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Abnehmen im Alter: Darum ist es so schwer

Abnehmen wird mit dem Alter nicht schwerer, weil der Stoffwechsel einbricht. Gemessen am stoffwechselaktiven Gewebe bleibt der Energieverbrauch zwischen etwa 20 und 60 Jahren stabil; erst danach sinkt er um rund 0,7 Prozent pro Jahr. Was sich verändert, sind Muskelmasse, Alltagsbewegung und Gewohnheiten. Entscheidend ist deshalb nicht, wie schnell man abnimmt, sondern woraus das verlorene Gewicht besteht.

Zwei Dinge stehen in diesem Artikel, die auf kaum einer anderen deutschen Seite stehen: die Messdaten, die dem Mythos vom langsamen Stoffwechsel widersprechen – und was die deutsche Leitlinie zur Gewichtsreduktion im Alter tatsächlich empfiehlt. Beides ändert die Antwort auf die Frage, ob und wie man im Alter abnehmen sollte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Gesamtenergieverbrauch je Kilogramm fettfreier Masse bleibt zwischen 20 und 60 stabil. Der Wendepunkt liegt bei 63 Jahren.
  • Die Kraft nimmt zwei- bis fünfmal schneller ab als die Muskelmasse – und sie ist der bessere Vorhersagewert für Selbstständigkeit im Alter.
  • Bei gleichem Gewichtsverlust entscheidet das Training darüber, was verloren geht. Ohne Krafttraining gingen in zwei großen Studien 5 Prozent Magermasse verloren, mit Krafttraining nur 2 bis 3 Prozent.
  • Die deutsche Leitlinie empfiehlt bei reinem Übergewicht im Alter, das Gewicht zu halten – nicht abzunehmen.
  • Wenn abgenommen wird: moderat und langsam, 0,25 bis 1 Kilogramm pro Woche, mindestens 1 Gramm Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht, fachlich begleitet.
  • Ungewollter Gewichtsverlust ist etwas völlig anderes. Mehr als 5 Prozent in 6 bis 12 Monaten gehört ärztlich abgeklärt.

Der Mythos vom langsamen Stoffwechsel

„Ab 30 wird der Stoffwechsel langsamer.“ Dieser Satz steht auf fast jeder Seite zum Thema. Er ist in dieser Form falsch, und es gibt dazu eine ungewöhnlich gute Datengrundlage.

Eine internationale Arbeitsgruppe hat den Energieverbrauch von 6.421 Menschen aus 29 Ländern im Alter von acht Tagen bis 95 Jahren gemessen – mit doppelt markiertem Wasser, dem Goldstandard für die Erfassung des Energieverbrauchs im Alltag. Das Ergebnis, bezogen auf die fettfreie Körpermasse:

Bereinigter Gesamtenergieverbrauch je Einheit stoffwechselaktiver Körpermasse.
Lebensphase Befund
1 bis 20 Jahre Rückgang um 2,8 Prozent pro Jahr, ohne Anstieg in der Pubertät
20 bis 60 Jahre stabil – auch während einer Schwangerschaft
ab 63 Jahren Rückgang um 0,7 Prozent pro Jahr
ab 90 Jahren etwa 26 Prozent unter dem Wert im mittleren Alter

Der Wendepunkt lag bei 63,0 Jahren.Pontzer et al., Science 2021

Der Redlichkeit halber gehört dazu: Für den reinen Grundumsatz fanden die Autoren einen früheren Wendepunkt, geben dafür aber selbst eine geringere Messgenauigkeit an, weil in der entscheidenden Altersgruppe wenige Messungen vorlagen. Die Kernaussage – Stabilität des Gesamtenergieverbrauchs je fettfreier Masse zwischen 20 und 60 – bleibt davon unberührt.

Warum man mit 55 trotzdem weniger braucht

Die Frage liegt auf der Hand: Wenn der Stoffwechsel stabil bleibt, warum braucht eine 55-Jährige dann weniger Kalorien als mit 25? Ein Rechenbeispiel macht es sichtbar.

