Xylit, Maltit und Erythrit: Zuckeraustauschstoffe als Alternativen zu Zucker - VitalBodyPLUS.de

Maltit, Xylit und Erythrit im Vergleich: Kalorien, Süßkraft und Verträglichkeit

Eiweißdiät: Was sie wirklich bringt — vier Konzepte im Vergleich Du liest Maltit, Xylit und Erythrit im Vergleich: Kalorien, Süßkraft und Verträglichkeit 19 Minuten Weiter Magnesium: Bedarf, Mangel und was beim Abnehmen belegt ist

Maltit, Xylit, Erythrit und Sorbit sind Zuckeralkohole. Sie süßen ähnlich wie Zucker, liefern aber weniger Energie und lassen den Blutzucker weniger stark steigen. Die vier unterscheiden sich dabei deutlich: Erythrit ist praktisch kalorienfrei und blutzuckerneutral, Maltit liegt bei beidem am nächsten an Haushaltszucker – dafür schmeckt und backt es am unauffälligsten. Alle vier können in größeren Mengen abführend wirken.

In zuckerfreier Schokolade steckt fast immer Maltit, im Backregal meist Erythrit. Das ist kein Zufall, sondern hat handfeste technologische Gründe. Dieser Beitrag stellt die vier Stoffe gegenüber – mit den Zahlen, die tatsächlich belegt sind, und ohne die Werte, die im Netz kursieren, ohne dass jemand sie belegen kann.

Vier Schälchen mit unterschiedlichen weißen Süßungsmitteln nebeneinander auf einer Arbeitsplatte

Die vier im direkten Vergleich

Süßkraft nach Angaben von Health Canada und der Lebensmittelbehörde Hongkong. Glykämischer Index nach der gepoolten Auswertung von Livesey 2003 (Glucose = 100, Haushaltszucker liegt dort bei 65). Verträglichkeitsschwellen nach der Arzneimittelbehörde EMA beziehungsweise, für Erythrit, nach dem EFSA-Gutachten von 2023.
Maltit (E 965) Xylit (E 967) Erythrit (E 968) Sorbit (E 420)
Süßkraft gegenüber Zucker rund 90 % rund 100 % 60 bis 80 % 50 bis 70 %
Brennwert auf dem Etikett (EU) 2,4 kcal/g 2,4 kcal/g 0 kcal/g 2,4 kcal/g
Physiologischer Wert rund 2,3 kcal/g rund 2,4 kcal/g rund 0,2 kcal/g rund 2,6 kcal/g
Glykämischer Index 35 13 0 9
Verträglichkeit Warnhinweis ab 10 g Warnhinweis ab 10 g Richtwert rund 35 g pro Tag bei 70 kg Warnhinweis ab rund 10 g
Typisch verwendet in zuckerfreier Schokolade, Bonbons, Backwaren Kaugummi, Zahnpflegeprodukten, Streusüße Streusüße zum Backen, Getränken Kaugummi, Diabetikerbackwaren, Feuchthaltemittel
Warum zwei Brennwerte in der Tabelle stehen

Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung schreibt für alle Zuckeralkohole einen einheitlichen Rechenwert von 2,4 Kilokalorien je Gramm vor – Erythrit ausgenommen, dort steht 0. Die tatsächlichen physiologischen Werte weichen davon leicht ab und werden in anderen Ländern auch anders angesetzt. Deshalb kann dasselbe Produkt in Deutschland und in den USA unterschiedliche Kalorienangaben tragen, ohne dass eine davon falsch ist.

Was Zuckeraustauschstoffe sind – und was nicht

Zuckeraustauschstoffe sind Zuckeralkohole, also zuckerähnliche Substanzen mit Volumen und Masse. Sie werden im Rezept in ähnlicher Menge eingesetzt wie Zucker. Süßstoffe wie Aspartam oder Sucralose sind etwas anderes: Sie süßen hundert- bis tausendfach stärker, liefern keine Masse und werden in Milligramm dosiert.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung beschreibt Zuckeraustauschstoffe als zuckerähnliche Substanzen mit meist geringerer Süßkraft und weniger Brennwert als Zucker, die kaum oder keine Karies verursachen. In der EU sind sieben Zuckeralkohole als Gruppe der Polyole zugelassen.

