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Abnehmen nach der Schwangerschaft: was realistisch ist und wann es losgehen darf

Was in den ersten Wochen von selbst weggeht, warum in die Stillzeit keine Diät gehört, weshalb der Bauch oft nicht am Körperfett liegt und ab wann Sport wieder möglich ist.
Nervennahrung: Was dem Nervensystem wirklich hilft Du liest Abnehmen nach der Schwangerschaft: was realistisch ist und wann es losgehen darf 22 Minuten Weiter Woran merke ich, dass ich abnehme? Anzeichen, Messwerte und Warnsignale

In den ersten zwei Monaten nach der Geburt gehen bei den meisten Frauen etwa 10 bis 12 Kilogramm von selbst weg – durch Kind, Plazenta, Fruchtwasser, Blutverlust, vermehrtes Schwitzen und die Rückbildung der Gebärmutter. Was danach noch da ist, braucht Zeit. Solange du stillst, solltest du keine starke Gewichtsabnahme durch eine Diät anstreben, so die Empfehlung des Netzwerks Gesund ins Leben. Belastende Sportarten frühestens nach sechs Wochen, Rückbildungsgymnastik in der Regel nach sechs bis acht Wochen, nach einem Kaiserschnitt nur nach ärztlicher Rücksprache.

Dieser Artikel sagt, was in welchem Zeitfenster sinnvoll ist, warum der Bauch bei vielen Frauen nicht am Körperfett liegt und welcher Faktor das Gewicht nach der Geburt tatsächlich am stärksten bestimmt.

Der Druck in dieser Zeit ist enorm, und er kommt von überall: aus dem Bekanntenkreis, aus dem Netz, aus der eigenen Kleiderschrankschublade. Dazu kommt eine Sorge, die selten ausgesprochen wird – dass das jetzt der neue Normalzustand ist. Beides führt regelmäßig dazu, dass Frauen zu früh und zu streng anfangen. Dieser Artikel ist deshalb bewusst auch ein Text darüber, wann nicht abgenommen werden sollte.

Junge Mutter geht mit Kinderwagen auf einem Weg durch einen sonnigen Park

Was in den ersten Wochen von selbst weggeht

Rund 6 Kilogramm entfallen auf Kind, Plazenta, Fruchtwasser und Blutverlust. Bis zu 5 weitere Kilogramm verliert der Körper in der ersten Woche durch vermehrtes Schwitzen und die Rückbildung der Gebärmutter. Etwa 1 Kilogramm baut sich an Fettgewebe ab.

Diese Aufstellung stammt vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. Zusammengerechnet sind das 10 bis 12 Kilogramm in den ersten zwei Monaten, ohne dass du etwas dafür tun musst.

Die Gebärmutter allein wiegt direkt nach der Geburt etwa 1000 Gramm und nach sechs bis acht Wochen wieder 50 bis 70 Gramm. Häufiges Stillen unterstützt diese Rückbildung, weil dabei Oxytocin ausgeschüttet wird – das sind die Nachwehen, die viele Frauen in den ersten Tagen spüren.

Warum die Zahlen in den ersten Wochen wenig aussagen Ein großer Teil dieser Kilogramm ist Wasser. Das bedeutet auch: Tägliches Wiegen im Wochenbett liefert keine verwertbare Information über Körperfett, sondern nur über den Wasserhaushalt. Wenn du dich wiegen willst, dann frühestens nach dem Wochenbett und dann einmal wöchentlich unter gleichen Bedingungen.

Was nach einem Jahr realistisch übrig bleibt

In einer Meta-Analyse aus 21 Kohorten lag die verbliebene Gewichtsretention sechs Wochen nach der Geburt bei 2,42 BMI-Einheiten, nach sechs Monaten bei 1,14 und nach zwölf Monaten bei 0,46. Der größte Teil verschwindet also im ersten Jahr – aber eben über Monate, nicht über Wochen.

Evidenz A

Die Autoren dieser Auswertung empfehlen, den Begriff „postpartale Gewichtsretention" auf zwölf bis achtzehn Monate zu begrenzen. Was danach an Gewicht dazukommt, hat mit der Schwangerschaft nichts mehr zu tun, sondern mit dem Lebensstil danach.

