Nervennahrung: Was dem Nervensystem wirklich hilft - VitalBodyPLUS.de

Nervennahrung: Was dem Nervensystem wirklich hilft

Für elf Nährstoffe ist in der EU geprüft und zugelassen, dass sie zu einer normalen Funktion des Nervensystems beitragen: Thiamin, Riboflavin, Niacin, Vitamin B6, Vitamin B12, Biotin, Vitamin C, Kalium, Magnesium, Kupfer und Jod. Ausgerechnet die beiden Klassiker der Ratgeberliteratur – Schokolade und Banane – stehen dabei aus ganz anderen Gründen auf der Liste als üblicherweise behauptet.

Der Satz „Schokolade und Bananen liefern Tryptophan und machen glücklich" hält der Prüfung nicht stand. Eine Banane enthält 9 Milligramm Tryptophan je 100 Gramm – Kürbiskerne enthalten das rund 60-Fache. Warum die Banane trotzdem zu Recht in diesem Artikel steht, steht weiter unten.

Vorab zur Abgrenzung. Dieser Artikel handelt von Ernährung. Er behandelt keine Nervenerkrankungen. Anhaltendes Kribbeln, Taubheitsgefühle, brennende Schmerzen oder Muskelschwäche – besonders wenn sie an Füßen oder Händen beginnen und sich ausbreiten – gehören ärztlich abgeklärt und nicht mit einem Nahrungsergänzungsmittel behandelt. Mehr dazu im letzten Abschnitt.

Haferflocken, Walnüsse, Cashews, Kürbiskerne, Eier, Lachsfilet, Banane und dunkle Schokolade auf Eichenholz

Die elf Nährstoffe mit geprüfter Aussage

In der EU dürfen nur gesundheitsbezogene Angaben verwendet werden, die zuvor wissenschaftlich geprüft und zugelassen wurden. Für das Nervensystem ist die Liste überschaubar und vollständig – weitere Nährstoffe haben diesen Claim nicht.

Zugelassene Angaben nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012, amtlicher Wortlaut. Ein Lebensmittel darf die Angabe tragen, wenn es mindestens 15 Prozent der Referenzmenge je 100 Gramm enthält.
Nährstoff Nervensystem Psychische Funktion Müdigkeit
Thiamin (B1) ja ja
Riboflavin (B2) ja ja
Niacin (B3) ja ja ja
Vitamin B6 ja ja ja
Vitamin B12 ja ja ja
Biotin ja ja
Vitamin C ja ja ja
Kalium ja
Magnesium ja ja ja
Kupfer ja
Jod ja
Folat ja ja
Eisen ja
Pantothensäure ja

Der amtliche Wortlaut lautet jeweils zum Beispiel: „Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei". Wichtig ist die Präzision dieser Formulierungen. „Normale psychische Funktion" ist etwas anderes als „gute Laune" oder „starke Nerven" – Umformulierungen, die dem Verbraucher eine andere Bedeutung vermitteln, sind nicht zulässig.

Drei Dinge, die auf dieser Liste fehlen

  • Vitamin E hat keinen Nerven-Claim. Der einzige zugelassene Vitamin-E-Claim betrifft den Schutz der Zellen vor oxidativem Stress.
  • Für „normale kognitive Funktion" gibt es nur drei Nährstoffe: Eisen, Jod und Zink. Weder Magnesium noch B-Vitamine noch Omega-3 stehen dort.
  • Kupfer steht dagegen drauf – und ist der am häufigsten übersehene Nerven-Nährstoff überhaupt. Nüsse und dunkle Schokolade sind exzellente Quellen.

Der Schokolade-und-Banane-Mythos

Die Geschichte geht so: Schokolade und Bananen enthalten Tryptophan, daraus baut der Körper Serotonin, Serotonin macht glücklich. Jeder Teil dieser Kette hat ein Problem.

Erstens: Die Mengen sind winzig

Tryptophangehalt in Milligramm je 100 Gramm, nach USDA-Nährwertdatenbank.
Lebensmittel mg / 100 g realistische Portion
Kürbiskerne 576 20 g → 115 mg
Gouda 352 30 g → 106 mg
Sonnenblumenkerne 348 20 g → 70 mg
Cashewkerne 287 25 g → 72 mg
Hähnchenbrust 249 150 g → 374 mg
Lachs 222 150 g → 333 mg
Haferflocken 182 50 g → 91 mg
Hühnerei 167 1 Ei → 97 mg
Schokolade, halbbitter 63 30 g → 19 mg
Banane 9 1 Banane → 11 mg

Der Tryptophanbedarf liegt bei rund 5 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht am Tag, bei 70 Kilogramm also etwa 350 Milligramm. Eine Banane liefert davon rund drei Prozent. Gemessen an anderen Lebensmitteln sind Banane und Schokolade ausgesprochen tryptophanarm.