Der Unterschied ist wichtig, weil er ständig zu Verwechslungen führt – auch bei Meldungen über Süßungsmittel, die dann fälschlich auf Erythrit oder Xylit bezogen werden.

Maltit

Maltit wird aus Stärke gewonnen: Aus Mais- oder Weizenstärke entsteht Maltose, diese wird zu Maltit hydriert. Es süßt zu rund 90 Prozent wie Zucker, liefert nach EU-Etikett 2,4 Kilokalorien je Gramm und hat mit einem glykämischen Index von 35 die deutlichste Blutzuckerwirkung aller vier Stoffe hier.

Warum Maltit in fast jeder zuckerfreien Schokolade steckt

Weil es Zucker technologisch am nächsten kommt. Eine Untersuchung zu Milchschokolade beschreibt die Gründe konkret:

  • Süßprofil. Mit rund 90 bis 95 Prozent der Süßkraft von Zucker braucht Maltit keinen zusätzlichen Süßstoff. Erythrit mit rund 70 Prozent und Sorbit mit 50 bis 70 Prozent müssen nachgesüßt werden.
  • Masse. Maltit ersetzt Zucker eins zu eins als Füllstoff, nicht nur als Süßungsmittel.
  • Kein Kühleffekt. Xylit und besonders Erythrit erzeugen im Mund ein deutliches Kältegefühl. In der zitierten Untersuchung wurde genau das von den Prüfern abgelehnt; die Akzeptanz stieg mit steigendem Maltitanteil.
  • Verarbeitung. Maltit zieht kaum Wasser und ergibt eine niedrigere Viskosität – beides entscheidend beim Conchieren und Temperieren.

Der Preis dafür steht in der Tabelle oben: Maltit hat den höchsten Brennwert und den höchsten glykämischen Index der Gruppe. Es ist der beste Zuckerersatz für die Industrie und der schwächste für den Blutzucker.

Gebrochene dunkle Schokolade und eingewickelte Bonbons auf hellem Holz

Ist Maltit für Menschen mit Diabetes geeignet?

Maltit lässt den Blutzucker weniger stark steigen als Zucker, ist aber nicht blutzuckerneutral. Ein glykämischer Index von 35 gegenüber 65 bei Haushaltszucker ist eine deutliche Verbesserung – aber kein Freibrief. Bei Maltitsirup liegt der Wert mit 48 bis 52 sogar nahe an Zucker.

Zuckeralkohole zählen nach EU-Recht zu den Kohlenhydraten und werden in der Nährwerttabelle unter „davon mehrwertige Alkohole“ ausgewiesen. Für die Berechnung sind sie also sichtbar.

Wichtig zu wissen: Die Kennzeichnung „für Diabetiker geeignet“ gibt es in Deutschland nicht mehr. Diabetikerspezifische Lebensmittel wurden mit der Änderung der Diätverordnung abgeschafft, die Übergangsfrist endete 2012. Der Grund war fachlich: Menschen mit Diabetes brauchen dieselben Ernährungsempfehlungen wie alle anderen. Wer mit Insulin oder blutzuckersenkenden Medikamenten behandelt wird, bespricht den Umgang mit solchen Produkten am besten in der diabetologischen Betreuung.

Xylit

Xylit süßt praktisch genauso stark wie Zucker, hat einen glykämischen Index von 13 und liefert nach EU-Etikett 2,4 Kilokalorien je Gramm. Es ist der einzige Zuckeralkohol, für den es einen eigenen zugelassenen gesundheitsbezogenen Claim gibt – und zwar zur Zahngesundheit.

Der zugelassene Wortlaut ist eng gefasst: Er gilt für Kaugummi, der zu 100 Prozent mit Xylit gesüßt ist, und besagt, dass dieser nachweislich Zahnbelag reduziert und dass ein hoher Zahnbelag ein Risikofaktor für Karies bei Kindern ist. Als Bedingung ist anzugeben, dass der Effekt bei zwei bis drei Gramm solchen Kaugummis mindestens dreimal täglich nach den Mahlzeiten eintritt.