Wie viel bei der Einzelnen übrig bleibt, streut allerdings enorm. In einer amerikanischen Kohorte mit 774 Frauen aus einkommensschwachen Verhältnissen waren nach einem Jahr 74,8 Prozent noch schwerer als vor der Schwangerschaft, und etwa ein Viertel war wieder auf dem Ausgangsgewicht oder darunter. In einer anderen US-Kohorte mit 940 Frauen behielten 13 Prozent mindestens fünf Kilogramm.

Diese Prozentzahlen stammen aus den USA und lassen sich nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen. Eine repräsentative deutsche Zahl dazu gibt es meines Wissens nicht. Was sie trotzdem zeigen: Die Spannbreite ist riesig, und wer nach einem Jahr noch etwas mit sich herumträgt, ist damit keineswegs die Ausnahme.

Der wichtigste Faktor liegt vor der Geburt

Der stärkste beeinflussbare Faktor für das Gewicht nach der Geburt ist nicht die Diät danach, sondern die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft. Pro zusätzlichem Kilogramm Schwangerschaftszunahme bleiben nach sechs bis neun Monaten rund 0,62 Kilogramm mehr hängen.

Evidenz A

Drei unabhängige Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis. Frauen mit übermäßiger Schwangerschaftszunahme behielten gegenüber Frauen mit leitliniengerechter Zunahme zusätzlich rund 3 Kilogramm nach einem halben Jahr und knapp 3 Kilogramm noch nach zwei bis vier Jahren. In einer deutschen Auswertung war der Unterschied nach fünfzehn Jahren und mehr sogar auf 4,72 Kilogramm angewachsen. Eine der Arbeitsgruppen formuliert es so: Nicht der Ausgangs-BMI, sondern die Zunahme in der Schwangerschaft bestimmt die kurz- und langfristige Gewichtsretention.

Die Empfehlungen dazu unterscheiden sich international. In Deutschland gilt seit 2026 die aktualisierte Fassung der Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben:

Angemessene Gewichtszunahme in der Schwangerschaft. Netzwerk Gesund ins Leben, Fassung 2026, im Vergleich zur internationalen Empfehlung des US-amerikanischen Institute of Medicine von 2009.
Ausgangsgewicht Netzwerk Gesund ins Leben Institute of Medicine 2009
Untergewicht (BMI unter 18,5) auf ausreichende Zunahme achten, keine Zahl 12,5 bis 18 kg
Normalgewicht (BMI 18,5 bis 24,9) 10 bis 16 kg 11,5 bis 16 kg
Übergewicht (BMI 25 bis 29,9) geringer als bei Normalgewicht 7 bis 11,5 kg
Adipositas (BMI ab 30) kann unterhalb von 5 bis 9 kg liegen 5 bis 9 kg

Bemerkenswert ist der Hinweis, den das Netzwerk selbst dazu gibt: Internationale Fachgesellschaften empfehlen, in der Beratung statt fester Gewichtsvorgaben lieber einen gesundheitsförderlichen Lebensstil zu betonen – begründet mit einer unsicheren Datenlage. Die Zahlen sind also Orientierung, keine Zielvorgabe.

Falls du das hier liest, während die nächste Schwangerschaft noch bevorsteht: Eine Meta-Analyse aus 84 Studien mit 21.530 Teilnehmerinnen fand, dass reine Bewegungsprogramme in der Schwangerschaft die Zunahme um rund 0,9 Kilogramm senkten und die Wahrscheinlichkeit einer übermäßigen Zunahme deutlich reduzierten.

Stillzeit: die klare Regel und ihr Grund

Die deutschen Handlungsempfehlungen sind hier eindeutig: „Stillende Frauen sollten keine starke Gewichtsabnahme durch Diäten anstreben." Ein moderater Gewichtsverlust in dieser Zeit ist dagegen normal und ausdrücklich vorgesehen.

Evidenz A

Es gibt zwei Gründe dafür, und beide sind konkret.

Erstens die Nährstoffversorgung. Eine Einschränkung der Energiezufuhr oder der Lebensmittelauswahl kann die Versorgung von Mutter und Kind gefährden. Die Nährstoffdichte muss in der Stillzeit hoch bleiben, während gleichzeitig weniger gegessen wird – das geht nur begrenzt zusammen.