Zweitens: Mehr Tryptophan im Essen heißt nicht mehr Tryptophan im Gehirn

Tryptophan gelangt über einen Transporter in das Gehirn, den es sich mit anderen großen neutralen Aminosäuren teilt – mit Tyrosin, Phenylalanin, Leucin, Isoleucin und Valin. Entscheidend ist deshalb nicht die absolute Menge im Blut, sondern das Verhältnis von Tryptophan zu diesen Konkurrenten.

Und hier kippt die Logik: Tryptophan ist in nahezu allen Nahrungsproteinen die seltenste Aminosäure. Eine proteinreiche Mahlzeit hebt das Tryptophan im Blut also zwar an, hebt die Konkurrenten aber überproportional stärker. Das Verhältnis sinkt – und damit die Aufnahme ins Gehirn. Der Rat „iss proteinreiche Lebensmittel für mehr Serotonin" ist mechanistisch verkehrt herum.

Drittens: Der Kohlenhydrat-Trick funktioniert nur unter Laborbedingungen

Es stimmt, dass Kohlenhydrate das Verhältnis verschieben können. In einer Untersuchung mit neun Probanden lag der Unterschied im Plasmaverhältnis nach einem kohlenhydratreichen gegenüber einem proteinreichen Frühstück im Median bei 54 Prozent. Nur: Das kohlenhydratreiche Frühstück enthielt 5,2 Gramm Protein – es war praktisch proteinfrei. Ein Stück Schokolade oder ein Käsebrot erfüllen diese Bedingung nicht.

Und selbst ein verändertes Plasmaverhältnis ist noch kein Stimmungseffekt. Das ist ein Zwischenwert, kein Ergebnis.

Der eine Fall, in dem es funktioniert. Es gibt ein Nahrungsprotein mit ungewöhnlich hohem Tryptophananteil: Alpha-Lactalbumin aus Molke. In einer Untersuchung mit 58 Teilnehmenden hob es das Plasmaverhältnis gegenüber Casein um 48 Prozent, und bei den 29 als stressanfällig eingestuften Teilnehmenden gingen damit ein niedrigerer Cortisolspiegel und weniger niedergeschlagene Stimmung unter Stress einher – bei den 29 stressresistenten nicht. Das belegt, dass der Weg biologisch existiert. Es belegt nicht, dass Alltagslebensmittel ihn nutzbar machen. Und für Molkenprotein, Tryptophan oder Serotonin existiert keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe – wir leiten daraus also nichts ab.

Schälchen mit grünen Kürbiskernen neben einem Stück gereiftem Gouda und einer Banane

Die acht Klassiker im Faktencheck

Dieselben acht Lebensmittel stehen in fast jedem Artikel zum Thema. Die meisten gehören dorthin – aber oft aus anderen Gründen als den genannten. Alle Prozentangaben beziehen sich auf die Referenzmenge je 100 Gramm; wo die Portion deutlich kleiner ausfällt, steht sie dabei.

Lebensmittel Der richtige Grund Was nicht stimmt
Zartbitterschokolade Kupfer 177 %, Magnesium 61 %, Kalium 36 % – alle drei mit Nerven-Claim Tryptophan und Serotonin. B-Vitamine liegen sämtlich unter der Schwelle.
Banane Vitamin B6 26 %, Kalium 18 % Tryptophan (9 mg/100 g). Magnesium mit 7 % unter der Schwelle.
Nüsse Kupfer 159–219 %, Magnesium 42–100 %, Kalium 22–37 % Nur Kalium zu nennen greift zu kurz – Kupfer ist das stärkere Argument.
Haferflocken Thiamin 42 %, Magnesium 37 %, Kupfer 39 % „B-Vitamine" pauschal: B2, Niacin und B6 liegen unter der Schwelle. Richtig ist Thiamin.
Eier Vitamin B12 36 %, Riboflavin 33 %, Folat 24 % Vitamin B6 mit 12 % unter der Schwelle.
Fisch DHA und Vitamin B12, beides um ein Vielfaches über der Schwelle Ein Blutdruck-Effekt: Der zugehörige Claim verlangt 3 g EPA und DHA am Tag, das erreicht keine Fischportion.
Avocado Folat 40 %, Kalium 24 %, Vitamin B6 18 % Vitamin B1 mit 6 % – die übliche Begründung ist schlicht falsch. Schweinelende hat das 13-Fache.
Spinat Folat, Magnesium, Kalium Calcium mit 12 % unter der Schwelle.