Was daraus nicht folgt: dass Xylit als Zutat allgemein Karies verhindert. Der Claim betrifft Kaugummi, und die Aussage lautet streng genommen „reduziert Zahnbelag“, nicht „reduziert Karies“.

In der Küche ist Xylit stark hygroskopisch – es zieht Wasser. In Schokolade und Gebäck führt das zu Klebrigkeit und kürzerer Haltbarkeit. Dazu kommt der ausgeprägte Kühleffekt im Mund, der in Pfefferminz gut passt und in Schokolade stört.

Wichtig für Hundehaushalte

Xylit ist für Hunde giftig. Ab etwa 100 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht kann es zu einer starken Insulinausschüttung mit Unterzuckerung kommen, ab etwa 500 Milligramm je Kilogramm drohen schwere Leberschäden. Für einen zehn Kilogramm schweren Hund entspricht die erste Schwelle rund einem Gramm – das ist die Menge in ein bis zwei Kaugummidragees. Erste Anzeichen können innerhalb von zehn bis sechzig Minuten auftreten, Leberschäden erst nach zwölf bis vierundzwanzig Stunden. Bei Verdacht gehört das Tier sofort in tierärztliche Behandlung. Katzen sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht betroffen, und für Erythrit, Maltit und Sorbit ist eine vergleichbare Wirkung nicht dokumentiert.

Erythrit und die Herz-Diskussion

Erythrit ist der einzige der vier, der auf dem Etikett mit null Kilokalorien je Gramm geführt wird und den Blutzucker praktisch nicht beeinflusst. Es süßt schwächer als Zucker, etwa 60 bis 80 Prozent, und wird anders als die übrigen Zuckeralkohole zum größten Teil unverändert über den Urin ausgeschieden.

Was die EFSA 2023 entschieden hat

Erythrit ist der bislang einzige Zuckeralkohol, dessen Neubewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit abgeschlossen ist. Für Maltit, Xylit und Sorbit läuft sie noch.

Das Ergebnis: Erythrit ist nicht erbgutschädigend, und die Behörde leitete erstmals einen zahlenmäßigen Richtwert für die tägliche Aufnahme ab – 0,5 Gramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag, also rund 35 Gramm bei 70 Kilogramm. Bemerkenswert daran: Dieser Wert beruht nicht auf einer Langzeitgefahr, sondern auf Durchfall. Es ist das erste Mal, dass ein solcher Richtwert auf einer unmittelbaren Nebenwirkung dieser Art beruht.

Praktisch relevant ist die Rechnung, die die Behörde selbst anstellt: 100 Gramm Schokolade mit dem typischen Erythritgehalt würden den Richtwert bei einer Person von 40 Kilogramm überschreiten, 150 Gramm bei 60 Kilogramm. Die Behörde stellt außerdem fest, dass Vielverzehrer den Wert in allen Altersgruppen erreichen oder überschreiten.

Die Studien zum Herz-Kreislauf-Risiko

2023 erschien eine Arbeit, die in mehreren Patientengruppen einen Zusammenhang zwischen hohen Erythritwerten im nüchternen Blut und späteren Herz-Kreislauf-Ereignissen fand. Ergänzend zeigte sich in Versuchen, dass Erythrit die Reaktionsbereitschaft der Blutplättchen erhöht. Für Xylit erschien 2024 eine Arbeit derselben Gruppe mit ähnlichem Muster.

So weit die Befunde. Und jetzt die Einordnung, die in vielen Berichten fehlt:

  • Gemessen wurde der Blutspiegel, nicht der Verzehr. Der Körper bildet Erythrit auch selbst aus Glucose. Ein hoher Nüchternwert sagt deshalb nicht, wie viel jemand gegessen hat.
  • Die untersuchten Gruppen bestanden überwiegend aus Menschen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko. Ein Teil der Blutproben stammt aus einer Zeit, in der Erythrit noch kaum verwendet wurde.
  • Die EFSA hat diese Daten geprüft und kam zu dem Schluss, dass die verfügbare Evidenz keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Erythrit als Zusatzstoff und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko belegt. Erhöhte Nüchternwerte könnten stattdessen ein Anzeiger für Stoffwechselstörungen sein – also Folge statt Ursache.
  • Eine Untersuchung mit genetischen Methoden, die kausale Zusammenhänge besser prüfen kann, fand keinen Beleg dafür, dass Erythrit Herzkrankheiten verursacht.
  • Was fehlt: eine Langzeitstudie, in der Menschen gezielt Erythrit erhalten und über Jahre nachbeobachtet werden. Die gibt es nicht, und die EFSA benennt diese Lücke ausdrücklich.