Die gebräuchlichste Formel zur Schätzung des Ruheumsatzes zieht pro Lebensjahr fünf Kilokalorien ab. Für eine Frau mit 168 Zentimetern und 70 Kilogramm ergibt das mit 25 Jahren rund 1.464 und mit 55 Jahren rund 1.314 Kilokalorien – eine Differenz von 150 Kilokalorien allein durch den Altersterm.

Rechnet man dagegen mit der tatsächlichen Körperzusammensetzung: Frauen verlieren im Mittel etwa 0,37 Prozent Muskelmasse pro Jahr, über 30 Jahre also rund 10 Prozent. Bei rund 21 Kilogramm Skelettmuskulatur sind das etwa 2,2 Kilogramm. Der dadurch erklärbare Rückgang des Ruheumsatzes liegt bei etwa 40 bis 50 Kilokalorien am Tag.

Von den 150 Kilokalorien, die die Formel dem Alter zuschreibt, erklärt der gemessene Muskelverlust nur etwa ein Drittel. Der Rest ist kein Stoffwechselverfall, sondern hauptsächlich weniger Alltagsbewegung.

Diese Beispielrechnung ist ein Überschlag mit angenommenen Körpermaßen, kein Messergebnis. Sie zeigt aber, wo der Hebel wirklich liegt – und der ist beeinflussbar.

Frau mit grauen Haaren führt auf einer Trainingsmatte im Wohnzimmer eine Ruderbewegung mit einer Kurzhantel aus

Was sich wirklich ändert: Muskeln und Kraft

Hier liegt der eigentliche Kern des Themas, und er wird in Abnehmratgebern fast immer übersprungen.

Querschnittsuntersuchungen finden einen Verlust von rund 0,4 bis 0,5 Prozent Muskelmasse pro Jahr. Längsschnittstudien zeigen, dass sich dieses Tempo im höheren Alter etwa verdoppelt: bei 75-Jährigen liegt es bei rund 0,6 bis 1 Prozent jährlich. Entscheidend ist aber eine andere Zahl.Mitchell et al. 2012

Die Kraft geht schneller als die Masse

Die Muskelkraft nimmt zwei- bis fünfmal schneller ab als die Muskelmasse. In einer Längsschnittstudie an 1.880 älteren Erwachsenen sank die Beinkraft um 2,6 bis 4,1 Prozent pro Jahr, die Magermasse im Bein dagegen nur um etwa 1 Prozent.

Und der Befund, der daraus folgt: Der Erhalt oder sogar Aufbau von Muskelmasse verhindert den altersbedingten Kraftverlust nicht automatisch. Kraft muss trainiert werden, nicht nur Masse erhalten.

Für die Praxis wichtiger als jede Prozentzahl ist die Schlussfolgerung der Übersichtsarbeit: Kraftverlust sagt Einschränkungen im Alltag und Sterblichkeit zuverlässiger vorher als Muskelmasseverlust.

Goodpaster et al. 2006; Mitchell et al. 2012

Der Fachbegriff für den krankhaften Verlust an Muskelmasse und Muskelfunktion lautet Sarkopenie. Die europäische Konsensdefinition arbeitet mit klaren Grenzwerten: eine Handkraft unter 16 Kilogramm bei Frauen und unter 27 Kilogramm bei Männern gilt als auffällig, ebenso eine appendikuläre Muskelmasse unter 5,5 beziehungsweise 7,0 Kilogramm je Quadratmeter Körpergröße.EWGSOP2; Habboub et al. 2025

Eine deutsche Besonderheit Aus der NAKO-Gesundheitsstudie mit 200.389 Teilnehmenden abgeleitete Grenzwerte für die Handkraft liegen mit 18 Kilogramm bei Frauen und 29 Kilogramm bei Männern jeweils zwei Kilogramm höher als die europäischen. Angewandt auf eine ältere Bevölkerungsgruppe stieg die Häufigkeit auffälliger Werte damit von 11,7 auf 17,7 Prozent. Die europäischen Grenzwerte sind für Deutschland also eher konservativ.