Zwei Präzisierungen, die in der Praxis den Unterschied machen:

Portionsgrößen. Die Claims gelten je 100 Gramm. 100 Gramm Zartbitterschokolade sind 598 Kilokalorien – niemand isst das als Nervennahrung. Eine realistische Portion von 20 bis 30 Gramm liefert immer noch 0,35 bis 0,53 Milligramm Kupfer, also 35 bis 53 Prozent der Referenzmenge. Der Kupferbeitrag bleibt damit relevant, der Magnesiumbeitrag ist mit 12 bis 18 Prozent moderat.

Fisch ist der Ausreißer nach oben. Eine Portion von 100 Gramm Hering liefert 862 Milligramm DHA, Makrele sogar 1.401 Milligramm. Der DHA-Claim bezieht sich auf eine Tagesmenge von 250 Milligramm – eine einzige Fischportion liefert also das Drei- bis Fünffache davon. Damit ist die Empfehlung, ein- bis zweimal pro Woche Fisch zu essen, rechnerisch gut nachvollziehbar, ganz ohne Kapseln.

B-Vitamine: die wichtigsten drei

Thiamin (Vitamin B1) ist im Nervengewebe für den Energiestoffwechsel unverzichtbar. Ein schwerer Mangel führt zu Beriberi mit neurologischen Ausfällen; in Industrieländern tritt er praktisch nur bei chronischem Alkoholkonsum auf. Beste Quellen sind Schweinefleisch, Sonnenblumenkerne, Haferflocken und Hülsenfrüchte.

Vitamin B12 ist der kritischste Nährstoff dieser Gruppe, weil er praktisch nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt und ein Mangel neurologische Schäden verursachen kann, die sich nicht immer vollständig zurückbilden. Die Zahlen zur Häufigkeit sind eindeutig genug, um sie zu nennen:

Wer bei Vitamin B12 hinsehen sollte

  • Ältere Menschen: In einer deutschen Untersuchung an 65- bis 93-Jährigen waren 27,3 Prozent unterversorgt.
  • Metformin: Die Einnahme ist mit einer mehr als doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit für einen B12-Mangel verbunden.
  • Protonenpumpenhemmer über zwei Jahre und länger: ebenfalls erhöhtes Risiko.
  • Vegane Ernährung: ohne Supplementierung praktisch immer ein Thema.

Vitamin B6 ist an der Bildung von Neurotransmittern beteiligt und hat gleich drei Claims – Nervensystem, psychische Funktion und Müdigkeit. Es ist zugleich der Nährstoff mit dem größten Problem, und das bekommt einen eigenen Abschnitt.

Wenn das Nervenvitamin selbst zum Problem wird

Vitamin B6 ist der einzige Nährstoff in diesem Artikel, der in hoher Dosierung genau das auslösen kann, wogegen er beworben wird: eine periphere Neuropathie. Die europäische Behörde hat die tolerierbare Höchstmenge 2023 deshalb von 25 auf 12 Milligramm pro Tag für Erwachsene gesenkt – der kritische Endpunkt, auf dem dieser Wert beruht, ist ausdrücklich die Nervenschädigung.

Als Folge davon hat das Bundesinstitut für Risikobewertung seinen Höchstmengenvorschlag für Nahrungsergänzungsmittel 2024 von 3,5 auf 0,9 Milligramm pro Tagesdosis gesenkt – eine Absenkung um etwa den Faktor vier. Viele Produkte am Markt liegen deutlich darüber.

Die klinische Grundlage ist gut dokumentiert. Eine dauerhafte Zufuhr von einem bis sechs Gramm täglich über zwölf bis vierzig Monate kann eine schwere, fortschreitende sensorische Neuropathie mit Gangunsicherheit verursachen; einzelne Berichte beschreiben sie auch bei niedrigeren Dosen. Das niederländische Pharmakovigilanzzentrum sammelte 90 Spontanmeldungen mit Nervensymptomen unter B6-haltigen Präparaten; der B6-Gehalt der Produkte reichte von 1,4 bis 100 Milligramm pro Tablette. Bemerkenswert daran: Zwischen Dosis und gemessenem Blutspiegel bestand kein statistischer Zusammenhang.