Zweitens die Schadstoffe. Beim Abbau von Fettgewebe werden fettlösliche Schadstoffe freigesetzt, die sich über Jahre dort eingelagert haben, und diese können in die Muttermilch übergehen. Das ist nicht nur theoretisch: In einer schwedischen Untersuchung an 32 stillenden Frauen stieg die Konzentration eines untersuchten Schadstoffs in der Muttermilch bei Gewichtsabnahme signifikant an, und zwar um etwa 2,0 bis 2,4 Prozent je Prozent verlorenem Körpergewicht. Die Autoren halten fest, dass sich die Nutzen-Risiko-Bilanz des Stillens vermutlich nicht verschiebt, solange die Abnahme auf etwa ein halbes Kilogramm pro Woche begrenzt bleibt.

Das Warnsignal, das die Empfehlungen nennen

  • Deutsche Fachgesellschaften geben bewusst keinen Grenzwert für einen akzeptablen Gewichtsverlust in der Stillzeit an.
  • Genannt wird stattdessen ein Anhaltspunkt: Wenn du dein Gewicht von vor der Schwangerschaft unterschreitest, kann das ein Hinweis auf eine zu starke Abnahme sein.
  • Die amerikanische Orientierung aus den 1990er-Jahren nennt 0,5 bis 1,0 Kilogramm pro Monat als typischen Verlauf und rät von mehr als 2 Kilogramm pro Monat ab. Eine Zufuhr unter 1500 Kilokalorien am Tag wird dort zu keinem Zeitpunkt der Stillzeit empfohlen, Flüssigdiäten und Abnehmmedikamente ebenso wenig.

Der Energiebedarf beim Stillen – richtig gelesen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für ausschließliches Stillen in den ersten vier bis sechs Monaten einen Richtwert von 500 Kilokalorien zusätzlich pro Tag. Zwei Dinge werden dabei fast immer weggelassen.

Erstens gilt der Wert nur fürs ausschließliche Stillen. Für teilweises Stillen gibt die DGE ausdrücklich keinen Richtwert an. Zweitens – und das ist der wichtigere Punkt – wurde bei der Ableitung dieses Werts die Energiefreisetzung aus den in der Schwangerschaft angelegten Fettspeichern bereits berücksichtigt. Die 500 Kilokalorien sind also kein Freibrief, der obendrauf kommt. Genau deshalb ist ein langsamer Gewichtsverlust während des Stillens der vorgesehene Normalfall.

Was Studien zum Abnehmen in der Stillzeit zeigen

Evidenz A, allerdings mit einem Suchstand von 2012.

Der umfassendste systematische Cochrane-Review dazu wertete zwölf Studien mit 910 Frauen aus:

Gewichtsabnahme nach der Geburt im Vergleich zur Standardversorgung. Cochrane-Review, Stand 2013.
Maßnahme Gewichtsdifferenz
Nur Bewegung 0,10 kg – nicht signifikant
Nur Ernährungsumstellung 1,70 kg mehr Abnahme
Ernährung und Bewegung kombiniert 1,93 kg mehr Abnahme

Der aufschlussreichste Befund steckt in der Körperzusammensetzung: Ernährungsumstellung allein reduzierte die fettfreie Masse um 0,90 Kilogramm. In Kombination mit Bewegung blieb sie erhalten. Das ist derselbe Zusammenhang wie bei jeder anderen Diät auch – ohne Bewegung geht Muskulatur mit.

Zum Stillen selbst formulieren die Autoren vorsichtig: Die vorliegenden Studien deuteten nicht darauf hin, dass Ernährung oder Bewegung das Stillen beeinträchtigen, für Sicherheit sei die Evidenz aber nicht ausreichend. Eine sauber durchgeführte Einzelstudie mit übergewichtigen stillenden Frauen, die ab der vierten Woche nach der Geburt ein moderates Defizit mit Ausdauertraining kombinierten, fand keinen Unterschied im Wachstum der Säuglinge.

Abnehmspritzen in der Stillzeit Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit stellt dazu fest: Ob die Wirkstoffe von Abnehmspritzen in die Muttermilch übergehen, ist bislang unklar. Für stillende Frauen sind sie deshalb möglicherweise nicht sicher, und als Mittel für schnelles Abnehmen nach einer Schwangerschaft werden sie ausdrücklich nicht als geeignet bezeichnet.