Die redliche Zusammenfassung lautet also: Die Datenlage rechtfertigt weder Entwarnung noch Warnung. Der Wert, der derzeit tatsächlich begrenzt, ist nicht der Blutdruck oder das Herz, sondern der Magen-Darm-Trakt – und diesen Wert erreicht man bei größeren Mengen zuckerfreier Süßigkeiten schneller, als man denkt.

Sorbit

Sorbit ist der älteste der vier und kommt natürlich in einigen Obstsorten vor. Es süßt mit 50 bis 70 Prozent am schwächsten, hat einen niedrigen glykämischen Index von 9 und wird häufig auch als Feuchthaltemittel eingesetzt, nicht nur zum Süßen.

Verträglichkeit ist bei Sorbit das Hauptthema. Die Schwelle für den Warnhinweis in Arzneimitteln liegt bei 140 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag – bei 70 Kilogramm sind das knapp 10 Gramm. Menschen mit Sorbitunverträglichkeit reagieren schon auf deutlich kleinere Mengen. Wer nach dem Verzehr zuckerfreier Bonbons regelmäßig Beschwerden hat, findet die Ursache oft hier.

Sorbit verschlechtert außerdem die Aufnahme von Fruchtzucker, und zwar überadditiv: Schon fünf Gramm Sorbit zusätzlich zu Fruktose verstärkten in einer Untersuchung die Beschwerden deutlich. Der Mechanismus steht unter Fruktoseintoleranz.

Ab welcher Menge wird es unangenehm

Zuckeralkohole werden im Dünndarm nur teilweise aufgenommen. Was im Dickdarm ankommt, bindet Wasser und wird von Darmbakterien vergoren – daher Blähungen und weicher Stuhl. Die Schwellen sind individuell sehr verschieden, aber es gibt behördliche Anhaltspunkte.

Schwellenwerte, ab denen ein Warnhinweis vorgeschrieben ist beziehungsweise ab denen behördlich mit Beschwerden gerechnet wird.
Stoff Schwelle Quelle
Maltit, Xylit, Isomalt, Lactit 10 g Europäische Arzneimittelagentur, Hinweispflicht in der Packungsbeilage
Sorbit 140 mg je kg Körpergewicht und Tag Europäische Arzneimittelagentur
Erythrit 0,5 g je kg Körpergewicht und Tag EFSA 2023, Richtwert für die tägliche Aufnahme

Die individuelle Toleranz liegt oft höher. In einer kontrollierten Studie mit 59 Personen führten 30 bis 40 Gramm Maltit in Milchschokolade zu leichten Blähungen und Darmgeräuschen, aber zu keinem messbaren abführenden Effekt. In einer zweiten Untersuchung lag die Schwelle, ab der Durchfall auftrat, bei über 90 Gramm täglich – Mengen also, die im Alltag praktisch nicht vorkommen.

Praktische Regeln für den Alltag

  • Langsam herantasten. Wer bisher wenig Zuckeralkohole isst, verträgt sie zu Beginn schlechter.
  • Nicht mehrere Quellen an einem Tag summieren. Zuckerfreie Bonbons, Proteinriegel, Kaugummi und ein Stück zuckerfreie Schokolade addieren sich schneller, als es aussieht.
  • Erythrit ist der verträglichste, weil es zum großen Teil aufgenommen und über den Urin ausgeschieden wird, statt im Dickdarm zu landen.
  • Sorbit ist der kritischste, vor allem bei bestehender Unverträglichkeit.