In der Regel bilden sich die Symptome zurück, wenn die Zufuhr beim Auftreten neurologischer Beschwerden beendet wird. Über die Ernährung ist eine solche Überversorgung nicht möglich – sie kommt ausschließlich aus Präparaten.

Was das praktisch heißt: Wer wegen Nervenbeschwerden zu einem hochdosierten B-Komplex greift, sollte auf die B6-Menge schauen. „Viel hilft viel" ist hier nachweislich falsch, und der Blick auf die Packung dauert zehn Sekunden.

Magnesium

Magnesium ist der Nährstoff mit den meisten einschlägigen Claims: Nervensystem, psychische Funktion und Verringerung von Müdigkeit. Der DGE-Referenzwert liegt bei 350 Milligramm für Männer und 300 Milligramm für Frauen; die tatsächliche Zufuhr in Deutschland liegt laut Nationaler Verzehrsstudie bei 345 beziehungsweise 284 Milligramm – also im Bereich der Empfehlung.

Gute Quellen sind Kürbiskerne, Nüsse, Haferflocken, Vollkorn, Hülsenfrüchte und dunkle Schokolade. Für Präparate empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Höchstmenge von 250 Milligramm pro Tag; ab etwa 300 Milligramm zusätzlichem Magnesium treten gehäuft Durchfälle auf.

Frau bereitet an einer Küchenzeile eine Haferbowl mit Nüssen und Beeren zu

Omega-3: was belegt ist und was nicht

DHA ist ein Baustein der Zellmembranen im Gehirn, und dafür ist die Angabe zugelassen, dass DHA zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion beiträgt – bei einer Aufnahme von 250 Milligramm DHA pro Tag. „Erhaltung des Normalzustands" ist dabei wörtlich gemeint und etwas anderes als eine Verbesserung.

Was Omega-3-Kapseln nachweislich nicht leisten, ist ebenso wichtig:

  • Bei kognitiv gesunden älteren Menschen fand eine Cochrane-Übersichtsarbeit über drei hochwertige Studien mit Daten von 3.536 Teilnehmenden keinen Nutzen für die Denkleistung. Der Unterschied im kognitiven Test nach zwei bis über drei Jahren lag bei −0,07 Punkten.
  • Bei Alzheimer-Demenz zeigte sich in drei Studien mit 632 Teilnehmenden kein Effekt auf kognitive Tests, Alltagsaktivitäten oder Stimmung – bei hoher Evidenzqualität.
  • Bei diagnostizierter Depression ergab sich über 33 Studien ein kleiner Effekt, den die Autorinnen und Autoren selbst als „vermutlich nicht klinisch bedeutsam" einordnen und dessen Sicherheit sie als sehr niedrig bewerten.

Die praktische Konsequenz ist unspektakulär: Die empfohlenen 250 Milligramm EPA und DHA pro Tag lassen sich über ein- bis zweimal Fisch pro Woche decken. Mehr dazu steht auf unserer Seite zu Omega-3. Eine Portion Hering liefert allein 862 Milligramm DHA. Bei Präparaten gilt ein Hinweis auf die Obergrenze von 5 Gramm EPA und DHA kombiniert pro Tag.

Koffein und Alkohol

Koffein gilt für gesunde Erwachsene bis 400 Milligramm am Tag und bis 200 Milligramm als Einzeldosis als unbedenklich; für Schwangere und Stillende liegt die Bewertung bei 200 Milligramm täglich aus allen Quellen. Für den Schlaf ist ein anderer Wert relevant: Schon 100 Milligramm – etwa eine kleine Tasse Kaffee – können bei manchen Erwachsenen Schlafdauer und Schlafmuster beeinträchtigen, besonders nahe an der Schlafenszeit. Und schlechter Schlaf ist der plausibelste Weg, auf dem Koffein am Folgetag die Konzentration beeinflusst.

Alkohol schädigt das Nervensystem auf zwei getrennten Wegen: direkt durch die Neurotoxizität von Ethanol und seinen Abbauprodukten, und indirekt über Nährstoffmängel – allen voran Thiaminmangel, der zu schweren akuten Krankheitsbildern führen kann. Betroffen sind neben dem Gehirn ausdrücklich auch die peripheren Nerven. Der in Ratgebern beliebte Hinweis auf „ein Gläschen zur Entspannung" gehört in diesem Zusammenhang nicht in einen Text über Nervennahrung. Was Alkohol im Stoffwechsel sonst noch bewirkt, steht in unserem Ratgeber zu Verdauung und Alkohol.