Macht Stillen schlank?

Der Effekt ist deutlich kleiner als sein Ruf. In einer Auswertung von 14 Kohortenstudien behielten stillende Mütter im Mittel 0,38 Kilogramm weniger als nicht stillende. In einem systematischen Review über 45 Studien fand die Mehrheit gar keinen Zusammenhang.

Evidenz B

Genauer betrachtet zeigt sich in den Kohortendaten ein Verlauf über die Stilldauer: In den ersten zwölf Wochen war kein Vorteil messbar, zwischen 24 und 48 Wochen lag der Unterschied bei rund 1,6 Kilogramm, danach wieder darunter. Am ehesten profitierten Erstgebärende, Frauen unter dreißig und Frauen mit normalem Ausgangsgewicht.

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit formuliert es so, wie es der Datenlage entspricht: Möglicherweise unterstützt Stillen die Gewichtsabnahme, es gibt aber auch Studien, die nur wenige oder keine Effekte zeigen.

Stillen hat viele gute Gründe. Ein Abnehmprogramm ist es nicht – und wer nicht stillt oder nicht stillen kann, hat deshalb keinen relevanten Nachteil beim Gewicht.

Frau auf einer Gymnastikmatte bei einer sanften Rückbildungsuebung in einem hellen Wohnzimmer

Warum der Bauch bleibt: die Rektusdiastase

Ein Jahr nach der Geburt hat noch rund jede dritte Frau eine Rektusdiastase, also einen verbreiterten Abstand zwischen den geraden Bauchmuskeln. In der bislang größten Untersuchung dazu hing das Auftreten nicht vom Gewicht vor der Schwangerschaft und nicht von der Gewichtszunahme ab.

Evidenz A

Das ist einer der wichtigsten Punkte in diesem Artikel, weil er eine falsche Zuschreibung auflöst. Sehr viele Frauen halten den vorgewölbten Bauch nach der Geburt für Körperfett und nehmen an, er verschwände mit strengerem Abnehmen. Bei einem erheblichen Teil ist er das aber nicht – er ist eine Frage der Bauchwandstruktur.

Die norwegische Untersuchung an 300 Erstgebärenden ergab folgende Verläufe:

Häufigkeit der Rektusdiastase. Sperstad et al., British Journal of Sports Medicine 2016.
Zeitpunkt Anteil der Frauen
21. Schwangerschaftswoche 33,1 Prozent
6 Wochen nach der Geburt 60,0 Prozent
6 Monate nach der Geburt 45,4 Prozent
12 Monate nach der Geburt 32,6 Prozent

Kein Zusammenhang bestand mit Alter, Körpergröße, Gewicht vor der Schwangerschaft, Gewichtszunahme, Geburtsmodus oder Geburtsgewicht des Kindes. Der einzige gefundene Risikofaktor war häufiges schweres Heben.

Was hilft – und was ehrlicherweise wenig bringt

Hier muss man vorsichtig bleiben. Die methodisch strengste Meta-Analyse aus 16 Studien mit 698 Frauen fand für konservative Maßnahmen einen Effekt von 0,43 Zentimetern auf den Abstand zwischen den Bauchmuskeln und stuft das ausdrücklich als klinisch nicht bedeutsam ein. Die Autoren halten aber fest, dass Bauchmuskeltraining andere körperliche und psychische Vorteile haben kann.

Eine neuere Netzwerk-Meta-Analyse kommt zu optimistischeren Zahlen und zeigt vor allem eine klare Rangfolge: Kombinationen aus tiefem und oberflächlichem Bauchmuskeltraining mit Atemtechnik wirkten am besten, passive Maßnahmen wie Bauchbandagen oder Tape deutlich schwächer.

Die deutsche S3-Leitlinie zum Kaiserschnitt empfiehlt, Frauen nach einer Sectio eine funktionelle Therapie der Bauchmuskelveränderungen anzubieten, und hält fest, dass angepasstes funktionelles Bauchmuskeltraining bereits in der frühen Zeit nach der Geburt begonnen werden kann. Ausdrücklich empfohlen wird außerdem, beim Lagewechsel das Pressen zu vermeiden.