Besonders relevant beim Abnehmen ist die Kombination aus zu viel Fett und zu wenig Muskulatur, die sogenannte sarkopene Adipositas. In einer deutschen bevölkerungsbasierten Untersuchung lag ihre Häufigkeit bei Menschen ab 65 Jahren bei 4,5 Prozent.

Ist Abnehmen im Alter überhaupt sinnvoll?

Das ist eine der meistgestellten Fragen zum Thema – und die deutsche Leitlinie beantwortet sie differenzierter, als man erwarten würde. Sie steht in keinem der großen Ratgebertexte.

Was die S3-Leitlinie sagt

Bei Übergewicht mit einem BMI zwischen 25 und 30 sollen ältere Personen ihr Körpergewicht möglichst konstant halten, um ungünstige Veränderungen der Körperzusammensetzung zu vermeiden. Begründung: Metaanalysen weisen darauf hin, dass das Sterblichkeitsrisiko älterer Menschen in diesem Bereich am niedrigsten ist.

Bei Adipositas mit gewichtsbezogenen Gesundheitsproblemen sollen Maßnahmen zur Gewichtsreduktion erst nach sorgfältigem, individuellem Abwägen von Nutzen und Risiken in Betracht gezogen werden – insbesondere mit Blick auf die Muskelfunktion.

Wenn abgenommen wird, soll das im Rahmen einer multimodalen Therapie aus Ernährung, Bewegung und Verhalten geschehen. Diese Empfehlung hat den höchsten Empfehlungsgrad.

DGEM-S3-Leitlinie 2025, AWMF 073-019

Der Grund für diese Zurückhaltung steht ebenfalls in der Leitlinie: Gewichtsverluste gehen zulasten der fettfreien Masse und können den altersbedingten Rückgang an Muskelmasse und Knochendichte verstärken. Und die Wiederzunahme danach erfolgt vorwiegend über Fett, nicht über Magermasse. Jeder Diätzyklus verschiebt die Körperzusammensetzung damit ein Stück weiter in die falsche Richtung.

Das ist der eigentliche Jo-Jo-Effekt im Alter: Abnehmen kostet Fett und Muskeln, Zunehmen bringt vor allem Fett zurück. Deshalb ist die Phase nach der Diät wichtiger als die Diät selbst.

Wie es richtig geht

Wenn eine Gewichtsabnahme angezeigt ist, entscheidet die Umsetzung über das Ergebnis. Dazu gibt es zwei große randomisierte Studien mit älteren Erwachsenen, und ihre Zahlen sind eindeutig.

In der ersten wurden 107 Menschen ab 65 Jahren mit Adipositas ein Jahr lang in vier Gruppen begleitet: Kontrolle, nur Diät, nur Sport, Diät plus Sport. In der zweiten erhielten 160 ältere Erwachsene über sechs Monate ein Gewichtsmanagementprogramm kombiniert mit Ausdauertraining, Krafttraining oder beidem.

Bei praktisch gleichem Gewichtsverlust von 9 bis 10 Prozent.
Begleitmaßnahme Verlust Magermasse Verlust Knochendichte Hüfte
Diät allein −5 % −3 %
Diät plus Ausdauertraining −5 % −3 %
Diät plus Krafttraining −2 % −0,5 %
Diät plus beides −3 % −1 %

Beim Test der körperlichen Leistungsfähigkeit schnitt die Kombination aus Ausdauer und Kraft am besten ab, mit einer Verbesserung um 21 Prozent gegenüber 14 Prozent bei jeweils einer Trainingsform allein.Villareal et al., NEJM 2011 und 2017

Bei gleichem Gewichtsverlust entscheidet die Begleitmaßnahme darüber, woraus dieses Gewicht besteht. Ohne Krafttraining verlieren ältere Menschen mehr als doppelt so viel Muskulatur.