Blutzuckerschwankungen werden häufig als Konzentrationskiller genannt. Die Datenlage dazu ist dünner, als die Selbstverständlichkeit der Behauptung vermuten lässt: Eine systematische Übersichtsarbeit fand unter 39 gesichteten Arbeiten nur zwei, die den Einschlusskriterien genügten. Die Richtung deutet auf einen Vorteil einer flacheren Blutzuckerantwort hin, aber die Autoren nennen die Studienlage ausdrücklich zu inkonsistent für belastbare Schlüsse. Als Alltagsheuristik brauchbar, als gesicherte Tatsache nicht.

Wann Beschwerden ärztlich abgeklärt gehören

Ernährung ist keine Behandlung von Nervenerkrankungen. Wer anhaltende neurologische Beschwerden hat, braucht eine Diagnose – und die stellt keine Nährstofftabelle.

Eine Polyneuropathie ist häufiger, als viele denken: In einer großen Bevölkerungsstudie lag die Häufigkeit einer gesicherten Polyneuropathie bei 5,5 Prozent, altersstandardisiert bei 4,0 Prozent. Bemerkenswert daran: 49 Prozent der Fälle wurden im Rahmen der Studie überhaupt erst entdeckt. Die häufigste identifizierbare Ursache war Diabetes mit 31 Prozent; bei 46 Prozent blieb die Ursache ungeklärt.

Warnzeichen, die ärztlich abgeklärt gehören

  • Kribbeln, Taubheit oder Brennen, das an Füßen oder Händen beginnt und sich ausbreitet
  • Muskelschwäche, Gangunsicherheit oder häufiges Stolpern
  • Symptome, die rasch fortschreiten oder nur eine Körperseite betreffen
  • Beschwerden zusammen mit ungewolltem Gewichtsverlust, Fieber oder Hautveränderungen
  • Neurologische Beschwerden bei bestehendem Diabetes, regelmäßigem Alkoholkonsum oder bekanntem Vitamin-B12-Mangel

Zur Basisdiagnostik gehören unter anderem Blutzucker- und B12-Status. Ein B12-Mangel lässt sich feststellen und behandeln – aber eben nur, wenn er festgestellt wird.

Die Grundversorgung abdecken

Unser DailyVit liefert pro Tagesportion unter anderem 2,0 mg Thiamin, 2,8 mg Riboflavin, 30 mg Niacin, 2,8 mg Vitamin B6, 5,0 µg Vitamin B12, 100 µg Biotin, 100 mg Vitamin C, 101 mg Magnesium, 0,30 mg Kupfer und 150 µg Jod. Thiamin, Riboflavin, Niacin, Vitamin B6, Vitamin B12, Biotin, Vitamin C, Magnesium, Kupfer und Jod tragen zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Die B6-Menge liegt dabei deutlich unter der tolerierbaren Höchstmenge von 12 mg pro Tag.

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Ein Präparat ersetzt dabei keine Mahlzeit und keine Diagnose. Wie wir Nahrungsergänzung insgesamt einordnen, steht auf unserer Seite zur Nahrungsergänzung beim Abnehmen.

Häufige Fragen

Was ist die beste Nervennahrung?

Nach den zugelassenen EU-Angaben tragen elf Nährstoffe zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei: Thiamin, Riboflavin, Niacin, Vitamin B6, Vitamin B12, Biotin, Vitamin C, Kalium, Magnesium, Kupfer und Jod. Lebensmittel, die davon besonders viel liefern, sind fettreicher Seefisch, Eier, Nüsse, Haferflocken, Kürbiskerne, Hülsenfrüchte und dunkle Schokolade.

Ist Schokolade wirklich gut für die Nerven?

Ja, aber aus anderen Gründen als meist behauptet. Zartbitterschokolade liefert je 100 Gramm 177 Prozent der Referenzmenge Kupfer, 61 Prozent Magnesium und 36 Prozent Kalium – alle drei mit zugelassener Nerven-Angabe. Der Tryptophan- und Serotonin-Zusammenhang trägt dagegen nicht: Halbbittere Schokolade enthält 63 Milligramm Tryptophan je 100 Gramm, eine 30-Gramm-Portion also rund 19 Milligramm.

