was Studien zeigen. Erlaubt sind elf Angaben zum Immunsystem, und zwar in genau einem Wortlaut: „trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei". Zulässig ist das für Eisen, Folat, Kupfer, Selen, Vitamin A, B6, B12, C, D und Zink, jeweils gebunden an einen Mindestgehalt im Produkt.

Nicht erlaubt sind: „stärkt", „boostet", „aktiviert", „unterstützt die Abwehrkräfte". Und die zugelassene Angabe beschreibt den Erhalt der normalen Funktion, nicht eine Steigerung darüber hinaus. Wenn dir das nächste Mal ein Produkt begegnet, das dein Immunsystem „pusht", weißt du jetzt, woran du das prüfen kannst.

Die eine Ausnahme mit Situationsbezug ist der zweite Vitamin-C-Claim: „Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems während und nach intensiver körperlicher Betätigung bei" — zulässig nur, wenn 200 Milligramm zusätzlich zur empfohlenen Tagesdosis aufgenommen werden und die Verbraucher darüber informiert werden. Bemerkenswert daran: Das ist genau die Situation, in der auch die Studienlage einen Effekt findet.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Erkältung?

Das Schlimmste ist laut IQWiG meist innerhalb einer Woche überstanden. Bis alle Symptome verschwunden sind, dauert es länger. Besonders hartnäckig ist der Husten: Bei Erwachsenen vergehen bis zum vollständigen Abklingen im Schnitt 18 Tage, bei Kindern kann er bis zu drei Wochen anhalten.

Kann man eine Erkältung verkürzen?

Zuverlässig nicht. Es gibt bis heute kein Medikament, das Erkältungsviren gezielt bekämpft und die Erkrankungsdauer spürbar verkürzt. Für Zink-Lutschtabletten gibt es Hinweise auf eine Verkürzung, aber bei niedriger Aussagesicherheit, extrem uneinheitlichen Studien und mit mehr Nebenwirkungen. Lindern lassen sich Beschwerden dagegen durchaus.

Hilft viel trinken bei einer Erkältung?

Das ist der meistgegebene Rat der Erkältungssaison — und er ist nie in einer randomisierten Studie geprüft worden. Ein Cochrane-Review von 2011 hält wörtlich fest, dass keine einzige solche Studie gefunden wurde. Für Infekte der unteren Atemwege gibt es aus Beobachtungsdaten sogar Hinweise auf möglichen Schaden. Normal weitertrinken ist sinnvoll, literweise nachhelfen nicht belegt.

Darf man mit Erkältung Sport machen?

In der einzigen kontrollierten Studie dazu veränderte moderates Training bei einer leichten Erkältung weder Schwere noch Dauer — es half aber auch nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie rät strenger: bei einem Infekt auf Sport verzichten, bis die Symptome abgeklungen sind, und nach Fieber lieber eine Woche länger pausieren. Der Grund ist das Risiko einer Herzmuskelentzündung.

Hilft Hühnersuppe wirklich?

Sie tut gut, aber der Nachweis ist dünner als überall behauptet. Der oft zitierte entzündungshemmende Effekt stammt aus einer Untersuchung im Reagenzglas. Beim Menschen wurde nur an 15 Gesunden gemessen, dass warme Flüssigkeit den Nasenschleim kurzfristig beweglicher macht — nach 30 Minuten war der Effekt wieder verschwunden. Ob Hühnersuppe den Verlauf einer Erkältung beeinflusst, wurde nie untersucht.

Ab wann sollte man mit einer Erkältung zum Arzt?

Bei hohem Fieber, starken oder sich verstärkenden Beschwerden, Schmerzen in der Brust, Luftnot oder Problemen beim Atmen. Das gilt besonders für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD. Auch Druckgefühl in der Brust oder Schmerzen beim Einatmen nach einem Infekt gehören ärztlich abgeklärt.

Weiterlesen

Quellen

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  • IQWiG / gesundheitsinformation.de: Erkältung. Bundesinstitut für Risikobewertung: FAQ Botulismus, Stand 12.11.2025. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, herzmedizin.de: Sport nach Infekt
  • Verordnung (EU) Nr. 432/2012, konsolidierte Fassung, Anhang

Dieser Artikel ordnet die Studienlage ein und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, stellt keine Diagnose und enthält keine Dosierungsempfehlungen. Bei anhaltenden, starken oder ungewöhnlichen Beschwerden, bei chronischen Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern wende dich bitte an deine Arztpraxis oder Apotheke.