Die konkreten Vorgaben der Leitlinie

Für die Umsetzung nennt die deutsche Leitlinie ungewöhnlich präzise Werte:

  • Kalorienreduktion moderat, bis etwa 500 Kilokalorien unter dem geschätzten Bedarf.
  • Mindestaufnahme 1.000 bis 1.200 Kilokalorien pro Tag. Sehr strenge Energierestriktionen sind für ältere Menschen wegen des erhöhten Komplikationsrisikos ungeeignet.
  • Gewichtsabnahme 0,25 bis 1 Kilogramm pro Woche, also etwa 5 bis 10 Prozent des Ausgangsgewichts nach sechs Monaten oder länger.
  • Mindestens 1 Gramm Eiweiß je Kilogramm aktuellem Körpergewicht.
  • Strukturiertes Krafttraining als fester Bestandteil.
  • Planung und Begleitung durch eine zertifizierte Ernährungsfachkraft.

Ein Punkt aus dem Leitlinienkommentar, der oft übersehen wird: Eine unzureichende Energieaufnahme erhöht den Eiweißbedarf, weil Eiweiß dann zur Energiegewinnung herangezogen wird. Zu wenig essen macht die Eiweißversorgung also schwieriger, nicht leichter.

Vier dieser sechs Punkte beschreiben ziemlich genau, wie unsere Stoffwechselkur aufgebaut ist: Wir berechnen deinen Bedarf individuell statt mit Pauschalwerten, die Mahlzeiten sind eiweißbetont und gemüsereich, die Stabilisierungsphase gehört fest dazu, und du wirst täglich persönlich per WhatsApp begleitet – von Magdalena, zertifizierte Ernährungsberaterin, und ihrem Team. Die Ernährungsberatung ist im Paket enthalten. Was die Kur nicht mitbringt, ist das Krafttraining. Das ist nach der Studienlage die wirksamste einzelne Maßnahme, und es muss zusätzlich passieren.

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Wie viel Eiweiß im Alter?

Hier gibt es einen Unterschied, den fast niemand erwähnt: Der deutsche Referenzwert ändert sich mit 65 – und er ändert dabei auch seinen Charakter.

Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
Alter Wert Art
19 bis unter 65 Jahre 0,8 g je kg Körpergewicht Empfehlung
ab 65 Jahre 1,0 g je kg Körpergewicht Schätzwert

Der Unterschied ist bedeutsam: Eine Empfehlung wird aus dem durchschnittlichen Bedarf abgeleitet, ein Schätzwert bedeutet, dass sich der Bedarf aus den vorliegenden Studien nicht mit der wünschenswerten Genauigkeit bestimmen lässt. Die Fachgesellschaft weist selbst darauf hin, dass internationale Expertengruppen bereits 1,0 bis 1,5 Gramm empfehlen, um den altersbedingten Muskelabbau zu verzögern. Zur Sicherheit nach oben: Eine Zufuhr in doppelter Höhe des Referenzwerts gilt für Erwachsene als sicher.DGE-Referenzwerte Protein

Wichtig für alle zwischen 40 und 64: Es gilt weiterhin der Wert von 0,8 Gramm. Die höheren Empfehlungen gelten für ältere Menschen – und für Situationen mit erhöhtem Bedarf, etwa bei Kalorienreduktion oder Krafttraining.

Teller mit Lachsfilet, gekochten Eiern und Hüttenkäse, daneben eine Schale Quark mit Beeren

Warum die Verteilung zählt

Ältere Muskulatur reagiert auf dieselbe Eiweißmenge mit einer geringeren Steigerung der Muskelproteinsynthese als junge – Fachleute sprechen von anaboler Resistenz. In einer Untersuchung lag die Menge, ab der die Synthese ihr Maximum erreichte, bei älteren Männern bei etwa 0,40 Gramm je Kilogramm Körpergewicht pro Mahlzeit, bei jüngeren bei 0,24 Gramm. Im Ruhezustand unterschieden sich beide Gruppen dagegen nicht.Moore et al. 2015

Praktisch heißt das: Eiweiß gleichmäßig über den Tag verteilen statt fast alles am Abend. Eine eiweißreiche Frühstücksmahlzeit ist für viele der größte einzelne Fortschritt.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion Bei ausgeprägter Niereninsuffizienz kann eine Begrenzung der Eiweißzufuhr sinnvoll sein. Das Risiko für Mangelernährung und das Risiko für ein Fortschreiten der Nierenschädigung müssen dann individuell gegeneinander abgewogen werden. Wer eine Nierenerkrankung hat, sollte die Eiweißmenge ärztlich abstimmen.