Machen Bananen glücklich?

Nicht über Tryptophan. Eine Banane enthält 9 Milligramm Tryptophan je 100 Gramm – das ist der niedrigste Wert unter allen üblichen Lebensmitteln und deckt rund drei Prozent des Tagesbedarfs. Die Banane steht trotzdem zu Recht auf der Liste, aber wegen Vitamin B6 (26 Prozent der Referenzmenge) und Kalium (18 Prozent).

Kann Vitamin B6 den Nerven schaden?

Ja, in hoher Dosierung. Die europäische Behörde hat die tolerierbare Höchstmenge 2023 von 25 auf 12 Milligramm pro Tag gesenkt; der kritische Endpunkt ist ausdrücklich die periphere Neuropathie. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt seither 0,9 Milligramm pro Tagesdosis für Nahrungsergänzungsmittel vor. Über die Ernährung ist eine Überversorgung nicht möglich – sie kommt nur aus Präparaten.

Welche Vitamine sind wichtig für die Nerven?

Thiamin, Riboflavin, Niacin, Vitamin B6, Vitamin B12, Biotin und Vitamin C haben eine zugelassene Angabe zur normalen Funktion des Nervensystems. Am kritischsten ist Vitamin B12, weil es fast nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt und ein Mangel bleibende neurologische Schäden verursachen kann. In einer deutschen Untersuchung waren 27,3 Prozent der 65- bis 93-Jährigen unterversorgt.

Hilft Omega-3 dem Gehirn?

Zugelassen ist die Angabe, dass DHA zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion beiträgt, ab 250 Milligramm DHA pro Tag. Darüber hinaus ist die Datenlage ernüchternd: Cochrane-Übersichtsarbeiten fanden bei kognitiv gesunden älteren Menschen keinen Nutzen für die Denkleistung und bei Alzheimer-Demenz keinen Effekt. Die empfohlene Menge lässt sich über ein- bis zweimal Fisch pro Woche decken.

Wie viel Magnesium brauche ich?

Der DGE-Referenzwert liegt bei 350 Milligramm für Männer und 300 Milligramm für Frauen. Die tatsächliche Zufuhr in Deutschland liegt bei 345 beziehungsweise 284 Milligramm und damit im Bereich der Empfehlung. Für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung höchstens 250 Milligramm pro Tag; ab etwa 300 Milligramm zusätzlich treten gehäuft Durchfälle auf.

Ab wann sollte ich mit Nervenbeschwerden zum Arzt?

Bei anhaltendem Kribbeln, Taubheit oder Brennen, das an Füßen oder Händen beginnt, bei Muskelschwäche oder Gangunsicherheit, bei rasch fortschreitenden oder einseitigen Symptomen und immer dann, wenn Diabetes, regelmäßiger Alkoholkonsum oder ein bekannter Vitamin-B12-Mangel vorliegen. In einer Bevölkerungsstudie wurden 49 Prozent der Polyneuropathien überhaupt erst im Rahmen der Untersuchung entdeckt.

Quellen

  • Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben, Anhang.
  • Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII – Referenzmengen.
  • EFSA NDA Panel. Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin B6. EFSA Journal 2023;21(5):8006.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung, Stellungnahme 008/2024: Höchstmengenvorschläge für Vitamin B6 in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln.
  • van Hunsel F et al. Vitamin B6 in Health Supplements and Neuropathy: Case Series Assessment of Spontaneously Reported Cases. Drug Safety 2018;41(9):859–869.
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  • EFSA. Scientific Opinion on the safety of caffeine. EFSA Journal 2015;13(5):4102.
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  • Edefonti V, Bravi F, Ferraroni M. Breakfast and behavior in morning tasks: Facts or fads? Journal of Affective Disorders 2017;224:16–26.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr sowie Empfehlungen zum Fischverzehr.
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Leitlinie Polyneuropathien; Rotterdam-Studie zur Prävalenz der Polyneuropathie.
  • USDA FoodData Central, Nährwert- und Aminosäuredaten der genannten Lebensmittel.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information, gibt den Stand zum Zeitpunkt der letzten Aktualisierung wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Er behandelt Ernährung, keine Nervenerkrankungen. Anhaltende neurologische Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene Tagesdosis darf nicht überschritten werden. Nährwerte in Lebensmitteln schwanken je nach Sorte, Herkunft, Lagerung und Zubereitung.