Nicht mit Sit-ups anfangen Klassische Bauchübungen mit Aufrichten des Oberkörpers gehören nicht in die erste Zeit nach der Geburt. Wenn du eine Rektusdiastase vermutest, lass sie von deiner Hebamme, in der Frauenarztpraxis oder in der Physiotherapie beurteilen und dir zeigen, welche Übungen für dich geeignet sind. Das ist keine Sache, die man sich aus Videos zusammensucht.

Wann Bewegung und Sport wieder gehen

Zeitliche Orientierung nach den Empfehlungen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, der Techniker Krankenkasse und des Netzwerks Gesund ins Leben.
Zeitraum Was möglich ist
Wochenbett, unkomplizierte Geburt Sanfte Übungen und leichte Bewegung, sobald du dich fit genug fühlst. Keine Sprungbelastung, kein schweres Heben, kein gezieltes Bauchmuskeltraining.
Ab etwa 6 Wochen Stärker belastende Sportarten wie Joggen oder Pilates. Schwimmen erst, wenn der Wochenfluss aufgehört hat.
6 bis 8 Wochen Üblicher Beginn der Rückbildungsgymnastik. Der Kurs ist bei den Krankenkassen in der Regel als Leistung vorgesehen.
Nach Kaiserschnitt oder komplizierter Geburt Ärztlich besprechen, welche Form der Bewegung ab wann möglich ist.

Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt, die Aktivität nach der persönlichen Verfassung auf mindestens 30 Minuten an möglichst vielen Tagen der Woche zu steigern, und hält fest, dass sich in Studien dabei keine Nachteile für das Stillen oder für das kindliche Wachstum zeigten.

In der Praxis ist der Spaziergang mit Kinderwagen die unterschätzteste Maßnahme dieser Zeit. Er ist niedrigschwellig, lässt sich mehrmals täglich einbauen und trifft genau den Anteil des Energieverbrauchs mit der größten Spannbreite – warum das so ist, steht unter Stoffwechsel anregen.

Nährstoffe, die jetzt zählen

Wenn weniger gegessen wird, muss das, was gegessen wird, dichter sein. Das sind die Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für Stillende:

Zufuhrreferenzwerte für Stillende im Vergleich zu nicht stillenden Frauen zwischen 19 und 50 Jahren. Deutsche Gesellschaft für Ernährung.
Nährstoff Frauen 19 bis 50 Jahre Stillende
Jod 150 µg pro Tag 230 µg pro Tag
Eisen 16 mg pro Tag 16 mg pro Tag
Folat 300 µg Folatäquivalente 450 µg Folatäquivalente
Eiweiß 0,8 g je kg Körpergewicht 1,2 g je kg plus 23 g pro Tag

Drei Anmerkungen dazu. Der Eisenwert für Stillende ist nicht stillbedingt erhöht – er dient laut DGE dem Ausgleich der Verluste aus Schwangerschaft und Geburt und gilt für stillende und nicht stillende Frauen nach der Geburt gleichermaßen.

Bei Jod empfiehlt das Netzwerk Gesund ins Leben, in der Stillzeit zusätzlich zu jodiertem Speisesalz ein Supplement mit 100 Mikrogramm täglich einzunehmen. Getrocknete Algen- und Tangprodukte werden wegen unkalkulierbar hoher Jodgehalte ausdrücklich abgeraten. Bei bekannten Schilddrüsenerkrankungen gehört das in ärztliche Hände.

Und der Eiweißbedarf ist in der Stillzeit deutlich erhöht. Das ist die Zahl, die in der Praxis am häufigsten unterschritten wird – nicht, weil Frauen schlecht essen, sondern weil zwischen Stillen, Tragen und Schlafmangel oft nur das gegessen wird, was schnell geht.

Vegane Ernährung in der Stillzeit Hier gilt eine besondere Vorsicht. Das Netzwerk Gesund ins Leben hält fest, dass bei veganer Ernährung in der Stillzeit immer eine spezielle medizinische Beratung und die Einnahme von Mikronährstoffsupplementen notwendig sind – bei einem Vitamin-B12-Mangel drohen dem Kind schwere und irreversible Schädigungen.