Was auf dem Etikett steht

Hände halten eine Lebensmittelpackung und lesen die Rückseite im Supermarkt

Drei Angaben sind gesetzlich geregelt und helfen beim Einordnen:

  • „Mit Süßungsmittel“ muss direkt bei der Produktbezeichnung stehen, wenn Süßungsmittel enthalten sind. Bei Kombination mit Zucker heißt es „mit Zucker und Süßungsmittel“.
  • „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ ist Pflicht, sobald ein Produkt mehr als 10 Prozent zugesetzte Zuckeralkohole enthält. Bei zuckerfreier Schokolade ist dieser Hinweis praktisch immer vorhanden – und er ist ernst gemeint.
  • „Davon mehrwertige Alkohole“ in der Nährwerttabelle zeigt die enthaltene Menge. Wer wissen will, wie nah er an den Schwellen oben liegt, findet die Antwort dort.

Ein Nebeneffekt, der oft überrascht: Ein Produkt kann „ohne Zuckerzusatz“ tragen und trotzdem einen relevanten Brennwert haben. 100 Gramm zuckerfreie Schokolade mit Maltit liegen kalorisch nicht weit von normaler Schokolade entfernt, weil der Fettanteil unverändert bleibt und Maltit selbst 2,4 Kilokalorien je Gramm beiträgt.

Was die Angaben auf solchen Verpackungen rechtlich bedeuten und wo die 30-Prozent-Grenzen liegen, haben wir bei den Light-Produkten aufgeschlüsselt.

Helfen sie beim Abnehmen?

Rechnerisch ja, im begrenzten Rahmen: Wer Zucker durch einen Zuckeralkohol ersetzt, spart bei gleicher Süße Energie – bei Erythrit fast vollständig, bei Maltit etwa 40 Prozent. Einen darüber hinausgehenden Effekt auf das Gewicht gibt es nicht, und es existiert in der EU auch kein zugelassener gesundheitsbezogener Claim, der einen solchen behaupten dürfte.

Wichtig ist hier eine Klarstellung, weil sie ständig falsch wiedergegeben wird: Die vielzitierte Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation von 2023, Süßungsmittel nicht zur Gewichtskontrolle einzusetzen, betrifft Süßstoffe – also nicht-nutritive Süßungsmittel. Zuckeralkohole sind darin ausdrücklich nicht enthalten, weil sie Kalorien liefern. Wer die WHO-Empfehlung auf Erythrit oder Xylit überträgt, zitiert sie falsch.

Umgekehrt gilt aber auch: Es gibt keine Empfehlung einer deutschen Fachgesellschaft, Zuckeraustauschstoffe gezielt zum Abnehmen einzusetzen. DGE, BfR und Verbraucherzentrale raten übereinstimmend eher dazu, die Süßgewohnheit insgesamt zu reduzieren, als Zucker nur auszutauschen.

Unsere praktische Einschätzung deckt sich damit. Zuckeraustauschstoffe sind ein nützliches Werkzeug für den Übergang – für die Tasse Kaffee, für einen Nachtisch, der sonst ausfallen würde. Sie lösen aber nicht das Problem dahinter, nämlich dass etwas Süßes zur festen Gewohnheit geworden ist. Mehr dazu steht unter Heißhunger beim Abnehmen.

Süßes in der Diätphase. In unserer Stoffwechselkur muss niemand komplett auf Süßes verzichten – die Rezepte arbeiten mit eiweißbetonten Alternativen, und deine Mengen werden individuell berechnet. Passende Ideen findest du in unseren Rezepten.

Stoffwechselkur ansehen

Warum Verzicht auf Süßes selten funktioniert. Wer sich das Naschen komplett verbietet, hält es meist ein paar Wochen durch – und dann nicht mehr. Deshalb ist unsere Stoffwechselkur nicht als Verzichtsprogramm aufgebaut: Dein Bedarf wird individuell berechnet, die Mahlzeiten sind eiweißbetont, und für den Moment am Abend gibt es eiweißbetonte Alternativen wie unseren Fluffy Bar mit 15 Gramm Eiweiß und ohne Zuckerzusatz oder die DailyChips mit 90 Kilokalorien je Portion. Begleitet wirst du täglich persönlich per WhatsApp; das ist im Paket enthalten.