Warum Appetit und Durst nachlassen

Ein Teil dessen, was als Willensfrage erlebt wird, hat körperliche Gründe. Mit dem Alter verändern sich mehrere Regelkreise gleichzeitig:

  • Das Sättigungsgefühl setzt früher ein und hält länger an.
  • Der Magen entleert sich langsamer.
  • Geruchs- und Geschmackssinn lassen nach, Essen schmeckt weniger intensiv.
  • Das Durstempfinden nimmt ab – Trinken muss bewusster geplant werden.
  • Zahnstatus und Kaufähigkeit beeinflussen die Lebensmittelauswahl stärker, als den meisten bewusst ist.
  • Viele häufig verordnete Medikamente wirken sich auf Appetit, Geschmack und Gewicht aus.

Für eine Gewichtsabnahme ist das gute Nachricht und Warnung zugleich: Der Appetit ist im Alter oft nicht das Problem. Das Problem ist eher, bei kleinerer Essmenge noch genug Eiweiß und Mikronährstoffe unterzubringen. Genau deshalb fordert die Leitlinie bei Gewichtsreduktion ausdrücklich eine angemessene Mikronährstoffzufuhr.

Älteres Paar schneidet gemeinsam Gemüse an einer Küchenarbeitsplatte

Ungewollter Gewichtsverlust: wann zum Arzt

Viele Menschen suchen zu diesem Thema etwas völlig anderes: Sie nehmen ab, ohne es zu wollen. Das ist medizinisch eine ganz andere Frage – und sie verträgt keine Ratschläge zum Abnehmen.

Die Faustregel

Ein ungewollter Gewichtsverlust von mehr als 5 Prozent des Körpergewichts innerhalb von 6 bis 12 Monaten sollte ärztlich abgeklärt werden. Bei 70 Kilogramm Ausgangsgewicht sind das rund 3,5 Kilogramm.

Dieselbe Schwelle findet sich in den international konsentierten Kriterien zur Erkennung einer Mangelernährung: mehr als 5 Prozent in den letzten sechs Monaten oder mehr als 10 Prozent über einen längeren Zeitraum.

GLIM-Kriterien 2019; Perry & Gaddey 2021

Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Erkrankungen des Verdauungstrakts über Schilddrüsen- und Herzerkrankungen, Tumorerkrankungen und Infektionen bis zu Depression, Demenz, Zahnproblemen, Schluckstörungen, Medikamentenwirkungen und sozialer Isolation. Diese Bandbreite ist genau der Grund, warum die Abklärung in ärztliche Hände gehört und nicht ins Internet.

Wichtig ist auch die umgekehrte Beobachtung: Dass Menschen im hohen Alter oft dünner werden, ist nicht automatisch normal oder harmlos. Es ist ein Anlass, hinzuschauen.

Häufige Fragen

Warum ist Abnehmen im Alter so schwer?

Nicht wegen eines langsameren Stoffwechsels: Bezogen auf die fettfreie Körpermasse bleibt der Energieverbrauch zwischen 20 und 60 Jahren stabil. Schwerer wird es, weil Muskelmasse abnimmt, die Alltagsbewegung zurückgeht und ein Kaloriendefizit im Alter stärker zulasten der Muskulatur geht. Deshalb sind Eiweiß und Krafttraining wichtiger als Tempo.

Wird der Stoffwechsel im Alter langsamer?

Erst später als angenommen. In einer Messung an 6.421 Menschen aus 29 Ländern blieb der auf die fettfreie Masse bezogene Energieverbrauch zwischen 20 und 60 Jahren stabil. Danach sank er um rund 0,7 Prozent pro Jahr; der Wendepunkt lag bei 63 Jahren.