Schlafmangel und Gewicht

Evidenz C

Hier ist die Datenlage widersprüchlich, und ich sage das lieber, als eine bequeme Erklärung anzubieten. In einer Kohortenstudie mit 940 Frauen war eine Schlafdauer von höchstens fünf Stunden sechs Monate nach der Geburt mit einer mehr als dreifach erhöhten Wahrscheinlichkeit verbunden, mindestens fünf Kilogramm zu behalten. Eine neuere Untersuchung an 467 Erstgebärenden, die den Schlaf mit Bewegungssensoren gemessen statt abgefragt hat, fand dagegen keinen Zusammenhang.

Was sich sagen lässt: Schlafmangel in dieser Phase ist real, er macht das Durchhalten von allem schwerer, und er ist meistens nicht verhandelbar. Er ist aber kein belegter Grund dafür, dass das Gewicht nicht heruntergeht.

Wann ein Abnehmprogramm infrage kommt

Nicht in der Schwangerschaft, nicht im Wochenbett und nicht während der Stillzeit. Ein strukturiertes Abnehmprogramm mit kalorienreduzierter Ernährung ist frühestens ein Thema, wenn du abgestillt hast, die Rückbildung abgeschlossen ist und du dich körperlich stabil fühlst – und auch dann gehört eine ärztliche Rücksprache dazu.

Das ist bei uns keine Formulierung aus Vorsicht, sondern eine feste Regel: Unsere Stoffwechselkur ist für Schwangere und Stillende nicht geeignet. Wer bei uns anfragt und noch stillt, bekommt von mir dieselbe Antwort, die auch in diesem Artikel steht.

Was in der Zwischenzeit sinnvoll ist, ist nicht nichts. Es ist nur etwas anderes: eiweißbetont essen, Nährstoffdichte hoch halten, täglich raus, Rückbildung ernst nehmen und das Gewicht in Ruhe beobachten statt zu steuern. Diese Monate legen die Grundlage dafür, dass ein späteres Programm überhaupt auf etwas aufsetzen kann.

Wenn es dann so weit ist, findest du den Aufbau unter Ablauf und Phasen, die Lebensmittelauswahl unter Lebensmittel und eine ehrliche Einordnung, für wen das Konzept passt und für wen nicht, unter Ist die Stoffwechselkur sinnvoll?.

Für die Zeit nach dem Abstillen. Warum eine strukturierte Kur hier besser passt als Improvisation: Der Bedarf wird individuell berechnet – nach der Schwangerschaft ist er ein anderer als vorher –, die Mahlzeiten sind eiweißbetont aufgebaut, damit die Muskulatur erhalten bleibt, und die Stabilisierungsphase gehört fest dazu. In unserer Stoffwechselkur ist die tägliche Begleitung durch mich enthalten, und dazu gehört auch, dir zu sagen, wenn der Zeitpunkt noch nicht passt. Für Schwangere und Stillende ist die Kur nicht geeignet.

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Aus der Beratungspraxis

  • Die meisten Anfragen zu diesem Thema kommen zwischen dem dritten und sechsten Monat nach der Geburt – also genau in der Phase, in der von selbst noch etwas passiert und ein Programm nichts hinzufügen würde.
  • Der häufigste Satz ist nicht „ich will schnell abnehmen", sondern „ich erkenne mich nicht wieder". Das ist eine andere Frage als die nach dem Gewicht, und sie wird sehr oft mit einer Diät beantwortet, obwohl es um den Bauch, die Kleidung und die Erschöpfung geht.
  • Wenn Frauen nach dem Abstillen anfangen, ist der Verlauf in aller Regel unauffällig. Wer vorher anfängt, bricht deutlich häufiger ab.

Häufige Fragen

Wann kann ich nach der Geburt mit dem Abnehmen anfangen?

Solange du stillst, sollte keine starke Gewichtsabnahme durch eine Diät angestrebt werden. Ein moderater Gewichtsverlust stellt sich in dieser Zeit ohnehin oft von selbst ein. Ein strukturiertes Abnehmprogramm ist frühestens nach dem Abstillen und nach abgeschlossener Rückbildung ein Thema, idealerweise nach ärztlicher Rücksprache.