Stoffwechselkur ansehen

Was uns Teilnehmer dazu fragen

Die häufigste Frage in unseren Kurgruppen lautet nicht „welcher ist der beste“, sondern „warum vertrage ich das nicht“. In fast allen Fällen liegt die Antwort in der Summe: ein zuckerfreier Riegel, dazu Kaugummi über den Tag, abends ein paar Stücke zuckerfreie Schokolade. Einzeln unauffällig, zusammen deutlich über den Schwellen aus der Tabelle oben.

Die zweite häufige Frage betrifft den Geschmack. Wer von Zucker auf Erythrit umsteigt, empfindet den Kühleffekt anfangs fast immer als störend. Das legt sich bei den meisten nach ein bis zwei Wochen – wer es überhaupt nicht mag, kommt mit Maltit oder einer Mischung besser zurecht.

Häufige Fragen

Was ist Maltit?

Maltit ist ein Zuckeralkohol, der aus Stärke gewonnen wird: Aus Mais- oder Weizenstärke entsteht Maltose, die zu Maltit hydriert wird. Es süßt zu rund 90 Prozent wie Zucker, wird auf dem Etikett mit 2,4 Kilokalorien je Gramm gerechnet und ist in der EU als E 965 zugelassen.

Maltit oder Erythrit – was ist besser?

Das hängt vom Zweck ab. Erythrit ist ernährungsphysiologisch günstiger: null Kilokalorien auf dem Etikett, kein Einfluss auf den Blutzucker, bessere Verträglichkeit. Maltit ist technologisch überlegen: mehr Süßkraft, kein Kühleffekt im Mund, bessere Verarbeitung in Schokolade und Gebäck. Deshalb steckt Maltit in Industrieprodukten und Erythrit in der Backzucker-Alternative.

Wie viele Kalorien hat Maltit?

Auf dem Etikett in der EU 2,4 Kilokalorien je Gramm – das ist der gesetzlich vorgeschriebene Rechenwert für alle Zuckeralkohole außer Erythrit. Der physiologische Wert liegt nach Angaben der europäischen Arzneimittelagentur bei rund 2,3 Kilokalorien je Gramm. Haushaltszucker liefert 4.

Erythrit oder Xylit?

Erythrit ist kalorienfrei ausgewiesen, blutzuckerneutral und deutlich besser verträglich. Xylit süßt stärker, hat aber einen glykämischen Index von 13, denselben Etikettwert von 2,4 Kilokalorien je Gramm und wirkt früher abführend. Für Kaugummi gibt es zusätzlich einen zugelassenen Zahnclaim für Xylit. Wichtig für Hundehaushalte: Xylit ist für Hunde giftig, Erythrit nach derzeitigem Kenntnisstand nicht.

Ist Maltit gesund?

Maltit ist als Lebensmittelzusatzstoff in der EU zugelassen und gilt in den üblichen Verzehrsmengen als sicher. Ein gesundheitlicher Nutzen über den Ersatz von Zucker hinaus ist nicht belegt. Der wichtigste praktische Punkt ist die Verträglichkeit: Ab etwa 10 Gramm ist ein Warnhinweis vorgeschrieben, größere Mengen können Blähungen und weichen Stuhl verursachen.

Erhöht Erythrit das Herzinfarktrisiko?

Dafür gibt es keinen Beleg für einen ursächlichen Zusammenhang. Studien fanden eine Verbindung zwischen hohen Erythritwerten im nüchternen Blut und Herz-Kreislauf-Ereignissen, gemessen wurde aber der Blutspiegel und nicht der Verzehr – und der Körper bildet Erythrit auch selbst. Die EFSA hat diese Daten 2023 geprüft und kam zu dem Schluss, dass ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Verzehr nicht belegt ist. Langzeitstudien fehlen.

Ab welcher Menge wirken Zuckeraustauschstoffe abführend?

Das ist individuell sehr verschieden. Behördliche Anhaltspunkte: Bei Maltit und Xylit ist ab 10 Gramm ein Warnhinweis vorgeschrieben, bei Erythrit nennt die EFSA einen Richtwert von 0,5 Gramm je Kilogramm Körpergewicht am Tag – rund 35 Gramm bei 70 Kilogramm. In Studien vertrugen viele Menschen deutlich mehr Maltit, ohne Durchfall zu bekommen.