Ist Abnehmen im Alter gefährlich?

Es kommt darauf an, wie. Gewichtsverlust geht immer auch zulasten von Muskulatur und Knochendichte. In randomisierten Studien verloren ältere Erwachsene ohne Krafttraining etwa 5 Prozent Magermasse und 3 Prozent Knochendichte an der Hüfte, mit Krafttraining nur 2 bis 3 Prozent beziehungsweise 0,5 bis 1 Prozent. Bei einem BMI zwischen 25 und 30 empfiehlt die deutsche Leitlinie, das Gewicht zu halten.

Wie schnell darf man im Alter abnehmen?

Die deutsche S3-Leitlinie nennt 0,25 bis 1 Kilogramm pro Woche bei einem Defizit von maximal etwa 500 Kilokalorien täglich und einer Mindestaufnahme von 1.000 bis 1.200 Kilokalorien pro Tag. Sehr strenge Diäten gelten für ältere Menschen als ungeeignet.

Wie viel Eiweiß brauchen ältere Menschen?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt ab 65 Jahren einen Schätzwert von 1,0 Gramm je Kilogramm Körpergewicht, für Jüngere 0,8 Gramm. Internationale Fachgesellschaften empfehlen für ältere Menschen 1,0 bis 1,5 Gramm. Bei einer Gewichtsreduktion fordert die deutsche Leitlinie mindestens 1 Gramm je Kilogramm aktuellem Körpergewicht.

Ab wann ist Gewichtsverlust im Alter ein Warnzeichen?

Ein ungewollter Verlust von mehr als 5 Prozent des Körpergewichts innerhalb von 6 bis 12 Monaten sollte ärztlich abgeklärt werden. Bei 70 Kilogramm sind das etwa 3,5 Kilogramm. Die Ursachen reichen von Erkrankungen über Medikamentenwirkungen bis zu Zahnproblemen und Depression.

Nimmt man in den Wechseljahren zwangsläufig zu?

Das Gewicht steigt in der Längsschnittkohorte SWAN vor und während der Wechseljahre linear an, ohne Beschleunigung durch die Menopause selbst. Was sich beschleunigt, ist die Zunahme an Fettmasse bei gleichzeitigem Rückgang der Magermasse – also die Zusammensetzung, nicht das Gewicht.

Weiterlesen

Wie groß dein Defizit sein sollte und warum Pauschalwerte selten passen, steht im Beitrag zum Kaloriendefizit. Wenn du in den Wechseljahren bist, findest du die spezifischen Punkte unter Abnehmen in den Wechseljahren, und wenn das Gewicht ohne erkennbaren Grund gestiegen ist, hilft der Beitrag zu den Ursachen einer Gewichtszunahme weiter.

Quellen

  • Pontzer H et al. Daily energy expenditure through the human life course. Science 2021;373:808–812.
  • Mitchell WK et al. Sarcopenia, dynapenia, and the impact of advancing age on human skeletal muscle size and strength. Front Physiol 2012;3:260.
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  • Habboub B et al. Diagnostik und Therapie der Sarkopenie und sarkopenen Adipositas. Dtsch Arztebl Int 2025;122:121–126.
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  • Volkert D et al. S3-Leitlinie Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter. DGEM, AWMF 073-019. Akt Ernahrungsmed 2025;50:220–283.
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  • Moore DR et al. Protein ingestion to stimulate myofibrillar protein synthesis requires greater relative protein intakes in healthy older versus younger men. J Gerontol A Biol Sci Med Sci 2015;70:57–62.
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Ob eine Gewichtsreduktion im höheren Lebensalter sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden. Bei ungewolltem Gewichtsverlust, bestehenden Erkrankungen, eingeschränkter Nierenfunktion oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme gehört die Abklärung in ärztliche Hände. Setze verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab. Die genannten Studienergebnisse sind Durchschnittswerte aus Untersuchungsgruppen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf einzelne Personen übertragen.