Wie viel nimmt man direkt nach der Geburt ab?

Etwa 6 Kilogramm entfallen auf Kind, Plazenta, Fruchtwasser und Blutverlust. In der ersten Woche kommen bis zu 5 weitere Kilogramm durch Schwitzen und die Rückbildung der Gebärmutter dazu. Insgesamt sind es in den ersten zwei Monaten meist 10 bis 12 Kilogramm.

Warum geht mein Bauch nicht weg, obwohl ich abgenommen habe?

Häufig liegt das an einer Rektusdiastase, also einem verbreiterten Abstand zwischen den geraden Bauchmuskeln. Ein Jahr nach der Geburt hat noch rund jede dritte Frau eine, und ihr Auftreten hängt in Studien nicht vom Gewicht ab. Lass das von deiner Hebamme, in der Frauenarztpraxis oder in der Physiotherapie beurteilen.

Darf ich in der Stillzeit Kalorien zählen?

Das Führen eines Ernährungstagebuchs ist unproblematisch. Problematisch ist eine deutliche Einschränkung der Energiezufuhr oder der Lebensmittelauswahl, weil beides die Nährstoffversorgung gefährden kann. Die amerikanische Orientierung nennt 1500 Kilokalorien pro Tag als Untergrenze, die in der Stillzeit zu keinem Zeitpunkt unterschritten werden sollte.

Verliert man durch Stillen die Schwangerschaftskilos?

Der Effekt ist klein. In einer Auswertung von 14 Kohortenstudien behielten stillende Mütter im Mittel 0,38 Kilogramm weniger als nicht stillende, und in einem systematischen Review über 45 Studien fand die Mehrheit gar keinen Zusammenhang. Stillen hat andere gute Gründe, ein Abnehmprogramm ist es nicht.

Wann darf ich nach einem Kaiserschnitt wieder Sport machen?

Nach einem Kaiserschnitt oder einer komplizierten Geburt solltest du ärztlich besprechen, welche Form der Bewegung ab wann möglich ist. Eine pauschale Wochenzahl gibt es dafür nicht. Die deutsche Leitlinie empfiehlt nach einem Kaiserschnitt ausdrücklich eine Beratung zu Lagewechsel, Heben, Tragen und Sportverhalten.

Wie lange dauert es, bis man wieder auf dem Ausgangsgewicht ist?

Das ist sehr unterschiedlich und lässt sich nicht versprechen. In einer Meta-Analyse war der größte Teil der Gewichtsretention nach zwölf Monaten verschwunden. In einer amerikanischen Kohorte war nach einem Jahr aber auch noch etwa ein Viertel der Frauen wieder auf dem Ausgangsgewicht und drei Viertel darüber. Beides ist normal.

Quellen

  • Netzwerk Gesund ins Leben, Bundeszentrum für Ernährung: Handlungsempfehlungen zu Körpergewicht und Gewichtsentwicklung in der Schwangerschaft, Fassung 2026.
  • Netzwerk Gesund ins Leben: Handlungsempfehlungen für die Mutter – Einschränkung der Energiezufuhr oder Lebensmittelauswahl; Körperliche Aktivität der stillenden Mutter; Nährstoffsupplemente in der Stillzeit.
  • Alaze-Hagemann F, Reiss K, Abou-Dakn M et al.: Nutrition, Physical Activity and Other Health Aspects Before and During Pregnancy. Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2026.
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  • Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, familienplanung.de: Gewicht abnehmen; Gebärmutter-Rückbildung; Sport und Bewegung im Wochenbett.
  • Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, kindergesundheit-info.de: Schadstoffe in der Muttermilch.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Energie, Jod, Eisen, Folat, Protein.
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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder hebammenkundliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. In Schwangerschaft, Wochenbett und Stillzeit sollten Ernährungsumstellungen, Nahrungsergänzungsmittel und sportliche Belastungen ärztlich oder mit der Hebamme abgesprochen werden. Bei Blutungen, Schmerzen, Anzeichen einer Wundheilungsstörung, Beckenbodenbeschwerden, anhaltender Erschöpfung oder anhaltender Niedergeschlagenheit nach der Geburt wende dich bitte zeitnah an deine Ärztin oder deinen Arzt.