Warum steht auf zuckerfreier Schokolade ein Warnhinweis?

Weil in der EU jedes Produkt mit mehr als 10 Prozent zugesetzten Zuckeralkoholen den Hinweis tragen muss, dass übermäßiger Verzehr abführend wirken kann. Zuckerfreie Schokolade liegt fast immer darüber.

Sind Zuckeraustauschstoffe für Diabetiker geeignet?

Die Bezeichnung „für Diabetiker geeignet“ ist in Deutschland seit 2012 nicht mehr zulässig, weil Menschen mit Diabetes dieselben Ernährungsempfehlungen erhalten wie alle anderen. Zuckeralkohole lassen den Blutzucker weniger stark steigen als Zucker, sind aber – außer Erythrit – nicht neutral und müssen bei der Kohlenhydratberechnung berücksichtigt werden. Bei medikamentöser Behandlung gehört die Frage in die diabetologische Betreuung.

Quellen

  • Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, FAF-Panel: Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive. EFSA Journal 2023; 21(12): 8430. efsa.onlinelibrary.wiley.com
  • Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 über die Information der Verbraucher über Lebensmittel, Anhang XIV (Umrechnungsfaktoren) und Anhang III (Pflichtangaben bei mehr als 10 Prozent Polyolen).
  • Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, Anhang – Eintrag Zuckeraustauschstoffe.
  • Verordnung (EG) Nr. 1024/2009, Anhang I – zugelassene Angabe zu mit 100 Prozent Xylit gesüßtem Kaugummi.
  • Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe, Anhang II – Gruppe IV Polyole.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Süßungsmittel in Lebensmitteln – Ausgewählte Fragen und Antworten, Stand 15. Juli 2025. bfr.bund.de
  • Livesey G: Health potential of polyols as sugar replacers, with emphasis on low glycaemic properties. Nutrition Research Reviews 2003; 16(2): 163–191. Gepoolte Auswertung von Humanstudien zu glykämischem und insulinämischem Index.
  • Europäische Arzneimittelagentur: Annex to the European Commission guideline on excipients in the labelling and package leaflet of medicinal products for human use, EMA/CHMP/302620/2017 Rev. 2. ema.europa.eu
  • Koutsou GA, Storey DM, Lee A et al.: Dose-related gastrointestinal response to the ingestion of either isomalt, lactitol or maltitol in milk chocolate. European Journal of Clinical Nutrition 1996; 50(1): 17–21. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Ruskoné-Fourmestraux A, Attar A, Chassard D et al.: A digestive tolerance study of maltitol after occasional and regular consumption in healthy humans. European Journal of Clinical Nutrition 2003; 57(1): 26–30. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Witkowski M, Nemet I, Alamri H et al.: The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nature Medicine 2023; 29: 710–718. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Khafagy R, Paterson AD, Dash S: Erythritol as a Potential Causal Contributor to Cardiometabolic Disease: A Mendelian Randomization Study. Diabetes 2024; 73(2): 325–331. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Wölnerhanssen BK et al.: Sweeteners: erythritol, xylitol and cardiovascular risk – friend or foe? Cardiovascular Research 2025; 121(9): 1319–1329. academic.oup.com
  • Weltgesundheitsorganisation: Use of non-sugar sweeteners – WHO guideline, 2023. Zuckeralkohole sind ausdrücklich nicht Gegenstand dieser Leitlinie. who.int
  • Merck Veterinary Manual: Xylitol Toxicosis in Dogs, Stand 2025. merckvetmanual.com
  • Verbraucherzentrale: Süßungsmittel – Was sind Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe? Stand 26. Juni 2025. verbraucherzentrale.de

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Bei bestehender Unverträglichkeit, chronischen Magen-Darm-Beschwerden, Diabetes oder in Schwangerschaft und Stillzeit sollte der Umgang mit Zuckeraustauschstoffen individuell abgestimmt werden. Die genannten Mengenangaben sind Orientierungswerte, die individuelle Verträglichkeit kann deutlich abweichen.